Philippus Nerius, S. (14)

[892] 14S. Philippus Nerius, Conf. (26. Mai), Der hl. Philippus Nerius wurde im Jahre 1515 am 22. Juli zu Florenz geboren. Sein Vater, Franz Neri, war Rechtsanwalt; seine Mutter Lucretia war eine geborne Soldi. Philipp war der jüngste aus vier Kindern. Seine zwei älteren Schwestern hießen Elisabeth und Catharina; sein älterer Bruder Anton starb schon als Kind. Schon als 5jähriger Knabe zeigte Philippus nach einer ihm vom Vater wegen einer der Schwester zugefügten schweren Kränkung zu Theil gewordenen heftigen Züchtigung, daß aus ihm dereinst ein Heiliger würde. Im Gehorsam gegen Vater und Mutter, in der Liebe zum Gebet, im Eifer zum Lernen und Arbeiten ließ er sich von keinem seiner Gespielen übertreffen. Sehr früh nahm ihm der Tod seine Mutter, aber er liebte und ehrte die sie ersetzende Stiefmutter ganz in derselben Weise wie seine wirkliche Mutter. Seine ersten geistlichen Lehrer waren die Dominicaner von St. Marcus, deren Lehren und Beispiele er tief in sein Herz prägte. Sich demüthig unter Gottes Willen zu beugen, auch wenn er schwere Prüfungen und Leiden schickt, erkannte der »gute Philippus« – so nannte man ihn – früh schon als strenge christliche Pflicht. Eine schwere Krankheit, die ihn in seinem 16. Lebensjahr befiel, ertrug er bereits mit der Geduld eines gereiften Mannes. Nachdem er die ersten Studien mit gutem Erfolge vollendet hatte, schickte ihn der Vater nach St. Germano zu einem Verwandten, damit er die Kaufmannschaft erlerne. Wie immer fügte sich Philipp mit Freuden dem Willen seines Vaters aber er fühlte bald, daß er für derlei Geschäfte keine Anlage besitze und es kam ihm vor, als ob die Quellen des höhern Lebens in ihm versiegten, je mehr und länger er ihnen oblag. Der junge Philippus hätte hier den Grund zu seinem künftigen Glücke legen können, indem sein kinderloser Onkel ihn zum Erben seines nicht unbedeutenden Vermögens einsetzen und das ganze sehr einträgliche Handlungsgeschäft ihm übergeben wollte. Aber mitten in diesen so verlockenden Aussichten faßte er den Entschluß, um Jesu willen auf alle Schätze der Welt freiwillig zu verzichten und durch ein von der Welt abgeschiedenes Leben Ihm allein zu dienen. Sein Onkel suchte vergeblich ihn hievon abzubringen. Er antwortete ihm gewöhnlich auf seine Vorstellungen: »Ich werde nie vergessen, wie viel Gutes Sie mir gethan haben; was das Uebrige betrifft, so gilt mir Ihre Liebe mehr, als Ihr Rath.« Zu diesem festen Entschlusse hatten ihn die geistlichen Betrachtungen geführt, die er in einem einsamen, auf einer Bergspitze bei Gaeta gelegenen Kirchlein von Zeit zu Zeit anzustellen pflegte. Im J. 1533 ging er ohne Geld und sonstige Vorsorge nach Rom, indem er sich ganz allein der göttlichen Vorsehung überlassen zu müssen glaubte. Er hatte in der That soviel wie keine Bedürfnisse: Brod und Wasser, nebst einigen Oliven oder sonstigem Gemüse, damals seine einzige Nahrung, so wie Kleidung und Wohnung verdiente er sich durch Stundengeben bei einem Landsmann, Namens Galeotti Caccia, bei welchem er wohnte. In seinem Zimmer fand man nichts, als einen Tisch, einen Stuhl und einige Bücher; das Bett lag auf dem Boden, ein an der Wand ausgespannter Strick diente zum Aufhängen der Kleider. Die erste Zeit seines Aufenthalts in Rom war beinahe ausschließlich den Uebungen der Frömmigkeit gewidmet. Erst nachdem er seinen Vorsatz, für Gott allein zu leben, auf solche Weise befestiget hatte, fing er an, seine Studien fortzusetzen und philosophische und theologische Vorlesungen zu hören. Die Summa des heil. Thomas von Aquin hatte er jetzt fast immer bei der Hand, um in ihr zu studiren, während sein