Die Schlacht bei Courtray.

11. Juli 1302.

[445] So viel wir bisher von Fußvolk im Mittelalter gehört haben, so hat es doch immer nur, wenn es auf der Siegerseite war, eine sekundäre Rolle gespielt, selbst bei Legnano, oder es ist den Rittern, verbunden mit den Schützen, erlegen. Die erste Schlacht, die einen andern Anblick gewährt, ist die Schlacht bei Courtray.

Die Grafschaft Flandern war, obgleich germanischer Zunge, bei der Auflösung des karolingischen Reiches zu dem romanischen Westreich gekommen, aber seine Grafen hatten eine sehr selbständige Stellung eingenommen, bis Philipp der Schöne sie austrieb und das Land zur Krone schlug. Gegen diese Herrschaft der Französen erhoben sich Städte und Bauern. Ein Volksführer in Brügge, Peter König, brachte die Massen in Bewegung und vertrieb die königlichen Besatzungen; eine Reihe von kleineren Städten und auch Bauernschaften schlossen sich an. Gent, neben Brügge, die mächtigste Stadt, blieb geteilt; die aristokratische Partei, die Leliards, wie sie genannt wurden, hielten zum König, konnten aber nicht hindern, daß die Demokraten unter Jan Vorlut den Brüggern zu Hilfe zogen. Als Oberbefehlshaber aber an die Spitze der Bewegung trat ein jüngerer Sohn der gefangenen Grafen, Guido, und ein Enkel, Graf Wilhelm von Jülich, der zwar Geistlicher geworden war, sich aber dadurch nicht abhalten ließ, den eingeborenen kriegerischen Trieben seiner Natur nachzuleben.[445] Offenbar nicht kraft ihres Rechts als Vertreter der angestammten Herrscherfamilie, sondern auf Grund eines freien Abkommens mit den Volksführern übernahmen die beiden Grafen, noch junge Männer von etwa 25 Jahren, das Kommando: ein merkwürdiges Bündnis zwischen der Feudalität und der Demokratie, das an den Oberbefehl des Miltiades bei Marathon erinnert.

Die Vlamen belagerten noch zwei von den Franzosen besetzte Schlösser, Kassel und Courtray, als ein großes französisches Entsatzheer unter dem Generalkapitän Grafen von Artois, Schwager König Philipps, heranrückte. Die Vlamen gaben darauf die Belagerung von Kassel auf und zogen alle ihre Streitkräfte bei Courtray zusammen, dessen Bürger selber sich der Bewegung angeschlossen hatten. Artois rückte vor die Stadt, ohne Zweifel in der Meinung, daß sein bloßes Erscheinen genügen werde, das flandrische Bürgerheer zum Abzug zu bestimmen und das Schloß zu entsetzen. Aber die Flanderer hatten sich klar gemacht, daß, wenn sie ihr Land retten wollten, sie es auf eine Schlacht ankommen lassen müßten und waren entschlossen, sie eben hier vor Courtray anzunehmen. Wären sie zurückgewichen und hätten ihr Heer aufgelöst, so hätten die Franzosen nicht nur das Schloß entsetzt und das platte Land verwüstet, sondern vielleicht auch die Städte, sogar Brügge, das nur schwach befestigt war, eingenommen. Sie konnten in einem viel höheren Grade als einst die Perser in Attika auf Anhänger innerhalb der Bürgerschaft selbst rechnen.

Das feste Schloß oder die Burg von Courtray, die die Franzosen entsetzen wollten, lag auf der nördlichen Ecke der Stadt an der Lys, wie die Stadt selbst auf dem rechten, südlichen Flußufer. Den Zugang zu dem Schlosse zu versperren, stellte sich das vlämische Heer gerade davor auf in dem Winkel zwischen Stadt und Fluß, rechts von sich die Stadt, die sich länglich und schmal am Flusse nach Süden erstreckte, links ein am Flusse liegendes Kloster, vor sich einen ziemlich tiefen Bach, den Gröningen, mit zum Teil versumpften Ufern. Die Stellung bot keinen Rückzug: wurden die Bürger geschlagen, so wurden sie in den Fluß dicht hinter ihrem Rücken gesprengt: Männer, die hier die Schlacht annahmen, waren entschlossen, zu siegen oder zu[446] sterben. Die Aufstellung, die sie nahmen, wird beschrieben als »acies longa valde et spissa«, »pariter adunati et densati


