3. Kapitel. Der Auszug aus Babel und das neue Gemeinwesen in Juda.

[71] Der freudige Auszug. Die Beteiligung der Zurückgebliebenen. Besitznahme des Gebietes. Rückkehr judäischer Flüchtlinge aus vielen Ländern. Anschluß von Proselyten. Einweihung des Altars. Vorkehrungen zum Bau des Tempels. Grundsteinlegung. Stellung zu den Samaritanern. Störung des Tempelbaues. Feindseligkeit von seiten der Nachbarn. Mißernte und Verwilderung. Die Mutlosigkeit. Die tröstenden Psalmen. Kambyses' Tod und Darius' Thronbesteigung. Chaggaïs und Zacharias Ermahnungen, den Tempelbau fortzusetzen, finden Anklang. Bedeutung ihrer prophetischen Reden. Fortsetzung des Tempelbaues. Darius' Teilnahme an den Judäern. Vollendung des Tempels und Einweihung. Beschaffenheit des Heiligtums. Die Stadt Jerusalem. Die Bezirkseinteilung und die Steuern. Die Tempelbeamten. Spannung zwischen Serubabel und Jesua. Die Psalmen, Ausdruck der Stimmungen in dieser Zeit. Serubabel weicht vor dem Hohenpriester. Die Statthalter Judäas. Vereinigung mit den Samaritanern und Nachbarn und Verschwägerung mit ihnen. Sanballat und Tobija.


(537-459).

In demselben Monat, in dem ihre Vorfahren acht oder neun Jahrhunderte vorher aus Ägypten gezogen, verließen die Enkel nach neunundvierzigjährigem Exil (Frühjahr, Nissan 537)1 das Land Babylonien, um das so lang vermißte Heimatsland und das heißersehnte Jerusalem wieder in Besitz zu nehmen, ein bedeutungsvoller Augenblick, der Jahrtausende in seinem Schoße trug.

Nicht wie zitternde Sklaven, die eben von der Kette losgelöst, [71] zogen sie aus, sondern freudigen Mutes, mit gehobener, begeisterter Stimmung und mit idealen Hoffnungen in der Brust. Chöre mit Saitenspiel und Handpauken begleiteten sie; neue Jubellieder stimmten sie an, deren Anfang und Kehrvers war: »Danket dem Herrn, denn er ist gütig und ewig währt seine Gnade.« Die in Babylonien zurückgebliebenen Judäer – und deren waren nicht wenige, die reichen Handelsherren und Grundbesitzer – bezeugten ihre Teilnahme durch das Geleite, das sie den Abziehenden gaben, und durch reiche Geschenke, die sie für den Anbau in der Heimat spendeten. Der König Cyrus gab ihnen tausend Reiter mit, welche sie auf der weiten Reise vor Anfällen räuberischer Völker schützen und zugleich den in Judäa inzwischen angesiedelten Stämmen den Befehl überbringen sollten, es zu räumen und den Heimkehrenden zu überlassen2. Die erst kurz vorher verkündete Prophezeiung, »In Freuden werdet ihr ausziehen und in Frieden werdet ihr heimgeführt werden«3, ging in Erfüllung. Friedlich und ungefährdet konnten sie die weite Strecke von mehr als 150 Meilen von Babylonien bis Judäa zurücklegen, von der sie begleitenden persischen Schar gedeckt. Der Auszug aus Babel hat daher, ungleich dem aus Ägypten, keinerlei Erinnerungen hinterlassen; es schien unnötig, ein Verzeichnis der Ruhestätten zu überliefern, da wahrscheinlich kein bemerkenswertes Ereignis vorgefallen ist. Die Vornehmen ritten auf der Reise auf Rossen oder Maultieren, arme Greise und Kinder auf Eseln und Kamelen; die Auswanderer führten 6720 Esel, 420 Kamele, 736 Rosse und 245 Maultiere mit4. Da indes der größte Teil derselben die weite Strecke zu Fuß zurücklegen mußte, so dauerte die Reise wohl mehrere [72] Monate5. »Gott führte sie auf geradem ungefährdeten Wege, um sie zur Stätte ihrer Sehnsucht zu bringen«6.

Als die Rückkehrenden im vierten oder fünften Monate seit ihrem Auszug das Land ihrer Sehnsucht erblickten, war ihre Freude gewiß überwältigend. Die Prophezeiungen, Hoffnungen und hochfliegenden Träume waren Wirklichkeit geworden. Sie durften das Land der Verheißung, wo die Gräber ihrer Ahnen waren7 und ihren Vätern sich einst die Gnade Gottes erwiesen hatte, das Land durften sie ihr Eigentum nennen und von neuem der göttlichen Gnadenwaltung gewärtig sein. Indessen war ihre Freude nicht ungetrübt. Das Land und besonders die heilige Stadt, der Gegenstand ihrer Liebe, war verödet. Ein großer Teil des Landes war von Fremden bewohnt, im Norden von den Samaritanern oder Chuthäern8 und im Süden von den Idumäern9, welche, wie es scheint, ihr Gebiet westlich bis Gaza ausgedehnt hatten.

Während der fünfzigjährigen Verbannung hatten diese Völkerschaften [73] mit oder ohne Erlaubnis der babylonischen Könige oder ihrer Statthalter die leergewordenen Stätten besetzt und waren bis nahe an das Gebiet von Jerusalem gerückt. Diese besetzten Striche mußten die Samaritaner und Idumäer zum Teil verlassen und sie den heimgekehrten Judäern einräumen. Der damalige Statthalter des großen Ländergebietes, welches vom westlichen Euphratufer bis Phönikien und südlich bis zur Grenze Ägyptens reichte, hatte unstreitig von Cyrus die Weisung erhalten, der von ihm begünstigten jüdischen Kolonie zur Wiederbesetzung ihrer Heimat zu verhelfen10. Cyrus' Name genügte indes, die bisherigen Besitzer zu veranlassen, die bezeichneten Städte und Dörfer ohne Widerstand, wenn auch widerwillig, zu räumen. So konnten die heimgekehrten Judäer und Benjaminiten ihre ehemaligen Wohnsitze wieder einnehmen: im Norden in der Jordangegend Jericho, ferner Bethel mit Ai verbunden, Michmas, Geba mit Rama verbunden, Gibeon, die drei früheren gibeonitischen Städte Kirjat-Jearim, Khephira und Beerot, ferner in der Nähe Jerusalems Anatot, Geburtsort des Propheten Jeremia, Nob, die ehemalige Priesterstadt und Azmawet, in der Nähe des Meeres Lydda mit den dazu gehörigen Plätzen Adida und Ono, und endlich im Süden Jerusalems Bethlehem, Netopha und wahrscheinlich auch Hebron11. Die Judäer und Benjaminiten, welche diese und andere Plätze wieder besetzten, fanden wahrscheinlich Häuser oder Hütten vor, welche die bisherigen Bewohner hatten verlassen müssen. Nicht so diejenigen, welche früher in Jerusalem gewohnt hatten und sich wieder da ansiedeln wollten. Die große Mehrheit, welche den Kern der Heimgekehrten bildete, fand da nur einen Trümmerhaufen vor, welcher zuerst weggeräumt und bebaut werden mußte. Die ehemaligen Jerusalemer, und dazu gehörte der größte Teil der Ahroniden, Leviten und die vornehmsten judäischen und benjaminitischen Familien, mußten sich so lange mit Zelten behelfen, bis neue Wohnungen aufgebaut waren12. Selbst der prinzliche Statthalter [74] des neuen Juda, Serubabel, und der Hohepriester Jesua (Jeschua) mußten wohl eine Zeitlang in Zelten wohnen. So war der Anfang des neuen judäischen Gemeinwesens klein und ärmlich. Nicht einmal das ganze ehemalige Gebiet des judäischen Reiches konnte es wieder besetzen. Die Bevölkerung von 40 000 reichte nicht hin, ein weiteres Gebiet anzubauen. So gruppierte sich die heimgekehrte Kolonie um die noch aufzubauende Hauptstadt Jerusalem in einem Umkreise von etwa fünf Meilen von Süd und Nord, von Hebron bis Bethel, und von fünf und einer halben Meile von Ost nach West, von Jericho bis Lydda. Diese Eingeengtheit hatte auch ihr Gutes; die Landbevölkerung war dadurch der Hauptstadt nahegerückt und konnte von allem, was in ihr vorging, Kunde haben und Anteil daran nehmen.

Wenn indes das äußerst beschränkte Gebiet ihrer Ansiedlung und die Winzigkeit des Anfangs geeignet waren, die hochfliegenden Hoffnungen, welche die babylonisch-judäischen Propheten der letzten Zeit in der Brust der Heimkehrenden erweckt hatten, herabzustimmen und sie mit Unmut zu erfüllen, so haben unerwartet eingetretene Ereignisse ihre Begeisterung für die Neugestaltung des Gemeinwesens wieder angefacht.

Aus vielen Ländern von Ost, West, Süd und Nord, aus Ägypten, Phönizien und selbst von den griechischen Küstenländern und Inseln, wohin sie freiwillig ausgewandert oder als Sklaven verkauft worden waren, strömten judäische Verbannte herbei, um sich wie Kinder an die wieder auferstandene Mutter Jerusalem zu drängen. Durch Wüsteneien waren sie gewandert oder hatten den Gefahren der Meeresfahrt getrotzt, um sich mit ihren Stamm- und Schicksalsgenossen wieder zu vereinigen13. Vor den Augen der Heimgekehrten erfüllten sich die Prophezeiungen des babylonischen Jesaia, daß aus [75] allen Weltgegenden ihre Kinder zu Zion eilen werden14. Aber nicht bloß Stammesgenossen haben sich mit ihnen vereinigt, sondern auch Fremde in nicht geringer Zahl aus den verschiedensten Völkerschaften »Große und Kleine«, Angesehene und Geringe, sammelten sich zu ihnen und traten in einen engen Verband mit ihnen. Freudig wurden sie aufgenommen. Es waren solche, welche aufrichtig den Gott Israels bekannten und seine Lehre befolgen wollten15. Diese Proselyten verliehen der jungen Gemeinde eine gewisse Stütze, mehr aber noch Selbstvertrauen, als sie die Vorschau der Propheten von dem Anschluß der Völker an das Haus Jakobs16 vor ihren Augen verwirklicht sah.

Als der siebente Monat heranrückte, in welchen nach der Gesetzesvorschrift und nach altem Brauche mehrere Feste fallen, sammelten sich die Familienältesten aller Klassen in Jerusalem und schritten unter Anleitung der beiden Hauptführer, des Statthalters Serubabel und des Hohenpriesters Jesua, zum ersten Akte der Neugestaltung; sie errichteten einen Altar aus Stein.

Ungeachtet der Aussprüche der älteren und der jüngeren Propheten, daß das Opfer unwesentlich sei, sahen die junge Gemeinde und ihre Führer doch in dem Opferwesen den Hauptausdruck des Gottesdienstes. Der Altar sollte der erste Ansatz zu einem Tempel sein, dessen Bau von vornherein in Aussicht genommen wurde, um Mittelpunkt des neuen Gemeinwesens zu bilden, der aber aus Mangel an Baustoffen noch nicht errichtet werden konnte. Der Altar wurde auf derselben Stelle errichtet, auf welcher er im Salomonischen Tempel gestanden hatte; es gab noch unter den heimgekehrten Ahroniden und Leviten Greise, welche das alte Heiligtum vor dessen Zerstörung gesehen hatten, die Stätte des Altars kannten und sie genau bezeichnen konnten. Obwohl die Tonangeber der Gemeinde es als eine Gewissenssache betrachteten, das neue Heiligtum nach dem Muster des alten einzurichten und Neuerungen auszuschließen, gaben sie doch dem Altar einen größeren Umfang; die obere Platte oder der Herd wurde um vier Ellen Länge und Breite geräumiger angelegt. Infolge dieser Erweiterung des oberen Teils nahm der neue Altar an der Basis einen bedeutenden Raum ein, zweiunddreißig Ellen nach jeder Seite, und da die Höhe derselben zehn Ellen betrug und Stufen zum Besteigen nicht angewendet werden durften, so mußte eine langgestreckte Terrasse (32 Ellen L. 16. B.)17 dazu angelegt werden. Aus [76] welchem Grunde wurde diese Veränderung und Vergrößerung des Altars vorgenommen? Weil auf eine größere Beteiligung an demselben gerechnet wurde, nicht bloß von seiten der Judäer, welche nicht mehr wie früher auf Privatkultusstätten opfern würden, sondern auch von seiten heidnischer Proselyten, deren zahlreicher Zutritt mit Bestimmtheit erwartet wurde18. Sobald der Altar vollendet war, wurden Vorkehrungen zum Opfern auf demselben getroffen; eingeweiht wurde er am ersten des siebenten Monats (September 537)19.

Inzwischen waren von den Führern auch Vorkehrungen getroffen worden, den Tempel zu errichten. Von den reichen Spenden, die sie mitgebracht hatten, mieteten sie Arbeiter und Handwerker, um Steine aus dem Gebirge zu brechen und sie zu behauen. Zedernstämme wurden wie in Salomos Zeit vom Libanon herbeigeschafft. Sidonier und Tyrier besorgten die Förderung derselben vom Gebirge bis zum Meere, von einem phönizischen Hafenplatz bis zum Hafen von Jafo (Joppe), und von hier wurden sie auf Kamelrücken nach Jerusalem gebracht. Cyrus hatte die Erlaubnis erteilt, die Zedern des Libanon, der durch das Recht der Eroberung sein Eigentum geworden war, für den Tempelbau zu fällen20. – Als eine genügende Menge von Steinen gebrochen und angefertigt waren, schritt man zur Grundlegung für den Bau des Heiligtums. Nicht bloß die Führer, sondern auch die Familienhäupter und eine große Volksmenge, die aus der Nähe leicht zur Hauptstadt gelangen konnte, wohnte diesem Akte bei; er wurde überhaupt mit großer Feierlichkeit begangen. Die Ahroniden erschienen wieder in ihren Priestergewändern und stießen in die Posaunen, die Leviten vom Hause Aßaph sangen ein Danklied21, daß Gottes Gnade ewig währt, und [77] das Volk brach in Jubel aus, daß der längst ersehnte Tag endlich eingetroffen war. Indessen mischte sich die Stimme wehmütiger Trauer in den Jubelrausch, weil der neue Tempel kleiner und nicht so reich angelegt wurde wie der Salomonische, den einige der Heimgekehrten, welche noch jung nach Babylonien verbannt worden waren, gesehen hatten und einen Vergleichanstellen konnten. Indes wurden die Klagen von dem Jubelrausch übertönt. Dann wurde der Bau fortgesetzt. Die Leviten von der Klasse der Hilfeleistenden überwachten die Arbeiter und Bauleute22. Inzwischen wurde auch das mit Trümmern besäete Jerusalem aufgebaut.

Indessen dauerte die Freude der Begeisterung nicht lange, die Flitterwochen der Neugestaltung verflogen rasch, und Sorgen stellten sich ein. Hart an der Grenze Judas wohnte die Mischbevölkerung der Samaritaner oder Chutäer, welche einer der assyrischen Könige in das ehemalige samaritanische Reich hatte ansiedeln lassen (II. 1. Hälfte. S. 257). Diese, durch israelitische Priester vom Tempel zu Bethel belehrt, hatten zum Teil den israelitischen Kultus angenommen, dabei ihre aus der Heimat mitgebrachte götzendienerische Weise und Sinnesart beibehalten, oder richtiger sie hatten den israelitischen Gott Ihwh in ihr Vielgöttertum aufgenommen. Die aus Babylonien Eingewanderten setzten ihren unzüchtigen Kultus mit Zellen für die sich preisgebenden Weiber weiter fort; die aus Chutha verehrten noch immer den Nergal, die Sipparener (Hipparener) opferten ihre Kinder dem Feuer für ihre Götzen Adramelech und Anamelech, und noch andere hatten andere Götzen23.

Als der König Josia die Kultusstätten in Bethel und anderen Städten Samarias zerstört und die Priester israelitischer Abkunft hatte umbringen lassen24, pflegten die Samaritaner von Zeit zu Zeit nach Jerusalem zu kommen und sich an dem Gottesdienst durch Darbringung von Opfern zu beteiligen. Nach dem Untergang des judäischen Reiches mögen sie wieder in götzendienerische Verwilderung zurückgefallen sein.

