Zweites Kapitel.

Die Manipular-Phalanx.

[279] Die ursprüngliche, einfache Phalanx erfuhr etwa in der Periode der Samniterkriege eine Abwandlung, deren letztes Ergebnis die Manipular-Phalanx ist.

Die einzelnen Stadien, die die Entwicklung vermutlich durchgelaufen hat, sind nicht mehr zu erkennen, aber der Schluß, die Ordnung, in der die Römer noch in den Kampf mit Hannibal eingetreten sind, liegt klar vor Augen.

Die Hopliten werden jetzt nach Jahrgängen in drei Schichten eingeteilt, die Hastaten, Principes und Triarier. Die jüngsten Mannschaften bilden die Hostaten, 1200 Mann, die mittleren die Principes, ebenfalls 1200, die ältesten der Triarier, 600 Mann. Damit sind die alten Centurien, die Aufgebote nach Hundertschaften, aufgelöst. Der Name aber lebt fort als Bezeichnung für die kleinste Unterabteilung der Legion, die bei den Hastaten und Principes jetzt auf 60 Mann fixiert wird. Zwei solche Centurien zusammen bilden einen Manipel; jede Schicht hat 10, die ganze Legion also 30 Manipel; die Triarier-Manipel sind aber nur halb so stark, als die der beiden jüngeren Schichten.

Jedem Manipel sind gleichmäßig 40 Ungewappnete zugeteilt. Das alte Verhältnis von 3000 Hopliten und 1200 Ungewappneten auf die Legion ist also geblieben. Daß den nur 60 Mann starken Manipeln der Triarier ebensoviel Ungewappnete zugeteilt sind wie den 120 Mann starken Manipeln der Hastaten und Principes, hängt natürlich mit der Burscheneigenschaft dieser Ungewappneten zusammen: man gönnte den älteren Männern der Tairarierabteilung mehr Bedienung als den jüngeren Hastaten und Principes.[279]

Der Sinn der neuen Einteilung ist ein taktischer.

So einfach die Phalangen-Aufstellung ist, so gerät sie doch leicht in Unordnung. Es ist überaus schwer, mit einer längeren Linie auch nur ganz geradeaus zu marschieren; plötzlich ist sie an der einen Stelle zerrissen, an der anderen entsteht ein Gedränge. Das geschieht selbst auf dem ganz glatten Exerzierplatz, und sind nun im Terrain erst irgendwelche Unebenheiten oder Hindernisse, oder soll sich der Vormarsch rechts oder links etwas schräg ziehen, so ist ein korrekter Vormarsch überhaupt nicht ausführbar. Wiederum ist es höchst wichtig, mit leidlicher Ordnung an den Feind zu kommen;144 denn die gedrängten Soldaten können ihre Waffen nicht ordentlich gebrauchen, und in die Lücken kann der Feind eindringen, und schon die Besorgnis davor erzeugt, wie es Xenophon einmal schildert (Anab. IV, 8, 10), Mutlosigkeit. Diesem Mangel soll die Manipular-Ordnung abhelfen.

Schon von der griechischen und mazedonischen Phalanx können wir mit Sicherheit annehmen, daß sie keine ganz ununterbrochene Linie bildeten, sondern von Abteilung zu Abteilung kleine Intervalle ließen, die den geordneten Vormarsch erleichterten und beim Zusammenstoße mit dem Feinde durch das Vorquellen der hinteren Glieder von selber zugingen. Die Römer brachten diese Intervallierung jetzt in System.

Die 10 Manipel der Hastaten, in der Normal-Stellung je 20 Mann breit und 6 Mann tief, stehen nebeneinander mit kleinen Intervallen. Die Intervalle sind also, bei der Kleinheit der Manipel, sehr häufig. Hinter ihnen steht als zweite Schicht die Klasse der Principes, aber so, daß die Manipel jedesmal das Intervall zwischen den Hastaten-Manipeln decken. Hinter diesen die Manipel der Triarier.

Die zwei Centurien, in die jeder Manipel zerfällt, stehen nebeneinander, haben also die halbe Breite.

