12. Kapitel. Agrippa I. Herodes II. 37-49.

[317] Agrippas Charakter, Lebensgang und Stellung. Neid der griechischen Alexandriner gegen die Judäer. Judenfeindliche Literatur. Der Judenfeind Apion. Aufstand der Griechen in Alexandrien gegen die Judäer. Der Statthalter Flaccus. Streit um die Gleichstellung der Judäer in Alexandrien. Drittes Makkabäerbuch. Judäische Gesandtschaft, Philo. Caligulas Benehmen gegen die judäische Gesandtschaft. Caligulas Befehl, sein Bildnis im Tempel aufzustellen. Caligulas Tod befreit die Judäer von ihrer Not. Agrippas Machtstellung unter Claudius. Seine Regierung. Gamaliel der ältere und seine Verordnungen. Die Literatur. Agrippas Tod. Die Landpfleger. Herodes II. Der falsche Messias Theudas. Tiberius Alexander. Herodes II. Tod.


Als der römische Kaiser Tiberius durch Ersticken getötet worden war und der Senat sich einen Augenblick dem süßen Traume hingab, die alte Freiheit wieder zu gewinnen, ahnte Rom nicht, daß ihm in Jerusalem und der kaum noch fertigen christlichen Gemeinde ein Feind geboren worden war, welcher einst sein Wesen zersetzen, seine Götter stürzen, seine Macht brechen und es selbst dem langsamen Hinsiechen und der völligen Auflösung zuführen würde. Ein Gedanke, von einem Sohne des Judentums erfaßt und ans Licht gesetzt, von einer verachteten Menschenklasse großgezogen, sollte Roms Machtfülle und Herrlichkeit in den Staub treten. Der dritte römische Kaiser, Cajus Caligula Germanicus, trug selbst dazu bei, das römische Götterwesen, die Hauptstütze des Römerreiches, der Verachtung preiszugeben. Dem finsteren Menschenhaß war der Wahnsinn und die grausame Feigheit auf dem Thron der Cäsaren gefolgt. Keines der von den Römern unterjochten Völker empfand den Thronwechsel in Rom tiefer als das judäische; jede Veränderung in den höchsten römischen Kreisen wirkte auf Judäa zuweilen günstig, meistenteils ungünstig ein. Die erste Zeit nach Caligulas Regierungsantritt schien für Judäa eine günstige Wendung herbeiführen zu wollen. Caligula überhäufte einen der besseren judäischen Prinzen, Agrippa, mit Gunstbezeugungen, welche die Aussicht auf einige Erleichterung des römischen Druckes erhoffen ließen. Bald aber zeigte es sich, daß diese Gunstbezeugung, [317] dieses Wohlwollen und diese Zutunlichkeit nur flüchtige Launen waren, die von einer anderen, blutgierigen verdrängt wurden und die Judäer im römischen Reiche in Angst und Schrecken versetzten.

Agrippa (geb. um 10 v. Chr., gest. 44 n. Chr.) war der Sohn des von Herodes hingerichteten Aristobul und der Enkel der Hasmonäerin Mariamne; er stammte also von hasmonäischem und idumäischem Blute, und diese beiden feindlichen Elemente seines Wesens machten sich sein Inneres streitig, bis das Edlere den Sieg davontrug. In Rom erzogen und im Umgange mit Tiberius' Sohn Drusus aufgewachsen, entwickelte sich zuerst in Agrippa das herodianische Wesen. Er wurde ein Römerknecht, verschwendete sein Vermögen, um sich die römische Gunst zu erkaufen, und der von seiner Großmutter Mariamne ererbte Edelsinn beförderte nur noch seine Verschwendung. Nachdem er das Vermögen seiner Mutter Berenice, Tochter der Salome, vergeudet hatte, stürzte er sich in Schulden. Als er nach dem Tode seines Freundes Drusus (23 nach Chr.) Rom verlassen mußte und nach Judäa zurückgekehrt war, geriet er in solche Not, daß er in einem Winkel von Idumäa leben mußte, er, der gewöhnt war, auf großem Fuße zu leben und mit Cäsarensöhnen umzugehen. In dieser Not trug er sich mit dem Gedanken des Selbstmordes. Allein seine hochherzige Gattin Kypros, eine Enkelin von Herodes' edlerem Bruder Phasael, verwendete sich für ihn, um ihn der Verzweiflung zu entreißen, bei seiner Halbschwester Herodias, Fürstin von Galiläa, die, obwohl ihrem Bruder nicht freundlich gesinnt, ihren Gemahl Antipas bewog, aus Familienrücksichten ihm den Lebensunterhalt zu gewähren. So wurde Agrippa Marktaufseher von Tiberias. Als ihm aber einst Antipas die Abhängigkeit von ihm vorhielt, verließ ihn Agrippa und schmarotzte bei dem syrischen Statthalter Flaccus. So weit war es mit den Herodianern gekommen, daß sie fast um Brot betteln mußten. Aber sie verdienten dieses Los wegen ihrer Entartung, die so weit ging, daß jedes Gefühl von Blutsverwandtschaft in ihren Herzen erstorben war. – Aus der zweideutigen Stellung eines Freundes des syrischen Statthalters wurde Agrippa ebenfalls verdrängt, und zwar durch seinen eigenen Bruder Aristobul, der ihm die Gunst des Römers mißgönnte. Von den Seinigen verlassen und angefeindet, wollte Agrippa sein Glück wieder in Rom suchen; aber nur mit Not entging er dem Schuldturm, in welchen ihn der Verwalter der kaiserlichen Güter in Jamnia werfen lassen wollte, weil er dem kaiserlichen Schatze dreihunderttausend Drachmen schuldete. Der reichste und angesehenste Judäer der alexandrinischen Gemeinde, der Arabarch Alexander Lysimachos, zu dem er Zuflucht genommen, versah ihn hierauf mit den nötigen Mitteln zur Reise. Dieser, einer [318] der edelsten Judäer seiner Zeit, war Verwalter der Güter der jüngeren Antonia, der Tochter des Triumvirn Antonius aus seiner ersten Ehe mit Augustus' Schwester, welche dieser Kaiser ihr aus der Hinterlassenschaft ihres Vaters in Ägypten überlassen hatte1. Der Arabarch muß sich wohl so große Verdienste um die kaiserliche Familie erworben haben, daß er in dieselbe als Wahlsohn aufgenommen wurde; er durfte daher seinem Namen die Namen des Kaiserhauses hinzufügen: Tiberius Julius Alexander, Sohn des Lysimachos2. Er besaß ohne Zweifel die feine griechische Bildung seiner Zeit; denn sein Bruder Philo gehörte zu den geschmackvollsten Kennern derselben. Nichtsdestoweniger hatte der Arabarch Alexander eine tiefe Anhänglichkeit an seine Stammesgenossen und den Tempel. Er ließ sämtliche Türflügel der Pforten des Heiligtums, welche von dem äußersten Vorhof in den Vortempel, den innersten Vorhof, führten, mit Ausnahme des Nikanortors (o. S. 226), mit gediegenem Gold belegen3.

Dieser Alexander wollte Agrippa nicht untergehen lassen, aber mißtrauisch gegen den maßlosen Schuldenmacher, bewog er dessen Gattin, sich für ihn zu verbürgen. In Rom angekommen (Frühjahr 36), begann für Agrippa ein neues Abenteurerleben. Anfangs vom Kaiser Tiberius auf der Insel Capri freundlich empfangen, aus Erinnerung an Agrippas Umgang mit dessen verstorbenem Sohne, fiel er gleich darauf in Ungnade, als der Kaiser erfuhr, welche Summe er dem kaiserlichen Schatz schuldete. Aus dieser neuen Verlegenheit half ihm seine Gönnerin, die jüngere Antonia, des Kaisers Schwägerin (o. S. 314), die für Agrippas Mutter Berenice, die mit ihrem Sohne zu dessen Erziehung in Rom gelebt hatte, ein freundliches Andenken bewahrt hatte. Durch ihre Vermittelung kam der abenteuernde Fürsten-Enkel zu Ehren und wurde der vertraute Freund des Thronfolgers Cajus Caligula. Und als wollte das Glück alle seine Launen an ihm auslassen, wurde Agrippa dem Umgang mit dem künftigen Kaiser entrissen und in den Kerker geworfen, weil er einst, um Caligula zu schmeicheln, den Wunsch geäußert hatte: »Wenn doch Tiberius bald aus dem Leben schiede und einem Würdigeren das Reich überließe«. Einer seiner Sklaven hatte die unbesonnene Äußerung dem Kaiser hinterbracht. Im Kerker blieb Agrippa sechs Monate bis zu Tiberius' Tode (Okt. 36 bis März 37). Mit der Thronbesteigung seines Freundes Caligula ging für Agrippa der Glücksstern auf. Der neue Kaiser befreite ihn aus dem Kerker, schenkte ihm zum Andenken an die seinetwegen erduldeten Leiden eine goldene Kette statt der [319] eisernen, die er hatte tragen müssen, setzte ihm das Diadem auf, womit der Königstitel verbunden war, und überließ ihm Philipps Fürstentum, das an Rom heimgefallen war, und einen Teil der Tetrarchie des Lysanias, das daran grenzte und Abila des Lysanias4 genannt wurde (3 3/5 M. nordöstlich von Damaskus). Der römische Senat verlieh ihm den Titel eines Prätors (37). So anhänglich war ihm der Kaiser Caligula, der anfangs ein guter Regent zu werden versprach, daß er ihn erst nach einem Jahre in sein Königtum reisen ließ und ihm das Versprechen abnahm, bald zu ihm zurückzukehren.

Als Agrippa als König und Günstling des Kaisers in Judäa erschien (um August 38), das er tief verschuldet und bettelarm verlassen hatte, erregte sein Glückswechsel den Neid seiner Schwester Herodias, die von Ehrgeiz verzehrt, ihren Gemahl bestürmte, sich ebenfalls nach Rom zu begeben und sich von dem gunstspendenden jungen Kaiser mindestens ein Königreich zu erbitten. Hier zeigte sich die Lieblosigkeit, von welcher die Herodianer gegeneinander beseelt waren, in ihrer ganzen Blöße. Aus Furcht, Antipas könnte sich ebenfalls in Caligulas Gunst setzen, oder aus Rache wegen der von ihm erlittenen Beschimpfung, verleumdete ihn Agrippa beim Kaiser in einem Schreiben des Inhalts: Antipas gehe mit verräterischen Plänen gegen Rom um; er sei bei der Verschwörung des Sejan gegen Tiberius beteiligt gewesen; er unterhalte eine Verbindung mit den Parthern, den Feinden Roms; er habe so viel Waffen in seiner Hauptstadt angehäuft, daß ein Heer von siebzigtausend Mann damit ausgerüstet werden könnte. Antipas, vom Kaiser in einer Audienz darüber zu Rede gestellt, gestand das Vorhandensein [320] der Waffen ein und wurde sofort zum Verluste seines Fürstentums und zur Verbannung nach Lyon in Frankreich verurteilt (39), wohin ihm seine Gattin mit unerwarteter Treue folgte. Herodes' letzter Sohn Herodes Antipas und seine Enkelin Herodias starben in der Verbannung. Ihre Erbschaft überließ der Kaiser seinem Freunde Agrippa, der durch den Zuwachs der Fürstentümer Galiläa und Peräa (39)5 eine nicht unbeträchtliche Ländermacht besaß.

[321] Die Gunst, welche Caligula dem verarmten Agrippa gewährt hatte, und die, wie man vermuten konnte, auch auf seine Religionsgenossen übergehen würde, erregte den Neid der Heiden und brachte namentlich den längst in der Brust der alexandrinischen Griechen schlummernden, bodenlosen Haß gegen die Judäer zum Ausbruch. Die Judäer hatten zwar im ganzen römischen Reiche heimliche und offene Gegner. Es war eine Mischung von blindem Rassenhaß und von geheimer Angst, daß dieser, wenn auch verachtete, doch so stolze Volksstamm noch einmal zur Herrschaft gelangen werde, und diese Angst beherrschte Römer und Griechen6. Aber nirgends hatte die feindselige Stimmung einen so hohen Grad erreicht wie unter der unruhigen, lasterhaften, dem Müßiggang und der Spottsucht fröhnenden griechischen Bevölkerung Alexandriens. Mit mißgünstigem Auge blickte sie auf die Betriebsamkeit und den Wohlstand ihrer judäischen Nachbarn, die ihr darin den Rang abliefen, und die ihr auch in schöngeistiger und philosophischer Bildung, worauf sie am meisten stolz war, nicht nachstanden. Dieser Haß datierte noch aus der Zeit her, als die ägyptische Königin judäische Feldherren mit den äußeren Angelegenheiten des Landes betraut hatte (S. 84. 139), und wurde durch Bevorzugung der Judäer von seiten der ersten römischen Kaiser vermehrt, weil diese mehr Vertrauen zu den zuverlässigen Judäern als zu den leichtsinnigen Griechen hatten. Schmähsüchtige Schriftsteller hatten diesen Haß genährt und, um die Judäer zu verkleinern, deren Geschichte, auf die sie so stolz waren, boshaft entstellt.

Da Ägypten die Wiege der judäischen Nation war, so zogen solche Schriftsteller angeblich alte ägyptische Schriftdenkmäler an den Tag, welche zum Hauptthema hatten: die Judäer seien einst wegen Aussatzes aus Ägypten vertrieben worden; der Zorn der ägyptischen Götter habe sie getroffen; sie seien lange in der Wüste umhergeirrt, weil sie von den Ägyptern verstoßen worden wären; Mose habe sie Verachtung der [322] Götter und Lieblosigkeit gegen Fremde gelehrt. Die verleumderischen Schriften gegen das judäische Altertum, angeblich von dem ägyptischen Priester Manetho verfaßt (o. S. 35) waren die Quelle, woraus die griechischen Schriftsteller ihre judenfeindlichen Belege schöpften. Je stolzer die Judäer auf ihre Religion waren und sie dem wüsten Götzentum der Heiden ihrerseits mündlich und schriftlich entgegensetzten, um so mehr lag es den griechischen Schriftstellern am Herzen, das Judentum in den Schlamm hinabzuziehen und es tief unter das Heidentum zu setzen. Sie nannten die Judäer gottlos, weil sie keine Bilder verehrten, menschenfeindlich, weil sie nicht mit Heiden an einer Tafel speisen mochten, bald Feiglinge, bald Raufbolde7, je nachdem sie es brauchten. Die Hauptträger dieser feindlichen Literatur waren zwei Alexandriner, ferner ein syrischer Grieche und endlich ein Rhodier, der das Gift, das er gegen die Judäer ausspritzte, von den Lippen des Syrers gesogen hat. Der älteste dieser Schmähsüchtigen, deren lügnerische Fabeln über das judäische Volk Griechen und Römer feindselig gegen die Juden gestimmt haben, und die noch bis auf den heutigen Tag nachklingen, war der stoische Philosoph Posidonius8 aus dem syrischen Apamea (geb. 135 st. 51 v.). Er war Zeuge vom Aufschwunge des judäischen Volkes unter den Hasmonäern Hyrkan I., Alexander I. und der Königin Alexandra und auch Zeuge vom Verfall des syrischen Reiches, welches die Judäer lange in Knechtschaft gehalten hat. Diese Wahrnehmung kränkte Posidonius und erfüllte ihn mit Haß gegen die Judäer. Er erfand daher Lügenmären über ihren Ursprung und ihre Gottesverehrung oder verbreitete solche, welche die Schmeichler des Antiochos Epiphanes erfunden hatten, um die ruchlosen Untaten dieses Königs an dem judäischen Volke und dessen Heiligtum zu beschönigen. In seine Geschichtserzählung nahm Posidonius das Lügengewebe auf von der Vertreibung der Vorfahren des judäischen Volkes wegen eines häßlichen Aussatzes und von Moses Gesetzgebung, welche Haß gegen alle Völker lehre. Auch die ebenso lächerliche wie boshafte Fabel, daß die Judäer im Allerheiligsten des Tempels einen Esel verehrten und jahraus jahrein einen Griechen auffütterten, um ihn aus Haß [323] gegen die Griechen an einem bestimmten Tage abzuschlachten (B. II b 309), hat Posidonius, wenn nicht erfunden, so doch unter Griechen und Römern in Umlauf gesetzt und dadurch alle Welt gegen den judäischen Stamm eingenommen. Er erlebte noch die Zeit, in der Pompejus nach der Eroberung Jerusalems in den Tempel eindrang und von Bewunderung erfüllt war kein Bildnis darin zu finden. Es ist aber nicht bekannt, daß er, der mit Pompejus befreundet war, seine Lügenmärchen widerrufen hätte.

Die lügenhafte Erfindung von der Eselsverehrung und die verleumderische Anschuldigung von dem aufgefütterten Griechen im Tempel zu Jerusalem und von der menschenfeindlichen Gesinnung der Judäer gegen alle Völker und besonders gegen die Griechen nahm der jüngere Zeitgenosse des Posidonius, der mit ihm zusammen auf der Insel Rhodus lebende Redner Apollonius Molo als erwiesene Tatsachen auf und verbreitete sie weiter. Während aber der erstere sie nur nebenher als zur Geschichte der syrisch-macedonischen Könige gehörig vorgebracht hatte, machte sie der letztere in einer Schrift zum Ausgangspunkt einer förmlichen Anklage9 gegen die Judäer und deren Verworfenheit. Molo [324] ging die israelitische Urgeschichte (nach der griechischen Übersetzung) durch, berichtete von der Ausweisung der Israeliten infolge irgend eines Makels und schwärzte Moses, den Gesetzgeber reiner Gesittung, als einen Zauberer und dessen Gesetze als bar jeder Tugendanregung und voller Schlechtigkeit an. Die Lüge von der Eselsverehrung und der Mästung eines Griechen zum Schlachtopfer hat Apollonius Molo selbstverständlich aufgenommen. Er folgerte daraus, daß die Judäer Gottesleugner und Menschenfeinde seien, warf ihnen Feigheit und Tollkühnheit vor und bezeichnete sie als das unbefähigteste Volk unter den Barbaren, das keinerlei Erfindung zum allgemeinen Nutzen gemacht habe. – Von diesen beiden rhodischen Schriftstellern, in deren Umgang er lebte, hat wohl auch Cicero seine unwürdigen Ausfälle gegen den judäischen Stamm und das judäische Gesetz (o. S. 66) entlehnt. Julius Cäsar jedoch, welcher ebenfalls mit Posidonius und Molo verkehrte, hat sich von Vorurteilen gegen die Judäer frei gehalten.

