11. Kapitel. Die Tempelweihe und Juda Makkabis Siege und Tod.

[320] Zug nach Jerusalem. Anblick der entweihten Stadt und des Heiligtums. Entfernung der Götzenbilder und Zerstörung des Altars. Einweihung durch Opfer, Dankgebete und Psalmen. Die Einsetzung des Chanukah- oder Lichtfestes. Wiederherstellung der alten Ordnung. Ausschluß der Ahroniden, die sich am Götzentum beteiligt hatten. Befestigung der Tempelmauern. Kampf gegen die Idumäer und Ammoniter. Unglücksboten über Bedrängnis der Judäer jenseits des Jordans und in Galiläa. Simons Siege, er führt die galiläischen Judäer nach Judäa. Dasselbe tut Juda mit den Judäern Peräas. Glückliche Rückkehr und Siegesfreude in Jerusalem. Zug gegen Gorgias. Eroberung Hebrons. Züchtigung der Bewohner von Joppe und Jamnia. Antiochos Epiphanes' Ende. Lysias übernimmt einen neuen Zug gegen Juda. Das Sabbatjahr. Belagerung Bethzurs und Übergabe. Treffen bei Bethzacharia. Belagerung des Tempels. Friedensschluß. Gewährleistung der Religionsfreiheit. Die Tempelfestung zerstört. Menelaos hingerichtet. Juda als Hoherpriester anerkannt. Verfahren gegen die Hellenisten. Alkimos' Anklagen gegen Juda und die Chaßidäer. Juda und sein Anhang auf der Flucht. Judas neue Guerillakriege. Alkimos' neue Anklagen. Nikanor gegen Juda Makkabi geschickt. Die Siege über Nikanor. Der Nikanortag. Schlacht bei Eleasa oder Birat. Juda Makkabis Tod.


(165-160.)

Die zwei entscheidenden Siege bei Emmaus und Bethzur hatten die Lage vollständig geändert. Die drohende Gefahr war abgewendet. Lysias konnte nicht sobald neue Heeresmassen nach Judäa werfen, weil ihm wie seinem Könige die Mittel gebrachen, Truppen anzuwerben. Seit dem Beginn des Religionszwanges und der Entweihung des Tempels waren beinahe drei und ein halbes Jahr (eine halbe Jahrwoche) abgelaufen, wie das Buch Daniel es voraus verkündet hatte (Tammus 168 bis Marcheschwan 165). Auf die aufreibende Aufregung dieses Zeitraumes war Ruhe eingetreten. Diesen günstigen Augenblick benutzten Makkabi und sein Anhang, um nach Jerusalem zu ziehen und die dort eingerissene greuliche Entweihung aufhören zu machen. Der Anblick der heiligen Stadt war niederbeugend [320] für ihre treuen Söhne, die für deren Ehre ihr Herzblut verspritzt hatten. Ihre entarteten Söhne hatten sie zertreten, geschwächt und derart entstellt, daß sie nicht wieder zu erkennen war. Sie glich einer Einöde, in der nur ihre Verächter sich frech tummelten. Verödet war besonders das Heiligtum, die Torflügel verbrannt, die Hallen zerstört, überall Götzenaltäre, und auf dem Altar das Bildnis des olympischen Zeus, des Greuels der Verwüstung, und Bildnisse des frechen Antiochos. Die heiligen Kämpfer durften sich aber nicht der Trauer und dem Schmerze über die Verwüstung und Entweihung hingeben, sondern mußten rasch handeln, um nicht bei dem Werke der Reinigung plötzlich gestört zu werden. Ihr erstes Geschäft war, das Zeusbild zu zerstören und die Steine, sowie alle unreinen Gegenstände aus den Vorhöfen zu entfernen (3. Khislew = November 165)1. Aber auch den Altar beseitigten sie; durch die an ihm vollzogene vielfache Entweihung schien es ihnen nicht mehr würdig, auf ihm zu opfern. Nach einer vorangegangenen Beratung der Gesetzeskundigen wurde beschlossen, die Steine des Altars nicht mit den übrigen an einen unreinen Ort zu werfen, sondern sie in eine Halle des Vorhofes niederzulegen und zu bewahren, bis ein Prophet, der Prophet Eliahu, auftreten und das Verfahren mit denselben vorschreiben würde2. Darauf wurde ein neuer Altar errichtet aus ungehauenen Steinen, die aus unterirdischen Kalkschichten ausgeschnitten wurden. Neue Torflügel wurden eingehängt und neue Tempelgefäße hergestellt, der goldene Leuchter, der Weihrauchaltar und der vergoldete Tisch für die Schaubrote. Antiochos hatte alle diese heiligen Geräte geraubt; die Beute seiner besiegten Heere gab die Mittel dazu, neue zu besorgen. In drei Wochen waren alle diese Vorbereitungen vollendet, und am frühen Morgen des fünfundzwanzigsten Khislew (Nov. 165)3 wurde die Tempelweihe mit Opfern und Dankgebeten vollzogen. Andachtsvoller und inniger sind wohl die zwei vorangegangenen Einweihungen nicht begangen worden. Die reinsten Gefühle durchzogen [321] das Gemüt der Anwesenden. Die Beklommenheit und die Todesangst, welche nahe an drei und ein halb Jahr gedauert hatten, lösten sich von ihrer Brust und machten der Seelenfreudigkeit und dem hoffnungsreichen Ausblick in die Zukunft Platz. Die Weihe bezeichnete nicht bloß den Sieg der Schwachen über die Mächtigen, der Treuen über die Frevler, sondern auch und ganz besonders den Sieg des Judentums über das verfeinerte hellenische Götzentum, des Gottes Israels über die Ungötter. Wahrscheinlich wurde jener Einweihungspsalm von den Leviten im Namen des Volkes, als einer einheitlichen Person, gesungen, welcher den Übergang der Trauer in die Freude so ausdrucksvoll wiedergibt:


»Ich verherrliche dich, o Herr, denn du hast mich erhoben,

Und hast meine Feinde nicht über mich triumphieren lassen.

Herr, mein Gott, ich flehte zu dir,

Und du hast mich geheilt.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

So preiset Gott, seine Frommen,

Und danket seinem heiligen Namen.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Du hast meine Trauer mir in Jubel verwandelt,

Mein Trauergewand gelöst und mich mit Freude gegürtet,

Damit meine Seele dich preise und nicht schweige.

Herr, mein Gott, für ewig will ich dir danken4


Acht Tage dauerte das Weihfest, nach dem Vorgang unter Salomo, oder vielleicht auch um das achttägige Hüttenfest zu ersetzen, welches das Volk, damals noch in banger Ungewißheit, nicht begehen konnte5. Das ganze Volk aus allen Städten Judäas beteiligte sich daran und, wie es scheint, zündeten die Bewohner Jerusalems vor ihren Wohnungen helle Lämpchen an, als Symbol für die Thora, die von den Dichtern als »Licht« bezeichnet wurde und ihnen gewissermaßen zum zweiten Male übergeben wurde. Die Hasmonäerbrüder faßten im Verein mit den übriggebliebenen Mitgliedern des hohen Rats einen wichtigen Beschluß für die Zukunft. Die acht Tage vom fünfundzwanzigsten [322] Khislew an sollten fortan jährlich zum Andenken an die Tempelweihe freudig und festlich begangen werden. Jahraus jahrein sollten sich die Glieder des Hauses Israel an die herrlichen Siege weniger über viele und an die Wiederaufrichtung des Heiligtums erinnern6. Dieser Beschluß wurde gewissenhaft befolgt. Seit der Zeit, zwei Jahrtausende hintereinander, wurden diese Tage als »Einweihungstage« (Chanukah) durch Anzünden von Lampen in jedem Hause Israels gefeiert. Die Tage erhielten von diesem Umstand den Namen »Lichtfest« (φῶτα)7. Es waren die ersten Siegestage (Νικƞτἠρια), die als Halbfeier eingeführt wurden, und deren Zahl sich im Verlaufe vermehrte.

Selbstverständlich wurde die alte Ordnung im Tempel wieder eingeführt, Priester und Leviten wieder in ihre Ämter eingesetzt. Nur diejenigen Ahroniden, welche sich an dem Götzendienst beteiligt hatten, wurden von dem Heiligtum und der damit verbundenen Ehrenstellung ausgeschlossen8. Diese gerechtfertigte Strenge hatte wiederum nachteilige Folgen und machte die Lage nur noch gespannter. Die Priester unter den Hellenisten von Menelaos' Anhang, da sie auf eine Aussöhnung mit den Vertretern des Volkes verzichten mußten, bohrten sich nur noch tiefer in ihren Haß gegen die nationalfromme Partei ein und verdoppelten ihre Feindseligkeit. Während der Tempelreinigung hatte Juda Makkabi seine Krieger Wache halten lassen, um nicht von den Griechlingen beunruhigt zu werden, und sobald die Zeit der Einweihung vorüber war, ließ er den Tempelberg mit einer hohen Mauer umgeben, durch hohe und feste Türme schützen und ihn durch eine Besatzung gegen Überfälle, namentlich von der benachbarten Birah oder Akra aus, überwachen9. In der Voraussicht, [323] daß dem Volke noch viele Kämpfe bevorstanden, ehe seine Freiheit gesichert sein würde, sorgte er für anderweitigen Schutz und Verteidigung des Landes. Die Stadt Bethzur, südlich von Jerusalem, von wo aus Lysias letzthin mit seinem Heere einzudringen gedachte, ließ er ebenfalls befestigen; es sollte ganz besonders eine Feste gegen die Idumäer bilden10.

