Sechstes Kapitel.

Machiavelli.

[117] Die neue Kriegskunst brachte auch sofort ihren großen Theoretiker hervor. Auch im Mittelalter hatte man nicht aufgehört, Vegez zu lesen. Karl der Kühne ließ sich Übersetzungen des Vegez und Xenophon machen, die erhalten sind. Seine Übersetzung der Cyropädie von Vasque de Lucenne ging auf der Flucht von Nanch verloren127.

Karl V. studierte Cäsars Schriften aufs genauste und versah sein Exemplar mit einer Menge von Randbemerkungen. Auf seine Veranlassung ging eine wissenschaftliche Kommission nach Frankreich, um die Lager Cäsars festzustellen, und nahm 40 Pläne von ihnen auf.

Der militärische Klassiker der Epoche aber wurde Niccolo Machiavelli, über dessen »Renaissance der Kriegskunst« uns jüngst Martin Hobohm ein zugleich grundlegendes und abschließendes Werk beschert hat128.[117]

Machiavelli war erfüllt von dem Eindruck, daß während in seiner Jugend (geb. 1469) die Reiterei noch die fast alleinherrschende Waffe gewesen war, jetzt die Infanterie die Schlachten entschied. Er brachte das zusammen mit dem Ergebnis seiner klassischen Studien, daß einst die Römer vermöge ihrer Legionen die Welt bezwungen, und setzte sich nun die Aufgabe, der Welt und insbesondere seinen Landsleuten zu zeigen, daß eine tüchtige Bürger-Infanterie das Ideal einer Heeresverfassung darstelle und befähigt sei, Italien und besonders Florenz von den furchtbaren Soldbanden, mit denen man jetzt die Kriege führte, zu befreien. Sein Patriotismus und sein konstruktiv angelegter Geist, seine literarischen Studien und der Blick auf die Realitäten der umgebenden Welt wirkten in ihm zusammen und trieben ihn vorwärts, sowohl zum Aufbau eines theoretisch durchdachten Systems, wie zu praktischer Schaffung einer florentinischen Staatsmiliz, in der er das Wesen der alten Römer zu erneuern gedachte.

Das Kanzleramt, das Machiavelli in der Republik Florenz bekleidete, war kein leitendes, sondern, wie wir es modern ausdrücken würden, ein höherer Subaltern-Posten. Von dieser nachgeordneten Stellung aus wußte Machiavelli es durch die Macht seines Wortes und seiner Persönlichkeit durchzusetzen, daß im Jahre 1506 die Republik eine Landwehr organisierte, die schließlich bis auf annähernd 20000 Mann gebracht worden ist.[118]

Das Land wurde in Distrikte geteilt; Regierungs-Kommissare bereisten diese Distrikte, bezeichneten die ihnen geeignet erscheinenden Männer und legten Listen von ihnen an. Jeder Distrikt stellte eine Kompanie, an deren Spitze ein kriegserfahrener Hauptmann gesetzt wurde. Die Mannschaften erhielten Waffen, einen Spieß und einen Brustharnisch und Uniform, ein weißes Wams und eine Hose mit einem roten und einem weißen Bein. Jede Kompanie führte eine Fahne von verschiedenem Tuch, aber alle gleichmäßig geschmückt mit dem Bilde des florentinischen Löwen. Dem Hauptmann zur Seite stand ein Kanzler für die Verwaltung, Listenführung und alles Schreibwerk, der Fähnrich, eine Anzahl Korporale und ein oder einige Trommler, die »nach Art der Ultramontaner« trommelten. Von Zeit zu Zeit zog an einem Festtage der Hauptmann ortschaftsweise seine Leute zusammen, musterte sie, allein oder zusammen mit einem Regierungs-Kommissar aus der Hauptstadt, und übte sie in militärischen Bewegungen »nach der Art der Schweizer«. Zuweilen wurden große Paraden in Florenz selbst abgehalten.

Im Frieden hatten die Landwehrmänner das Recht, Waffen tragen zu dürfen und gewisse Justiz-Privilegien; im Kriege erhielten sie (oder sollten sie erhalten) denselben Sold, wie Geworbene, drei Dukaten auf den Monat. Die Haupttexte erhielten ein regelmäßiges Gehalt bis zu 12 Dukaten monatlich oder statt dessen teilweise Naturallieferung, freie Wohnung und Futter für ein Pferd.

Die Kompanien wurden allmählich sehr stark gemacht, 800 Mann, also viel zu viel für einen einzigen Offizier, aber man rechnete, daß im Ernstfalle nur etwa der dritte Teil wirklich ausmarschieren würde, und es waren tatsächlich noch viel weniger, etwa 150 Mann auf die Kompanie.