Ganz unerwartet erschienen25 samaritanische Häuptlinge in Jerusalem [78] mit dem Wunsche, sich am Bau des Tempels zu beteiligen, und stellten den Antrag, daß sie als Glieder der judäischen Gemeinde aufgenommen werden mögen. Haben sie es mit dem beantragten Anschluß ernstlich gemeint oder war er nur ein Vorwand, um, wenn zugelassen, durch ihre Zahl die Stammgemeinde zu beherrschen, und wenn abgewiesen, Grund zur Feindseligkeit zu haben? Die Sache erschien den Judäern so wichtig, daß sie in Beratung darüber traten. Serubabel und Jesua zogen die Familienältesten zur Beratung hinzu, wie denn überhaupt in dieser Zeit die republikanische Ordnung zur Geltung kam, daß bei jeder einigermaßen wichtigen Angelegenheit die Häupter zur Mitberatung zugezogen zu werden pflegten. Die Entscheidung fiel abweisend aus. Serubabel eröffnete den samaritanischen Häuptlingen, daß sie zum Bau des Tempels nicht zugelassen werden sollten oder könnten. Diese Entscheidung war für die Zukunft von unangenehmen und störenden Folgen. Die Samaritaner begannen seit dieser Zeit das judäische Gemeinwesen mit Haß und Ingrimm zu verfolgen, es mit offener Gewalt oder Hinterlist auf allen seinen Wegen zu hemmen. Die beratende Gemeinde hat wohl auch die Folgen der Abweisung nicht übersehen; aber sie hat das geistige Wohl des neuen Gemeinwesens ins Auge gefaßt und vorgezogen, das Volk von götzendienerischer Vermischung und Befleckung fern zu halten, von dem es sich erst kurz vorher freigemacht hatte. Serubabel und der Vertreter des Priestertums, die Tonangeber, scheinen wohl in Erwägung gezogen zu haben, daß der traurige Geschichtsgang des Volks bis zum Untergang des Reiches und bis zur Verbannung lediglich durch die Vermischung mit götzendienerischen Völkerschaften verschuldet war. Hätten sie die Chuthäer in den Verband aufgenommen oder, was dasselbe wäre, sich mit ihnen verbunden, dann hätten sich die traurigen Zeiten nach dem Tode Josuas und der Richter wiederholt. Das Götzentum hätte wieder Eingang gefunden, und die damit verbundene Unsittlichkeit und Geistesstumpfheit wären wieder Folge desselben gewesen. Die Versammlung der Familienhäupter [79] bei der Beratung über Zulassung oder Abweisung der Samaritaner hat mit richtigem Takt gehandelt, die judäische Gotteserkenntnis und Lehre rein von fremder Beimischung zu erhalten und die ausschließliche Selbständigkeit zu bewahren. Es war eine Entscheidung von großer Tragweite für die Zukunft. Daraus entwickelte sich sofort Reibung zwischen den Judäern und ihren Nachbarn im Norden.

Diese begannen ihren feindseligen Geist zu betätigen, als hätte es ihnen weniger am Herzen gelegen, am Kultus in Jerusalem teilzunehmen, als daran, das judäische Gemeinwesen zu schädigen und den Tempelbau zu verhindern. Auf der einen Seite suchten sie die Judäer, mit denen sie in Berührung kamen, lau gegen den Tempelbau zu machen, und auf der anderen Seite gewannen sie persische Beamte, ihn geradezu zu stören26. Wahrscheinlich haben sie Verleumdungen angebracht, daß, wenn die Judäer im Besitz eines Tempels sein und dadurch Anhänger für denselben gewinnen würden, sie eine zahlreiche Bevölkerung ausmachen und sich von Persien unabhängig machen würden27. So unterblieb der Bau, entweder von selbst eingestellt oder von oben verboten, ganze fünfzehn Jahre. Cyrus mag keine Kunde davon gehabt haben, da er in den letzten Jahren seiner Regierung in Kriege in weitentfernten Ländern, mit den Indiern und Massageten (Saken) beschäftigt war. Nach seinem Tode (529) rüstete sein Sohn Kambyses einen umfassenden Kriegsplan, um nicht nur Ägypten, sondern auch Äthiopien, Nubien und Karthago zu unterwerfen. Er hatte demnach kein Ohr für die etwaigen Beschwerden der Judäer, daß die von seinem Vater erteilte Erlaubnis unausgeführt bleiben sollte. Kambyses mußte, um einen sicheren Durchzug für sein zahlreiches Fußvolk längs der Küste des Mittelmeeres durch das ehemalige Gebiet der Philister zu gewinnen, sich um eine Art Bundesgenossenschaft mit den dort wohnenden Arabern oder Idumäern bewerben28. Dieses südliche Nachbarvolk Judas, da es sich von dem mächtigen persischen König umworben sah, durfte ungehindert das judäische Gemeinwesen schädigen. So wiederholte sich für die eingewanderten Judäer die schlimme Lage der Zeit nach dem ersten Ein zug der Israeliten in Kanaan: Der von ihnen eingenommene Landstrich wurde ihnen von den Nachbarvölkerschaften mißgönnt, und sie stießen auf allen Seiten auf Feindseligkeit29. Was konnten sie [80] dagegen tun? Zu kriegerischer Gegenwehr fehlte ihnen so gut wie alles.

In dieser unbehaglichen Lage dachten die Glieder des Gemeinwesens zunächst nur an sich, nicht an das Allgemeine. Der Tempelbau wurde selbstverständlich aufgegeben. Die angesehenen Familienhäupter, die Großen, bauten für sich schöne und prächtige Häuser, wie es scheint, aus dem Baumaterial, welches für den Tempel herbeigeschafft worden war30. Dazu kamen noch Mißernten, welche mehrere Jahre anhielten. Brand und Hagel täuschten die Hoffnung des Landmanns, und selbst der Weinstock, die Feigen-, Granat- und Olivenbäume trugen keine Früchte. Man säete viel aus und heimste wenig ein, es gab nicht einmal satt zu essen und kein Gewand in der Kälte zu wärmen, und wer etwas erwarb, erwarb für einen durchlöcherten Geldbeutel31. Es gab keinen Lohn für Menschen und keinen für die Lasttiere, keiner konnte friedlich aus- und eingehen vor den Feinden, es war ein allgemeiner Kriegszustand32. Noch schlimmer war die sittliche Verwilderung, welche infolge der leiblichen Not eintrat. Der Rückfall in das Götzentum, um sich mit den feindlichen Nachbarn in ein freundliches Verhältnis zu setzen, wie zur Zeit nach dem ersten Einzug der Israeliten, wiederholte sich allerdings nicht mehr; von dieser Verkehrtheit waren auch die niedrigsten Judäer und selbst die Tempelsklaven gründlich geheilt; sie verfielen nicht mehr in die Torheit, die Kreatur als Gottheit zu verehren oder der Unzucht mit religiöser Andacht zu fröhnen. Aber kleinliche Vergehungen und Laster kamen zum Vorschein. Der Eigennutz nahm auf eine häßliche Weise überhand; Lieblosigkeit des einen Volksgenossen gegen den anderen, falsches Maß und Gewicht bei Kauf und Verkauf und Diebstahl, welchen die Ärmeren, um das Leben zu fristen, begingen. Wurden solche gemeine Verbrecher vor den Richter geführt, ohne durch Zeugen überführt werden zu können, so scheuten sie sich nicht falsche Reinigungseide zu leisten33.

[81] Dieser Zustand, der so grell gegen die Hoffnungen abstach, mit welchen die Heimkehrenden das Land betreten hatten, machte auch den Mut der Besseren sinken. Was war aus den Verheißungen für die Rückkehr nach der ersehnten Stadt geworden? Leibliches Elend und Niedrigkeit der Gesinnung. Es ist nicht bekannt geworden, was die beiden Hauptführer, Serubabel und Jesua, zur Abwendung dieser niederbeugenden Lage getan haben. Der letztere scheint nicht frei von Verschuldung an diesen unerquicklichen Zuständen gewesen zu sein, wenigstens wurde auf sein Verhalten tadelnd angespielt34. Es ist auch nicht bekannt, ob die beiden Propheten, welche zurzeit in Jerusalem lebten, Chaggaï und Zacharia, damals dagegen gesprochen oder dazu geschwiegen haben. Aber die Sänger schwiegen nicht. Sie dichteten eine Reihe herzlicher Lieder, teils um den gesunkenen Mut wieder zu beleben, und teils um dem Volke zum Bewußtsein zu führen, daß es die trostlose Lage selbst verschuldet hat. Ein Sänger erinnert an die Freude und Begeisterung, welche bei der Rückkehr aus dem Exile geherrscht hat, und knüpfte daran die Hoffnung, daß diese Gnadenzeit nicht vergeblich sein könne; es sei ja erst die Zeit der Aussaat, die Ernte könne erst später eintreten:


»Die da säen in Tränen,

Werden in Jubel ernten.

Weinend geht der Träger mit der Last der Samen,

Heimkehren wird er in Jubel, die Garben tragend35


[82] Ein anderer oder derselbe Sänger tröstete mit dem Hinweis auf die Leiden, welche das judäische Volk von jeher erduldet hat, und auf die Erlösung, die stets darauf gefolgt ist:


»Vielfach haben sie mich von meiner Jugend an bedrängt,

So kann Israel wohl sprechen,

Vielfach haben sie mich von meiner Jugend an bedrängt,

Und doch haben sie mir nicht beikommen können.

Auf meinen Rücken haben Pflüger gepflügt,

Haben lange Furchen gezogen.

Der gerechte Gott hat der Frevler Seile zerschnitten.

Es werden beschämt werden und zurückweichen alle Feinde Zions,

Werden wie Gras der Dächer sein,

Das, ehe es noch ausgerissen wird, verdorret36


Ein Psalmist von tieferer Kunstbegabung machte in zarter Weise auf das unangemessene sittliche Verhalten des Volkes, als auf den tieferen Grund der unbehaglichen Lage, aufmerksam. Er legt dem Volke eine Klage über seine Lage in den Mund, und in der Antwort auf diese in Frageform ausgesprochene Klage deutet er leise den Tadel an:


»Du hast, Ihwh, dein Land gesühnt,

Hast Jakobs Gefangene zurückgeführt,

Hast deines Volkes Schuld verziehen,

Hast all' ihre Sünden zugedeckt,

Hast deinen ganzen Zorn eingezogen,

Hast deinen glühenden Ingrimm aufgegeben.

Stelle uns wieder her und laß deinen Ingrimm fahren!

Willst du ewig über uns zürnen,

Deinen Groll ausdehnen für Geschlecht und Geschlecht?

Du solltest uns doch wieder beleben,

Und dein Volk sollte sich doch dein freuen!

So zeige uns doch, Ihwh, deine Gnade,

Und gewähre uns deine Hilfe!« –

Ich möchte hören, was Gott Ihwh antworten wird,

Wenn er Heil seinem Volke verkünden sollte,

Und seinen Frommen, daß sie nicht zur Torheit zurückkehren.

In Wahrheit nah' ist seinen Verehrern seine Hilfe,

Daß Ehre in unserem Lande weile.

Begegnen sich Liebe und Treue,

So küssen sich Heil und Frieden.

Sproßt die Treue aus der Erde,

So schaut Heil vom Himmel.

Gewiß, Gott wird das Glück gewähren,

Und unser Land seinen Ertrag geben.

Geht Heil ihm (dem Volke) voran,

So mag es auf den Weg seine Schritte setzen37


[83] Die Poesie war die Trösterin in den Leiden; sie fand in der langen Zeitreihe der Geschichte und in dem eigenartigen Gang des judäischen Volkes reichen Stoff für den Trost.

Kambyses' Tod (521) und die Nachfolge Darius', des dritten persischen Königs (521-485), welche von großer Bedeutung in der Völkergeschichte der damaligen Zeit war, führten auch eine günstige Wendung für Juda herbei. Darius war seinem Vorgänger entgegengesetzt und Cyrus ähnlich, ein milder und hochherziger Herrscher. Eine seltsame Sage läßt Serubabel nach Persien gehen und ihn bei Darius wegen seiner Weisheit Gunst finden. Zum Beweise seiner Huld habe er ihm gestattet, nach Jerusalem zurückzukehren und den Tempel auf königliche Kosten zu erbauen38. Indessen so leicht ging die Sache nicht vonstatten, wie die Sage es sich ausgedacht hat. Die Führer des Volkes, Serubabel und Jesua, haben wohl daran gedacht, nachdem die kriegerischen Unruhen in der Nähe mit Kambyses' Tod aufgehört hatten39, den unterbrochenen Bau wieder aufzunehmen. Aber das Volk, d.h. die Familienhäupter sprachen: »Die Zeit ist noch nicht gekommen, den Tempel zu bauen40«. Es bedurfte erst des Feuereifers der beiden Propheten Chaggaï und Zacharia, daß das Werk wieder in Angriff genommen wurde41. Diese Propheten haben in fünf Monaten (Elul bis Khislew 520) mehrere Male das Wort ergriffen, um dem Volke Mut und Eifer einzuflößen und zugleich ihm den Schleier der Zukunft zu enthüllen. Chaggaï mag dem älteren Geschlechte angehört haben, welches noch den ersten Tempel gesehen hatte. Sein Berufsgenosse dagegen, Zacharia, Sohn Iddos42, war jung43 aus Babel zurückgekehrt und hatte bereits fremde Anschauungen aus dem Exile mitgebracht44.

Chaggaï trat an die beiden Hauptführer mit einer Standrede heran: »Das Volk spricht, die Zeit sei noch nicht günstig, den Bau des Tempels fortzusetzen. Ist es für euch Zeit in euren Häusern [84] gedeckt zu wohnen, während das Heiligtum verödet ist?« Er führte die lang anhaltende Unfruchtbarkeit und das Mißgeschick, welches die junge Gemeinde so hart betroffen hatte, auf die Lässigkeit und die Gleichgültigkeit gegen den Tempelbau zurück45. Diese Standrede machte Eindruck, und sofort gingen nicht bloß die Führer, sondern das ganze Volk daran, Hand an den Bau zu legen46. Die älteren Propheten mit ihrer feurigen Beredsamkeit fanden taube Ohren und harte Herzen, den jüngeren kam das Volk mit Willfährigkeit und Gefügigkeit entgegen. Als Chaggaï die älteren Männer unmutig wegen der Winzigkeit der Anlage des neuen Tempelgebäudes sah, ermutigte er sie mit Worten, welche sich nach Jahrhunderten wunderbar erfüllen sollten: »Wer ist unter euch, der noch das Heiligtum in seinem früheren Glanze gesehen hat, und dem das neue, mit dem alten verglichen, wie nichts er scheint? Aber seid nur mutig, mein Bündnis und mein Geist weilen noch in eurer Mitte (spricht Gott). Größer wird die Ehre dieses Hauses als des ersten sein, und an diesem Orte werde ich Frieden geben«47.

Zacharia sprach zwar auch ermunternde Worte für die Wiederaufnahme des Baues, aber drang mehr auf Veredelung der Gesinnung. In der ersten Rede, die er zwei Monate nach Chaggaïs Auftreten gehalten hat, führte er das Geschick der Väter auf, wie diese lange Zeit hindurch taub gegen die Ermahnungen der älteren Propheten waren, bis die herbe Erfahrung der Zerstörung und der Verbannung sie zu dem Geständnisse gebracht hat, daß sie mit Recht gezüchtigt worden sind. Das jüngere Geschlecht möge nicht in denselben Ungehorsam und dieselbe Verkehrtheit verfallen48. Als endlich einen Monat später (24. Khislew, Ende 520) der Grundbau des Tempels weiter geführt und Stein auf Stein gelegt wurde, verkündete Chaggaï, daß von diesem Tage an der Fluch von der Gemeinde gebannt sei, und Segen dafür eintreten werde49. Mit auffallender Absichtlichkeit hielt Chaggaï an demselben Tage eine Anrede an Serubabel: Eine große Umwälzung werde eintreten, verkündete er [85] darin, die Throne der Könige werden umgestürzt, die Stärke der Reiche der Völker vernichtet werden, und die Krieger werden gegeneinander kämpfen. »An dem Tage werde ich dich, Serubabel, als meinen Knecht nehmen und dich wie einen Siegelring machen, denn dich habe ich auserkoren50.« Er wollte ihm damit die Königswürde und den davidischen Glanz andeuten.