Die Siege der judäischen Freiheitskämpfer gegen wohlgerüstete syrische Heere erregten nämlich einen noch glühenderen Haß der Völkerschaften ringsumher gegen das judäische Volk und stachelten sie zu grausamer Feindseligkeit gegen die unter ihnen wohnenden oder zu ihnen geflüchteten Judäer auf, als mißgönnten sie ihnen die Errungenschaft oder als fürchteten sie deren Überlegenheit. Die Philister im Südwesten, die Phönizier im Nordwesten, die Ammoniter jenseits des Jordans, die Syrier und Mazedonier überall in der Nachbarschaft, alle waren von gleichem feindseligen Geist gegen die Judäer erfüllt, und am meisten, wie es scheint, die Idumäer im Süden. Sie hatten, als sie von den Nabatäern aus ihrer Heimat verdrängt worden waren (o. S. 109), ihre Wohnsitze im ehemaligen judäischen Gebiete genommen, ein Teil im Westen (Gabalene), wozu die Städte Mare scha, Adora, Betgabris (Betgubrin)11 gehörten, und ein Teil im Osten, in der Nähe des toten Meeres. Dieser Strich wurde das akrabattinische Idumäa genannt12. Die Idumäer hatten sich sogar Hebrons bemächtigt und mögen sich geschmeichelt haben, Erben des ganzen Landes Judäa zu werden. Wie zur Zeit der Bedrängnis unter Nebukadnezar, so erwiesen sie sich in der Drangsalszeit unter Antiochos von ingrimmiger Feindseligkeit gegen die Judäer, lauerten den Flüchtlingen auf, mißhandelten sie und brachten manche um. Es war daher von großer Wichtigkeit, sie unschädlich zu machen. Da der Weg zu ihnen nicht weit war, so unternahm Juda zuerst einen Kriegszug gegen die Söhne Esaus in Akkrabattine, besiegte sie und vertrieb sie aus ihren Wohnsitzen. Die Söhne Baian (Maon?), welche am grausamsten gegen die Judäer gewütet hatten, züchtigte Juda nachdrücklich, nachdem er ihre Türme erobert und zerstört hatte13. Dann setzte er mit seiner Schar über den Jordan, bekämpfte[324] die Ammoniter, welche einen eigenen oder syrischen Krieger Timotheos an ihrer Spitze hatten, einen hartnäckigen und unermüdlichen Feind der Judäer. Als Juda gegen diesen und die Ammoniter gesiegt und vielleicht auch ihre Hauptstadt Rabbat-Ammon-Philadelphia genommen hatte, suchte Timotheos Schutz in der wenige Stunden davon entfernten Festung Jaëser, in welcher sein Bruder Chaireas befehligte. Bei der Eroberung der schwer zugänglichen Feste sollen zwanzig judäische Jünglinge Wunder der Tapferkeit gezeigt, die Mauern erklommen und der Schar einen Zugang eröffnet haben14. Juda erreichte mit der Einnahme Jaesers und ihrer Töchterstädte seinen Zweck, er verschaffte den in diesem Striche angesiedelten Judäern Ruhe und flößte den Völkern Achtung vor dem judäischen Namen ein.

Kaum war die judäische Schar nach Jerusalem zurückgekehrt, als wieder schlimme Nachrichten über Mißhandlungen judäischer Brüder durch die Hand ihrer heidnischen Nachbarn einliefen. Wie einst an Saul, so wandten sich die Judäer in ihrer Bedrängnis an Makkabi. Diejenigen, welche in Gilead und Basan wohnten, richteten ein Schreiben an ihn, daß die heidnischen Völkerschaften sich gegen sie versammelten, ihnen den Garaus zu machen beabsichtigten, und Timotheos stünde an der Spitze ihrer Feinde. Sie berichteten zugleich von ihren Brüdern in der Landschaft Tobiene, daß die Feinde dort tausend jüdische. Männer erschlagen, Frauen und Kinder in die Gefangenschaft geschleppt und die Habe erbeutet hätten. Gleich darauf kamen Boten mit zerrissenen Kleidern und mit Briefen von den Judäern Galiläas, daß auch sie von den Bewohnern Akkos (Ptolemais), Tyrus und Sidons mit dem Tode bedroht würden. Sie alle flehten Juda an, ihnen mit seiner Schar zu Hilfe zu eilen, ehe es zu spät würde. Er brauchte nicht, wie Saul, Boten an die Stämme zu senden und Drohworte zu äußern, um den Heerbann zur Hilfe des bedrängten Jabesch-Gilead zusammenzurufen. Er hatte den Heerbann um sich, es war das ganze kriegsfähige Volk, und es folgte ihm willig und freudig, sein Leben zur Rettung der unglücklichen Stammesverwandten einzusetzen. Makkabi teilte sein Heer, übergab einen Teil seinem Bruder Simon, die Judäer Galiläas zu befreien, [325] und er selbst schickte sich an, mit seinem Bruder Jonathan und einer Abteilung jenseits des Jordans (Peräa) zum Beistand der dort bedrängten Brüder zu ziehen. Den Rest der judäischen Krieger übergab er zwei Führern, die Grenze Judäas im Westen gegen Einfälle vom Philisterland aus, wo Gorgias Standquartier genommen hatte, zu überwachen. Er schärfte ihnen ein, sich lediglich zu verteidigen und sich keineswegs auf einen Angriffskrieg einzulassen.

Simon vollzog seine Aufgabe rasch und glücklich. Er ging zuerst auf Akko los, dessen judäische Bewohner von den Griechen oder Mazedoniern am härtesten bedrängt worden waren. Hier stieß er auf feindliche Heereshaufen, die von seiner mutigen und bereits kriegsgeübten Schar geschlagen, zerstreut und bis an die Mauern der Hafenstadt verfolgt wurden. Diese Waffentat überhob ihn weiterer Kämpfe. Die Mazedonier anderer Städte wagten nicht mehr, ihm entgegenzutreten. Simon zog daher ungehindert in alle Ortschaften Galiläas und der Landschaft Arbela in der Gegend des Harfensees umher, sammelte die dort wohnenden Judäer und bestimmte sie auszuwandern und sich samt und sonders in Judäa niederzulassen. Diesen Plan hatte er ohne Zweifel vorher mit Juda Makkabi verabredet, die Stammesgenossen nicht länger in feindlicher Umgebung zu lassen, wo sie täglich Plackereien und Gefahren ausgesetzt waren. Die ausgewanderten galiläischen Familien siedelten sich in judäischen Städten an15. Juda Makkabi dagegen hatte einen mühsameren Kampf in der peräischen Gegend zu bestehen. Hier waren wie in der alten Zeit, feste Burgen auf Höhen errichtet, die erstürmt werden mußten. Auf seinem Wege stieß er abermals auf den hartnäckigen feindlichen Heerführer Timotheos. Juda bezwang indes mehrere Festungen, Bossora (Bostra), Karnain, Ephron und andere, schleifte ihre Mauern, machte die Bewohner unschädlich, befreite die in einer Festung (Dathema, Ramtha?) eingeschlossenen Judäer und die in Tobiene und zog ebenfalls die gileaditischen Judäer zusammen, um sie über den Jordan zu führen und diesseits anzusiedeln. Er führte sie durch die Stadt Betschean–Skythopolis, deren heidnische Bewohner ausnahmsweise friedlich und freundlich gegen ihre judäischen Mitwohner sich verhalten und ihnen kein Leid zugefügt hatten. Juda konnte sie daher in der heidnischen Umgebung lassen. Kurz vor dem Wochenfeste (Schebuot) kehrte er mit der Menge der übergesiedelten gileaditischen Judäer nach Jerusalem zurück (Mai 164)16. [326] Aus allen Städten Judäas strömte das Volk herbei, um die Sieger zu begrüßen17 und das Fest mit Freude- und Dankgefühl zu begehen. Neue Jubelpsalmen erschallten im Tempel. Das Volk Israel konnte wieder ausrufen:


»Danket dem Herrn, denn er ist gut18,

Ewig währt seine Gnade.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Aus der Enge rief ich Gott an,

Und er erhörte mich mit Erweiterung.

Gott ist für mich, so habe ich nichts zu fürchten,

Was kann mir der Mensch tun?

Besser ist's auf Gott zu vertrauen, denn auf Menschen.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Alle Völker umgaben mich,

Daß ich sie im Namen Gottes zerreiben sollte,

Sie umgaben und umringten mich,

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Sie umgaben mich wie Bienen,

Erloschen wie Dornenfeuer,

Daß ich sie im Namen Gottes zerreiben sollte.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Stimme des Jubels und des Heils in der Frommen Zelten:

›Gottes Recht verleiht Sieg.‹

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Gezüchtigt hat mich Gott,

Aber nicht dem Tode preisgegeben.«


Gleich nach Schluß des Wochenfestes zog Juda mit der Mannschaft aus, um einen erlittenen Schaden wieder auszugleichen. Während seiner Abwesenheit hatten nämlich die zwei Unterfeldherren, welche er zur Bewachung des Landes im Westen zurückgelassen hatte, Joseph, Sohn Zacharias, und Azaria, seinem Befehle zuwider, den in Jamnia mit einer Schar weilenden Gorgias angegriffen, hatten aber eine Niederlage erlitten und waren bis zu dem judäischen Gebirge zurückgedrängt worden. Er unternahm daher einen Kriegszug gegen Gorgias, um mit dem Schrecken seines Namens und seinem Heere [327] ihn zu verdrängen. Der syrische Unterfeldherr stand indes in Idumäa19; darum richtete Makkabi seine Waffen gegen diese Seite zuerst. Er griff Hebron an, das im Besitze der Idumäer war, und zerstörte die darin befindlichen Festungen und Türme. Die aus Gilead und Tobiene heimgeführten Judäer kämpften wacker mit. Ein Tobiener, namens Dositheos, warf sich auf Gorgias und klammerte sich fest an ihn, um ihn zum Gefangenen zu machen; aber einer der thrakischen Reiter rettete den syrischen Unterfeldherrn, indem er dem Angreifer den Arm mit dem Schwerte abhieb20. Da Gorgias mit dem Rest der Truppen nach Marescha, einige Stunden südwestlich von Hebron, entfloh, setzte ihm Juda nach, scheint aber hier keinen entscheidenden Sieg errungen zu haben21. Von hier zog das judäische Heer gegen die philistäische Meeresstadt Azotos, dessen Einwohner sich friedlich unterworfen zu haben scheinen; denn es begnügte sich mit der Zerstörung der Götzenaltäre und Götterbilder22. In dieser Zeit scheint Juda auch den griechischen Bewohnern von Joppe die ihnen gebührende Züchtigung zugefügt zu haben. Diese hatten ihre judäischen Mitbewohner unter irgendeinem Vorwande gelockt, ihre bereit gehaltenen Schiffe mit zu besteigen, und da diese ohne Argwohn und im freundlichen [328] Verkehr mit den Griechen die Fahrt an der Küste mit Frauen und Kindern mitmachten, wurden sie – zweihundert Personen – von den Barbaren ins Meer geschlendert und fanden in den Wellen ihr Grab. Wegen dieser Untat an seinen Stammesgenossen zog Juda auch gegen Joppe, zündete den Hafen an und verbrannte die dort befindlichen Schiffe. Die hochgelegene Stadt zu erobern, schien ihm nicht leicht; er zog mit der Drohung ab, daß er bald wiederkehren werde23. Auch in der Stadt Jamnia, deren Bewohner feindseligen Geistes gegen die Judäer waren, verbrannte er den Hafen mit allen Waren, die sich darin befanden24.