Die Kompanien waren zu reichlich 70% mit Langspießen bewaffnet; etwa 10% waren Schützen, der Rest verteilte sich auf leichte Hellebarden (die »ronca«), Kuebelspieße und andere blanke Waffen. Man bildete den großen Gevierthaufen, gewöhnte sich nach dem Trommelschlag einigermaßen im Tritt zu marschieren, Vordermann und Nebenmann zu halten, Rechts- und Linksum zu machen. Diese Bewegungen sind, ebenso wie die Handhabung[119] der Waffen so einfach, daß sie sehr wohl in den wenigen Festtags-Übungen erlernt werden konnten. Auch die Schweizer und Landsknechte werden nicht gründlicher exerziert haben. Die einzige Waffe, die Kunstfertigkeit erforderte, die Schußwaffe, wurde von solchen geführt, die sich auf eigene Hand darin übten und selber Besitzer solcher Waffen waren; ob Armbrust oder Arkebuse, wurde freigestellt.

So weit scheint die Organisation der florentinischen Miliz allen vernünftigen Anforderungen zu entsprechen. Aber es folgen noch andere Bestimmungen. Gleich in der ersten Denkschrift, in der Machiavelli den Florentinern die Miliz empfahl, warf er die Frage auf, ob die Schaffung einer derartigen bewaffneten Macht nicht der Republik selber gefährlich werden könne. Die Verfassung beruhte zunächst auf der Herrschaft der Stadt über das Land, ein recht erhebliches Gebiet mit vielen Bauernschaften und kleineren Städten. Nur ein Teil dieses Gebietes, der contado genannt, galt für unbedingt zuverlässig; der größte Teil, der distritto, war allmählich mit Gewalt unterworfen und konnte der Stadt den Gehorsam einmal wieder aufsagen wollen. In der Stadt selbst herrschte ein sehr künstlich organisierter Mittelstand mit aristokratischem Einschlag. An der Spitze der Republik stand zwar ein auf Lebenszeit gewählter Gonfaloniere, Soderini, aber seine Kompetenz war gering. Die eigentliche Regierungsgewalt war in der Hand einer Anzahl Kollegien, der 80, der 10, der 9, der 8, deren Zusammensetzung immer schon nach wenigen Monaten wechselte und deren Zuständigkeit sich vielfach untereinander kreuzte. Über allen stand eine Bürgerversammlung, zu der diejenigen Bürger Zutritt hatten, deren Vater, Großvater oder Urgroßvater einmal einem jener Kollegien angehört hatte oder dazu wählbar gewesen wäre.

Die fundamentale Verschiedenheit von der Verfassung des alten Rom springt in die Augen. In Rom ist der Bauer gleichberechtigt mit dem Stadtbürger und es gibt keinen Gegensatz zwischen Stadt und Land. Die Magistratur ist durch und durch autoritär. Die reichen aristokratischen Familien genießen ein überkommenes, durch die Religion gestütztes Ansehen und üben ihren Einfluß in ponderierendem Gleichgewicht mit der demokratischen Masse. Diese Masse bildet das Heer.[120]

So locker, so diffus dagegen die florentinische Regierungsmaschinerie ist, so ist sie auch von außen und innen noch stets bedroht durch die Prätensionen der vertriebenen Medici-Familie. Alles ist deshalb aufgebaut auf wechselseitigem Argwohn und gegenseitiger Beschränkung. Das eine Kollegium, die 9, hatte die Miliz im Frieden unter sich; kam es zum Kriege, so ging das Kommando auf das andere Kollegium, die 10, über. Das sei eben der Vorteil, meinte Machiavelli, daß die Milizen gar nicht wüßten, wer eigentlich ihr Herr sei. Wie konnte aber eine Regierung, die selber so flüssig war, eine feste Heeres-Organisation schaffen? Alles was geschehen ist, beruhte tatsächlich auf der Person Machiavellis, der als angestellter Sekretär in verschiedenen Kollegien die Personal-Einheit schuf und darstellte, vermöge deren die verschiedenen Instanzen einheitlich wirkten.

Aber auch er konnte nicht anders als nach einem Mittelweg suchen zwischen dem Wunsch der Republik, ein Heer zu besitzen, und der Furcht der Republik, von diesem ihrem eigenen Heer verschlungen zu werden.

Erstes Erfordernis für eine brauchbare Miliz wäre gewesen, das möglichst enge Verwachsen des Hauptmanns mit seiner Kompanie. Die Leute mußten Vertrauen zu ihrem Hauptmann haben. Der Hauptmann mußte seine Leute kennen. Aber was hätten Hauptleute, die ihre Mannschaft derart an ihren Befehl gewöhnt hatten, anstellen können! Solche Gefahren zu vermeiden, wurde vorgeschrieben, daß die Hauptleute alle Jahre in einen anderen Bezirk versetzt werden sollten, damit »ihre Autorität nicht einwurzele«.

