Epaminondas

Epaminondas, geb. im 390. Jahre vor Christi Geburt, ein berühmter General der Thebaner, von welchem es schwer zu entscheiden ist, ob er als Feldherr oder als Mensch größer gewesen. So lange er lebte, siegte der kleine Staat von Theben über ganz Griechenland; nach seinem Tode näherte er sich seinem Falle. Epaminondas besaß eine seltne Uneigennützigkeit; er hinterließ nicht einmahl so viel, als die Kosten zu seinem Begräbnisse betrugen. Mit diesen Tugenden verband er auch viele wissenschaftliche Kenntnisse; er hatte von Jugend auf die Studien geliebt, und entfernte sich nur ungern von denselben. Bei allen diesen Vorzügen war sein Betragen höchst einfach und ohne allen Prunk. Dieser große Mann war nahe daran, zum Tode verdammt zu werden, weil er das Gesetz der Thebaner, das Commando länger als einen Monat zu behalten, übertreten hatte. Er hatte dieß gethan, um seinen Mitbürgern die Freiheit zu erwerben. Nur die Bitte Epaminondas, man möchte auf sein Grabmahl setzen: »er habe darum das Leben verloren, weil er die Republik gerettet,« brachte die Thebaner wieder zu sich selbst, und sie gaben ihm das Commando wieder.

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Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 1. Amsterdam 1809, S. 389-390.
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