Die Schlacht bei Courtray

laceis adjunctis« (Annales Gandenses); »Brugenses unam solam fecerunt armatorum aciem praemittendo balistarios deinde homines cum lanceis et baculis ferratis alternatim postea reliquos« (Genealogia Com. Flandrensium); »serrement et[447] espessement ordonnées« (Chronik von St. Denys). Die Aufstellung war also phalangenmäßig und wird zum wenigsten 600 Meter lang gewesen sein, vielleicht auch noch länger; die nicht sehr zahlreichen Schützen waren ausgeschwärmt vor der Front, die Hauptmasse war mit Spießen und Goedendags, einer Art von Hellebarden, ausgerüstet, wohl nur zum Teil mit Schutzwaffen. Die beiden kommandierenden Grafen mit den etwa zehn Rittern ihrer Gefolgschaft waren abgesessen in die Phalanx eingetreten, so daß niemand zu Pferde war. Das Hindernis vor der Front, der Gröningen, nach Villani fünf Ellen breit und drei Ellen tief, wurde noch künstlich verstärkt durch Anlegung von Wolfsgruben und wohl auch noch Aufgraben seichterer Stellen.

Eine Abteilung unter der Führung eines besonders kriegserfahrenen Ritters, Johann von Renesse, stand hinter der Phalanx in Reserve. Eine andere Abteilung, die Bürgerschaft von Ypern, standen gegen die Burg, damit die Besatzung derselben der Phalanx nicht während der Schlacht in den Rücken falle.

Der Graf von Artois, der uns geschildert wird als ein tapferer, in fünf oder sechs Schlachten erprobter und bewährter Kriegsmann, erkannte die Festigkeit der feindlichen Stellung, die in der Front schwer anzugreifen und weder von rechts noch von links zu umgehen war. Einige Tage zögerte er, eine Viertelmeile vor der Stadt südlich gelagert: sollten die Bürger wirklich die Schlacht in der Stellung ohne Rückzug wagen wollen? Der französische Feldherr hätte ja, um sie fortzumanövrieren, auf Ypern oder direkt auf Brügge operieren und das Land dabei verwüsten können. Aber mittlerweile hätte sich wohl die Besatzung des Schlosses von Courtray ergeben müssen, und es war zweifelhaft, welchen Erfolg andere Manöver haben würden, während ein Sieg hier auf dem Fleck den Krieg mit einem Schlage entschieden, den Gegner vernichtet haben würde.

So entschloß sich Artois zum Angriff.

Seine genuesischen Armbrustschützen und spanischen Wurfspießschleuderer gingen voran, die Ritter folgten, Haufen neben Haufen, eine kleinere Abteilung blieb in Reserve.

Die Armbruster und Wurfspießer trieben die feindlichen Schützen zurück und beschossen die Phalanx, die wohl ziemlich[448] dicht hinter dem Gröningen stand. Ihr Feuer wurde so wirksam, daß die Phalanx es nicht ertragen konnte, aber es gelang den Grafen, sie in Ordnung ein kleines Stück rückwärts zu führen. Über den Gröningen konnten ihnen die französischen Schützen nicht folgen, um wieder an sie heranzukommen, da sie drüben zu sehr der Gefahr eines Gegenstoßes ausgesetzt gewesen wären. Der Graf von Artois gab also das Signal, daß die Armbruster zurückgehen und die Ritter zur Attacke anreiten sollten; da das feindliche Fußvolk sich von dem Fronthindernis ein ziemliches Stück zurückgezogen hatte, so konnte er hoffen, daß die Reiter sich durch den Bach durcharbeiten und drüben Raum zum Ansprengen haben würden. Das Zurückgehen der Schützen durch die anreitenden Ritter hindurch brachte zwar einige Unordnung hervor und mancher von den Genuesen wurde überritten, aber das wird bei dem Zusammenwirken dieser Waffen ziemlich immer der Fall gewesen sein und konnte auf den Fortgang und Ausgang der Schlacht keinen Einfluß haben.