Der Hauptmann sollte aber überhaupt keine eigentliche Gewalt über seine Kompanie haben. Der Wehrmann, der nicht zur Übung zu kommen wünschte, bedurfte keines Urlaubes, sondern hatte sich nur auf irgend eine Weise zu entschuldigen. Der Hauptmann hatte keine direkte Strafbefugnis, sondern durfte nur bei offener Meuterei vorläufig festnehmen; die Strafgewalt hatte der Regierungskommissar und die Behörde in Florenz. Einmal wurde an einige Hauptleute geschrieben: »In Anbetracht der geringen Belohnung, die unsere Eingeschriebenen für ihre Mühe und Unbequemlichkeit bei der Ausbildung als Angehörige der Miliz bekommen,[121] wollen wir, daß sie human behandelt und freundlich zurechtgewiesen werden, wenn sie bei der Einübung in ihrer Unerfahrenheit Fehler machen. Wir wollen es, damit sie desto lieber und freudigeren Herzens bei dieser Arbeit aushalten. Denn aus der obigen Erwägung heraus halten wir dieses Mittel für das wirksamste, um sie zum Gehorsam und bei guter Stimmung gegen diese Ausübung zu erhalten. Sie zu kujonieren und zu erbittern (el bistractarli et exasperarli) erscheint uns als geeignet, gerade das Gegenteil zu erreichen. Deshalb haben wir dich ermahnen wollen, freundlich (amorevolente) mit ihnen umzugehen und dir Mühe zu geben, daß du sie bei guter Stimmung erhältst; du muß sorgfältig darauf bedacht sein, alles zu vermeiden, wovon du weißt oder glaubst, es könnte irgendeinen Zwischenfall (disordine) verursachen«.

Während der Hauptmann ein Fremder war, der von der Behörde in den Bezirk gesetzt wurde, waren der Fähnrich und die Korporale angesehene Eingesessene. Aber militärische Funktionen finden wir ihnen nicht zugeteilt, so daß die eigentliche Handhabung des Dienstes allein auf dem Hauptmann ruht.

Wie die Hauptleute unter sich keine rechten Organe für die Durchführung ihrer Aufgabe hatten, so entbehrte auch die Miliz als Ganzes eines einheitlichen militärischen Oberkommandos. Die Hauptleute selbst lagen Machiavelli in den Ohren, er möge die Ernennung eines Obersten durchsetzen. Eine Woche vor dem endgültigen Zusammenbruch hat Machiavelli das auch erreicht: am 25. August 1512 wurde Jacopo Savelli, ein altgedienter florentinischer Reiter-Kondottiere, zum Oberstkommandierenden ernannt, aber er ist nicht mehr imstande gewesen, zu retten. Hätte er es vermocht, hätte er es fertig gebracht, die 20000 Wehrmänner wirklich zu disziplinieren, so wäre es ihm bald ein leichtes gewesen, seine Fähnlein gegen die Geldsäcke der Tyrannenstadt zu führen und seinen Soldatenstiefel auf die papierne Popular-Verfassung zu stellen vorausgesetzt, daß man ihn nicht vorher umgebracht hätte. (Hobohm.).

Nachdem die Fuß-Miliz in stattlichem Umfang organisiert war, setzte Machiavelli Ende 1510 auch die Schaffung einer Reiter-Miliz durch.[122]

Die Machiavellische Miliz hat etwa 7 Jahre bestanden. Sie wurde benutzt, um die Stadt Pisa Florenz wieder zu unterwerfen. Man schnitt der Stadt die Zufuhren ab und zerstörte jährlich zweimal ihre Ernte bis unter die Stadtmauer hin. Diese Aushungerung brachte sie endlich zur Übergabe. Die wahre Probe aber hatte die Miliz erst zu bestehen, als im Jahre 1512 sich eine große Liga gebildet hatte, um die Familie Medici wieder nach Florenz durchzuführen. An der Spitze standen die Spanier. Es war die spanische Infanterie, die bei Ravenna geschlagen war, sich aber trotz der Niederlage durch ihren unzerbrechbaren Zusammenhalt vor der Vernichtung bewahrte. Als diese Spanier die florentinische Grenze überschritten, wurde die Miliz zusammengerufen. Man hätte leicht 12000 Mann auf die 8000 Spanier werfen können. Aber von vornherein schien es ein unmögliches Wagnis zu sein, dieser bewährten Armee im freien Felde gegenüber zu treten. Man besetzte also Florenz und das zunächst von den Spaniern bedrohte Städtchen Prato, etwa 2 Meilen nördlich von der Hauptstadt. Prato hatte noch die mittelalterliche Befestigung, eine hohe, dünne Mauer. Einen Versuch der Belagerer, die Mauer mit Leitern zu ersteigen, wiesen die Verteidiger ab. Die Spanier besaßen nicht mehr als zwei Belagerungsgeschütze, von denen noch das eine sprang. Mit der einen übrig bleibenden Kanone schossen sie eine Bresche, oder wie eine Quelle sich ausdrückt, mehr ein Fenster als eine Bresche, ein Loch in die Mauer, vier Meter breit, zwei Meter hoch. Die Belagerer waren bereits in der äußersten Not durch Mangel an Lebensmitteln. Hätte Prato sich noch zwei Tage behauptet, so hätte die spanische Armee abziehen müssen und hätte sich vielleicht auf dem Rückzug aufgelöst. Gerade diese äußerste Not trieb sie, den Sturm auf die Bresche zu wagen. Die Bresche war nicht nur klein und so hoch, daß man noch Leitern anlegen mußte, sondern sie konnte auch von einer dahinterliegenden Mauer aus unter Feuer genommen werden. Aber die spanischen Arkebusiere gingen bis nahe an die Stadtmauer vor und nahmen sie so sehr unter Feuer, daß die Verteidiger nicht mehr aus den Zinnen hervorzutreten wagten und als die Spanier, einige Fähnriche voran, zum Sturm ansetzten, ergriffen die toskanischen Wehrmänner die Flucht und in einer halben Stunde war die Stadt erobert.[123]