Während Juda seine Stammesgenossen aus waffenscheuen Flüchtlingen, die sich in Höhlen verborgen gehalten, zu todesverachtenden Helden herangebildet, dem Volke Selbstvertrauen und Zuversicht auf die Zukunft eingeflößt und die Feinde der Judäer überall gedemütigt und gezüchtigt hatte, verhielt sich der syrische Hof so ruhig, als gingen ihn die Dinge gar nichts an. Ein ganzes Jahr war vergangen seit Lysias' Niederlage bei Bethzur, und in diesem Jahr hatten Makkabi und das Volk nicht bloß offene Empörung gegen den König getrieben, sondern auch dessen Untertanen überall kriegerisch angegriffen, ohne von diesem Reichsverweser gestört worden zu sein, und ohne daß er den Angegriffenen Schutz verliehen hätte. Was mochte Lysias, der doch die Zügel der Regierung in den Händen hatte, bestimmt haben, dieser trotzigen Herausforderung gleichgültig zuzusehen? Fehlten ihm die Geldmittel, um neue Mietstruppen anzuwerben? Hielt er die Judäer für unbesiegbar?25 Ein hochgestellter Mann am syrischen Hofe, Ptolemaios Makron, welcher früher im Dienste des ägyptischen Königs Statthalter von Cypern gewesen, und dann zu Antiochos Epiphanes übergegangen war, soll den Judäern das Wort geredet und den ihnen aufgelegten Religionszwang als ungerecht verurteilt haben26. – Mit einem Male trafen schwerwiegende Nachrichten aus Asien über Antiochos Epiphanes ein. Nachdem er den aufständischen Statthalter Artaxias in Armenien zum Gehorsam zurückgebracht, war er nach Parthien gezogen, ohne Waffenerfolge zu erringen und ohne seinen leeren Schatz füllen zu [329] können. Von Geldnot getrieben, hatte er einen Zug nach der Stadt Susa in Elymais unternommen, um die dort in einem Tempel der Göttin Anaitis aufgehäuften Schätze zu plündern. Aber die Einwohner hatten sich ihm widersetzt und ihn zum Abzug gezwungen. Darauf war er in eine Krankheit in der persischen Stadt Tabä verfallen und hatte im Wahnsinn sein Leben ausgehaucht (Dezember 164). Er, der ein göttliches Wesen und göttliche Gerechtigkeit verspottete und darum Schändung des den Menschen Heiligen mit Seelenruhe beging, wurde zuletzt an sich irre, da alle seine Pläne kläglich gescheitert waren. Es ist wohl glaublich, daß er die Tempelschändungen auf dem Totenbette bereut hat oder deswegen in Raserei verfallen war27. Wahnwitz war jedenfalls seine letzte Verfügung, als er einen seiner Vertrauten, Philippos, zum Reichsverweser und Vormund seines jungen Sohnes, Antiochos V., eingesetzt hatte, obwohl er bereits vor seinem unternommenen Zuge Lysias unbeschränkte Vollmacht erteilt hatte. Werden diese beiden Nebenbuhler nicht einander zu bekämpfen suchen und dadurch sein Land in arge Zerrüttung versetzen? In der Tat war seine letztwillige Verfügung verhängnisvoll für das syrisch-mazedonische Reich und die seleuzidische Herrscherfamilie.

Antiochos' Tod brachte keine Veränderung in der Lage der Judäer hervor. Lysias herrschte nach wie vor, so als Vormund des jungen Königs Antiochos V. Eupator (Dezember 164 bis Nov. 162), wie früher als Statthalter, und blieb den Judäern gegenüber untätig. Er hatte jetzt noch mehr Grund, die ihm zu Gebote stehenden Kräfte nicht zu zersplittern, weil ihm zwei Feinde auflauerten. Von der einen Seite konnte Philippos jeden Tag eintreffen, durch Vorzeigung des von Antiochos Epiphanes auf dem Totenbette ihm überreichten Siegelringes sein Recht als Vormund und Reichsverweser geltend machen und ihn verdrängen, und auf der anderen Seite wühlte der Prinz Demetrios – das wußte Lysias –, der als Geisel in Rom zurückgehalten wurde, beim Senat und den einflußreichen Männern in Rom, daß ihm gestattet werde, nach Antiochien zurückzukehren und den ihm rechtmäßig gebührenden Thron einzunehmen. Spräche Rom das Wort Absetzung gegen Eupator aus, so wäre auch [330] er verloren. Darum verhielt sich Lysias28 still, ganz still, um nicht die Aufmerksamkeit des mächtigen Rom auf sich lenken. Diese Untätigkeit des syrischen Regenten benutzte Juda Makkabi, um die unbehagliche Lage im Innern zu verbessern. Sie war nämlich sonderbar gestaltet.

In Jerusalem waren nahe aneinander zwei befestigte Plätze, von denen aus die feindlichen Parteien täglich Zerstörung und Tod einander zuschleuderten. In der Akra oder Birah, nordwestlich vom Tempel, hausten noch immer die Hellenisten mit ihrem Afterhohenpriester Menelaos, die, obwohl von dem syrischen Hofe verlassen, sich dennoch behaupteten und ihre Feindseligkeiten gegen die Nationalgesinnten und Treugebliebenen und gegen das Heiligtum fortsetzten29. Um ihre Angriffe auf den Tempel unschädlich zu machen, hatte Juda diesen mit einer hohen Mauer umgeben und mit Türmen versehen lassen. Woher die Hellenisten Mundvorrat bezogen, da sie von der Außenwelt abgeschnitten, nur auf die befestigte Burg angewiesen waren, bleibt rätselhaft, und ebenso, wie sie den Verkehr nach außen unterhalten konnten. Sie müssen dabei sehr listig und unterirdisch zu Werke gegangen sein. Wie lange sollte aber dieser fortwährende Krieg von zwei nahegerückten verschanzten Lagern ausdauern? Juda Makkabi traf Anstalten, ihm ein Ende zu machen. Er unternahm mit seinen Kriegern eine förmliche Belagerung gegen die Akra, errichtete Wälle und stellte Wurfmaschinen auf, um Felsstücke gegen die Mauern zu schleudern. In dieser Bedrängnis suchten einige Hellenisten die Einschließung zu durchbrechen, um zu dem jungen König Eupator zu gelangen, ihm ihr Leid zu klagen und um Abhilfe zu flehen. Es schlossen sich ihnen einige aus den Landstädten an, die es heimlich mit ihnen hielten und daher mit dem Aufschwung des Volkes unzufrieden waren. In Antiochien angekommen, brachten sie ihre Beschwerde an, daß sie um des Gehorsams willen gegen die Befehle seines Vaters und aus Anhänglichkeit an ihn von den Rebellen gezüchtigt, getötet und ihrer Güter beraubt worden seien. [331] Sie stellten ferner Eupator oder seinem Vormund vor, daß, wenn auch noch die Akra in die Hände der hasmonäischen Schar fallen sollte, die Aufständischen unbezwingbar sein würden30. Daraufhin wurde am syrischen Hofe Beratung darüber gepflogen, und der Beschluß fiel dahin aus, mit Waffengewalt den rebellischen Judäern tatkräftig entgegenzutreten, ehe es zu spät würde. Die zur friedlichen Vermittelung mahnende Stimme des Ptolemäus Makron wurde nicht gehört, man beschuldigte ihn der Falschheit und des verräterischen Einverständnisses mit den Judäern, und aus Gram darüber trank dieser Gift31. So loderte abermals die Kriegsflamme auf (Frühjahr 163). Es war für die Judäer eine ungünstige Zeit; denn es war gerade Brachjahr, in welchem die Saat nicht bestellt werden durfte32. Und das Gesetz des Sabbatjahres wurde von denen, welche ihr Leben für ihre Lehre eingesetzt hatten, aufs gewissenhafteste befolgt. So wurde in diesem Jahre nicht gesäet und geerntet. Die Bevölkerung mußte sich mit den Baumfrüchten und dem Wenigen begnügen, was der Boden als Nachwuchs oder als Ertrag der Aussaat vor dem Beginn des Sabbatjahres geliefert hatte. Die Festungen, worin Besatzungen lagen, konnten nicht mit Mundvorrat versehen werden.

