Alpdrücken

[153] Alpdrücken, auch Alp oder Trute genannt, ist eine während des Schlafes entstehende krankhafte Empfindung, welche zu den Träumen gerechnet werden muß, weil sie im Moment des Erwachens aufhört, was nicht der Fall sein würde, wenn sie durch ein körperliches Uebel entstanden wäre. Sie entsteht nur bei leichtem unruhigen Schlafe, wo die Träume gewöhnlich erscheinen. Eine unnennbare Angst, vielleicht Folge eines bösen Gesichtes, ein heftiger Schrecken lähmt anscheinend alle Kraft und Bewegung, mit der man den Unheil drohenden Begebenheiten oder Wahngestalten entfliehen oder um Hilfe rufen möchte. Die Pulse stocken, der Athem vergeht, eine Zentnerlast fällt oder drückt nach und nach auf die Brust, es naht die Katastrophe des Traumes, Ohnmacht oder Gefühl des Todes will eben das dunkle Bewußtsein vernichten, da erwacht man mit klopfendem Herzen, von Angstschweiß gebadet, und alle Empfindung verschwindet bei dem schönen Gefühl, auf seinem gewohnten Lager zu liegen, und sich durch Betastung und Bewegung als unbeschädigt wieder zu erkennen. – Das Gefühl der erdrückenden Last wurde vom Aberglauben verkörpert, man fühlte Ungeheuer, koboldartige Gestalten, und schrieb es dem Hohnnecken männlicher und weiblicher bösen Geister zu. – Im Allgemeinen verhütet man diese unangenehme Empfindung durch leichte Diät vor dem Schlafen, ein kühles Lager in geräumiger und nicht geheizter Stube, durch Waschungen des Kopfs und Körpers mit kaltem Wasser, Vermeidung der Rückenlage im Bette, oder des Legens der Hände über den Kopf, und durch genügende Bewegung am Tage.

D.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 1. Leipzig 1834, S. 153.
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