Ein furchtbares Morden setzte ein, und nicht bloß Morden, Schänden und Plündern. Die lebend Gefangenen wurden, nachdem sie selber alles hergegeben, von den Spaniern drei Wochen lang gefoltert, um von ihren entfernt wohnenden Verwandten Lösegelder zu erpressen. Die Florentiner machten dem spanischen Feldherren Cardona Vorstellungen wegen der unerhörten Höhe der geforderten Lösegelder. Er erklärte selber, daß die Forderungen zu hoch seien, aber er sei machtlos gegen seine Truppen.

Der Fall von Prato war auch das Ende der Republik Florenz; sie erklärte sich bereit, die Medici wieder aufzunehmen, und binnen kurzem hatten diese auch die Zügel der Herrschaft wieder in der Hand. Mit der Republik hatte auch die Miliz ihr Ende erreicht.

Die Besatzung von Prato war nicht weniger als 3000 Milizen und 1000 bewaffnete Bürger stark; sie wußten alle, was ihnen bevorstand, wenn die Spanier die Stadt nahmen. Wie war es möglich, daß sie, wenn nicht aus kriegerischem Sinn und aus Vaterlandsliebe, doch um sich selbst vor dem Gräßlichsten zu retten, so viel Kampfeskraft aufgebracht haben, um die Bresche zu verteidigen? Sie waren ja doch noch etwas mehr als ein bloßes Bürgeraufgebot; sie hatten kriegserfahrene Hauptleute und waren in den Waffen und in dem Zusammenstehen einigermaßen geübt. Aber es ist wieder wie in der Völkerwanderung, wo die reichsten Provinzen mit Millionen von Bewohnern, wenigen Tausenden Germanen fast ohne Widerstand zum Opfer fallen, Stadt auf Stadt in Flammen aufgeht, bloß weil es den wilden Barbaren Vergnügen macht.

Machiavelli hatte das römische Kriegswesen studiert, aber merkwürdig genug: den entscheidenden Begriff, die römische Disziplin hat er nicht herausgefunden. Durch seine Vorschriften, daß die Hauptleute keine direkte Strafgewalt haben und nicht zugelassen werden sollte, daß ihre Autorität bei den Mannschaften einwurzelte, ist sie sogar positiv ausgeschlossen. Nichts ist interessanter, als von hier aus einmal umgekehrt festzustellen, weshalb Rom die große Werkstätte der Macht werden konnte und der Anlaß Florenz' dazu so jammervoll scheiterte. Die Stadt Rom herrschte nicht über ihre Bauernschaft, sondern war eins mit ihr: die Bauern wählen zusammen mit den Bürgern in den Comitien[124] die Magistrate. Auch in Rom herrschte wie in Florenz ein gewisser Argwohn gegen die Magistrate und es gab deshalb kein einheitliches Heeres-Kommando, sondern es war zwischen zwei Konsuln geteilt. Aber von da an abwärts herrschte mit eiserne Gewalt die Autorität des Imperiums, gestützt auf die Religion und das Augurium. Das Exerzitium des mit dem Weinrebenstocks ausgerüsteten Centurio gab den römischen Landwehren die Festigkeit, den Galliern und Cimbern zu widerstehen, die Machiavellis Milizen in der Bresche von Prato vermissen ließen.

Auch die Schweizer, Landsknechte und Spanier hatten nicht die römische Disziplin. Was sie dennoch im Sturm der Schlacht unwiderstehlich machte, war die lange Gewohnheit des Zusammenhalts und schließlich das durch die Siege selbst anerzogene wechselseitige Vertrauen. Weder die Disziplin noch den im Kriege selbst erzogenen kriegerischen Sinn vermochte Machiavelli seinen Wehrmännern zu geben, und nicht einmal theoretisch hat er den Wert und die Bedeutung des einen oder des anderen erkannt. Aber schelten wir ihn deshalb nicht. In seiner Vorstellung des Volksheeres lag das Schauen eines Propheten. Ein solches Volksheer wirklich zu bilden, war für den florentinischen Staat im Ausgang des 16. Jahrhunderts unmöglich, weil die Verfassungsgrundlage fehlte, und die Jahrhunderte selbst gehörten dazu, jenen zugleich brutalen und idealen Begriff der Disziplin zu schaffen, der auch das Volksaufgebot zu einem militärisch brauchbaren Körper formt. Indem aber Machiavelli die zukünftige Infanterie an das Römertum anknüpfen wollte, hat er doch hiervon eine richtige Ahnung gehabt.