Jetzt aber geschah etwas Neues und völlig Unerhörtes: in dem Augenblick, als die Ritter sich anschickten, den schwierigen Bachübergang zu vollziehen, behindert durch den Wasserlauf, die Sumpfufer und die künstlich von den Vlamen angelegten Hindernisse, da setzte sich die feindliche Phalanx plötzlich in Bewegung, stürzte vorwärts und fiel mit wütendem Hauen und Stechen die Ritter an, die kaum in der Lage waren, ihre Waffen zu gebrauchen, gar nicht aber ihre eigentliche Kraft, den Anlauf ihrer schweren Rosse, der sonst feindliches Fußvolk auseinanderzusprengen und niederzuwerfen pflegte.

Ohne Zweifel hatten die beiden flandrischen Grafen ihre Bürger vorher auf diese Taktik instruiert und gaben ihnen jetzt rechtzeitig das Signal. Nachdem die Schützen ausgeschieden waren an Zahl zweifellos weit überlegen, so daß jeder Ritter von mehreren zu gleich angegriffen wurde, wurden sie ihrer bald Herr und töteten sie in Menge. Es war vorher der Befehl ausgegeben worden, daß, wer Pardon gebe oder Beute mache, bevor die Schlacht entschieden sei, sofort von seinen Nebenleuten niedergestochen werden solle.[449]

Nur im Zentrum gelang es der Ritterschaft schnell genug, den Gröningen zu überschreiten und die feindliche Phalanx in der gewohnten Weise zu attackieren und sie zurückzutreiben. Die vorsichtigerweise von den Vlamen zurückgehaltene Reserve aber unter Johann von Renesse griff ein und stellte das Gefecht wieder her, das nun auch für die anfänglich siegreichen Ritter mit vollem Verderben endigte, da sie ja über den Gröningen wieder zurück mußten und hier leicht eingeholt und überwältigt wurden. Der Graf von Artois selbst soll sich einem kriegerischen Mönch, Wilhelm von Süstingen, haben ergeben wollen; aber da er französisch sprach, riefen die Vlamen ihm zu »wir verstehen dich nicht«, und schlugen ihn tot.438

Einen Ausfall, den die Schloßbesatzung versuchte, trieb das zu diesem Zweck postierte Korps der Yperner ohne Schwierigkeit zurück. Die Reserve unter St. Pol, die Artois zurückgelassen hatte, war nicht imstande, zu retten oder zu helfen.

Vilkani berichtet, wie ungeheuer stolz die Flandern auf ihren Sieg bei Courtray gewesen seien, so daß einer mit seinem Goedendag sich getraut hätte, zwei Rittern zu Pferde zu widerstehen. Er fügt hinzu, er habe es so ausführlich erzählt, weil es neu und wunderbar war.

700 vergoldete Rittersporen wollen die Vlamen den Erschlagenen abgenommen und erbeutet haben und nannten ihren Sieg deshalb die Sporenschlacht (la bataille des éperons d'or).


Die maßgebende Spezialuntersuchung für Courtray ist die Berliner Dissertation »Die Schlacht bei Kortryk« von FELIX WODSAK. Verl. von Karl Arnold, Berlin-Wilmersdorf. 1905. Dort findet sich auch die ganze frühere Literatur angegeben.

WODSAK berechnet die Vlamen auf etwa 13000 Mann, die Franzosen auf 5000 Reiter und 3000 Schützen. Die Zahlen werden sich wohl[450] von der Wahrheit nicht gar zu weit entfernen, die Grundlagen der Berechnung aber sind sehr unsicher.

