b) Der Karäismus, sein Entstehen und seine Entwicklung.

[489] Es wird von Rabbaniten und Karäern als Tatsache vorausgesetzt, daß Anander Urheber jenes Schisma war, welches man mit dem Karäertum bezeichnet. Unter Karäismus, oder wie es hebräisch lautet: ינב תד ארקמ, versteht man im allgemeinen den Ausbau des jüdisch-religiösen Lebens auf byblischer Basis mit Verwerfung der talmudischen oder rabbinischen Normen. Gedankenlose Historiker begnügten sich nachzuweisen, daß der Karäismus das und jenes als wesentlich festhält, das und jenes als Rabbinisches verwirft, und führten das alles auf Anan zurück. Sie haben keine Ahnung davon, daß das Karäertum zu ihrer Zeit nur wenige von den Normen beibehalten hat, welche Anan aufgestellt hat. Auf den Einwurf eines polemisierenden Rabbaniten (wahrscheinlich Saadias), daß Anan sich in vielen Punkten geirrt, und die späteren Karäer deswegen größtenteils von ihm abwichen: הרותב הגש תוגגש המכ ןנע הנה יכ רמואהו יכ םהילע הלבק םאו וירבד תיברמב וכמס אל םכמ םינורחאהו וירבד לכ לע וכמס אל המל םיקנאנו םיחנאנ ירבדמ ןנע ירבד, auf diesen Einwurf entgegnet der unbekannte Verf. des םינברהי םיארקה קולה Folgendes: ... יתרמא [489] (םיארקה) וקיפסה אל םרודו ןנע אמש ורמא יכ ףא .ונממ םירבדב ורימחה הככו הככ םהיניב הגגש הלפנו םשוריפב םכרצ לכ.

Nicht bloß dieser Schriftsteller, der spätestens im 12. Jahrhundert geschrieben hat (vgl. Pinsker, Likute Kadmonijot, Text, S. 19, Anmerk. 2 und Beilagen Nr. XII), sondern auch ein Karäer des elften Säkulums, Jakob ben Rëuben124, und einer der ältesten karäischen Polemiker und Kommentatoren, Salmon ben Jerucham (geb. um 885, gest. um 960)125 sprechen es ausdrücklich aus, daß der Karäismus nicht ganz die Lehre Anans ist, sondern daß seine Nachfolger von ihm abgewichen sind, weil er noch an talmudischen Satzungen festhielt. Salmon stellt folgendes auf (Kommentar zu Ps. 69, 1, arab. Ms. bei Pinsker, Text 21): »Anan trat auf und erweckte die Herzen der Menschen, weil die Gewohnheit der Rabbaniten und ihre Beschäftigung mit dem Talmud sie die Lehre Gottes hat vergessen lassen. Dann trat Benjamin aus, vermehrte die Anstrengung und deckte Punkte auf, in betreff welcher sich Anan an die Rabbaniten gehalten hatte. Nach Benjamin traten die Karäer auf, und haben Zäune um die Pflichtenlehre Gottes gezogen. Dann traten Männer von Ost und West auf, welche das Gesetz mehr kräftigten, richteten ihre Sinne darauf, sich in Jerusalem niederzulassen, verließen ihr Hab und Gut und verachteten das Weltliche, und diese wohnen jetzt in Jerusalem.« Ich setze die Stelle nach der von Pinsker gegebenen hebräischen Übersetzung her, ... םישנא תובל ריעהו ןנע הלגתנ תיעיבר תוכלמב םתוא חיכשמ רבכ דומלתב םתוקסעתהו םינברה גהנמ היהש יפל ףיסוהו ןימינב הלגנ ןכ רחא .הנממ תויתמאה תנבהו 'ה תרות רחא .םינברה גהנמ רחא םהב ררגנ ןנע היהש םירבד הלג קוזח ןכ רחאו .'ה תוצמב םירדג ופיסוה םיארקה ןימינב ירחא ולגתנ ןכ תמגמ ומשו ... תדב קוזח ופיסוהו ברעממו חרזממ םישנא ודמע הזה םלועב וסאמו םתיבו םשוכר ובזעו םלשוריב תבשל םהינפ םלשוריב תעכ םיאצמנה םהו. In demselben Sinne, nur ein wenig verschieden, berichtet Jakob ben Rëuben (Kommentar zu Canticum 3, 1 in רשועה רפס Ms. der Leydn. Bibliothek): תוצמ ושקבו ןנע תד לא קתענ ךכ רחא ךכ ירחא םינברה ורבדמ העטו םירתופל שאר אוה יכ ולוכי אלו וקדקד רשא םינורחאה םיארקה םהו תישילשה תדה הלגתנ .םהירחא תד ןיאו תוצמה ולגו וקיעמהו

Hier haben wir also in dem kurzen Zeitraume von Anan 761 bis Salmon ben Jerucham 950 drei Entwicklungen des Karäismus: Benjamin Nahawendi, die Karäer (d.h. die Späteren) und die frommen Asketen in Salmons Zeit. Ja, wenn man Jakob ben Rëubens Worte urgiert, so war die Kluft zwischen dem Karäismus und Anans Lehre ebenso weit, wie die zwischen Anan und dem Rabbanismus; denn er nennt denselben eine neue Theorie: תישילש תד gegenüber der ןנע תד. Dies alles haben die Oberflächlichen übersehen, welche sich mit dieser Sektengeschichte befaßten. Es folgt aus den Zitaten dreierlei: 1. Man darf nicht alles, was im späteren Karäismus als religiöse Pflicht oder als Opposition gegen den Rabbanismus vorkommt, auf den Stifter übertragen. 2. Anan hat das Talmudische nicht ganz und gar verworfen, sondern etwas davon beibehalten. 3. Der Karäismus hat sich neu [490] gestaltet durch Benjamin, die späteren Karäer und in der Zeit von Salmon ben Jerucham. Da Benjamin Nahawendi um 800-820 geblüht hat (wie ich in Frankels Monatsschrift, Jahrg. 1859, S. 144 nachgewiesen), so fallen die zwei letzten Phasen zwischen 820-950.


I.

Die Frage: worin bestand Anans Schisma, hat durch das Vorhergehende ihre Berichtigung, aber nicht ihre Lösung erhalten. Die Lösung ist auch sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Anan hat zwar drei Schriften hinterlassen, worin er seine Grundsätze und seine Abweichung vom talmudischen Judentum entwickelt haben wird: 1. הרותה לע שוריפ (zitiert im Katalog von Simcha Luzki Orach Zadikim); 2. תוצמה רפס126 und 3 הכלדפ (zitiert von Jephet und mitgeteilt von Munk in Josts Annalen, Jahrgang 1841, S. 76)127. Allein, alle diese Schriften sind untergegangen. Von den ältesten karäischen Schriftstellern Benjamin Nahawendi und Nissi ben Noach (R'Acha)128 erwähnt der letztere Anan gar nicht und der erstere nur bei einem unwesentlichen Punkte129. Die späteren karäischen Schriftsteller zitieren nur hin und wieder Aussprüche von Anan, eben, weil der Abstand zwischen ihnen und ihm ein großer war. Aus solchen Einzelheiten lassen sich aber sein dogmatischer Standpunkt und der Umfang seines Schisma nicht beurteilen. Wir wollen indessen die wesentlichen Notizen von Anan zusammenstellen, in der Hoffnung, daß Forscher auf karäischem Gebiete dieselben vermehren werden.

1. An die Spitze verdient ein Satz von Anan gestellt zu werden, der als sein Prinzip gelten kann. »Suchet tief im Gesetze«: רמא רשא ןנע 'ר השעש ומכ ריפש אתירואב ושיפח (Zitat bei Jephet ben Ali, mitgeteilt von Dukes, Beiträge II, S. 26). Dadurch wird allerdings der Talmudismus [491] völlig negiert. Nach demselben ist nämlich das religiöse Leben abgeschlossen: es beruht auf der Autorität der Halacha oder auf dem Brauche. Eine noch so gründliche Forschung im Schriftworte und noch so überzeugende Resultate können nichts daran ändern. Indem Anan die Forschung als Kontrolle für das religiös Verbindliche hinstellte, hat er allerdings das Rabbinische nach beiden Seiten hin, sowohl die Tradition (השמל הכלה יניסמ), als auch die Verordnungen und Umzäunungen (תונקתו תורזג), als nicht verbindlich erklärt. Von dem Umstande der Forschung hatten die Karäer auch den Namen: שופח ילעב (Zitat von Dukes das. 29): םלשנ םע ל"ז אישנה ןנע ירבדו (הדוהי ןב) העושי 'ר ירבדמ תוירע רפס העושי 'ר דמלמל תונעמ בוכרה ילעב ותבשיו .םידמלמה ירבד שופחה ילעבמ ארקמ ינב רוא. Anan hat demnach die Bibelexegese an die Stelle der Autorität gesetzt.

