Bethen

[938] Bêthen, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert, sich mit Gott unterreden. Fleißig bethen. Zu Gott bethen. Aus dem Herzen bethen. Für jemanden bethen. Vor Tische, nach Tische bethen. Sie bethet uns oft um das Mittagsessen, Gell. sie bringt uns durch ihr übel angebrachtes Bethen oft um das Mittagsessen, lässet sich nur im vertraulichen Scherze sagen, so wie die Wortfügung mit der vierten Endung der erbethenen Sache:


Er fleht, er bethete mit aufgehobner Hand,

Vom Himmel Ruh für uns, und Sieg für seine Feinde,

Weiße,


nur in der höhern dichterischen Schreibart gewagt werden kann. Ganz richtig aber sagt man active, den Morgensegen, den Abendsegen u.s.f. bethen. Den Glauben bethen, hersagen, im gemeinen Leben.

Anm. Bethen, bey dem Kero petoon, bey dem Ottfried bethen, bey dem Notker beton, war ehedem in allen den Fällen üblich, wo wir jetzt dessen Frequentativum bitten gebrauchen. In dieser Bedeutung sagt noch Tatian beto, im Imperativ für bitte. Es ist aber schon sehr frühe auf das gottesdienstliche Bitten eingeschränkt worden, und wird jetzt außer demselben gar nicht gebraucht. Die Oberdeutsche Mundart: kennet in diesem Worte nur ein t; die[938] Niedersächsische hat dagegen mit ihren Nachbarn ein d, Nieders. beden, Dän. bede, Schwed. bedia, welches auch zuweilen gar verbissen wird, wie in dem Nieders. bêen, dem Angels. bene, dem Isländ. baên, und Schwed. bön, Gebeth. Da nun die Hochdeutsche Mundart das Mittel zwischen der harten Oberdeutschen und allzu weichen Niedersächsischen hält, so hat sie hier ein th angenommen, den Mittellaut zwischen dem t und d wenigstens für das Auge zu bezeichnen, wenn er gleich in der Aussprache nicht Statt findet, wo t und th völlig gleich lautend sind.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 938-939.
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