Glocke, die

[725] Die Glocke, plur. die -n, Diminut. das Glöckchen, Oberd. Glöcklein. 1. Eigentlich, ein metallenes hohles Werkzeug in Gestalt eines stumpfen ausgeschweiften Kegels, welches gemeiniglich inwendig mit einem Klöppel versehen ist, andern durch ihren Klang ein gewisses Zeichen zu geben. Besonders die größern Werkzeuge dieser Art. 1) Im weitern Verstande. Glocken gießen. Eine Glocke gießen. S. Glockengießer. Mit der Glocke läuten, oder die Glocke läuten, durch Bewegung derselben, welche zugleich den Klöppel in Bewegung bringt, den verlangten Schall hervor bringen. * Mit der Sauglocke läuten, in der niedrigen Sprechart, Zoten hervor bringen. Etwas an die große Glocke schlagen, figürlich, es öffentlich bekannt machen. Der Glöckchenston oder Glöckleinton, ein Register in den Orgeln, welches wie Glöckchen klingt. 2) In engerer Bedeutung, im gemeinen Leben, eine Schlaguhr. Die Glocke hat noch nicht zehn geschlagen. Die Glocken schlagen in der Stadt nicht überein. Was ist die Glocke? in Niedersachsen, für, wie viel Uhr ist es? Die Glocke ist acht, eben daselbst, es ist acht Uhr. 2. Figürlich, wegen der Ähnlichkeit in der äußern Gestalt. 1) Verschiedene Gefäße, welche die Gestalt einer Glocke haben. Dergleichen sind die gläsernen Glocken der Gärtner, sie über gewisse Arten von Pflanzen zu decken, die Glocken der Wassertäucher, sich darunter unter dem Wasser zu erhalten, die Glocke an der Luftpumpe, die Glocken in der Chymie, glockenförmige Gefäße zur Bereitung der sauern Geister, die Glocken der Wäscherinnen, Manschetten, Krausen u.s.f. darauf auszustoßen, von der Ähnlichkeit mit einem Glockenklöppel,[725] wozu bey glatter Wäsche das Plätteisen gebraucht wird, die glockenförmigen Stürzen über die Schüsseln u.s.f. 2) Bey den Jägern, ein glockenförmiges Garn zum Hühnerfange im Winter. S. Glockengarn. 3) Die glockenförmigen Kelche gewisser Blumen, und diese Gewächse selbst. So wird die Halswurz, Campania Trachelium und glomerata L. von einigen wilde Glöckchen, die Akeley aber an einigen Orten Glocken genannt. S. Glockenblume. 4) Eine ehemahlige Art der Kleider beyder Geschlechter in Gestalt einer Glocke; im mittlern Lat. Cloca.

Anm. In der ersten eigentlichen Bedeutung lautet dieses Wort im Nieders. Klokke, im Engl. Clock, im Angel. Clugga, im Wallis. Cloch, im Franz. Cloche, im mittlern Lat. Gloccus, Clocca, Glogga, im Dän. Klokke, im Schwed. Klocka. Es stammet wohl, wie schon Wachter bemerket, von dem veralteten klochen, klocken, her, wofür jetzt klopfen üblich ist, welches schon bey dem Kero clochon lautet, und zu dem Geschlechte der Wörter locken, Glucke u.s.f. gehöret. Hagen bey dem Pez nennt noch den Klöppel Clechel. Glocke und Schelle sind zunächst nicht der Größe, sondern der verhältnißmäßigen Dicke des Metalles nach unterschieden. Einige hauchende Oberdeutsche sprechen das g zu Anfange dieses Wortes wie ein ch, die Hochdeutschen mit dem dem g eigenthümlichen Laute, die Niedersachsen und Niedersächsischen Hochdeutschen wie ein gewöhnliches k aus, und pflegen es auch so zu schreiben.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 725-726.
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