2. Sobald Anander Tradition und dem religiösen Volksbewußtsein die Autorität absprach und zum Aufbau des Judentums an das Schriftwort appellierte, mußte er die Mittel angeben, wie die Religionsvorschriften praktisch ausgeführt werden sollen. Das Schriftwort ist bei manchen Bestimmungen kurz, gibt auch nicht alle Fälle an und begrenzt selten die Dauer der Verbindlichkeit. Welche Regeln hat er zur Auslegung der Schrift aufgestellt? Es scheint, daß er neben den grammatischen und lexikalischen Hilfsmitteln auch die meisten Interpretationsregeln des R'Ismael (תודמ ג"י) adoptiert hat130. Dieser, bisher ganz übersehene, Punkt geht deutlich aus Mose Baschjazis Abhandlung über die genannten Interpretationsregeln hervor (in seinem םיהלא הטמ Ms.). Er gibt an, daß sich Anan mit der Regel der Folgerung (רמוחו לק), der Wort- und Sinnanalogie und andern Regeln einverstanden erklärt hat. Ich gebe die Stellen in extenso: רמאש הממ יתמא (רמוחו לק) ןפואה הזש ל"ז ןנע 'ר רמא ןכו תבה תב םאו .תבה תב רסאו הלגת אל ךתב תב תורע בותכה התבמ הרומח רתוי איהש המצע תבה ןכש לכ הרוסא (S. 16a). In betreff der Wortanalogie zitiert Baschjazi eine lange Stelle von Anan, worin derselbe nachweist, daß die levitischen Reinheitsgesetze in der Gegenwart keine Verbindlichkeit mehr haben, indem sie nur für die Dauer des Tempel- und Opferkultusbestandes gegeben wurden131: אכה בותכ ל"ז תולגה שאר ןנע 'ר רמא החנמלו הלועל הרותה תאז בותכו תערצה עגנ לכל הרותה תאז החנמו הלוע המ .בזה תרות תאז םימלשה תרות תאז אכה בותכו תמ תאמט ףא ולטבתנו התע תולגב םישוע ונא ןיא תערצה יעגנו בייח אל בותכהו .םתרימשב םיבייח ונא ןיאו תולגב ולטבתנ בזו ולטבתנש ומכו חישמה ןהכהו הרפה רפא תאיצמב אלא תמ תאמט תולגה ןמזבו ... .םב היולת םתרהט יכ האמטה הלטבתנ ךכ ולא םיולתו ולא ולטבתנש ומכו חישמ ןהכ אלו הרפה רפא שי ןיא תלוז רהטי אלש תולגב תמ תאמט ןכ םג הלטבתנ ךכ םימש ידיב הדנ ימ (das.). Hier haben wir deutlich die Wortanalogie (הוש הרזג). M. Baschjazi erwähnt auch, daß Anan eine dritte Regel, den Lehrsatz aus einem Verse adoptiert hat: ןפואה הזל ןנע 'רה הטונ ןכו דחא בותכמ בא ןינבמ. Zum Schlusse bemerkt Baschjazi, daß die Karäer elf von den Interpretationsregeln [492] R' Ismaels adoptierten: ונמכסה רשע דהאהו ןהב תשרדנ הרותהש םינפואה הרשע שלש םהב (das. 20a): Daraus scheint hervorzugehen, daß sich auch Anan mit den elf Regeln einverstanden erklärt hat. Jephet ben Ali und Sahal Abulsari sprechen von den 13 Regeln, wie von etwas, das auch im Karäismus Geltung hat. Vgl. des letzteren Sendschreiben (bei Pinsker S. 28): דמלל םא יכ אצי ומצע לע דמלל אל יכ תודמ ג"ימ ןפוא הזו אצי ולכ ללכה לע. Vgl. das. S. 26 und über Jephet das. S. 23 die polemischen Gedichte. Auch Hadassi (in dessen רפכה לכשא Nr. 174 ff.) behandelt in seiner konfusen Art die Gültigkeit der 13 Interpretationsregeln: ג"י הרותה תודממ וצבק יליכשמו םידמול ונא שארבו הלחתב ךנזאב רמא וירבד הלאו ... תודמ הדמ שקהמו ... הוש הריזגמ ודמלי דועו ... .רמוחו לקב םידמלמו רואיבב 'ד הדמ יליכשמ ירבדמ דומלנש ונל דוע ומושר ... 'ג ללכמ המ יליכשמ דסחמ דומלנ ןכו ... ללכו טרפו ללכמ 'ה תרות ... .בא ןינבב 'ו הדמ ... .טרפבש המ אלא ללכב ןיאו ... טרפו 'ה הדמ ... טרפה לע ףסומ ללכה תא השע ללכו טרפמ 'ז הדמ ומצע לע דמלל אל יכ רמאו ללכה ןמ אציו ללכב היהש רבדמ לבס איהו ףולח הב ןיאש הקתעהה ןמ דומלנ 'ט הדמ ... 'וכו אצי םדקומ םדקומה יכ בותכב םירודסה ןמ 'י הדמ ... םישרויה רדסכ אלש רחואמו םדקוממ א"י הדמ ... רחואמ רחואמהו Die übrigen zwei Regeln sind agadischer Natur. Sie scheinen demnach in karäischen Kreisen noch vor Hadassi, wahrscheinlich von Anan, angewendet worden zu sein.

Indem Anan die alten Interpretationsregeln adoptierte, kehrte er hiermit nicht zur Bibel, sondern zum Standpunkt der Mischnaiten oder älteren Tannaïm zurück. Wie diese, ehe die Mischnah mit der Autorität eines unfehlbaren Gesetzbuches bekleidet war, frei und selbständig das Bibelwort deuteten, den Umfang und die Gültigkeit der pentateuchischen Gesetze bestimmten, so sollte es noch fort freistehen, zu interpretieren. Anan zerschlug also nur die Fessel der Autorität, wollte die Unterordnung unter die Norm הכלה ינולפ ירבדכ beseitigen. Daß aber gerade dadurch das Judentum zusammengehalten und vor Zerfahrenheit geschützt wurde, verkannte Anan. Ihm lag daran, die Gesetzauslegung ebenso flüssig und frei zu machen, wie zur Zeit der schammaitischen und Hillelschen Schule, wie zur Zeit R'Akibas und R' Ismaels. Auch Jephet ben Ali hatte noch eine Ahnung davon, daß Anan und Benjamin sich die freie Schriftdeutung und Gesetzesauslegung der Mischnaiten herausgenommen haben: םיפילחמה ראשו ןימינבו ןנע (הנשמ ילעב לש) םתרוצו קיזחהו בשחש המ דחא לכ רמאו תוצמ ירפס ורבחש םינברל ותעד תתמא לע תפומ אוהש ול םקש תויארב (Kommentar zu Deuteron., zitiert von Pinsker L. K., Text, S. 21). – Wenn ich sage, Anan hat den größten Teil der von R'Ismael aufgestellten Interpretationsregeln adoptiert, so soll weder damit gesagt sein, daß er vermittelst derselben lediglich dieselben Resultate gefolgert, noch, daß er nicht neue Regeln aufgestellt hat. Den Wortsinn und den Kontext hat er jedenfalls stark betont, und dadurch kam er zu ganz wunderlichen Resultaten. Die ungesäuerten Brote sollten nach Anan durchaus aus Gerstenmehl bereitet sein, weil die Schrift sie Armenbrot nennt: ךירצ יכ רמא ע"נ ןנע 'רו ינוע םחל בותכה רמאש הממ דבל םירועשהמ הצמה תושעהל םיינע לכאמ ל"ר (Elia Baschjazi in והילא תרדא p. 39 b). Die ungesäuerten Brote müßten erst am Rüsttag gegen Abend gebacken werden: ןנע ונבר םכחה דוע רמאו תוצמ ולכאת ברעב רמאממ םיברעה ןיב הצמה הפאתש ךירצש. Eine sprachvergleichende Schrulle [493] verleitet Anan, das Hühnergeschlecht zu den verbotenen Vögeln zu zählen, weil אתפיכוד »Hahn« im Chaldäischen bedeutet, und dieses Wort anklingt an die verbotene Gattung תפיכוד (Jakob ben Rëuben a.a.O. zu Schemini, p. 40 recto); תימרא ןושלב ומש אצמ יכ ןעמל תלוגרתה רסא ןנעו תפיכוד אוה יכ ול המודמכו אתפיכוד. Die Unterscheidungszeichen, welche der Talmud für die reinen und unreinen Vogelgattungen aufstellt, verwarf Anan und gab dafür andere an, die ganz willkürlich sind, weil sie nicht der Natur abgesehen sind. Er gab zwei Zeichen für reine Vögel an, »Wasserschlürfen und Füttern der Küchlein«: םימה ףאשי רשא םינמס ינש רמא הלוגה שאר ןנעו ויחורפא ליכאיו (ebendas.), ebenso berichtet Aaron ben Elia (im Mibchar): ילב םימה ףאוש רוהט ףוע יכ רמא ןנעו קוחר הזו ויחורפא ליכאמ םגו לדבה. Vermöge seines Hängens am Buchstaben nahm Anan an, daß das Schlachten der Vögel ein Abkneipen am Hinterkopfe sein soll, wie es beim Vogelopfer vorgeschrieben ist. Anans Jünger gingen aber schon davon ab (Elia Baschjazi והילא תרדא Schechita c. 6, V. 63a): ונימכח ונבר תעד איה תחאה תעדה תועד שלשל הקילמה ןינעב וקלחנ ןיאש ינפמ הקילמב אלא ללכ ףועב הטיחש ןיאש רמאש ןנע שדקמה ןמ ץוח השעיש המ ןיבו שדקמל השעיש המ ןיב לדבה ויהש ןנע ידימלתש רמא העושי 'ר םכחהו ... .ףועה תקילמב םידמוע בותכה יטושפש םתוארב תעדה תאזמ ובש םיננע םיארקנ םירמואש םימכחה ןמ תצק תעד איה תינשה תעדהו .םדגנכ הטיחשה איה הקילמהש. (Vgl. die Fragmente vom Kommentar des Abulfaraǵ Josua ben Jehuda bei Pinsker, Beilage, S. 73)132. Dieser Punkt ist sehr belehrend, wie vorsichtig man zu Werke gehen muß bei Beurteilung dessen, was Anan und was seinen Nachfolgern angehört. Wir sehen hier, daß ein Teil der Karäer, mit den Rabbaniten übereinstimmend, das Abkneipen nur für Vögel gelten ließen, andere dagegen es auch auf die reinen Vierfüßler angewendet wissen wollten. Schahrastani dagegen stellt es so allgemein hin, daß man ohne jene Notiz annehmen könnte, es habe gar keine Differenz darüber unter den Karäern geherrscht. »Die Ananiten nennen sich nach einem Manne, namens Anan ben Daûd Exilarch. Sie weichen von den übrigen Juden in bezug auf Sabbat und Festeszeiten ab – und schlachten die Tiere vom Hinterkopfe: תולאגלא סאר דואד ןב ןאנע הל לאקי לגר ילא ובסנ הינאנעלא ןאויחלא ןוחבדיו ... דאיעלאו תבסלא יפ דוהילא ריאס ןופלאכי אאפקלא ילע (Schahrastani, ed. Cureton, p. 167).