Dem wahren Ziele näher gekommen als Machiavelli selbst, sind im Grunde genommen schon zwei Vorläufer, von denen er auch Anregungen empfangen hat, der Kondottiere Vitelli und Cäsar Borgia, die beide in ihren Territorien eine Mischung von Söldnertum und Miliz schufen, das zweifellos besser war, als die reine Miliz des Florentiners. Man mag es darauf zurückführen, daß Vitelli wie Borgia beide keine Idealisten, sondern praktische Kriegsmänner waren; vor allem aber waren sie zugleich Feldherren und Herren in ihrem Territorium: sie hatten nicht zu fürchten, wie die florentiner Bürger des Neuner- und Zehnerkollegiums, daß, wenn ihnen[125] ihre Schöpfung wirklich gelinge, sie ihnen eines Tages selber gefährlich werden könnte, und schwächten deshalb die militärische Autorität nicht selber künstlich ab, sondern bildeten sie aus, wie das militärische Bedürfnis es verlangte. Auch ihr Werk hatte freilich keinen Bestand, weil die Fundamente ihrer eigenen Herrschaft den Stürmen der Zeiten nicht standhielten.

So wenig Machiavellis Organisation der toskanischen Miliz einwandfrei ist, ebenso wenig ist es ihm gelungen, eine widerspruchslose, eindeutige Theorie der Strategie auszustellen. Auch hier, kann man sagen, hat er das Problem der Epoche gesehen und hat in seinen Aussprüchen darüber etwas Prophetisches, ohne doch bereits ein in sich gerundetes Gedankensystem schaffen zu können.

Der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit wird bezeichnet durch die ungeheure Steigerung der Mittel der Kriegführung. An die Stelle der wenigen Fußknechte mit blanker Waffe in den mittelalterlichen Heeren sind die gewaltigen Schlachthaufen getreten, und die Technik der neuen Feuerschußwaffen steigert sich so zu sagen von Moment zu Moment. Man könnte vermuten, daß diese gesteigerten Kriegsmittel in der Strategie dazu geführt hätten, um so schneller der letzten gewaltsamen Entladung der Schlacht zuzustreben, und in der Tat haben wir ja auch eine Reihe großartiger Schlachtbilder hintereinander aus einer nur kurzen Zeitspanne vorgeführt. Im Mittelalter konnte, wenn schon die Begriffe Taktik und Strategie nicht prinzipiell auszuschalten waren, doch nur in einem geringen Maß im einzelnen, unter besonderen Umständen, in besonders gesteigerten Momenten von ihnen die Rede sein. Der Ritter ist zu sehr Persönlichkeit, um Führung zu haben, und seine Bewaffnung zu einseitig, so daß zunächst der Begriff der Taktik sich unanwendbar wird und ohne Taktik wiederum gibt es auch keine Strategie. Die neue Infanterie verbunden mit den neuen Feuerwaffen großen und kleinen Kalibers und der alten, leichten wie schweren Reiterei ermöglicht eine unendliche Fülle von Kombinationen mit dem wechselnden Gelände, Möglichkeiten des Angriffs, wie der Verteidigung, die das Mittelalter nicht gekannt hat. Treten wir etwa ein in eine Epoche, wo der Feldherr, wie einst Alexander oder[126] Cäsar gradlinig auf sein Ziel losgeht, jeden Widerstand bricht und nicht ruht, bis er dem Gegner seinen Willen aufgezwungen hat?

