Verhauen

[1060] Verhauen, verb. irregul. act. S. Hauen. 1. * Niederhauen; eine jetzt veraltete Bedeutung. Einen Baum furhouwan, im Tatian. Er hat ihren Bruder verhauen und erstechen lassen, Buntings Braunschw. Chron., wo es aber auch für zerhauen stehen kann. In figürlichem, aber auch veraltetem Verstande, bedeutete es ehedem auch, in einem Treffen schlagen und überwinden. 2. Kürzer oder kleiner hauen, eine noch hin und wieder übliche Bedeutung. Der Herr wird die Äste mit Macht verhauen, Es. 10, 33. Die Daumen verhauen, Richt. 1, 6. Verhauene Daumen, V. 7. Die Winzer verhauen den Weinstock, wenn sie ihn beschneiden. 3. Behauen, d.i. durch Hauen eine Art von Zubereitung geben, nur noch in einigen Fällen. Die Stiefel hatten oben roth Leder und waren verhauen, Faust Limp. Chron. vielleicht ausgehauen, ausgezackt. Bey dem Keltern des Weines wird das Bett verhauen, d.i. die zusammen gepreßten Hülsen werden von Zeit zu Zeit aufgehauen und aufgelockert. Bey den Tuchscherern wird das Tuch auf der linken Seite verhauen, wenn es, ohne vorher gerauhet zu werden, geschoren wird. 4. Durch Hauen versperren, wo man es doch nur in denjenigen Fällen gebraucht, wo man durch niedergehauene Bäume einen Ort versperret und unzugänglich macht. Einen Wald verhauen. Sich im Walde verhauen. Jemanden den Weg verhauen, eigentlich durch niedergehauene Bäume, figürlich aber auch für versperren überhaupt. S. Verhau. Im Nieders. sagt man in diesem Verstande verhacken, daher daselbst auch Verhack für Verhau üblich ist. 5. Sich verhauen, in der Fechtkunst, nicht sowohl falsch oder fehl hauen, in der folgenden Bedeutung, als vielmehr mit dem Begriffe der Erschöpfung, so hauen, daß man nach geführtem Hiebe dem Gegner eine Blöße giebt, die man nicht so gleich wieder decken kann. Figürlich bedeutet es, sich durch Unbesonnenheit im Reden bloß geben. 6. Fehl hauen, gleichfalls als ein Reciprocum, sich verhauen. 7. Falsch hauen, oder vielmehr durch Hauen verderben. So verhauet der Fleischer das Fleisch, wenn er es in unbequeme oder untaugliche Stücke zerhauet.

[1060] Daher das Verhauen, seltener die Verhauung.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 1060-1061.
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