Gierig nahmen alexandrinische Griechen solche Schmähungen auf, übertrieben sie noch und gaben ihnen eine größere Verbreitung und eine für die Judäer ihrer Zeit sehr unangenehme Anwendung. Einer derselben, Namens Chäremon (um 50 vorchr. Z.10, welcher die altägyptische Geschichte aus Sagen zusammengestellt, begnügte sich damit, den Ursprung des judäischen Volkes zu verunglimpfen. Auch er ließ in einer Schrift die Israeliten wegen Unreinheit aus Ägypten ausweisen, unter einem Führer Joseph, einem Schriftkundigen, dessen Zeitgenosse der Priester Mose gewesen sei. Beide seien Ägypter gewesen, der erstere habe den Namen Peteseph geführt und der andere Tisithes geheißen. Ob Chäremon noch andere Lügenmären über die Israeliten geschrieben, ist nicht bekannt. Giftiger als dieser behandelt sein jüngerer Zeitgenosse, der Alexandriner Lysimachos (um 30 vorchr. Z.11), die Judäer. Er nahm nicht bloß in seine Schrift über ägyptische Geschichte die Fabel von der Vertreibung der Israeliten aus Ägypten wegen Aussatzes – und zwar unter dem Könige Bokchoris – auf, sondern [325] fügte auch hinzu, der Gesetzgeber Mose habe ihnen befohlen, daß sie keinem Menschen Gutes erweisen sollten, und geraten, die Tempel und Altäre anderer Völker zu zerstören. Das hätten sie auch rücksichtslos vollstreckt, und davon habe Jerusalem ursprünglich den Namen Hierosyla, Zerstörerin der Heiligtümer, geführt. Die gehässigen Ausfälle des rhodischen Redners Apollonios Molo gegen die Judäer nahm auch Lysimachos auf, daß die Gesetze der Judäer weder gerecht noch wahr, sondern von Lehren des Menschenhasses erfüllt seien.

Diese griechisch schreibenden Schriftsteller waren nicht die einzigen, welche aus Bosheit und Rassenhaß gegen die Judäer deren Vergangenheit, Gesetze und großen Gesetzgeber verunglimpft und geschmäht haben12. Einer von ihnen erfand die Fabel, daß die Israeliten, nachdem sie wegen Aussatzes ausgewiesen worden, lange in der Wüste umhergeirrt und wegen Wassermangels dem Verschmachten nahe gewesen seien, und daß Mose, ihr Führer, ihnen geraten habe, einer Herde wilder Esel nachzufolgen, weil diese wohl wasserreiche Plätze aufsuchten. Sie hätten auch richtig Wasser gefunden und ihren Durst gelöscht. Nach sechstägiger Irrfahrt seien sie dann in das Land gekommen, in dem sie Hauptstadt und Tempel angelegt. Wegen dieser Vorgänge feierten sie den siebenten Tag, an dem sie Ruhe gefunden, und widmeten den Eseln göttliche Verehrung.

Welch eine Anhäufung von Schmähungen gegen das arme judäische Volk, das, weit entfernt, einen Vernichtungskrieg gegen die Nachbarn zu führen, nur auf Selbstverteidigung bedacht war! Nur wenige griechische Schriftsteller enthielten sich, wenn sie von Judäern sprachen, Verleumdungen gegen sie anzubringen. Nur ein einziger ist bekannt geworden, der günstig von ihrem Ursprunge und ihrer Gottesverehrung, und zwei, die nichts Ungünstiges von ihnen geschrieben haben.

Cornelius Alexander aus Milet, Polyhistor genannt, weil er eine große Belesenheit in den Geschichtswerken besaß und allerlei über Geschichte und Länderkunde zusammengetragen hat (um 82-50 vor), hat auch Nachrichten über die alte Geschichte der Israeliten von judäischen Schriftstellern, die ihm bekannt geworden waren, mit aufgenommen13, große Stücke aus Demetrius', Eupolemos' und Artapans sagenhafter [326] Bearbeitung der israelitischen Urzeit in griechischer Sprache, auch eine Reihe von Versen aus dem Drama »der Auszug aus Ägypten« von dem Tragödiendichter Ezechiel und von Theodot über die Bedeutung Sichems. Alexander kannte nicht bloß die Verunglimpfung des Ursprunges der Judäer durch Manetho, sondern auch die des Apollonios Molo und hat von dem ersteren gar nichts und von dem letzteren nur dasjenige ausgezogen, was keine Schmähung enthält. Er war zwar ein geistloser Sammler, aber es gereicht ihm zur Ehre, daß er von der Schmähsucht der Griechen und von dem Rassenhasse seiner Zeitgenossen frei war. Auch Nikolaos von Damaskus (geb. um 64 vor, st. im Beginne der christl. Zeitr.14 hat in seinen Geschichtsbüchern nichts Nachteiliges gegen die Judäer geschrieben. Allerdings war er ein vertrauter Freund des Königs Herodes und hat auf dessen Wunsch die Verteidigung der ionischen Judäer gegen die Feindseligkeit der Griechen vor Marcus Agrippa, der rechten Hand des Kaisers Augustus, geführt und erwirkt, daß sie in ihrem Bürgerrecht und in ihrer Religionsausübung nicht gekürzt werden sollten (o. S. 228). Sein jüngerer Zeitgenosse Strabo (geb. 66 vor, st. 24 nachchr. Z.), der bedeutendste Geograph des Altertums, hat in seinem geographischen, mit geschichtlichen Nachrichten untermischten Werke dem Judentum ein schönes Blatt gewidmet. Wiewohl auch er die Judäer als von Ägyptern abstammend ansah, wiederholte er dennoch nicht die ihm gewiß bekannte Fabel von deren Ausweisung wegen Aussatzes und Unreinheit. Er stellte vielmehr den Auszug so dar, daß Mose mit den von ihm Angeführten das Nilland verlassen habe, weil ihm das ägyptische Wesen und besonders die unwürdige Gottesverehrung zuwider gewesen sei. Bei der Erzählung von Mose hob Strabo mit sichtlicher Billigung die Einheit Gottes gegen die Vielgötterei und die bildlose Verehrung der Gottheit, wie sie Mose gelehrt, gegen den Tierkultus der Agypter und gegen die Verähnlichung der Gottheit mit dem menschlichen Körper bei den Griechen hervor. »Wie vermöchte einer, der Verstand hat, sich erdreisten, irgend ein menschliches Abbild des göttlichen Wesens zu erdichten?« ruft er aus15. Ganz im Gegensatz zu den Verunglimpfungen des Judentums durch Posidonius, Molo, Chäremon, Lysimachos und andere Griechen stellt Strabo diese Lehre als Befördererin der Tugend dar. Sie verheiße Gutes von der Gottheit für diejenigen, die in Tugend und Gerechtigkeit leben16. Strabo erzählt, daß Moses Nachfolger einige Zeit in den von diesem gegebenen Gesetzen in gerechter Handlung und [327] wahrhafter Gottesfurcht geblieben seien. Erst die Späteren, welche Zwangsherrschaft eingeführt hätten, und besonders die Priester hätten eigentümliche Gesetze als Neuerungen eingeführt, wie Enthaltung von gewissen Speisen, Beschneidung und Ähnliches, das er als Aberglauben bezeichnet. Von dem Heiligtum in Jerusalem sprach Strabo mit einer gewissen Hochachtung. Obwohl die Gewalthaber als Abtrünnige von Moses reiner Lehre das Volk mißhandelt hätten, sei doch der Hauptstadt der Judäer eine gewisse Würde geblieben, welche sie nicht als Sitz der Zwangsherrschaft verabscheuten, sondern als Tempel Gottes heilig hielten und verehrten17. Strabo brachte eine geraume Zeit in Alexandrien zu und scheint dort viel mit gebildeten Judäern verkehrt zu haben, auch mit dem Hause des damaligen Arabarchen, von dem er neidlos erzählt, daß er fast wie ein Fürst eines selbständigen judäischen Gemeinwesens angesehen sei, dessen Glieder einen großen Teil von Alexandrien bewohnten18.

Aber gerade diese Selbständigkeit, welche die römischen Kaiser den Judäern in der ägyptischen Hauptstadt eingeräumt hatten, während sie die Griechen in derselben äußerst beschränkt wissen wollten, ärgerte diese in hohem Grade. Der Rassenhaß zwischen Griechen und Judäern hatte daher in Alexandrien die größte Spannung, und diese benutzte ein schamloser Wicht, der sämtliche judenfeindliche Schriftsteller an Frechheit der Verleumdungen gegen die Judäer übertraf. Es war der Ägypter Apion, der in Alexandrien das Bürgerrecht erhalten hatte und mit grimmigem Neide gegen die günstige Stellung der Judäer erfüllt war. Er frischte alle Fabeln seiner Vorgänger wieder auf, überbot sie noch und betörte die Menge mit seiner Zungenfertigkeit und Marktschreierei. Apion war einer jener Charlatane, welche sich nach dem Grundsatze richten: die Welt will betrogen sein, darum soll sie betrogen werden. Als Ausleger der homerischen Gesänge reiste er durch ganz Griechenland und Kleinasien und wußte den Griechen so schmeichelhafte Fabeln aufzubinden, daß sie ihn auf den Händen trugen. Alles wollte er mit eigenen Augen gesehen oder von glaubwürdigen Personen vernommen haben; er wollte sogar Homers Schatten heraufbeschworen haben, der ihm die Offenbarung gebracht, welche Stadt den ältesten Dichter Griechenlands geboren hätte; nur dürfte er das Geheimnis nicht verraten. Dabei war Apion von einer so aufgeblasenen Eitelkeit, daß man ihn die Trompete seines eigenen Ruhmes nannte. Ja, er pries sogar die Alexandriner glücklich, daß sie ihn als Mitbürger besaßen19. Was Wunder, wenn ein solcher Aufschneider und [328] Lügenschmied den Judenhaß der Alexandriner benutzte, um das Lügengewebe über das Altertum und den Charakter des Judentums noch weiter auszuspinnen; je unverschämter, desto wirksamer. Von alten Ägyptern wollte er gehört haben, Mose sei ein Priester von Heliopolis gewesen; die judäische Nation habe keineswegs ein so graues Alter, sondern sei erst zur Zeit der Erbauung Karthagos entstanden. Zum Beweis dafür führte er an, daß die ältesten Geschichtsschreiber nichts von den Judäern zu erzählen wüßten. Die 120 000 Judäer, welche aus Ägypten wegen Aussatzes vertrieben worden seien, hätten an Geschwüren an den Schamteilen gelitten und erst nach sechstägiger beschwerlicher Wanderung durch die Wüste in Judäa Ruhe gefunden. Sie feierten den Sabbat, weil auf ägyptisch diese häßliche Krankheit Sabbathosis genannt werde; so deutete Apion sprachwidrig den Sabbat auf seine Weise. Er stellte die Lügenmären zusammen, die Antiochos Epiphanes oder seine Schmeichler erfunden hatten, um seine Untaten an den Judäern zu beschönigen, die Erfindung von der Verehrung des Esels und der Auffütterung eines zum Schlachten bestimmten Griechen im Tempel. In der Schrift, die er geradezu gegen die Judäer verfaßte, machte er hämische Bemerkungen über die judäischen Männer, die früher in Alexandrien eine hohe Stellung eingenommen hatten, und erinnerte an den Haß der letzten Kleopatra gegen die Judäer. Apion war der erste systematische Judenfeind der Heidenwelt.

Diese aus Neid, Religionshaß und Nationalantipathie zusammengesetzte feindliche Stimmung der Alexandriner gegen die Judäer, wie sie im Mittelalter in der christlichen Welt herrschte, mußte unter Augustus und Tiberius an sich halten, weil die kaiserlichen Statthalter in Ägypten Ruhestörungen und Tätlichkeiten streng niederhielten. Unter Caligula änderte sich das Verhältnis insofern, als die heidnischen Alexandriner wußten, daß der Statthalter Flaccus als Freund des Tiberius und Anhänger seines durch Caligula hingerichteten Enkels dem argwöhnischen Kaiser verdächtig war, und daß dieser jeder Anklage gegen ihn ein offenes Ohr leihen würde. In der Tat fürchtete auch Flaccus so sehr, die Aufmerksamkeit des rachsüchtigen Kaisers auf sich zu ziehen und bei ihm verleumdet zu werden, daß er sich von dem alexandrinischen Pöbel einschüchtern ließ. Er drückte daher ein Auge gegen das gewalttätige Vorhaben desselben zu und ließ sich als sein willenloses Werkzeug [329] gebrauchen. Bei der Nachricht, daß Agrippa mit dem Königsdiadem geschmückt worden sei, empfanden die heidnischen Alexandriner einen ganz besonders stechenden Neid, als wenn ihnen selber dadurch ein angestammtes Recht entrissen worden wäre20. Der Jubel der alexandrinischen Judäer, mit welchen Agrippa durch ihren Arabarchen Alexander in Beziehung stand, hatte ihre heidnischen Mitbürger noch mehr gereizt und zu Tätlichkeiten gegen sie aufgestachelt. Urheber und Anführer der judenfeindlichen Demonstrationen waren zwei nichtswürdige Leute, ein bestechlicher Geschichtsschreiber Isidoros, den der Volkswitz die Blutfeder (καλαμοσφάκτƞν) nannte, weil er mit seiner Federfuchserei so manchem das Leben geraubt, und Lampo, einer jener gewissenlosen Wüstlinge, wie sie eine entsittlichte Hauptstadt unter einem heißen Klima erzeugt. Diese beiden Wühler (ταραξαπόλιδες) beherrschten einerseits den willenlos gewordenen Statthalter und lenkten anderseits den Pöbel, der auf ihren Wink ihren Judenhaß befriedigte21.

Unglücklicherweise berührte Agrippa, dessen Glückswechsel den Alexandrinern in die Augen gestochen hatte, auf seiner Reise von Rom nach Judäa (Juli 38) auch Alexandrien. Wollte er bloß seine Freunde begrüßen, wie seine Verteidiger behaupteten, oder wollte er seiner Eitelkeit fröhnen, sich in der zweiten römischen und zweiten judäischen Großstadt in königlichem Schmucke angaffen zu lassen, wie seine Feinde aussprengten? Genug, sein Erscheinen gab der feindlichen Gärung gegen die Judäer Nahrung und Veranlassung zu Zusammenrottungen. Der Statthalter, der sich durch Agrippa verdunkelt sah, freute sich innerlich darüber. Die Zusammenrottungen begannen mit einer Posse und endeten für die Judäer mit blutigem Ernste. Zuerst wurde Agrippa und mit ihm die Judäer auf eine empfindliche Weise verspottet. Die Menge setzte einem harmlosen Narren Carabas, Spielball der alexandrinischen Gassenjugend, eine Krone aus Papyrus auf, hängte ihm ein Binsengeflecht als Mantel um, gab ihm die erste beste Peitsche als Szepter in die Hand, stellte ihn auf einen hohen Punkt des Gymnasion, begrüßte ihn mit komischen Geberden als König und nannte ihn auf chaldäisch Marin (unser Herr). Darauf stürmte der aufgeregte Pöbel schon am frühen Morgen in die Synagogen (Proseuchen) und stellte Kaiserbilder daselbst auf mit dem Vorgeben, sie Caligula weihen zu wollen22. Auf das Drängen der Judenfeinde entzog Flaccus noch dazu den judäischen Bewohnern Alexandriens ihr Jahrhunderte lang ausgeübtes, von den ersten Kaisern gewährleistetes Bürgerrecht [330] und erklärte sie als Fremde und Rechtlose23. Es war dies ein empfindlicher Schlag für die auf ihre bürgerliche Gleichberechtigung stolze Judenschaft Alexandriens, die zum Ruhme dieser Hauptstadt durch Wissenschaft, Kunst, Gewerbe und Schiffahrt ebensoviel beigetragen hatte wie die griechischen Bewohner. Flaccus war damit aus der Rolle des gleichgültigen Zuschauers herausgetreten und beteiligte sich fortan selbst an den gesetzwidrigen Aufläufen.

Die Judäer wurden aus den vier Stadtteilen Alexandriens herausgejagt und in das von ihnen bewohnte Quartier Delta am Hafen zusammengedrängt. In die verlassenen Häuser und Werkstätten stürzte sich die beutelustige Menge, plünderte, zerstörte und vernichtete, was der Fleiß von Jahrhunderten angesammelt hatte. Mehr als vierhundert Häuser judäischer Besitzer wurden zerstört24. Die wohlhabendsten, darunter drei angesehene Männer, Mitglieder des judäischen Rates, Euodios, Tryphon und Andron, die durch die Zerstörung und Plünderung ihrer Häuser um ihre ganze Habe gekommen waren, verfielen in Dürftigkeit. Das Delta belagerte der Pöbel, um niemanden herauszulassen, und dachte die in einen engen Raum zusammengedrängte judäische Bevölkerung durch Hitze und Hunger aufzureiben. Trieb der Mangel an Lebensmitteln einige aus dem belagerten Quartier heraus, so wurden sie aufs grausamste mißhandelt und gefoltert und mitleidslos ins Feuer geworfen oder ans Kreuz geschlagen. Dieser Leidensstand dauerte über einen Monat. Plötzlich ließ der Statthalter achtunddreißig Mitglieder des hohen Rates, unter ihnen auch die drei genannten, in ihren Wohnungen überfallen, in Fesseln schlagen, ins Theater schleppen und in Gegenwart des ganzen Pöbels geißeln (31. Aug. 3825. Dieser Gewaltstreich war um so härter, als die von den Kaisern bestätigten Privilegien der alexandrinischen Judäer sie vor entehrenden Strafen schützten. Außerdem war die Geißelung an des Kaisers Geburtstag vollstreckt worden, der selbst für Verbrecher einen Aufschub der Strafe herbeizuführen pflegte. Einige Ratsglieder hauchten, wahrscheinlich wegen vorgerückten Alters, unter Schmerzen das Leben aus. Andere hatten später noch davon zu leiden. Selbst das weibliche Geschlecht wurde mißhandelt und beschimpft. Sobald judäische Frauen oder Mädchen sich blicken ließen, gab man ihnen Schweinefleisch zu essen, und wenn sie sich weigerten es zu genießen, wurden sie unbarmherzig gefoltert26. Damit noch nicht zufrieden, ließ Flaccus einen Centurio mit Soldaten die Häuser der Judäer im Delta überfallen und untersuchen, ob sie nicht Waffen verborgen hielten. Nicht einmal die Gemächer schamhafter [331] Jungfrauen entgingen der Untersuchung27. Diese Leiden zogen sich bis über die Mitte des September hin. Da kam plötzlich ein kaiserlicher Abgeordneter an, um Flaccus zu entsetzen und ihn zur Verantwortung nach Rom zu bringen, aber nicht um das himmelschreiende Unrecht zu sühnen, sondern weil er dem Kaiser verhaßt war. Am Hüttenfeste28 erhielten die Unglücklichen, in einen Winkel zusammengepfercht, die frohe Nachricht von Flaccus' Entsetzung. Er wurde zum Exil verurteilt und später getötet.

