Naiv

[426] Nav, (zweysylbig,) -er, -este, aus dem Franz. naïv, und dieß vermuthlich aus dem mittlern Latein. nativus offenherzig. 1) Natürlich, der Natur des Gegenstandes angemessen; natürlich. Naive Gedichte, welche die Empfindungen der Natur des Gegenstandes gemäß ausdrucken. 2 Natürliche Gegenstände, ohne die durch den Wohlstand nothwendig gewordenen Umschweife ausdruckend; natürlich. In beyden Bedeutungen könnte man es entbehren, wenn nicht die Vieldeutigkeit des Wortes natürlich es zuweilen erforderte. 3) In der engsten in den schönen Künsten üblichen Bedeutung ist naiv und das Naive, das Unerwartete mit einer unschuldigen Offenherzigkeit verbunden. So auch die Naivheit, Franz. Naiveté, so wohl als ein Abstractum und ohne Plural, als auch im Concreto von naiven Gedanken und Ausdrücken, mit demselben.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 426.
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