Herz von dem innigen Verlangen, [892] durch die Erkenntniß der göttlichen Wahrheiten zur ganzen und ungetheilten Liebe Gottes zu kommen durchglüht war. Selbst wenn er im Hörsale das Crucifix, das an der Wand hing, längere Zeit betrachtete, brach er in Thränen und Seufzer aus. Den Heimweg vom Collegium heiligte er durch den Besuch von Armen und Kranken in den Spitälern oder durch Ertheilung eines christlichen Unterrichtes in den Vorhallen der Kirchen, an welchen er vorüberging. Die Betrachtung der Kämpfe und Leiden der Heiligen, bei deren Gräbern er so gerne verweilte, und gewiß auch ihre Fürbitte, hatte in ihm den lebhaftesten Wunsch der Nachfolge wach gerufen. Im Vergleich mit diesen Zielen und Bestrebungen kamen ihm die wissenschaftlichen Studien wie Zeitverlust vor. Um aber den Vorschriften der katholischen Kirche zu genügen, absolvirte er sie nichts desto weniger mit allem Eifer, um nach Vollendung derselben die Hochschule der geistlichen Uebungen mit desto größerer Begeisterung fortzusetzen, indem er mitten in der volkreichen Stadt wie ein Einsiedler lebte, sich kümmerlich nährte, mit Geißeln und Abtödtungen peinigte, auf dem Boden schlief und viele Nächte mit fortwährendem Beten und Kirchenbesuchen zubrachte. In den Katakomben zu St. Sebastian wird noch der Ort gezeigt, wo er manchmal mit Beten und Betrachten durch ganze Nächte verweilt hat. In den sieben Hauptkirchen von Rom betete er um diese Zeit zu jeder Stunde des Tags und der Nacht. War in dieser Weise seine ganze Seele in Gott vertieft, so lohnte ihm Gott diese Hingabe durch die süßesten Tröstungen, deren Beschreibung unmöglich ist. Er selbst glaubte, diese wunderbaren Liebeserweisungen im sterblichen Leibe nicht ertragen zu können, und bat um Milderung seiner Liebesglut. So verlebte er zehn Jahre in ununterbrochenen Gebets- und Andachtsübungen, im Besuche der Spitäler, in der Tröstung und Erquickung aller geistig und körperlich Leidenden, welche die göttliche Vorsehung ihm zuführte, weil er sie unablässig suchte. Dabei fing er allmählich an, selbst leidend zu werden. Oft war es ihm, als müßte ihm das Herz im Leibe bersten. Aber Gott half, indem eines Tags, es war am heil. Pfingstfeste, nach inbrünstigem Gebete um die Gaben des hl. Geistes sich die Seite des Herzens um die Dicke einer Faust erhöhete, ohne daß diese Anschwellung ihm weder damals uoch später einen Schmerz verursachte.59 Aber das Klopfen und Glühen seines Herzens dauerte sein ganzes Leben hindurch fort und wurde besonders heftig, wenn er betete oder geistliche Verrichtungen ausübte. Als er einmal in der Peterskirche in Andacht versunken war, sah man das starke Brett, auf dem er kniete, zittern und sich aufheben, als würde es wie Papier vom Winde bewegt. In diesem Brande des Herzens war er selbst noch im Greisenalter, obgleich durch Nachtwachen und Fasten entkräftet, um Kühlung zu suchen, genöthiget, auch zur Winterszeit die Kleider über der Brust zu öffnen. Kein Wunder, daß dem so Vieles versprechenden Geistesmann der böse Geist auf jede Weise, namentlich durch heftige Versuchungen zur Unkeuschheit, bis in sein hohes Alter nachstellte. Aber die Liebe Jesu lehrte ihn nicht bloß diese und andere Kämpfe muthig und unverwundet überstehen, sondern zeigte ihm auch die richtigen Wege, wie er in damaliger Zeit am besten auch in der Nächstenliebe sich zu üben vermöge. Um auch hierin die Vollkommenheit zu erreichen, suchte er immer die geistlichen und leiblichen Werke der Barmherzigkeit so viel wie möglich zu verbinden, seine eigene Person aber in den Hintergrund zu stellen. Rief ihn Gott zu einem Werke der Nächstenliebe, so stand er nicht an, sein Gebet