Johanna Maria de Cruce (44)

[194] 44Johanna Maria de Cruce, (26. al. 25. März), oder mit dem ital. Namen Giovanna Maria dalla Croce, Abtissin des (dem hl. Carolus2 Borromaeus geweihten) Clarissenklosters San Carlo in Roveredo, wurde nach Beda Weberin dieser Stadt geboren am 8. Sept. 1603. Ihr Vater hieß Giuseppe Floriani und war ein bei damaliger Zeit geschätzter Maler; ihre Mutter, die der Vater als Wittwe aus erster Ehe zum Weibe nahm, hieß Girolama und war die Tochter eines Schneiders zu Pomarolo. Der Vater hatte einen leichten heiteren Künstlersinn, war aber fromm und redlich, wodurch er in der Erziehung Johanna's, die in der Taufe den Namen Bernardina bekam, nicht minder gut wirkte, als die gleichfalls kernhaft fromme, häusliche Mutter. Schon früh waren in ihr die religiösen Gefühle überaus lebendig, und mit unbedeutenden kurzen Unterbrechungen bildete sich in ihr immer mehr der Geist der Andacht und Betrachtung, die öfters eine mystische Richtung nahm. Immer mehr aber gewann die Tugend der Jungfrau den Beifall aller Besseren; eine Menge Mädchen strömten ihr zu, als sie an ihrer Mutter Statt den Unterricht fortzuführen anfing, den bisher diese in ihrem Hause zu Roveredo gegeben hatte, so daß die Zahl der Schülerinnen jetzt gegen 50 wurde. Ihr gottseliges Streben, ihre Werke der Wohlthätigkeit, ihr Gebetseifer, die Gottes- und Nächstenliebe, die an ihr hervortraten, machten, daß man sie bald allgemein die »junge Heilige (Santarella)« nannte. Schon in ihrem 14. Jahre hatte sie in der Capucinerkirche zu Roveredo mit klarer Stimme das Gelübde ewiger Jungfrauschaft abgelegt. In Roveredo entstand durch ihre Bemühung ein Gebetsverein frommer Frauen, namentlich zur Anbetung des allerheiligsten Sacramentes. Auch ein Regelhaus brachte sie mit Hilfe einer vermöglichen Wittwe, Sibilla von Lodron (geb. Fugger), die ganz für sie begeistert war, im J. 1642 zu Stande; sie that dieß vorzüglich [194] nach dem Anmahnen ihres am 3. Mai 1631 in Innsbruck verstorbenen Gewissensfreundes Frà Tomaso, eines frommeifrigen Capuciner-Laienbruders von Bergamo, der schon ihre frühe Jugend im geistlichen Leben angefeuert und unterstützt hatte. Im J. 1646 erhielt Bernardina Erlaubniß vom Papste Innocenz X. zur Gründung eines Clarissen-Klosters zu Roveredo, zu dem wieder Sibilla am namhaftesten beitrug. Der Grundstein des Baues wurde im April des J. 1647 gelegt, und das dem hl. Carolus2 Borromaeus (San Carlo) geweihte Kloster im J. 1650 eröffnet. Schon am 24. März 1650 waren von Brixen zwei Lehrfrauen gekommen, um die Bernardina als nothwendig gebeten hatte; sie legte in deren Hände die bisher gehabte geistliche Oberleitung nieder und trat in den Stand einer einfachen Novizin zurück. Bald war es aber so weit gekommen, daß Bernardina und Sibilla von den Uebrigen streng abgesondert wurden. Nun war jedoch der Augenblick erschienen, wo die Einkleidung der Ordensglieder stattfinden sollte. Dieselbe geschah am 8. Mai des J. 1650, und Bernardina erhielt den Namen »Johanna (Giovanna) Maria vom Kreuze«. Immer mehr wurde Johanna zurückgesetzt, welche bereits daran war, das Kloster freiwillig zu verlassen, dennoch aber wunderbarer Weise die Ruhe des Herzens wieder eroberte, so daß sie am 8. Mai 1651 die feierlichen Ordensgelübde ablegte. Indessen hatten die beiden Lehrfrauen aus Brixen, die bei dem besten Willen manche Mißgriffe in der Leitung der klösterlichen Gemeinde gethan hatten, selbst von ihrem Kloster noch vor Ablauf der ausbedungenen Zeit ihre Abberufung erwirkt. Johanna wurde noch vor Abreise der Genannten zur Verwalterin des Klosters eingesetzt und am 29. Oct. 1655 einstimmig als Abtissin erwählt, die Alles wieder bald zur blühendsten Ordnung zurückbrachte. Sie entwarf im J. 1664 eigene ausführliche Ordenssatzungen, für die sie am 8. Mai 1665 von Rom die Bestätigung erhielt, und die bei Veda Weber (S. 201–220) mitgetheilt stehen. Sie konnten aber nur in Johanna's eigenen Stiftungen, nämlich zu Roveredo und Borgo, Eingang finden. Johanna übte eine außerordentliche Abtödtung. Christus begnadigte sie während schmerzlicher leiblicher Krankheiten mit dem mystischen inneren Reichthume durch seine Wundmale und durch seine Vermählung, von welcher auch bei Menzel (Symb. I. 149) Rede ist. wenn sich das dort Gesagte nicht etwa auf B. Johanna10 de Cruce bezieht. Sie