Jeder Manipel hält in sich zusammen. Entsteht an einer Stelle eine Schiebung, so pflanzt sie sich nicht durch die ganze[280] Phalanx fort, sondern erstirbt in dem nächsten Intervall oder spätestens dem übernächsten, indem diese sich schließen. Die Lücke aber, die auf der andern Seite sich auftut, wird, sobald sie groß genug ist, geschlossen, indem auf das Kommando des Centurios die Centurie oder der ganze Manipel der Principes in die Linie der Hastaten einspringt. Im äußersten Fall kann das sogar noch einmal wiederholt werden, indem der Triarier-Manipel, der ja noch dahinter ist, ebenfalls in die Front rückt.

Die kleinen Intervalle, die etwa bleiben, gehen beim Zusammenstoß von selber zu.

Beides, das Drängen wie das Zerreißen einer Phalanx, steht in natürlicher Wechselwirkung. Häufen sich die Soldaten an einer Stelle, so wird wahrscheinlich an einer andern eine Lücke entstehen. Darum mußte für beide Übel gleichzeitig ein Heilmittel geschaffen werden. Wenn man die alte Phalanx durchteilte und Intervalle zwischen die Abteilungen legte, um das Drängen und die daraus entstehende Unordnung zu vermeiden, so entstanden sehr leicht Lücken. Die Intervalle verführten ja geradezu dazu. Man mußte sich daher mit Intervallen die größte Beschränkung auferlegen. Die Einführung reichlicher Intervalle konnte nur geschehen, indem man gleichzeitig Fürsorge traf, entstandene Lücken wieder zu schließen, und das geschah durch die Zerlegung der Legion in die drei Schichten der Hastaten, Principes und Triarier und die Ausrichtung der Manipel auf die Intervalle. Gliederte man die Phalanx, so mußte es gleichzeitig nach Querschnitten und Längsschnitten geschehen.

Das Verfahren ist sehr einfach und doch zugleich künstlich. Die Griechen sind nicht imstande gewesen, es hervorzubringen. Es fehlte ihnen dafür die Voraussetzung, die römische Disziplin. Es scheint so einfach, daß jeder Soldat belehrt wird: der Einzelne, die Centurie oder der Manipel rückt in die Front, sobald eine Lücke vor ihnen entsteht. Aber dies Einfache ist im Ernstfalle außerordentlich schwer. Bei dem Lärm und der Erregung des Gefechts und unter dem Druck der imminenten Todesgefahr werden solche Regeln nicht immer befolgt. Der Mann in der Front aber, der sieht, daß neben ihm eine Lücke entsteht, gerät in Zweifel und Unruhe, wohin er sich anschließen soll. Kommt man an den Feind,[281] ohne daß die Lücke geschlossen ist, so ist der Letzte so gut wie verloren, denn gerade hier wird der Gegner eindringen und ihn von der Seite treffen.

Der Hoplit in der Phalanx, wie wir das oben von Euripides gehört haben (Buch II, Kap. 5), ist nicht bloß auf sich und seine eigene Tapferkeit gestellt, sondern auch von seinem Nebenmann und Hintermann abhängig. Die Lücke muß deshalb nicht nur geschlossen, sondern es muß den Mannschaften der ersten Glieder die sichere Zuversicht anerzogen werden, daß es so geschehe, um ihren Mut zu voller Wirkung kommen zu lassen.

Das Einspringen der Manipel der zweiten und dritten Schicht kann sich aber nicht nach der Einsicht und dem guten Willen des Einzelnen vollziehen. Man darf nicht zu früh vorgehen, ein kleiner Zwischenraum soll bleiben, und die Vergrößerung ist vielleicht nur eine momentane, die schnell vorübergeht. In dem Augenblick, wo die Lücke groß genug geworden ist, muß aber auch das Einrücken mit unbedingter Zuverlässigkeit geschehen, denn wenn es unterbleibt, kann es zum Verlust der Schlacht führen. Die Manipelordnung verlangt also eine höchst sichere und feste Führung der Manipel. Die Hastaten müssen sich darauf verlassen können, daß der Centurio des nächsten Principesmanipels in dem richtigen Augenblick das Kommando gibt und seinem Manipel an die bedrohte Stelle führt. Auf dem festen Glauben der Hastaten an dieses Einrücken der Principes beruht der moralische Wert der Legion.