Indessen mußte das Volk über die Armseligkeit der Gegewart hinweggehoben werden, wenn die Neugestaltung sich erhalten und fortentwickeln sollte. Von dem Glanze und dem sittlichen Aufschwung, welchen die Propheten für die Zeit der Rückkehr verheißen hatten, war keine Spur eingetreten. Der »Gesalbte Gottes« (Messias), welcher die Herrlichkeit für Israel bringen und begründen sollte, den der vielgelesene Prophet Jeremia unter dem Namen »Zemach« angekündigt hatte51, ließ sich nicht blicken. Der Nachkomme und Träger des davidischen Königshauses Serubabel war ein Knecht des persischen Hofes und mußte jeden seiner Schritte abmessen, um nicht von den Feinden der judäischen Kolonie bei Hofe verdächtigt zu werden. Das ganze Volk war in Knechtschaft und fühlte sich bedrückt. Was sollte da der Tempel, noch dazu in geringem Maßstab und ohne Glanz angelegt, nützen, von dem Chaggaï, als dem Urgrunde einer neuen Ordnung, so viel gerühmt hat? Und wenn das neue Heiligtum vollendet sein wird, wird sich denn an demselben Gottes Gnadenwaltung, wie in früheren Tagen zeigen? War doch das Volk wieder von Sündhaftigkeit befleckt und »all sein Händewerk war unrein52!« Diese Zweifel nagten an dem Herzen der Großen; Chaggaïs Verkündigungen hatten diesen inneren Unmut nicht beschwichtigt. Zudem gab es in der Gemeinde Nüchterne, welche über diese kleinlichen und armseligen Anfänge spotteten53, daß daraus sich nimmer etwas Großes und Überwältigendes entwickeln könne. Alle diese nagenden Zweifel und Fragen löste Zacharia in seiner zweiten, längeren Rede, indem er dem Volke einen weit ausgedehnten Gesichtskreis öffnete. Er hat damit die erloschene Begeisterung wieder entzündet.

Wie Ezechiel im Exile, so teilte auch Zacharia, der ihm überhaupt an Lebendigkeit der Phantasie ähnlich war, seine prophetischen Verkündigungen für die Zukunft in symbolischen Gesichten mit. Jener erblickte in sinnbildlichen Vorgängen, wie Gott die Stadt Jerusalem [86] und den Tempel allmählich verlassen und ihnen damit ihren Charakter der Heiligkeit und Bedeutsamkeit entzogen habe54.

Zacharia erblickte und vernahm, wie Gott wieder in die neuerbaute Stadt und in das im Bau begriffene Heiligtum einziehe und ihnen dadurch die entschwundene Heiligkeit wieder verleihe. Er teilte dem Volke mit, was er in der eben vergangenen Nacht geschaut und vernommen hatte. Er sah zunächst Boten Gottes, von denen einer auf schnellfliegenden Rossen einen Ritt durch die Länder gemacht, und einen anderen, der ihn angeredet und ihm Zeichen verdolmetscht habe. Auf die Klage: »Wie lange wirst du, o Gott, dich nicht Jerusalems erbarmen, dem du schon siebzig Jahre zürnest?« habe er tröstende und beruhigende Worte vernommen und den Auftrag erhalten, zu verkünden, daß Gott wieder voll Eifer für Jerusalem und Zion sei, daß er in Erbarmen in die Stadt zurückkehren, daß der Tempel aufgebaut werde, daß Gott Zion wieder tröste, und Jerusalem wieder erwählt habe. – In einem anderen Bilde sah er vier Hörner, die Völker, welche Juda und Jerusalem zerstreut haben, und vier Meister, welche die Hörner abhauen sollten. Dann sah er wieder einen Mann mit einem Meßschauer, um für Jerusalem einen weiten Umfang auszumessen. Die Stimme des Gottesboten habe ihm hierauf verkündet, daß das neue Jerusalem wegen Fülle von Menschen und Tieren weit ausgedehnt sein werde, daß es Mauern werde entbehren müssen, daß aber Gott es schützen und ihm eine »Feuermauer« sein werde. Diese Menschenfülle werde es durch den Zufluß der Zerstreuten und besonders der aus Babylonien erhalten. Ein Ruf erging an diese: »O eile nach Zion, Bewohnerin Babels!« Aber nicht bloß Stammesgenossen, sondern auch andere Stämme werden Jerusalem bevölkern: »Jauchze und freue dich, Zion, denn ich komme und weile in deiner Mitte und viele Völker werden sich Ihwh anschließen und mir zum Volke sein.«

Mit einem dritten Bilde wurde Zacharia eine neue Ordnung im Innern eröffnet. Er sah den Hohenpriester Jesua vor einem Gottesboten in besudeltem Anzug, und ein Ankläger stand ihm zur Rechten, um ihn anzuklagen. Der Gottesbote fuhr indes den Ankläger an, doch nicht den anzuklagen, der wie ein aus dem Feuer gerettetes Stück sei. Er befahl hierauf dem Hohenpriester, reine Gewänder anzuziehen und einen reinen Kopfbund aufzusetzen, und bedeutete ihn, daß damit seine Sünden abgetan sein sollten. Er bedeutete [87] ihn ferner, wenn er in Gottes Wegen wandeln und die Hut des Tempels sorgsam übernehmen werde, dann werde der Hohepriester unter den ihm Gleichstehenden Diener und Gefolgschaft haben55. Er und seine Freunde werden Männer des Vorbildes werden. Der verheißene Gesalbte »Zemach« werde bald eintreffen. Vorher werden alle Sünden an einem Tage getilgt werden. Aus einem Stein mit sieben Quellen vor Jesua werde so viel Wasser fließen, daß die Unsauberkeit davon weggespült werden werde.

Dann sah Zacharia in einem vierten Bilde plötzlich wie vom Schlafe erwacht, einen goldenen Leuchter mit einer Kugel an der Spitze und mit sieben Lampen und sieben Schnäbeln an jeder Lampe. Zu jeder Seite des Leuchters stand je ein Ölbaum mit Zweigen, die je mit einem Kanal in Verbindung standen. Der Gottesbote habe ihm, da er das Bild nicht verstanden zu haben bekannte, dasselbe gedeutet und erklärt: »Nicht durch Heeresmacht und nicht durch körperliche Kraft, sondern in meinem (Gottes) Geiste« werde das neue Gemeinwesen gedeihen.

Der Gottesbote verkündete ferner dem Propheten, daß Serubabel, der den Grund zum Tempel gelegt, ihn auch ausführen werde, alle Hindernisse beseitigt werden würden, und diejenigen, welche über »den Tag der Kleinheit« gespottet, sich freuen werden, das Bleilot in Serubabels Hand zu sehen. Die beiden Ölbäume, welche von selbst für den Leuchter Öl spenden, bedeuten die »beiden Söhne des Öls« (der Salbung), den Sohn Davids und den Nachkommen Ahrons.

In einem fünften Gesichte sah er, wie die sündhaften Gewohnheiten getilgt werden. Er erblickte eine große, unbeschriebene, fliegende Rolle; sie bedeutete den Fluch, der die Diebe und Meineidigen treffen und ihre Häuser zerstören werde. Dann sah er, wie die Gemeinheit des falschen Maßes und Gewichtes unter dem Bilde eines Weibes, das im Scheffel saß, zwischen Himmel und Erde hinweggetragen wurde, um es im Lande Babel, wohin es gehörte, abzusetzen56. In einem letzten Bilde sah Zacharia die vier Winde unter dem Symbol von vier Wagen mit verschiedenfarbigen Rossen in die vier Weltgegenden stürmen, um überall hin Gottes Geist zu tragen, ganz besonders aber in das Land des Nordens, nach Babylonien, wo noch zahlreiche Judäer wohnten57. – Seine Verkündigungen gipfelten [88] in der Vorschau, daß die judäische Gemeinde nicht immer so winzig und armselig bleiben, vielmehr Zuwachs und Glanz durch die Teilnahme der reichen Stammesgenossen am Euphrat und durch den Anschluß der Heiden erhalten werde. – Ein Teil dieser Erwartungen traf nicht lange darauf ein; die in Babylonien zurückgebliebenen Judäer begannen ihre Teilnahme an dem Gemeinwesen in der Heimat durch reiche Spenden zu betätigen. Drei Männer aus Babylonien: Chelem, Tobija und Jedaja, sandten durch einen eigenen Abgesandten Josija, Sohn Zephanjas, Silber und Gold nach Jerusalem58. Da empfing Zacharia den prophetischen Auftrag, die Gold-und Silbersendung an sich zu nehmen und daraus eine Krone59 zu machen. Diese Krone sollte er dem Hohenpriester Jesua auf das Haupt setzen, ihn zum gekrönten Führer des Volkes bestimmen und ihn bedeuten, daß er zu Großem berufen sei. Er sollte ihn folgendermaßen anreden: »Sieh! der Mann, dessen Name Zemach ist, wird von ihm aus aufsprießen, und er wird den Tempel Gottes bauen. Er wird den Tempel bauen und Glanz tragen, [89] sitzen und herrschen auf seinem Thron und Priester auf seinem Thron sein. Und ein Rat des Friedens wird zwischen beiden sein.« Es war ein Ausspruch von nicht geringer Tragweite; er bestimmte die Zukunft. Zacharia fügte zum Schluß hinzu, daß aus der Ferne Fremde in Jerusalem eintreffen werden, um an dem Bau des Tempels zu helfen60.

In der Tat nahm die Teilnahme der babylonischen Juden an dem neugestalteten Gemeinwesen immer mehr zu. Es trafen abermals einige Männer aus Babel in Jerusalem ein (4. Khislew 518), Scharezer und Regem-Melech mit einem Gefolge61, um an der Stätte des Tempels zu beten und zugleich eine Gewissensfrage an die Priester und Propheten zu richten, ob die Fasttage, welche die Frommen in Babylonien zur Erinnerung an die Zerstörung des ersten Tempels zu beobachten pflegten (o. S. 14), unter den veränderten Verhältnissen noch fortdauern sollten. Zacharia, der junge Prophet, ergriff das Wort und erteilte darauf die Antwort im Namen Gottes, um eine Erklärung abzugeben, was Frömmigkeit ist62. »Wenn ihr fastet und klaget, fastet ihr mir? Und wenn ihr esset und trinket, so seid ihr es doch, die da essen und trinken?« Die älteren Propheten haben lediglich darauf Gewicht gelegt, daß gerechtes Gericht gehalten, daß Liebe und Erbarmen geübt, daß die Hilflosen nicht bedrückt werden sollten, und daß keiner gegen seinen Bruder Schlechtigkeit im Herzen hege. Weil die Vorfahren auf die Worte der älteren Propheten nicht gehört haben, darum hat sie Gott hinweggestürmt aus dem Lande und dieses verödet gemacht. Jetzt aber hat Gott [90] Zion wieder zu seinem Sitz erkoren, aber sie soll »die Stadt der Treue und Wahrheit« und der Tempelplatz der »heilige Berg« genannt werden. Die Straßen Jerusalems werden sich mit Greisen und spielenden Kindern füllen, »denn auch aus dem Osten und Westen werden die Verbannten zurückkehren«. Auch der Friede, welcher bisher vermißt wurde, werde einkehren, und seine Wirkung wird große Fruchtbarkeit sein. »So wie ihr zum Fluche unter den Völkern waret, so werdet ihr durch die Hilfe Gottes zum Segen werden.« – »Aber das sind die Dinge, die ihr tun sollet: einer soll zum andern in Wahrheit sprechen, mit Wahrheit und friedlichem Rechte sollet ihr in euren Städten richten, ihr sollet nicht in eurem Herzen Schlechtigkeit gegen den Bruder hegen, und nicht falsche Eide lieben; denn dieses alles hasse ich.« »Das ist Gottes Wort.« »Die Fasttage werden zur Freude und zu Festtagen werden, wenn ihr Wahrheit und Frieden liebet. Dann werden mächtige Völker Ihwh in Jerusalem aufsuchen und ihn dort anbeten. Zehn Männer von allen Zungen der Völker werden den Zipfel eines judäischen Mannes anfassen und sprechen: ›Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben erfahren, daß Gott mit euch ist.‹« Zacharia gebrauchte diese Wendung, um die in der jungen Gemeinde vermißten Tugenden und besonders die Eintracht ihr ans Herz zu legen. Seine schwungvollen und eindringlichen prophetischen Reden haben eine gute Wirkung geübt und wieder einen besseren Geist eingehaucht.

Der Bau des Tempels, welcher für die Gemeinde die wichtigste Angelegenheit war, machte daher Fortschritte unter der Leitung der Führer und der Propheten. Er soll zwar abermals von einer Unterbrechung bedroht gewesen sein. Es wird erzählt, der persische Statthalter Tathnaï und seine Mitbeamten hätten sich nach Jerusalem begeben und die Männer an der Spitze befragt, mit welchem Rechte und mit welcher Erlaubnis sie denn den Bau fortführten. Diese hätten sich auf Cyrus berufen und auf eine von ihm darüber ausgestellte Urkunde verwiesen. Der Statthalter Tathnaï hätte darauf an Darius darüber Bericht erstattet, dieser habe die Urkunde des Cyrus in der medischen Hauptstadt Ekbatana (Achmata) gefunden und den Befehl erteilt, den Bau keineswegs zu stören, vielmehr ihn zu fördern, die Kosten desselben von den königlichen Einnahmen zu bestreiten und noch dazu Opfertiere, Weizen, Salz, Wein und Öl dazu zu liefern, damit die Judäer in dem Tempel für des Königs und seiner Kinder Leben beten mögen. Er soll sogar eine Strafe verhängt und einen Fluch ausgesprochen haben über denjenigen, der sich am Tempel vergreifen sollte. Tathnaï habe darauf Darius' Befehl den Führern in [91] Jerusalem mitgeteilt63. Alles dieses hat aber keinen tatsächlichen Grund.

Allerdings hatte der König Darius eine Art Vorliebe für die Judäer und mag ihnen Gunst bezeugt haben, aber nicht, damit sie für sein langes Leben beten mögen, sondern weil er eine geläutertere Religionsanschauung hatte und verbreitet wissen wollte. Ein eifriger Verehrer des Lichtgottes Ahura-Mazda und des von dem Religionsstifter Zoroaster (Zarathustra) überlieferten Gesetzes, welches die Verbildlichung der Gottheit ebenso verabscheut64, wie die Lehre vom Sinaï, mußte Darius diese Lehre erhabener finden, als die Religionsformen [92] der asiatischen Völker und Ägyptens, welche durchweg Götterbilder anbeteten. Außerdem empfand er einen Abscheu vor Menschenopfern, welche viele Völker jener Zeit und selbst Griechen ihren Göttern darzubringen pflegten65. Als Darius einst eine Gesandtschaft nach Karthago sandte, um diese Handelsstadt zur kriegerischen Hilfeleistung zu bewegen, stellte er unter anderem die ausdrückliche Forderung, daß die Punier die Menschenopfer einstellen mögen66. So sehr lag ihm die Abschaffung dieser scheußlichen Religionsform am Herzen, daß er sie gewissermaßen als Bedingung für die einzugehende Bundesgenossenschaft aufstellte. In den Inschriften, die er in Felsen zum ewigen Andenken an seine Taten eingraben ließ, empfahl er seinen Nachfolgern, die falsche Götterverehrung in seinem Reiche nicht zu dulden67. Es war wohl Darius nicht unbekannt [93] geblieben, wenn auch Serubabel nicht an sei nem Hofe lebte und von ihm als der Weiseste ausgezeichnet worden ist, daß die Lehre der Judäer ebenso wie das Gesetz Zoroasters Menschenopfer als Gräuel betrachtet und noch andere Religionsgebräuche der Völker verwirft, die auch ihm widerwärtig waren. Aus diesem Grunde scheint er den Judäern Wohlwollen zugewendet zu haben. Die Chuthäer, welche ebenfalls an Menschenopfer gewöhnt waren, scheinen sie unter Darius, dessen Abscheu davor sie wohl gekannt haben, aufgegeben und sich mehr der judäischen Lehre in ihrer nächsten Nachbarschaft zugeneigt zu haben. Von dieser Seite unbelästigt, und unter Darius' stillschweigendem oder ausdrücklichem Schutz konnten die Führer in Jerusalem das Werk des Tempels vollenden.