Lysias, in Begleitung des königlichen Knaben Eupator, zog abermals mit einem starken Heere Fußvolk, Reiterei und auch mit Elefanten, die er, dem Vertrag mit Rom zuwider, zum Kriege hatte abrichten lassen, gegen das Land Juda und schlug abermals die Richtung ein, um von Süden aus einzudringen. Makkabi konnte nur einige tausend Krieger ins Feld rücken lassen, da er zur Verteidigung der Festungen, des Tempels und Bethzurs, Besatzungsmannschaften zurücklassen oder noch verstärken mußte; er mußte sich daher auf Verteidigung beschränken. Die Feste Bethzur sollte den Feind lange hinhalten. Ihre Besatzung kämpfte auch tapfer und machte Ausfälle, um die aufgerichteten Sturmmaschinen zu zerstören. Allein sie konnte eine lange Belagerung nicht ausdauern, weil sie nur wenig Mundvorrat hatte, und die geheimen Wege, auf welchen ihr Lebensmittel zugeführt wurden, soll ein Verräter Rodokos aus ihrer Mitte [332] dem Feinde verraten haben. So mußte die Besatzung von Bethzur, von Hungersnot geplagt, die Feste dem Belagerer unter der Bedingung freien Abzuges überliefern33. Von dieser Seite frei geworden, rückte das syrische Heer gegen Jerusalem. Nun blieb Makkabi nichts übrig, als ihm entgegenzutreten. Er lagerte bei Beth-Zacharia unweit Bethzur, und als es zum Treffen kam, verrichteten die Judäer wieder Wunder der Löwenherzigkeit. Einer der Hasmonäerbrüder, Eleasar Hawran, kroch unter den Leib eines Elefanten, im Wahne, daß der aufgeputzte Reiter darauf der König selbst wäre, erstach ihn und wurde von dem getöteten Tiere erdrückt. Aber die Überzahl des syrischen Heeres siegte. Juda zog sich mit seiner Mannschaft nach Jerusalem zurück und verschanzte sich in der Tempelfestung. Bald rückten Lysias, der König und das Heer ihm nach und begannen den Tempel regelrecht zu belagern, Wälle aufzurichten und mit Wurfmaschinen Steine und Pfeile hineinzuschleudern. Juda ließ es aber nicht an Gegenwehr fehlen, errichtete ebenfalls Schleudermaschinen. Allein da die Belagerung sich in die Länge zog, so wurde der, wegen des Sabbatjahres nicht reichlich vorhandene Mundvorrat von der Mannschaft aufgezehrt. Von Hunger gepeinigt, verließen die Krieger allmählich durch unterirdische Gänge die Tempelfeste und zerstreuten sich im Lande. Nur Makkabi, seine drei Brüder und die ihnen anhängende Mannschaft hielten unverzagt aus und trotzten dem Hunger. Jerusalem oder vielmehr die letzte Zuflucht, der Tempel, war nah daran, wie zur Zeit Nebukadnezars, durch Mangel an Nahrung zu fallen und vielleicht abermals zerstört zu werden. Da errettete ihn ein unerwartetes Ereignis.

Jener Philippos, den der sterbende oder wahnwitzige Antiochos Epiphanes zum Reichsverweser und Vormund seines Sohnes eingesetzt, hatte in der Zwischenzeit in Medien und Persien Truppen gesammelt und zog auf Antiochien zu, um Lysias die Herrschaft zu entreißen. Sobald dieser im Lager von diesem gegen ihn gerichteten Zuge Kunde erhielt, mußte er daran denken, die in Jerusalem lagernden Truppen seinem Feinde entgegenzuführen. Er überredete daher den jungen König, mit den Judäern Frieden zu schließen. Er machte als Grund geltend, daß der Mangel an Mundvorrat das Belagerungsheer bald zum Abzug zwingen würde. So kam ein [333] Friedensschluß zustande (163), dessen Hauptbedingung war, daß den Judäern unbeschränkte Religionsfreiheit gewährt wurde. Auch die Festung des Tempels sollte verschont bleiben. Der König und sein Vormund beschworen den Vertrag, und darauf wurden ihnen die Pforten zum äußern Vorhofe des Tempels zum Einzug geöffnet. Aber sobald sie eingezogen waren, gaben sie eidbrüchig ihren Soldaten Befehl, die Mauern und Türme zu zerstören34, um die Judäer ihres letzten Schutzortes zu berauben. Sonst fügten sie dem Heiligtum keinen Schaden und keine Entweihung zu. Lysias hatte Eile seinem Feinde Philippos entgegenzuziehen, der sich indessen der Hauptstadt Antiochien bemächtigt hatte. So hatten die zahlreichen Kämpfe der Hasmonäer doch einen günstigen Erfolg erzielt. Die Religionsfreiheit war vorerst gewährleistet, und die Judäer wurden nicht mehr gezwungen, dem Zeus zu opfern, ihre Gesetze zu übertreten und sich mit Unterdrückung ihrer Gefühle zu hellenisieren. Aber noch einen zweiten Erfolg hatten die Kämpfe. Der syrische Hof zog die schützende Hand von den Hellenisten ab, und sie mußten die Burg Akra verlassen. Menelaos, der Urheber der unsäglichen Leiden, wurde von Lysias geopfert. Er sah ihn als Störenfried an und ließ ihn in Boröa (Aleppo) hinrichten35, nachdem er zehn Jahre das Hohenpriesterdiadem durch Untaten befleckt hatte. Jason, der zwar Menelaos' Verruchtheit nicht erreichte, aber doch auch das Seinige zur Umkehrung der Ordnung beigetragen hatte, war schon früher auf fremdem Boden gestorben. Von Antiochos Epiphanes verfolgt und von seinem Gastfreunde, dem nabatäischen Fürsten Aretas, aus seinem Lande gewiesen, war er nach Ägypten geflohen, hatte auch dort keinen Schutz erlangt, und soll, von Stadt zu Stadt umherirrend, zuletzt in Sparta sein Grab gefunden haben36.

[334] Da infolge des Friedensschlusses zwischen dem syrischen Hofe und dem judäischen Volke nach langer Zeit die Ruhe wiedergekehrt war und die alte Ordnung ungestört wieder hergestellt werden konnte, so mußte notwendigerweise wieder ein Hoherpriester eingesetzt werden, um nach dem bisherigen Brauche nicht bloß an der Spitze des Tempels und der Priesterschaft, sondern auch an der des Gemeinwesens zu stehen. Wer war für dieses heilige Amt und für die Regierung würdiger als Juda Makkabi? Ihm scheint Antiochos Eupator oder sein Vormund Lysias diese Würde übertragen zu haben. Er hatte wohl auch in den zwei Jahren der beständigen Kämpfe nach der Tempelreinigung als Hoherpriester wenigstens vertretungsweise fungiert37. – In dieser eingetretenen Ruhezeit konnte der Krieger die Waffen aus der Hand legen, der Landbesitzer sein Feld bestellen, der Schriftkundige sich mit dem Gesetze und seiner Auslegung beschäftigen, die blutenden Wunden des Gemeinwesens begannen sich zu schließen und zu vernarben. Allein diese Ruhe sollte nicht von langer Dauer sein. Die Gemüter waren infolge der Parteiung und Bürgerkriege noch zu aufgeregt, als daß ein Schleier über das Vergangene hätte geworfen werden können. Noch gab es offene und geheime Hellenisten, welche Juda und seinen Anhängern, besonders den Chaßidäern wegen des ihnen aufgelegten Zwanges und der Vereitelung ihrer Bestrebungen grollten und sie haßten. Auf der anderen Seite verfuhren Juda und seine Gesinnungsgenossen mit großer Strenge gegen diejenigen, welche sich an dem Abfall von der väterlichen Sitte beteiligt hatten. Sie wurden, vielleicht nicht immer gerecht, aus dem Lande gewiesen oder sonst wegen religiöser Übertretungen bestraft38. Die Priester aus dieser Partei wurden nicht [335] zum Tempeldienste zugelassen39. Diese Zurückgesetzten und Verfolgten lauerten auf eine Gelegenheit, Rache an ihren Feinden zu nehmen. Sie bot sich ihnen nur zu bald dar.

Der Prinz Demetrios, welchen Antiochos Epiphanes von der Nachfolge verdrängt hatte, und der immer noch in Rom als Geisel – man wußte nicht recht für wen und für was – zurückgehalten wurde, nahm einen günstigen Augenblick wahr, um sich aus Rom zu entfernen und den Sohn des Thronräubers samt seinem Vormund zu beseitigen. Lysias hatte nämlich die Torheit begangen, kriegsgeübte Elefanten augenfällig zu unterhalten und Kriegsschiffe zu bauen, obwohl der römische Senat es untersagt hatte. Da sandte Rom einen seiner strengsten Mahner nach Syrien, den Gesandten Cnäus Octavius, um nicht nur dem Regenten einen strengen Verweis zu geben, sondern auch die Elefanten töten und die Schiffe verbrennen zu lassen. Sein Befehl wurde ohne Widerrede ausgeführt; dafür wurde Octavius in Laodicea im Bade von einem Patrioten ermordet. Die Machthaber in Rom waren daher im Stillen mit dem Antiochensischen Hofe unzufrieden und drückten ein Auge zu, als Demetrios sich heimlich aus Rom entfernte, in Tripolis landete, nach Antiochien eilte, Volk und Heer für sich gewann, und den König Eupator samt seinem Beherrscher Lysias umbringen ließ (November 162).