So ist es nicht. Schon bei den großen Schlachten, die wir näher ins Auge gefaßt haben, haben wir am Schluß mehrfach darauf hinzuweisen gehabt, daß der Sieg ohne dauernde Nachwirkung verpuffte. Allen diesen Schlachten haftet etwas merkwürdig Zufälliges, Unorganisches an. Wie glänzend hatten die Franzosen mit Hilfe ihrer Landsknechte bei Ravenna gesiegt (1512), und es verging kein Jahr, so hatten sie, ohne in einer Schlacht besiegt zu sein, Italien räumen müssen. Derjenige Sieg, der die größte und nachdauerndste Nachwirkung gehabt, der Sieg der Kaiserlichen bei Pavia, war doch nicht das natürliche Endergebnis eines von weiter angelegten, wohl durchdachten, strategischen Planes, sondern die äußerste, letzte Hilfsmittel in einer verzweifelten Notlage, wie Pescara es ausdrückt: Gott gebe mit 100 Jahre Krieg und keinen einzigen Schlachttag, aber hier bleibt nichts anderes übrig. Die neuen Kriegsmittel, wie sie die Gewalt des Angriffs gesteigert hatten, hatten nicht nur der Verteidigung ebenfalls neue Mittel gegeben, sondern hatten auch in sich Schwächen, die es möglich und ratsam erscheinen lassen konnten, einen Gegner ohne das Wagnis einer Schlacht zu überwinden. Die Feuerwaffen konnten ein Geländehindernis unüberwindlich machen und die neue Infanteriemassen waren ein eben wegen ihrer Massenhaftigkeit oft ein recht vergängliches Kriegsmittel. Von je war die Überlegenheit der Zahl eines der wichtigsten Mittel des Erfolges. Im Mittelalter aber spielte sie doch keine so entscheidende Rolle, weil alles auf die Qualität des einzelnen Kriegers ankam und Qualitätskrieger immer nur in einem gewissen begrenzten Maße zu beschaffen waren. Schweizer und Landsknechte aber, nachdem sie einmal organisiert waren, konnte man leicht durch Massenaufstellung von zulaufendem Volk vermehren, und der Massendurck war es ja, der jetzt in der Schlacht die Entscheidung gab. Die Kriegsherren also strebten nach Massen, nicht nur bis an die äußerste Grenze ihrer Geldmittel, sondern noch darüber hinaus. War man auch nicht imstande, den Knechten den versprochenen Sold zu zahlen, so konnte man doch hoffen, den Krieg selbst durch den Krieg zu ernähren. Man wies die Mannschaft an auf die[127] Beute, gab ihnen ganze Landschaften und Städte zur Ausplünderung preis. Das hatte die schwersten Nachwirkungen auf die Kriegführung selbst, auch auf die Strategie. Bald, daß die Knechte ungeduldig wegen ihrer Nichtbezahlung die Schlacht fordern, bald, daß sie umgekehrt, bis sie bezahlt seien, den Sturm verweigern. Vor allem aber finden wir immer wieder, daß ein Feldherr darauf rechnet, wenn er nur ausharre, werde das feindliche Heer sich von selber auslösen, weil der Gegner nicht imstande sei, es länger zu bezahlen. Das ist ein so verführerischer Gedanke, daß er den Feldherrn wohl verleiten kann, auch sonst recht günstige Gelegenheiten zu einer Schlacht doch nicht zu benutzen, sondern den Feldzug in einen bloßen Manöverkrieg auslaufen zu lassen. Auf diese Weise war es nahe daran, daß König Franz bei Pavia siegte, aber eben die Verzweiflung darüber war es, die die Gegner trieb, das Äußerste zu versuchen: sie griffen ihn an in seiner so sichern Stellung und besiegten ihn.

Ich habe für diese Art der Strategie ehedem, den Namen der Ermattungsstrategie oder der doppelpoligen Strategie geprägt, d.h. derjenigen Strategie, in der der Feldherr von Moment zu Moment wählt, ob er vermöge einer Schlacht oder eines Manövers zu seinem Zwecke gelangen soll, so daß seine Entschlüsse sich so zu sagen unausgesetzt zwischen den beiden Polen des Manövers und der Schlacht bewegen, sich bald diesem, sich bald jenem Pol zuneigen.

Dieser Strategie steht gegenüber jene andere, die geradewegs darauf ausgeht, die feindliche Streitmacht anzugreifen, zu zerstören und dem Besiegten den Willen des Siegers zu unterwerfen, die Niederwerfugsstrategie. Wir werden uns noch eingehend mit diesen beiden Grundformen alles strategischen Handelns zu beschäftigen haben. Bleiben wir aber zunächst bei Machiavelli.

Oft genug spricht er Sätze aus, die das Prinzip der Niederwerfung der feindlichen Streitkraft in der Feldschlacht als höchstes Ziel des kriegerischen Handelns proklamieren. »Auf den Feldschlachten ruht das Gewicht des Krieges; sie sind der Zweck, für den man Heere schafft«. »Wer gut versteht, dem Feinde eine Schlacht zu präsentieren, bei dem würden andere Fehler die er in der Kriegführung macht, erträglich sein«. »Der strategische Stil der[128] Römer bestand in erster Linie darin, daß sie, wie die Franzosen sagen, die Kriege kurz und derb (corle e grosso) führten« »Marschieren, schlagen, lagern, sind die drei Hauptgeschäfte des Krieges«. »Nicht Sold, wie die gemeine Meinung schreit, ist der Nerv des Krieges, sondern gute Soldaten; denn das Sold reicht nicht hin, gute Soldaten zu finden, über die guten Soldaten sind durchaus imstande, das Sold zu finden«. »Wenn man die Schlacht gewinnt, so muß man mit aller Schnelligkeit den Sieg verfolgen«.