Die Formation und Zweckbestimmung des Manipels hat die Römer auch auf die Erfindung der Feldzeichen geführt, die den Griechen fremd geblieben sind. Der Soldat soll unter keinen Umständen von seinem Manipel abkommen; deshalb wird jedem Manipel ein sichtbarer, symbolischer Mittelpunkt, ein Fähnlein verliehen. In der Schlacht selber sind die Feldzeichen nicht gerade von direkter wesentlicher Bedeutung. Nur beim Aufmarsch zur Linie können sie als Hilfsmittel für die Ausrichtung dienen, beim unmittelbaren Anmarsch kann von einem Ausrichten nach der Fahne nicht mehr wohl die Rede sein, die ganze Aufmerksamkeit ist notwendig nach vorn gerichtet; in dem gefährlichen Handgemenge aber sieht der Soldat ausschließlich auf den Feind und wirft[282] höchstens einen Blick rechts und links auf seine Nebenmänner, daß er sie nicht verliere.

Die wesentliche Bedeutung der Manipel-Zeichen wird in der Friedens-Erziehung zu suchen sein, der Gewöhnung des Einzelnen, unbedingt bei seinem Manipel zu bleiben. Bei der Einübung dieses Zusammenhalts, im Exerzieren waren die Fahnen auch nicht bloß symbolisch, sondern praktisch für das Ausrichten von Nutzen.

Die Manipular-Ordnung hält das Wesen der Phalanx völlig aufrecht, gibt ihr aber die Möglichkeit, sich mit viel größerer Leichtigkeit auch durch ungünstiges Gelände zu bewegen. Was auch dazwischen komme, sie gerät nicht in Unordnung, sie wird immer mit geschlossener, lückenloser Front an den Feind gelangen. An die Stelle einer fast starren Einheit ist eine gegliederte Einheit getreten. Die Phalanx hat Gelenke bekommen.

Die Intervallierung der Phalanx bot außer der Geschwindigkeit und Ordnung im Vormarsch noch einen anderen Vorteil. Wir haben gesehen, daß mit der Phalanx die Leichtbewaffneten nur in sehr geringem Maße zu verbinden waren. Die Intervalle geben jetzt die Möglichkeit, eine gewisse Anzahl von Schützen vor der Front ausschwärmen zu lassen, da sie sich, auch wenn die Hopliten schon ziemlich nah aneinander waren, durch die Intervalle zurückziehen konnten,145 ohne Unordnung zu verursachen. Man darf aber nicht glauben, daß die ganzen 1200 Mann der Legion in dieser Weise verwandt wurden. Das hätte ja, wenn die Hopliten 15 Mann tief, also 200 Mann breit standen, eine Plänklerkette von 6 Mann Tiefe gegeben, während doch höchstens zwei Glieder hintereinander ihre Wurfwaffen wirklich in Anwendung bringen können.146

Nach einer bei Livius erhaltenen Notiz147 wurden nur 20 Mann von jedem Hastaten-Manipel, also im ganzen 200 Mann von der Legion für diesen Dienst verwendet; vermutlich außerdem noch eine Anzahl auf den Flügeln; ein anderer Teil folgte den Hopliten,[283] um die Verwundeten zu besorgen: der Rest blieb zurück als Besatzung des verschanzten Lagers.

Mit der Manipular-Phalanx hängt zweifellos auch eine Änderung in der römischen Bewaffnung und Kampfesweise zusammen. Die älteren römischen Hopliten fochten wie die griechischen mit dem Spieß und hatten das kurze Schwert, einen Dolch oder ein Messer als Hilfswaffe. Nunmehr schleuderten die römischen Soldaten den Spieß voraus und stürzten dann im Sturmschritt nach, um den Kampf mit dem Schwert zu vollenden. Der Spieß hat zwar den Vorzug der größeren Länge, ist aber für den Kampf gegen einen gerüsteten Mann eine ungeschickte Waffe.148 Wie man ihn gewöhnlich anfaßt, mit dem »Untergriff« nach der Terminologie der deutschen Armee,149 ist der Stoß sehr unsicher und nicht sehr stark, da der Unterarm und die Hand dabei die unnatürliche, fast senkrechte Stellung einnehmen müssen; vollkräftig ist dieser Stoß eigentlich nur von oben nach unten. Der Lanzenstich, wie ihn heute die Kavallerie hauptsächlich übt, mit »Aufgriff« und bohrend eingeklemmt zwischen Rumpf und Oberarm, ist für den Hoplitenkampf nicht brauchbar. Es ist der Stich des attackierenden Reiters, der nur ganz im allgemeinen den Gegner treffen soll und auch dann seinen Zweck erfüllt, wenn er auf Schild oder Panzer trifft und den Mann, ohne ihn zu verwunden, vom Pferde wirft. Der Hoplit aber muß bei dem gerüsteten Gegner nach einer Blöße spähen, um sie zustechend zu treffen.

