Theorie


Theorie.

[669] Selbst im klassischen Altertum ist, wie wir gesehen haben, mit Ausnahme einiger Reflexionen Xenophons, die militärische Theorie sehr dürftig geblieben. Umso weniger können wir etwas vom Mittelalter verlangen, wo der Stand der Krieger von dem der Bildungsträger, dem geistlichen, grundsätzlich getrennt blieb.

RABANUS MAURUS, Abt von Fulda und Erzbischof von Mainz († 856), widmete König Lothar II., einem Enkel Ludwigs des Frommen, eine Schrift über die Seele mit einem Anhang über das nachahmenswerte römische Kriegswesen. Die Leiden, die die karolingischen Teilreiche von den Normannen aufzustehen hatten, werden den Anstoß dazu gegeben haben, daß man nach Heilmitteln auch in der Literatur forschte, und da der gelehrte Erzbischof aus einer vornehmen fränkischen, also Kriegerfamilie stammte, so vereinigten sich in ihm die notwendigen Eigenschaften und Vorkenntnisse für ein solches Unternehmen. Was er tun konnte, ist freilich nichts Anderes, als einen Auszug aus dem Vegez anzufertigen, dessen Werk ja ganz demselben Motiv einst seine Abfassung verdankte. Sofern uns Rabanus nur den Vegez wiedergibt, sagt er uns nichts Neues, sein Schriftchen622 wird aber interessant, wenn man vergleicht, was Rabanus ausgezogen, was er weggelassen und was er für Zusätze gemacht hat. Von dem, was Vegetius über das römische Exerzieren sagt, was ja freilich nicht sehr viel ist, ist nur[669] der eine Satz wiederholt, daß die Römer ihre Ordnungen gewahrten und im Kriegsgewühl ihre Fahnen in Obacht nahmen (ordines seruare scirent et uexilla sua in permixtione bellica custodirent. Kap. 13). In der Hauptsache sind die Bemerkungen des Vegez über die körperliche Tüchtigkeit der Rekruten und die verschiedenen Waffenübungen reproduziert. Bei den Übungen der Reiter fügt der Erzbischof ausdrücklich hinzu, daß diese Kunst bei den Franken blühe. (Kap. 12.) Am interessantesten aber ist die Bemerkung (Kap. 3), daß die jungen für den Kriegsdienst bestimmten Leute früh für ihren Beruf erzogen und abgehärtet werden müßten, und daß das auch noch zur Zeit des Verfassers geschehe, nämlich an den Höfen der Fürsten. (Legebantur autem et assignabantur apud antiquos milites incipiente pubertate: quod et hodie seruatur, ut uidelicet pueri et adholescentes in domibus principum nutriantur, quatinus dura et aduersa tollerare discant, famesque et frigora caloresque solis sufferre.).

Der nächste mittelalterliche Theoretiker, dem wir begegnen, erst 450 Jahre später, ist abermals ein Geistlicher, AEGIDIUS ROMANUS oder COLUM NUS oder a Columnis (geb. 1247, gest. 1316), ein Italiener von Abkunft, Augustiner-General, Professor in Paris, Erzbischof von Bourges und Kardinal. Er schrieb für König Philipp den Schönen als Kronprinzen ein Buch, »de regimine principum«, in dem auch das Kriegswesen behandelt wird.623 Auch Aegidius reproduziert im wesentlichen Vegez und ist nicht fähig, das, was den Verhältnissen seiner Zeit nicht entspricht, auszuscheiden oder gar sachgemäß zu ersetzen. Nach seinem römischen Vorbild (I, Kap. 26) beschreibt er uns (Kap.-XII) Exerzierübungen für Fußvolk und Reiter: sie sollen gewöhnt werden, sich in Linien gereiht aufzustellen, zu dublieren, Viereck, Dreieck, Kreis zu bilden usw. Dinge, die z.T. weder zu Vegez' noch zu irgend einer Zeit existiert haben, am allerwenigsten aber im Mittelalter.624 Aegidius aber vermehrt und verbessert die graue Theorie[670] noch durch den schönen Satz, das Dreieck sei nicht schwer zu bilden; man brauche bloß das Viereck nach der Diagonale durchzuschneiden und die Vierecksseiten zusammenzulegen. Selbst für den berühmtesten Exerziermeister der altpreußischen Armee von 1806, den General v. Saldern, dürfte die Ausführung dieser Vorschrift Schwierigkeiten geboten haben.