Diese und ähnliche Sätze entnahm die Logik Machiavellis dem Begriffe des Krieges, den er sich zergliederte. Aber die Praxis der Kriegführung seiner Zeit zeigte keineswegs dieses Bild und in dem Theoretiker der Antike Vegez fand er ganz andere Grundsätze. Unmöglich konnte er sich diesen Eindrücken ganz entziehen, und so finden wir denn bei ihm im Widerspruch mit den obigen Lehrsätzen auch den Satz: »Gute Feldherren liefern nur dann Schlachten, wenn die Notwendigkeit sie zwingt oder die Gelegenheit günstig ist«. Oder wir finden bei ihm eine Auseinandersetzung, daß man ein feindliches Heer nicht zur Verzweiflung treiben, sondern ihm goldene Brücken bauen müsse. Oder wir finden eine Betrachtung, daß die Römer nach dem Siege nicht mit den Legionen, sondern nur mit leichten Truppen und Reitern verfolgt hätten, weil der in Unordnung Verfolgende leicht wieder den Sieg verliere. Besser ist es, heißt es einmal, den Feind durch Hunger zu besiegen, als durch das Eisen, denn der Sieg hängt viel mehr vom Glück als von der Tapferkeit ab.

Trotz der ungeheuren Schlachten, die gerade in die Lebensjahre Machiavellis fallen (Agnadelto, Ravenna, Novara, Creazzo, Marignano, Bicocca, Pavia; Machiavelli starb 1527) lebt die Epoche doch ganz in dem Gedanken der Ermattungsstrategie.

In einem militärischen Lehrgedicht, das dem Kaiser Maximilian in seiner Jugend überreicht worden sein soll129, heißt es von der Schlacht, man solle, wenn der Feind stärker sei, sich nicht schämen, in eine feste Stellung zurückzugehen.[129]

»Nit wag leichtlich Dich und Dein Leut durch Ruhm und Zorn; Bis wohl bedacht: mag's heut nit sein, so gescheh es morn«.

Von Prosper Colonna, dem Sieger von Bicocca, rühmt Guicciardini130, er sei von Natur sehr bedächtig gewesen und würdig, »Cunctator« genannt zu werden; er verdiene das Lob, den Krieg mehr mit dem Geist, als mit dem Schwert geführt und gezeigt zu haben, wie man das Staaten verteidigt, ohne sich anders als im Notfall dem Zerfall der Waffenentscheidung und dem Glück der Schlachten auszusetzen.

Ganz, in demselben Geiste schreibt Jovius131:

»Als der Herzog Francesco Maria von Urbino venezianischer Oberfeldherr geworden war (1523), da mäßigte er seine frühere feurige Kampfeslust, wie es die Zeitumstände und die Gewohnheiten des weisen Senates unumgänglich forderten, und wandte sich zu heilsamer, vorsichtig abwägender Gemessenheit; er meinte die gewaltigen und unbesieglichen Legionen der fremden Völker lieber durch Hinhalten bestehen, als zum Kampfe herausfordern zu sollen. Denn die Väter, durch Alvianos doppelte Tollkühnheit und Niederlage (1509 u. 1513) in diesem Sinne belehrt, wollten lieber einen Feldherren haben, der dem Q. Fabius, als der dem M. Marcellus gliche. Ein solcher Mann würde den stürmischen Feind zum Besten haben, würde ihn durch die Kunst sorgsamer Lagerbefestigung, durch unerwartete Angriffe (extraordinariis proeliis), durch Mangel an Zufuhr und Geld unausgesetzt ermatten; während man ihm doch zutrauen würde, daß er sich zur allgemeinen Feldschlacht (universum proelium) stellen würde, sobald es erforderlich würde.«

Das merkwürdigste Beispiel eines Manöverfeldzuges in dieser Zeit ist vielleicht der Einfall des kaiserlichen Heeres in Südfrankreich im Jahre 1524.

Die Seele der Expedition war der Connetable von Bourbon, der dem Namen nach das kaiserliche Heer kommandierte. Er wollte direkt auf Lyon marschieren, das er zur Hauptstadt seines künftigen[130] Königreichs machen wollte. Eine Schlacht gegen Franz I. zu wagen, der seine Truppen bei Avignon konzentrierte, lag ganz in seinem Sinne. Aber als man in Aix war, bedeutete ihm Pescara, der eigentliche Vertrauensmann des Kaisers und in Wirklichkeit der maßgebende Mann im Heere: Karl wünschte einen französischen Hafen einzunehmen, wie England in Calais einen besitze, der als Stützpunkt für Unternehmungen gegen Frankreich dienen könne. Für die eilige Befestigung von Toulon, das man schon innehatte, reichten die Gelder nicht aus. Bourbon mußte sich fügen und man ging an die Belagerung von Marseille. Aber als man nach fünf Wochen eine große Bresche geschossen hatte und der Connetable den Sturm verlangte, hielt ihn Pescara doch auch wieder für zu gefährlich. Die Besatzung unter dem Römer Menzo da Ceri zeigte sich zur Verteidigung bis aufs äußerste entschlossen; hinter der Bresche war eine hinreichende Notbefestigung angelegt. »Wer sein Abendbrot in der Hölle essen will«, sagte Pescara, »der mag stürmen!« Mittlerweile sammelte König Franz ein großes Entsatzheer, griff aber nicht etwa die Belagerer von Marseille an, sondern stieg über die Alpen und brach in Italien ein. Nun kehrte auch Bourbon um, und die beiden Heere machten einen gewaltigen Parallelmarsch über die Berge. Zwei Tage vor den Franzosen kamen die Kaiserlichen in Mailand an, hatten aber solche Verluste erlitten, daß sie nicht mehr wagten, das Feld zu halten, und verteilten sich auf die Festungen.