Bei dem vlämischen Dichter Velthem, unserer Hauptquelle, und bei Villani findet sich (nach Korrektur offenbarer Fehler) dieselbe Liste, die die Stärke der einzelnen Kontingente der Franzosen angibt und insgesamt auf 7500 Reiter führt. Die Übereinstimmung zwischen den beiden Quellen darf aber doch nicht als eine Gewähr für die Zuverlässigkeit der Zahlen angesehen werden. Beide Autoren gehen auf eine gemeinsame Uraussage zurück, die aber, wie die Angabe Herodots über die Stärke der Griechen bei Platää, nur auf einer recht vagen Schätzung beruhen mag. Wodsak reduziert nun die 7500 auf 5000, indem er annimmt, daß es 2500 Gleven zu je drei Pferden waren, von denen eins von einem Burschen geritten wurde, der nicht Kombattant war. Es ist aber zweifelhaft, ob das so gemeint ist; die Soldurkunde vom Jahre 1317, die Wodsak S. 42 zitiert, wo der Ritter mit drei Pferden erscheint, mag so aufzufassen sein, daß darunter ein schwerer Reiter, ein leichter Reiter und ein berittener Bursche zu verstehen sind, aber die Quellen, die von 7500 Pferden bei Courtray sprechen, meinen doch wohl 7500 berittene Kombattanten, Ritter und Knechte. Natürlich schließt das nicht aus, daß es nur 5000 gewesen sind, was ja schon eine gewaltige Streitkraft ausmacht.

Wodsak hat große Mühe auf die Terrain-Untersuchung verwandt, ist aber nicht immer ganz klar. Er hat seiner Arbeit ein Croquis beigegeben, dem eine Karte von Deventer aus dem 16. Jahrh. zugrunde liegt, und wovon das unsere eine vereinfachte Nachbildung ist. Es fehlt ihm aber der Maßstab. Aus dem mir vom Verf. nachträglich übergebenen entnehme ich, daß die Entfernung vom Ein fluß des Gröningen in die Lys bis zur Burg gerade 1000 m, die Breite der Stadt am Lys entlang 600 m, die Länge des Verbindungsgrabens 150 m beträgt. Die Terrainveränderungen, die die Kultur an dieser Stelle hervorgebracht hat, sind offenbar sehr bedeutend gewesen. Wodsak nimmt an, daß die Vlamen am Verbindungsgraben bis zum Kloster gestanden hätten und gibt die Länge dieser Stellung auf etwa einen Kilometer an (S. 41). Aber der Maßstab ergibt, daß die Entfernung dieser beiden Punkte voneinander mehr als einen Kilometer beträgt. Schon bei einem Kilometer aber würde nach Wodsaks Berechnung die Phalanx nur 7 Mann tief sein, und das scheint mir zu wenig. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß, ohne daß an dem Gesamtbilde etwas Wesentliches verändert wird, die Länge der Phalanx erheblich kürzer angenommen wird.

Der rechte Flügel wird sich, wie ich schon oben im Text angenommen, nicht an den Verbindungsgraben, sondern an die Stadtmauer angelehnt haben, und auf dem Flügel mag das Kloster etwas weiter aufwärts gelegen haben oder durch Sumpf oder durch Klostermauern das Terrain weiter beschränkt gewesen sein.[451]

Nach der Chronik des Mönches Wilhelm (Matthaeus, Veteris aevi Analcta Bd. II S. 557) haben die Flandrer ihre rechte Flanke allerdings an den Verbindungsgraben gelehnt (»loca magis commoda studet discernere et fossam antiquam suo lateri sociare«). Aber die Chronik ist spät, und die Vortreibung des rechten Flügels bis an den Graben zu unnatürlich, um sie auf jenen Satz hin zu glauben. Weshalb sollten die Vlamen über die Stadtbefestigung hinaus vorgegangen sein? Die Leute, die dort standen, wären doch den feindlichen Armbrustern gar zu sehr ausgesetzt gewesen. Überdies ist auch der Wortlaut der Chronik mit unsrer Auffassung ganz wohl vereinbar: der Graben kam der Flanke der Vlamen zustatten, auch wenn sie an den Stadtwall angelehnt war, namentlich in dem Augenblick, wo dieser Flügel zur Offensive gegen den Gröningen vorging.

Hierbei geht nun freilich die Erklärung, die WOSDAK gibt, weshalb gerade im Zentrum die französische Ritterschaft anfänglich siegt, verloren. Bei Wodsaks Aufstellung ist nämlich das Zentrum wegen der Krümmung des Gröningen am weitesten von diesem entfernt; folglich, das man sagen, hatte hier die Ritterschaft am meisten Zeit, den Bach zu überschreiten und zur geordneten Attacke anzusetzen, die denn auch gelang, bis die Reserve der Vlamen eingriff. Stand nun der rechte Flügel der Vlamen weiter zurück, so würde hier dasselbe Argument gelten, ohne daß doch dieselbe Folge eintrat.