3. Über die von Anan ausgegangenen, tief eingreifenden, positiven Veränderungen sind wir vollends im Dunkeln. Es lassen sich nur einige Momente aus zerstreuten Notizen darüber zusammenstellen:

a) Der Festkalender. Er machte den Monatsanfang vom Erscheinen der jungen Mondsichel und das Schaltjahr von dem Stande der Ernte gegen den Frühlingsanfang abhängig. Makrizi, der aus Maßudi schöpfte, wie dieser wiederum aus karäischen Angaben, führt diese Neuerung geradezu auf Anan zurück (bei de Sacy, Chrestomathie arabe, T. I, Text 108, Übers. 301 nach de Sacys Übersetzung): Parmi les pratiques dans lesquelles il (Anan) s'éloignait de l'usage des juifs, était celle qui concerne l'apparition de la nouvelle lune. ... Il ne s'embarrassait aucunement à quel jour de la semaine tombait la néoménie. Il ne faisait point usage de calculs, [494] que suivaient les Rabbanites et de leur manière d'intercaler les mois ... il l'observait pour faire l'intercalation d'autre règle que celle d'examiner l'état de l'orge: ילא (ןאנאע) דמתעאו ריעשלא ערז ףשכ. Aus einem apologetischen Passus des Salmon ben Jerucham geht ebenfalls hervor, daß schon Anan das karäische Kalenderwesen nach der Neumondphase eingeführt hat (in der Polemik gegen Saadia Alphabet X, 21): ורומשי חריה תיארב ארקמ ילעב ןב ןימינב 'ר ידימלת םג וראפתי הזב ןנע 'ר וניניע רואמ ידימלתו ורבדי וב השמ. Die Mitteilung über den Ursprung des Streits zwischen Anan und seinem Bruder Chananja um das Exilarchat (in םינברהו םיארקה קולח bei Pinsker, S. 103) läßt Anan das Wort vor dem Kalifen führen und die Differenz zwischen ihm und seinem Bruder in das Kalenderwesen setzen: לע יחא תד יכ (ןנע) רמאו חתפו .ביבאה רובעו חריה תיאר לע יתדו תופוקת רובעו ןובשחה הצרתנו ךלמל קתמנו ביבאהו חריה לע ונובשח היה אוהה ךלמהו וב. Ebenso Tobia im Namen Saadias (das. S. 95): היהו דמעו חריה שקבל תד שדחו לאעמשי תוכלמ המקש דע ןכ לארשי 'וכו ןנע . Man darf also als gewiß annehmen, daß Anan den von Hillel II. eingeführten festen Kalender verworfen hat. Aber auch hierbei ging er nicht auf die Bibel, sondern auf die mischnaitische Zeit zurück, wie sich denn auch die späteren Karäer, zur Rechtfertigung ihres Standpunktes, auf die Mischnah berufen. Es war demnach keine Neuerung, sondern nur die Reaktivierung einer früher bestandenen Ordnung. Es war aber noch weniger eine Verbesserung, da ein schwankender Festkalender gegen einen festen ein schlechter Tausch ist. – Daß infolgedessen Anan auch den zweiten Feiertag aufgehoben hat, versteht sich von selbst. In Palästina wurde er von den Talmudanhängern nicht einmal für das Neujahr gefeiert, wie aus R' Nissims Anfrage an R' Haï hervorgeht (in Serachias רואמ zu Jom-Tob. I.): המל יאה 'ר ינפלמ םיסינ 'ר רמל הלאשב אצמנו אלה םימי ינש הנשה שאר ןיספות לארשי ץרא ינבש ונינודא רמא דחא םוי אלא ןיספות ןיאש התע דע םיאור ונא.

b) Das Wochenfest. Sicherlich stammt die Neuerung des Karäismus, das Wochenfest 50 Tage vom Sabbat nach dem ersten Passahtage zu feiern, von Anan her, obwohl Zeugnisse darüber fehlen, da sämtliche Karäer daran festhalten. Übrigens ist das der einzige Punkt, den der Karäismus mit dem Sadduzäismus gemein hat133.

c) Die verschärfte Sabbatstrenge. Bekanntlich läßt der Karäismus im Punkte der strengen Sabbatfeier den Talmud und sogar die späteren Erschwerer weit hinter sich zurück. Es muß also ermittelt werden, inwieweit Anan dabei beteiligt ist. Wir haben darüber Zeugnisse, daß er der Urheber der Sabbatstrenge war. Er gab nämlich von dem pentateuchischen Verse, betreffend das Ruhen am Sabbat, eine wunderliche Erklärung, daß man sich innerhalb der Stadt und ihres Weichbildes von 2000 Ellen im Geviert nur bewegen dürfe, wenn sie von Juden bewohnt ist. Hat sie aber auch eine nichtjüdische Bevölkerung, so darf man sein Haus nicht verlassen, und eine Raumveränderung ist nur gestattet, um sich in das Bet- und Lehrhaus zu begeben. רמא ןנע ונבר ומוקממ שיא אצי לא ויתחת שיא ובש רבעמ לע ורוי םהינשש םעטהו דחא ןינעל ולעי ומוקמו ויתחתש איהש המא םיפלא דע ותושר םוקמ לע הרוי ויתחת םנמא ... תאז לע הרוי ומוקמו תסנכהו שרדמה תיב לא תכלל ריעה שרגמ יכ ותושר תחת הניא םנמא המא םיפלא דע איהש המצעב הדמה םיוג הכותב שי [495] (b. Baschjazi). – Nach Anan soll ferner die Beschneidung niemals am Sabbat vorgenommen werden, weil die Wunde Heilmittel erfordert und diese anzuwenden am Sabbat nicht gestattet sei. Levi ben Jephet, in dessen S. ha-Mizwot bei Pinsker, S. 90: רשא תעב] לומי ... (רמוא) היה (ןנע) לארשי תוילג שאר שמשה תאיב רחא תבש יאצומב [אוהו םירוסא םניא וב םישעמה לוחב האופרה תויהל רובעב הז השוע היהו134. Ebenso Hadassi (in Eschkol Nr. 181); תושעהל רסא ןנע ונליכשמ ןכו התאופר ןעמל תושמשה ןיב םא יכ תבשה םויב הלימה. Der Koitus ist nach Anan am Sabbat verboten: שירחב השא בכשמ לע הז יכ ןנעכ ומש החמי ןנע רמא תובשת ריצקבו (Ibn-Esra zu Exodus 34, 21). In diesem Punkte stimmte Anan mit den Samaritanern überein. Ob auch das Verbot des Lichtbrennenlassens am Sabbatabend, und überhaupt das שא ורעבת אל, auch im passiven Sinne als verboten anzunehmen, von Anan stammt, dafür habe ich keinen Beleg. Er hielt aber, wie die Beschneidung, ebenso das Schlachten des Passahlammes am Sabbat für nicht gestattet, vielmehr sollte es in diesem Falle am Tage vorher geopfert werden: שי םוי דועבמ 'ו םוי וטחשי תבש םוי רשע עברא לפנ םא םירמוא ... .אישנה ןנע רמא אד .תבש לילב ולכאיו ולציו םדה וזיו אוה יכ ומצעב תבשה םויב חספה טחשי יכ רמא ידנואנה ןימינבו יכ רמא (תפי) ילעובאו ישמוק לאינדו .ךרבתי ונוצש תובוחה ןמ לכאי אלו ףרשיו לארשי ללכ םש לע רחא ףוג תבשב טחשי (Jakob ben Rëuben zu Abschnitt Bo., Jehuda Hadassi a.a.O. Nr. 202 und Elia Baschjazi).

d) Die weite Ausdehnung der Verwandtschaftsgrade (בוכר) scheint nicht von Anan herzurühren. Ein langer Passus, den Abulfaraǵ Josua von Anan in betreff dieses Punktes anführt (bei Pinsker S. 65, Anm 3), ist zu korrumpiert, als daß sich etwas Bestimmtes daraus entnehmen ließe. Gewiß ist es, daß Anan die Gültigkeit der levitischen Reinheitsgesetze für die Zeit nach der Tempelzerstörung nicht anerkannt hat (o. S. 488).

e) Die Ausdehnung der Leviratsehe auf Verwandte überhaupt, die sich auf die Geschichte von Boas und Ruth gründet, scheint von Anan ausgegangen zu sein, da Benjamin Nahawendi, der, wie wir sehen werden, in vielen Punkten mit ihm differierte, auch darin eine abweichende, dem Talmud zustimmende Ansicht hatte: םיחאב םוביה תושעל ורוהש םהה םישנאהש הארנה יפלו ינאסקרקה ףסוי 'ר ןוגכ ונימכחמ תצקו הלבקה ילעב ןוגכ שממ ידנוואנה ןימינב 'רו (Elia Baschjazi a.a.O. p. 93a).

f) Die Erbfähigkeit des Gatten an der Hinterlassenschaft der Frau scheint Anan nicht anerkannt zu haben, wie aus dem Passus bei Jehuda Hadassi (o. S. 491, Anm. 1) hervorgeht. Auch in diesem Punkte differierte Benjamin von Anan.

g) Ob die Abrogierung der Phylakterien (ןיליפת), die Veränderung der Liturgie, namentlich die Verwerfung der formulierten Eulogien und endlich die Veränderung der Fasttage von Anan ausgingen, läßt sich bei der jetzigen Kenntnis der Quellen nicht ermitteln.