Diese gewaltige Kriegsmacht, die noch vor ein paar Monaten den Kaiser zum Herrn der Welt machen zu wollen schien, war plötzlich aus dem Felde verschwunden. Meisler Pasquin zu Rom ließ sich nicht unwitzig vernehmen: »es sei ein kaiserliches Heer in den Alpen verloren gegangen, der ehrliche Finder werde gebeten, es gegen eine gute Belohnung abzuliefern.« (Ranke.)

Den Franzosen blieb nunmehr die Aufgabe, die Festungen zu erobern. Während sie Pavia belagerten, kam ein neues kaiserliches Heer aus Deutschland, und der Knoten löste sich, indem Pescara und Frundsberg den Entschluß faßten, die Belagerer in ihrer befestigten Stellung anzugreifen. Dieser Entschluß lag aber keineswegs von vorn herein in ihrem Plan, sondern war[131] ein letztes Mittel, sich aus einer sonst hoffnungslosen Lage zu retten. Der Feldzug, der mit der völligen Vernichtung des französischen Heeres und der Gefangennahme des Königs Franz endigt, gehört dennoch seiner Anlage und den Ideen der Feldherren nach in die Ermattungsstrategie.

In den Schriften Machiavellis finden wir die Grundsätze der Niederwerfungs- und der Ermattungsstrategie unausgeglichen nebeneinander. Der Logiker und der Empiriker in ihm kommen beide zum Wort, haben sich aber noch nicht gefunden. Jahrhunderte lang ist das Problem in diesem flüssigen Zustand geblieben. Erst bei Friedrich dem Großen werden wir es wieder aufnehmen.

Am alleranfechtbarsten dürfte Machiavelli als Zeuge für das Kriegswesen seiner Zeit sein. Wieder dürfte man meinen, daß ein Mann von so scharfer Beobachtung, ein Mann, der durch seine Anlage sowohl wie durch seine Stellung fortwährend dazu getrieben wurde, seine Aufmerksamkeit auf das Kriegswesen zu lenken, der Deutschland, Italien, Frankreich mehrfach bereist hatte und auch praktisch sich mit dem Kriegswesen abgab, daß die Angaben eines solchen Mannes über die tatsächlichen Zustände, die ihn umgaben, auf unbedingte Zuverlässigkeit Anspruch hätten. Aber es ist nicht so. Seine Zahlangaben sind sehr häufig nachweisbar falsch. Von den Schweizern berichtet er fälschlich, daß sie immer hinter drei Glieder Spießern eine Reihe Hellebarden stellten132. Machiavelli ist zwar auch Beobachter, aber vor allem ist er Theoretiker und Doktrinär. Alles was er sieht und hört, paßt er sofort in die Schemata seiner Theorie, und wenns nicht gehen will, müssen die Tatsachen den Theorien weichen. Hier und da zeigt er auch einen merkwürdigen Mangel an Kritik, so z.B. wenn er irgend einem Franzosen harmlos nachschreibt, Frankreich habe 1000700 Pfarreien und jede Pfarrei stelle dem König einen bewaffneten Franktireur. Aber das sind vereinzelte Unaufmerksamkeiten;[132] weil tiefer greifen die Schiefheiten, die entstehen aus seiner Abneigung gegen das Söldnerwesen und durch eine merkwürdige Einteilung von bewaffneten und unbewaffneten Nationen, die er sich konstruiert hat.

Wir haben im Altertum einen großen Schriftsteller, der, wie mir scheint, eine gewisse Analogie zu Machiavelli bietet. Ich meine Polybius. Auch er vereinigt die Eigenschaften einer hohen Intelligenz, einer hervorragend postierten Beobachtung und starker Neigung zur Theorie. Wer sich aus Hobohm überzeugt hat, wie oft und stark Machiavelli in den Angaben über das Kriegswesen seiner Zeit danebengreift, wird auch Polybius gegenüber vielleicht noch vorsichtiger werden, als man mit der Zeit bereits geworden ist.[133]

Quelle:
Hans Delbrück: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte. Berlin 1920, Teil 4, S. 117-135.
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