Der Bau hatte vier Jahre gedauert (519-516), und als das Heiligtum nach so vielen Hindernissen und Anstrengungen vollendet war, wurde die Einweihung desselben am dreiundzwanzigsten Adar, kurz vor dem Passahfeste mit Freudengefühl begangen68.

Gerade siebzig Jahre waren verstrichen, seitdem der Salomonische Tempel von Nebusaradan zerstört worden war. Das ganze Volk war wohl zur Einweihung nach Jerusalem gekommen, um sich an dem vollendeten Tempel zu weiden, welcher fortan den Mittelpunkt des Gemeinwesens bilden sollte. Gewiß sind bei dieser feierlichen Gelegenheit nicht bloß von den Priestern Opfer dargebracht, sondern auch von den Leviten Psalmen gesungen worden69, wie denn überhaupt in dem zweiten Tempel Psalmgesänge einen wesentlichen Bestandteil des Gottesdienstes bildeten70. Zum Andenken an die Gunst von seiten des Königs Darius wurde am Osttore71 des Tempels [94] die neue persische Hauptstadt Susa abgebildet. Wie weit entfernt war diese Huldigung gegen den Herrscher von jener Liebedienerei der Achas und Jojakim, welche das Götzentum und die Unsitten der Länder ihrer Herren angenommen haben! – Drei Wochen nach der Einweihung des Tempels beging die ganze Gemeinde das Passahfest mit zahlreicher Beteiligung, und die Heiden, welche sich ihnen aufrichtig angeschlossen hatten, nahmen ebenfalls teil daran72.

Der Tempelraum, welcher von der Zeit an das Herz des judäischen Volkes bildete, war eigentümlich gestaltet. Der Tempelberg (Har-ha-Bajith) oder der Morijahügel betrug mehr als ein Zehntel geographischer Meile (6 Stadien 3/20 M.)73 und war mit einer Mauer umgeben. In der Mauer waren fünf Tore, zwei im Süden, weil der Haupteingang von dieser Seite war (Huldapforten genannt), und je eine auf den übrigen drei Seiten; auf der Ostseite das Susa-Tor, wie schon erwähnt. Das nördliche Tor war lediglich des Gleichmaßes wegen angebracht; denn von dieser Seite kamen keine Tempelbesucher74. Innerhalb dieses Raumes des Tempelberges war eine zweite niedrige Mauer oder eigentlich ein Gitterwerk (Sorêg)75 von niedriger Höhe. Diese diente dazu, Heiden und Unreine vom Besuch des inneren Raumes abzuhalten; es war diesen nur gestattet, bis zu diesem Gitterwerk vorzudringen. Hier waren sieben Pforten angebracht, drei im Norden, drei im Süden und eine im Osten76. Durch [95] das Gitterwerk war der Raum in zwei Höfe abgeteilt, in den äußeren und inneren Vorhof (Azarah). Der innere Vorhof war in vier Räume geschieden. Der erste (Chêl) hatte nur zehn Ellen Breite: dann erhob sich eine Terrasse von 135 Ellen Länge und ebenso breit, zu welcher von der Ostseite zwölf Stufen nach Westen führten. Dieser Raum war für das weibliche Geschlecht bestimmt, das ebenfalls Zutritt zu dem Heiligtum hatte; er wurde daher der »Vorhof der Weiber« (Ezrat-Naschim) genannt. Von diesem Vorhofe führten fünfzehn Stufen zu einer noch höher gelegenen Terrasse von 175 Ellen von Ost nach West und 135 Ellen Breite von Süd nach Nord. Auf den fünfzehn Stufen, die halbrund angelegt waren, sangen die Leviten zum täglichen Gottesdienste Psalmen. Die zweite Terrasse war der eigentliche innere Vorhof, dem eine größere Heiligkeit zugeschrieben wurde. Hier durften zwar auch Laien eintreten, aber nur innerhalb elf Ellen von Ost nach West und in der ganzen Breite von 135 Ellen. Der übrige Raum war nur den Priestern vorbehalten. Innerhalb dieses Raumes stand nördlich der Altar aus Steinen von zweiunddreißig Ellen im Geviert, südlich davon ein großes Wasserbehältnis zum Waschen für die diensttuenden Ahroniden. Westlich war eine offene Vorhalle (Ulam), und hinter dieser im Westen der Tempel. Dieser war, wie der ältere Salomonische, ebenfalls in zwei Räume geschieden und von demselben Maße; der vordere von vierzig Ellen Länge und zwanzig Breite im Innern, das Heiligtum (Hechal), und der hintere von zwanzig Ellen im Geviert, das Allerheiligste (Kodesch Kodaschim). Nur die Höhe dieses Tempels war geringer und wohl auch der äußere Umfang kleiner als der Salomonische77.

[96] Innerhalb des Raumes des Heiligtums befand sich, wie in dem Salomonischen, an der Südseite ein goldener Leuchter, an der Nordseite ein goldbelegter Tisch für die jeden Sabbat zu erneuernden zwölf Brote und im Hintergrunde ein kleiner Altar mit Goldbelag für das Räucherwerk. Im Allerheiligsten dagegen befand sich nichts, gar nichts; die Bundeslade mit den steinernen Tafeln des Zehnwortes war lange vorher verschwunden. Wohin ist sie gekommen? Wo sind die Bundestafeln, die bewährten Zeugen aus der uralten Zeit, geblieben? Es hat sich keine treue Erinnerung davon erhalten, und darum hatte die Sage freien Spielraum für mögliche und unmögliche Erdichtungen: die Bundeslade sei irgendwo auf dem Platze des zerstörten Tempels verborgen worden, oder sie sei mit den Exulanten nach Babylon gewandert, oder der Prophet Jeremia habe sie auf dem Berge Sinaï, woher sie stammten, vergraben78. Gerade in der Zeit, in welcher die heiligen Tafeln besser gewürdigt worden wären als früher, waren sie verschwunden. Indessen hatte das uralte Zehnwort einen besseren Platz gefunden im Herzen des Volkes oder wenigstens im Herzen der Volkslehrer. Statt der Bundeslade befand sich in dem neuen Tempel ein Stein, Satijah genannt79. – Auf drei Außenseiten des Tempelgebäudes waren Zellen oder Hallen (Thaïm) von drei Stockwerken und auch in den Vorhöfen waren bedeckte und unbedeckte Hallen und geschlossene Räume angebracht. So war das Heiligtum beschaffen, welches die junge Gemeinde zwanzig Jahre seit der Rückkehr beschäftigt hat. Ohne Zweifel wurde während dieser Zeit Jerusalem ebenfalls aufgebaut und mit einer Umwallung umgeben80. Welche Stadt konnte in jener Zeit ohne Mauern bestehen? Das neue Jerusalem war auf dem Platz des alten erbaut, auf den drei Hügeln, Zion, Millô und Morija; der erstere wurde die Oberstadt, der zweite die Unterstadt genannt. Es scheint aber nach Norden zu mehr ausgedehnt worden zu sein81 und mehr Tore gehabt zu haben, als das alte; mindestens neun Tore82. Auch [97] mehrere Türme außer dem aus der alten Zeit stammenden, wie es scheint, starken und darum erhaltenen Turm Hananel wurden auf der Mauer aufgerichtet83.

Die Hauptplätze für Volksversammlungen waren der Tempelberg und ein weiter Raum vor dem Wassertor im Osten84. – Das Ländchen wurde, wie es scheint, schon damals in Bezirke (Pelech) eingeteilt, und jeder Bezirk hatte einen Beamten für die Verwaltung85. Nach dem Vorgang des Königs Darius, welcher sein ausgedehntes Reich von Indien bis Jonien und die griechischen Inseln und von Äthiopien bis zum Kaukasus in zwanzig große Satrapien sonderte, und wie jeder Satrap auf dieselbe Weise das Gebiet seiner Herrschaft in kleinere Kreise einteilte, die von untergeordneten Fürsten oder Statthaltern verwaltet wurden, so hat wahrscheinlich auch Serubabel das von ihm verwaltete Ländchen in abgerundete Bezirke zerlegt. Mußte er doch für die Abgaben an den Hof oder an den Satrapen Sorge tragen. Denn Juda war keineswegs steuerfrei, sondern mußte auch zu den, allen Völkern unter dem persischen Zepter auferlegten Steuern beitragen. Zunächst mußte es einen Teil der Grundsteuer für die Satrapie Phönizien – Palästina – Cypern liefern86, etwa den achtzehnten Teil der Gesamtsumme von 350 Talenten, zwanzig Talente (etwa 90,000 Mark). Dann mußte es wohl [98] auch gleich den übrigen Provinzen zur Unterhaltung der persischen Truppen und der Hofhaltung des Satrapen einen entsprechenden Teil liefern. Diese Steuerbeiträge haben wohl die Beamten der Bezirke von den Grundbesitzern eingezogen und an Serubabel abgeliefert, der die gesammelten Steuern dem Satrapen zuzustellen hatte. Wahrscheinlich hat dieser auch für seine eigene Haushaltung von jedem Grundbesitzer Beiträge bezogen87. Die Bezirksbeamten mögen auch die Gerichtsbarkeit ausgeübt haben.

Serubabel hatte demnach, allerdings in abhängiger Stellung, das weltliche Regiment über Juda. Die geistlichen Machtbefugnisse dagegen über den Tempel und dessen Diener hatte der Hohepriester Jesua. Diese Diener waren in zwei Hauptklassen eingeteilt, in Ahroniden, welche die Opfer besorgten, und in Leviten, welche Nebenfunktionen hatten. Die ersteren bildeten anfangs vier Familien: Jedaja, aus welcher auch der Hohepriester hervorging, ferner Immar und Paschchur, deren Stammväter den Propheten Jeremia unbarmherzig gequält hatten, und endlich Charim (Rechum)88. Bei der Rückkehr zählten sie zusammen mehr als 4000 Personen. Die Leviten zerfielen in drei Unterabteilungen, in die Gehilfen oder eigentlichen Leviten, welche den Ahroniden beim Opferwesen zur Seite standen, die Torwärter und endlich die Sänger. Die ersteren zählten fünf89 Hauptfamilien: Josua, Kadmiel, Bani, Binnuj und Hodijah. Weil bei dem Opferwesen beschäftigt, war diese Klasse, die Leviten im engeren Sinne, gegen die zwei übrigen bevorzugt. Ihr zunächst stand die Torwärter- oder Hüterklasse, aus sechs Familien bestehend: Schallum, Talmon, Akub, Chatita, Ator, Schobaï (oder Tobi). Ihnen lag es ob, an den Eingängen des Tempels zu wachen und Unreinen und Unberufenen den Zutritt zu verwehren. Die Sängerklasse aus drei Familien bestehend, Mathanja, Bakbukja und Obadjah, leitete den Gottesdienst mit Psalmen und Saitenspiel. Da ihre Beschäftigung Kenntnisse und Fertigkeiten zur Ausübung der Kunst erforderte, so waren sie darauf angewiesen, ihre Kinder dazu anzuhalten und zu unterrichten90. Außer [99] diesen Tempeldienern gab es noch Tempelsklaven, Nethinim, die Überbleibsel der alten Gibeoniten. Sie bildeten noch immer eine eigene Volksgruppe, da Judäer keine Ehe mit ihnen eingingen, und bestanden bei der Rückkehr aus Babylonien noch aus achtunddreißig Familien91. Sie hatten noch immer die niedrige Beschäftigung, für den Tempel Wasser zu schöpfen, Holz zu hauen und die Unsauberkeiten vom Tempel fortzuschaffen. Sie nahmen wieder ihren früheren Wohnsitz auf dem Ophel (Ophla), der südlichen Abdachung des Tempelhügels, ein. Zwei ihrer Familien führten die Aufsicht über die übrigen, Zicha und Gischpa (oder Chasupha)92. Die Nethinim waren indes Freie, durften ihrem eigenen Erwerb obliegen und brachten es auch teilweise zum Wohlstande93. Tief unter ihnen standen die Staatssklaven, die Überbleibsel der Kanaaniter, welche Salomo zur Dienstbarkeit geknechtet und davon sie den Namen »Salomosklaven«94 hatten; welchen Dienst diese Parias in dem neuen judäischen Gemeinwesen zu verrichten hatten, läßt sich nicht bestimmen.

Die alte Stammesverfassung war durch die neuen Verhältnisse zum Verschwinden gelockert. Wie die Exulanten in Babylonien familienweise ohne Rücksicht auf Stammesursprung zusammengewohnt hatten, so auch in der Heimat; sie setzten diese Gewohnheit nach der Rückkehr fort. Die Simeoniten waren bereits vor dem Exile mit den Judäern vollständig verschmolzen und untergegangen, auch die Überbleibsel der Nordstämme, namentlich die Ephraimiten und Manassiten, welche sich im Gebiete der Stämme Juda oder Benjamin niedergelassen hatten, gingen unter diesen unter. So blieben nur noch diese beiden Stämme; aber ihre Gesondertheit behauptete sich lediglich in den Landstädten, in der Hauptstadt dagegen, in welcher die vornehmsten Geschlechter beider Stämme ihren Wohnsitz hatten, verschwand der Unterschied und sie sonderten sich lediglich in Familiengruppen ab. Dergleichen Geschlechter gab es mehr als dreißig95, [100] von denen sich einige Namen bis in die späteste Zeit erhalten haben96. Nur die Nachkommen Ahrons, die Priester und die Leviten, die ebenfalls in Familiengruppen zerfielen, hielten sich von Vermischung mit den Laienfamilien oder, wie sie offiziell genannt wurden, den »Israeliten«, fern und bildeten einen eigenen Stock, weil sie sich nicht bloß durch den Dienst im Tempel, sondern auch durch den Mangel an Bodenbesitz von diesen scharf unterschieden. Das alte Gesetz der Thora, daß die Tempeldiener nicht festen Besitz haben sollten, wurde in der nachexilischen Zeit mindestens im Anfange streng ausgeführt. Überhaupt wurde die Thora von dem jungen Gemeinwesen zur Richtschnur genommen. Die Zehnten und die übrigen Leistungen an Ahroniden und Leviten wurden unter Serubabel regelmäßig geliefert97.

Indessen, so sehr auch die junge Gemeinde nach Vollendung des Heiligtums von dem Geiste der Thora und der Propheten durchdrungen war, und so sehr sie auch nach Einigkeit strebte, so entstand doch in ihrer Mitte ein Zwiespalt, der nicht so leicht überwunden werden konnte und daher zu Reibungen Veranlassung gab. Es gab zwei einheimische Herren, den Statthalter Serubabel von davidisch-königlichem Geschlechte und den Hohenpriester von ahronidischer Abkunft. Der eine bildete die weltliche und der andere die geistige Macht. Übergriffe des einen Gebietes in das andere waren unvermeidlich. Serubabel hatte allerdings für sich die Zugetanheit des Volkes zu dem davidischen Königshause, weil er die Erinnerungen an die ehemalige Glanzzeit und die Verkündigung der Propheten für die Wiederherstellung derselben verlebendigte. Der Prophet Chaggaï hatte ihn einen auserwählten Liebling Gottes und dessen kostbaren Siegelring genannt (o. S. 86). Aber eben deswegen war er ein Hindernis. [101] Die Feinde der Judäer hatten einen Grund zur Anklage gegen die judäische Gemeinde, daß sie den Gedanken hegte, den Davidssohn zum Könige auszurufen. Auch den »Häuptern der Vaterhäuser«, welche an die Freiheit der demokratischen Verfassung gewöhnt waren, mag der zukünftige Träger der königlichen Krone nicht bequem gewesen sein. Auf der anderen Seite hatte der Prophet Zacharia verkündet, daß der Hohepriester Jesua die Krone tragen, auf dem Throne sitzen und die messianischen Hoffnungen verwirklichen werde (o. S. 89). Hat dieser Prophet aus Mißfallen an Serubabels Tun ihm einen Nebenbuhler erwecken wollen, wie einst der Prophet Achija dem Hause Davids an Jerobeam einen Nebenbuhler erweckt hatte? Oder hat ihn der prophetische Geist vorausschauen lassen, daß das davidische Königtum nicht werde errichtet werden können? Genug, er hatte dem Hohenpriester den Vorzug vor dem Nachkommen Davids erteilt, und so entstand eine Spannung und Spaltung unter den beiden Führern der Gemeinde. Die Verkündigung, daß der Rat der Eintracht zwischen beiden fortbestehen werde (o. S. 90), hat sich nicht bewährt, sie scheinen vielmehr in Zwietracht geraten zu sein, und diese teilte sich wohl der Gemeinde mit, von der ein Teil Partei für den einen und ein anderer für den andern nahm98.

Einzelheiten über den Parteikampf zwischen dem Vertreter des Königtums und des Priestertums fehlen, aber er muß tief gewühlt haben; denn ein Psalmist aus jener Zeit flehte und beschwor förmlich die Einwohner Jerusalems, doch die Zwietracht zu bannen und den gestörten Frieden wiederherzustellen. Er erinnerte an die Freude, welche die Vollendung des Tempels in den Herzen erregt hatte, und führte als Vorbild das alte Jerusalem auf, welches ein Einigungsband für alle Stämme gewesen, und in dem unter dem Hause Davids die Brüderlichkeit geherrscht:


»Wie habe ich mich gefreut, als sie sprachen:

›Wir werden in den Tempel Gottes gehen!‹

Stehen geblieben sind unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem,

Das gebaut ist gleich einer Stadt,

In der allsamt Brüderlichkeit war,

Wohin die Stämme, die Stämme Gottes, zogen,

Als Versammlungsort für Israel,

Zu danken dem Namen Gottes.

Denn dort standen Throne für das Recht,

Throne für das Haus Davids!

Bittet doch um den Frieden Jerusalems!

Mögen deine Freunde friedlich sein,

[102] Möge Frieden sein in deinen Mauern,

Eintracht in deinen Palästen!

Um meiner Brüder und Freunde willen

Rede ich dich um Frieden an,

Und des Tempels unseres Gottes willen,

Flehe ich um Glück für dich99


Es war nicht der einzige Psalm, welcher zur Eintracht aufforderte100.

Indessen konnte der Friede nur durch das Zurücktreten eines der beiden Führer wiederhergestellt werden. Ihr Bestehen nebeneinander hätte nur immer neuen Zündstoff in die Gemüter geworfen. Sollte eine Wahl getroffen werden, so verstand es sich von selbst, daß Serubabel weichen mußte, weil der Hohepriester unentbehrlicher als der Königssohn war, ja dieser wie eine beständige Herausforderung galt und daher dem Aufblühen des Gemeinwesens nachteilig war. Die Volksstimmung scheint sich immer mehr dem Hohenpriester zugewendet zu haben, und das Davidshaus mußte sich daher gefaßt machen, zu weichen und abzudanken. Aber schmerzlich war es, daß die Hoffnung auf die Erneuerung der ehemaligen Glanzzeit durch eben dieses Haus, von den Propheten angefacht und genährt, zu Grabe getragen werden sollte. Diesem Schmerz gaben Psalmen einen ergreifenden Ausdruck, wie denn überhaupt in dieser Zeit mehr noch als früher die Psalmendichtung die Dolmetscherin der Gefühle und Stimmungen war. – Ein Psalm erinnerte an die großen Verdienste Davids gerade um das Heiligtum, daß er zuerst die Bundeslade aus ihrer Verborgenheit nach Jerusalem gebracht, ja daß er seinen Augen keinen Schlaf gegönnt, bis er der Bundeslade eine feste und sichere Stätte gegründet. Der Psalm erinnerte auch an die Verheißung Gottes durch den Mund der Propheten, daß Davids Nachkommen für immer den Thron einnehmen werden:


»Gedenke, o Gott, David alle seine Mühseligkeit,

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Um deines Knechtes David willen

Weis' das Antlitz deines Gesalbten nicht zurück!

Gott hat dem David zugeschworen,

Eine Wahrheit, von der er nicht abgehen kann:

›Von deiner Leibesfrucht will ich auf deinen Thron setzen.

Wenn deine Söhne mein Bündnis bewahren

[103] Und meine Gesetze, die ich sie gelehrt,

So werden ihre Kinder auf immer auf deinem Thron sitzen.‹

Denn Ihwh hat Zion auserkoren, es zu seinem Sitze gewünscht:

›Dieses sei meine Ruhestätte für immer,

Hier will ich weilen, denn ich habe sie vorgezogen,

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Dort werde ich Davids Macht wachsen lassen.

Ich habe meinem Gesalbten einen Anteil angeordnet,

Seine Gegner werde ich in Schmach kleiden,

Und auf ihm soll seine Krone glänzen101.‹«


Ein anderer tiefer und dichterischer angelegter Psalm erhebt gewissermaßen eine Anklage gegen Gott, daß er seine Treue dem Hause Davids gebrochen und seine Verheißung durch die Propheten für dessen Nachkommen unerfüllt gelassen, da er die Gegner des letzten Sprößlings über ihn triumphieren lasse. Serubabel selbst oder ein Sänger seiner Partei hat diesen abgerundeten Psalm zu dessen Gunsten gedichtet. Er will besonders dem Einwurf begegnen, daß das Haus Davids durch die Mißregierung und Schlechtigkeit vieler seiner Könige das Anrecht auf die Krone verwirkt habe. Gott habe auch das den Nachkommen Davids verheißen, insofern sie die Lehre übertreten und sündigen sollten, werde er sie zwar züchtigen, aber ihnen nicht die Gnade entziehen und seinem Versprechen untreu werden. Der Rechtfertigungs- und Klagepsalm beginnt mit einem allgemeinen Eingang:


»Die ewige Gnade Gottes will ich besingen,

Will deine Treu für Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Munde künden.

Denn ich meine, die Welt ist durch Gnade erbaut,

In die Himmel hast du deine Treue gesetzt.

(Du sprachst)

›Ich habe mit meinem Auserwählten ein Bündnis geschlossen,

Habe meinem Knechte David zugeschworen:

Für ewig will ich deine Nachkommen begründen,

Und für Geschlecht und Geschlecht deinen Thron erbauen.‹

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Einst sprachst du zu deinem Frommen:

›Ich habe auf einen Helden eine Krone gesetzt,

Habe einen Auserwählten aus dem Volke erhoben,

Habe meinen Knecht David gefunden,

Salbte ihn mit meinem heiligen Öl.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Und meine Treue und Gnade sei mit ihm,

[104] Und in meinem Namen soll seine Macht sich erheben,

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Seine Nachkommen sollen für immer sein,

Und sein Thron gleich der Sonne vor mir,

Wie der Mond auf ewig begründet,

Als treuer Zeuge am Himmel.‹

Jetzt hast du aber verstoßen und verworfen,

Zürnest deinem Gesalbten,

Hast das Bündnis mit deinem Knecht aufgelöst,

Zur Erde seine Krone entweiht!

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Wo ist deine alte Gnade,

Die du in deiner Treue David zugeschworen?

O, gedenke, Gott, die Schmähung deines Knechts,

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Mit der deine Feinde geschmäht,

Geschmäht den letzten deiner Gesalbten102


Alle diese Berufungen auf frühere Verheißungen durch die Propheten waren umsonst. Das Bedürfnis der Gegenwart nach einheitlicher Leitung und nach Frieden war stärker. Serubabel mußte weichen, und es ist wohl möglich, daß er Jerusalem verlassen und nach Babylon zurückgekehrt ist103, sei es wegen gekränkten Ehrgefühls oder großmütig, um nicht ein Störenfried zu sein. Dadurch war das davidische Haus in den Hintergrund geschoben. Serubabel hatte zwei Söhne, Meschullam und Chananja, und eine Tochter Schelomit, und von dem zweiten Sohne haben sich noch fünf Generationen fortgepflanzt. In Babylonien oder Persien, deren judäische Bewohner mehr Wert auf das Königsgeschlecht legten, mögen dessen Nachkommen eine Art Herrschaft als »Fürsten des Exils« (Resch-Golah, Exilarchen) über dieselben ausgeübt haben, aber in Juda galten sie nichts mehr. Nur eine dämmernde Hoffnung blieb in den Gemütern, daß die Verheißungen der Propheten von der dauernden Herrschaft der Nachkommen Davids sich noch in einer besseren Zukunft verwirklichen werden, und daß der Gesalbte (Maschiach, Messias) aus dem [105] Königsgeschlechte das Heil und den ewigen Frieden bringen werde104. – Nach Serubabels Beseitigung blieb die Leitung des Gemeinwesens in der Hand des Hohenpriesters Jesua und nach seinem Tode in der Hand seines Sohnes Jojakim. Ob der Tausch ein günstiger war? Es wird zwar nichts Schlimmes von den beiden ersten Hohenpriestern berichtet, aber auch nichts besonders Vorteilhaftes, daß sie sich um die Hebung und Stärkung des Gemeinwesens verdient gemacht hätten. Vielleicht waren sie auch nicht imstande, Bedeutendes zu leisten; denn die obrigkeitliche Gewalt über das Volk scheint nicht in ihren Händen gewesen zu sein, sondern in denen der Statthalter oder Landpfleger (Pechah), welche die persischen Könige oder die Satrapen von Syrien und Phönizien über Juda er nannt haben105. Diese hatten zwar nicht ihren Sitz in Jerusalem, pflegten aber von Zeit zu Zeit sich dahin zu begeben und auf einem Throne sitzend die Streitigkeiten anzuhören und zu schlichten, wenn nicht aus Übelwollen Verwirrungen anzurichten, mehr Hader zu entzünden106 und Anklagen gegen die Judäer zu erheben. Denn weil einzelne Judäer noch immer die durch die prophetische Verkündigung angeregte und genährte Hoffnung hegten, daß Juda noch ein mächtiger Staat werden würde, dem die Völker und Könige untertänig sein würden, erregten sie auch nach der Beseitigung des davidischen Hauses den Argwohn, daß das Volk auf Abfall von Persien sänne. Kamen solche Äußerungen zu Ohren der Landpfleger, so berichteten sie darüber an den persischen Hof und stellten das Verlangen, daß den Judäern die ihnen von Cyrus und Darius bewilligten Freiheiten wieder entzogen werden mögen. Dergleichen Anklagen begannen namentlich gleich nach dem Tode des Darius unter seinem Nachfolger Xerxes107 (Achaschworosch, 485-464). [106] Die Feinde der Judäer, namentlich die Samaritaner, verfehlten nicht, auf die Gemeinschädlichkeit der Judäer aufmerksam zu machen und dadurch ungünstige Verordnungen gegen sie vom Hofe oder von den Satrapen von Syrien und Phönizien zu veranlassen. Außerdem suchten die aufeinanderfolgenden Landpfleger die Grundbesitzer auf jede Weise durch fast unerschwingliche Forderungen zu bedrücken. Sie verlangten von ihnen Tafelgelder für Brot und Wein, und ihre Diener behandelten das Volk mit Übermut und Frechheit108. Die Lage der Judäer in der Heimat, welche die Rückkehrenden mit geschwellten Hoffnungen betreten hatten, verschlimmerte sich in der zweiten und dritten Generation von Tag zu Tag mehr.

Um wenigstens von der einen Seite die Plackereien los zu werden, taten die vornehmen Geschlechter einen Schritt, der in der Folgezeit arge Verwickelungen herbeigeführt hat. Sie näherten sich den Nachbarvölkern oder nahmen deren Entgegenkommen zu freundnachbarlichem Verhalten versöhnlich auf und, um Bürgschaft für die guten Beziehungen zu haben, verschwägerten sie sich mit ihnen. Wie in der Zeit der ersten Einwanderung der Israeliten ins Land Kanaan, im Beginn der Richterzeit, das Bedürfnis nach friedlichem Verkehr mit den Nachbarn zu Mischehen geführt hat109, so hat nach der zweiten Einwanderung dasselbe Bedürfnis zu demselben Schritt gedrängt. Aber die Zeiten waren doch nicht dieselben, die Verhältnisse lagen jetzt anders. Die Kanaaniter, Chittiter und die übrigen Urbewohner des Landes huldigten einem abscheulichen Götzendienste und steckten mit ihren lasterhaften Gewohnheiten die Israeliten an. Dagegen hatten die Nachbarn des judäischen Gemeinwesens, besonders die Samaritaner, ihre götzendienerischen Gewohnheiten aufgegeben und sehnten sich ernstlich und aufrichtig, an dem Gottesdienste in Jerusalem teilzunehmen110. Sie waren eigentlich judäische Proselyten oder wollten es sein, und wünschten in die religiöse Lebensgemeinschaft [107] der Judäer einzutreten, oder sich dem judäischen Wesen eng anzuschließen. Sollten sie noch immer starr und mürrisch abgewiesen werden? Die meisten vornehmen judäischen Geschlechter waren entschieden dafür, die Fremden in den Verband aufzunehmen, und der damalige Hohepriester, entweder Jojakim oder sein Sohn Eljaschib, war damit einverstanden oder war dafür mit dem Gewichte seiner Würde eingetreten. Wahrscheinlich ist darüber eine förmliche Beratung der Volkshäupter vorangegangen und ein Beschluß nach der Mehrzahl der Beratenden gefaßt worden. Infolgedessen fanden zahlreiche Verschwägerungen mit den Samaritanern und anderen Nachbarvölkern statt, selbst aus der Familie des Hohenpriesters111.

Infolge dieser gegenseitigen Annäherung scheint sich die Lage gebessert zu haben. Die Feindseligkeit und die gegenseitigen Reibungen hörten von selbst auf und damit auch die Verdächtigungen und Anklagen. Samaritaner und Judäer waren nahe daran, zu einem einzigen Volke zu verschmelzen.

Es muß nämlich damals in der Nähe Judäas eine tiefeingreifende Veränderung vorgefallen sein. Ein bis dahin unbekanntes Volk, das nabatäische, scheint in der ersten Hälfte des fünften [108] Jahrhunderts auf Eroberungen ausgezogen zu sein und sich der Länderstrecken zwischen dem toten und roten Meere und des Ostjordanlandes bemächtigt zu haben. Die Idumäer wurden aus ihrem Gebiete verdrängt, und ihre Hauptstadt Sela auf der Höhe des Seïrgebirges gehörte seit der Zeit den Nabatäern112. Idumäische Flüchtlinge drangen in das Gebiet Judas ein, besetzten es und gründeten hier ein anderes Idumäa. Auch Ammoniter und Moabiter scheinen aus ihren Wohnsitzen von den nabatäischen Eroberern verdrängt worden zu sein, über den Jordan gesetzt und sich hier in der Nähe der Samaritaner angesiedelt zu haben. Auch diese ammonitischen und arabischen Ankömmlinge suchten mit den Judäern in ein freundliches Verhältnis zu treten.

An der Spitze der Ammoniter stand ein Mann, der sogar einen hebräischen Namen angenommen hatte, Tobija (Tobias), dem seine Gegner den Spitznamen »ammonitischer Knecht« beigelegt haben, und den Arabern oder Nabatäern, die sich ebenfalls im Westjordanlande angesiedelt hatten, stand ein Häuptling Gaschmu vor113. Die Samaritaner hatten damals einen Mann von unverdrossener Willensstärke und Tatkraft zum Häuptling, klug, listig, wild und beharrlich, namens Sanballat (Sanaballat). Ihm war es mit dem judäischen Bekenntnisse völliger Ernst; er wollte aufrichtig Anteil an dem Gotte Israels und an dem Tempel haben; allein er wollte gewissermaßen das Himmelreich erstürmen, und wenn ihm die Beteiligung daran versagt würde, sie mit Gewalt oder List ertrotzen114. Stammte Sanballat aus Bethoron, dem diesseitigen Lande, oder aus Choronaïm, dem jenseitigen Lande Moab? Sein Beiname »der Choronite« läßt sein Geburtsland zweifelhaft. Indes, wenn er auch nicht ein Moabiter war, so gehörten doch auch andere Moabiter zu denen, mit denen sich die Judäer verschwägert haben, wie mit Ammonitern. Tobija, der Ammoniter, war doppelt mit judäischen Geschlechtern verschwägert. Er hatte eine Tochter aus der adligen Familie Arach geheiratet, und ein angesehener Mann in dieser Zeit, Meschullam, Sohn Berachjas, hat seine Tochter Tobijas Sohn zur [109] Frau gegeben115. Mischehen mit Ammonitern und Moabitern waren aber bis zum zehnten Geschlechte ausdrücklich vom Gesetze verpönt116. Die Vertreter des judäischen Gemeinwesens, der Hohepriester und andere, da sie doch nicht geradezu das Gesetz haben übertreten wollen, müssen also ihr Gewissen durch irgendwelche milde Auslegung desselben beschwichtigt haben. Bedenklich war aber noch ein anderer Umstand. Infolge der Mischehen lernten die daraus geborenen Kinder von den fremden Müttern deren Sprache und verlernten das Hebräische117, welches in dem neuen Gemeinwesen als heilige Sprache galt, weil das hochverehrte Gesetz in dieser Sprache abgefaßt ist und die Propheten sich ihrer bedient hatten. Die Mundart der Nachbarvölker war eine getrübte Mischsprache, aus aramäischen und anderweitigen, auch chuthäischen Elementen zusammengesetzt, die hebräische Sprache dagegen, obwohl auch sie aus dem babylonischen Exil und der Umgebung fremde Bestandteile entlehnt hatte, hatte doch ihr ursprüngliches Gepräge bewahrt und sich nur durch Aufnahme fremder Elemente erweitert und bereichert. Die Vertreter des Gemeinwesens hatten also die Sprachreinheit preisgegeben, um den Frieden mit ihrer Umgebung zu erhalten. Allein so gefügig waren nicht alle. Ein Bruchteil der edelsten Geschlechter hatte sich rein von dieser Vermischung erhalten und beklagte diese als Gesetzesübertretung und Trübung des judäischen Wesens durch die Verschmelzung mit wildfremden Elementen. Ganz besonders scheint sich die Klasse der Sänger, die Pfleger und Erhalter der hebräischen Sprache und des alten, hochverehrten Schrifttums, von Mischehen ferngehalten zu haben118. [110] Sie mögen ihre Stimme gegen diese allzugroße Nachgiebigkeit und Schmiegsamkeit, gegen die Verschmelzung mit den Fremden erhoben haben; allein da sie in der Minderzahl waren, drangen sie mit ihrer strengen Ansicht nicht durch. Als aber eine tonangebende Autorität aus dem Exilslande in Jerusalem eintraf, erhob diese Minderzahl ihre Stimme lauter gegen das Geschehene und bewirkte eine so durchgreifende Reaktion, daß daraus unangenehme Verwickelungen entstehen mußten.


Fußnoten

1 Ez. Apoc. 5, 6 ist angegeben, daß sie im 2. Jahre im Nissan hinaufgezogen sind. Dies kann sich nur auf die ersten Rückkehrenden beziehen unter Cyrus. Das. V. 2 steht zwar der Name Darius; er wird aber allgemein als eine Korruptel statt Cyrus angesehen. Vergl. Bertheau, Commentar zu Esra 1, 11. Das zweite Jahr des Cyrus ist = 537, folglich dauerte die Verbannung, von 586 an gerechnet, 49 Jahre, 7 Sabbatjahre. So gibt auch das Seder Olam Rabba Kapitel 28 zur Erklärung von Daniel 9, 25 an und bezieht die םיעבש העבש auf den Aufenthalt in Babel: ולא העבש םיעבש הלוגב ושעש. Im folgenden Kapitel berechnet indes das Buch die Exilszeit auf 52 Jahre.


2 Die Erzählung vom freudigen Auszug und der Begleitung von 1000 Reitern hat nur Ez. Apoc. das. V. 2-3. Diese Relation wird von den Kritikern als echthistorisch angesehen, die im hebräischen Text ausgefallen sein muß. Bestätigt wird die Tatsache von der Truppenbegleitung durch die Erzählung von Esra 8, 22, daß er sich gescheut habe, םישרפו לח, also Schutztruppen von Artaxerxes zu verlangen. Sie würden ihm also bewilligt worden sein. Daß beim Auszuge aus Babel Danklieder gesungen wurden, folgt aus Psalm 107, welcher an der Spitze den oft in den nachexili schen Psalmen wiederkehrenden Vers hat: יכ 'הל ודוה וגו' בוט. Der folgende Vers 'וגו 'ה ילואג ורמאי muß perfektisch und erzählend genommen werden, wie das. V. 8, 15, 21, 31, nicht als Wunsch; vielleicht muß man gar lesen 'ה ילאג ורמא. Dieser Psalm wird von den meisten Auslegern als nachexilisch angesehen. Schon die syrische Überschrift dazu hat diese Zeitlage des Psalms erkannt: קסאו אתקיבש ןמ איידויל אהלא ןונא שנכ ליבב ןמ ןונא


3 Jesaia 55, 12 u.a. St.


4 Nach dem Verzeichnis in Esra und Nehemia. Nach Ez. Apoc. 5, 42 hatten sie 7036 Rosse, gewiß zu viel statt 700.


5 Die 2. Auswanderung unter Esra brauchte für die Reise beinahe 5 Monate (Esra 7, 8; 8, 31). Da diese indes keine Truppenbegleitung hatte)o. S. 72, daher sichere und ungefährdete Wege aufsuchen und ohne Zweifel Umwege machen mußte, so dauerte ihre Reise länger, als die der ersten Auswanderung.


6 Psalm 107, 7.


7 Vergl. Nehemia 2, 3.


8 Da die ונואו דידח ד'ל ינב ihr ehemaliges Territorium wieder besetzt haben (vergl. weiter), so folgt daraus, daß die Samaritaner, welche es bis dahin besessen haben mußten, gezwungen wurden, es den Zurückkehrenden einzuräumen. Dadurch ist es erklärlich, daß die Gegend von Lydda stets ein Zankapfel zwischen Judäern und Samaritanern blieb. Demetrius Soter bestätigte den ersteren die Grenzbezirke, welche sie den Samaritanern abgenommen und ihrem Lande einverleibt hatten (Makkabäer I, 11, 34): ἑστἠκαμεν.. αὐτοῖς τά τε ὅρια τῆς Ἰουδαίας καὶ τοὺς τρεῖς νόμους Ἀφαίρεμα καὶ Λύδδαν καὶ Ῥαμαϑέμ (Ῥαμαϑείν). Die Lokalität Rammathem ist wohl identisch mit Arimathia unweit Diospolis – Lydda, nach Angabe von Eusebius und Hieronymus. Aphairema oder Apherema ist wohl identisch mit םירפע in der Talebene (העקבב), nach Menachot IX, 1, d.h. in der Schephela. Es hat also nicht in dem Gebirge bei Bethel gelegen, wie die Geographen annehmen. Dieses Territorium hatte also während der Makkabäerkämpfe zu Samaria gehört. Josephus erzählt, die Samaritaner hätten unter Onias II., also vor der Makkabäerzeit, ein gewisses Gebiet den Judäern gewaltsam entrissen (Alterthümer XII, 4, 1): τὴν.. χώραν αὐτῶν τεμόντες. Das bezieht sich ohne Zweifel auf das Grenzgebiet Lydda.


9 Nach Ez. Apoc. 4, 50 hat Darius befohlen, daß die Idumäer die Dörfer, deren sie sich bemächtigt hätten, den Juden herausgeben sollten: ἵνα οἱ Ἰδουμαῖοι ἀφιῶσι τὰς κώμας, ᾃς διακρατοῠσι τῶν Ἰουδαίων. Vergl. Herodot III, 4-5; unter den dort genannten Arabern können nur Idumäer verstanden werden.


10 Daß die persischen Könige den Pechas von Abar-Nahara und von Syrien bezüglich der Judäer schriftliche Weisungen erteilten, folgt aus Esra 8, 36; Nehemia 2, 7.


11 Vergl. Verzeichnis. Statt רבג in Esra muß nach Nehemia ןועבג gelesen werden. Hebron ist wahrscheinlich ausgefallen, denn es ist undenkbar, daß die ehemaligen Bewohner es nicht wieder besetzt haben sollten; im Städteverzeichnis Nehemia 11, 25 ist es genannt. Es fehlen überhaupt Ortsnamen, so רוצ תיב zwischen Jerusalem und Hebron, עוקת ,םרכה תיב, welche anderweitig genannt werden. Diese Städte gehörten noch vor Nehemias Ankunft zu Judäa.


12 Esra 2, 79 םיררשמהו םעה ןמו םיולהו םינהכה יבשיו םהירעב לארשי לכו םהירעב םיניתנהו םירעשהו ist unverständlich. Die Parallelstelle Nehemia 7,73 gibt auch keinen besseren Sinn, obwohl sie eine richtigere Ordnung einhält םיניתנהו םעה ןמו םיררשמהו םירעשהו םיולה 'וגו. Die richtige L.-A. ist Ez. Apoc. erhalten (8,45): καὶ κατῳκίσϑƞσαν οἱ ἱερεῖς καὶ οἱ Λευῖται καὶ οἱ ἐκ τοῠ λαοῠ (αὐτοῠ) ἐν Ἱερουσαλὴμ καὶ τῇ χώρᾳ d. h םלשוריב םעה ןמו םינהכה ובשיו .... Ahroniden, Leviten aller drei Klassen, ferner Nethinim und ein Teil des Volkes setzten sich in Jerusalem fest, das übrige Israel in seinen ehemaligen Städten. Denn unmöglich können sich Nethinim in ihren Städten angesiedelt haben, da sie keine hatten und auf Jerusalem angewiesen waren, und ebenso wenig die Ahroniden und Leviten. Statt לארשי לכו würde es bei einem besseren Stilisten, als der Chronist war, gelautet haben ראשו לארשי.


13 Folgt aus Psalm 107, vergl. o. S. 72 und Monatsschrift, Jahrg. 1869 S. 244 f.


14 Vergl. o. S. 60.


15 Vergl. Monatsschrift, Jahrg. 1875 S. 6 f.


16 Vergl. o. S. 63.


17 Traktat Middoth III. 3.


18 Vergl. Frankel-Graetz, Monatsschrift, Jahrg. 1875 S. 3 f.


19 Esra 3, 1-6.


20 Das. V. 7. Das שרוכ ןוישרכ bezieht sich auf das Fällen der Zedern im Libanon.


21 V. 8, 11-13. Gewiß sind damals Psalmen gesungen worden. Es läßt sich aber nicht mit Bestimmtheit angeben, welche von den vorhandenen Psalmen dabei in Anwendung gekommen sind. Zunächst scheint Psalm 105 gesungen worden zu sein, weil Chronik I, 16, 7 f. erzählt, daß ein Teil dieses Ps. unter David beim Einrichten des Zeltes für die Bundeslade gesungen worden sei. Es ist wohl eine Verwechselung der Zeiten. Das. ist auch angegeben, V. 23 f., daß auch ein Teil der zusammengehörigen Psalmengruppe 95-99 gesungen wurde. Auch diese würde auf die Grundsteinlegung des Tempels passen. Die Zusammengehörigkeit dieser Partie springt in die Augen, wenn man Psalm 95 als Einleitung betrachtet und die 4 folgenden Psalmen als Strophen, von denen 1-3 mit שדח ריש 'הל וריש und 2-4 mit ךלמ 'ה beginnen.


22 Esra 3, 8b–9. Der lange Vers 8 ist mit Recht in Ez. Apoc. in drei zerlegt, denn zum Verbum לחה im hebr. Text fehlt das Hauptverbum דוסיל, das im Griechischen mit Objekt und Zeitumstand enthalten ist. Aus Chaggaï 1, 15 18 und Zacharia 7, 9 folgt übrigens, daß im zweiten und folgenden Jahre des Darius der Grundbau noch nicht vollendet war.


23 Könige II, 17, 29-31.


24 Band II. 1. Hälfte. S. 289.


25 Esra 4, 1. Es kann kein Zweifel obwalten, daß hier von den Samaritanern die Rede ist, obwohl ihr Name nicht genannt ist. In dem angeblichen Sendschreiben das. V. 10 sind die Bewohner Samarias als Gegner genannt, ןירמש יד הירקב ומה ביתוהו. Josephus Altert. XI. 2, 1 bezieht die Tatsache mit Recht auf die Samaritaner. Nach Ez. Apoc. (5, 63 f.) schließt sich die Relation in Esra 4, 1 eng an das Vorhergehende an, welches von dem Getöse der Freude bei der Grundlegung des Tempels spricht. Καὶ ἀκούσαντες οἱ ἐχϑροὶ.. ἤλϑοσαν ἐπιγνῶναι: τίς ἡ φωνὴ τῶν σαλπίγγων. καὶ ἐπέγνωσαν, ὅτι οἱ κ. τ. λ. d.h. ואביו .הדוהי ירצ ועמשיו 'וגו םינוב הלוגה ינב יכ ועדיו .העורתה לוק המ תעדל. Dieser Passus ist also im hebr. Texte ausgefallen. Wenn die »Feinde« den Jubel in Jerusalem gehört haben, so müssen sie in nächster Nähe gewohnt haben; es sind also die Samaritaner darunter zu verstehen.


26 Esra 4, 4-5.


27 In dem Esra das. V. 12 f. mitgeteilten Sendschreiben ist diese Anklage vorgebracht. Indes sind die Schreiben unecht oder stammen jedenfalls aus einer späteren Zeit.


28 Herodot III. 4-5; vergl. oben S. 67 Anmerk. 1.


29 Folgt aus Zacharia 1, 15; 2, 2-4. 12.


30 Chaggaï 1, 4.


31 Das. 2, 16-19; 1, 6. 9-11.


32 Zacharia 8, 10.


33 Zacharia 5, 3-4; 8, 17 klagt zunächst über verbreiteten Diebstahl, Meineid und Lieblosigkeit. Indessen wird das. in einem Symbol noch ein anderes Laster gerügt. Dieses Symbol ist aber von den Auslegern vollständig mißverstanden worden. V. 5 ist angegeben, die Engel haben den Propheten ins Freie geführt, und dieser habe ein Maß geschaut. Die darauf folgende Deutung läßt das Symbol nicht verkennen, daß hier von falschem Maße die Rede ist. V. 6. תאז רמאיו ץראה לכב םניע תאז רמאיו תאצויה הפיאה. Das verkannte Wort םנוע [avonam], woraus Ewald ein »Theater« machte, wird in der Peschito durch אבוח und in LXX durch ἀδικία wiedergegeben, d.h. הניע »das ist ihre Sünde im ganzen Lande«. Mit dem Maße sündigen sie am meisten. Dieses Symbol wird noch deutlicher VV. 7-8 erklärt. תאז רמאיו הפיאה ךותב תבשוי השא תאזו העשרה, das Weib, welches im Maße saß, bedeutet die Schlechtigkeit, die Lasterhaftigkeit mit falschem Maß. Statt des unpassenden Wörtchens תאזו haben LXX ἰδού, d.h. הנהו, was besser zur Konstruktion paßt. VV. 9-11 ist angegeben, daß zwei Weiber das Maß nach Babylonien getragen und es dort auf den rechten Platz gestellt. Auch dieses Symbol ist deutlich: das Maß, das falsche Maß, gehört nach Babylonien, dem Krämerlande (vergl. Ezechiel 17, 4 ץרא לאמ ומש םילכר ריעב ןענכ [...samu]), nicht nach Juda; dort ist sein Platz:.התנכמ לע םש החינוהו [...mekhunata]. Dunkel bleibt nur noch das Symbol vom Bleiklumpen, der in das Maß, ja in den Mund des die Schlech tigkeit symbolisierenden Weibes geworfen wurde. Weil falsches Maß in Juda am meisten überhand genommen hatte, verweilte Zacharia am meisten dabei.


34 Zacharia 3, 3: םיאצ םידגב שובל.


35 Psalm 126, diesen Psalm setzen die meisten Ausleger in die unmittelbar nachexilische Zeit. In diese Zeit gehören wohl sämtliche 15 Ps., welche die Überschrift תולעמה ריש haben, und davon »Stufengesänge« genannt werden.


36 Ps. 129. V. 4. קידצ 'ה muß gelesen werden קידצה 'ה (das 'ה absorbiert). V. 6 statt שבי ףלש תמדקש muß gelesen werden שבי ףלשת םדקש [shekedem tishalef...].


37 Ps. 85. Vergl. über die Konstruktion desselben, Graetz, der einheitliche Charakter der Prophetie Joels S. 9 f. Anm.


38 Ez. Ap. Kap. 3-4.


39 Die eingetretene Ruhe ist angedeutet Zach. 1, 11. .תטקשו תבשוי ץראה לכ הנהו


40 Chaggaï 1, 2.


41 Esra 5, 1-2.


42 Vergl. Bd. II. 1. Hälfte. S. 396.


43 Zacharia 2, 8: זלה רענה לא רבד bezieht sich selbst verständlich auf den Propheten. Ewald machte aber daraus einen »jungen Engel«.


44 Zacharia bediente sich der assyrisch-babylonischen Monate 1, 7; 7, 1 und der sieben Engel entsprechend den sieben Amschaschpands der eranischen Religions-Anschauung, 4, 10. Vergl. Note 14.


45 Chaggaï 1, 1 f.


46 Das. V. 15 bezieht sich das Datum auf das Vorangehende, daß sie bereits am 24. des 6. Monats, 23 Tage, nachdem Chag. gesprochen, an die Arbeit gingen.


47 Das. 2, 1-9.


48 Zacharia 1, 1-6.


49 Chaggaï 2, 10-19. Aus den Worten Vers 15 םויה ןמ הלעמו הזה und Vers 18 דסי רשא םויה ןמל... הזה םויה ןמ 'ה תיב geht hervor, daß erst an diesem Tage, am 24. des 9. Monats, der Grundbau fortgesetzt wurde. Vers 1, 14b spricht lediglich von הכאלמ, d.h. von Vorbereitungen zum Grundbau.


50 Chaggaï 2, 20-23.


51 Jeremia 23, 5; 33, 15.


52 Chaggaï 2, 14.


53 Zacharia 4, 10.


54 Vgl. Bd. II. 1. Hälfte. S. 348.


55 Über die Bedeutung des Ausdruckes Zacharia 3, 7b: הלאה םידמעה ןיב םיכלהמ ךל יתתנו, vergl. Monatsschr. Jahrg. 1869, S. 293. – V. 3, 2 muß man mit der syrischen Version lesen 'ה ךאלמ רמאיו statt 'ה.


56 S. o. S. 81 f., Anmerk. 4.


57 Die aufeinanderfolgenden Gesichte Zacharia 1, 8-6, 8. Über 4, 2 f. vergl. Monatsschr. Jahrg. 1869, S. 294 Anmerk. – In der Schilderung der vier Wagen mit Rossen, als Symbole der vier Winde 6, 1-8 muß in Vers 7 hinter ואצי םיצמאהו eine Lücke angenommen werden, und zwar םדק ץרא לא. Die Rosse sind bestimmt für alle Weltgegenden 'ה חור תא חינהל, dahin Gottes Geist zu tragen, vorzüglich aber nach Babylonien, daher werden in V. 6 die schwarzen Rosse, welche nach Norden ziehen, zuerst genannt. V. 8 תא וחינה ןופצ ץראב יחור bedeutet, daß dort in Babel die Wirkung des göttlichen Geistes bereits von Erfolg begleitet sei.


58 Zacharia 6, 9-15 bildet augenscheinlich ein selbständiges Stück, das mit dem vorigen nicht zusammenhängt. Es kommt darin keine Vision vor und auch nicht der יב רבדה ךאלמ. Auch die Eingangsformel V. 9: רמאל ילא 'ה רבד יהיו sticht gegen die Redeform in den voraufgehenden Stücken ab. Von diesem Eingang scheint das Datum dieser Rede zu fehlen, nämlich die Zeit zwischen dem Cnde des 2. und dem des 4. J. des Darius. – Nach Jerusalem gekommen waren nicht sämtliche 4 aufgezählten Männer, sondern lediglich einer, nämlich Josiab. Zeph., V. 10 ןב הישאי תיב תאבו לבבמ ואב רשא הינפצ, haben LXX und Peschito den Sing. Erstere: τοῠ ἥκοντος ἐκ Βαβυλῶνος, die andere: לבב ןמ אתאד. Die drei zuerst genannten haben Silber und Gold gesendet und der vierte Jos. hat es nach Jerusalem gebracht; demgemäß muß auch V. 14 berichtigt werden, der in seiner gegenwärtigen Fassung unverständlich ist: היעדילו היבוטלו םלחל היהת תרטעהו 'ה לכיהב ןורכזל הינפצ ןב ןחלו. Teilt man diesen Vers ab und ergänzt ihn, so erhält er einen guten Sinn: תרטעהו 'ה לכיהב ןורכזל הינפצ ןב [הישאילו] ןחל... םלחל היהת. Der Ausdruck ןורכז will viel mehr sagen als ןח: der Name dessen soll zum Andenken eingeschrieben werden; vergl. Nehemia 2, 20b.


59 Das. Vers 11 תורטע kann nach Vers 14 nur eine einzige Krone bedeuten, welche lediglich dem Hohenpriester Josua aufgesetzt werden soll; vergl. Monatsschrift das. S. 293, daß der Hohepriester damals zum Regenten designiert wurde, mit Ausschluß des Davidssohnes Serubabel.


60 Zach. 6, 15.

61 Zacharia 7, 1 f. Der Eingang Vers 2: לא תיב חלשיו ךלמ םגרו רצארש ist äußerst dunkel. Zunächst ist die Frage, wohin ist geschickt worden? Nach Bethel? das ist unmöglich, denn diese Stadt hatte in der nachexilischen Zeit keinerlei Bedeutung, auch gab es da keine Propheten und Priester, welche hätten befragt werden können. Dann fragt es sich, woher kam diese Gesandtschaft? Raschi und andere Komment. haben mit richtigem Takt erraten, daß die Sendung von Babylon ausgegangen sein müsse. Dann ist man berechtigt zu lesen לבבמ הלשיו statt לאתיב. Fraglich ist auch: Wer hat gesandt oder was ist in diesem Halbv. Subjekt und was Objekt. Die Peschito setzt die Eigennamen in den Akkusativ. גמ ברו רצארשל... רדשו. Den letzten Namen hat sie statt: םגר, eine Verwechslung aus Jeremia 39, 3: גמבר רצארש. Den Namen ךלמ übersetzt sie wie LXX als »König,« wenn also Scharezer und die übrigen die Gesandten waren, so müssen sie andere gesandt haben, also wohl eine Gemeinde in Babylon.


62 Zacharia 7, 5 f. In Vers 7 scheint ein Verbum zu fehlen, und Vers 8 gehört nicht in den Zusammenhang. – Vers 8, 23 Ende gibt die griechische Version gut wieder: διότι ἀκƞκόαμεν, ὅτι ὁ ϑεὸς μεϑ᾽ ὑμῶν ἐστίν:.םכמע םיהלא ונעמש יכ


63 Es ist sonderbar, wie selbst Kritiker die Echtheit der sog. Urkunde Esra 5, 3 gelten lassen konnten. Soll Darius wirklich eine Strafe gesetzt haben für denjenigen, der seinen Befehl bezüglich des Tempels ändern würde (V. 6, 11)? Oder soll er einen Fluch über denjenigen ausgesprochen haben, der sich am Tempel vergreifen würde (V. 6, 12)? Soll Darius Freigebigkeit für den Tempel (das. 8-9) historisch sein? Und aus welchem Beweggrunde? Damit die Priester für das lange Leben des Königs und seiner Söhne opfern und beten mögen (das. V. 10)! Das alles kann nur Tendenzzusatz des Chronisten sein. Außerdem sind noch andere Unzukömmlichkeiten in dieser Partie. Die Urkunde des Cyrus soll in Babel niedergelegt und auch dort gesucht worden sein, sei aber in אתמחא = Ekbatana entdeckt worden (5, 17; 6, 1-2). Hat denn Cyrus wirklich eine Urkunde für den Tempel ausgestellt und zugleich das Maß für denselben bestimmt (nach 6, 3-4)? Außerdem ist in dieser Partie nicht bloß vom Tempel, sondern auch von Mauern die Rede (אנרשא 5, 3. 9). Diese Mauern können sich nur auf die der Stadt beziehen (wie 4, 12 f., wo auch dasselbe Verbum gebraucht wird ןוללכתשי אירוש). Das ist aber ein ganz neues Moment, das gar nicht zum Tempelbau gehört. Noch auffallender zeigt sich die Unechtheit des ganzen Stückes im Schluß, 6, 14: וללכשו אתששחתראו שוירדו שרוכ םעטמ.... Wie konnte Arthachschuischt (Artaxerxes) auf den Tempelbau Einfluß üben? Nur deswegen, weil der Redakteur im folgenden (7, 15 f.) auch von Artaxerxes eine günstige Urkunde für die Judäer ausstellen läßt. Kurz, sämtliche chaldäische Urkunden in Esra sind durchaus unecht. Über die zweite und dritte Urkunde vergleiche weiter. – Von derselben Art ist auch das als Urkunde ausgegebene Schreiben des Darius bei Jos. Altertümer XI, 4, 9. Da die Samaritaner den Judäern immer noch Schaden zugefügt und ganz besonders die von Darius befohlenen Beiträge für den Tempel in Jerusalem nicht geleistet hätten, seien judäische Gesandte, Serubabel, Ananja und Mardochaï mit einer Beschwerde zu Darius gekommen, und dieser habe ein Schreiben an Γαγγανά, Σαμβαβά, an die Befehlshaber der Samaritaner, an Σαρδάκƞς und Βαβἠλων, die Mitknechte in Samaria, erlassen, den Bau des Tempels nicht zu hindern und aus dem königlichen Schatze Geld für Opfer in Jerusalem zu liefern. Diese sogenannte Urkunde kann Josephus nur Ez. Ap. entlehnt haben, wie alles aus der persischen Zeit, das sich in den hebräischen Texten nicht findet. Man sieht daraus, daß Urkunden in diplomatischer Form zu irgendeinem Zwecke gemacht worden sind.


64 Herodot I, 131.


65 Bis tief in die historische Zeit herab waren Menschenopfer im Gebrauche, nicht bloß bei Karthagern (Diodor XX, 14; Plin. hist. natural. 36, 4, 12) und bei den Tyriern noch in Alexanders Zeit (Curtius IV, 3, 15), sondern auch bei den Griechen. Porphyrius erzählt (de abstinentia II, 55) ἔϑυον δὲ καὶ ἐν Χίῳ τῷ ᾽Ωμαδίῳ Διονύσῳ ἄνϑρωπον διασπῶντες καὶ ἐν Τενέδῳ, ὡς φƞσὶν Εὐελπὶς ὁ Καρύστιος. ἐπεὶ καὶ Λακεδαιμονίους, φƞσὶν ὁ Ἀπολλόδωρος, τῷ Ἄρει ϑύειν ἄνϑρωπον. Die Römer haben noch während des zweiten punischen Krieges Menschenopfer gebracht, allerdings in ihrer selbstsüchtigen Weise nicht eigene Volksgenossen, sondern Fremde. Wegen gehäufter Unglücksfälle und zur Sühne des unzüchtigen Vergehens eines Priesters mit einer Vestalin ließen die Dezemvirn auf Grund der befragten sibyllinischen Bücher Fremde opfern (Liv. XXII, 56 zum Jahre 216): inter quae Gallus et Galla, Graecus et Graeca in foro Bovario sub terra vivi dimissi sunt in locum saxo conseptum jam ante hostiis humanis ... imbutum. Livius fügt freilich hinzu minime Romano sacro, allein das kann nur von seiner Zeit gelten. In der früheren Zeit müssen Menschenopfer auch in Rom vorgekommen sein, da die sibyllinischen Bücher oder die priesterlichen Kommentatoren derselben solche Opfer als außerordentliche Sühnemittel vorgeschrieben haben. Auch bei den Ägyptern müssen sie im Gebrauch gewesen sein, da nach Porphyrius' Angabe (a.a.O.) erst der König Amosis, d.h. Amasis, sie abzustellen befohlen hat.

66 Justinus hat eine Nachricht von historischer Wichtigkeit erhalten, (XIX, 1) Legati a Dario, Persarum rege, Carthaginem venerunt, offerentes edictum, quo Poeni humanas bestias immulare et canina vesci prohibeantur, mortuorumque corpora terra potius obruere, quam cremare (nach Kirchmanns Emendation). Diese Relation ist durchaus historisch; denn sie wird von den persischen Sitten und Lehren bestätigt. Daß die Perser den Hunden eine Art religiöser Schonung angedeihen ließen, geht aus dem Vendidad (Fargard XIII) hervor. Auch Herodot erwähnt diese Eigenheit, daß die Magier oder persischen Priester alle Tiere (besonders schädliche) mit eigener Hand zu töten pflegten, mit Ausnahme von Menschen und Hunden (I, 140): πλὴν κυνὸς καὶ ἀνϑρώπου. Die Scheu der Perser, die Toten zu verbrennen, damit das ihnen als göttlich geltende Feuer dadurch nicht verunreinigt werde, ist bekannt.


67 Diese Ermahnung kommt öfter in den Inschriften von Bisitun vor. (I, 8, nach der Übersetzung von H. Rawlinson journal of royal Asiatic society. whoever was a heretic (Arica) I have rooted out entirly. (IV, 5): The man, who may be heteric (Arica) him destroy entirly).


68 Esra 6, 15 f. Ezra Ap. hat statt des 6. Adar den 23.; im hebr. Text ist das Zahlwort 20 wohl ausgefallen.


69 Welcher Ps. bei der Einweihung gesungen wurde, ist nicht angegeben, wahrscheinlich Ps. 24, welcher aus zwei Ps. zusammengesetzt scheint, aus einem exilischen Ps. (o. S. 69) und aus dem Ps., welcher wohl bei der Einweihung des ersten Tempels gesungen worden war (Bd. I. S. 287).


70 Traktat Tamid VII, 3-4.


71 Das. I. 3 vergl. Tr. Menachot p. 88a. יחרזמה רעש הרוצ הריבה ןשוש וילע. Das Tor führte daher den Namen הריבה ןשוש schlechtweg, vergl. Menachot das. und Parallst. Es scheint auch den Namen »Königstor« gehabt zu haben, weil es zum Andenken an Darius, der Susa zur Hauptresidenz gemacht, angebracht war (Chronik I. 9, 18). Bertheau z. St. hat, von Thenius verleitet, diese Stelle falsch aufgefaßt. Unmöglich kann ein König von Jerusalem den Umweg gemacht haben, von seinem Palaste aus durch das Osttor in den Tempel zu gehen. Das Westtor lag ihm näher. In Ezechiels Entwurf wird die Lage der zukünftigen Stadt anders gedacht, daher wird bei ihm das Osttor für den König reserviert.


72 Esra 7, 19 f.


73 Joseph. jüd. Kr. V. 5, 2. Das Maß des Tempelgebäudes (τὸ ἱερόν) bestimmt er (Altert. XV, 11. 3) auf ein Stadium Länge und Breite, d.h. 4 Stadien im Umfange. Das gilt aber vom Herodianischen Tempel, der Serubabelsche dagegen war viel kleiner. Die Angabe in Middot (II. 1), daß der תיבה רה 500 Ellen lang und ebenso breit war, ist lediglich Ezechiel 45, 2 entlehnt.


74 Middot I, 1-2. Da hier die Tore mit Namen genannt werden, so ist an deren Bestehen nicht zu zweifeln. Die Namen sind jedoch rätselhaft, Das Tor סונופק im Westen erinnert an Coponius, und das Tor ידט im Norden klingt ebenfalls ausländisch. Die Tore, von welchen Josephus Altert. XV. 11, 5 spricht, waren innere Tore, welche vom äußeren Vorhof in den Raum ליח führten, deren Namen Abba-Joé b. Chanan Middot II, 6 tradiert. Josephus hat sie aber für Tore der äußeren Umfangmauer ausgegeben (τοῠ περιβόλου) und hat die Ausleger irregeführt.


75 Middot II, 3; Kelim I, 10, Megillat Taanit zum Monat Marcheschwan, wovon auch Makkab. I, 9. 54 spricht: τεῖχος τῆς αὐλῆς ἐσωτέρας.


76 Middot I, 4. Das. I. 1 ist zwar scheinbar angegeben, daß auch hier nur 5 Tore wären; der Sinn ist aber, daß die Leviten nur bei 5 Toren des inneren Vorhofes Wache hielten, nicht bei sämtlichen 7; denn zwei derselben wurden von den Priestern bewacht. Das. II. 6. heißt es, daß 13 Tore zum inneren Vorhofe führten; das gilt aber vom Herodianischen Tempel, worauf sich auch Josephus' Angabe a.a.O. bezieht.