Diesen plötzlichen Wechsel, welcher den Sturz mancher unter den beiden vorangegangenen Königen hochgestellten Persönlichkeiten zur Folge hatte, benutzten die judäischen Unzufriedenen, um Klagen und Anklagen gegen die Hasmonäerbrüder und ihren Anhang anzubringen. An ihre Spitze trat abermals ein Priester, Namens Jakim oder griechisch Alkimos, von dem man nicht weiß, ob er zu den entschiedenen oder zu den halben Griechlingen gehörte. Er war, wie es scheint, ein Bruderssohn des angesehenen Gesetzeslehrers José, Sohn Joësers40, hielt sich aber an die Partei der Neuerer, vielleicht nur aus Berechnung, um mit ihrer Hilfe seinen Ehrgeiz zu befriedigen. Dieser war auf die Hohenpriesterwürde gerichtet, auf welche er vermöge seiner Abstammung mehr Berechtigung zu haben glaubte, als Juda Makkabi, welcher nur aus der eben erst emporgekommenen Priesterfamilie Jojarib stammte. Alkimos war erbittert, daß er wegen seiner Vergangenheit zurückgesetzt und vom Altar und[336] Tempel ausgeschlossen wurde41. Er und seine Gesinnungsgenossen begaben sich – wie man sich erzählte, mit einer goldenen Einleitung – zu Demetrios, machten ihm eine düstere Schilderung von der Lage Judäas und klagten Juda und die Chaßidäer als Urheber derselben an, weil sie nur auf Aufstand und Krieg sännen und dem Lande keine Ruhe gönnten. Die Spitze der Anklage war gegen Makkabi gerichtet, so lange dieser lebe, werde das Land den Frieden entbehren müssen42. Demetrios war diese Anklage erwünscht, sie gab ihm Gelegenheit, seine Macht über das halb und halb von Syrien losgelöste Ländchen, dessen Beispiel verführerisch hätte wirken können, geltend zu machen. In die Fußtapfen seines Oheims trat er allerdings nicht, von neuem Religionszwang zu befehlen. Aber durch die Einsetzung eines Hohenpriesters seiner Wahl, zugleich als politisches Haupt des Landes, wollte er dem judäischen Volke den Herrn zeigen. Um jeden Widerspruch und Widerstand zu beseitigen, sandte er einen rauhen, unerbittlichen Kriegsmann Bakchides43 mit einer Schar nach Jerusalem, um Alkimos als Hohenpriester einzusetzen und den Ernst des Königs zu verkünden, daß er jede Auflehnung gegen seine Befehle unnachsichtig ahnden werde. Alkimos und die Hellenisten, welche des Makkabäers Heldenmut fürchteten, scheinen Bakchides geraten zu haben, dem Volke anfangs ein freundliches Gesicht zu zeigen und die nationale Partei durch friedliche Beteuerung und durch List in seine Gewalt zu bringen. Der syrische Bevollmächtigte näherte sich hierauf Jerusalem mit Frieden auf den Lippen; aber Juda, seine Brüder und treuen Anhänger täuschte er keineswegs.[337] Sie hatten die Gewißheit, daß es auf ihr Leben und auf eine neue Unterjochung des Landes abgesehen war, verließen die Hauptstadt und eilten in das Gebirge, um von hier aus bei günstiger Zeit abermals als Retter aufzutreten. Aber die arglosen Chaßidäer ließen sich vom Schein täuschen. Sie hatten Vertrauen zu Alkimos, weil er von Ahrons Stamm, oder vielleicht weil er mit einem der angesehenen Gesetzeslehrer verwandt war. Eine große Versammlung von angesehenen Schriftgelehrten, vielleicht die ganze Körperschaft des wiederhergestellten hohen Rates, begab sich zu Bakchides und Alkimos, versicherten ihre Treue und Friedfertigkeit und baten für die Beruhigung des Landes Sorge zu tragen und der Gewalttätigkeit, welche zur Verwilderung führte, endlich ein Ende zu machen. Der neue Hohepriester gab seinerseits die Versicherung, daß er dieselbe Absicht habe, dem Lande Frieden und Wohlfahrt zu geben und beschwor seine Versicherung. Als er aber von Tempel und Stadt Besitz genommen hatte, ließ er oder Bakchides auf seinen Rat sechzig der zu ihm übergetretenen Chaßidäer an einem Tage hinrichten, und darunter war wahrscheinlich auch sein Oheim José, Sohn Joësers44. Diese Schandtat mit Eidesbruch gepaart, verbreitete Entsetzen und Trauer im ganzen Lande. Die Schreckenstage unter Antiochos Epiphanes und Menelaos sollten sich also wiederholen! Die Augen des Volkes richteten sich daher wieder auf den Makkabäer, die Herzen flogen ihm zu. Viele derjenigen, welche früher zu Alkimos' Partei übergegangen waren, fielen wieder von ihm ab45 und suchten die Hasmonäerbrüder in Modin auf.

Als gleich darauf Bakchides in einem Orte Beth-Zakkaï oder Beth-Zacharia46 unweit Jerusalem eine Anzahl derjenigen, welche sich von Alkimos losgesagt hatten, umzingeln, töten und ihre Leichname in eine Zisterne werfen ließ, so loderte die Flamme des Bürgerkriegs von neuem auf (161). Männer und Jünglinge, welche ihr Vaterland und die Freiheit liebten, scharten sich wieder um die Hasmonäerbrüder. Alkimos dagegen zog die Ehrgeizigen, Genußsüchtigen und Gesetzesübertreter an. So standen abermals zwei Parteien einander feindlich gegenüber. Anfangs war die hellenistische Partei mächtiger, da sie wieder den Schutz fremder Truppen für sich hatte, [338] welche Bakchides im Lande zurückgelassen und abermals auch in die Akra gelegt hatte47. Mit diesen zog er durch das Land, um die Einwohner zum Gehorsam gegen Demetrios und zur Anerkennung seiner Stellung zu zwingen. Allmählich wuchs aber Makkabis Anhang, und er führte wieder Fehden gegen die Hellenisten, züchtigte die Überläufer und verbreitete solchen Schrecken, daß sich Alkimos' Anhänger nicht mehr in den Landstädten blicken lassen konnten. Sie blieben auf Jerusalem beschränkt48.

Wie seine Vorgänger, so glaubte auch Alkimos sein Ansehen, statt durch Volksfreundlichkeit, lieber durch Anlehnung an den syrischen Hof behaupten zu können. Er eilte nach Antiochien, brachte von neuem Klagen und Anklagen gegen die Hasmonäer vor und fand abermals Gehör. Der König Demetrios hatte sich im ersten Jahr seiner Regierung durch sein barsches und rasches Verfahren viele Feinde gemacht, er stieß auf vielen Seiten auf Feindseligkeiten; die Römer waren ihm nicht wohl gesinnt. Darum war er auf seine königliche Autorität besonders eifersüchtig und glaubte jede Ungefügigkeit äußerst streng ahnden zu müssen.

Mit den rebellischen Judäern glaubte er rasch fertig zu werden. Er sandte einen seiner Krieger, Namens Nikanor, der mit ihm aus Rom entflohen war, Führer der Elefantentruppen im Kriege49, nach Juda, um mit unerbittlicher Strenge gegen die Aufständischen zu verfahren. Auch dieser Feldherr hielt es für nötig, anfangs sreundlich vorzugehen, weil er Makkabis Einfluß auf das Volk kannte, und dieser es leicht zu einem so hartnäckigen Kampfe hätte begeistern können, daß ein Sieg schwer geworden wäre. Auch wollte Nikanor Zeit gewinnen, bis die ihm zur Verfügung gestellten Truppen eingetroffen sein würden. Man erzählte sich, daß der syrische Feldherr, welcher von Judas Tapferkeit und Seelengröße immer neue Züge erfahren hatte, sein Bewunderer geworden sei und eine Versöhnung zwischen ihm und dem König habe herbeiführen wollen. Er habe daher drei Vertrauensmänner an Makkabi gesandt, Posidonios, Theodotos und Mattathia, und habe Vorschläge zur Ausgleichung gemacht. Diese seien auch für Juda und seine Anhänger annehmbar gewesen, und infolgedessen habe eine Unterredung zwischen ihm und Nikanor[339] stattgefunden. Der letztere sei bei der persönlichen Bekanntschaft mit dem judäischen Helden von ihm so bezaubert gewesen, daß er ihm geraten habe, nach eingetretenem Frieden eine Frau heimzuführen, um ein Heldengeschlecht in die Welt zu setzen. Dieses gute Einvernehmen habe Alkimos gestört, indem er dem König berichtet habe, daß Nikanor eine falsche Rolle spielte, seinen Feind Juda begünstigte und ihn gar zum Hohenpriester an seiner Stelle einzusetzen gedächte. Daraufhin habe der König Nikanor den gemessenen Befehl zugehen lassen, sich aller Unterhandlungen zu enthalten, vielmehr ihm Juda gefesselt nach Antiochien zu senden50.

Dieser hatte indes einen Wink erhalten, daß er der Freundlichkeit nicht trauen sollte, und zog sich in die Sicherheit des Gebirges zurück. Dort suchte ihn Nikanor mit seinen Truppen auf. Es kam bei Kapharschalama51 an der Grenze von Samaria zum Treffen, Nikanors Heer erlitt eine Niederlage und mußte sich in die Akra zurückziehen. Darüber erbittert und vielleicht auch besorgt, daß diese Niederlage ihm am antiochensischen Hofe als falsches, abgekartetes Spiel ausgelegt werden könnte, nahm Nikanor die Erneuerung des Krieges mit Tatkraft auf. Am meisten lag ihm aber daran, sich Juda Makkabis zu bemächtigen; dieser eine wog ein Heer auf. Er begab sich daher auf den Tempelberg52, um seinen Befehl kund zu geben, daß ihm der Held ausgeliefert werden sollte. Als ihm die Priester und Mitglieder des Rates freundlich entgegenkamen und ihn bedeuteten, daß sie ihre Treue gegen den König dadurch bewährten, daß sie täglich für sein Wohl opferten, fuhr er sie barsch an, verspottete sie, und hob drohend seine Hand gegen den Tempel mit einem Schwure, daß er ihn verbrennen würde, wenn ihm Juda nicht ausgeliefert werden sollte. Nikanor machte gewissermaßen das [340] ganze Volk und jeden einzelnen dafür verantwortlich, wenn ihnen das Heiligtum am Herzen läge und sie dessen Zerstörung abwenden wollten, daß sie darauf bedacht sein müßten, ihm zu Judas Gefangennahme behilflich zu sein. Um die Judäer selbst noch mehr zur Auslieferung zu nötigen, gab Nikanor Befehl, den angesehensten Mann in Jerusalem, den frommen Ragesch oder Razis, welcher wegen seiner allgemeinen Beliebtheit »Vater der Judäer« genannt wurde53, festzunehmen und ihn als Geisel zu behalten, vielleicht ihn auch Qualen zu unterwerfen, bis ihm der so sehr gefürchtete Held des judäischen Volkes in die Hand geliefert würde. Ragesch soll aber bei Annäherung der Häscher sich selbst entleibt haben54. Mit allem Eifer suchte Nikanor Juda im Gebirge auf, von einem zahlreichen Heer begleitet. Sein Lager schlug er bei Bethoron auf. Juda hatte indessen dreitausend seiner tapfersten Anhänger um sich gesammelt und stellte sich bei Adarsa55 auf. Als es zur Schlacht kam, siegte abermals die judäische Tapferkeit über die Überzahl der Syrer. Nikanor verlor gleich beim Beginn des Kampfes sein Leben, und darauf löste sich das Heer in wilder Flucht auf, von den judäischen Kriegern verfolgt. Die Bewohner sämtlicher Städte und Dörfer, welche die flüchtigen Syrer berührten, setzten ihnen nach, schlugen sie nieder, und keiner von ihnen soll Gazara erreicht haben, wohin ihre Flucht gerichtet war. Die Schlacht bei Adarsa, am dreizehnten Adar (160), war so entscheidend, daß der Schlachttag als ein Sieges- und Freudentag für alle Zeit, gleich den Tagen der Tempelweihe, eingesetzt wurde, und er wurde noch lange Zeit unter dem Namen Nikanortag (Jom Nikanor) gefeiert. Den Kopf und den Arm Nikanors, welche von seinem Leibe getrennt wurden, hängten die Sieger als Trophäe an der Mauer Jerusalems auf56.

