Jon

[477] Jon (Mythol. und Gesch.) ein Sohn des Xuthus und der Kreusa. Von seiner Jugendgeschichte werden folgende Erzählungen gemacht: Jon, nicht eigentlich Sohn des Xuthus, sondern vielmehr des Apoll, [477] der ihn heimlich mit Kreusa gezeugt hatte, wurde von dieser in ein Kästchen gelegt und in dieselbe Höhle gesetzt, wo Apollo sie umarmt hatte. Auf Anregung des Apoll brachte Merkur das Kind zur delphischen Pythia, wo es erzogen wurde. Unterdessen hatte Kreusa den Xuthus geheirathet, und da diese keine Kinder zeugten, so wollte Apoll nun den jungen Jon gern dem Xuthus als Sohn übergeben, und da auch selbst Xuthus das Orakel wegen seiner Kinderlosigkeit befragte, so kam dies dem Apoll sehr gut zu statten, um jenem die Antwort zu ertheilen, daß er einen unerkannten Sohn hätte, und zwar den, der ihm, aus dem Tempel gehend, zuerst begegnen würde. Xuthus, der, einer ehemaligen heimlichen Sünde sich bewußt, glaubte, es wäre der Fündling eine Frucht seiner damaligen Liebe, nahm das Kind mit Freuden auf, und gab ihm den Namen Jon. Indessen war seine Gemahlin Kreusa, welche diesen neuen Erben auch für eine heimliche Frucht ihres Gemahls hielt, nicht sehr damit zufrieden, wollte den Jon sogar vergiften lassen, das aber mißlang, weil Jon nicht trank, sondern den Becher ausgoß, und nun eine Taube, welche zufällig davon kostete, sofort davon starb: man entdeckte es, und Kreusa wurde zur Steinigung verurtheilt. Diese entfloh zum Altare, und da Jon sie hinwegreißen wollte, so brachte in dem Augenblick eine Priesterin jenes Kästchen, das Kreusa sogleich und mit ihm ihren Sohn erkannte, seinen Vater Apollo nannte, worauf dann Xuthus in dem Glauben gelassen wurde, daß Jon sein Sohn sei. Bald zeichnete sich dieser durch Thaten aus, und gewann dadurch die Achtung der Athener so sehr, daß sie ihn zu ihrem Beherrscher wählten, wiewohl er diese Krone nicht behaupten konnte, sondern nachher das Königreich Aegtalea erhielt, indem er des dasigen Königs Tochter, Helice, zur Gemahlin nahm. Das Land wurde dann von ihm Jonien genannt.

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Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 7. Amsterdam 1809, S. 477-478.
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