[496]

II.

Wir haben aus einem Zitat aus Baschjazi gefunden, daß die Jünger Anans, welche sich Ananiten (םיננע) nannten, von ihrem Meister in einem Punkte abgewichen sind (S. 494). Verfolgen wir diese Angabe. Zuerst wollen wir uns mit dem Namen beschäftigen. Levi ben Jephet gibt an, daß die Ananiten so genannt wurden, weil sie sich an Anan hielten: ורמא רשאכ ןנע תד לע רשא םהו םיננעה. Er unterscheidet sie von den Karäern: םייננעה ןיבו םיארקה ןיב ... ףולח תומוצה הלאב שיו (zitiert bei Pinsker S. 92). Abulfaraǵ Jehuda spricht ebenfalls von Ananiten: ןיבו םינברה ןיב ףולח לפנ אלו ףרועב איה ... הקילמה יכ םייננעה. Auch Abulfaraǵ Barhebräus nennt die Karäer Ananiten – איננע (vgl. o. S. 444). Makrizi hat aber eine wunderliche Notiz, nach welcher gar zwischen Ananiten und Karäern ein wesentlicher Unterschied bestünde, indem die letzteren eine ältere Sekte gewesen, und Anan zugleich gegen sie und die Rabbaniten aufgetreten wäre: (ןנאע) הנאו העמ אמ ףלאכי ןייארקלאו ןינאברלא ןמ דוהילא הלע אמ יאר (bei de Sacy Chrestom. I., S. 108, vgl. auch S. 167). Aus einer Notiz bei Salmon ben Jerucham (o. S. 490) könnte man anderseits urgieren, daß die Karäer erst später auftraten, erst nach Benjamin Nahawendi: םיארקה ולגתנ ןכ רחא ... ןימינב ןכ רחא ... ןנע הלגתנו Indessen muß man hier ergänzen »die späteren Karäer« (םינורחאה םיארקה), wie die Parallelstelle bei Jakob ben Rëuben lautet. Auf Makrizis Angabe ist nun gar nichts zu bauen. Es lag ihm, oder seiner Quelle, daran, so viel Sekten als möglich dem Judentume zu vindizieren, damit die mohammedanische Sage in Erfüllung gehe, daß das Judentum 71 Sekten habe, und so wurden Ananiten und Karäer in zwei gespalten. In Wahrheit aber waren beide ursprünglich identisch. Ich kann Pinskers Ansicht nicht teilen, daß die Karäer ursprünglich von den Ananiten verschieden wären und sich erst nach und nach unter Anans Fahne des Antitalmudismus geschart hätten (L. K., Text, S. 18 ff.). Benjamin Nahawendi kennt nur Karäer ארקמ ילעב im Gegensatz zu Rabbaniten (s. weiter unten); ebenso stellt der jedenfalls ältere Karäer Nissi ben Noach תוארקמה ילעב in Gegensatz zu תואנשמ ילעב (bei Pinsker l.c. 40). Die früher promiscue gebrauchte Benennung Ananiten und Karäer scheint erst später differenziert worden zu sein, als ein Teil der Karäer Rabbanitisches aufgenommen hatte. Diese mögen dann Ananiten genannt worden sein, weil auch den Späteren eine dunkle Ahnung vorschwebte, daß Anan noch zum Teil im Rabbanismus gesteckt hat.

Die Namen von Anans unmittelbaren Jüngern lassen sich kritisch nicht mit Sicherheit fixieren. Das Tikkun ha-Karaim stellt drei derselben auf: ןנע וניבר לואשו (רודגיבא) רדנוב 'רו אחומ 'רו אחא 'ר וידימלתו (aus einer Handschrift bei Pinsker, Beilagen, S. 186, Anmerkung, und korrumpiert bei Wolf, Bibliotheca IV, 1070, aus einem Leydner Kodex). Auch Simcha Luzki nennt diese Namen in seinem Katalog der karäischen Autoritäten: אחומ ר"רהו אחא 'ררה וידימלתו ןנע רודגיבא 'רהו. Indessen ist nicht allzuviel darauf zu geben. Denn R' Acha, welcher hier als unmittelbarer Jünger Anans aufgestellt wird, ist kein anderer als R' Nissi ben Noach135 wie er selbst in seinem erhaltenen Werke seinen Doppelnamen angibt (bei Pinsker,[497] Text, S. 37): אחא 'ר ארקנה חכ אלו ליח ןיאב חנ ןב יסנ ינא und weiter אחא 'ר הנוכמה חנ ןב יסנ ינא136. Acha = Nissi ben Noach muß aber, wie sich weiter zeigen wird, viel später als Anan, ja wahrscheinlich nach Benjamin Nahawendi gelebt haben. Da nun dieser durchaus nicht zu Anans unmittelbaren Jüngern gezählt werden kann, so kann auch schwerlich R'Mocha sein Jünger gewesen sein. Jedenfalls lebte dieser R' Mocha nicht später als im neunten Jahrhundert. Denn Salmon ben Jerucham erwähnt ihn in einer Einl. neben anderen karäischen Autoritäten und zitiert ihn und seinen Sohn Mose als Verstorbene. Er bezeichnet beide als Erfinder der tiberiensischen Punktation: אחא 'ר רמ לאה םמחרי ינארביטה דוקנה ינקתמ השמ ונבו (אחומ 1.) םהידוקנב (vgl. Pinsker a.a.O., Beilage, S. 61 f.). Mocha und sein Sohn Mose werden als Massoreten genannt (bei Pinsker a.a.O., Text, S. 29 ff., wo auch von anderen älteren Massoreten die Rede ist). Karäer haben sich demnach frühzeitig mit Massora beschäftigt137. – Neben Mocha und seinem Sohne Mose nennt Salmon ben Jerucham in dieser Einl. auch eine Autorität רודגיבא 'ר, wahrscheinlich der als Jünger Anans ausgegebene. – Makrizi nennt noch einen Jünger Anans mit Namen Malik und sagt von ihm aus, er sei ein Sektenstifter gewesen, und seine Anhänger hätten behauptet, Gott werde am jüngsten Gerichte nur diejenigen erwecken, denen er Propheten und Offenbarungsschriften zugewiesen דימלת וה אדה ךלאמו ןאנאע (bei de Sacy l.c. I, 117)138. Dieser Malik ist, wie ich vermute, den karäischen Schriftstellern nicht unbekannt. Er wird von David Almokammez (bei Jehuda Hadassi)139 und von Jakob ben Rëuben erwähnt. Sie nennen ihn Malik ילמרא ךילמ oder ילמרה, vielleicht aus Ramla, also arabisch Arramli und hebräisch ha-Ramli. Sie nennen ihn zusammen mit dem Sektenstifter Musa (oder Meswi) Abuamran (vgl. Pinsker, Beilage, S. 84). – Wenn aber Malik, oder Malik Aramli ein Zeitgenosse Abu-Amrans war, so kann er nicht, wie Makrizi referiert, Anans unmittelbarer Jünger gewesen sein; denn Abu-Amram blühte frühestens um 830-40 (vergl. Note 18, IV).

Mögen nun die Jünger Anans so oder so geheißen haben, für die Geschichte ist nur der eine Punkt von Wichtigkeit, daß sie nicht in verba magistri schwuren.


III.

Nach Salmon ben Jeruchams Notiz (o. S. 490), die uns zum Leitfaden dient, bildet Benjamin Nahawendi140 ben Mose eine Epoche in der [498] Entwicklung des Karäismus. Worin die Veränderung bestand, die Benjamin dem Karäertum gebracht, gibt Salmon nur im allgemeinen an. Nun hinterließ Benjamin eine Schrift über die Vorschriften des Judentums unter dem Titel םיניד oder ןימינב תאשמ, gedruckt in Goslow. Leider handelt dieses Buch lediglich von straf- und zivilrechtlichen Themen, so daß man daraus nicht seine eigentümliche Auffassung des Karäismus zu erkennen vermag. Der Epilog des Buches deutet aber seinen Standpunkt an. Er habe, sagte er, auch Rabbanitisches mit aufgenommen, obwohl sich dafür keine Belegverse aus der Schrift beibringen lassen. »Wer von den Karäern es vorzieht, möge sich nach den rabbanitischen Vorschriften richten:« ינב לכל בר םולש םיניד רפס הז םכל יתבתכ רבכ ... השמ ןב ןימינב ינממ הלוגה ןידו ןיד לכ לע רבכו .םכיערו םכיחא ארקמ ילעב םב ונידתש אלו םינברה ובתכו םב ונדש םיניד ראשו .ארקמ וילע יתזמר םב ונידת וצפחת םאש יתבתכ םתוא םג ארקמ םב זומרל יתלוכי. Benjamin hat also dem Rabbanismus Konzessionen gemacht. In einem Zitat aus einer anderen Schrift bemerkt er, daß er sich erlaubt habe, von den vorangegangenen Autoritäten abzugehen, denn das Forschen sei durch das Prinzip des Karäismus nicht bloß gestattet, sondern zur Pflicht gemacht. Daher dürfe der Sohn vom Vater, der Jünger vom Meister differieren (in Jephets Kommentar mitgeteilt von Dukes: Beiträge II, 26): דחא ןימינב ינא :וירפסמ דחאב ל"ז ןימינב רמאו יכונא איבנ אלו יתרבד אל (Lücke) תובבר יברו םיפלא ףלאמ המ ובתכו ךרדה הז חקול םיארקה ןמ םכח לכ ןכו איבנ ןב אלו שיו (?) תוחנלו ןיחבהל םישנאל ווצו תמא אוה יכ וננובתהש ירבד תפלחה המל באה רמא אלו בא לע ןבו ויחא לע חא ףילחיש 'ה ינפלמ םילוצנ םהו הבוח ידימ ואצי ןכלו דמלמל דימלתה ןכו שיו םהירפסו םהירבד תצקמב הגגש םהמ רובעיש יפ לע ףאו םישנאה יניע וריאהו ולג רשא לע לודג רכש םהל141. Wir sehen also daraus, daß zu seiner Zeit bereits viele karäische Schriftsteller aufgetreten waren, die unter sich und von dem Stifter differierten. Es ist uns nicht vergönnt, einen Überblick über Benjamins Differenzen zu haben, aber einige derselben, die uns aus zerstreuten Notizen bekannt sind, zeigen, daß er sich dem Rabbanismus näherte.

