Gruft, die

[823] Die Gruft, plur. die Grüfte, von dem Zeitworte graben. 1) Eine in die Erde gegrabene Öffnung, eine Grube. Des Brunnen Gruft, daraus ihr gegraben seyd, Es. 51, 1. Im Hochdeutschen ist es in dieser weitern Bedeutung veraltet, wo[823] man es nur von einem Grabe überhaupt in der höhern und dichterischen Schreibart, von einem ausgemauerten Grabe, einer gewölbten Grabstätte aber auch im gemeinen Leben gebraucht. Eine Leiche in die Gruft senken, sie zur Gruft begleiten. Dahin gehören auch die unterirdischen Grüfte zu Rom, welche vermuthlich zu Begräbnissen der Sklaven und geringen Personen dienten. 2) Im Oberdeutschen, und zuweilen auch in der höhern Schreibart der Hochdeutschen, eine natürliche Öffnung in und unter der Erde, eine Höhle; daher man im Oberdeutschen eine Grotte auch wohl eine Gartengruft zu nennen pfleget.

Anm. Im Dän. Groft, im Schwed. Grift, im Isländ. Gröftr, im Angels. Cruft, im mittlern Lat. Croftum, welche insgesammt eine jede Grube bedeuten; von graben, Schwed. grafwa, ungeachtet man es gemeiniglich von dem Griech. κρυπτƞ, Lat. Crypta, abzuleiten pfleget. Im Schwed. und Dän. ist Kraft eine Höhle. S. Graben und Grube.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 823-824.
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