Pflüger, Ed. Friedr. Wilh.

[540] Pflüger, Ed. Friedr. Wilh., geb. 1829 in Hanau, Prof. in Bonn, gest. 1910. Der bekannte Physiolog ist durch seine Schrift »Die teleologische Mechanik der lebendigen Natur«, 1875; 2. A. 1877 für die Philosophie von Bedeutung. P. erklärt, daß die Lebensfaktoren durch das Prinzip der »zweckmäßigen Sicherung der Existenz« beherrscht werden. Im Organismus wirkt etwas Psychisches zweckmäßig, aber die wirksamen Kräfte der lebendigen Organe sind an die organische Materie selbst gebunden, also nicht Betätigungen besonderer Lebensprinzipien. Das »Gesetz der teleologischen Mechanik« (»teleologisches Kausalgesetz«) lautet: »Die Ursache jeden Bedürfnisses eines lebendigen Wesens ist zugleich die Ursache der Befriedigung des Bedürfnisses.« »Die Mechanik ist im Tiere so eingerichtet, daß jede Ursache eines Bedürfnisses, die ja in einer stofflichen oder funktionellen Änderung der lebendigen Materie besteht, gerade durch diese Änderung den bestimmten Zapfen bewegt, der die richtige, d.h. das Bedürfnis befriedigende Melodie auslöst.« Das hindert nicht das Vorkommen an Störungen und Unzweckmäßigkeiten. Außer den bewußten psychischen Funktionen des Gehirns gibt es nach P. auch eine unbewußt wirkende »Rückenmarksseele«. Die Fähigkeit der zweckmäßigen Reaktion muß schon die erste lebendige Materie (die sich ans der Urmaterie entwickelt hat) besessen haben.

Quelle:
Eisler, Rudolf: Philosophen-Lexikon. Berlin 1912, S. 540.
Lizenz:
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