Sein Nachfolger Bassus (?)29 wird wohl die Ordnung wieder hergestellt und die Judäer vor neuen Ausbrüchen der Volkswut geschützt haben. Aber zu Ende war das Trauerspiel noch nicht. Namentlich war die Gleichberechtigung der Judäer mit den Griechen, die Flaccus ihnen entzogen hatte, noch immer der Gegenstand eines heftigen Streites. Bei dieser Gelegenheit setzte der Hauptjudenfeind Apion in einer Schrift gegen die Judäer mit sophistischen Kniffen auseinander, daß die Judäer nur als Gefangene nach Alexandrien gekommen wären30, und daß ihnen wegen ihrer Niedrigkeit der schlechteste Teil der Stadt, die Nachbarschaft der Meereswogen, zugewiesen wäre. Indem er das Wohlwollen, mit dem mehrere ägyptische Herrscher, wie Euergetes I., Philometor VI., seine Gattin und Tochter Kleopatra die Judäer behandelt hatten, gänzlich verschwieg und die um die Förderung des ägyptischen Reiches verdienten judäischen Großen, Onias und Dositheos, heftig schmähte, führte er nur die den Judäern übelwollenden Herrscher, wie Ptolemäus Physkon und die letzte Kleopatra auf, von denen der erstere die Judäer Alexandriens beinahe von Elefanten hätte zertreten lassen (S. 48), die letztere ihnen während einer Hungersnot keine Getreideunterstützung hätte zukommen lassen (S. 209).

Den Streit um das Bürgerrecht hätte nur der Kaiser schlichten können, aber er befand sich damals in Germanien und Gallien, um knabenhafte Siege zu feiern und an der britanischen Meeresküste Muscheln für seinen Triumph zu sammeln. Als er nach Rom zurückgekehrt (31. August 40) und auf den wahnsinnigen Gedanken gekommen war, sich als Halbgott, dann als einen der Vollgötter verehren, sich Tempel weihen zu lassen und für seine Bildsäulen einen abgöttischen Kultus zu erzwingen, glaubten die heidnischen Griechen gewonnenes Spiel gegen die Judäer zu haben. Sie stellten wiederum mit Gewalt Kaiserbilder in die alexandrinischen Synagogen, überzeugt, daß die [332] Judäer sich dagegen sträuben und so den Zorn des Kaisers auf sich laden würden. Dies gab Veranlassung zu neuem Streit, indem der damalige Statthalter von Ägypten sich darein mischte, um sich bei dem Kaiser in Gunst zu setzen. Er wollte den Judäern die göttliche Verehrung des Kaiserbildes aufzwingen, und da sie ihre Religionsgesetze dagegen geltend machten, wollte er das Ruhen am Sabbat verbieten, indem er darin den Schwerpunkt des Judentums erblickte. Zu den angesehensten der Judäer sprach er: »Wie, wenn ein plötzlicher Überfall von Feinden oder eine reißende Überschwemmung oder eine wütende Feuersbrunst, wenn Hunger, Pest, Erdbeben über euch kämen, würdet ihr den Sabbat auch dann so streng beobachten, auch dann die Hände in den Schoß legen, und nichts zu eurer Rettung unternehmen? Würdet ihr auch dann in euren Synagogen müßig sitzen, das Gesetz zu lesen und dunkle Stellen durch lange Reden zu erklären? Oder würdet ihr nicht alles von euch abschütteln und zur Rettung eurer Eltern und Kinder, eurer Habe und Güter, eures eigenen Lebens euch rüsten? Nun sehet, ich werde das alles für euch sein, der Überfall von Feinden, die reißende Überschwemmung, das wütende Feuer, der Hunger, die Seuche, das Erdbeben, die sichtbare Gestalt des unerbitterlichen Verhängnisses, wenn ihr nicht meinem Befehle nachkommet«31. Aber weder die Großen, die er durch diese Drohworte einzuschüchtern gedachte, noch das Volk ließen sich dazu verleiten; sie blieben ihrer Religion treu und waren bereit, die schwerste Pein über sich ergehen zu lassen. Indessen scheinen auch einige aus Furcht oder Ehrgeiz zum Heidentum übergegangen zu sein. Der judäische Philosoph Philo weiß von Abtrünnigen seiner Zeit und seiner Gemeinde zu erzählen und schildert sie als leichtsinnig, sittenlos und von niedriger Gesinnung32. Auch der Sohn des Arabarchen Alexander, mit Namen Tiberius Julius Alexander verließ das Judentum und erreichte später hohe Würden im römischen Staate. Gleichgiltigkeit gegen das Judentum hatte wohl auch Anteil an dem Abfall einzelner. Denn die höhere philosophische Bildung, die bei den alexandrinischen Judäern von frühester Zeit an Eingang gefunden, hatte sie zum Nachdenken über das Judentum im ganzen und über einzelne Gesetze gebracht, und sie glaubten annehmen zu müssen, daß manches nur eine symbolische Bedeutung habe, um gewisse Gedanken und Gesinnungen anzuregen. Wenn man diese Ideen und Gesinnungen sich angeeignet habe, so sei die Beobachtung der [333] Religionsgesetze, wie Sabbat, Festzeiten, Beschneidung, Tempelriten ganz überflüssig33. Diese Anschauungsweise machte manche gegen das praktische Judentum lau, und von diesen von der Zeitbildung Eingenommenen werden wohl einige die schwere Prüfung nicht bestanden haben.

Um dem bösen Beispiele des Abfalles entgegen zu wirken, verfaßte ein alexandrinischer Judäer in dieser Prüfungszeit eine Schrift in griechischer Sprache, welche durch ihre Darstellung des Eindruckes nicht verfehlen konnte. Der unbekannt gebliebene Verfasser wollte einerseits das Volk durch den Hinweis auf die göttliche Hilfe zum Ausharren im Judentum ermutigen, anderseits die Untreue gegen das väterliche Gesetz brandmarken. Diese Gedanken kleidete er in eine Geschichte, die halb Wahrheit, halb Dichtung ist, wie sie ihm am besten auf das Gemüt zu wirken geeignet schien. Die Farben waren der düsteren Gegenwart entnommen und in Geschichtsform auf die Vergangenheit übertragen. Diese Schrift, welche sich unter dem Namen des dritten Makkabäerbuches34 erhalten hat, setzt die Leidensgeschichte der alexandrinischen Gemeinde in ein helles Licht. Sie erzählt, der ägyptische König Philopator habe nach einem Siege den Tempel in Jerusalem trotz der Bitten des judäischen Volkes betreten. Auf das Flehen des Hohenpriesters Simon habe Gott, um die Tempelentweihung zu verhüten, den König mit Betäubung und Erschütterung bestraft. Bei seiner Rückkehr nach Alexandrien habe Philopator dafür an den Judäern dieser Stadt Rache nehmen wollen und einen Befehl erlassen, daß diejenigen, welche nicht den Götzen opfern würden, ihr Bürgerrecht verlieren, zu der niedrigen Volksklasse gezählt, als Knechte des Königs mit dem Zeichen des Efeublattes, des Sinnbildes des Bacchus, an einem Körperteile gebrandmarkt werden sollten; diejenigen hingegen, welche sich dem Befehle unterwürfen, sollten ihre bürgerliche Gleichstellung behalten. Die meisten Judäer seien fest in der Treue gegen ihren Gott geblieben und hätten ihr Vermögen preisgegeben, um sich von der schimpflichen Einschreibung in die Plebejerklasse loszukaufen. Diejenigen aber, welche abgefallen wären, über dreihundert, seien von ihren Verwandten und Bekannten gescheut und von jedem Umgang ausgeschlossen worden. Die Judenfeinde hätten nun ausgesprengt, daß die Judäer, weil sie die heidnischen Götter nicht verehrten und sich der Teilnahme an heidnischen Gelagen enthielten, Feinde des Königs und aller Menschen seien. Die gesinnungsvollen Griechen in der Stadt hätten jedoch Mitleid mit den Judäern empfunden, ohne ihnen freilich helfen zu können, da die Regierungsweise tyrannisch war. Darauf [334] habe der König in seinem Zorne befohlen, sämtliche Judäer seines Reiches mit Frauen und Kindern auch vom Lande gefesselt nach Alexandrien zu bringen, um sie dem Tode zu überliefern. Wer aus Mitleid einen Judäer, selbst einen Greis oder ein Wiegenkind, schützen würde, sollte zu qualvollem Tode verurteilt werden. So seien denn sämtliche Judäer Ägyptens zu Schiff wie gefesselte Tiere in die Rennbahn (Hippodrom) außerhalb Alexandriens geschleppt worden, und die Judäer Alexandriens seien, weil sie Mitleid mit ihren unglücklichen Brüdern gezeigt, zu derselben Strafe verurteilt worden. Um die zum Untergang Verurteilten durch die verlängerte Todesfurcht noch schmerzlicher zu quälen, sollte jeder einzelne derselben mit seinem Namen in ein Register eingetragen werden. Wegen ihrer Menge habe sich die Einschreibung vierzig Tage hingezogen, vom Juli bis August. Dann habe der König befohlen, sämtliche Judäer von wütend gemachten Elefanten zertreten zu lassen. Schon seien die Zuschauer versammelt gewesen, und doch habe sich das blutige Schauspiel bis auf den dritten Tag hingezogen, indem der König den ersten Tag verschlafen und am anderen seinen feindseligen Befehl vergessen habe. Am dritten Tage endlich seien die Elephanten, von Engeln getrieben, anstatt auf die Judäer auf die Zuschauer losgestürzt, und der König, von diesem Anblicke erschreckt, habe sein Vorhaben bereut, den Judäern sein Wohlwollen wieder zugewendet und ihnen erlaubt, gegen die Abtrünnigen nach Belieben zu verfahren. So seien die dreihundert von den Treuen getötet worden. Dieser Darstellung liegen die Vorgänge unter Ptolemäus Physkon (o. S. 49) zu Grunde, die aber geflissentlich in eine frühere Zeit verlegt wurden. – Das Buch schließt mit den ermutigenden Worten: »Gepriesen sei der, der Israel zu allen Zeiten erlöst.« Dieses falsch betitelte dritte Makkabäerbuch muß eine gute Wirkung auf die Schwankenden in der alexandrinischen Judenschaft hervorgebracht haben; es spiegelte die Gegenwart treu ab und eröffnete die Aussicht auf einen frohen Ausgang35. Auch eine andere Schrift in griechischer Sprache ist in dieser Zeit der Trübsale von einem judäischen Denker zu dem Zwecke, die ägyptischen Judäer zum Festhalten an ihrem Gotte und an ihrer hehren Gotteserkenntnis zu ermutigen, verfaßt worden: Das Buch der Weisheit36.

Indessen waren die alexandrinischen Judäer darauf bedacht, durch eine Gesandtschaft an den Kaiser sich aus ihrer verzweifelten Lage zu befreien (im Winter 40). Drei (nach einer anderen Quelle fünf) Männer, welche durch Stellung und Bildung sie am besten zu vertreten vermochten, [335] wurden dazu auserwählt. Einer der Gesandten war der judäische Philosoph Philo, der durch Geburt, gesellschaftliche Stellung, tiefe Bildung und glänzende Beredsamkeit so sehr hervorragte, daß kein besserer Anwalt für die gerechte Sache gewählt werden konnte. Philo hat vermöge seiner Schriften nicht nur auf seine Zeitgenossen, sondern auf die Folgezeit auch über den judäischen Kreis hinaus so tief eingewirkt, daß die wenigen erhaltenen Züge aus seinem Leben nicht übergangen werden dürfen.

Als Bruder des Arabarchen Alexander gehörte Philo (geb. um 10 vor, st. um 60 nachchr. Z.) zu der angesehensten und reichsten Familie der alexandrinischen Gemeinde. Er erhielt in seiner Jugend diejenige allgemeine Bildung, welche vornehme Eltern für ihre Söhne als unerläßlich hielten. Von unersättlicher Lernbegier getrieben, eignete er sich diese Bildung vollkommen an. Er erzählt selbst, er habe in frühester Jugend den Stufengang der freien Wissenschaften (ἐγκυκλικά) durchgemacht, und obwohl jede derselben, gleich schönen Sklavinnen, ihn angezogen, habe er sich doch nicht von ihnen fesseln lassen, um die Gebieterin derselben, die Philosophie, zu vernachlässigen37. Die Neigung zu metaphysischen Untersuchungen hat sich bei Philo frühzeitig entwickelt und erweckte in ihm eine so schwärmerische Liebe dafür, daß er sich unermüdet damit beschäftigte und an nichts anderem Freude fand. In dem Äther der Begeisterung schwelgend, hatte er, wie er sich selbst ausdrückt, keinen Sinn für Ehren, Reichtum, körperliche Vergnügungen. Er kam sich vor, als wenn er mit Sonne, Mond und Gestirnen im Weltall herumschwebte38. Philo gehörte zu den wenigen Auserwählten, die nicht auf der Erde kriechen, sondern im hohen Geistesfluge sich von den Banden des Irdischen frei zu machen wissen. Er fühlte sich glücklich, der niederen Sorgen und Beschäftigungen enthoben zu sein. Obwohl er für Philosophie schwärmte, stand ihm das Judentum noch höher, das er die »wahre Weisheit« nannte. Wenn er auf der reichen Flur der griechischen Philosophie Gedankenblumen pflückte, so wand er daraus einen Kranz, um das Judentum damit zu schmücken. In sein reiches Schrifttum hatte er sich ganz vertieft; allein es war ihm nur aus der zweiten Hand, durch die griechische Übersetzung, bekannt. Obwohl die hebräische Sprache ihm nicht unbekannt war, so war sie ihm, wie den judäischen Alexandrinern überhaupt, nicht so vertraut, um den heiligen Text in der Ursprache zu verstehen. Eine geraume Zeit hatte Philo ein ausschließlich theoretisches Leben geführt, als ihn ein Vorfall, wie er mit Bitterkeit bemerkt, mit aller Gewalt in den Strudel politischer [336] Sorgen stürzte39. Es kann aus diesen Worten hervorgehen, daß Philo mit irgend einem Amte betraut worden war, vielleicht als Mitglied des Rates aufgenommen wurde, dem er sich als Bruder des Arabarchen nicht hätte entziehen können. Oder meinte er damit, daß ihn der Leidensstand seiner Stammes- und Religionsgenossen aus seinem beschaulichen Leben gerissen hat? Mit Wehmut blickte er in seinen späteren Jahren auf seine frühere Beschäftigung zurück und klagte, daß ihm das praktische Leben den hellen Blick ins Reich des Geistes getrübt, seinen hohen Gedankenflug gehemmt habe, tröstete sich aber, daß ihm doch noch so viel Schwungkraft geblieben, um ihn in ungestörten Augenblicken das Haupt wieder emporheben zu lassen. Er spricht dafür seinen innigen Dank gegen Gott aus, daß er seinen Geist in der überströmenden Flut des Alltäglichen nicht habe untergehen lassen und ihn mit dem Lichte der Weisheit so umstrahle, daß sein Leben nicht in der Finsternis verkümmere40.

Das philosophische Streben Philos gab aber nicht bloß seinem Geiste Nahrung, sondern flößte ihm auch einen hohen Gesinnungsadel ein und bildete ihn zu einem jener sittlichen Charaktere aus, denen die Torheit, Laster und Gemeinheit der Menschen als ein unauflösbares Rätsel erscheinen. Seine Frau war stolz auf ihn und eiferte ihm in Lebenseinfachheit nach. Als sie putzsüchtige Frauen einst fragten, warum sie, obwohl so reich, es verschmähe, goldenen Schmuck zu tragen, antwortete sie: »Die Tugend des Ehegatten ist ein hinlänglicher Schmuck für die Frau«41. Eine so hochbegabte Persönlichkeit wie Philo mußte einen mächtigen Einfluß auf seine Zeitgenossen ausüben, und dieser Einfluß mußte um so tiefer sein, als in seinen Reden und Schriften der liebliche Zauber schwungvoller, blütenreicher Beredsamkeit wehte. Die Zeitgenossen konnten seinen Stil nicht genug bewundern; er erinnerte so sehr an Platos poetische Sprache, daß man von dieser Gleichheit sagte: »Plato schreibt wie Philo oder Philo wie Plato«42. Philos Hauptstreben ging dahin, die Philosophie seiner Zeit mit dem Judentume zu versöhnen, oder richtiger, nachzuweisen, daß das Judentum die wahre untrügliche Philosophie sei. Diese Aufgabe war ihm nicht das Spiel von Verstandesübungen, sondern heiliger Ernst. Seine Seele war so voll von diesen Betrachtungen, daß er, wie er von sich erzählt, öfter in Verzückung geriet und innere Offenbarungen zu vernehmen glaubte, die er in nüchternen Augenblicken nicht hätte fassen können43. Den [337] größten Teil der philosophischen Schriften und namentlich die wichtigsten, welche den Feingehalt des Judentums darlegen, hat Philo erst nach der Rückkehr von der Gesandtschaft verfaßt.

Das war der Mann, welchen die alexandrinische Gemeinde zu ihrem Fürsprecher beim Kaiser wählte. Ob auch Philos Bruder Alexander an der Gesandtschaft teilgenommen, wird nicht erzählt, kann aber vorausgesetzt werden, da ihn Caligulas Zorn in den Kerker hat werfen lassen. Die heidnischen Alexandriner hatten auch ihrerseits eine Gesandtschaft an den Kaiser abgehen lassen, um die Gleichstellung der Judäer zu hintertreiben. An der Spitze derselben stand der Erzjudenfeind Apion44, Verfasser der Schmähschrift gegen die alexandrinische Judenschaft. Auch der giftige Isidorus gehörte zu der Gesandtschaft45. Es handelte sich bei dieser Gesandtschaft nicht bloß um die Privilegien einer Körperschaft, sondern im Grunde um Duldung oder Verfolgung der Judäer. Zum ersten Male in der Geschichte trat das Judentum mit dem Heidentum in die Schranken, vollständig vertreten von zwei Männern, welche beide von der Milch der griechischen Kultur genährt waren. Wenn beide Religions- und Kulturformen nach ihren Vertretern beurteilt worden wären, so wäre wohl die Entscheidung zu Gunsten des Judentums nicht zweifelhaft gewesen. Philo, voller Würde und Ernst, vertrat das verkörperte Streben nach Wahrheit und dem sittlichen Ideale. Apion, voller Leichtfertigkeit und Schmähsucht, repräsentierte das verkörperte Bild der zungenfertigen Ruhmredigkeit und der eitlen Selbstgenügsamkeit des gesunkenen Griechentums. Philo verachtete so sehr seinen Gegner, den Schwätzer Apion, daß er in dem Berichte über diese Gesandtschaft seinen Namen unerwähnt ließ. Dieser Bericht46 war in fünf Büchern geschrieben, wovon jedoch nur ein vollständiges Stück »gegen Flaccus« und eine Überarbeitung unter dem Titel »Gesandtschaft an Cajus« auf uns gekommen sind.