Ein Gegenargument gegen die von mir angenommene Aufstellung ist jedoch hieraus nicht abzuleiten. Es mögen ja irgendwelche anderen Verhältnisse, z.B. daß der Graben in der Mitte leichter zu überschreiten war, mitgespielt haben, weshalb das vlämische Zentrum wich, während die Flügel sofort siegten.

S. 30 zitiert Wodsak aus der »exzellenten Chronik«: »Ende de Vlamingen liegen oostward om te commene ter zyde, daer gheen gracht en was«. Ob er diese Stelle richtig auslegt, ist mir sehr fraglich. Sie bedeutet offenbar, daß die Vlamen ostwärts sich ausdehnten bis zu einer Stelle, wo keine Gracht, d.h. Graben oder Bach mehr war. Was war denn aber da? Vielleicht Sumpf? Ich gestehe, daß mir die Stelle nicht recht verständlich ist.

Über die Kontroverse bezüglich des Goedendag berichtet NAVEZ in seiner Untersuchung über Courtray (Brüssel 1897 S. 23). Nach den Einen (DE VIGNE, KÖHLER) bestand diese Waffe aus einem von einer eisernen Spitze überragten Schaft; nach anderen (PAULIN, Paris, VIOLLET-LE- DUC, HARDY, DEMMIN) hatte sie die Form einer Hellebarde. Im Museum am Haler Tor in Brüssel existiert eine hellebardenähnliche Waffe (Nr. 37, achte Serie des Katalogs), welche VIOL LET-LE-DUC als den »Goedendag« angesprochen hat (HERMANN VAN DUYSE, Katalog der Waffen und Rüstungen des Museums am Haler Tor S. 130). M. Van WALDERGHEM (Die Wahrheit[452] über den »Goedendag«, Annalen der Gesellschaft für Archäologie in Brüssel Bd. IX S. 305) glaubt, daß sie aus einem an einem Schaft befestigten Pflugscharmesser gemacht war. Nach NAVEZ' Meinung ist die Frage nicht gelöst; was ihm aber fast außer allem Zweifel scheint, ist dies.

Die beste Beschreibung des Goedendag stammt nach seiner Ansicht von Wilhelm Guiart in seiner »Branche des royaux lignages«. Es ist sehr natürlich, daß diese Beschreibung die genaueste ist; Guiart war Soldat (arbalétrier) in dem französischen Heer, das gegen die Vlamländer ins Feld zog und kämpfte bei Mons-en-Pevêle; er mußte also vollkommen die Waffen der Leute kennen, gegen die er gekämpft hatte und die ihn mit diesen Waffen bei dem Angriff von la Haiguerie verwundet hatten. Guiart sagt, daß die Goedendage sind:

»Grans bastons pesans ferrez A un long fer agu devant.«

»Große Schäfte schwer beschlagen

Mit einem langen, vorne spitzen Eisen.«

Dieses spitze (»agu«) Eisen machte es möglich, Spießstöße auszuführen, da der, welcher sich des Goedendag bediente, konnte:

»Treffen ohne zu gehen

Indem er vorn mit der Spitze stieß

Seinem Feind in den Leib.

Und spitz war das Eisen, das eindrang.«

»Ferir sans s'aller mocquant

Du bout devant en estocquant

Son ennemi parmi le ventre

Et le fer est agu qui entre.«

Der Goedendag war also eine lange Pike, und man bediente sich seiner, wie man alle Piken handhabt, das heißt, indem man stöße (estoquant); er zeigte die Eigentümlichkeit, daß er schwer genug war (baston pesant), um wie eine Keule benutzt werden zu können:

»Der Schaft ist lang

Gemacht, um mit beiden Händen zu schlagen.«

baton sont longs et traitis

Pour férir à deux mains faitis.

Dieser letzte Vers bedeutet zwar, meint NAVEZ, daß man die Waffe mit beiden Händen führe, damit könne aber auch gemeint sein, »stoßend« und nicht »schlagend«. Er hält deshalb den Goedendag für eine Pike.


Quelle:
Hans Delbrück: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte. Berlin 1923, Teil 3, S. 445-453.
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