[341] Die Freude über den großen Sieg über den lästernden Feind Nikanor erzeugte einen Jubelpsalm, welcher die Stimmung der judäischen Krieger zum vollen Ausdruck bringt:


»Singet dem Herrn ein neues Lied,

Sein Ruhm in der Gemeinde der Chaßidäer.

Israel mag sich seines Schöpfers freuen,

Zions Söhne ihrem König zujauchzen.

Preiset seinen Namen mit Reigen,

Mit Handpauke und Harfe lobsinget ihm.

Denn Gott hat Wohlgefallen an seinem Volke,

Er verherrlicht die Dulder mit Sieg.

Frohlocken können die Chaßidäer in Ehren.

Jubeln auf ihrem Lager,

Gottes Preis in ihrem Munde

Und ein zweischneidig Schwert in ihrer Hand,

Um Rache an den Völkern zu üben,

Strafgerichte an den Nationen.

Ihre Könige in Fesseln zu schlagen

Und ihre Vornehmen in eiserne Bande,

An ihnen zu vollstrecken das vorgeschriebene Gericht.

Glanz ist er allen seinen Frommen.

Halleluja57


Juda und die Hasmonäer-Partei waren wieder Herren von Jerusalem, da Alkimos sich schon vor der Schlacht daraus entfernt hatte58. Wahrscheinlich stellten sie abermals die gestörte Ordnung wieder her und verbannten die Anhänger der Gegenpartei. Da aber Makkabi die Unsicherheit der Lage nicht verkannte und voraussah, daß Demetrios die Niederlage eines Teiles seines Heeres anders als seine Vorgänger in ihrer Zerfahrenheit nachdrücklich ahnden würde, so tat er einen Schritt von zweifelhaftem Werte; er knüpfte Verbindungen mit dem damals bereits allmächtigen Rom an. Er wußte, daß Demetrios noch nicht vom römischen Senate anerkannt war, und jede Beschwerde gegen ihn in Rom Gehör fand. Er sandte demgemäß zwei der griechischen Rede kundige Judäer, Eupolemos, Sohn Jochanans aus der priesterlichen Familie Ha-Koz (Akkos), und Jason, Sohn Eleasars59, entweder geradezu nach Rom oder an römische Gesandte, welche öfter Ägypten, Syrien und Kleinasien bereisten, um mit ihrem Machtgebot die Fürsten und die Völker in Angst und Zaum zu erhalten. Indessen kaum hatten seine Botschafter das Ziel ihrer Reise erreicht, mußte Juda wieder zum Schwerte greifen.

[342] Demetrios hatte sogleich bei der Nachricht von Nikanors Niederlage ein zahlreiches Heer mit dem erbarmungslosen Bakchides an der Spitze in Judäa einrücken lassen. Dieser nahm seinen Weg über Galiläa, nahm die Stadt Khesuloth im Eingange zur großen Ebene Jesreël, welche Widerstand geleistet haben muß, und verbrannte sie60. Er zog durch die Ebene weiter, tötete die Judäer, auf die er stieß, und stand im Monat Nisan bereits vor Jerusalem. Juda hatte die Hauptstadt verlassen müssen, weil sie, der Mauern beraubt, keinen Schutz mehr bot. Er erließ aber einen Aufruf an Männer und Jünglinge, sich zum Kampf für Vaterland, Gesetz und Freiheit einzustellen; allein nur dreitausend hatten sich zu ihm geschart. Hatte das zahlreiche syrische Heer eine solche Entmutigung und Bestürzung erzeugt, oder hielten sich viele vom Kriege fern, weil Demetrios nur Unterwürfigkeit verlangte und nicht Gewissenszwang auflegte? Oder waren die Strengfrommen, die Chaßidäerpartei, mit Juda unzufrieden, weil er sich weltlicher Mittel bediente und bei Heiden Hilfe suchte? Der Laut einer solchen Unzufriedenheit ist noch aus einer unbestimmten Sage vernehmbar. Man habe den Hasmonäern zugerufen: »Verwünscht der Mann, der Fleisch zu seiner Hilfe macht, gesegnet der Mann, der auf Gott allein sein Vertrauen setzt«61. Was auch der Grund der Zurückhaltung gewesen sein mag, es war schlimm, daß Juda wenig Zuzug erhielt. Mit den dreitausend Streitern zog Juda südwärts und lagerte bei Eleasa, da das Gebirge im Norden keine Sicherheit mehr bot. Bakchides verfolgte die judäische Schar mit zwanzigtausend Mann Fußvolk und zweitausend Reitern, wie erzählt wird, und schlug sein Lager in Birat (Birat-Malka unweit Bethlehem?)62 auf. Beim Anblick dieser Heeressäulen entfiel den meisten judäischen Kriegern der Mut. Sie bestanden darauf, für den Augenblick den Kampf nicht aufzunehmen, sondern sich zu zerstreuen und einen größeren Zuzug von Kämpfern abzuwarten. Vergeblich [343] bot Juda seine Beredsamkeit auf, um sie zum Standhalten zu entflammen. Die meisten zogen ab, und nur achthundert Krieger blieben um Juda. Mit den Beherztesten dieser geringen Mannschaft griff er Bakchides rechten Flügel an, brachte ihm eine Niederlage bei, schlug ihn in die Flucht und verfolgte ihn bis zur Grenze von Aschdod (Azotos). Die zurückgebliebenen judäischen Krieger konnten aber dem Stoß des linken syrischen Heeresflügels nicht widerstehen, sie wurden aufgerieben, und als Juda von der Verfolgung zurückkehrte, mußte er es mit diesem aufnehmen. Er und die Seinigen taten wieder Wunder der Tapferkeit. Auf beiden Seiten fielen Tote und Verwundete, die Schlacht dauerte von morgens bis abends. Aber die judäischen Krieger schmolzen immer mehr zusammen, und der Überrest wurde vom Feinde umzingelt. Endlich fiel auch Juda Makkabi mit dem Schwerte in der Hand. Da entflohen die wenigen, und seine Brüder waren so glücklich, wenigstens des Helden Leiche vor Beschimpfung zu retten und in Sicherheit zu bringen. Die Schlacht bei Eleasa oder Birat (Nisan, April 160) schien alle bisherigen Errungenschaften vereitelt zu haben. Die hasmonäische Schar löwenherziger Kämpfer war zersprengt. Alkimos nahm wieder Besitz von der Hauptstadt und dem Tempel; er konnte triumphieren.

Aber die Jahre lang dauernden Makkabäerkämpfe waren doch nicht vergeblich gewesen. Sie hatten das Volk aus seiner Erstarrung geweckt und es verjüngt. Märtyrerblut heilt Wunden, sagt man. In der Tat waren durch die blutige Aufopferung alle alten Wunden geheilt. Nach außen war die Schmach abgetan, mit der der judäische Name bedeckt war. Die spottsüchtigen Griechen, welche Judas Arm empfunden hatten, verzogen nicht mehr beim Anblick einer judäischen Schar ihren Mund zum Höhnen, und die Judäer brauchten nicht mehr die Kinderei der olympischen Spiele mit zu machen, um ihre Ebenbürtigkeit zu beurkunden. Nach innen hatte das Volk sich selbst und seine Aufgabe kennen gelernt; es hatte sich als Gottesvolk bewährt, das berufen sei, seine eigene Lehre, seine Religion und sein Sittengesetz zu tragen, und es hatte Kraft gezeigt, daß es imstande sein würde, diese heiligen Güter zu schützen. Die opferbereite Hingebung, welche der Prophet Eliahu zuerst im winzigen Kreise gelehrt, die anawitischen Dulder unter götzendienerischen Königen in der Heimat und der Fremde betätigt und der zweite Jesaia mit feueriger Beredsamkeit gepredigt hatten, wurde durch die makkabäischen Kämpfe und Märtyrer vom ganzen Volke als eine selbstverständliche Pflicht beherzigt.


Fußnoten

1 Makkab. I, 4, 42-43. II, 10, 2. An dieser Stelle ist von der Zerstörung des Greuels der Verwüstung nichts erwähnt, aber das. I, 6, 7. In der Fastenrolle (תינעת תלגמ) ist angegeben, daß diese Säuberung am 3. Khislew begonnen hat. אתאומיס וליטנתא ולסכב אתלתב (אתרזע) אתרד ןמ (9, 1 vergl. Bd. III, Note 1. I, 1). Die Vorbereitung zur Einweihung dauerte also 22 Tage.


2 Das. I, 4, 44-47. Auch Middot. I, 6. תיחרזמ תכשל חבזמה ינבא תא יאנומשה ינב וזנג הב (דקומה תיבב) תינופצ ןוי יכלמ םוצקשש. Unter dem Propheten, welcher erwartet wurde, ist nicht irgendeiner zu verstehen, der auftreten würde, als wenn die Erneuerung der Prophetie in Aussicht genommen worden wäre, sondern wie 14, 41 προφἠτƞς πιστός, der bewährte Prophet, nämlich Elia, der bestimmt war, Zweifel zu lösen.


3 Das. I, 4, 47-58; II, 10, 3-7.


4 Ps. 30, vergl. Note 17.


5 Makkab. I, 4, 56. II, 10, 5f. gibt an, daß die acht Tage der verhinderten Feier des Sukkotfestes galten; das. V. 1, 8 nennt es geradezu ἡμέρας τῆς σκƞνοπƞγίας τοῠ Χασελεῠ. Die Pesikta Rabbati (Nr. 6) deutet an, daß die acht Tage der Einweihungszeit unter Salomo entsprechen sollten: ונאש הכונחה תאז ינבל וחצנו המחלמ ושעש לע יאנומשח תיב תכונחל רכז םישוע ול ושע הנבנש העשב שדקמה תיב ףאו... ןיקילדמ ושכע ונאו ןוי .הכונח Die Sage von dem Ölkrügelchen, dessen geringer Inhalt für acht Tage ausgereicht habe, kennt dieser palästinensische Midrasch nicht; sie stammt aus babylonisch-jüdischem Kreise.


