Krug, der

[1803] Der Krug, des -es, plur. die Krüge, Diminut. das Krügelchen, Oberd. Krüglein, zusammen gezogen Krügel, ein hohler Raum und in engerer Bedeutung ein Gefäß, doch nur noch in einigen einzelnen Fällen.

1. Ein thönernes Gefäß, welches in der Mitte einen Bauch, und oben eine weite Öffnung hat, führet den Nahmen eines Kruges. Der Öhlkrug, Essigkrug, Weinkrug, Wasserkrug, ein solches Gefäß, Öhl oder Essig darin aufzubehalten, Wein darin zu hohlen, oder Wasser damit zu schöpfen; in welcher Bedeutung es in der Deutschen Bibel mehrmahls vorkommt, wo 2 Mos. 16, 3 auch das Diminut. Krüglein angetroffen wird.


Der krug so lanng zu wasser geet

Bis er ein mall zubrochen steet,

Theuerd. Kap. 88.


Allein der Krug ging, wie man sagt,

So lang zum Wasser bis er brach,

Wiel.


Bey dem Ottfried Kruag, im Nieders. Kruke, welches aber auch eine steinerne oder thönerne Flasche bedeutet; im mittlern Lat. Creche, Cruga, und mit versetztem r Corcha, welches sich dem Lat. Orca und Urceus nähert, bey dem Ulphilas Aurkge, im Franz. Cruche, im alt Fries. Crocha, im Schwed. Kruka, im Holländ. Kruik, im Engl. Crook, im Angelsächs. Crocca, im Wallis. Cregen.

2. Ein Trinkgeschirr von Thon, Glas oder Porzellan, welches gemeiniglich gerade aus gehet oder einem Cylinder gleicht, oft aber auch bauchig ist, und gemeiniglich einen Henkel und Deckel hat. 1) Eigentlich. Aus einem Kruge trinken. Ein Krug Bier, Wein oder Wasser. Ein Bierkrug. Im Franz. gleichfalls Cruche. Die Nördlichern Mundarten haben in dieser Bedeutung statt des Gaumenlautes ein s, wie das Niedersächs. Kroos, das Holländ. Kroes, das Engl. Cruse, das Dän. Kruus, das Schwed. Krus, im Pohln. Kruz, im Finnländ. Kruus, das mittlere Lat. Cruselinum und Crusolium, welches sich dem Griech. κρωσσος, eine thönerne Flasche, eine Kruke, nähert. Selbst in einigen gemeinen Oberdeutschen Mundarten heißt ein solcher Krug Kraus. Im Ostfries. ist Krueß zugleich ein Getreidemaß, deren 18 einen Scheffel machen. 2) Eine Bierschenke, ein öffentliches Haus, wo Bier und Branntwein geschenkt wird; eine nur in Niedersachsen übliche Bedeutung, eine Schenke, ein Wirthshaus zu bezeichnen, wo das Wort Krog lautet. Der Kröger, oder nach Hochdeutscher Mundart Krüger, ist daselbst ein solcher Wirth oder Schenkwirth, und krögen Bier und Branntwein schenken, einen Krug halten. Im Schwed. Krog, im Dän. Kroe, im Isländ. Krå. Vermuthlich als eine Figur von dem zum Zeichen solcher Häuser ausgehängten Kruge.

Anm. Es gehöret zu dem Geschlechte der Wörter Krätze, ein Korb, Kragen, Kreuz, krumm, 1. Krücke, kraus, und anderer mehr, welche theils eine gebogene Fläche, theils eine Erhöhung, theils aber auch einen hohlen Raum, ein Behältniß, bedeuten. In dieser letztern Bedeutung gehören hierher noch das Ital. Cruciuolo, das Franz. Creuset, und mittlere Lat. Crusollus, ein Schmelztiegel, das mittlere Lat. Crucibolum und Crusel, eine Hängelampe, welche im Nieders. Krüsel, im Franz. Creuseul und Croissol, in der Picardie aber Cracet genannt wird.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 1803.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien: