Hintan

[1191] Hintán, ein Nebenwort des Ortes, welches im Oberdeutschen am häufigsten für zurück, ingleichen hinten, der Ordnung nach, gebraucht wird, und aus hinten an zusammen gezogen ist. Etwas hintan legen, es zurück legen. Wir lassen alles hintan, Opitz, für zurück. Durch sie bleibt nichts hintan, ebend. Ingleichen figürlich, etwas hintan setzen, stellen, eine andere Sache demselben vorziehen. Die Schönheit der Wissenschaften hintan stellen, Opitz. Stoß ja nicht mehr den Dürftigen hintan, ebend. verachte ihn nicht. In welcher Bedeutung es auch noch zuweilen im Hochdeutschen vorkommt. Die Andacht hintan setzen, Gell. versäumen, unterlassen. Sich mit Hintansetzung der Gesetze durch Geschenke erweichen lassen. Im Oberdeutschen, wo man hinten, und hinter sehr häufig mit einem weichen d zu schreiben pfleget, wird auch dieses Wort hindan geschrieben und gesprochen, welches aber der Hochdeutschen Aussprache widerlich klinget. Der held tette ein trit hindan auf die seytten, Theuerd. In den ältern Schriften findet sich dieses Wort noch in folgenden Bedeutungen. Notker gebraucht hindenan von der Zeit, für hinten nach. Im Theuerdanke stehet es häufig für davon, von dannen, dahin, aus welchem letztern Worte es alsdann auch durch eine Versetzung der Sylben entstanden zu seyn scheinet. Weyt hindan ist für die schüß gut, Kap. 50. Heimlichen schlich er vom Held hindan, Kap. 73. Wolt ir faren hindan, wollt ihr dahin fahren, Kap. 64. Ingleichen für hinein. Damit weist Unfallo den man auf das geleid in wald hindan, Kap. 27. Wie auch für hin oder hinan. Für (führe) morgen diesen tewren mann auf das hohe gepirg hindan, Kap. 18.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 1191.
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