Ceridwen

[131] Ceridwen (Britt. M.) Die Naturgöttin, aber sowohl Göttin des Todes, als, nach der Seelenwanderungslehre der Druiden, der Lebenserneuerung. C. war dem Tegid Voel vermählt, einem Manne von edler Abkunft, dessen väterliches Land mitten im See von Tegid lag. Ein Sohn Morvran und eine Tochter Creirvym, das schönste Mädchen der Welt, waren ihre Kinder, aber ausser diesen hatten sie noch einen Sohn Avaggdu, das hässlichste aller Wesen. Zum Trost dafür bereitete seine Mutter für ihn einen Zauberkessel, in welchen man nur zu sehen brauchte, um die Zukunft zu erfahren. Das Kochen dieses Kessels musste Jahr und Tag ohne alle Unterbrechung fortgesetzt werden, bis man drei gesegnete Tropfen von den Gaben des darin waltenden Geistes erhalten konnte. C. stellte daher einen Mann, den kleinen Gwion auf, um auf die Bereitung des Kessels zu achten; aber gegen Ende des Jahres flogen durch seine Unvorsichtigkeit die drei Tropfen aus dem Kessel, und ihm auf den Finger; er leckte diesen ab, und fand, dass ihm die Ereignisse der Zukunft eröffnet waren; aber C., als sie entdeckte, dass die Mühe des Jahres für Avaggdu verloren sei, verfolgte Gwion; nach manchfaltigen anderen Verwandlungen des Flüchtlings und der Verfolgerin verwandelt sich Gwion in ein Weizenkorn, C. in eine schwarze Henne, und frisst das Weizenkorn auf. Sie wird davon schwanger und gebiert ein wunderschönes Kind, das sie in einem Schifflein dem Meere übergibt. Es wird gefunden von Elphins, dem Sohne Gwydnos, der es nach Hause trägt, wo man es Taliesin (strahlende Stirne) benennt, und mit Erstaunen entdeckt, dass es aller Weisheit voll ist, und die höchsten göttlichen Offenbarungen ausspricht. - Der Kessel der C. war Symbol eines besonderen Ordens unter dem Stande der Barden im alten Britannien, des Kesselordens, der seine Ordensgeheimnisse hatte und bei Festen seine mysteriösen Gesänge vortrug. Der Volksaberglaube hat ihn zum Kessel in der Hexenküche entwickelt.

Quelle:
Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Stuttgart 1874, S. 131.
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