6 Makkab. I, 4, 59. II, 10, 8.


7 Josephus, Altert. XII, 7, 7.


8 Folgt daraus, daß Makkab. I, 4, 42 angegeben ist, Juda habe zur Reinigung des Tempels nur ϑελƞτὰς νόμου d.h. הרותב םיצפח, also nur Gesetzestreue, auserwählt; die Apostaten hat er demnach von diesem Geschäfte ausgeschlossen, um so mehr von Oberfunktionen. Dann heißt es Makkab. II, 14, 3 von Alkimos: da er sich in der Zeit der Vermischung verunreinigt hatte, sah er ein, daß er dadurch keinen Zutritt zum Altare haben könne. ἑκουσίως μεμολμένος ἐν τοῖς τῆς ἐπιμιξίας χρόνοις ... οὐδὲ πρὸς ἅγιον ϑυσιαστἠριον ἔτι πρόσοδος.


9 Makkab. I, 4, 41; 60. Es braucht wohl nicht bewiesen zu werden, daß unter ὅρος Σιών an dieser Stelle, ferner 5, 54; 6, 48, 62; 7, 33 der Tempelberg gemeint ist, und ebenso in Ps. 74, 2 וב תנכש הז ןויצ רה. Josephus hat aber diese Bezeichnung mißverstanden, als wenn von der Stadt Jerusalem die Rede wäre (Altert. XII, 7, 7), und von ihm haben sich Historiker verleiten lassen. Juda Makkabi hatte wahrlich damals nicht Muße genug, die ganze Stadt zu umwallen; nur den Tempel hat er befestigt; vergl. Makkab. I, 6, 7, 26.


10 Makkab. I, 4, 61. Das zweite αὐτὸ τƞρεῖν ist dittographiert.


11 Vergl. Monatsschrift, Jahrg. 1875, S. 61 f.


12 Ἀκραβαττίνƞ hängt ohne Zweifel mit םיברקע הלעמ zusammen, läßt sich aber nicht präzisieren.


13 Makkab. I, 5, 1-5. Die υἱοὶ Βαίαν müssen diesseits gewohnt haben, denn erst im folgenden Vers heißt es καὶ διεπέρασαν, d.h. über den Jordan setzen. Vielleicht ist dafür zu lesen ןועמ ינב.


14 Makkab. I, 5, 6-8. II, 10, 24-39 bezieht sich auf denselben ammonitischen Krieg und Γάζαρα (Vers 32) ist identisch mit Ἰαζἠρ, wie bereits Vorgänger bemerkt haben. Das II. Makkab. oder seine Quelle hatte über Timotheos' Kriege und Züge konfuse Nachrichten, und diese sind noch dazu durch Schönfärberei verwischt. Vergl. Note 16.


15 Makkab. I, 5, 20-23.


16 Das. 5, 24-54; II, 12, 10-31. Über die in beiden Quellen genannten Lokalitäten vergl. Note 19. Die Zeit ist angegeben II, 12, 31, nämlich die Rückkehr kurz vor dem Wochenfeste: παρεγένοντο εἰς Ἱεροσόλυμα τῆς τῶν ἑβδομάδων ἑορτῆς οὔσƞς ὑπογύου. Und da das I. Makkab. diese Fakta noch vor dem Tode des Antiochos Epiphanes ansetzt, und dieser erst gegen Ende 164 starb, so fallen alle diese Kriege zwischen Januar und Mai 164. Eigen ist es, daß die syrische Version von Makkab. II. die Rückkehr nach Jerusalem nicht zur Pfingstzeit, sondern zu Ostern setzt. אדאעדע ןודבענד םלשרואל ותא ןמת ןמו אריטפד. Hat der Übersetzer das Wort ἑορτὴ ἑβδομάδων mißverstanden?


17 Das ist wohl der Sinn des V. Makkab. I, 5, 64: ἐπισυνἠγοντο πρὸς αὐτοὺς εὐφƞμοῠντες, Juda und seine Brüder zu preisen.


18 Ps. 118 vergl. Note 17.


19 Makkab. II, 12, 32 f. referiert, daß Juda gleich nach dem Feste gegen Gorgias gezogen sei, der damals τῆς Ἰδουμαίας στρατƞγός gewesen. Darauf erzählt er, daß Gorgias nach Marissa entflohen sei, und daß Juda dessen Leuten Schrecken eingejagt (V. 35, 37). Da nun im Makkab. I, 15, 64-66 ebenfalls vom Kriege gegen die Idumäer erzählt wird, und Marissa ausdrücklich dabei genannt wird, so ist kein Zweifel, daß in beiden Quellen von einem und demselben Kriegszuge die Rede ist, der mit Idumäa begonnen und mit den Philisterstädten geendet hat. Da der Zug zunächst Gorgias galt, so scheint es ein Revanche-Krieg gewesen zu sein, weil dieser die judäischen Unterfeldherrn geschlagen (das. I, 5, 60f.). Das II, 10, 19f. Erzählte von den judäischen Verrätern Simon, Joseph und Zakchaios braucht nicht identisch zu sein mit dem von Joseph und Azaria Erzählten. Am allerwenigsten will der Verfasser die Verräter Simon und Joseph als Makkabis Brüder ausgeben, sonst hätte er dabei die Verwandtschaft angeben müssen.


20 Das. II, 12, 35. Δωσίϑεος δέ τις τῶν τοῠ Βακἠνορος. Das Wort Bakenor ist ganz unverständlich. Der Syrer hat aber dafür: ןמ ארבג ןיד סותיסור אניבוט, d.h. von denen, die aus Tobiene herüber gekommen waren.


21 Das. I, 5, 66b statt διεπορεύετο τὴν Σαμάρειαν hat Josephus (Altert. XII, 8, 6) Μάρισσαν πόλιν. Dieselbe Korruptel kommt auch Makkab. II, 12, 6 in der syrischen Version vor. ןירמשל לזאו statt διέφυγεν εἰς Μαρισά, besser Μάρισσαν. Aus der Angabe, das. I, 5, 67, daß dort einige Priester gefallen sind, folgt mindestens, daß kein Sieg errungen wurde. Dasselbe deutet II, 12, 39f. an.


22 Das. I, 5, 68. In II, 12, 37 kann das von Odollam Erzählte nicht richtig sein. Der Name der Lokalität ist gewiß korrumpiert.

23 Makkab. II, 12,3-7. In Makkab. I. wird dieses Faktum nicht erwähnt, ist aber vielleicht in 5, 68 bei der Erzählung von Azotos: καὶ ἐσκύλευσε τὰ σκῠλα τῶν πόλεων, angedeutet, daß er mehrere Städte im Philisterland bekriegt hat. II. setzt diese Begebenheit noch vor dem Zuge nach Peräa, hier ist diese Quelle aber voller Konfusion.


24 Das. II, 12, 8-9.


25 Das. II, 11, 13: συνοἠσας (Λυσίας) ἀνικἠτους εἶναι τους Ἑβραίους.


26 Das. 9, 12-13.


27 Polybius tradiert, als Zeitgenosse, über Antiochos' Lebensende: δαιμονἠσας, ὡς ἔνιοί φασι, und zwar weil er Wahrzeichen wahrzunehmen geglaubt, daß er wegen der versuchten Tempelschändung in Elymais dem Tode verfalle. Hat ihm dieses Seelenpein verursacht, so hat die Nachricht des Makkab. I, 6, 10 f. einen Anhalt, daß ihm peinliche Erinnerungen wegen seiner in Jerusalem begangenen Untaten aufgestiegen sind.


28 Die Angabe Makkab. II, 11, 14 f., daß Lysias und Eupator nach Epiphanes' Tod Frieden mit Makkabi geschlossen, ist durchaus erdichtet, und die daselbst mitgeteilten urkundlichen Briefe haben keine Spur von Echtheit. Abgesehen von dem unrichtigen Datum 148 Sel., als dem Todesjahr des Epiphanes, ist es ganz undenkbar, daß Menelaos als Vermittler zwischen Juda Makkabi und dem syrischen Hof aufgetreten sein soll (das. 11, 28, 32). Noch undenkbarer ist es, daß die Römer dabei eine Vermittlerrolle gespielt haben sollen (34 f.). Die dort mitgeteilten vier Briefe sind ebenso gemacht, wie der judenfreundliche Brief des Antiochos Epiphanes, das. 9, 18 f.


29 Makk. I, 6, 19.


30 Makk. I, 6, 19 f.


31 Das. II, 10, 12-13.


32 Der von Eupator unternommene Krieg wird Makkab. I. 6, 20 in das Jahr 150 Sel. = d.h. 163 gesetzt. Das Sabbatjahr aber begann mit Tischri = Sept. 149 Sel., da die Jahre 177 und 275 Sel. bestimmt Sabbatjahre waren. Allein da das I. Makkab. nach einem anderen Jahresanfange zählte, wahrscheinlich von Nisan, so reichte das Sabbatjahr noch in das Jahr 150 Sel. hinein.


33 Makkab. I, 6, 28 f. Bethzur muß sich schon vor Judas Entgegenrücken ergeben haben: das. V. 49 schließt sich an V. 31 an, und die Verba haben Plusquamperfekt-Bedeutung. – Von dem Verräter Rodokos gibt nur Makk. II, 13, 31 Nachricht. Die Erzählung ist aber sehr sagenhaft und rhetorisch ausgeschmückt.


34 Makkab. I, 51 f. II, 13, 29. Sonderbar klingt Josephus' Bericht (jüd. Kr. I, 1, 5), daß Juda damals gar nicht in Jerusalem anwesend gewesen, sondern nach der Toparchie Gophnitica geflohen wäre. Die Erzählung im zweiten Makkab., daß Eupator den Tempel geehrt, Opfer darin dargebracht und Juda zum Strategen über das Territorium von Ptolemais bis Gazara eingesetzt habe, ist sagenhafte Ausschmückung. Das. V. 24 muß nämlich statt: ἀπὸ Πτολεμαΐδος ἕως τῶν Γερρƞνῶν (oder Γεννƞρῶν) nach der syr. Vers. gelesen werden: רזגל אמדע. Ebenso sagenhaft ist die Relation, daß die Ptolemäenser mit dem Friedensschluß unzufrieden gewesen, und Lysias sie habe beschwichtigen müssen.


