Bernstein

[67] Bernstein, ein Handelsartikel schon der Germanen; er war Veranlassung, dass im 4. Jahrh. v. Chr. Pytheas aus Massilia bei der Umschiffung Europas auch die Ostsee und ihre Anwohner aufsuchte. Als ältester Name des Bernsteins nennt Tac. Germ. 45. glesum, zu Glas gehörig, d.i. das Glänzende. Die Skythen nannten ihn nach Plinius, h.n. 37, 11, 1. sacrium, von ahd. saccari, Feuer, also dieselbe Bedeutung wie Bernstein = Brennstein. Mhd. heisst der Bernstein auch agtstein, agstein, aidstein, auch griech. achates. Die Germanen benutzten den Bernstein zu Hals- und Brustgehängen, auch zu Nachbildungen von Waffen und Geräten, wie man sie in Gräbern gefunden hat. Durch den Handel kam er zu den Griechen, Syrern, Ägyptern, Hebräern, namentlich aber wurde er durch ganz Italien massenhaft verwendet, als Amulett, als Schmuck für Vornehme und Geringe und als Arzneimittel. Der Bernstein war der wichtigste Handelsartikel des germanischen Zeitalters, und es hatten sich für den Betrieb desselben drei eigene Handelsstrassen gebildet: die eine lief südlich und überschritt bei Carnuntum unterhalb Wien die Donau, um von da das Adriatische Meer zu gewinnen; die zweite Strasse ging über Schleswig zu Land oder zu Schiff und von da quer durch das germanische oder gallische Festland nach Massilia; eine dritte ging an die Mündung des Dniepr. Wackernagel, kleine Schriften, I, 72 ff.

Quelle:
Götzinger, E.: Reallexicon der Deutschen Altertümer. Leipzig 1885., S. 67.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien: