Daran

[1390] Dāran und Darān, adv. demonstrat. relat. des Ortes, für an diesem, an dieses, an demselben, an dasselbe. Es ist,

1. Ein anzeigendes Umstandswort, in welchem Falle es den Ton auf der ersten Sylbe hat, und am häufigsten in dem Vordersatze stehet. Es bezeichnet alsdann, 1) den Gegenstand einer Beschäftigung, oder auch nur eines Ausspruches. Daran habe ich genug. Daran kann ich ohne Wehmuth nicht denken. Daran hast du kein Recht. Daran thun sie wohl. Daran sehe ich nun eben nichts Schönes. 2) Das Mittel, eine Handlung zu vollbringen, besonders das Mittel einer Erkenntniß. Daran sollt du erfahren, daß ich der Herr bin, siehe, ich will u.s.f. 2 Mos. 7, 17. Ich will es daran sehen, wenn u.s.f.

2. Ein Demonstrativo-Relativum, da es den Ton auf der letzten Sylbe hat, und nach einem oder mehrern Wörtern gesetzet wird. Es bedeutet, 1) eine Gegenwart nahe an einem Orte, oder einer Sache, ingleichen eine Bewegung nahe an derselben. Die Stadt liegt nicht am Berge, aber das Dorf liegt daran. Sie gehen daran herum, an dem Berge. Schütte Wasser daran. Die Arbeit ist leicht, und doch gehet er sehr schwer daran. Das Thier ist mager, es ist nichts daran. Es ist eine Lüge, es ist nichts daran, es ist nichts Wahres an der Sache. 2) Den Gegenstand einer Beschäftigung oder eines Ausspruches. Du arbeitest auch sehr lange daran. Ich habe längst daran gedacht. Das Haus ist mein, du hast kein Recht daran. Ihr habt wohl daran gethan. Die Sache ist gut, ich tadele nur das daran. Trüffeln sind ungesund, es hat sich schon mancher daran krank gegessen. Man hat nur seine Lust daran. 3) Das Mittel, eine Handlung zu vollbringen, besonders das Mittel einer Erkenntniß. Er hat eine durchdringende Stimme, ich kannte ihn gleich daran. 4) Oft ist die Sache, auf welche sich das daran beziehen soll, dunkel, und alsdann bildet es mit einigen Verbis verschiedene gute figürliche Arten des Ausdruckes. Z.B.

Mit kommen. Er wird bald daran kommen, d.i. an die Reihe. Du sollst schon auch daran kommen.

Mit liegen. Mir liegt nichts daran, die Sache ist in Beziehung auf mich von keiner Wichtigkeit. Was liegt der Tugend daran, wie man seine Kleider trägt?


Dem Bösen liegt daran, daß keine Gottheit wäre,

Dusch.


Mit müssen. Nun muß er daran, nehmlich an die Reihe. Er hat daran gemußt, im gemeinen Leben, er hat sterben müssen.

[1390] Mit setzen. Leib und Leben, Hab' und Gut daran setzen, an oder auf das Spiel setzen, es wagen. Sie will ihr ganzes Vermögen daran setzen.

Am häufigsten mit seyn. (a) Er ist sehr eifrig daran, er arbeitet eifrig an der Sache. Wir wollen mit Ernst daran seyn, daß u.s.f. wir wollen uns mit Ernst bemühen. Ich will mit allem Fleiße daran seyn, daß ihr bezahlet werdet. (b) Er ist sehr übel daran, er befindet sich in übeln Umständen. Ich bin bey ihm sehr wohl daran, ich gelte viel bey ihm.


O wie wohl ist doch daran,

Sprach ich, der so leben kann!

Opitz.


Im Hochdeutschen ist das Verbum seyn in diesem Verstande nur mit den Nebenwörtern wohl, übel, gut, schlecht u.s.f. üblich; daher es nicht nachzuahmen ist, wenn es bey dem Opitz heißt:


Dieß Volk ist so daran,

Daß es vor allen nicht viel Noth ertragen kann.


(c) Ich weiß nicht, wie ich daran bin, in was für Umständen ich mich befinde; doch nur figürlich, was ich von der Sache glauben soll. Ich sehe schon, wie ich mit ihm daran bin, was ich von ihm halten soll. Man weiß immer nicht, wie man mit ihm daran ist. Du bist sehr unrecht daran, du irrest dich, bist in der Sache sehr übel berichtet. Wenn ich anders recht daran bin, wenn ich mich anders nicht irre. (d) Es ist nichts daran, es ist nichts Wahres an der Sache; ingleichen, die Sache taugt nichts.

Anm. 1. In vielen der obigen R.A. stehet daran für darin; S. An. Andere Arten des Ausdruckes, wo daran für darin stehet, sind im Hochdeutschen nicht nachzuahmen z.B. die Erde und was daran ist. Sprichw. 8, 26.

Anm. 2. Daran wird im gemeinen Leben sehr oft bloß relative gebraucht. Die Sache, daran ich schon so lange gearbeitet habe. Die Wand daran ich sitze. Allein es bleibt alle Mahl ein Fehler, wenn man das demonstrativo-relativum da mit dem bloß relativen wo verwechselt. Hier sollte es heißen woran. S. dieses Wort.

Anm. 3. So wohl im gemeinen Leben, als in der Dichtkunst wird daran oft in dran zusammen gezogen. Er will nicht dran. Ich sehe nichts Schönes dran.


Allein acht Groschen wag' ich dran,

Gell.


Ein Fehler ist die Zertrennung dieses Wortes:


Da denket keiner an,

Haller,


für daran denket keiner; so wie die Verdoppelung des da, da will keiner daran, S. Da II und An.

Anm. 4. Bey dem Ottfried lautet diese Partikel dar ana, bey dem Notker dara ana, und bey den Schwäbischen Dichtern theils dar an, thheils auch schon daran.


Unsshuldig wil ich sin daran

Sol zwein gelieben iht geschehen,

der Burggraf von Liunz.


Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 1390-1391.
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