Hierfür ist das spitze Schwert oder der kurze Degen viel geeigneter150 als der Spieß, und doppelt wirksam ist natürlich die[284] Verwendung beider Waffen hintereinander, wie sie die Römer möglich machten, indem sie den Spieß voraus schleuderten, der dazu als »Pilum«151 passend konstruiert wurde, und dann in die durch die Salve erschütterte feindliche Linie mit dem Schwert einbrachen. Man darf annehmen, daß dieselbe militärische Autorität, die die Phalanx durch die Manipular-Ordnung gliederte, auch die höhere Potenzierung des Nahkampfes durch die Kombination des Spieß- und Nahkampfes befohlen und durchgesetzt hat.

Für gewöhnlich kamen natürlich nur die beiden ersten Glieder zum Pilenwurf; die anderen behielten das ihrige in der Hand. Die Triarier, die fast nie zum Werfen kamen, nahmen das Pilum überhaupt nicht an, sondern behielten den alten Hoplitenspieß, die hasta.152

Bemerkenswert ist an der Manipular-Ordnung noch die Bildung nach Jahrgängen. In der älteren römischen Klassen-Phalanx standen die Bestbewaffneten und Zuverlässigsten vorn. Nunmehr kommen die Jüngsten in die vordersten, die Ältesten in die hinteren Glieder. Es ist das ein Zeichen, daß das militärische und das bürgerliche Prinzip beide in diesem Heer gelten und sich vermählt haben. Die hinteren Glieder einer tiefen Phalanx sind[285] der Gefahr sehr wenig ausgesetzt, kommen fast nie zum Nahkampf und werden, ausgenommen den Fall einer allgemeinen Flucht, höchstens von einigen verlorenen Geschossen getroffen. In einem reinen Bürgerheer kann man die Gefahr nicht einfach nach dem Alter verteilen, denn ein Bürger ist so viel wie der andere; in einem reinen Söldner-Heer noch weniger, denn jeder hat sein Leben verkauft um denselben Sold. In einer kriegerischen organisierten Miliz jedoch ist es das Natürliche, daß die langgedienten Familienväter sich in die hinteren Glieder stellen lassen und den jungen Soldaten sagen: jetzt sollt ihr man drankommen. Es ist dasselbe, wie wenn bei uns die Landwehr mehr zu Besatzungen und Etappen verwendet wird als zu den Feldschlachten. Res ad triarios venit, heißt so wenig, daß nun die Elite, die vorzüglichsten Krieger, eingreifen müssen, wie wenn es bei uns heißt, »die Landwehr kommt«. Es heißt nur soviel wie »Not am Mann«. Auch unser Landwehrmann hat einen großen militärischen Stolz als alter Soldat gegenüber den jungen Kerlen, aber keineswegs gilt deshalb die Landwehr als eine Elite-Truppe.

Innerhalb der Hastaten, die also die Last des eigentlichen Kampfes zu tragen haben, werden, wie bei den Griechen, ausgewählte Leute bestimmt worden sein, die ersten Glieder zu bilden.