77 Die Maße, welche in Middot II. 5 f. V, 1 angegeben sind, gelten wohl auch für den Serubabelschen Tempel, der innere Raum des Tempels war im Herodianischen Tempel auch nicht größer: 40-20 für den Hechal und 20 für das Allerheiligste. So wird der Serubabelsche auch nicht kleiner gewesen sein. Die Klagen über die Winzigkeit des neuen Tempels (o. S. 78, 88) bezogen sich wohl auf den äußeren Umfang, auf die dürftige Ausstattung und auf die geringere Höhe. Von dieser berichtet Josephus (Altert. XV, 11, 1); allein die Stelle ist nicht recht verständlich. Es ist daselbst angegeben, daß der Salomonische Tempel den Serubabelschen um 60 Ellen überragt haben soll. Dieser war aber nur im Innern 30 Ellen hoch, wie hoch das darauf angebrachte Söllergebäude war, ist nicht bekannt. In dem apokryphischen Esra wird die Höhe des Serubabelschen Tempels auf 60 Ellen angegeben. Das Dimensionsverhältnis desselben ist also dunkel, weil nicht überliefert.


78 Jerus. Traktat Schekalim VI, p. 49c. bab. Joma, p. 53b u.a. St. II. Makkab. 2, 4 f.


79 Trakt. Joma V, 2. Der Ausdruck ץראה ןמ ההובג..ןבא תועבצא 'ג ist sehr dunkel. Bedeutet es, der Stein sei nur 3 Fingerbreite, kaum 3 Zoll hoch gewesen, oder daß der Stein auf einer Unterlage von dieser Höhe geruht hat? Es scheint in dem Passus die größere Zahl des Maßes zu fehlen.


80 Vergl. folgendes Kapitel.


81 Folgt aus Nehemia 7, 4.


82 Die Namen der Tore werden an verschiedenen Stellen in Nehemia aufgeführt; die Lage derselben ist aber schwer zu bestimmen. Die Aufeinanderfolge in Nehemia Kap. 3 gibt nicht immer die Angrenzung an. Das Wassertor war im Osten (13, 37). Das הנשיה רעש (das. 3, 6; 12, 39), welches LXX durch Ἰασαναΐ wiedergeben, ist wohl dasselbe, welches Josephus (j.K. V, 4, 2) Ἐσσƞνῶν πύλƞ nennt; falsch ist daher die Übersetzung: »Essener-Tor.«


83 Genannt werden האמה לדגמ (das. 3, 1, 12, 39); לדגמ אצויה (das. 3, 25, 27, V. 26 ist das Wort von V. 27 dittographiert und in diesem V. ist das Wort לודגה wieder dittographiert von לדגמ); ferner םירונתה לדגמ (3, 11; 12, 38).


84 Esra 10, 9; Nehemia 8, 3; Ez. Apoc. 5, 46.


85 Vergl. im folgenden Kapitel.


86 Herodot berichtet (III, 91), daß die Satrapie, zu welcher ganz Phönizien, das sogenannte Συρίƞ ἡ Παλαιστίνƞ und Cypern gehörten, zusammen 350 Talente Grundsteuer zu zahlen hatten. Unter den palästinensischen Syrern versteht er die Philister (III, 5), aber auch die Judäer (nach II, 104). Steuerfrei waren diese keineswegs, denn nach Herodot war nur ein Teil von Arabien, d.h. Idumäa steuerfrei (III, 91). Was die Steuern betrifft, so werden dreierlei namhaft gemacht: הדמ oder הדנמ, ferner ולב und ךלה. (Esra 4, 13. 20; 6, 8; 7, 24; Nehemia 5, 4 ךלמה תדמ). Unter הדמ ist wohl Grundsteuer von dem Maße des katastrierten Ackers zu verstehen. Die zwei anderen Benennungen sind dunkel. – Den wievielten Teil Judäa zu der Gesamtsumme von 350 Tal. hat leisten müssen, läßt sich aus der Summe schließen, die es an die Ptolemäer jährlich zu zahlen hatte, nämlich 20 Tal. (Josephus Altert. XII, 4, 1) d.h. das Verhältnis von 20 zu 350 = 2 zu 35). Die mazedonischen Herren haben ohne Zweifel die von ihren persischen Vorgängern taxierte Grundsteuer unverändert bestehen gelassen.


87 Folgt aus Nehemia 3, 15. 18. Die Leistung wird החפה םחל genannt; vergl. Maleachi 1, 8.


88 Verzeichnis in Esra und Nehemia. Der Stammvater der רוחשפ ינב wird Nehemia 11, 12 und Chronik I. 9, 12 genannt היכלמ ןב רוחשפ, dieser ist identisch mit dem Jeremia 38, 1 aufgeführten. Die רמא ינב stammten von רמא ןב רוחשפ Jeremia 20, 1, der diesen Propheten in den Kerker brachte. םירח wird an anderen Stellen unter dem Namen םוחר aufgeführt.

89 S. Note 11.


90 Folgt aus Chronik I. 24, 8.


91 Verzeichnis der Rückkehrenden.


92 Nehemia 3, 26; 11, 21. אחיצ und אפשיג das. sind wohl identisch mit den אחיצ ינב und אפושח ינב im Verzeichnis.


93 Folgt daraus, daß sie nach Neh. 3, 26 einen Teil der Mauer aus ihren Mitteln gebaut hatten.


94 Verzeichnis der Rückkehrenden.


95 Im Verzeichnis der Rückkehrenden werden etwa 20 oder 21 Geschlechter aufgezählt. Es ist aber, wie allgemein anerkannt wird, lückenhaft. Ezra Apoc. hat drei mehr, nämlich Χορβέ, wahrscheinlich בכר, die Familie der Rechabiten, welche Neh. 3, 14 vorkommt, ferner Ἀζαρός = רוזע Neh. 10, 18, endlich Ἀρώμ = םוחר oder םירה, auch Esra 10, 31; Neh. 3, 11; 10, 26. Außerdem gab es noch eine Familie לאבזשמ und הנעב (Neh. 3, 4; 10, 22, 29). Die erstere scheint (nach 11, 24) eine judäische Familie von Serach gewesen zu sein: ןב חרז ינבמ לאבזשמ ןב היחתפו םעל רבד לכל ךלמה [תחפ] דיל הדוהי. Es gab ein Geschlecht שחלה (Neh. 3, 12; 10, 25), eine Familie לכ ןב הזח (das. 3, 15; 11, 5). Noch andere Namen in dem Verzeichnis Neh. Kap. 3 und 10 waren wahrscheinlich Geschlechtsnamen. – Außerdem werden noch in Chronik (I. 8, 14-27) fünf benjaminitische Familien genannt, welche in der nachexilischen Zeit ihre Wohnsitze verlassen und sich in Jerusalem niedergelassen hatten (vergl. Bertheau z. St.), nämlich die ינב לעפלא ינב ,העירב ינב ,יעמש ינב ,קשש und םחורי ינב. Von den letzteren wird (das. 9, 8) םחורי ןב הינב genannt.


96 Trakt. Taanit babli p. 12a; lat. p. 68b u.a. St., wo ein nach der Zerstörung des zweiten Tempels lebender Tannaite tradiert: ןימינב-ןב האנס ינבמ ינא.


97 Neh. 12, 47.


98 Vergl. Monatsschrift, Jahrg. 1869, S. 290 f.


99 Ps. 122. Man setzt allgemein diesen Psalm in die nachexilische Zeit. Er darf aber nicht zu tief in die Zeit herabgesetzt werden, weil Vers 1 noch die frische Erinnerung an die Freude über die Vollendung des Tempels andeutet.


100 Vergl. Ps. 133 und den wiederholten Schluß in zwei aus der ersten Zeit der Rückkehr stammenden Stufenpsalmen: לארשי לע םולש 125 und 128.


101 Ps. 132 stammt unstreitig aus der nachexilischen Zeit und ist nur durch die Lage, daß Davids Haus abdanken sollte, erklärlich. Vers 17: יחשמל רנ ist gleich רינ Könige I. 11, 36.

102 Ps. 89, vergl. Monatsschr., Jahrg. 1869, S. 296 f.


103 Die Nachricht findet sich nur in dem erst spät abgefaßten Seder Olam Zutta, daß Serubabel nach Babylonien zurückgekehrt sei, indes mag der Verf. eine ältere Quelle dafür vor sich gehabt haben. Die Tatsache läßt sich auch daraus bestätigen, daß Serubabels Enkel שוטח (nach Chronik I, 3, 22) mit Esra aus Babylon nach Judäa zurückgekehrt ist, Esra 8, 2. Die Nachkommen Serubabels von seinem zweiten Sohn Chananja sind Chr. a.a.O. aufgeführt 1. היננח, 2. הינכש, 3. היעמש, 4. הירענ, 5. ינעוילא und 6. sieben Söhne des Eljoenaj. Diese sechs Generationen sind parallel den fünf Nachkommen Jesuas 1. םוקיוי, 2. בישילא, 3. עדיוי, 4. ןנחוי und 5. עודי.


104 S. Note 15.


105 Aus Maleachi 1, 8 scheint hervorzugehen, daß die Pechah bis zur Zeit Nehemias Fremde waren, auch aus Esra 8, 56 und Neh. 5, 15.


106 Nehemia 3, 7 רהנה רבע תחפ אסכל geben LXX durch ἕως ϑρόνου wieder, d.h. אסכל דע. Es muß also ein Gebäude an der Mauer Jerusalems gewesen sein, wo der Pechah auf einem Throne Sitzungen zu halten pflegte. Übrigens ist wohl die Annahme nicht richtig, daß der Pechah von ארהנ רבע über die Länder westlich vom Euphrat gesetzt gewesen sei. Sie beruht darauf, daß unter ארהנ der Euphrat zu verstehen sei, und stützt sich auf die konstante Übersetzung von Ezra Apoc. Φοινίκƞ καὶ κοίλƞ Συρία. Allein aus der Bezeichnung Esra 4, 10. 17 הרהנ רבע ראשו ןירמש folgt, daß darunter lediglich das Land diesseits des Jordans zu verstehen ist, also etwa Galiläa, Samaria, Judäa und die Annexe.


107 Esra 4, 6. In den folgenden VV. herrscht eine Konfusion. Angegeben ist, daß z.Z. unter Artaxerxes לאבט תדרתמ םלשב Anklagen geschrieben hätten. Im folgenden werden aber nur ישמשו םעטלעב םוחר, also ganz andere Namen, genannt. Um die Konfusion auszugleichen, hat Ezra Apoc. sämtliche Namen zusammengezogen. Es scheint aber, daß die Namen in V. 7 zu V. 6 gehören, und es müßte etwa gelesen werden: לאבט תדרתמ םלשב..הנטש ובתכ..שורושחא תוכלמבו und dann ישמשו םעט לעב םוחר יבתכ אתששחתרא ימיבוא ימיבו ארפס. Übrigens dokumentiert sich V. 6 noch als historisch, dagegen ist das Folgende apokryph.


108 Neh. 5, 15. Übrigens muß das. statt רחא nach Vulgata »quotidie« gelesen werden דחא םויל, wie das. V. 18. Die Pechah ließen sich täglich für Brot und Wein 40 Sekel zahlen, das wäre allerdings nicht viel, etwa 100 Mark. Vielleicht fehlt das Wort האמ vor םיעברא.


109 Vergl. Bd. I, S. 92.

110 Aus Neh. 2, 20 folgt, daß die Nachbarvölker Anteil an Jerusalem und dem Tempel zu haben wünschten. Vergl. weiter unten.


111 Esra 9, 1-2; 10, 2. 18 f. V. 18 bis 44 sind mehr als 100 Namen aufgeführt, von Ahroniden, Leviten, Sängern, Torwärtern und vornehmen Judäern, welche Frauen aus den Familien der Nachbarvölker heimgeführt hatten. Es ist von allen Historikern übersehen worden, daß, da der Hohepriester und die Leviten usw., also die geistlichen Spitzen, solche Mischehen eingegangen sind, sie dieselben für erlaubt, selbst nach dem Gesetze der Thora erlaubt gehalten haben müssen. Sie haben also die תוצראה ימע, wie sie Esra und Nehemia nannten, nicht als Götzendiener, sondern als םירג, Proselyten, betrachtet und haben damit das als gesetzlich sanktioniert, was später als selbstverständlich galt (Mischnah Kidduschin IV, 1): ויל הזב הז אבל ןירתומ ירורחו יריג ילארשיו, daß Ehen mit Proselyten gestattet sind. Daß Ahroniden später davon ausgeschlossen wurden, leitet der Talmud das. p. 70 aus Mangel an einer Gesetzesstelle von den Vorgängen unter Nehemia ab; allein Nehemia und Esra haben Mischehen mit Proselyten überhaupt für verpönt gehalten, und das war eben die Differenz der Ansichten. Diese waren eben Rigoristen. Dagegen haben die Autoritäten in Jerusalem kein Bedenken gegen solche Mischehen gehabt. Nur dadurch sind die Konflikte, welche unter Esra und Nehemia ausbrachen, begreiflich. Esra 9, 1 hat der gr. Vertent Ez. Apoc. und nach ihm Ewald mißverstanden. ist die richtige L.-A. Das ירמאהו... ינענכל םהיתבעיתכ will die Ähnlichkeit der Vorgänge angeben. So wie die Israeliten in der ersten Zeit sich durch Mischehen mit Kanaanitern usw. verunreinigt haben, so jetzt die neue Generation mit andern Völkern; aber der Fall war nur ähnlich, aber nicht gleich, weil die letzteren nicht Götzendiener waren. Esra 9, 14 תובעתה ימעב ןתחתהל würde zwar darauf führen, daß sie doch dem Götzentum anhingen, allein die Versionen hatten die L.-A. תוצראה ימעב, wie das. V. 11.


112 S. Monatsschrift, Jahrg. 1875, S. 49f.


113 Neh. 2, 29; 4, 1 u.a. St.


114 Daß es Sanballat ernst mit dem Bekenntnis war, folgt aus Josephus' Relation (Alterth. XI, 18, 2 u.f.), daß er für seinen Schwiegersohn Manasse einen Tempel für den Gott Israels auf dem Berge Gerisim erbaute. Von diesem Gesichtspunkte aus sind die Angaben über ihn in Neh. 2, 10. 19 u.a. St. zu beurteilen. Sie sind parteiisch; auch Sanballat war ein Proselyte רג und es verdroß ihn, ausgestoßen zu werden. Daß er zu den Samaritanern gehörte, folgt aus Neh. 3, 34.


115 Neh. 6, 18.

116 Deuteronomium 23, 4. Auf dieses Verbot beruft sich Esra 9, 13 und Neh. 13, 1-2. Die Übertretung dieses Gesetzes hat also am meisten Anstoß erregt. Daher wird besonders angeführt, daß auch mit Moabitern und Ammonitern Ehen eingegangen worden sind, das. 13, 23.


117 Neh. 13, 24. Die aschdoditische Sprache braucht durchaus nicht, nach Hitzigs Phantasie, indogermanisch gewesen zu sein; sie scheint vielmehr ganz besonders barbarisch gewesen zu sein, nach Zacharia 9, 6 und Deuteron. 23, 3 (רזממ); darum wird sie in Neh., weil sie besonders entartet war, besonders genannt.


118 Esra 10, 24 wird von der Sängerklasse nur ein einziger (nach Ezra Apoc. zwei) aufgeführt, der eine Mischehe eingegangen, während von sämtlichen 4 Ahronidenklassen, ferner von den Leviten katexochen, d.h. den Liturgisten, und den Torwärtern mehrere aufgezählt werden. Die Klasse der םיררשמ hat sich also von den Mischehen fern gehalten. Esra 9, 1 wird erzählt, daß sofort nach Esras Ankunft sich »die Fürsten«, םירשה, über die eingerissenen Mischehen beklagt haben. Wer waren diese םירשה, und noch dazu mit dem bestimmten Artikel? Man könnte daher geneigt sein, dafür zu lesen םיררשמה, die »Sänger« haben bei Esra darüber Klage geführt.



Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig [1902], Band 2.2, S. 112.
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