Anhang, der

[313] Der Anhang, des -es, plur. die -hänge, dasjenige, was an eine andere Sache angehänget wird; und zwar, 1) in eigentlicher Bedeutung, in welcher auch das niedrigere Anhängsel üblich ist. 2) In weiterer Bedeutung, was einer Sache als außerwesentlich beygefüget wird. Der Anhang einer Schrift, eines[313] Buches. Der Anhang an einem Worte, zu demselben eigentlich nicht gehörige Buchstaben und Sylben, dergleichen das o in Dero, dannenhero u.s.f. das en an den Nebenwörtern auf lich, männlichen, gütlichen u.s.f. sind. 3) Als ein Collectivum, Personen, welche eines Meinung, einer Partey anhangen. Sich einen Anhang machen. Einen großen, geringen Anhang haben. Die Anführer wurden mit ihrem ganzen Anhange geschlagen. Ein Anhang böser Buben, mit einander verbundene böse Buben. In dieser dritten Bedeutung hat Anhang alle Mahl einen übeln Nebenbegriff, daher man es hier nur im gehässigen und verächtlichen Verstande gebraucht. 4) Der Nahme einer gewissen Art Elbschiffe.

Anm. Obgleich der Plural in der zweyten Bedeutung, die Anhänge, der Sprachähnlichkeit völlig gemäß ist, so klingt er doch immer ein wenig fremd; vermuthlich, weil man denselben wenig gebraucht hat. Man sagt daher lieber, das Buch hat einen gedoppelten, dreyfachen Anhang, als, es hat zwey, drey Anhänge. In der dritten Bedeutung findet derselbe, wie bey andern Collectivis, gar nicht Statt. Es scheinet, daß Anhang in Oberdeutschland ehedem auch eine Art des Reifes bedeutet habe.


Walt und ouwe das gevilde

Hat bedecket rife und anehank,

Graf Conrad von Kirchberg;


vermuthlich weil er sich an die Gegenstände gleichsam anhängt. Die Lateinischen Schriftsteller der spätern Zeiten gebrauchen Adhaerentia mehrmahls für Anhang, in der zweyten und dritten Bedeutung.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 313-314.
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