Der Ausgang dieses Streites zwischen den heidnischen und judäischen Alexandrinern ist zweifelhaft. Caligula, welcher Schiedsrichter der streitenden Parteien hätte sein sollen, war selbst leidenschaftliche Partei in dieser Sache. Er haßte die Judäer, weil sie ihn nicht als Gott anerkennen und verehren wollten, während alle übrigen seinem Zepter unterworfenen Völker in niedriger Gesinnung ihm göttliche Verehrung zollten. Aufgestachelt wurde Caligula, wenn es bei einer leidenschaftlichen, sich selbst vergötternden Natur noch dessen bedurfte, von zwei verworfenen Wesen, die er aus dem Schmutze an sich gezogen hatte: dem Ägypter [338] Helikon und Apelles aus Askalon, den Genossen seiner Geilheit, welche beide die Judäer tief haßten. Apelles, ein berühmter tragischer Schauspieler seiner Zeit, brachte seinen Judenhaß aus seiner Heimat Askalon nach Rom, und Helikon brachte ihn aus Ägypten an den Hof des Kaisers, und da sie als seine ständigen Begleiter stets sein Ohr hatten, so war es ihnen ein Leichtes, ihm ihren ingrimmigen Judenhaß einzuflößen47. Kaum konnten die judäischen Gesandten, als sie zur Audienz zugelassen wurden, zu Worte kommen. Caligula empfing sie, während er seine Landhäuser besichtigte, bald dies bald jenes daran tadelnd oder lobend. Bald richtete er eine schnurrige Frage an sie, und ohne eine Antwort abzuwarten, ging er zu einem andern Gegenstand über, der seine Aufmerksamkeit erregte, und dieses alles in unruhiger Beweglichkeit. Sein erstes Wort an die judäischen Gesandten war in grinsendem Tone: »Ihr seid also die Gottverächter, die mich nicht als Gott anerkennen wollen, sondern lieber einen Namenlosen vergöttern, während mich außer euch alle verehren?« Darauf brach er mit aufgehobenen Händen in eine so schneidende Lästerung gegen den Gott des Judentums aus, daß der Geschichtsschreiber (Philo) sich scheute, das Wort niederzuschreiben. Als darauf Isidorus des Kaisers Zorn noch mehr durch die Bemerkung erregte, daß alle Völker für des Kaisers Heil geopfert, während die Judäer allein es unterlassen, beteuerten die judäischen Gesandten, sie hätten bei drei glücklichen Anlässen Freudenopfer für ihn gebracht: bei seiner Thronbesteigung, bei seiner Genesung von einer schweren Krankheit und bei der Nachricht von seinem sogenannten Sieg über die Germanen. Darauf fiel Caligula ihnen ins Wort: »Sei es, daß ihr für mich geopfert, aber was nützt es, daß ihr für mich geopfert und nicht mir!« Und ohne eine Antwort abzuwarten, ging er zur Besichtigung seiner Landhäuser über. Dann wendete er sich zum drittenmale an die judäischen Gesandten mit der Frage: »Warum eßt ihr kein Schweinefleisch?« zur höchsten Ergötzung aller heidnischen Zuhörer, die er noch durch andere Schnurren belustigte. Darauf fragte er die Gesandtschaft: Ich wünschte zu wissen, auf welche Titel ihr eure Gleichstellung stützt?« und lief dann, ohne die Rechtfertigung abzuwarten, davon. Bei der Verabschiedung der Gesandtschaft sagte er: »Die Menschen scheinen mir weniger schlimm als dumm zu sein, daß sie meine Göttlichkeit leugnen«48. Nach einer andern glaubwürdigen Nachricht soll Caligula sie in heftigem Zorn entlassen haben, und Philo, welcher nichts Gutes ahnte, habe seine Mitgesandten [339] ermahnt, ihre gerechte Sache von jetzt an Gott anheim zu stellen49. Welchen Beschluß der Kaiser gefaßt hat, ist nicht bekannt, nur so viel ist gewiß, daß der Arabarch Alexander in den Kerker geworfen wurde50.

Während die judäischen Gesandten noch dem wahnwitzigen Kaiser bei seinem kindischen Treiben in Dikäarchia am Meeresstrande, wohin sie ihm aus Rom nachgefolgt waren, auf Schritt und Tritt nachgingen, um zu Worte zu kommen, wurden sie von einer Schreckensnachricht fast betäubt. Ein Judäer stürzte auf sie zu und teilte ihnen unter Schluchzen in gebrochener Rede mit: »Unser Tempel in der heiligen Stadt ist hin, auch ihn läßt Caligula entweihen«! Gereizt wurde dieser wahnwitzige Kaiser gegen die Judäer in Judäa durch den Bericht eines seiner verworfenen Beamten Capito, welcher in Jamnia, dem Erbbesitz des kaiserlichen Hauses, für den Kaiser die Steuern eintrieb. Die Bewohner dieser Stadt waren meistens Judäer. Nichtsdestoweniger spielten die eingewanderten Griechen in derselben die Herren, suchten die Judäer zu kränken und legten es darauf an, deren religiöse Bräuche zu verhöhnen und zu stören. Sobald die heidnischen Jamnienser Kunde von Caligulas Selbstvergötterung vernahmen, errichteten sie einen Altar, um für ihn zu opfern, in der Absicht, die Judäer damit zu kränken. Diese versammelten sich und zerstörten ihn. Diesen Vorfall berichtete Capito dem Kaiser, übertrieb ihn und stellte ihn als Tempelschändung und Majestätsbeleidigung dar.

Caligulas Zorn, sich gerade von den Judäern, denen er bisher nur Wohlwollen gezeigt hatte, als Gott verschmäht zu sehen, kannte keine Grenzen. Nicht bloß in den Synagogen, auch im Tempel zu Jerusalem sollte seine Bildsäule aufgestellt und der Widerstand mit militärischen Mitteln gebrochen werden. Der Statthalter von Syrien, Petronius, erhielt den Befehl, mit seinen Legionen in Judäa einzurücken und mit ihrer Hilfe die Verwandlung des judäischen Heiligtums in einen Götzentempel durchzusetzen. Man kann sich den Todesschrecken der judäischen Nation bei dieser Nachricht nicht denken. Es war das Allerschwerste, was ihr zugemutet werden konnte; es war, als sollte der ganzen judäischen Nation der Lebensodem ausgeblasen werden. An ein Nachgeben war nicht zu denken, so schwebten allen die düstersten Bilder der kommenden Dinge vor. Am Vorabend des Hüttenfestes (Oktober 40) traf die Botschaft in Jerusalem ein, und die festliche Stimmung verwandelte sich in die tiefste Niedergeschlagenheit. Ein wegen seiner Frömmigkeit hochverehrter Priester Simon [340] (später Hohepriester) soll das Volk beruhigt haben; die Tempelentweihung werde nicht eintreten51. Indessen war Petronius mit zwei Legionen an die Grenze Judäas in Akko eingerückt. Da aber die Regenzeit des Herbstes bevorstand, und ein verzweifelter Widerstand der Judäer vorauszusehen war, beschloß er in Akko zu überwintern, um Caligulas Befehl, wenn es zum Kampfe kommen sollte, im Frühjahr mit Nachdruck durchzusetzen. Viele tausend Judäer strömten zu Petronius und verhehlten ihm nicht, daß sie lieber alle Todesarten erdulden, als die Entweihung ihres Tempels durch ein Menschenbild zugeben wollten. Petronius in Verlegenheit, wie er das ihm selbst wahnsinnig scheinende Edikt durchsetzen sollte, ging mit den Räten des Königs Agrippa zu Rate und bat sie, durch ihren Einfluß das Volk nachgiebiger zu stimmen. Zu diesem Behufe begab er sich nach Agrippas Hauptstadt Tiberias. Auch an diesem Aufenthaltsorte des Statthalters strömten viele tausend Judäer zusammen, ohne feindliche Absicht, nur als Flehende, um auf Petronius' Gemüt zu wirken. Wiederholentlich erklärten sie, das ganze Volk sei entschlossen, lieber zu sterben, als die Entweihung mit anzusehen. Daß es dem Volke Ernst damit war, bewies es durch die Vernachlässigung des Ackerbaues, indem es vierzig Tage vorübergehen ließ, ohne die Saat zu bestellen52. Die judäische Aristokratie hielt diesmal zum Volke, selbst Agrippas Bruder Aristobul und Helkias der Ältere, ebenfalls ein Herodianer, der mit Agrippa verschwägert war, waren über die Zumutung entsetzt. An dieser Tatsache kann man erkennen, wie fest das Judentum durch die Bemühungen der Pharisäer in den Gemütern wurzelte. Zwei Jahrhunderte vorher hatten bei einem ähnlichen Ansinnen des Antiochus Epiphanes Glieder der Hohenpriesterfamilie selbst die Hand zur Entweihung geboten und Verrat am Gesetze geübt, während jetzt sogar die halbentfremdeten Herodianer widerstanden. Auf den Rat der judäischen Großen schilderte Petronius dem Kaiser die Sachlage und glaubte ihn milder stimmen zu können. Das Volk beruhigte er mit der Versicherung, daß er nicht eher etwas unternehmen wolle, als bis neue Verhaltungsbefehle eingelaufen sein würden, und ermahnte es, an den Feldbau zu denken, um ein Notjahr zu verhüten. Als denkwürdig hat die Chronik das Ereignis aufbewahrt, daß es sofort nach Petronius' beruhigender Rede anfing zu regnen, während bis dahin Trockenheit geherrscht hatte53 und eine Mißernte in Aussicht stand.

Bevor jedoch noch Petronius' Schreiben in den Händen des Kaisers war, hatte er durch Agrippas Vermittelung seinen Sinn in bezug auf [341] die Gewaltmaßregel gegen das Judentum geändert. Der judäische König hatte einen so mächtigen Einfluß auf Caligula, daß die Römer ihn und Antiochos von Commagene als seine Lehrer in der Tyrannei bezeichneten54. Aprippa weilte in dieser Zeit wieder in der Nähe des Kaisers; er scheint ihn auf dem Kriegsschauplatz in Gallien aufgesucht zu haben55, wo Caligula kindische Siege errang. Er begleitete ihn auch nach Rom, um Zeuge von seinen Triumphen zu sein. Als der Wahnsinnige auf dem Throne der Cäsaren göttliche Ehre forderte und befahl, sein Bildnis auch im Tempel zu Jerusalem aufzustellen, war es Agrippa gewiß nicht gleichgiltig; aber er war zu sehr Höfling, als daß er seinen wahnwitzigen Launen geradezu entgegenzutreten gewagt hätte. Er stellte sich vielmehr, als ob ihn der Notschrei seiner Stammesgenossen nichts anginge, veranstaltete einen verschwenderischen Schmaus für den Kaiser und dessen Günstlinge und setzte für sie die seltensten Leckerbissen auf die Tafel. Aber unter diesem Schein der Gleichgiltigkeit gegen seine Religionsgenossen erreichte er seinen Zweck. Caligula, durch so viel Aufmerksamkeit bestochen, forderte Agrippa auf, sich eine Gunst von ihm zu erbitten, er wolle sie ihm gern gewähren. Er kannte ihn nur von der leichtsinnigen Seite und konnte sich nichts anderes denken, als daß Agrippa sich neuen Länderbesitz und Vergrößerung seines Reiches ausbitten werde. Wie erstaunte er aber, als Agrippa nichts weiter wünschte, als daß er das Edikt bezüglich der Bildsäule zurücknehmen sollte! So uneigennützig, so fromm, so selbständig dem Willen des Kaisers gegenüber hatte er sich den dienstfertigen Schmeichler nicht gedacht. Der schlaue Caligula war überlistet. Sein Wort zurückzunehmen, mußte er sich als Kaiser schämen, und so erließ er (Nov.–Dez. 40) ein Schreiben an Petronius des Inhalts: »Wenn seine Bildsäule noch nicht im judäischen Tempel aufgestellt wäre, die Angelegenheit ruhen zu lassen.« Inzwischen bekam er das Schreiben in welchem Petronius seine Bedenklichkeit und die große Schwierigkeit seines Auftrages auseinandergesetzt hatte. Mehr brauchte es nicht, um diese leidenschaftlich erregte eigensinnige Natur in Wut zu versetzen. Ein Statthalter sollte es wagen, dem Kaiser von Schwierigkeiten zu sprechen! Petronius müsse von den Judäern bestochen worden sein. Anders konnte er sich die Sache nicht denken. Ein neuer, drohend strenger Befehl wurde erlassen, daß der ungehorsame Statthalter zum warnenden Beispiel für andere sich selbst den Tod geben sollte. Ehe aber Petronius dieses für die Judäer, wie für ihn selbst gleich gefahrvolle Schreiben in die Hände bekam, war bereits die Nachricht eingelaufen. [342] daß der Tollhäusler Caligula durch die Hand des Prätorianertribuns Chäreas einen schmählichen Tod gefunden hatte (24. Januar 4156). Die Nachricht traf am 22. Schebat (März 41) ein: »Cajus Caligula ist ermordet worden, und seine Befehle sind aufgehoben.« Kein Wunder, daß dieser Tag, welcher unverhoffte Erlösung von einem sicher geglaubten Untergang gebracht, als erhöhter Freudentag begangen worden ist57.

Caligulas Nachfolger auf dem Throne der Cäsaren war Claudius, der Blödsinn gepaart mit gelehrter Pendanterie. Dieser Kaiser schuldete seine Krone dem Zufall und der geschickten diplomatischen Vermittelung des Königs Agrippa, der den widerstrebenden Feigling dahin gebracht hatte, die Wahl der Prätorianer anzunehmen, und zugleich den widerstrebenden Senat, sie anzuerkennen. Wie gesunken war Rom, daß ein winziger judäischer Fürst, den die stolzen Patrizier aus der Zeit der Republik kaum eines Blickes gewürdigt hätten, jetzt in der Senatskurie sprechen und verhandeln durfte und gewissermaßen Rom einen Herrscher geben konnte58! Claudius war auch nicht unerkenntlich gegen den judäischen Fürsten. Er lobte ihn in öffentlicher Senatssitzung, bekleidete ihn mit der Konsularwürde und machte ihn zum König von ganz Palästina, indem er Judäa und Samaria zu seinem Reiche hinzufügte59. Außerdem verlieh er ihm noch den Landstrich Abilene. Zur Erinnerung an die Rangerhöhung und Länderschenkung ließ der Kaiser in pedantischer Nachahmung des Altertümlichen diese Tatsache in Tafeln von Erz60 eingraben und eine Denkmünze schlagen, die auf der einen Seite zwei ineinander verschlungene Hände darstellt mit der Inschrift: »Freundschaft und Bundesgenossenschaft des Königs Agrippa mit dem Senat und dem römischen Volke«, und auf der anderen Seite den Kaiser zwischen zwei Figuren mit der Legende: »König Agrippa, Freund des Kaisers«61.

[343] So hatte Judäa unter Agrippa wieder dieselbe Ausdehnung wie früher, ja einen noch größeren Umfang als unter den hasmonäischen Königen und unter Herodes I., wie denn überhaupt Agrippas vierjährige Regierung (41-44) das glanzvolle Abendrot des judäischen Staates war.

Herodes II., dem Bruder und Schwiegersohne des Königs Agrippa – indem er dessen Tochter, die schöne Berenice, nachdem ihr Verlobter Marcus, Sohn des Arabarchen Alexander, gestorben war, geheiratet hatte – erteilte Claudius den Rang als Prätor und machte ihn zum Fürsten von Chalkis am Libanon. Auch dieser Teil Syriens konnte gewissermaßen zu Judäa gezählt werden, da er von einem judäischen Fürsten beherrscht wurde. Der Umschwung der Dinge in Rom nach Caligulas Tode kam auch den Judäern Alexandriens zu statten. Der Kaiser Claudius, der mit dem Arabarchen Alexander befreundet war, befreite ihn aus dem Kerker, in den ihn sein Vorgänger hatte werfen lassen, und schlichtete den Streit in Alexandrien zu Gunsten der Judäer. Ehe die Nachricht von dem Thronwechsel in der ägyptischen Hauptstadt bekannt war, hatten nämlich die judäischen Alexandriner zu den Waffen gegriffen, um den täglichen Leiden und der Schmach ein Ende zu machen. Caligulas Parteilichkeit gegen sie hatte zur Selbsthilfe herausgefordert; denn ihre Kraft war noch nicht gebrochen. Darauf erließ der neue Kaiser ein Edikt, welches die Privilegien und die Gleichstellung der alexandrinischen Gemeinde bestätigte und die Ruhe, die so lange unterbrochen war62, wiederherstellte. Die Arabarchenwürde, die den alexandrinischen und ägyptischen Judäern überhaupt von außerordentlicher Wichtigkeit war, weil sie dadurch von den römischen Beamten unabhängig und nur einem Oberhaupte aus dem eigenen Stamme untergeben waren, stellte der Kaiser wieder her, sowie alle Gerechtsame und Privilegien, die sie unter den Ptolemäern und den ersten römischen Kaisern genossen hatten. Auf Agrippas Anregung gewährte Claudius den Judäern im ganzen Reiche Religionsfreiheit, so daß sie von ihren heidnischen Nachbarn in der Ausübung ihrer Riten nicht gestört werden konnten63. Nach einer unverbürgten Nachricht soll Claudius sich auch so sehr für Philo und seine blühende griechische Beredsamkeit interessiert haben, daß er ihn aufforderte, seine Darstellung von den Leiden seiner judäischen Mitbürger unter Flaccus und seinen Bericht über die Gesandtschaft an Caligula im Senate vorzulesen64.

Als Agrippa mit Ehren überhäuft, von dem Kaiser entlassen, von Rom nach Judäa zurückkehrte, um Besitz von seinem Königreiche zu [344] ergreifen, merkte man an seinen Handlungen, daß eine Umwandlung mit ihm vorgegangen war, und daß der stürmische Thronwechsel in Rom, der einen übermütigen Kaiser gestürzt und einen Schwächling emporgehoben hatte, einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht hatte. Aus dem leichtsinnigen Agrippa war ein ernster Mann geworden. Der Höfling war verschwunden und an seine Stelle trat der Patriot, der gewissenhafte Regent, der sich bewußt war, was er seiner Nation schuldete. Der Hasmonäer in ihm hatte den Herodianer überwunden. Unter Agrippa genoß Judäa zum letzten Male eine Spanne Zeit ungetrübten Glückes. Er bestrebte sich so sehr mit der Nation zu gehen, selbst auf die Gefahr hin, die Gunst der Römer einzubüßen, daß er die erbittertsten Königsfeinde entwaffnete und sie zu seinen Freunden machte. Den Häuserbesitzern Jerusalems erließ er die Häusersteuer65, vermutlich weil sie verpflichtet waren, den Festbesuchern unentgeltlich Wohnungen einzuräumen und demnach keinen Mietzins von ihren Besitzungen ziehen durften66; die Hauptstadt galt als ein der ganzen Nation gehörendes Eigentum.

