Truhten (Druiden, Druyten)

[244] Truhten (Druiden, Druyten) waren bei [244] den alten Deutschen die Diener Gottes – Priester; sie standen in so großer Achtung, daß, wer sich an ihnen verging, für ehrlos angesehen wurde. Sie waren Natur- und besonders Sternkundige, aber auch zugleich Sittenlehrer; sie verkündeten dem Volke den Willen des God Tüs, sorgten für die Gerechtigkeit, und vollzogen in der großen jährlichen Volksversammlung die zuerkannten Strafen. Die Tüsfahne (Fahne Gottes) war in ihrer Verwahrung, und auch beim Heereszug vollzogen sie die Strafen. So ist auch der Truhtenstein ein Opfer- oder Schlachtstein, auf welchem die Truhten das Opfer – wohl oft in den ersten frommen Aberglauben Menschen – schlachteten. Ihre Lehrart war dunkel; doch gingen ihre Hauptlehren auf die Anerkennung des Tüs (als die Weltseele), auf die Unsterblichkeit der Seele Belohnung und Bestrafung nach dem Todte etc. hinaus. Um die Stirne trugen sie einen Eichenkranz, übrigens lange Kleider, vorn über der Brust mit Schlingen zusammen gehalten, hatten gewöhnlich einen Eichenzweig in der einen, und ein Schlachtmesser in der andern Hand; mit einem weißen Stabe wohnten sie den Volksversammlungen bei. Auf den Füßen trugen sie zwei verschlungene Dreiecke Truhten (Druiden, Druyten): welches Zeichen daher auch hernach der Truhtenfuß hieß. Dieser enthält zugleich die h. z. T. gebräuchlichen Zeichen der vier Urstoffe, nehmlich: Truhten (Druiden, Druyten) Feuer, Truhten (Druiden, Druyten) Wasser, Truhten (Druiden, Druyten) Luft, Truhten (Druiden, Druyten) Erde. – Die Genossen dieser Deutschen Vernunftweisen hießen auch Truhten und Allrunen; welche Namen im Anfange sehr ehrwürdig waren, nachher aber, so wie überhaupt der ganze Name der männlichen sowohl als weiblichen Truhten durch die neuen Lehrer der christlich-Römischen Lehrmeinungen sehr verschrieen und zu Benennungen der Zauberer, Heren und Teufelsgesellschafterinnen herabgewürdiget wurden. Sehr viel Belehrendes hierüber findet man in Wilh. Reynitzsch über Truhten und Truhtensteine, Barden etc. der Deutschen, Gotha 1802.

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Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 6. Amsterdam 1809, S. 244-245.
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