1. Als die normale Tiefe des Manipels habe ich 6 Mann angenommen; das ergibt also auf die ganze Phalanx, da die Triarier nur halb so stark sind, 15 Mann. Wir dürfen das erschließen aus dem Verhältnis der verschiedenen Zahlen. Zu jedem Manipel gehören 40 Ungewappnete, die bei der Musterung die hinteren Glieder bilden. Die Zahlen werden so gewählt sein, daß bei Vollzähligkeit keine blinden Rotten entstanden. Die Manipel der Triarier hatten ohne Zweifel dieselbe Tiefe, wie die der anderen Abteilungen, waren also nur halb so breit und standen mit sehr großen Intervallen. Nur auf diese Weise konnten sie ihren Zweck erfüllen. Hätten sie nur etwa 3 Mann tief gestanden, so hätte ihr Einrücken in die Front wenig genützt, da eine so flache Linie im Nahkampf keine genügende Widerstandskraft hat. Die großen Intervalle in der dritten Reihe schadeten nichts, da die Führer sich während des Vormarsches dahin ziehen konnten, wo die Lücken sich erweiterten und das Einspringen der Principes in die Hastaten-Linie in Aussicht stand oder sich vollzog.

Die Normal-Breite des Manipels muß also so gewesen sein, daß sie in die drei Zahlen 120, 60 und 40 aufgeht, und die Tiefe so, daß sie in 120 und 60 aufgeht. Das ergibt eine Hopliten-Breite von 20 (resp. 10[286] bei den Triariern) und -Tiefe von 6 Mann und für die ganze Phalanx teils 18, teils 12, im Durchschnitt 15 Hopliten. Die Ungewappneten standen bei der Musterung hinter den beiden jüngeren Abteilungen 2, und hinter den Triariern 4 Mann tief, sofern sie nicht ganz aus der Hopliten- Phalanx herausgezogen und hinter die Triarier gestellt wurden. Die zahlenmäßig auch denkbare Kombination, daß die Hopliten-Manipel nur 3 Mann tief gestanden hätten, ist sachlich ausgeschlossen, da die Gesamt-Phalanx dann zu flach geworden wäre und die Manipel für den Zweck des Einrückens in die Lücken zu breit.

Bei den Griechen wurde als Normal-Tiefe 8 Mann angenommen. Es erscheint auffällig, daß die Römer fast doppelt so tief gestanden haben sollen. Aber zunächst ist ja das nur eine Normal-Stellung, die ganz nach Bedürfnis verändert werden konnte; auch von den Griechen hören wir ja öfter, daß sie 12 oder gar 25 Mann tief standen. Ferner sind die Intervalle der Römer in Betracht zu ziehen. Der Nachteil der tiefen Aufstellung ist ja die kurze Front, die der Überflügelung und dem Flanken-Angriff ausgesetzt ist. Die römische Aufstellung aber wurde durch die Intervalle verlängert, und an der Stelle, wo die Principes in die Front rückten, sank die Tiefe, bis die nächsten Triarier-Manipel sich dahinterschoben, auf 6 Mann. Eine Legionär-Phalanx von durchschnittlich 15 Mann Tiefe würde also einer griechischen von etwa 10-12 Mann entsprechen.

2. In der älteren Legion sollen die Leichtbewaffneten »rorarii« genannt worden sein, später »Veliten«. Ob die Namensänderung auch irgend eine sachliche bedeutete, ist nicht klar. Livius XXVI, 4 heißt es zum Jahre 211 »institutum ut velites in legionibus essent«. Der Satz sieht ganz so aus, als ob er aus einer alten Aufzeichnung stamme. Die Erzählung, in die Livius ihn einflicht, läßt aber die Veliten als Hamippen, unter die Reiter gemischte Leichte, erscheinen, wodurch sie von den Legionen losgelöst worden wären. Auch sonst unterliegt die Erzählung starken Bedenken, z.B. wenn Livius den Veliten eine Lanze gibt mit einer Spitze, »quale hastis velitaribus inest«. Überdies spricht Livius auch in den früheren Büchern schon öfter von Veliten. Vgl. Marquardt II, 349 Anmerk. 4. Vielleicht ist der Zusammenhang der, daß erst im Jahre 211 aus den Rorariern die 200 Mann ausgeschieden und von jetzt an besonders eingeübt und mit besonderen Wurfspießen ausgestattet wurden, die vor der Legion ausschwärmen sollten. Diese wurden Veliten genannt, und von ihnen ist der Name allmählich auf alle Rorarier übergegangen.


Quelle:
Hans Delbrück: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte. Berlin 1920, Teil 1, S. 279-287.
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