Die Quellen können Agrippas Anhänglichkeit an das Judentum nicht genug rühmen67, als ob er sich bestrebt hätte, das wieder gut zu machen, was sein Ahn Herodes verbrochen hatte. Die ganze Nation fühlte sich nämlich in der Zeit nach Caligulas gewaltsamem Ende gehoben und hochgestimmt. Sie war plötzlich von einer der beiden gleich entsetzlichen Gefahren, entweder ihrem Apostelamte, Hüter der reinen Gotteserkenntnis gegen das Götzentum zu sein, untreu zu werden oder durch Widerstand unterzugehen, befreit worden. Abermals hatte sich der Finger Gottes in ihrem Geschicke gezeigt. Die Hoffnungen ihrer erbitterten Feinde waren zu Schande geworden. Daher beging sie in diesem Jahre die gelegentlichen Feste mit freudigem Herzen und dankbarem Gefühle.

Das Darbringen der Erstlinge von den Früchten im Tempel, bis dahin ohne festlichen Charakter, wurde in diesem Jahre besonders feierlich mit Sang und Klang begangen den ganzen Sommer hindurch. Die Gartenbesitzer in Städten und Dörfern sammelten sich in Gruppen mit den Erstlingsfrüchten in zierlichen Körben, die Reichen darunter in silbernen und goldenen, und zogen nach dem Hauptort des Kreises. Der versammelten Menge rief ein Führer zu: »Auf! Wir wollen nach Zion dem Tempel unseres Gottes wallen«. Unter Flötenspiel zogen sie nach Jerusalem. Jedem solchen feierlichen Zuge gingen vornehme [345] Bewohner Jerusalems vor den Toren entgegen und begleiteten die Prozession mit dem Flötenspieler bis zum Tempel. Während die Gartenbesitzer ihre mit Kränzen geschmückten Körbe mit den Erstlingsfrüchten den Priestern überreichten und dabei das Dankbekenntnis ablegten, daß Gott ihre Vorfahren aus der ägyptischen Knechtschaft befreit und ihnen das heilige Land zum Besitze gegeben, sangen die Levitenchöre den Dankpsalm (30), welcher die Erlösung vom Untergange zum Inhalt hat.


»Ich preise dich, Herr, daß du mich errettet,

Und hast meine Feinde nicht über mich triumphieren lassen.«


Allen gleich begab sich der König Agrippa mit seinem Korbe von Erstlingsfrüchten auf der Schulter in den Tempel und legte sein Dankbekenntnis ab. So sah damals Jerusalem einen großen Teil des Volkes nach und nach mit dankerfülltem Herzen wegen der erlebten Errettung in seine Mauern einziehen. Der alexandrinische Philosoph und Verteidiger seiner Gemeinde vor Caligula, welcher das tiefe Herzeleid empfunden und den günstigen Umschwung erlebt hat, fand sich ebenfalls in dieser Zeit in Jerusalem ein, und beschrieb das »Korbfest« mit anziehenden Farben68.

Im darauf folgenden Jahre (Herbst 42) wurde ein anderes Fest in freudiger Stimmung begangen. Die Vorschrift, daß der König am Schluß des Sabbatjahres und des Hüttenfestes vor dem Volke aus dem Deuteronomium öffentlich vorlesen solle, war seit dem Untergange der Makkabäerfürsten nicht zur Ausführung gekommen. Der idumäische Usurpator Herodes wagte nicht, diese Rolle zu spielen, weil er auch den Vers: »Aus der Mitte deiner Brüder sollst du einen König wählen«, nicht hätte lesen können, ohne sich bloß zu stellen. Agrippa aber durfte es eher wagen, und frischte damit das alte halbverschollene Gesetz wieder auf. Im Tempel auf einer Emporbühne stehend, las er aus einer Thorarolle, welche ihm der Hohepriester ehrerbietig überreicht hatte, die vorgeschriebenen Abschnitte dem versammelten Volke vor. Bei dem Verse von der Wahl des Königs aus den eigenen Volksgenossen übermannte ihn die Erinnerung, daß er, halb von idumäischer Abkunft, nicht würdig sei, judäischer König zu sein; er brach in Tränen aus. Aber die anwesende Menge und selbst die Pharisäer riefen ihm begeistert zu: »Du bist unser Bruder, du bist unser Bruder!«69

[346] Agrippa machte von seinem Rechte, die Hohenpriester zu ernennen, den richtigen Gebrauch. Er wählte statt Theophilos, den noch Vitellius eingesetzt hatte, Simon Kantheras, welcher Simon der Fromme genannt wurde70, gerade so wie der drei Jahrhunderte vorher, noch vor der Makkabäerzeit regierende. Er hatte bei der betrübenden Nachricht von Caligulas befohlenem Eingriff in den Tempel das Volk beruhigt (v. S. 340).

Nur ein einziger angesehener Pharisäer, Simon, ohne Zweifel von der strengen schammaïtischen Schule, vergaß Agrippas Herkunft nicht und versuchte, seinen Anhang gegen ihn einzunehmen, als sei er unwürdig zum König, unwürdig, den Tempel zu betreten. Agrippa befand sich gerade in Cäsarea, als der Stadthauptmann Silas ihm meldete, Simon wiegele das Volk gegen ihn auf. Er ließ darauf den unversöhnlichen Tadler zu sich kommen und ihn neben sich setzen, fragte ihn nach dem Grunde seiner Unzufriedenheit und entwaffnete den strengen Pharisäer so sehr durch seine Freundlichkeit, daß ihn dieser um Verzeihung bat. Reich beschenkt entließ ihn Agrippa71. Dieselbe Milde und Langmut zeigte er gegen den von ihm zum Reiterobersten und Stadthauptmann erhobenen Silas, der nicht aufhörte, den König an seine früheren unangenehmen Verhältnisse zu erinnern. Er reizte Agrippa so oft, daß er ihn seines Postens entsetzte und in den Kerker werfen ließ. Aber bald gewann die Erinnerung an die von Silas ihm geleisteten Dienste die Oberhand; er wollte ihm die Freiheit geben und ihn wieder an seine Tafel ziehen. Der rohe Mensch blieb jedoch bei diesen Beweisen von Güte ungerührt, verdoppelte seine Vorwürfe und zwang Agrippa, ihn unschädlich zu machen; er ließ ihn im Kerker72. An seine Stelle setzte er einen Judäer, seinen Freund Chelkia, zum Reiterobersten73. Auffällig war sein Verhalten bei der Wahl der Hohenpriester. Er hat in den drei Jahren seiner Regierung drei gewählt, jedes Jahr einen anderen. Den würdigen Simon Kantheras [347] setzte er ab und richtete seine Wahl auf Jonathan b. Anan, der schon früher als Hohepriester fungiert hatte (o. S. 314). Aber dieser Priester lehnte die Würde ab und bat den König, sie auf seinen Bruder Matthia zu übertragen, der von jedem Vergehen rein sei, worauf Agrippa einging. Warum er ihn später wieder absetzte und zu seinem Nachfolger Elionaï (oder Elioëni) einen Sohn des Kantheras, ernannte, ist nicht bekannt74. Es scheint, daß Agrippa, wie seine Vorgänger, diese hohe und einflußreiche Würde nicht auf längere Zeit einem und demselben Manne anvertrauen mochte.

Agrippas gesinnungsvolle Regierung machte sich in dem ganzen judäischen Gemeinwesen fühlbar. Das Synhedrion erhielt von ihm ohne Zweifel die Freiheit wieder, die inneren Angelegenheiten nach dem Gesetze zu regeln. Synhedrialpräsident war unter Agrippa Hillels würdiger Enkel, Gamaliel I. oder der ältere (ha-Saken75), Sohn Simons I., von dessen persönlichen Verhältnissen nichts bekannt geworden ist. Das Präsidium erlangte unter Gamaliel eine höhere Bedeutsamkeit, indem das Synhedrion nach dem Muster der politischen Verfassung eine mehr monarchische Form erhielt. Ein Schaltjahr durfte jetzt nur mit Zustimmung des Präsidenten eingesetzt werden, und als Gamaliel einst abwesend war, und den Synhedristen eine Einschaltung nötig schien, machten sie dieselbe von seiner Bestätigung abhängig76. Die Sendschreiben an die nahen und fernen Gemeinden gingen von ihm aus. Das Formular solcher Sendschreiben, das sich erhalten hat, ist wegen seines Inhaltes und seiner Form interessant; es zeigt, daß die auswärtigen, wie die judäischen Gemeinden das Synhedrion und dessen Vorsitzenden als höchste Autorität anerkannt haben. Gamaliel ließ nämlich durch seinen sprachkundigen Geheimschreiber Jochanan schreiben: »An unsere Brüder in Ober- und Niedergaliläa, Gruß. Wir tun euch kund, daß die Zeit gekommen ist, den Zehnten von euren Ölbehältnissen abzuschneiden.« »An unsere Brüder, die Exulanten in Babylonien, Medien, Griechenland (Jonien) und an alle übrigen Exulanten Israels, Gruß. Wir tun euch kund, daß, da die diesjährigen Lämmer noch zart, die Tauben noch nicht flügge sind, der Frühling überhaupt sich verspätet hat, es mir und meinen Genossen gefiel, das laufende Jahr um dreißig Tage zu verlängern«77.

[348] Von diesem Gamaliel sind manche heilsame Verordnungen ausgegangen; zumeist sind sie gegen Mißbräuche gerichtet oder bezwecken das Wohl der Gesellschaft (Tikkun ha - Olam). Durfte früher der Gatte, wenn er seiner Frau den Scheidebrief zugesandt hatte, ihn beim ersten besten Gerichtshofe widerrufen, so verordnete Gamaliel, daß solches wegen möglicher Nachteile fernerhin unzulässig sei. Manche von denen, die nach Kleinasien ausgewandert waren, nahmen dort einen griechischen Namen neben dem hebräischen an, Rufus für Ruben, Justus für Joseph, Alexander für Benjamin, und dieser Umstand gab bei Ehescheidungen zu Verwechselungen Anlaß. Aus diesem Grunde erließ Gamaliel eine Verordnung, daß in dem Scheidebriefe die verschiedenen Namen des Gatten und der Gattin deutlich angegeben werden sollen, um die Identität nicht zweifelhaft zu lassen. Ebenso sollten die unterschriebenen Zeugen ihre Namen deutlich hinsetzen. – Bis dahin konnte der Tod eines Ehegatten nur durch Aussage zweier Zeugen bestätigt werden; Gamaliel bestimmte hingegen, daß auch das Zeugnis eines einzigen in solchem Falle genüge, um die Ehefrau als Witwe zu betrachten78. Eine andere Verordnung Gamaliels schützte die Witwen vor der Willkür habsüchtiger Erben, wenn sie die für die Witwe ausgesetzte Summe (Ketubba) unter dem Vorwande vorenthielten, sie hätte sich beim Leben des Ehegatten bezahlt gemacht. – Mit hoher Wahrscheinlichkeit rühren auch andere Bestimmungen, welche das Wohl der Gesellschaft oder die Erhaltung der Eintracht zum Zwecke haben, von Gamaliel her, wenn sie auch nicht unter seinem Namen angeführt werden; so sicherlich die Verordnung, daß für gestohlene oder geraubte Baumaterialien, wenn sie schon zum Bau verwendet worden sind, zum Ersatz der Wert erlegt werden könne. Die Schammaïten in ihrer Strenge hatten das Zurückerstattungsgesetz für Geraubtes so ausgelegt, daß der unrechtmäßige Besitzer sein Haus niederreißen müsse, um den geraubten Gegenstand in seiner ursprünglichen Gestalt dem Eigentümer zu erstatten. Ganz im Hillelschen Geiste der Friedfertigkeit und Menschenliebe sind die Gesetze über das Verhalten gegen Heiden gehalten, die ohne Zweifel ebenfalls Gamaliel zum Urheber haben. Ein Gesetz bestimmte, man dürfe den heidnischen Armen nicht verwehren, Nachlese auf Feldern zu halten und die von dem Eigentümer zurückgelassenen Ähren [349] an den Feldecken zu sammeln, man müsse sie vielmehr in jeder Beziehung gleich judäischen Armen behandeln; man solle den Heiden den Friedensgruß auch an ihren Feiertagen geben, wenn sie dem Götzendienste andächtig obliegen. Aus dieser Gesetzgebung bildete sich die menschenfreundliche Praxis aus, daß in den Städten von gemischter Bevölkerung für die heidnischen Almosenbedürftigen ebensogut wie für die judäischen gesorgt wurde, daß man die heidnischen Kranken pflegte, ihren Hingeschiedenen die letzte Ehre erwies, ihre Leidtragenden tröstete79. Möglich, daß in dieser Zeit das Synhedrion, mit Rabban Gamaliel an der Spitze, ein noch weiter gehendes Gesetz zur Nachachtung erlassen hat, daß nämlich Heiden nicht als Götzendiener angesehen, ja halb und halb als Judäer behandelt werden sollen, wenn sie gewisse sittliche und religiöse Verpflichtungen übernommen haben, nämlich die Enthaltung von Götzenkultus, von Blutschande, von Mord, von Raub, vom Genuß der Fleischstücke von lebenden Tieren, von Lästerung des Gottes Israels und endlich die Wahrung der Rechtspflege. Diese sieben Bestimmungen wurden noachidische Gesetze genannt, weil nach einer eigenen Auslegung in der Erzählung der Genesis von Adam und Noa gefunden wurde, daß sie Noa seinen Nachkommen zur Pflicht gemacht hätte80. Man könnte in dieser heidenfreundlichen Gesetzgebung die Wirkung der agrippinischen Regierung erblicken. Rom und Judäa hatten für einen Augenblick ihre gegenseitige Gehässigkeit abgelegt und zeigten einander wohlwollende Gesinnung. Die Zuvorkommenheit Roms gegen die Judäer ging so weit, daß, als einige leichtfertige Jünglinge der Stadt Dora in ihrem Übermut und Judenhaß auf Anregung der Menge des Kaisers Bildnis in die Synagogen gestellt hatten, der Statthalter Petronius auf Agrippas Klage die Weisung ergehen ließ, solchem Unfuge der Religionsverletzung mit Nachdruck zu steuern81. Wie sehr hatten sich die Zeiten geändert! Andererseits durfte Agrippa die phönizische Stadt Berytus aus Dankbarkeit schmücken und in ihr Theater, Bäder und Säulengänge mit voller Pracht bauen82, ohne dafür von den Trägern der Religion getadelt zu werden.

Nach Vollendung der Bauten ließ er für die Bewohner Gladiatorenkämpfe aufführen, wozu er 1400 verurteilte Verbrecher auswählte, die so lange gegeneinander kämpfen mußten, bis sie sämtlich auf dem Platze blieben. Solche blutige, entsetzliche Schauspiele, von dem herzlosen [350] Rom eingeführt, waren nun einmal eine beliebte Volksbelustigung, die er der Bevölkerung nicht entziehen durfte, sobald er sich ihr angenehm machen wollte. Er selbst war an solche Spiele gewöhnt; er hatte sie öfter in Rom und anderwärts mit angesehen und war dadurch gegen den Entsetzen erregenden Anblick abgestumpft. Kaum drei Jahrzehnte später mußten seine besiegten Stammesgenossen in derselben Stadt und auf dem von ihm erbauten Theater einander auf dieselbe Weise zerfleischen.

Von seinem Großvater Herodes hatte Agrippa die Neigung geerbt, sich bei den Griechen beliebt zu machen. Wie dieser Geschenke nach Athen und anderen griechischen und ionischen Städten schickte, so hat auch sein Enkel dieser halbverkommenen Stadt, ehemals der Mutter der Künste, eine Wohltat erwiesen, welche von den Bürgern nicht so bald vergessen wurde83. Auch den Bewohnern von Cäsarea, welches Herodes zur Nebenbuhlerin Jerusalems gemacht hatte, und denen, welche in der Hafenstadt Sebastos, einem eigenen Viertel, wohnten, erwies Agrippa Wohltaten, und sie erschöpften sich in Zeichen der Dankbarkeit gegen ihn. Die Sebastener setzten seinen drei Töchtern Bildsäulen und schlugen ihm zu Ehren eine Denkmünze84 mit seinem Bilde und der Inschrift:[351] »Der große König Agrippa, Freund des Kaisers« auf der einen Seite. Auf der andern zeigt sie das Bild der Glücksgöttin, die in der einen Hand ein Ruder und in der anderen ein Füllhorn hält, und dazu die Inschrift: »Cäsarea85 das beim Hafen Sebastos.« Diese Dankbarkeit war nur nicht von gar langer Dauer. Den Hafenstädten Anthedon und Gaza hat er wohl auch Gunstbezeugungen zugewendet, da auch sie ihm zu Ehren Münzen geprägt haben. »Die Söhne der Fremde« haben Agrippa, wie dem König David einst, gehuldigt, allerdings nicht mit aufrichtigem Herzen. Auch die wilden Bewohner von Auranitis und Trachonitis haben seinen Namen durch Inschriften verewigt. Bei seiner Rückkehr aus Rom, wo er einen Kaiser gemacht hatte, dankten die Bewohner einer Stadt in dieser Gegend »für die Rettung des Königs Agrippa und seine Rückkehr«, dem Gotte Zeus. Alle nannten ihn »den großen König«, freilich mit dem Zusatze: »Freund des Kaisers und Freund der Römer« (φιλόκαισαρ φιλορώμαιος).

Obwohl Agrippa mit mehreren Fürsten befreundet war, die gleich ihm ihre Macht und ihren Glanz der Gunst Roms oder des Geschöpfes, welches als Kaiser galt und Rom und das römische Reich bedeutete, zu verdanken hatten, so kam es ihm doch nicht in den Sinn, seine Tochter in deren Familie zu verheiraten, solange diese dem Heidentum angehörten. Er verschwägerte sich lieber mit dem Arabarchenhause in Alexandrien. Seine älteste Tochter Berenice, die wegen ihrer strahlenden Schönheit und ihres Geschickes berühmt geworden ist (geb. 28, st. zwischen 81 und 93), verlobte er mit Marcus, dem Sohn des Arabarchen Alexander Lysimachus (o. S. 319), dem er zu Dank verpflichtet war, und der gleich ihm in die kaiserliche julianische Familie [352] aufgenommen war. Der judäische Arabarch hatte vermöge seines Reichtums, seines Ansehens und Einflusses eine so hohe Stellung, daß der König kein Bedenken trug, seine Tochter in diese Familie zu verheiraten. Da indessen Marcus während der Verlobungszeit starb, verheiratete Agrippa diese Tochter an seinen Bruder Herodes II., König von Chalkis86. Seine zweite Tochter Mariamne (geb. 34) versprach er einem angesehenen Judäer, Julius Archelaus, einem Sohne Chelkias, welcher den Beinamen »der Große« führte87. Sie wurde auch, als sie mannbar war, mit diesem verheiratet, schied sich aber von ihm und heiratete einen Arabarchen88. Die jüngste seiner Töchter, die ebenfalls schöne Drusilla (geb. 38), verlobte Agrippa zwar mit einem heidnischen Prinzen, dem Sohn seines Freundes Antiochos von Commagene. Aber der Bräutigam, Namens Epiphanes, mußte versprechen, zum Judentum überzutreten und das Bundeszeichen anzunehmen89.