1. Wir haben bereits oben gefunden, daß er die Leviratsehe auf Brüder beschränkt wissen wollte, während seine Vorgänger und wahrscheinlich Anan selbst sie auf Verwandte überhaupt ausdehnten (o. S. 496).

2. Er deduzierte, daß das Abkneipen der Vögel nur für den Altar vorgeschrieben sei und nicht für den Profangebrauch, im Sinne des Rabbanismus: 'ר תעדו .ןברקה תלוזבו ןברקב הלבנה םש בותכה רמאש ידנואה ןימינב ומכו הטיחשב היהיש ןברקה תלוזבו הקילמב אהיש (ןברקבו) הניא ןכ הטיחשב ותושעל ןברקב בותכה ןוצר ףילחהל יואר ןיאש הקילמב תושעל ןברקה תלוזב היואר (Elia Baschjazi, תרדא, S. 63a).

[499] 3. In betreff der Bewegung im Raume am Sabbat differierte er ebenfalls von Anan und neigte sich der talmudischen Auffassung zu. Man dürfe sich innerhalb der Stadt und des Weichbildes (םוחת) zur Befriedigung eines gebieterischen Bedürfnisses und umsomehr zum Gebet und Lehrvortrag, bewegen; nur darüber hinaus dürfe man nicht gehen: ידנואה ןימינב 'רו והחיניו רמאממ היאר איבהו תמאה לע הרוי ויתהת תלמ יכ רמא ךרוצ םא חרכה דעב היהי ויתחתמ ותאצש רמאו .דומעיו ויתחת ומוקממ שיא אצי לא רמאמו .תסנכה תיבבו שרדמב הכילה םאו םוחתל ץוח תכלל יאשר אהי אלש חרכה דעב אצישכש הרוי (das. 29 b). Auch in einem anderen Punkte ging Benjamin von der allzu skrupulösen Sabbatstrenge des Karäismus ab (vgl. Tobia bei Pinsker Beil. S. 95).

4. Ganz im Sinne des Talmud spricht Benjamin Nahawendi dem Gatten das Recht der Nutznießung und der Erbschaft an dem Vermögen der Ehefrau zu (ןימינב תאשמ S. 3 a, 5 b): הלעב יסכנ לע םיפסונ השא יסכנ הלעבל השא יסכנ ךכיפל .'גו הטמה תלחנ לע ףסונו רמאנש הנתנש וא הרכמש המ תוחוקלה דימ איצומ לעבהו תומבו םייחב הלעב תחת היסכנ ןמ הנתמב142.

5. In talmudischer Weise deduziert Benjamin ferner, daß jüdische Parteien ihren Prozeß jüdischen Richtern unterwerfen müssen. Bei nichtjüdischen Gerichten dürfen sie ihn nicht einmal anhängig machen, wenn dieselben auch nach jüdischen Normen entscheiden (das. 3 a, 6 b): לארשי תא קיקזהל יאשר התא ןיא יפ לע ףא םתודעב אלו םניד קוסיפב אלו םרטשב אל םיוג ינידב הלאו רמאנש דבל לארשי ןיד תיבב אלא ... הרות ןיד םינדש אלו םיוג ינפל אלו לארשי ינפל םהינפל םישת רשא םיטפשמה םיהלא ןיא ילבמה רמאנש םניד תיב לא ךילוהל אלו ךליל ןיד קזחלו ןיכהל םהמ הרזע שקבל לבא .ךלוה התא לארשיב רתומ לארשילש םיעשופ לע הרות. Glaubt man da nicht, einen strengen Talmudisten deduzieren zu hören?

6. Nahawendi will sogar einen Bann über renitente Parteien verhängt wissen (das. 2 a): לעבה) לבקי אל םא להקמ לדבי אוה רמאנש ונממ ותוא לידבנ ידש טפשמ וילע (ןיד םהל ןיעבוקו... ןיד תיבל םתוא ןינמזמו ןיניד ילעב ןיארוק .הלוגה ותוא ןיללקמ אבי אלו ונמז תועיבק עמש םאו ... םימעפ 'ג ןמז ותוא ןיללקמ אבי אל םאו ... 'וגו זורמ ורוא רמאנש ןיד תיבב םיגהונ דצ הזיאב .הרותה ךרד לע םימי 'ז ןיד תיבב רקבו ברע לבקנ אלו ול ןימאנ אלו ולצא דומענ אלו ומולשב לאשנ אל ?ומע אביש דע תמכ והבשחנו ונממ לדבנו הרושת לכו הנתמ לכ ונממ םירסומ ידש ןיד לבקי אלו הלא רחאל אבי אל רשאו ... ןיד תיבל תוכלמה תואכרעל ותוא.

7. Im Punkte der Eheschließung weicht Benjamin vom Talmud vollständig ab. Die Ehe soll geschlossen werden durch Verlobung, Heimführen, Morgengabe, Bundschließen und vor Zeugen (Baschjazi l.c. 89 c.): תירבב רהומב החיקלב הסיראב תינקנ השאה רמא ןימינב 'ר םידעבו. Daraus könnte man folgern, daß Anan die Eheschließung in der vom Talmud sanktionierten Form gelassen und erst Benjamin die Ketubbah abgeschafft hat.

Wenn Salmon ben Jerucham behauptet, Benjamin Nahawendi habe den Karäismus dadurch befestigt, daß er in denjenigen Punkten, wo Anan noch an dem Rabbanismus festhielt, von ihm abwich, so hat er ihn nur einseitig aufgefaßt. Denn, wie gezeigt, hat sich Benjamin in einigen Punkten an den Talmudismus gegen Anan gehalten. Über Benjamins Schriften vgl. Pinsker, Text, S. 45, über seine Dogmatik weiter unten, Note 18.


IV.

[500] Unser Gewährsmann für die Entwicklung des Karäismus, Salmon ben Jerucham, stellt als dritte Phase »die jüngeren Karäer« auf. Aus der allgemeinen Beschreibung bei ihn und bei Jakob ben Rëuben erfahren wir aber wenig von der Natur der Leistungen dieser »םינורחא םיארק«. »Sie haben mehrere Bestimmungen aufgestellt, םירדג ופיסוה« sagt der eine; »sie haben sich vertieft, es genau genommen mit den Gottesgesetzen, תוצמה ולגו וקימעהו וקדקד«, der andere. Worin bestand diese Tätigkeit? Wir sind hierbei auf Vermutungen angewiesen, die aber auf sicherer Basis beruhen. So wenig wir auch von dem System Anans, seiner Jünger und Benjamins wissen, so ist es doch klar, daß sie nicht konsequent mit dem Rabbanismus oder Talmud gebrochen haben, auch nicht brechen konnten. Es war den Karäern mit den sogenannten Ritualgesetzen des Judentums Ernst, sie betrachteten sie als Gottesgesetze, die man nicht leichthin behandeln dürfe. Sie waren durchaus keine Reformer und keine aufgeklärten Rationalisten, um nur die sogenannten Vernunftgesetze für verbindlich zu halten. Nur liegen selbst die biblischen Bestimmungen nicht so umgrenzt und abgeschlossen vor, daß nicht Zweifel über die Art und Weise der Ausübung derselben aufsteigen könnten. Nehmen wir die Beschneidung. Das Gesetz scheint deutlich, aber es ist fraglich, durch welche Personen, mit welchen Mitteln und unter welchen Umständen es ausgeführt werden soll. Der Talmudismus ist konsequent; er hat zur Beseitigung solcher Bedenken die Tradition oder die Halacha oder den Brauch (Minhag), d.h. das Volksbewußtsein. Indem der Karäismus diesen Halt fahren ließ, geriet er in Verlegenheit. Alles läßt sich nicht aus der Schrift herleiten, selbst bei der geschraubtesten Exegese. Anan ließ das rituelle Schlachten bestehen, sogar wie es scheint, unter den talmudischen Modifikationen. War das konsequent karäisch, d.h. auf biblischem Grunde? Einer der Karäer Menahem Gizni (Saadias Zeitgenosse?)143 gesteht es ein, daß die Riten fürs Schlachten nicht in der Schrift begründet sind und doch von den Karäern festgehalten werden: ... הטיחשה רשכה לע םיאנת וא םיאנתב רמואה יכ עדו ... אצמי אל הרותב שפחיש ימו ונתנ 'וכו ןבקרוקו קפז םינמס 'ד ונתיו תופועב רשאכ םינמיסב ןמ רכז םהב ןיאו 'וכו הסרד היהש ורמאו הטיחשה לע םיאנת האצותה ןמ אלו הרותה (bei Pinsker, Beilage, S. 59) םה רמוחו לקמ אלו שקיהמ אלו םיעדונ. Kurz, der Karäismus hatte von Hause aus den Charakter der Willkürlichkeit, der Schwankung, der Inkonsequenz. Es erstanden neue Sekten, wie wir weiter sehen werden, welche mit dem Prinzip des Karäismus auch das Allerfesteste im Judentum aufrüttelten. Der Karäismus mußte diese Verlegenheit überwinden, oder in den Schoß des Rabbanismus zurückkehren. Da kamen einige Männer, oder vielleicht nur ein Mann mit Autorität bekleidet auf neue Formeln, um einerseits das Prinzip des Karäismus, die Biblizität festzuhalten, anderseits der Schwankung zu steuern.

