Gambetta

[642] Gambetta, Léon, franz. Staatsmann, geb. 3. April 1838 zu Cahors, 1859 Advokat in Paris, berühmt als polit. Redner und heftiger Gegner des zweiten Kaiserreichs, 1869 im Gesetzgebenden Körper einer der »Unversöhnlichen«, nach Napoleons III. Sturz 4. Sept. 1870 in der »Regierung der nationalen Verteidigung« Minister des Innern, trat im Oktober an die Spitze der Regierungsdelegation in Tours (später Bordeaux), schuf als Kriegsminister die Armeen zum Entsatz von Paris und schaltete ganz diktatorisch, trat nach Abschluß des Waffenstillstands zurück, galt seitdem als die Seele der Revanchepolitik, beherrschte als Führer der Majorität in der Deputiertenkammer und (seit 31. Jan. 1879) deren Präsident die ganze Staatsleitung, trat endlich 14. Nov. 1881 selbst an die Spitze der Regierung, aber schon 14. Jan. 1882, da die Kammer die von ihm vorgeschlagene Listenwahl ablehnte, wieder zurück; gest. 31. Dez. 1882 zu Ville-d'Avray bei Paris; schrieb: »Discours et plaidoyers politiques« (11 Bde., 1880-85). – Biogr. von Reinach (1884), Tournier (1893), Laborde (1898).

Quelle:
Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911., S. 642.
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