Agrippas letzte Regierungsjahre waren glücklich für die Judäer in und außerhalb Judäas, eine freundliche Abendröte vor dem Hereinbrechen grauenvollen Dunkels. Sie hatten eine gewisse Ähnlichkeit mit der Zeit des Königs Josia in der älteren Geschichtsperiode: friedliche Zustände im Innern und nach außen, Selbständigkeit innerhalb gewisser Schranken und geistige Regsamkeit, wie denn auch Agrippa eine gewisse Charakterähnlichkeit mit diesem Könige zeigte, indem beide zuerst von der Verderbnis der Zeit mit fortgerissen waren, sich später daraus emporgerafft haben und musterhafte Fürsten geworden sind. Die Judäer außerhalb Palästinas, weit und breit im römischen Reiche angesiedelt, genossen die Gunst, in welcher Agrippa beim Kaiser Claudius stand; sie durften nirgends in ihrer Lebensweise und in ihrer religiösen Überzeugung gekränkt werden und konnten ihre Eigenart bewahren.

Glücklich fühlten sich besonders die Judäer in Ägypten und namentlich in Alexandrien, wo sie vorher unter Caligula mehrere Jahre hindurch verhöhnt und gequält worden waren. Claudius hatte ihre Gleichberechtigung mit den griechischen Bewohnern des Landes ausdrücklich bestätigt und die Statthalter angewiesen, ihnen keinen Unglimpf zufügen zu lassen. Ihr Oberhaupt, der Arabarch Alexander Lysimachos, [353] von diesem Kaiser aus dem Kerker befreit (o. S. 344), nahm wieder seine hohe Stellung ein und konnte für seine Stammesgenossen segensreich tätig sein. Sein Bruder Philo begann erst in dieser Zeit unter Claudius die Gedankenschätze seines Innern zur Belehrung für große Kreise zu offenbaren und bildete den Höhepunkt der judäisch-griechischen Geistesrichtung. Griechisch redende und gebildete Judäer hatten bis dahin viel in der hellenischen Sprache geschrieben, teils zur Abwehr hämischer Angriffe auf ihren Ursprung und ihre Lehre, teils zur eigenen Belehrung und zur Kräftigung ihrer Überzeugungen. Aber bleibenden Wert hatte dieses Schrifttum, soweit es nach dem Erhaltenen beurteilt werden kann, durchaus nicht. Auf die dichterischen Erzeugnisse (o. S. 46) waren geschichtliche gefolgt, teils unter eigenem, teils unter erborgtem Namen und unter täuschender Vermummung. Ein Demetrios90 hatte eine Art Geschichte oder Chronologie der Judäer geschrieben von der Zeit der Erzväter vielleicht bis zur babylonischen Verbannung mit genauer Berechnung der Jahre von Adam bis zur Wanderung nach Ägypten, und vom Exile der Zehnstämme und der babylonischen Gefangenschaft bis zur Zeit eines Königs Ptolemäus. Ein anderer Schriftsteller, unter dem Namen Eupolemos, hinterließ ein Geschichtswerk über die Könige und Propheten – mit vielem Aufputz. Darin wurde besonders Salomo verherrlicht, und ein erdichteter Briefwechsel zwischen ihm und den Königen von Ägypten und Tyrus mitgeteilt. Von Moses Weisheit wurde in diesem Geschichtsbuch gepriesen, daß er nicht bloß die Gesetze, sondern auch die Buchstabenschrift den Judäern überliefert habe, und daß erst von ihnen die Phönizier und von diesen die Griechen die Schrift entlehnt hätten.

Ein judäisch-alexandrinischer Schriftsteller unter dem Namen Artapanos, der einem ägyptischen Priester die Geschichte von dem Geschlechte der Judäer in den Mund legte, mischte in die Urgeschichte allerlei Fabeleien über Joseph und Mose. Weil griechische Schmäher von dem Gesetzgeber mit Verachtung sprachen (o. S. 323), verherrlichte ihn dieser – nennen wir ihn Artapanos – über die Maßen. Er habe eigentlich Moysos geheißen und sei derselbe, den die Hellenen als Musaios, den Lehrer des Saitenspielers Orpheus, hoch verehrten. Er sei auch als Hermes, als Ausleger der heiligen Schriften der Ägypter, von den Priestern in hoher Verehrung gehalten worden. Dieser Moysos habe sehr viele nützliche Erfindungen eingeführt, auch die Philosophie gelehrt, sei ein gar bedeutender Krieger gewesen und habe einen Waffenzug gegen die Äthiopier ausgeführt. Noch viel mehr [354] Fabeln hat Artapanos in Moses Lebensbeschreibung eingeflochten. – Ein Dichter Ezekielos (Theodektes?) bearbeitete die Geschichte Moses und des Auszuges aus Ägypten zu einem Drama und ließ die darin auftretenden Personen: Mose, seine Frau Sepphora, Rag@el, seinen Schwiegervater, und selbst Gott in griechischen Versen sprechen. Diese Hellenisierung der israelitischen Urgeschichte scheint in einigen Kreisen Anstoß erregt zu haben, als wäre das Heilige dadurch entweiht. Als Ezekiels' Augenlicht durch ein Leiden erlosch, wurde es als eine Strafe wegen dieser Entweihung angesehen. Dieses Drama hat den Titel »Auszug« (ἐξαγωγἠ), ist jedoch wie das ganze ältere judäisch-griechische Schrifttum nur bruchstückweise erhalten. Ganz unbedeutende Fragmente sind noch vorhanden von einem Theophilos über das Geschenk, welches Salomo dem tyrischen König Hiram gesendet haben soll, und von einem Aristaias über die Abstammung des Dulders Hiob, und diese Bruchstücke lassen nicht einmal auf den Inhalt oder Charakter ihrer Schriften schließen.

Neben diesen Schriften entstanden Übersetzungen einzelner Bücher der heiligen Schrift ins Griechische. Der jüngere Sirach, Enkel des ältern Jesua Sirach91, welcher unter Ptolemäus Physkon ausgewandert war, übertrug die Sprüche seines Großvaters ins Griechische92. Von dem Buche Esther, das erst während der Leiden der Makkabäerzeit entstanden ist93, sind mindestens zwei griechische Übersetzungen angelegt worden, die zugleich Zusätze, Ausschmückungen und Wundererzählungen enthalten. Ganz besonders ließen es sich die Übersetzer angelegen sein, Gottes Hand, was das Original vermissen läßt, bei der Errettung des Volkes unter Ahasverus zu zeigen, Wunder in die so nüchterne, so aller Wunderbare Erzählung einzuflechten, und einen Traum Mardochaïs zu erdichten, der ihm die Leiden und die Errettung voraus verkündet hätte.94.

Ein wohl in Alexandrien lebender judäisch-griechischer Schriftsteller, der, um die Griechen von der Vortrefflichkeit der judäischen Lehre zu überzeugen, unter dem Namen des griechischen Geschichtsschreibers Hekataios von Abdera schrieb, behandelte zwar ebenfalls die alte Geschichte und hinterließ eine Schrift über Abraham. Aber am meisten lag ihm daran, die Vorgänge, welche die Judäer unter griechisch-mazedonischer Herrschaft betrafen, zur Kenntnis zu bringen. Pseudo-Hekataios95 stellte dar, daß Judäer nicht bloß unter Alexander [355] dem Großen, sondern auch unter dem ersten Ptolemäer freiwillig nach Ägypten ausgewandert wären, und daß ihnen diese mazedonischen Herrscher große Gunst erwiesen hätten. Es sollte eine Widerlegung der Verunglimpfung von seiten griechischer Judenfeinde sein, die behauptet hatten, daß die Judäer in Alexandrien und Ägypten einen niedrigen Stand eingenommen hätten. Einen kenntnisreichen und beredten Priester Namens Ezechias, welcher mit nach Ägypten ausgewandert sei, läßt Pseudo-Hekataios die Standhaftigkeit der Judäer bei der Beobachtung ihrer Gesetze auseinandersetzen und zeigt, daß sie nicht Leiden, selbst nicht der Tod zur Übertretung derselben bringen könnten. Einen anderen Judäer, namens Mosollamos, läßt er den tatsächlichen Beweis von der Nichtigkeit des Glaubens der Griechen an Vögelflug führen. Dieser habe als gewandter Schütze einen Vogel, auf welchen in der Wüste irrende Griechen die Hoffnung gesetzt, daß er ihnen den richtigen Weg durch seinen Flug zeigen würde, mit einem Pfeil getötet und damit den Griechen das Törichte dieses Glaubens bewiesen. Auch von der Schrift des judäischen Hekataios sind nur Bruchstücke vorhanden96.

Ganz erhalten sind lediglich eine mit vielen Sagen und Wundererzählungen ausgeschmückte Geschichte der Makkabäerin griechischer Sprache, welche der Verfasser aus einer umfangreichen Schrift eines Jason von Kyrene auszüglich gegeben haben will (zweites Makkabäerbuch), und die zur Zeit der Leiden der alexandrinischen Judäer unter dem Kaiser Caligula entstandene Erbauungsschrift, um die Leidenden zur Standhaftigkeit zu ermutigen, das dritte Makkabäerbuch (o. S. 334).

Alle diese selbständigen oder halbselbständigen Schriften, mehr oder weniger schlecht geschrieben, haben weder inhaltlichen noch künstlerischen Wert. Sie legen nicht gerade das beste Zeugnis von der Bedeutsamkeit des judäisch-griechischen Schrifttums ab. Die klassische Zeit desselben bildet erst die Lebenszeit des Großgeistes Philo, des Zeitgenossen des Königs Agrippa. Erst diese offenbart die Vertiefung der griechisch redenden Judäer in ihre eigenen Quellen, ihren weiten Blick und ihre Gedankenhoheit. Damals war die Geburtszeit einer eigenen judäischen Weltweisheit. Erst in dieser philosophisch regsamen Zeit konnte es unternommen werden, das Kunstwerk Hiob in ein griechisches Gewand zu hüllen. In der Flachheit der vorangegangenen Zeit wäre diese, eine bedeutende Gedankenarbeit erfordernde Übersetzung nicht möglich gewesen. Eine gesicherte Überlieferung erzählt: Als einst das [356] Haupt des hohen Rates Gamaliel, Hillels Enkel, auf dem Tempelberge saß, sei ihm eine Übersetzung des Buches Hiob, ohne Zweifel in griechischer Sprache, als etwas ganz Neues eingehändigt worden. Er habe aber kein Behagen daran gefunden, vielmehr sofort den Befehl erteilt, die ihm überreichte Rolle in das Gemäuer des Außenwerkes des Tempels, an dem damals noch immer gearbeitet wurde, zu stecken. Gamaliel hielt die Übersetzung eines der Bücher, welche nicht zur Sammlung der Schriften der Thora und der Propheten gehören, für schädlich97.

Die glückliche Zeit der agrippinischen Regierung war indessen nur von kurzer Dauer. Wenn auch der Kaiser Claudius Vertrauen zu Agrippa hatte, so beargwöhnten doch seine Diener jeden Schritt des judäischen Königs und sahen darin ein Vorzeichen des Abfalls. Agrippas Gewandtheit, Selbständigkeit und nationaler Sinn erschienen den Römern, die ihn in der Nähe zu beobachten Gelegenheit hatten, für die römischen Interessen gefahrdrohend. Sie täuschten sich in der Tat nicht. So sehr auch Agrippa mit Rom liebäugelte, so war er doch darauf bedacht, Judäa in den Stand zu setzen, einem Zusammenstoße mit Rom, der ihm unvermeidlich schien, gewachsen zu sein. Hing ja die Gunst oder Ungunst Roms von der Zufälligkeit ab, welche Person an die Spitze der Weltmacht gestellt war, und selbst der beste Herrscher war gegen die Vorurteile der römischen Großen und die Ränke seiner Umgebung machtlos. Agrippa, der mit ganzem Herzen judäischer König geworden war, wollte sein Volk nicht von der Laune irgend einer Persönlichkeit abhängen lassen; darum ließ er Baumaterialien in Fülle nach Jerusalem bringen und ging ans Werk, die Vorstadt auf dem Hügel Bezetha im Nordosten der Stadt, nördlich von der Burg Antonia (Baris) durch starke und hohe Mauern zu befestigen. Dieser Stadtteil war allmählich durch Zunahme der Bevölkerung entstanden. Hier waren Marktplätze für Wollhändler, Erzschmiede, Kleider- und Viehverkauf. Bei einem feindlichen Angriff auf Jerusalem war aber Bezetha zuerst gefährdet und dadurch auch die benachbarte Antonia. Deswegen ließ sich Agrippa vom Kaiser Claudius, der ihm nichts versagen konnte, die Erlaubnis zur Befestigung derselben erteilen, und die Hofkreaturen gewann er durch Geschenke dafür. Auch hatte diese Vorstadt (Oberbezetha) nicht die Heiligkeit Jerusalems, weil sie offen war. So wurde die Umwallung unternommen. Es wurden dazu Quadersteine von zwanzig Ellen Länge und zehn Ellen Breite verwendet, und die Dicke der Mauern betrug zehn Ellen. Diese begannen [357] von dem Turm Hippikos im Westen, machten einen weiten Bogen im Norden und reichten bis zum Kidron-Tale im Osten des Tempels. Sobald sie eine gewisse Höhe erreicht hatten, wurde dieser Stadtteil feierlich eingeweiht. Der König, das große Synhedrion, Levitenchöre, gewiß auch der Hohepriester und hinter ihnen das Volk umzogen ihn in Prozession längs der Mauer. Im Tempel sangen die Levitenchöre den Psalm 30, welcher die Erhebung des Volkes aus der Niedrigkeit zum Inhalte hat (o. S. 346). Damit wurde Bezetha zum Bestandteil der heiligen Stadt erklärt. Aber die Vollendung der Mauern hintertrieb der damalige Statthalter von Syrien Vibius Marsus. Er durchschaute den Plan, den Agrippa mit der Befestigung verfolgte, schilderte dem Kaiser die Gefahren, die daraus für Rom entstehen könnten, und setzte es durch, daß ein Befehl an Agrippa erging, die Befestigung einzustellen98. Agrippa mußte gehorchen. Er war noch nicht in der Lage, Widersetzlichkeit zu zeigen. Aber er hatte im Sinne, Roms Macht in Judäa zu schwächen, und vereinigte sich mit den ihm befreundeten und verschwägerten Nachbarfürsten, um eine selbständige Haltung gegen Rom einzunehmen. Er lud daher diese Fürsten unter dem Vorwande harmloser Vergnügungen zu einer gemeinsamen Verabredung nach Tiberias ein. Es trafen in der galiläischen Hauptstadt ein Antiochos, König von Commagene, des judäischen Königs Gesinnungsgenosse, dessen Sohn Epiphanes mit Agrippas jüngster Tochter verlobt war; ferner Sampsigeramos, König von Emesa, dessen Tochter Jotape mit Agrippas Bruder Artistobul verheiratet war99, ferner Kotys, König von Kleinarmenien, Polemon, Fürst von Cilicien und endlich Herodes, Agrippas Bruder, König von Chalkis. Alle diese Fürsten waren von Claudius in ihre Stellung eingesetzt worden und hatten daher von einem Thronwechsel in Rom oder von den Einflüsterungen einflußreicher Personen bei Hofe den Verlust ihrer Würde zu fürchten. Marsus aber schöpfte von dieser Eintracht und diesem Zusammentreffen befreundeter Fürsten Verdacht, traf plötzlich in Tiberias ein und bedeutete den Versammelten mit altrömischem Stolze, sich sofort in ihre Heimat zu begeben100. Und so gefürchtet war Rom, daß diese Fürsten auf ein Wort eines kaiserlichen Dieners auseinander gingen.

Indessen hätten wohl Agrippas Unternehmungsgeist und Ausdauer Judäa vor neuen Demütigungen geschützt und auch für die künftige Sicherheit gesorgt, wenn ihn nicht der Tod im Alter von vierundfünfzig [358] Jahren ganz unerwartet ereilt hätte (Frühjahr? 44), als er eben einem Schauspiele zu Ehren des Kaisers Claudius nach dessen Rückkehr von der Eroberung Britanniens in Cäsarea beiwohnte. Sein plötzlicher Tod gab zu verschiedenen Gerüchten Veranlassung. Einige sagten, er hätte sich zuletzt versündigt, weil er sich von Schmeichlern göttliche Verehrung habe gefallen lassen. Andere, er habe die Stimme eines unheilverkündenden Uhus vernommen, wodurch sich erfüllt habe, was ihm einst, als er noch im Kerker saß, ein germanischer Soldat prophezeite, daß diese Stimme seinen Totengesang bedeuten werde101. Die Christen glaubten, er habe den plötzlichen Tod wegen der an ihnen verübten Verfolgung verdient102. Die Schmerzen in den Eingeweiden, die ihn überfielen und ihm den Tod brachten, lassen aber einen anderen Grund vermuten. Mit Agrippa ging der letzte Stern Judäas unter; er starb, wie der letzte edle König der vorexilischen Zeit, Josia, ein viertel Jahrhundert vor dem Untergang des Staates.

Nach Agrippas Tod zeigte es sich, mit welchem verbissenen Ingrimme die Griechen, die in Palästina wohnten, dieses Königs Machtstellung erfüllt hatte. Die Syrer und Griechen in Cäsarea und in der Hafenstadt Sebastos, uneingedenk der von Agrippa empfangenen Wohltaten, ergossen sich in Schimpfreden gegen den Verstorbenen und opferten unter Gelagen dem Charon, daß er Agrippa entführt. Die römischen Soldaten, welche in Cäsarea standen, besonders die aus der Bevölkerung ausgehobenen, welche den Namen Augustäer und Cäsarenser führten103, machten gemeinsame Sache mit ihnen, schleppten die[359] Bildnisse von Agrippas Töchtern in unflätige Häuser und beschimpften sie. Als Claudius von den seinem verstorbenen Freunde angetanen Beschimpfungen Nachricht erhielt, war er nicht gleichgiltig dagegen und wollte sogar dessen siebzehnjährigen Sohn Agrippa II., der damals zur Erziehung in Rom weilte, zum König ernennen; allein seine Günstlinge, die Freigelassenen Pallas und Narcissus, welche seinen Willen beherrschten, wußten ihn davon abzubringen. Sie schützten Agrippas Jugend vor und behaupteten, daß er nicht imstande sein werde, ein so schwieriges Land wie Judäa zu regieren. Darauf wurde Judäa wiederum zur römischen Provinz erklärt und verblieb in dieser Stellung bis zum Untergange des Reiches.

Dem ersten Landpfleger Cuspius Fadus, dem der Kaiser aus freundlicher Erinnerung an den verstorbenen judäischen König eine gewisse unabhängige Stellung gegenüber dem syrischen Statthalter Vibius Marsus verlieh, weil dieser feindlich gegen Agrippa und die Judäer gesinnt war, trug er auf, die übermütigen Soldaten, die Agrippas Andenken beschimpft hatten, zu bestrafen und sie nach dem Pontus zu versetzen. Das letztere unterblieb jedoch auf deren dringende Bitten um Verzeihung. Dieses von Judenhaß erfüllte Soldatenkorps blieb also in Judäa und trug nicht wenig zur Erbitterung der Nationalen bei104.

Die judenfeindliche Stimmung der Heiden stachelte die Judäer zu Repressalien auf; es bildeten sich wieder, wie nach Herodes' Tode, Freischaren, die, von Führern geleitet, den heidnischen Bewohnern arg mitspielten. Ein solcher Freischarenführer war Tholomaï, welcher in Idumäa hauste und im benachbarten Lande den Nabatäern viel Schaden zufügte. Fadus betrachtete es als seine Aufgabe, solche Aufstände nicht wachsen zu lassen, zog gegen die Freischaren zu Felde und zersprengte sie; Tholomaï wurde gefangen und vermutlich enthauptet105 Ein Streit der Judäer in Peräa mit den heidnischen Einwohnern von Philadelphia (Rabbat Ammon) um das Gebiet von Mia (Zia), einige Stunden von dieser Stadt entfernt, fiel ebenfalls zum Nachteil der Judäer aus. Von den judäischen Anführern Amram, der den Streit [360] benutzt hatte, um die Erlösung vom Joche der Römer zu unternehmen, und seinen Genossen Hannibal und Eleasar ließ Fadus den einen enthaupten und die übrigen verbannen106 Fadus beabsichtigte ferner der Römerherrschaft über Judäa denjenigen Umfang zu geben, den sie vor Agrippa unter den ersten Landpflegern hatte; er versuchte, die Hohenpriesterwahl und die Bewahrung der Priesterkleider in der Burg Antonia in seinen Bereich zu ziehen. Dagegen erhoben indessen die hohenpriesterlichen Geschlechter Einspruch, und auch Agrippas Bruder, Herodes II., war damit unzufrieden, weil er den Ehrgeiz hatte, das Recht der Hohenpriester-Wahl zu erlangen. Es scheint eine solche Aufregung deswegen in Jerusalem geherrscht zu haben, daß nicht bloß der Landpfleger Fadus, sondern auch der Statthalter Cajus Cassius Longinus mit zahlreichen Truppen in Jerusalem eintraf. Als die vornehmen Familien, Herodes und sein Bruder Aristobul an der Spitze, um Aufschub und um die Erlaubnis baten, deswegen eine Gesandtschaft an den Kaiser zu senden, gestatteten es die beiden höchsten römischen Beamten nur unter der Bedingung, daß Geißeln für die Erhaltung der Ruhe gestellt würden. Als solche übergeben waren, ging eine Gesandtschaft, bestehend aus Cornelius, dem Sohne des Keron (?), Tryphon, dem Sohne des Theudion, Dorotheos, dem Sohne des Nathanael, und Johannes nach Rom. Hier führte sie der jüngere Agrippa beim Kaiser ein, und dieser bewilligte aus Rücksicht für die Herodianer das Gesuch, damit die Judäer nach ihren eigenen Gesetzen leben könnten (Sommer 45107); Herodes erhielt das Recht, die Hohenpriester zu wählen. Er machte sogleich von diesem Recht Gebrauch, indem er den von seinem Bruder zuletzt eingesetzten Hohenpriester Elionaï (o. S. 348) seiner Funktion enthob und dafür einen anderen, Joseph aus dem Hause Kamith, ernannte108. Als [361] fürchtete Herodes einen Hohenpriester längere Zeit im Amte zu lassen, setzte er nicht lange darauf an dessen Stelle einen andern ein, Ananias ben Nebedaï109 oder Jochanan ben Nebedaï (um 46), der sich durch weiter nichts als durch seine Gefräßigkeit berühmt gemacht hat. Man erzählt sich von ihm, daß zu seiner Zeit niemals übriggebliebene Opferstücke vorgekommen seien110.

Herodes II. konnte also in einem gewissen Sinne als König von Judäa angesehen werden. Nur auf den Gang der politischen Angelegenheiten besaß er keinen Einfluß. Die von ihm erhaltenen Münzen haben lediglich auf sein eigenes Königreich Chalkis Bezug. Die politische und richterliche Macht war in den Händen der Landpfleger. Das Synhedrion, das unter Agrippa und Gamaliel sein altes Ansehen wieder erlangt hatte, büßte es unter den Landpflegern wieder ein111.

Fadus hatte während seiner Verwaltung auch einen messianischen Aufruhr zu dämpfen. Ein gewisser Theudas trat als Prophet oder Messias auf und fand an 400 Gläubige, so sehr war die messianische Erlösung die Sehnsucht des Volkes geworden. Schwerlich wird Theudas ein bloßer Betrüger gewesen sein. Er mag vielmehr, dem Herzensdrange folgend, Träume zu verwirklichen gesucht haben. Darum verhieß er seinen Anhängern als Zeichen seiner Messianität, daß er den Jordan spalten und sie trockenen Fußes hindurchführen werde. Als dann seine Anhänger mit Hab und Gut sich dem Jordan näherten, verfolgte sie eine von Fadus ausgesandte Reiterschar, tötete viele, machte andere zu Gefangenen und hieb das Haupt des Schwärmers ab, das nach Jerusalem gebracht wurde112 (um 46). Nicht lange darauf wurde Fadus abberufen und an seine Stelle kam der zum Heidentume übergetretene Tiberius Julius Alexander, der Sohn des Arabarchen Alexander und Neffe des judäischen Philosophen Philo. Tiberius hatte bereits die Würde eines römischen Ritters inne113. Der Kaiser glaubte gewiß durch die Ernennung eines geborenen Judäers aus einem angesehenen Geschlechte zum Landpfleger der judäischen Nation einen Beweis seines Wohlwollens zu geben und sie für den Verlust der Selbstregierung zu entschädigen. Er wußte nicht, daß die empfindlichen Gemüter sich nur noch mehr verletzt fühlen mußten, von einem Abtrünnigen regiert zu werden. Das Volk scheint sich auch unter Tiberius' Verwaltung sehr unbehaglich gefühlt zu haben; die Zeloten erhoben wieder ihr Haupt und reizten zum Aufruhr. Sie hatten Führer an den Söhnen des Zelo tenstifters Juda, des Galiläers (o. S. 251, 259), [362] Jakob und Simon, welche der Vater in seinen Grundsätzen erzogen hatte. Aus der harten Strafe, die der Landpfleger über sie verhängte, läßt sich auf den Ernst des Aufstandes schließen. Er ließ nämlich beide Brüder ans Kreuz schlagen114, die entehrendste Strafe nach römischem Strafgesetze. – Als sollte das Volk für so viele Demütigungen durch einen abgefallenen Genossen anderweitig entschädigt werden, sah es mit Stolz in dieser Zeit, wie eine heidnische Königin, die zum Judentum übergetreten war, seine Wohltäterin wurde und in einer Hungersnot mit königlicher Freigebigkeit für die Notleidenden sorgte (47-48). Doch davon später.


Fußnoten

1 Josephus Altert. XIX, 5, 1.


2 Sein Sohn wurde genannt Tiberius Julius, vergl. Corp. Inscrr. Graecc. III, Nr. 4957.


3 Josephus j. Kr. V, 5, 3.


4 Josephus Altert. XVIII, 6, 1-10. Philo in Flaccum § 5, M. II, p. 520, § 6, M. II, p. 523. – Über Abila Lysaniae vergl. Renan, Dynastie des Lysanias in den mémoires des inscriptions et des belles lettres T. XXVI pars II, p. 49 fg. Das Ergebnis der Renanschen Untersuchung ist, daß die Landschaft den Namen von Lysanias führte, dem Sohne des Ptolemäus Mennäi, welcher lange Damaskus inne hatte, und daß der Zenodoros oder Zenon, nach welchem ein Landstrich den Namen οἶκος τοῠ Ζƞνοδώρου führte, wahrscheinlich ein Sohn dieses Lysanias war. Renan zweifelt aber mit Unrecht daran, daß eben diese Landschaft des Zenodoros Panias und Ulatha war. Josephus berichtet (Ant. XV, 10, 3), Augustus habe dem Herodes auch noch Οὐλάϑαν καὶ Πανιάδα καὶ τὴν πέριξ χώραν geschenkt. Dann berichtet er (B. j. II, 6, 3): Augustus habe dem Herodes Antipas gelassen: Cäsarea usw. καὶ μὲρƞ τινὰ τοῠ Ζἠνωνος (Ζƞνοδώρου) οἴκου τὰ περὶ Ἰαμνίαν. [Vergl. jedoch Niese z. St.] Wie kommt Jamnia zu dieser Gegend? Sagt doch Josephus an derselben Stelle, daß Jamnia der Salome zugewiesen worden sei? Man muß also lesen Πανιάδα statt Ἰαμνίαν. Dann ist alles in Ordnung. Gebietsteile des Zenodorus und Panias wurden genannt »Haus des Zenodoros,« d.h. Panias und Ulatha. [Vergl. hierzu Schürer I3, S. 718 f.]


5 Josephus das. 6, 11; 7, 1-2; XIX, 8, 2. An der letzten Stelle heißt es, Agrippa habe unter Caligula vier Jahre regiert, indem er Philipps Tetrarchie drei Jahre innegehabt, im vierten auch die des Herodes Antipas dazu bekommen: τῷ τετάρτῳ δὲ καὶ τὴν Ἡρώδου προσειλƞφώς. In dieser Angabe konnten sich die Forscher bisher nicht zurecht finden. Denn Caligula hat Antipas noch im Jahre 39 während seiner Anwesenheit in Rom abgesetzt, und im Herbst 39 zog Caligula zum Scheinkrieg nach Gallien und Deutschland aus und blieb fast ein Jahr von Rom abwesend. Von 37, Caligulas Regierungsantritt, bis 39 sind nur drei Jahre und kaum voll. Wie kann Agrippa im vierten Jahre desselben Antipas' Tetrarchie bekommen haben? Daß ein Intervall zwischen Antipas' Entsetzung und Agrippas Einsetzung anzunehmen sei, ist durchaus ungerechtfertigt (vergl. Schürer L.-B. der neutest. Zeitgesch. 246 N. [jetzt I3, 448 f., wonach Schürer, und zwar mit Recht, ein mehrmonatliches Intervall zwischen der Absetzung des Antipas und der Überweisung an Agrippa annimmt]. Allein die chronologische Schwierigkeit ist einfach zu heben. Es steht gegenwärtig fest, daß es Münzen von Agrippa gibt, welche das Prägungsjahr 8 und 9 haben. Was von Eckhel und anderen Numismatikern bezweifelt wurde, ist durch Reichardts Funde festgestellt. (Abgedruckt bei Madden, Numismata orientalia II, 132.) Reichardt erklärte auch diesen Umstand richtig (Numism. Zeitschr. II, 272): daß Agrippa seine Regierungsjahre derart gezählt haben muß, daß die kurze Zeit vor Nissan, in welcher er die Regierung übernommen, nach talmudischer Angabe, als ein volles Jahr gezählt wurde. Daher konnte er 9 Regierungsjahre zählen, obwohl er im ganzen nur 7 Jahre regiert hat, vom März 37 bis Sommer 44 (Reichardt das.). Was Reichardt nur konjekturierend aufgestellt hat, findet seine Bestätigung durch chronologisch fixierte Tatsachen. Caligula setzte Agrippa gleich nach seiner Thronbesteigung und dem Tode Tiberius' zum König ein – März 37. Der März muß in diesem Jahre noch in den Monat Adar gefallen sein. Nach Jos. (Ant. XVIII, 5, 3) traf Vitellius auf seinem Zuge nach Petra zum bevorstehenden Feste in Jerusalem ein: ἑορτῆς πατρίου.. ἐνεστƞκυίας, d.h. zum Passah-Feste. Er weilte da drei Tage, und am vierten erhielt er die Nachricht von Tiberius' Tod. τῇ τετάρτῃ.. ἐδἠλου τὴν Τιβερίου τελευτἠν. Es muß eine geraume Zeit an genommen werden, bis eine Nachricht von Tiberius' Tod von Rom nach Jerusalem gelangte. Die Schiffahrt von Puteoli bis Alexandrien dauerte mehr als 12 Tage (L. Friedländer, Sittengesch. Roms II, 2, S. 133) und von Ostia nach Puteoli 3 Tage; nun muß noch die Zeit von Rom bis Ostia und von Alexandrien nach Cäsarea zu Schiff und von hier nach Jerusalem zu Lande gerechnet werden. Die Nachricht von Caligulas Tod (24. Jan.) kam Petronius erst anfangs März zu (vergl. Monatsschr. Jahrg. 1877, S. 152 fg.), also nach mindestens einem Monat Intervall. Die Nachricht von Tiberius' Tode, 16. März, traf erst zum Passah-Feste in Nissan ein; nimmt man auch nur einen Monat Intervall an, so muß der 16. März 37 in den Adar gefallen sein. Agrippa ist also im Adar König geworden, und er rechnete von Adar bis Nissan als erstes Jahr. Adar bis Nissan 37 – I. J; N. 37 bis N. 38 II. J.; N. 38 bis N. 39 III. J.; N. 39 bis Elul 39 das vierte Jahr. So ist die Chronologie in Ordnung. Die Jahre auf den Münzen müssen danach berechnet werden. Obgleich Madden diesen Kalkul richtig findet (a.a.O.), so berechnet er nichtsdestoweniger das Jahr 44 auf einer Münze des Herodes Antipas gleich 41 nachchr. (S. 122, 128), während es das Jahr 39 sein kann, nämlich das Jahr 4 vorchr. (vor Nissan begonnen) als 2 Jahre und das Jahr 39 nachchr. (nach Nissan abgesetzt) ebenfalls auf 2 Jahre. Dasselbe ist der Fall mit den Regierungsjahren des Tetrarchen Philipp.


6 Interessant ist dafür die Bemerkung in legatio ad Cajum § 4 M. II, 569: Τοιγαροῠν οἱ πανταχοῠ πάντες εἰ καὶ φύσει διέκειντο πρὸς Ἰουδαίους οὐκ εὐμενῶς εὐλαβῶς εἶχον κ. τ. λ.


7 Josephus contra Apionem II, 14.


8 Vergl. über Posidonius C. Müller Fragm. histor. Graec. III, p. 245 fg. Mit Recht stellt Müller auf, daß das Fragment bei Diodor (excerpta de virtute 34) über Antiochos Sidetes' Verhalten gegen die Judäer von Posidonius stammt (p. 256); darin kommt schon die Märe vom Esel vor. Richtig ist auch die Bemerkung, daß die angebliche Verehrung des Eselkopfes bei Apion (contra Apionem II, 7) von Posidonius und Apollonius Molo (d.h. eigentlich von dem ersteren) stammt und ebenso die Fabel von dem aufgefütterten Griechen (das. II, 8).


9 Josephus bemerkt, daß Apollonius Molo nicht eine zusammenhängende Schrift gegen die Judäer geschrieben, sondern die Beschuldigungen gegen sie sporadisch in einem Buche vorgebracht habe (contra Apionem II, 14) Ἄλλως τε καὶ τὴν κατƞγορίαν ὁ Ἀπολλώνιος οὐκ ἀϑρόαν.. ἔταξεν, ἀλλὰ σποράδƞν καὶ διὰ πάσƞς τῆς συγγραφῆς. [Zu den letzten Textworten vergl. Nieses Bemerkung z. St.] Was für eine Schrift das war, ist nicht bekannt. Alexander Polyhistor bezeichnet sie indes als eine gegen die Judäer besonders gerichtete Schrift, mindestens als ein besonderes Kapitel (bei Eusebius praep. evang. IX, 19; Müller Fragm. III, 212). Ὁ δὲ τὴν συσκευὴν τὴν κατὰ Ἰουδαίους γράψας Μόλων. Das Wort συσκευἠ kann keineswegs opus integrum bedeuten, sondern lediglich »Vorbereitung, Einleitung« zu einer Auseinandersetzung. [Richtiger nach Schürer III3, 402: »Nachstellung, Bekämpfung, Streitschrift.«] In dieser συσκευἠ war die Geschichte Abrahams enthalten, ziemlich getreu bis auf einige Unrichtigkeiten, aber ohne Gehässigkeit. An die Geschichte Abrahams und Josephs hat sich wohl ein entstellender Bericht über den Auszug aus Ägypten angereiht, nach Jos. II, 2. Μόλων δὲ καὶ ἄλλοι τινες (περὶ Ἰουδαίων ἐξ Αἰγύπτου ἀπƞλλαγμένων) ὡς αὐτοῖς ἔδοξεν. Auch über Mose und das Gesetz enthielt diese Schrift verleumderische Anschwärzungen nach Josephus das. II, 14. Die Fabel vom Eselskultus und der Auffütterung des Griechen hat sie ebenfalls enthalten, entlehnt aus Posidonius' Geschichte von den Seleuciden (s. vorige Note). Seine Schmähungen gegen den Charakter der Judäer sind das. II, 14 auszüglich gegeben. Molo muß übrigens diese Schrift veröffentlicht haben, ehe Alexander Polyhistor seine Exzerpte zusammengetragen hat, da dieser aus jener ein Stück aufgenommen hat. Alexanders Blütezeit wird mit der Pompejus' gleichgesetzt – also 82 bis 50 ante. Cicero, welcher Molo bei dessen Anwesenheit in Rom 81 gehört hatte, suchte ihn später in Rhodus auf. [Zur Personenfrage hat Schürer III3, 401 f. wohl das Richtige.]


10 Vergl. über Chäremon Müller Fragm. III, p. 495 f. Es muß durchaus zwei Schriftsteller dieses Namens gegeben haben, einen, welcher als Ciceros Lehrer ausgegeben wird, und einen andern, der spätestens um 50 ante gelebt haben muß, nach Müller das. [Vergl. jedoch Schürer III3, 405, der den von Josephus zitierten etwa ein Jahrhundert später setzt.] Aus seiner ägyptischen Geschichte hat Jos. nur ein Fragment c. Ap. I, 32 ausgezogen.


11 Lysimachos' Lebenszeit läßt sich kaum annähernd bestimmen, da die Angabe, daß er zwischen Mnaseas Patrensis (Olymp. 160=140 ante) und Apion (40 post) gelebt [Müller Fragm. III, 334] ein zu großes Intervall läßt. Josephus zitiert ihn das. I, 34 nach Chäremon und II, 14 nach Apollonius Molo. Er hat also wahrscheinlich später als diese gelebt.


12 Folgt aus Jos. c. Ap. II, 14: Apollonios Molo, Lysimachos καί τινες ἄλλοι. Was Tacitus hist. II, 3 referiert, stammt zum Teil aus Lysimachos (die Ausweisung unter Bokchoris) zum Teil von anderen Schriftstellern, namentlich die Verbindung der Wüstenwanderung mit dem Sabbat. Aber auch die Fabel vom Eselskultus scheint Tacitus oder seine Vorgänger damit in Verbindung gebracht zu haben.


13 Alexander Polyhistors Fragmente über die Judäer und deren Geschichte bei Kirchenvätern, zusammengestellt in Müllers Fragmente II, 211 fg.


14 Vergl. Müller das. III, p. 358 f. Er war keineswegs ein geborener Jude, wie Ewald behauptet (Gesch. d.V. Israel III, 2, S. 472).


15 Strabo XVI, 2, 35.


16 Das.


17 Strabo XVI 2, 37.


18 Bei Jos. Altert. XIV, 7, 2.


19 Vergl. über Apions Charakter und geringe Leistungen in der homerischen Exegese: Lehrs, Quaestiones epicae: disquisitio, quid Apio Homero praestiterit 3-7 ff. Es ist die beste Monographie über diesen Schriftsteller. Die Fragmente aus Apions Schrift: κατὰ Ἰουδαίων hat Müller a.a.O. III, p. 508 fg. [vergl. jetzt auch Reinach, Textes d'auteurs grecs et romains rélatifs au judaïsme (Paris 1895), S. 123 ff.] zusammengestellt [Weitere Lit. bei Schürer III3, 411].


20 Philo gegen Flacus 5 M. II, 521.


21 Das. Legatio ad Cajum 45 M. II, 598. Vergl. in Flaccum 16 fg.


22 Das. in Flaccum 6 fg.


23 Das. 8 fg.


24 Das. 8, 11.


25 Das. 10.


26 Das. 11.


27 Das. 11.


28 Das. 14.


29 Der Nachfolger war, wie wir jetzt wissen, C. Vitrasius Pollio, s. das Nähere bei Schürer I3, 499 f.


30 Josephus gegen Apion II, 2-6.


31 Philo de somniis 18, M. I, 675; vergl. Note 25 [Schürer I3, 498, Anm. 162, will den Vorgang vielmehr unter Flaccus setzen. Vergl. auch III3, 525-531].


32 Das. de poenitentia 2, M. II, 406.


33 Das. de migratione Abrahami 6, M. I, 450.


34 Über Zeit und Tendenz des dritten Makkabäerbu ches vergl. Note 3.


35 S. Note 3.


36 S. dieselbe Note.


37 Philo de congressu quaerendae eruditionis gratia 14, M. I, 530.


38 Das. de specialibus legibus 1, M. II, 299.


39 Philo de specialibus legibus 1, M. II, 299.


40 Das.


41 Fragment aus Antonius' Homilien bei Mangey II, 673.


42 Hieronymus catalogus scriptt. ecclesiastt. epistola ad Magnum 83.


43 Philo de Cherubim 9, M. I, 143.


44 Josephus Altert. XVIII, 8, 1.


45 Gesandtschaft an Cajus 45, M. II, 598.


46 S Note 25.


47 Philo, Gesandtschaft an Cajus 26, M. II, 570 fg., das. 30, 576. Über den Tragöden Apelles vergl. Sueton, Caligula 33, Dio Cassius 59, 5.


48 Philo das. 43-45 M. II, 597-599.

49 Josephus Altert. XVIII, 8, 1.


50 Das. XIX, 5, 1.


51 Note 19 und 21.


52 Josephus Altert. XVIII, 8, 2-4. Vergl. über das Chronologische Note 21.


53 Das. 8, 5-6.


54 Dio Cassius 59, 24.


55 Das.


56 Josephus Altert. XVIII, 8, 7-9.


57 S. Note 1 und 21.


58 Josephus Altert. XIX, 4, 2-6. Dio Cassius 60, 8.


59 Josephus Altert. das. 5, 1. Dio Cassius das.


60 Das. j. Kr. II, 11, 5.


61 Das. – Im Pariser Münzkabinett befindet sich ein Unicum, auf welchem auf der einen Seite drei Figuren abgebildet und ziemlich deutlich die Worte zu lesen sind: ΒΑΣ. ΑΓΡΙΠΛΣ ΦΙΛΟΚΑΙΣΑΡ. Die Inschrift der anderen Seite ist aber stellenweise unleserlich und dadurch ist der Sinn unverständlich. Um sie zu entziffern haben sich Mionnet, Lenormant der Ältere, Cavedoni und Reichardt bemüht. Das Richtige hat wohl Theod. Mommsen getroffen. Er liest: [φιλ]ία βασ(ιλέως) Ἀγ[ρι]πα [πρὸς τὸν σύγ]κλƞτον καὶ τὸν [δ]ῆμ(ον) Ρωμαίω(ν) κ(αὶ) συμ(μαχία). Vergl. numismatische Zeitschrift von Huber und Karabacek III. Jahrg. 1871, S. 449 fg., die Entzifferung von Reichardt das. S. 83 fg. und Madden, numismata orientalia II, p. 137.


62 Jos. Altert XIX, 5, 3.


63 Josephus das. 5, 2.


64 Eusebius Kirchengeschichte II, 18.


65 Josephus Altert. XIX, 6, 3.


66 Tosephta Ma'aser Scheni I, 12 [vergl. b. Meg. 26 a].


67 Josephus das. 6, 1. 2; 7, 2; Pesachim 88 b, 107 b. Ketubbot 17 a


68 Philo de festo cophini, ed. Richter, T. V, p. 48 fg. Vergl. dazu Monatsschrift Jahrg. 1877, S. 432 fg.


69 Sota Mischna VII, 8. Es ergibt sich, daß das Jahr 41-42 ein Sabbatjahr war. Vergl. Note 8 [und meine Bemerkungen dazu, welche dartun, daß 41-42 unmöglich ein Sabbatjahr gewesen sein könne].


70 Vergl. Note 19.


71 Josephus Altert. XIX, 7, 4.


72 Das. 7, 1. Der Aboda Sara p. 55 a. erwähnte Feldherr םכתרותב ביתכ לאילמג ןבר תא אבצ רש ספירגא לאש scheint Silas zu sein, und man muß lesen לש אבצ רש ספירגא wie Raschi andeutet. Da Silas lange mit Agrippa und in judäischen Kreisen verkehrt hat, so ist es nicht auffallend, daß er mit dem Inhalte des Pentateuchs bekannt war und an einen Vers aus demselben, welcher das Verhältnis des Judentums zum Heidentum darstellt, eine Frage geknüpft hat. Der Gamaliel, an den die Frage gerichtet ist, kann daher nur der ältere gewesen sein, Agrippas I. Zeitgenosse.


73 Folgt aus Jos. Altert. XIX, 8, 3. Es ist wohl derselbe, welcher das. XVIII, 8, 4 Ἑλ. ὁ μέγας genannt wird. Vergl. Monatsschrift 1885, S. 206.


74 Note 19.


75 Folgt aus Pessachim 88 b.


76 Sanhedrin 11 b. Edujot 7, 7.


77 Sanhedrin Tosefta II, 6. Jerus. Sanhedrin I, 1, Fol. 18 d. Babli Fol. 13 b. Einige ausgefallene Wörter in diesen Stellen können durch die Parallelstellen ergänzt werden. Bewährte Kritiker, wie Rappaport, haben mit Recht diese Sendschreiben auf Gamaliel I. bezogen, gegen die Kommentatoren, welche die Stelle falsch verstanden haben. Man übersehe den Umstand nicht, daß Gamaliel diese Sendschreiben vom Tempel aus erließ, also noch zur Zeit des Tempelbestandes. – An den beiden letzten Stellen wird genannt רפוס ןנחוי זלה, das letzte Wort ist korrumpiert aus זעולה, der »fremder Sprachen Kundige.« In der Tos. steht הלה statt זעולה. – Im Jerus. steht auch ןויד אתולג ינב.


78 M. Gittin IV, 1, b. 32 a, 34 b, 59 a. Jebamot 122 a.


79 M. Gittin V, 8, b. 59 b, 61 ff. Jerus. Gittin 47 c.


80 Tosefta Aboda Sara II, u.a. St. Vergl. Graetz, jüd. Proselyten unter den Kaisern S. 28.


81 Josephus Altert. XIX, 6, 3


82 Das. 7, 5.


83 Corpus Inscriptionum Graecc. I, 361. Die Inschrift lautet: Ἡ βουλὴ ἡ ἐξ Ἀρείου πάγου καὶ ἡ βουλὴ τῶν Χ καὶ ὁ δῆμος Ἰουλίαν Βερενίκƞν βασίλισσαν μεγάλƞν, Ἰουλίου Ἀγρίππα βασιλέως ϑυγατέρα καὶ μεγάλων βασιλέων εὐεργετῶν τῆς πόλεως ἔκγονον, διὰ τῆς προνοίας τοῠ ἐπιμελἠτου τῆς πόλεως Τιβ. Κλαυδ κ. τ. λ. Da Berenike hier »Sprößling der Wohltäter der Stadt« genannt wird, so muß Agrippa Athen ebenfalls eine Wohltat erwiesen haben.


84 Joseph. Altert. XIX, 9, 1. Καισαρεῖς καὶ Σεβαστƞνοὶ τῶν εὐποιϊῶν αὐτοῠ (Ἀγρίππα) λαϑόμενοι. Die Bildsäulen der Töchter Agrippas, von denen das. die Rede ist, τοὺς ἀνδριάντας τῶν τοῠ βασιλέως ϑυγατέρων ἁρπάσαντες, hatten die Cäsarenser und Sebastener, d.h. Bewohner der Hafenstadt Sebastos, ihnen zu Ehren gesetzt, nicht Agrippa selbst, wie Schürer und Andere angenommen haben. Die Münze mit dem Agrippakopfe und dem Bilde der Fortuna (bei Madden, Numism. II, 133, No. 1.) hat auch nicht Agrippa selbst geschlagen, sondern ihm zu Ehren die Cäsarenser, was die Inschrift an dem Revers aussagt: ΚΑΙΣΑΡΙΑ Η ΠΡΟΣ ... Die Lücke hat Mionnet glücklich ergänzt πρὸς τῷ Σεβαστῷ λιμένι. Sämtliche Agrippa-Münzen, welche entweder Cajus' (Caligulas) oder Claudius' Kopfbild zeigen, sind von den Städten, wo sie geprägt wurden, geschlagen: Anthedon (Agrippias) [vergl. Schürer II3, 91], ebenso Tiberias und wahrscheinlich auch Gaza (dazu gehört wohl auch die Münze mit dem Agrippa-Kopf auf der einen und dem Miniaturbilde seines Sohnes zu Pferde auf der andern Seite, p. 138). Also nicht Agrippa hat seinen eigenen Kopf oder die Köpfe der Kaiser auf Münzen prägen lassen. Seine Anhänglichkeit an das Judentum war denn doch aufrichtiger, als Keim und Schürer annehmen. Er hat kein Bildnis machen lassen. Die Münze mit der Inschrift βασιλέως Ἀγρίππα (die auf der einen Seite eine Art Schirm oder Baldachin und auf der anderen drei Ähren zeigt, das. 131 f.) mag von ihm selbst herrühren. Sie hat kein Menschenbild.


85 Bei Le Bas und Waddington (Inscriptions grecques et latines III, No. 2211, description p. 514) findet sich eine Inschrift: Ὑπὲρ σωτƞρίας κυρίου βασιλέως Ἀγρίππα καὶ ἐπανόδου κατ᾽ εὐχὴν Διὸς καὶ πατρίου (?) ... ὁμονοίας τὸν οἶκον ᾠκοδόμ[ƞσεν]. Sie bezieht sich unstreitig auf Agrippa I. Zweifelhaft ist, ob die (das. No. 2329, p. 533) in Kanatha gefundene Inschrift: βασιλεὺς Ἀγρὶππας φιλόκαισαρ καὶ φιλορώμαιος λέγει, Agrippa I. oder II. angehört. Nach der lückenhaften Inschrift scheint der judäische König den Bewohnern von Kanatha Vorwürfe zu machen, daß sie wie die Tiere hausen und sich versteckt halten (εὐφωλεύσαντες). In der bei Sia (1/2 Stunde von Kanatha) aufgefundenen Inschrift (das. No. 2365, p. 540) werden Agrippa I. und II. bezeichnet als βασιλεὺς μέγας φιλόκαισαρ εὐσεβὴς καὶ φιλορώμαιος. Das. Nr. 2112 p. 497 lassen die Inschriften: ἐπὶ βασιλέως μεγάλου Ἰουλίου Ἀγρίππα und Nr. 2135: ἐπαρχὸς βασιλέως μεγάλου Ἀγρίππα, zweifelhaft, ob sie vom Vater oder vom Sohne sprechen.


86 Josephus Altert. XIX, 5, 1; 9, 1.


87 Das. 9, 1; XX, 7, 1. Dieser Julius Archelaus war ein Sohn des Mannes, welcher das. XVIII, 8, 4 Ἑλκίας ὁ μέγας genannt wird, und den Petronius neben Aristobul, dem Bruder des Königs Agrippa, zu Rate gezogen hat.


88 Das. XX, 7, 3 [daß ihr Gemahl »Arabarch« gewesen sei, steht nicht bei Josephus].


89 Das. XIX, 9, 1. XX, 7, 1.


90 Vergl. über diese Literatur Note 3.


91 Vergl. B. II. b, S. 281.


92 Vergl. o. S. 49, Anm. 2.


93 Vergl. V. II. b, S. 339.


94 Über die griechischen Übersetzungen von Esther soll an einer anderen Stelle abgehandelt werden.


95 Vergl. Note 3.


96 [Vergl. hierzu meine Bemerkungen zu Note 3, Nr. 10.]


97 Vergl. Monatsschr. Jahrg. 1877, S. 83 fg.


98 Josephus Altert. XIX, 7, 2. Vergl. über Lage und Bedeutung der Bezetha Note 22 am Ende.


99 Josephus Altert. XVIII, 5, 4.


100 Das. XIX, 8, 1.

101 Josephus Altert. das. 8, 2.


102 Apostelgesch. 12, 1-23. Sonderbarerweise findet Schürer (a.a.O. 209 [jetzt I3, 563]. Übereinstimmung zwischen diesem und dem Berichte Josephus' in den Hauptpunkten. Allein der Bericht der Apostelgeschichte ist durchweg sagenhaft; er meint auch gar nicht Agrippa, sondern Herodes magnus (Ἡρώδƞς ὁ βασιλεύς, wie Matth. 2, 1); dieser soll von Würmern zerfressen worden sein. Von dieser Sage darf man daher nicht ausgehen, um den Sterbemonat Agrippas zu fixieren, als wenn dieser um das Passah-Fest erfolgt wäre. Auch aus Dio Cassius' Angabe (60, 23) läßt sich nicht bestimmen, in welchem Monate Claudius' britannischer Triumph gefeiert wurde, also auch nicht die Zeit, in welcher Agrippa in Cäsarea wegen glücklicher Rückkehr des Kaisers (ὑπὲρ τῆς ἐκείνου σωτƞρίας) ein Schauspiel veranstaltet hat. Da Münzen von Agrippa aus dem Jahre 9 existieren (o. S. 321), so muß er noch mindestens einen Monat nach Nissan d.J. 44 gelebt haben.


103 Josephus Altert. XIX, 9, 1. In diesem Berichte muß man unterscheiden die Καισαρεῖς καὶ Σεβαστƞνοὶ, welche undankbar gegen Agrippa Schimpfreden ausstießen, von den Soldaten, welche die Bildsäulen der Prinzessinnen beschimpften. Auch diese werden das. 9, 2 genannt: ἴλƞ τῶν Καισαρέων καὶ τῶν Σεβαστƞνῶν. Diese und noch andere 5 römische Kohorten sollten wegen ihrer Exzesse nach dem Pontus disloziert werden. Sie blieben aber in Cäsarea und fügten unter Florus den Judäern viel Leid zu (das.): οἳ καὶ τοῖς ἐπιοῠσι χρόνοις τῶν μεγίστων Ἰουδαίοις ἐγένοντο συμφορῶν ἀρχἠ. Von diesen Sebastenoi = Augustani ist noch eine dunkle Sage im Midrasch (zu Esther p. 119 d) erhalten, daß sie im Verein mit den Decumani Titus den Rat erteilt hätten, den Tempel zu zerstören: ךלמ לש ויתונויגל ינש ולא הלעו רצנדכובנל הצע ונתנש ןה ןה ינאיטסוגאו ינוימוקיד... שדקמה תיב בירחהו. Nebuchadnezar steht hier, wie oft, statt Titus. Die zehnte Legion die Decumana, war tatsächlich bei der Eroberung und Zerstörung Jerusalems tätig.


104 Josephus Altert. XIX, 9, 2; vergl. o. S. 359 N. 3.


105 Das. XX, 1, 1.


106 Josephus Altert. das. Vergl. über diesen Amram weiter unten.


107 Das. 1, 1-2. Die das. mitgeteilte Urkunde enthält im Anfang und am Ende fast unlösbare Datierungsschwierigkeiten. Diese vermindern sich nur wenig, wenn man mit N. Brüll (Jahrb. z.j. Gesch. und Lit. I, 66 N.): δƞμαρχικῆς ἐξουσίας τὸ πέμπτον. ... αὐτοκράτωρ τὸ δ᾽ἕκτον statt δέκατον liest. Denn die Jahre des Tribunats und des Imperiums fallen bei Claudius zusammen. Von diesen Daten muß man also absehen. In der Sache selbst liegt es, daß, wenn die römischen Beamten das Ernennungsrecht der Hohenpriester sich vindizieren wollten, sie dieses, wenn auch nicht in Agrippas Sterbejahr 44, so doch im darauffolgenden begonnen haben. Die judäischen Gesandten verhandelten also darüber vor Claudius im I. 45. – Longinus war bereits anstatt Marsus Statthalter von Syrien. Claudius' Urkunde kann also spätestens Ende Mai oder Juni 45 d.h. in seinem 6. Jahre ausgestellt sein, wenn das Monatsdatum zum Schlusse πρὸ δ καλανδῶν Ἰουλίου oder Ἰουνίου echt ist.


108 Note 19.


109 Dieselbe Note.


110 Vergl. dieselbe Note.


111 Josephus Altert. XX, 5, 1. Apostelgeschichte 5, 36.


112 Tacitus Annalen 15, 28.


113 Josephus das. 5, 2.


114 Josephus das. 5, 2.



Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1906, Band 3.2.
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