Ewig

[1984] Ewig, adj. et adv. 1. Einem Menschenalter an Dauer gleich; doch nur noch in einigen Ausdrücken. Ein ewiges Gefängniß. Zu ewiger Gefangenschaft verurtheilet werden, d.i. auf des Verurtheilten Lebenszeit. Er ist auf ewig des Landes verwiesen worden. Ich werde doch nicht auf ewig verpflichtet seyn? d.i. auf meine ganze Lebenszeit. Das ist dir eine ewige Schande, so lange du lebest. Ein ewiger Friede, der auf die ganze Lebenszeit der contrahirenden Theile geschlossen wird; wenn nicht diese letztern R.A. zur folgenden Bedeutung gehören. Die ewigen Einwohner in Bern sind den Bürgern entgegen gesetzet, und nur darin von ihnen unterschieden, daß sie nicht regierungsfähig sind, wie diese, ob sie gleich ihren beständigen Aufenthalt daselbst haben. 2. Eine lange unbestimmte Zeit während. 1) Eigentlich. Sich einen ewigen Nahmen machen. Das wird dir zu einem ewigen Ruhme gereichen. Zum ewigen Gedächtnisse. Zu ewigen Zeiten. Der ewige Bund[1984] der Beschneidung, 1 Mos. 17, 7, 13, 19. Der ewige Bund der Haltung des Sabbathes, 2 Mos. 31, 16. Ewig soll das Feuer brennen, 3 Mos. 6, 13. Die ewige Sitte von Opfern, Kap. 3, 17; und so in vielen andern Stellen mehr. Im gemeinen Leben auch nach einer bekannten Vergrößerung von einer kürzern Zeit, wenn sie als lang vorgestellet werden soll. Mit deinem ewigen Zanken. Ich möchte wissen, was ich von dem ewig langen Schlafen hätte, Weiße. Mit deiner ewigen Freyheit, Gell. wovon du unaufhörlich sprichst. 2) Figürlich. (a) Von dem Raume. So ist in dem Bergbaue eine ewige Teufe eine unbekannte große Tiefe. Der Gang setzet in ewiger Teufe fort, in einer unbekannten Tiefe. (b) Im gemeinen Leben ist das Nebenwort ewig oft eine Ausfüllungs-Partikel, den Nachdruck zu befördern. Alcander glaubt das ewig nicht, Gell. gewiß nicht, nimmermehr. Es ist doch ewig Schade, ebend. Was wird doch ewig hieraus werden? Allein, wie ward es ewig kund? Less. Wie werde ich nun ewig zurechte kommen? Was soll ich ewig sagen? Auf welche Art die Ausdrücke immer, in aller Welt u.s.f. gleichfalls gebraucht werden. 3. Kein Ende der Zeit nach habend, in welchem Verstande es besonders in der Theologie üblich ist. Der Geist des Menschen ist ewig. Gottes Güte währet ewig. Die ewige Seligkeit. Die ewige Verdammniß. Ingleichen, keinen Anfang habend. Viele Weltweisen behaupten, daß die Welt ewig ist, daß sie keinen Anfang gehabt habe. 4. In der engsten Bedeutung, der Zeit nach weder Anfang noch Ende habend; in welchem schärfsten Verstande dieses Wort besonders von Gott gebraucht wird. Gott allein ist ewig. Der ewige Gott.

Anm. Dieses Wort lautet bey dem Kero euuic, bey dem Ottfried euuig und euuinig, bey dem Willeram euueg, bey dem Stryker ewic, im Schwed. und Dän. gleichfalls ewig, bey dem Ulphilas aber aiwein. Die letzte Sylbe ist die Ableitungssylbe ig, daher das Stammwort Ew, Eu lautet. Dieses ist ein sehr altes Wort, welches so wohl als ein Hauptwort, als auch als ein Nebenwort, eine lange, immer währende Zeit bedeutet, und zu welchem das Ulphilan. aio, das Griech. αειν, das Angels. a, aa, das Schwed. å, das Isländ. ei, das Wallis. eu, allezeit, semper, ingleichen das Griech. αιων, gleichsam αει ων, und Lat. aevum gehören. S. Ewigkeit. Im Schwed. bedeutet Aefwe noch die Lebenszeit. Das verlängerte Alemannische ewiglich, welches in der Deutschen Bibel noch sehr häufig vorkommt, ist im Hochdeutschen veraltet. Es scheinet, daß ewig nach einer gewöhnlichen Figur ehedem auch fest, unbeweglich bedeutet habe. Wenigstens kommt das veraltete Zeitwort ewigen in einer Übersetzung der Sprichwörter Salomo aus dem Anfange des 15ten Jahrhundertes für befestigen vor: Got hat die Himmel mit weistum geewigt.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 1984-1985.
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