Natürlich reproduziert Aegidius auch die berühmten sieben Schlachtordnungen des Vegez (III, 20), den Kreis, den Keil, das Hufeisen. Nur die schräge Schlachtordnung läßt er aus und die »quadrangularis forma« hält er für »magis inutilis«, offenbar weil das nicht so hübsche Bilder gab, wie die Zange oder das Hufeisen.

Einigermaßen in Verlegenheit kommt unser Autor (cap. 5), da seine Autorität, Vegetius, sagt, daß die rustica plebs zum Kriege am tauglichsten sei. Aegidius stellt dem die urgani und die nobiles gegenüber, und findet zuletzt ganz gut, daß zum Fechten nicht bloß eine schwielige Hand, sondern auch »velle honorari ex pugna et erubescere turpem fugam«, ferner die industria et prudencia, sagacitas et versutia gehöre. Diese haben die nobiles und sind deshalb, namentlich zu Pferd, wo dies ihnen die körperlichen Anstrengungen ertragen hilft, den rusticis, trotz Vegetius, vorzuziehen. Daß zwischen dem Fechten nach Ritter- und nach Römer-Weise ein Unterschied sei, darauf kommt der mittelalterliche Gelehrte nicht: uns mag sein Stutzen und seine Reflexion gerade deshalb als ein willkommenes Zeugnis dienen.

Schließlich seien noch die zwölf Dinge angeführt, die nach Aegidius bei einer Schlacht zu beachten sind, wobei hier und da etwas von mittelalterlicher Anschauungsweise durchblickt. Er verlangt also (Kap. IX) vor allem, daß der Feldherr sobrius, prudens, vigilans, industrius sei und beachte

1. die Zahl der Kämpfenden,

2. die Übung (exercitatio) »nam habentes bracchia inassueta ad percuciendum et membra inexercitata ad bellandum« könnten nichts leisten, wobei also bloße persönliche Übung in Betracht gezogen wird, nicht gemeinschaftliche, was wir Exerzieren nennen.

3. Abhärtung in Ertragung der Mühsal.[671]

4. Tapferkeit und »duricies corporis«.

5. versutia et industria.

6. virilitas et audacia mentis.

Ferner:

1. Wer die meisten und besten Pferde hat.

2. Die besten sagitarii.

3. Am meisten Lebensmittel.

4. Den Kampfplatz »qui sunt in altiori situ, vel meliori ad pugnandum.«

5. Sonne und Wind.

6. Wer mehr auxiliares erwartet.

Weder hier noch in einem späteren Kapitel (XIV), wo der Autor noch einmal auf die Schlachtenlieferung zurückkommt, bringt er außer der Bemerkung, daß man in Ordnung besser kämpfe als in Unordnung, irgend etwas Taktisches. Worüber wir am liebsten etwas hören würden, über die Wechselwirkung der Waffen, der schweren und leichten Reiter, der Reiter, der Fußspießer und der Schützen, obgleich Vegetius darüber doch manches sagt, finden wir nichts bei Aegidius, es sei denn die Bemerkung, daß Pfeile und Schleuder gut seien, dem Feinde zu schaden, noch ehe die Schlachtreihen aneinander seien.