Die angewendeten Formeln sind bekannt, sie sind laut Benennung und Zahl der mohammedanischen praktischen Theologie entlehnt, welche ebenso wie das Judentum zugleich eine Art Jurisprudenz ist (םלע הקפ auch היערשלא םאכחא) im Gegensatz zur theologischen Dogmatik. Die sunnitischen Theologen [501] führten bekanntlich den ganzen Umfang ihrer Gesetze auf vier Wurzeln (לוצא) oder Grundprinzipien zurück: Die Schrift oder das deutliche Koranwort (באתכ), die Sunna oder Tradition (הנסלא), die allgemeine Übereinstimmung (עאמגאלא) und die Analogie oder Folgerung (סאיקלא); (vgl. Schahrastani, ed. Cureton, S. 153 f. Haarbrückers Übersetzung I, S. 230): »Wisse, daß die Wurzeln der Gesetzesauslegung und ihre Säulen vier sind, die Schrift, die Sunna, die Übereinstimmung und die Folgerung: דאהתגאלא לוצא ןא םלעא סאיקלאו עאמגאלאו הנסלאו באתכלא – העברא הנאכראו. Das schiitische Bekenntnis wich nur im Punkte der Tradition von dem orthodoxen ab, weil es dieselbe verwarf; es hat also nur drei Wurzeln oder Prinzipien. Da die Karäer mit ihrer antitraditionellen Richtung sich in der Lage der Schiiten befanden, so nahmen sie ebenfalls nur drei Prinzipien (תודמ) an und paßten sie ihrer schismatischen Theologie an. Diese drei Wurzeln lauten bei ihnen ebenfalls: die Schrift (עמשמ ,בותכה), die allgemeine Übereinstimmung (ץובק oder הדע) und die Analogie (שקיה). Kurz und deutlich nennt sie Josua der Jüngere: ןמ םאו שקיהה ךרד ןמ םאו בותכה ןמ םא רוסאה ץובקה. Genau die Zeit zu bestimmen, wann Karäer diese Formeln der mohammedanischen Theologie entlehnt haben, ist nicht möglich, aber jedenfalls geschah es früh. Denn Jehuda Hadassi referiert: Es existieren Differenzen über die Prinzipien innerhalb des Karäis mus. Sahal Abulsari habe sie auf vier gebracht, nämlich die drei genannten und die Vernunft. Saïd ben Jephet dagegen habe die letztere verworfen, weil die Vernunft mit der Thora öfter im Widerspruche sei, und habe nur die drei anerkannt. Joseph ben Noah habe auch die Analogie nicht gelten lassen wollen. (רפכה לכשא Nr. 168, 169): ןדע םחונ יליכשמ ארקמ ינב יראסלובא חילצמ ןב להס ןהכה .הרותה תודמ הלאב ופלחתנ הדעבו שקהבו עמשמבו תעדה תמכחב :םירבד 'ד לע םלילכה עמשמב םירבד 'גב םלילכה יולה תפי ןב דיעסו ,הרבגתמ הרותה םירבדב רוסאת תעדה רמא יכ תעדה תמכחב אלו הדעבו שקהב המ תרתמו תעדה לכש ריתיש המ תרסוא הרותהו םירבדב ריתתו הדוי אלו ץובקבו בתכב הדומש ימ שיו ... .המכחה הרסואש חנ ןב ףסוי הזו שקהב. Zu Abulsaris Zeit müssen also schon die drei Prinzipien bestanden haben, und er wollte nur ein viertes hinzufügen, das ihm aber Saïd ben Jephet streitig machte. Auch aus dem Umstande, daß Saadia gegen den Karäismus geltend machte, man dürfe sich nicht von der Analogie leiten lassen, läßt sich folgern, daß diese Formel bereits vor seiner Zeit von den Karäern gehandhabt wurde. »Das erste ist, bemerkt Saadia, daß man die Folgerung in betreff der Religionsgesetze aufgeben muß«: לאטבא אלוא םדקמלאפ היעמסלא עיארשלא יפ סאיקלא (bei Pinsker S. 20)144.

Ich glaube nicht fehl zu gehen, wenn ich annehme, daß die sogenannten drei Wurzeln zwischen Benjamin Nahawendi und Salmon ben Jerucham (820-890)145 eingeführt worden und daß darunter »das םירדג ופיסוה der jüngeren Karäer« oder das »וקימעהו וקדקד« zu verstehen [502] ist. Die drei Formeln (תודמ) sind allerdings Bestimmungen oder Abgrenzungen und setzen Vertiefung und größere Akribie voraus. Durch die drei Prinzipien sollte einerseits dem Schwanken und der Willkür gesteuert und das karäische Grundprinzip gewahrt, und anderseits ein Mittel an die Hand gegeben werden, wie neue Bestimmungen gefolgert und neue Fälle beurteilt werden sollen.

Über die drei Prinzipien des Karäismus ist noch manches zu bemerken.

1. Der Schrift (בותכ ,עמשמ) legten die Karäer einen anderen Begriff unter, als die Talmudisten und Rabbaniten. Diese verstehen nur den Pentateuch darunter (הרות ,אתירוא) im engsten Sinne. Gesetzliche Bestimmungen der Propheten dagegen haben im Talmud lediglich den Wert von Tradition (הלבק ירבד), aber keinesweges streng biblische Bedeutung. Die Formel dafür lautet: ןניפלי אל (םיאיבנ) הלבק ירבדמ הרות ירבד Chagigah 10 b; Niddah 23 a; Baba kamma 2 b). Öfter wird ein Prophetenvers als Beleg für eine Halacha zitiert, aber nur als Akkommodation (vgl. Chulin 17 b). Auch äußerlich wird die größere Heiligkeit des Pentateuchs bekundet, indem verboten wird, eine Rolle der Propheten oder Hagiographen auf eine Thorarolle zu legen: הרות יבג לע םיבותכו םיאיבנ ןינתונ ןיא (Tosifta Megillah c. 4; Babli, Megillah p. 27 a). Die Karäer dagegen verstanden unter Schrivt nicht bloß den Pentateuch, sondern auch Propheten und Hagiographen. Jehuda Hadassi spricht sich darüber deutlich aus (Eschkol, Nr. 173, S. 70 b): הרות םהו .הרותה תודמ ונעמש אלו בותככ הרות וארקנ םתשלשש םיבותכו םיאיבנו וידבע דיב ונינפל ןתנ רשא ויתורותב תכלל וניהלא 'ה לוקב םישילש ךל יתבתכ אלה םדא לכמ םכחה רמא םהילעו .םיאיבנה תעדו תוצעומב. Durch diese Gleichstellung der prophetischen und hagiographischen mit den pentateuchischen Gesetzen gewann der Karäismus viel Spielraum für den Umfang der Gesetze. Alles was in der Bibel, gleichviel ob ermahnend, erzählend oder anspielend, vorkommt, galt den Karäern als religiöse Norm. Wenn der Rabbanismus darauf pochte, die Tradition sei notwendig, da die pentateuchischen Vorschriften oft sehr knapp und dunkel gehalten seien, so machte der Karäismus dagegen geltend, der Pentateuch habe seine Ergänzung in den prophetischen und hagiographischen Schriften.

Durch das Appellieren an die Schrift als an die letzte Instanz war der Karäismus dazu gedrängt, die Wortbedeutung des biblischen Sprachschatzes und den Textsinn genauer zu bestimmen. Die Grammatik im ausgedehnten Umfange wurde ein Hilfsmittel für die Gesetzesinterpretation. Auch hierin war den Karäern die mohammedanische Theologie Vorbild. Diese stellt als Grundbedingung für die Gesetzesdeduktion genaues grammatisches Verständnis der arabischen Sprache überhaupt und des Koran insbesondere auf: ןארקלא ריספת הפרעמ (vgl. Scharastani, Text, S. 154, Haarbrücker I, S. 232). Daher stellt Jehuda Hadassi, sicherlich nach Vorgängern, die Regeln der hebräischen Grammatik unter die Interpretationsregeln. Hebräische Sprachkunde war für die Karäer nicht eine Nebensache, ein Moment der Bildung, sondern ein religiöses Bedürfnis, gewissermaßen eine religiöse Pflicht. Die Erweiterung der hebräischen Grammatik war das Werk der Karäer146.