gerieth öfters in Entzückungen, weissagte Kommendes, wußte die Geheimnise der Herzen, wirkte wunderbare Krankenheilungen, verbreitete aus ihrem Leibe einen unbeschreiblichen Wohlgeruch, und manches andere Wunderbare ließ Gott an ihr und durch sie geschehen. Nachdem das Kloster San Carlo zu Roveredo einen sehr erfreulichen Aufschwung genommen, gedachte Johanna auch an andee ins Leben zu rufen. Borgo (Borgo oder Worchen an der Brenta im Thale Valsugana, 7 Stunden von Trient) war es, wo sie eine solche neue Pflanzung begründen wollte, welche auch vom J. 1668 bis 1672 zu Stande kam. Während der Einweihung dieses neuen Clarissen-Klosters in Borgo lag Johanna krank im Bette; sie wollte trotz der fortdauernden Krankheit am Anfange des J. 1673 nach Borgo sich begeben, um ihrem Versprechen gemäß dort die erste Grundlage des klösterlichen Lebens festzustellen. Die Einwohner von Roveredo, welche erfahren hatten, wie schwach sie bereits wäre, stellten, eifersüchtig gegen Borgo, dem sie ihre Landsmännin im Falle ihres Todes nicht gönnen wollten, Wachen aus, um ihre Abreise zu verhindern, ja selbst an den Kaiser wendeten sie sich zu diesem Zwecke um dessen Mithilfe. Johanna hörte diesen Tumult mit ruhiger Fassung, starb aber bald nachher, nämlich am 26. März 1673, nachdem sie noch in den letzten Augenblicken das Kloster in Borgo ihrem Beichtvater warm empfohlen hatte. Am 14. Oct. 1673 wurde dieses Kloster Borgo eröffnet, dessen Ruhm bald den des Mutterklosters überflügelte. Johanna's Leichnam wurde auf allgemeines Begehren des zahlreich ins Kloster, selbst aus den umliegenden Ortschaften, herbeieilenden Volkes öffentlich zur Verehrung ausgestellt. Die Berührung des Leichnams, sowie auch die Anrufung ihres Namens verschafften kranken Personen ihre Gesundheit wieder. Die Untersuchung vom 3. bis 14. Juni 1681 zeigte den Leib Johanna's ganz gesund und unversehrt. In den Jahren 1675–1678 wurde der vorläufige Thatbestand (Proceß) über dir Verewigte aufgenommen. Im J. 1686 erlaubte der Papst (Innocenz XI.) die Vornahme der von vielen christlichen Fürsten empfohlenen Proceßsache [195] zum Behufe der Seligsprechung. Diese letztere war im J. 1780 ihrer Reise nah, als der Klostersturm von Seite des Kaisers Joseph II. alle gehegten Erwartungen beseitigte. Am 25. Febr. 1782 erschien das Decret zur Aufhebung aller Clarissen-Klöster. Das Kloster San Carlo in Roveredo wurde gleichfalls aufgehoben, die Güter verkauft, und die Nonnen mit einer lebenslänglichen jährlichen Geldsumme abgefertigt. Das Kloster und die Kirche ist setzt in eine Fleischbank verwandelt, und wo einst das Allerheiligste in der Kirche stand, quillt ein Brunnen aus der Mauer. Was auf die Giovanna Maria dalla Croce Bezug hatte, räumte man in ein Nebengemach der Pfarrkirche San Marco, namentlich ihre Gebeine. Dieselben wurden in einer Nische der Mauer beigesetzt und mit einem Marmorsteine bedeckt, auf welchem ihr Bildniß zu sehen ist mit einer lateinischen Inschrift, welche besagt, daß die Gebeine der Dienerin Gottes, aus dem aufgehobenen, von ihr gestifteten Kloster übertragen, hier im Frieden Christi ruhen. Vor dem Denkmale steht eine unförmliche hölzerne Kiste, worin ihre sonstigen Reliquien, nämlich Schriften, Kleiderreste und Aehnliches, anzutreffen sind. Den Schlüssel zur Kiste bewahrt der Podestà, da noch immer die Stadtgemeinde das Recht auf diese Reliquien beansprucht, welches füglicher der geistlichen Oberbehörde zukäme. Bei Beda Weber ist Johanna's Todestag auf den 26. März gesetzt, während Hueber sie am 25. März aufführt. Von ihren Schriften fand Beda Weber eilf Quartbände. Dieselben enthalten Aufzeichnungen aus ihrem Leben und verschiedene Abhandlungen, z.B. Herzensergießungen, »Nothseufzer« genannt, dann Betrachtungen über die sonntäglichen Evangelien, eine Auslegung des hohen Liedes u. s. w. Ihr Gegenstand sind meistens die Liebe Gottes und die Wirkungen des betrachtenden Gebetes. Den Visionen, woraus die Aufzeichnungen über ihr Leben fast sämmtlich bestehen, will Beda Weber objective Wahrheit nicht zugestehen, da sie nichts weniger als unfehlbar gewesen seien. Diese Johanna steht auch am 25. März im Kalender des 3. Ordens. (Beda Weber.)


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 3. Augsburg 1869, S. 194-196.
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