Um dieselbe Zeit ließ König ALFONS DER WEISE von Kastilien ein Gesetzbuch verfassen (1260), das auch taktische Vorschriften enthält,625 wiederum Anleihen aus dem Vegez. Wie wenig sie mit dem tatsächlichen Kriegswesen der Zeit zu tun haben, zeigt noch mehr als die Entnahme aus dem antiken Schriftsteller der Zusatz, der bei der Form des hohlen Vierecks gemacht wird. Es wird gebildet, sagt der weise Herrscher, damit der König sich vor den Feinden dahin zurückziehen und darin Schutz finden könne – so weit erinnert es wirklich an das, was man den mittelalterlichen Fußknechten zuwies – aber, hören wir nun weiter, damit die Leute nicht selber fliehen können, bindet man ihnen die Füße zusammen. Man kann auf diese Weise freilich, wenn man siegt, nicht verfolgen, fährt König Alfons fort, aber man zeigt dann[672] durch seine Unbeweglichkeit, daß man den Feind verachte. Sollte das scherzhaft gemeint sein? Keineswegs. Es wird uns im Tone des vollen Ernstes vorgetragen und das allerernsthafteste daran ist, daß zwei praktische Militärs, unserer Zeit, General KÖHLER (III, 2, 264) und Oberstleutnant JÄHNS,626 diese mit den Füßen zusammengebundenen Krieger ohne Widerspruch in ihre Darstellungen aufgenommen haben. Jähns schließt sich ausdrücklich Delpech darin an, daß es sich »keineswegs bloß um gelehrte Nachahmungen«, sondern um die Schilderung der wirklich im 13. Jahrhundert üblichen Gefechtsformen handele. Nicht nur, daß die lateinischen Bezeichnungen überall durch kastilianische ersetzt seien: »auch die Strafandrohungen, welche das Gesetz abschließen, verpflichten die Führer gerade wie auf die disziplinaren, so auf die taktischen Vorschriften, was nur unter der Voraussetzung geschehen konnte, daß die Truppen imstande waren, sie zu befolgen«. Da nicht nur im 13. Jahrhundert, sondern zu allen Zeiten ein wesentliches Moment für den Sieg darin liegt, daß die Soldaten nicht ausreißen, so könnte man es vielleicht auch heute noch einmal mit dem Zusammenbinden der Füße versuchen, und damit die Kerle den Strick nicht etwa durchschneiden nähme man ihnen am besten wohl gleich die Waffen weg: da sähe der Feind gleich von vornherein, wie sehr man ihn verachtet.

Moral: Denken wir milde über die gelehrten Professoren, die die Hunderttausende des Xerxes durch die griechischen Engpässe ziehen lassen und bei der Berechnung des Abstandes zwischen macedonischen Phalangiten oder römischen Legionaren zu etwas unwahrscheinlichen Ergebnissen kommen.

Ich habe keinen Zweifel, daß der genaue Kenner des Vegez, der die militärischen Vorschriften des Königs Alfons abfaßte, kein Kriegsmann, sondern ebenso wie Rabanus und Aegidius ein Geistlicher war, der sich eben durch seine Bekanntschaft mit dem klassischen Autor verleiten ließ, jene Reflexionen in das Gesetzbuch einzuflechten.

Der nächste militärische Autor des Mittelalters, der sich an die Geistlichen anschließt, ist wieder kein Kriegsmann, sondern eine[673] Dame, CHRISTINE DE PISAN.627 Sie war (geb. 1364) die Tochter eines italienischen Arztes und Astrologen, der an den französischen Hof berufen wurde. Christine lebte daher in vornehmen Beziehungen, auch zum englischen und burgundischen Hofe, und war hoch angesehen als Gelehrte, Schriftstellerin und Dichterin. Sie hat noch kurz vor ihrem Tode das Auftreten der Jungfrau von Orléans in einem Gedicht gefeiert und begrüßt. Unter ihren sehr zahlreichen Werken befindet sich auch eine kriegsgeschichtliche Abhandlung unter dem Titel »Faits d'armes et de chevalerie«, geschrieben zwischen 1404 und I407.628 Auch dieses Werk beruht in erster Linie auf der Bearbeitung antiker Schriftsteller, neben dem Vegez besonders des Frontin. In die Unterschiede der Zeiten hat Christine etwas mehr Einsicht als Aegidius und Alfonso, immerhin ist die imstande zu schreiben (Buch I, cap. 24), die Alten hätten darauf geachtet, daß die hommes d'armes beim Aufmarsch zur Schlacht nicht erschreckt worden wären durch das Geschrei, das zuweilen die gens de commune machen oder die, welche Furcht haben, und hätten sie deshalb durch Trompeten-Signale dirigiert.

Sie will kriegerische Erziehung der Jugend, macht aber einen Unterschied zwischen Adel und Volk. Jener solle von Kindheit an in allen ritterlichen Künsten geübt werden, dieses eigentlich nur im Schleudern und Bogenschießen.

Wo sie über die Schlachtordnung sprechen will (cap. 23), beginnt sie mit der einsichtigen Bemerkung, daß ihre Zeit sich darin von der des Vegetius unterscheide, daß man jetzt mehr zu Pferde kämpfe, als zu Fuß. Statt uns nun aber über ihre Zeit zu unterrichten, fährt sie leider fort, daß sie darüber nur kurz sein wolle, da es den Waffengeübten bekannt sei.

Eine Generation jünger als Christine ist JEAN DE BUEIL († 1477), der unter Karl VII. ein angesehener Kapitän war und als älterer Mann (zwischen 1461 und 1466) in Form eines Romans, vergleichbar der Cyropädie, ein Buch teils verfaßte, teils inspirierte, das die militärische Erziehung des jungen Edelmanns lehren sollte. Das Buch heißt »Le Jouvencel« und kann ebensowohl[674] zur historischen wie zur theoretischen Literatur629 gerechnet werden, da es unter fingiertem Namen (Amidas ist König Karl VII.) die Kriegs-Memoiren Bueils darstellt. Die eigentlichen Verfasser scheinen drei Gefolgsmänner des Kapitäns gewesen zu sein, die wohl auch die gelehrten Schmuckstücke aus antiken Autoren eingefügt haben. Le Fouvencel soll den jungen Edelmann lehren »zu gehorchen, zu kämpfen und schließlich zu befehlen«, was in uns hohe Erwartungen erweckt. Ich habe auch manches Interessante darin gefunden. Z.B. ein Fürst solle ein Drittel seiner Ausgaben auf das Nachrichtenwesen (en espie) verwenden, und eine sehr eindringliche, mit vielen Beispielen belegte Verwarnung, zu Fuß nicht anzugreifen, sondern sich angreifen zu lassen.630

Es wäre ein Gegenstand für eine Spezialuntersuchung, aus dem Jouvencel ebenso wie aus Christine und einigen kleineren Schriften die theoretischen Gedanken des 15. Jahrhunderts über Taktik und Strategie systematisch zu bearbeiten und mit der Wirklichkeit zu vergleichen. Für dieses Werk habe ich aus den S. 443 angeführten Gründen geglaubt, darauf verzichten zu können. Sehr reich würde die Ausbeute auch nicht werden.

Um dieselbe Zeit wie Christine de Pisan schrieb in Böhmen ein fränkischer Edelmann aus Eichstädt, KONRAD KYESER, ein Kriegsbuch, das er Bellifortis nannte und das einen ganz anderen Charakter trägt. Es ist ausschließlich technischer Natur und besteht in einer großen Anzahl von Bildern mit hinzugefügter lateinischer Erklärung, meist in Hexametern. Der Grundstock zu diesen Bildern ist viel älter und geht vielleicht zum Teil auf byzantinische Muster zurück, und das ganze fünfzehnte Jahrhundert durch wurden in Deutschland wie in Italien diese Kriegs-Bilderbücher gepflegt, fortgesetzt, neu fabriziert. Den Anstoß zu dieser Literatur gab die neue Kunst der Feuerwerkerei, aber sie entsprich tauch tiefer ganz dem Geiste der Zeit und wird von JÄHNS631 vortrefflich folgendermaßen charakterisiert: »Die technischen Zeichnungen antiker Codices,[675] wie sie namentlich in den byzantinischen militärischen Encyklopädien häufig begegnen, kamen den Neigungen des ausgehenden Mittelalters in eigentümlicher Weise entgegen. War das doch die Zeit, in welcher man allen möglichen Geheimnissen ›mit Hebeln und mit Schrauben‹ auf die Spur zu kommen hoffte. In welcher man wähnte, die Riegel, die den Eingang zu übernatürlicher Macht verschlössen, heben zu können, wenn des gebrauchten Schlüssels Bart nur recht ›kraus‹ sei. Nicht verworfen wurde das Unverstandene, sondern um so sorgfältiger überliefert, je weniger man imstande war, es zu begreifen. Antike Traditionen und eigene Erfindungen wurden in seltsamer Art mit astrologischen, mystischen und alchymistischen Elementen verquickt, und namentlich die Feuerwerkerei bildete die Brücke zwischen diesem geheimnisvollen Wissen und der Lebenspraxis, zumal der größte Teil jener Zeit, jener zum Teil nekromantischen Technik im Kriegswesen zugewendet war. Feuerwerkerei und Büchsenmacherei umgab zu Ausgang des 14. und zu Anfang des 15. Jahrhunderts noch ein eigenartiger Nimbus, der nicht frei von unheimlichen Nebenlichtern war, und der die Feuerkundigen als eine der vornehmsten Klassen der Wissenden überhaupt, namentlich aber als berufene Träger kriegerischer Geheimkunst erscheinen ließ.« Entscheidend ist in dieser Charakteristik das Wort, daß man auch das Unverstandene nicht verwarf, sondern um so sorgfältiger überlieferte. Was man aus eigenem hinzufügte, war dementsprechend: wie Jähns wieder sehr treffend an anderer Stelle sagt (S. 291), eine Mischung von Erfahrung und Einbildung oft in unbefangener Kindlichkeit. Für die Geschichte der Kriegskunst ist aus diesen zahlreichen Büchern deshalb so gut wie nichts zu entnehmen, nicht bloß, weil sie die Technik behandeln, die wir als solche aus diesem Werke ausschließen, sondern weil auch die zufälligen sonstigen Angaben keinen Glauben verdienen. Schon bei der Behandlung des Altertums haben wir festgestellt, wie wenig aus den theoretischen Schriften zu schöpfen ist, weil sie bis zur Unbegreiflichkeit mit dem Wirklichen in Widerspruch stehen, statt es abzuspiegeln. Ist schon das Altertum, das doch zu rationellem Denken soviel besser erzogen war, so einzuschätzen, um soviel mehr trifft das Urteil das Mittelalter, dem ohnehin die Handhabung der Kritik nicht anerzogen war. Diese technischen[676] Schriften des fünfzehnten Jahrhunderts sind voller Abenteuerlichkeiten, und man darf ihnen deshalb auch das, was auf den ersten Blick nicht so unmöglich erscheint, erst glauben, wenn man irgendwelche Gründe für ein solches Vertrauen beizubringen vermag. Da findet man bei Kyeser Sichelwagen, Schwimmstiefel, Pferde, die mit brennen Holzstücken bepackt den Feind in Schrecken setzen, ein Geschütz, das eine Steinkugel von 11/2 Fuß Durchmesser schießen soll, aber so schwach konstruiert ist, daß es offenbar keinen Schuß aushalten kann. Zu dieser Schule gehört auch der oben schon erwähnte »moler und büchsenschießer« DACHSSBERG, der den Feind mit einer keilförmig geordneten Wagenburg angreifen will und empfiehlt, im Seekrieg solle man auf den Feind Fässer mit gepulvertem Kalk schleudern, um ihm die Augen zu blenden oder mit dünner Seife, um das Schiffsverdeck schlüpferig zu machen. Auch ein Geschütz, das um die Ecke schießt, findet sich und wird mit Recht »machina mirabilis« genannt.

Taktische Vorschriften finden sich hauptsächlich in einer anonymen Schrift etwa vom Jahre 1450632 und ungedruckten Ausarbeitungen eines Philipp von SELDENECK,633 gegen 1480, aber der Geist ist ganz derselbe wie in den Bilder-Handschriften: sachwidriges Theoretisieren, aus dem schwer etwas zu lernen ist. Man muß es Seldeneck schon als Verdienst anrechnen, daß er wenigstens nicht, wie der Anonymus, mit der dreieckigen Aufstellung des Fußvolks arbeitet, die den Feind durch ihre Spitze zerteilen soll.

Das bedeutendste dieser Werke stammt von dem Italiener ROBERTO BALTURIO, geschrieben etwa 1460, und 1472, vielleicht als das erste aller Bücher in Italien gedruckt. In JÄHNS' Geschichte der Kriegswissenschaft findet man über alle diese Schriften sorgfältige Referate, die uns des weiteren Eingehens an dieser Stelle überheben.


Quelle:
Hans Delbrück: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte. Berlin 1923, Teil 3, S. 669-677.
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