35 Nicht bloß Makkab. II, 13, 3 f. erzählt von Menelaos' Hinrichtung (allerdings zu früh angesetzt), sondern auch Josephus, Altert. XII, 9, 7; XX, 10, 1. Diese Erzählung scheint in Makk. I. zu Ende Kapitel 6 ausgefallen zu sein; denn Josephus folgt in den Altert. diesem Buche sklavisch und kannte das II. Makkab. gar nicht.


36 Makkab. II, 5, 8 f.


37 Josephus berichtet ausdrücklich, daß Juda drei Jahre die Hohenpriesterwürde inne gehabt habe (Altert. XII, 11, 2 Ende): καὶ τὴν ἀρχιερωσύνƞν ἔτος τρίτον κατασχὼν ἀπέϑανεν. In der Reihenfolge der Hohenpriester (XX, 10) zählt er ihn aber nicht auf, ja im Widerspruch mit sich selbst läßt er an dieser Stelle unmittelbar auf Menelaos Alkimos folgen, und zwar noch vor Demetrios' Thronbesteigung, ohne Juda zu nennen. Die beiden Makkab. dagegen lassen Alkimos erst unter Demetrios zum H.-P. einsetzen. Dann muß Juda, da ein Hoherpriester doch zur Funktion im Tempel mindestens am Sühnetag nicht fehlen durfte, noch vor ihm fungiert haben, und zwar, wenn die von Josephus angegebenen drei Jahre richtig sind, vom Jahr der Tempelweihe Winter 148 bis zu Alkimos' Wahl 151 Sel. Es wird auch durch das Moment unterstützt, daß Alkimos ebenfalls drei Jahre fungiert hat (nach Josephus), nämlich 151-153 Sel. Sonst hätte die Dauer seiner Hohenpriesterwürde auf vier Jahre angesetzt werden müssen.


38 Makkab. I, 7, 6f. Aus dieser Zeit stammt wohl die Relation, daß »zur Zeit der Griechen« einer hingerichtet worden sei, weil er am Sabbat ein Pferd geritten: ויד תיבל והואיבהו םינוי ימיב תבשב סוס לע בכרש דחאב השעמ והולקסו (Synhedrin p. 46a. Jebamot 90b).


39 Vergl. o. S. 323.


40 Vergl. weiter unten.


41 Makkab. I, 7, 5: Ἄλκιμος.. βουλόμενος ἱερατεύειν kann nichts anderes bedeuten, als daß er Hoherpriester werden wollte, also es bis dahin noch nicht gewesen war. II, 14, 3 προγενόμενος ἀρχιερεύς kann doch unmöglich sagen wollen, er sei schon früher Hoherpriester gewesen, da gleich darauf (V. 7): ἀφελόμενος τὴν προγονικὴν δόξαν, λέγω δὴ τὴν ἀρχιερωσύνƞν, gesagt wird, er sei lediglich von hohenpriesterlicher Abstammung gewesen. Denselben Sinn muß auch der Passus in V. 3 haben, oder er ist korrumpiert.


42 Die allerdings rhetorisch gefärbte Schilderung das. II, 14, 6-11 gibt die Stimmung oder Mißstimmung der Hellenisten getreu wieder.


43 Makkab. I, 7, 8f. läßt Bakchides erst unter Demetrios auftreten, dagegen erscheint er in II, 8, 30 schon unter Antiochos Epiphanes mit Timotheos als Gegner der Judäer. In der Quelle, aus welcher Josephus die Darstellung der Makkabäerkriege im jüdischen Kriege schöpfte (I, 1, 2), spielt Bakchides eine Hauptrolle, um Antiochos Epiphanes' Blutbefehle zu vollstrecken: καὶ Βακχίδƞς, ὁ πεμφϑεὶς ὑπ᾽ Ἀντιόχου φρούραρχος κ. τ. λ. Ebenso kennen die agadischen Erzählungen der Makkabäergeschichte, das שרדמ הכונחל, sowie das סוכויטנא תליגמ, nächst Nikanor lediglich Bakchides und zwar korrumpiert סירגב statt סידגב (ebenso im Syrischen סוירכב statt סוידכב).


44 Makk. I, 7, 12-16. Man bezieht mit Recht auf dieses Faktum die Erzählung in Genesis Rabba Kap. 65: שיא רזעוי ןב יסוי לש ותוחא ןב היה (הדירצ) תודורצ שיא םיקי .הלבטצמל... אתבשב איסוס ביכר הוהו הדירצ


45 Das. I, 7, 19.


46 Statt Βεζέϑ das. hat Vulgata die L.-A. Bethzecha und Peschito ארד-תיב. Hier ist zu lesen: אכד תיב = אכז-תיב und dieses vielleicht identisch mit הירכז-תיב.


47 Makkab. I, 7, 33.


48 Das. 7, 24 f.


49 Dieser Nikanor ist durchaus verschieden von jenem Feldherrn unter Antiochos Epiphanes, vergl. Note 16. Josephus Altert. XII, 10, 5 gibt an, daß Nikanor mit Demetrios aus Rom entflohen sei, also identisch ist mit dem Polybius 31, 22 erwähnten.


50 Was Makk. II, 14, 18 f. von der Freundlichkeit Nikanors gegen Juda erzählt wird, muß einen historischen Kern haben, da drei Vermittler mit Namen genannt werden. Auch die Anklage Alkimos' gegen Nikanor, daß er Juda zu seinem Nachfolger, zum Hohenpriester, machen wollte (V. 26b) Ἰούδαν διάδοχον ἀναδέδειχεν ἑαυτοῠ ist situationsgemäß. Den freundlichen Verkehr deutet auch Makkab. I, 7, 28 an.

51 Das. I, 7, 31 Χαφαρσαλαμά. In einer älteren Boraitha wird ein Ort םלש-רפכ genannt, der in der Nähe von Samaria von Heiden bewohnt war (jerus. Aboda Sara V. p. 44d): תישוכ-ןיע לש (הניי) ןירמוא ויה הנושארב םלש-רפכ ינפמ (רוסא); (Babli Aboda Sara p. 31a): לש םילש־רפכ ינפמ רוסא רודגז. Da nun Makkab. II, 15, 1 angegeben ist, daß Juda und seine Leute in der Gegend von Samaria sich aufgehalten haben: τοὺς περὶ τὸν Ἰούδαν ὄντας ἐν τοῖς κατὰ Σαμάρειαν τόποις, so muß Chapharsalamä gleich Kephar-Schalem an der Grenze von Samaria gesucht werden.


52 Makkab. I, 7, 33; II, 14, 31; vergl. o. S. 323, Anm. 4.


53 S. o. S. 251.


54 Makkab. II, 14, 37 f.


55 Das. I, 7, 39. Statt Ἀδασὰ im gr. Text hat Vulgata Adars und Peschito אסרא; hier scheint aber das dem ר gleiche ד ausgefallen zu sein. Das. V. 44 ist angegeben, daß die fliehenden Feinde eine Tagereise bis Gazer zurückzulegen hatten. Gazer lag ungefähr 4/5 röm. Meile nördlich von Lydda (S. Bd. I, S. 80, Anm. 1). So muß Adarsa nördlich von Bethoron gelegen haben, daher die weite Strecke vom Schlachtfelde bis Gazer.


56 Das. I, 7, 49 f. II, 15, 36 ausgeschmückt; Megillat Ta`anit zum 13. Adar; jerus. Taanit II. p. 669 babl. das. p. 18b. Vergl. Bd. III. Note zum historischen Kalender Megillat Ta`anit. – Mit Recht bemerkt Schürer (Lehrb. d. neutest. Zeitgeschichte, S. 90 Note), daß der Sieg über Nikanor im März 160 stattgefunden haben muß, da Demetrios erst Ende 162 die Regierung antrat. Innerhalb drei Monaten im Jahre 161 können die Begebenheiten sich nicht zusammengedrängt haben.


57 Vergl. Note 17.


58 Folgt aus Makkab. I, 9, 1.


59 Die Absendung der Gesandten Makkab. I, 81 f. II, 4, 11 ist wohl Tatsache, da Personennamen genannt werden. Aber die mitgeteilte Urkunde ist entschieden apokryph. Das. I, 8, 17 τοῠ ᾽Λκκώς ist gleich ץוקה-ןב.


60 Makk. I, 9, 2. Γάλγαλα ist verschrieben für Galiläa. Μασσαλώϑ oder Μεσσαλώϑ ist תולסכ im Eingange von Galiläa in die Ebene Jesreël, wie einige emendiert haben. Über Ἄρβƞλα o. S. 248, Anm. 4.


61 Midrasch zu Chanuka aus Nathan Ghazats תדמח םימיה zu Chanuka abgedruckt bei Jellinek Bet-ha-Midrasch I p. 140.


62 Makkab. I, 9, 3-4. Statt Βερέαν hat die syr. Version תריב. Nun wird jerus. Berachot II. p. 5b: אכלמ תריב הדוהי םחל תיבד genannt, an einer Parallelstelle תב הברע. Die Lage von Eleasa oder Elasa oder Laida (nach der Vulgata) ist unbekannt. Die Zeit der Schlacht ist Makkab. I, 9, 3 angegeben, im ersten Monat 152 Sel. d.h. etwa April 160. Die Zeit zwischen dem Siege über Nikanor und dem Tode Judas betrüge demnach kaum 11/2 Monat. Es müßte denn sein, daß damals ein Schaltjahr war, und der Nikanortag in den ersten Adar gefallen wäre.



Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig [1902], Band 2.2, S. 345.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien:

Buchempfehlung

Raabe, Wilhelm

Der Hungerpastor

Der Hungerpastor

In der Nachfolge Jean Pauls schreibt Wilhelm Raabe 1862 seinen bildungskritisch moralisierenden Roman »Der Hungerpastor«. »Vom Hunger will ich in diesem schönen Buche handeln, von dem, was er bedeutet, was er will und was er vermag.«

340 Seiten, 14.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Sturm und Drang II. Sechs weitere Erzählungen

Geschichten aus dem Sturm und Drang II. Sechs weitere Erzählungen

Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Für den zweiten Band hat Michael Holzinger sechs weitere bewegende Erzählungen des Sturm und Drang ausgewählt.

424 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon