34. Julian Apostata und die Juden.

[457] In den ersten Ausgaben von Julians Misopogen und Briefen (edit. Martinin, Paris 1566) findet sich als Überschrift zum Briefe an die jüdische Gemeinde die maliziöse Bemerkung: εἰ γνἠσιος! Es spricht sich in diesem Zweifel an der Echtheit des Briefes der kleinliche Neid aus, daß ein Kaiser den verhaßten Juden so viel Gunst zugewendet haben sollte! Allein der ganze Inhalt desselben entspricht so sehr dem Charakter Julians und seinem Verhältnisse zu den Juden, daß kein Kritiker diesen Zweifel geteilt hat.

Ich gebe den Brief als ein historisches Aktenstück im Original; er bildet die Nr. 25 in der Briefsammlung Julians, und hat die Überschrift:


Ἰουδαίων τῷ κοινῷ.

Πάνυ ὑμῖν φορτικώτερον γεγένƞται ἐπὶ τῶν παρῳχƞκότων καιρῶν τῶν ζυγῶν τῆς δουλείας τὸ διαγραφαῖς ἀκƞρύκταις ὑποτάττεσϑαι ὑμᾶς, καὶ χρυσίου πλῆϑος ἄφατον εἰσκομίζειν τοῖς τοῠ ταμείου λόγοις. Ὧν πολλὰ μὲν αὐτοψεὶ ἐϑεώρουν, πλείωνα δέ τούτων ἔμαϑον εὑρὼν τὰ βρέβια32 τὰ καϑ᾽ ὑμῶν φυλαττόμενα. Ἔτι δὲ καὶ μέλλουσαν πάλιν εἰσφορὰν καϑ᾽ ὑμῶν προτάττεσϑαι εἶρξα, καὶ τὸ τοσαύτƞς δυσφƞμίας ἀσέβƞμα ἐνταῠϑα[457] ἐβιασάμƞν στῆναι, καὶ πυρὶ παρέδωκα τὰ βρέβια τὰ καϑ᾽ ὑμῶν ἐν ταῖς σκρƞνίαις ἀποκείμενα, ὡς μƞκέτι δύνασϑαι καϑ᾽ ὑμῶν τινὰ τοιαύτƞν ἀκουτίζειν ἀσεβείας φἠμƞν. Καὶ τούτων μὲν ὑμῖν οὐ τοσοῠτον αἴτιος κατέσϑƞ ὁ τῆς μνἠμƞς ἄξιος Κωνστάντιος ὁ ἀδελφὸς, ὅσον οἱ τὴν γνώμƞν βὰρβαροι, καὶ τὴν ψυχὴν ἄϑεοι οἱ τὴν τούτου τράπεζαν ἑστιώμενοι, οὓς μὲν ἐγὼ ἐν χερσὶν ἐμαῖς λαβόμενος, εἰς βόϑρον ὤσας ὤλεσα, ὡς μἠτε μνἠμƞν ἔτι φέρεσϑαι ἢ εἶναι παρ᾽ ἡμῖν τῆς αὐτῶν ἀπωλείας ἐπὶ πλέον δὲ ὕμᾶς εὔχεσϑαι βουλόμενος, τὸν ἀδελφὸν Ἰουλὸν τὸν αἰδεσιμώτατον πατριάρχƞν παρῄνεσα, καὶ τὴν λεγομένƞν παρ᾽ ὑμῖν ἀποστολὴν κολυϑῆναι, καὶ μƞκέτι δύνασϑαι τὰ πλἠϑƞ ὑμῶν `τινὰ ἀδικεῖν τοιαύταις φόρων εἰς πράξεσιν, ὡς πανταχόϑεν ὑμῖν ἀμέριμνον ὑπάρχειν τῆς ἐμῆς βασιλείας, ἵνα ἀπολαύοντες ἔτι μείζονας εὐχὰς ποιῆτε τῆς ἐμῆς βασιλείας τῷ πάντων κρείττονι καὶ δƞμιουργῷ ϑεῷ τῷ καταξιώσαντι στέξαι με τῇ ἀχράντῳ αὐτοῠ δεξι´. Πέφυκε γὰρ τοὺς ἔν τινι μερίμνς ἐξεταζομένους περιδεῖσϑαι τὴν διὰνοιαν, καὶ μὴ τοσοῠτον εἰς τὴν προςευχὴν τὰς χεῖρας ἀνατείνειν τολμᾶν, τοὺς δὲ πανταχόϑεν ἔχοντας τὸ ἀμέριμνον ὁλοκλἠρῳ ψυχῇ χαίροντας, ὑπὲρ τοῠ βασιλείου ἱκετƞρίους λατρείας ποιεῖσϑαι τῷ μείζονι, τῷ δυναμένῳ καταϑῆναι τὴν βασιλείαν ἐπὶ τὰ κάλλιστα, καϑάπερ προαιρούμενα, ὅπερ χρῆ ποιεῖν ὑμᾶς, ἵνα τῶν Περσῶν πόλεμον διορϑωσάμενος, τὴν ἐκ πολλῶν ἐτῶν ἐπιϑυμουμένƞν παρ᾽ ὑμῖν ἰδεῖν οἰκουμένƞν πόλιν ἁγίαν Ἱερουσαλὴμ ἐμοῖς καμάτοις ἀνοικοδομἠσας οἰκἠσω, καὶ ἐν αὐτῇ δόξαν δώσω μεϑ᾽ ὑμῶν τῳ κρείττονι.

33

Dieser Brief ist geschrieben während Julians Aufenthalt in Antiochien zwischen August 362 und März 363, wohl nicht lange nach seiner Ankunft in der syrischen Hauptstadt. Vorangegangen ist ihm ein Schreiben an den Patriarchen Julos, d.h. Hillel II.

In einem Fragment aus einer Rede Julians (editio Spannheim p. 395) kommt er auf den Tempelbau zurück und erklärt, er wolle ihn zu Ehren dessen bauen, »dessen Namen auf ihm genannt wird«, ein biblischer Sprachgebrauch: וילע ומש ארקנ רשא. Οἱ γὰρ ὀνειδίζοντες ἡμῖν τοιαῠτα τῶν Ἰουδαίων οἱ προφῆται τί περὶ τοῠ νεὼ φἠσουσι, τοῠ παρ᾽ αὐτοῖς τρίτον ἀνατραπέντος, ἐγειρομένου δὲ οὐδὲ νῠν; ἐγὼ δὲ εἶπον οὐκ ὀνειδίζων ἐκείνοις, ὅς γε τοσούτοις ὕστερον χρόνοις ἀναστἠσασϑαι διενοἠϑƞν αὐτὸν εἰς τιμὴν τοῠ κλƞϑέντος ἐπ᾽ αὐτῷ Θεοῠ. – Die Meinung, welche die Juden von Julian hatten, gibt eine Agada zu erkennen, die merkwürdigerweise nur Hieronymus (Comm. in Danielem zu 9. 34.) erhalten hat, Alii (Hebraei) vero de Juliano imperatore (intelligunt haec verba: sublevabuntur auxilio parvulo), quod quando oppressi fuerint a Gallo Caesare et in captivitatis angustiis multa perpessi, ille consurgat, Judaeos amare se simulans et in templo eorum immolaturum se esse promittens. In quo parvam spem auxili habebunt (Judaei) et applicabuntur illis gentilium plurimi. In der uns zugänglichen talmudischen und agadischen Literatur wird nicht einmal Julians [458] Name erwähnt; denn die Notiz (j. Nedarim III. p. 37. d.) סינילול אהו 'וכו אכלמ, in welcher Zunz (G. V. S. 53.) diesen Kaiser finden wollte, ist augenscheinlich eine Korruptel für אכלמ סיניטולקויד אהו, wie es in der Parallelstelle (j. Schebuot II. p. 34. d) heißt. Das Benehmen der Christen gegen die Juden in Julians Zeit deutet eine Notiz (in Abulfarag Barhebraeus' Chronicon Syriacum p. 68) an, daß die Christen von Edessa die Juden ihrer Stadt erschlagen haben: אידוי ןל רקי... סיטבארפ סונילוי .ןוהלכל ולטקו וננטהא יהרואבד אניטסרק ועמש דכו


Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1908, Band 4, S. 457-459.
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457 | 458 | 459
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