Magier

[318] Magier (Pers. Rel.), ein medischer Stamm, der schon in frühester Zeit dem Priesterthum vorstand. Er war im ausschliesslichen Besitz aller Wissenschaften, und hatte dadurch grosse Macht über das Volk, weil dasselbe in Allem, was ein M. that, ein Wunder erblickte, worin es denn auch auf jede Weise bestärkt wurde, indem die ganze Kaste sich bestrebte, das Volk in der tiefsten Abhängigkeit zu erhalten. Zoroaster, welcher den Unfug sah, suchte durch eine Religionsreform zugleich eine Reform der Priesterkaste herbeizuführen, welches er dadurch bewerkstelligte, dass er sie in drei Grade, der Herbeds (Lehrlinge), Mobeds (Meister) und Destur Mobeds (vollendete Meister) theilte, ihren Wirkungskreis feststellte, und dem Volke sagte, bis wie weit derselbe sich erstrecke. So wurden sie denn die Verkündiger der religiösen Gesetze, die Opferdiener, die Mittler zwischen Ormuzd und den Menschen, schwangen sich indessen nach Zoroaster's Tod bald wieder zu einem übermässig hohen Grad von Ansehen empor, indem sie ausser dem theologischen Wissen, welches der grosse Reformator ihnen als ihr Bereich angewiesen, sich einer Stellung bemächtigten, in welcher sie Lehrer der Prinzen, Rathgeber der Herrscher, oberste Richter, ja unumschränkte Lenker der ganzen Staatsmaschine wurden. In der Folge, als die griechische Mythologie sich mehr über Asien verbreitete, ward die persische Religion immer weiter zurückgedrängt; mit ihrer Macht sank das Ansehen der M., und jetzt versteht man darunter eigentlich nur einen Gaukler, Taschenspieler höherer Art.

Quelle:
Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Stuttgart 1874, S. 318.
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