[503] 2. In betreff der zweiten Interpretationsregel »der Übereinstimmung« waren die Karäer in einer argen Selbsttäuschung begriffen. Sie haben diese »Wurzel«, wie wir gesehen, dem Islam entlehnt. Aber dort bedeutet sie: »die Übereinstimmung der Genossen Mohammeds (הבאחצלא עאמגא; vgl. Scharastani, S. 153, 155). Hatten sich diese über einen religiösen oder juridischen Punkt ausgesprochen, so hatte dieser Ausspruch Autorität, weil angenommen wurde, daß die Gefährten, welche die rechtgläubigen Imame sind, dem Irrtum nicht anheimfallen können; denn Mohammed hatte ausgesprochen: »Meine Gemeinde in ihrer Gesamtheit unterliegt nicht dem Irrtum« (das. 153). In dieser Modalität konnten die Karäer aber diese Wurzel nicht gebrauchen. Als sie sie entlehnten und auch dasselbe Wort dafür anwendeten: (ץובק ,הדע), mußten sie ihr eine andere Bedeutung geben. Sie verstanden darunter solche religionsgesetzliche Bestimmungen, die zwar in der Schrift nicht angedeutet sind, aber sich von jeher im israelitischen Volke behauptet haben. Insofern ist diese Wurzel nichts anderes als Tradition. Die späteren Karäer scheuen sich auch nicht, das Ding beim rechten Namen zu nennen. Sie nennen es »Überlieferung« (הקתעה) oder »die Last der Erbschaft,«147 die Erblehre (השוריה לבס). Aaron ben Joseph (Verf. des רחבמ, schrieb 1295) bemerkt in der Einleitung: לעו שקהה לעו בותכה לע םינעשנ ונחנא םגש הניאו תמא בתכב םושרה תוסירה הניא הקתעהה וז יכ הקתעהה לארשי לכב דחא הפב איה ףא הקתענ ,הקולחב. Und in Abschnitt Bo: םיגהונ תובאה ויהש םירבדה טרפ אל בותכה יכ םישרויה לבס לע תורותה תוצמ ךמסש הטיחש ןוגכ ןהב. Vgl. Elia Baschjazi Anfang: םירבד השלש לע (ונימכח) ורמאו השוריה לבס לעו שקהה לעו בותכה לע דמוע בותכה. Im weiteren Verlaufe setzt er diesen Punkt auseinander: םנמא ובשו הרותב תובותכ ןניאו ןהב ונלדגתנש תורחא תוצמ שי םימכחה יפב הקתעהו השוריה לבס וארקו הלאו .עבטכ ןתויהל רועישב םינמיס תתירכבו תלכאמב היהתש תומהבה תטיחש ןוגכ הנבלה תיאר יפ לע היהיש שדוחה שודק ןכו יוארה. Die Identität von הדע und השורי לבס folgt auch aus Jehuda Hadassis Angabe, daß einige diesen Punkt, die Erblehre, verworfen haben, aber mit Unrecht: םלילכמש ימ שיו לבס הדעב הדוי אלו שקהבו עמשמב םירבד ינשב (תודמה) אוהו םישעמהו תומשהו תויתואה עדוי ןיאמ וירבדבו ןתשורי הרהטו האמוט לטבי148. Die Verlegenheit brachte den Karäismus also dahin, die Tradition, die sie durch das offene Tor hinausgewiesen haben, zu einer Hintertür wieder hineinzulassen. Nach und nachredeten sie sich ein, für jedes traditionelle Gesetz gebe es eine Andeutung in der Schrift, nur vermöge die Kurzsichtigkeit nicht sie zu sehen: רמואש ימ לכש היבוט 'ר םכחה רמאמ לכש די רצוקמ אלא הז ןיא בותכה ןמ עויס הל ןיאש הקתעה שיש (Baschjazi das.). Sie differenzierten auch die Traditionen voneinander und wollten nur solche gelten lassen, die nicht gegen den Schriftsinn sprechen, nichts zum Schriftworte hinzutun und sogar eine Stütze an demselben haben und von ganz Israel angenommen werden: אלו בותכה דגנ דומעת אלש הלבק לכש ונימכח ורמאו עויס הל שיו הב םידומ לארשי לכו בותכה רמאש המ לע ףיסות ונממ הלבקתנו הקתעה תארקנ בותכה ןמ (bei demselben). Indessen ist diese Definition so vage, daß sie auf kein[504] konkretes Beispiel paßt. Woher soll man denn eigentlich wissen, daß eine gesetzliche Bestimmung von jeher anerkannt war, und daß ganz Israel einig darin ist? Wenn die biblischen Schriften darüber schweigen, so bleibt nur das Zeugnis der Mischnah und des Talmud übrig. Einige ehrliche Karäer gestanden daher auch ein, daß der größte Teil der Mischnah und des Talmud traditioneller Natur sei: בורש םימכחה ורמא דוע םה וניתובא ירבד דומלתהו הנשמה (das.). Eben so Aaron ben Joseph (Michbar, Einleitung): ילעבל תראפת הז ןיאו קר םללכ ונחנה אלו וניתובא ירמא םה םירמאמה בור יכ הלבקה טשפה דגנ דמועשו ומע הקולחהו לבוס בותכה ןיאש הממ.

3. Die dritte karäische Interpretationsregel, die Analogie oder Folgerung (שקיה), hat in einem Punkte zu einer ausschweifenden Ausdehnung geführt. Einige Karäer haben die Blutsverwandtschaft in bezug auf das Eheverbot maßlos ausgedehnt. Da Mann und Frau in der Schrift als Blutsverwandte betrachtet werden, so hört diese Verwandtschaft mit der Ehescheidung nicht auf, sondern dauert fort und geht auf den zweiten, dritten, vierten Gatten über, den sie nacheinander heiraten, so daß Verwandte des einen Gatten sich nicht mit denen des ganz fremden, zweiten, dritten, ehelich verbinden dürfen. Diese Ausdehnung heißt bei den Karäern Übertragung בוכר (arabisch ביכרת). Baschjazi (l.c. 85 b): הבקנו רכזהש ורמא בוכרה ילעב תאז דועו ויראשב ותשא ראש שיאל ורסאו דחא ףוג תגרדמב ורסאיו דחא ףוג תגרדמב אוהו איה ויהו רחאל תאשנ םא השאה הז היהי רחאל תאשנ םא ןכו .ןושארה הלעבל שיאה הז יראש םיפוג העברא דע ומצעב טפשמה (vgl. Responsum des Karäers Josua des Jüngern hinter והילא תרדא 7 b): תעדבו תודוד היתויחאו םיחא הינבו םאה םוקמב לעבה תשא היהת תאזה םידוד היחאו. Diese Übertragung wurde im Anfang des zehnten Jahrhunderts von Abu Jakob ha-Roëh oder Albaßir bekämpft: תוברהל (ארקמ ינב תצק) וזירפהו .תורתומ ןהש דואמ תובר תוירע ורסאש דע יאדמ רתוי םישקהב ובא ןקזה הז בישהש המ ידי לע הורתסו הולטב רבכ הטשה תאזו דסא ןב ןקרפ גארפלובא לודגה ןקזה וירחאו ריצבלא בקעי (Pinsker a.a.O., S. 147; vgl. Munk, Notice sur Aboulwalid Merwan Ibn-Djanah). Wir können daraus entnehmen, daß das Prinzip der Schlußfolgerung vor Salmon ben Jerucham, also vor 890 eingeführt wurde. Der Hauptopponent gegen das בוכר war, wie gesagt, Joseph ha-Roëh (nach Munks richtiger Auffassung identisch mit Albaßir). Dieser schrieb in Saadias Zeit und zwar entweder im Jahre 910 oder 930 (vgl. Note 20)149.


V.

Eine andere tief eingreifende Erschwerung ist ebenfalls in den Karäismus eingeführt worden. Es ist bekannt, daß die Karäer noch jetzt die levitischen Reinheitsgesetze beobachten. Nicht bloß schließen sie Menstruierende und Wöchnerinnen von der Berührung, sondern auch solche Personen, die irgendwie durch Berührung eines Leichnams levitisch verunreinigt sind, vom Besuche der Bethäuser und vom Zusammenleben mit Reinen aus. Die fortdauernde Gültigkeit der levitischen Reinheitsgesetze hat aber Anan ausdrücklich negiert, wie aus der langen Notiz (o. S. 492) hervorgeht. Dagegen war ihre Beobachtung in der Zeit des Salmon ben Jerucham so festgewurzelt.[505] daß diese in seiner Polemik gegen Saadia den Rabbaniten unter anderen auch das zum Vorwurf macht, daß sie sie mit der Tempelzerstörung für aufgehoben erklären (ה תומחלמ' Ms. Alphabet XIII, 1) ךרדמ העות תאמוטו העיגנ תואמוט םילק רימחהלו תורומח לקהל םיליכשמ םילוגפ קרמו אמט ריתהלו םילהוא. (Alphabet XIV, 4): ירבד השאש לכ םגו הרהט ןיאו תולגב האמוט ןיא םירמואה בצעו רקש הרומא השלשמ ץוח הלעבל השוע הדנ הלעבל השוע. Salmon ben Jerucham scheint sich also gar nicht daran gekehrt zu haben, daß Anan in diesem Punkte dem Talmud zugestimmt hat. Wann und von wem sind die levitischen Reinheitsgesetze in der Zeit zwischen Anan und Salmon ben Jerucham wieder für verbindlich erklärt worden? Mir scheint, daß R' Acha, Nissi ben Noach, der erste Karäer war, der diesen Punkt besonders eingeschärft hat. Dieser schrieb ein Werk über die religiösen Pflichten unter einem Doppeltitel: ןתיב םינובנהו םיליכשמה und תוצמה רואב סלפ רפס, geordnet nach dem Dekalog (zum Teil abgedruckt in Pinskers Likute, Text, S. 37 ff. und Beil. S. 2 ff.). Darin kommt er oft darauf zurück, daß die Israeliten verpflichtet seien, sich von Unreinheiten fern zu halten, namentlich am Sabbat, Festtagen und beim Besuche des Bethauses: לכמ לידבהל לארשי לכ םיבייח ךכיפל םינמזהו םימיה הלאב שדקתהלו תועיגנה לכמ רהטהלו תואמטה תרצע םוי םישדח ישארו דועיו םויבו םידעומבו תותבשב רתויב .השא לא ושגי אלשו האמוטב וקסעתי אלש ... הלפת תעו םוצו אמטל אלשו השא םע בכשל אלש שודק םוי לכ תשודקש ךדמלל הלבנ לכב עגילו. – Ein großer Teil seiner Abhandlung ist diesem Thema gewidmet. Es scheint sogar aus seinen Worten hervorzugehen, daß die Karäer seiner Zeit diese Seite des Judentums, den Levitismus, noch nicht beobachtet haben. Denn er bemerkt: Da er gesehen, daß er selbst die Gebote nicht nach Vorschrift ausübe, fühle er sich gedrungen, das Richtige auseinanderzusetzen und zwar in hebräischer Sprache. Denn viele irren in der Erklärung: תוצמה םיקמ ינאש ינא יתיארו ןושלב םיתראבו ארבנ אלו היה אל הרותב בותכ אלשכ םיקחהו הפרח אוהש םיימראו םירושא ןושלב אלו םירבעה ירבדב תוחצ םיגגוש ארקמבו ... םנושל םירבעה ושנ םרובעבש הלוגה ישנאל לוכאל אלש לארשי לכ ונא םיבייח ךכיפל ... םיגומנ םנורתפבו אמט לכב עגיל אלשו אמט לכ. Nissi ben Noach kommt immer auf diesen Punkt zurück: er schien ihm sehr wichtig zu sein.

