Überhelfen

[757] Ǘberhelfen, verb. irreg. neutr. (S. Helfen,) mit dem Hülfsworte haben, ich helfe über, übergeholfen, überzuhelfen, 1. Über etwas helfen, mit Verschweigung dieses Etwas. Ich kann nicht über den Bach, helfen sie mir über. Ich habe ihm übergeholfen. 2. Figürlich hilft man einem über, wenn man ihn entschuldigt oder mit Worten vertheidiget, seine Partey mit Worten nimmt, am häufigsten in einer unrechten Sache. Wenn ein Reicher nicht recht gethan hat, so sind viele, die ihm überhelfen, Sir. 13, 26. Die Mütter pflegen den Söhnen gern überzuhelfen. Einer hilft dem andern über.

Anm. Irrig verbindet man dieses Wort oft mit der vierten Endung. Wenn es diese litte, so wäre es ein Activum und müßte den Ton nicht auf dem Vor- sondern auf dem Zeitwort haben. Eben so fehlerhaft ist es, wenn es Apost. 7, 24. heißt: Moses sahe einen unrecht leiden, da überhalf er, für, da half er ihm über; zu geschweigen, daß dieses Wort von der Vertheidigung in einer guten und gerechten Sache nicht üblich ist.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 757.
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