Wir müssen jetzt fixieren, welcher Zeit er angehört150. Wir haben oben (S. 497) gesehen, daß er zwei Namen führte, Nissi ben Noach und R' Acha. Als R' Acha machen ihn die späteren Karäer zu einem Jünger Anans. Aber dem kann nicht so sein. Denn in seinem Werke spricht er davon, daß bereits viele Erklärungen zur Thora in aramäischer und arabischer Sprache existieren, von älteren und jüngeren karäischen Verfassern: ושעש ... םינורחאהו םיליכשמה יתיאר וראבש רפס לכ ... והומכ היה אל םירתופה ןורתפש ... םירפס תונורתפ ילעב. Da nun Anan sicherlich der erste Bibel-Kommentator war151, so kann es unmittelbar nach Anan nicht viele Kommentarien gegeben haben. Auch kennt Nissi bereits die drei Interpretationsregeln: [506] דועו םהמ דחא םיקלח 'ב לע תקלחתמ היתוצמ תושעו הרותה תעד תינשהו ... היולגו הרורב איהו ... הרותב ידש לא הוצש הוצמ םהמ דחא .םינפ ינש לע תקלחתמ איהו הרותסו הנופא הוצמ ... םתומכ שיקהל ונבייחל הברהמ טעמ רמאו רכזש תוצמ םיקהל םתומכ ןיאו םיולגו םירורב םניאש םירבד תוצמ תינשהו תדגהב (אלא 1.) אלו םתוא םיעדוי ונחנא ןיאו הריבסהלו םהילע םידיגמה ירחא תכלל ונחנא םיבייחש ןורחאו ןושארו ןבל בא אל םא רמאנש םיקידצמ םהלו םינימאמ םהב םיבירמה ינשש ןאצה יבקעב ךל יאצ ... ךל יעדת (bei Pinsker, S. 11). Er gehört also keineswegs dem achten Jahrhundert an. Andererseits kann er nicht gar zu spät geblüht haben; denn sein Stil und seine Beweisart sind unbeholfen, wie Pinsker richtig bemerkt. Ich bin aber nicht mit dem gelehrten Kenner der karäischen Literatur darin einverstanden, daß Nissis Polemik gegen die Rabbaniten gerichtet sei. Die ganze Haltung der Einleitung spricht dafür, daß der Verfasser von Karäern verfolgt wurde, weil er den bestehenden Karäismus für antibiblisch hielt: יתאצמו (םלשורי) תוזרפ ריע ארקנל יתאצי הפרמ ןיאל דע םיצרפנ םירבד. In Jerusalem gab es meistens Karäer.

Nissi ben Noachs Standpunkt ist eigentümlich. Er ist Karäer, verhält sich aber auch zum Rabbanismus. Er schärft ein, Mischnah, Talmud und Zubehör zu studieren: תולודג תותפסותו תוכלהב דומלתו הנשמב ןיבהל תופסות דומליו תוכלהבו דומלתבו הנשמב יקב היהיש תונטקו תודגהו. Er verfährt offenbar eklektisch. Das Eingehen einer Ehe bestimmt er ungefähr wie Benjamin Nahawendi (o. S. 500), aber er läßt die talmudischen Ehepakten (הבותכ) nicht fahren: אלש לארשי םיבייח ךכלה םהל ןיאש לארשי לש םישנב וליפאו םיוגה תוליעבב אמטל הבותכבו רהומבו תונדגמבו הסיראבו תירבו רמאמב אלא םישיא הלמש תשרפבו החיקלבו םידעבו. Einen neuen Gedanken führte er in den Karäismus ein. Das Bethaus hat die Bedeutung des Tempels, und, so wie man diesen in levitisch verunreinigtem Zustande nicht betreten durfte, ebenso dürfe man die Synagoge nur levitisch rein betreten: יתבו תושדקמ ליבגהל לארשי םיבייחש ךדמלל לארשימ להק שיש םוקמ לכש ךדמלל ... ץראל ץוחב תויסנכ לאיראו ןכשמכ שדקנ אוה לא םש הרותו ןוראו. Vgl. Jehuda Hadassi (Eschkol) Nr. 137.


VI.

Der Karäismus ohne festen Halt verfiel immer tiefer in Exzentrizitäten. Er bildete sich zu einem Pönitenzorden aus. In der leitenden Notiz von Salmon ben Jerucham aus seinem Psalmen-Kommentar (o. S. 490) heißt es: »Es sind später Männer aufgetreten, haben ihre Heimat und Gutverlassen, das Weltliche hintangesetzt und befinden sich »jetzt« in Jerusalem.« Den Psalmen-Kommentar schrieb Salmon 953-57152. Also damals gab es schon asketische Karäer in Jerusalem. Aus Sahal ben Mazliachs Sendschreiben erfahren wir, daß in Jerusalem sechzig asketische Karäer einsiedlerisch lebten, über Zion seufzten und trauerten und beabsichtigten, durch ihr Gebet die Erlösung zu befördern (S. 31): תואתמו וצרתנ רשא לארשי גהנמ הז לע םרוע דפצו ... ושאונ ןיי תותשמו רשב תליכאמו ורוזנ םלועה םינומרא ושטנ ... םתחפשמ וחכשו םתרחסמ ובזע ... םמצע םישש) םיקעוצ ןויצ רבש לעו םיקנאנו םיחנאנ ... םינק ונכשו האמט לארשיל םידמלמו םיחיכומ םיליכשמ םישש םה (םירובג לארשיל הלאגה אבת םהבו לארשי תונוע םירפכמ םהו הרהטו.[507] Dasselbe berichtet der Zeitgenosse Jephet ben Ali in der Einleitung zum Psalmen-Kommentar (zitiert von Munk, Notice sur Aboulwalid 15): »Die ךרד ימימת sind die Auserwählten der Karäer, von denen die meisten in Jerusalem leben, und das sind die sechzig Helden;« ץרא יפ ןוקרפתמ ריאסלאו םלשורי יפ ןונוכי םהלג ןא םירובג םישש םהו תולג. Das sind die »Trauernden um Zion«, ןויצ ילבא, von denen in den karäischen Schriften so viel die Rede ist. Ihre Askese bestand darin, daß sie sich des Weines und Fleisches enthielten. Auch diese Enthaltsamkeit leiteten sie aus der Schrift ab. Da es heißt, man dürfe außerhalb des Lagers nicht schlachten, so deuteten sie es: »außerhalb des Tempels« und ohne denselben (Aaron in Mibchar zu Leviticus 17, 3): יכ הלוגב רשב לוכא רמאמה הזב רסאש ימ שיו הנחמה רדעי םא רמאו בישה המלש 'רו םלועה לכ ללוכ ץוחמ הנחמל ץוחמ לטב. Aus Sahals Sendschreiben sehen wir, zu welcher lächerlichen Peinlichkeit der Karäismus zu seiner Zeit herabgesunken war. Auch er behauptet, Fleisch in der Zerstreuung zu genießen, sei überhaupt verboten: תולגב רוסא ןאצו רקב רשב רבד לש ורקעו (S. 32).

Vor Abulsari Sahal, der sich in seinem Sendschreiben als Asketen gibt, ist nur ein einziger bekannt, Jehuda ben Alan, welcher von D. Kimchi mit Namensverdrehung genannt wird: 1.) הדוהי ןב ילע תרבחמב יתיאר ריזנה (ןאלע ןב הדוהי (Michlol 108 b), d.h. ein Büßer153. Pinsker vermutete, daß dieser identisch sei mit dem von Maßudi (in de Sacys Chrestomathie arabe I.) genannten Jachja ben Zacharia, der im Jahre 320 d.H. = 932 starb. Vgl. darüber Likkute, Text, S. 5.


Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1909, Band 5, S. 489-508.
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