auch in der Mitte abzubrechen, denn das heiße, sagte er, um Christi willen sogar dem Umgang mit Ihm entsagen. Freilich zögerte er nicht, nach verrichtetem Geschäfte augenblicklich wieder zum Gebete zurückzukehren. Sein erstes größeres Werk, das erzum Besten seiner Mitmenschen vollbrachte, war die Gründung einer zu Ehren der heil. Dreifaltigkeit gestifteten Verbrüderung zur Aufnahme und Verpflegung armer Pilger und der aus den öffentlichen Spitälern entlassenen Reconvalescenten, zuerst in einem gemietheten, später aber in einem eigenen Hause, und bei wachsender Zahl der Mitglieder sogar in mehreren [893] Häusern. Dieses Spital (Ospedale della S. S. Trinità de' Pellegrini) besteht noch. Jährlich werden in demselben gegen 4000 Pilger aufgenommen, und in den Jahren der Jubiläen steigt diese Zahl ums Hundertsache. Im Jahr 1825 waren es z.B. über 263,000 Pilger. Lange zögerte der hl. Philippus, bis er sich zum Priester weihen ließ; der würdige Diener Gottes hielt sich dieser Würde unwürdig. Er war bereits 36 Jahre alt, als er im Jahr 1551 aus Gehorsam dem Drängen seines Beichtvaters in dieser Beziehung nachgab, und von jetzt an wie dieser in dem Priesterhause von St. Hieronymus (S. Girolamo della Carità) Wohnung nahm. Von jetzt ab war die Seelsorge sein beständiges Tagewerk. Seine erste und liebste Beschäftigung als Priester war die Verwaltung des heil. Bußsacramentes. Fast ununterbrochen war er im Beichtstuhle oder in dessen Nähe, um dadurch seine Bereitwilligkeit zu zeigen, zu jeder Stunde solche die beichten wollten, anzuhören. Es war ihm klar geworden, daß er sein Leben gleich der Lampe vor dem Allerheiligsten im Dienste seines Gottes zum Heile der unsterblichen Seelen verzehren müsse. Mehrere Juden und Irrgläubige wurden durch ihn bekehrt, verstockte und langjährige Sünder zur Buße gebracht, und zahllose Personen ledes Standes zu einem frommen und gottseligen Leben angeleitet. Die Grundsätze, nach welchen er hiebei verfuhr, sind bei aller Eigenthümlichkeit, womit er sie durchzuführen pflegte, richtig für alle Zeiten. Der Heilige hatte sie weniger aus Büchern, als aus eigener und fremder Erfahrung gelernt, und durch beständige aufmerksame Beobachtung seiner eigenen Gewissens- und Seelenzustände erprobt. Die Priestervereinigung zu St. Hieronymus, deren Mitglied der heil. Philippus geworden war, gestaltete sich unter ihm allmählich zu der Congregation der Oratorianer aus, welcher die katholische Kirche so viel Gutes, namentlich auf wissenschaftlichem Gebiete verdankt. Das von ihm im J. 1558 erbaute Oratorium bei der Kirche, in welchem er von demselben Jahr angefangen regelmäßig seine geistlichen Vorträge, an welche sich bald förmliche Conferenzen anschlossen, zu halten pflegte, gab derselben den Namen. Wie die Gesellschaft Jesu durch die Lebensbeschreibungen der Heiligen ( Acta S. S.), so suchte der heil. Philippus durch gründliche Bearbeitung der ganzen Kirchengeschichte, die er dem Cäsar Baronius übertrug, den falschen Darstellungen der Magdeburger Centuriatoren entgegen zu arbeiten, und ist also der indirekte Urheber des umfassendsten und eingehendsten aller kirchenhistorischen Werke. Ueberhaupt bestrebte er sich, alle irgendwie der Ehre Gottes und dem Heile der Seelen, der Ausrottung der Irrthümer und Laster günstigen Umstände sofort zu benutzen, und die dafür geeigneten Personen zu finden. Wie der Weltmann nach Ruhm und Reichthum, so strebte er nach Verdiensten und guten Werken. Er selbst war den theologischen Wissenschaften nicht weiter zugethan, als seine Thätigkeit in der Seelsorge es zuließ und erforderte. Um so tiefer versenkte er sich in die Wissenschaft des Kreuzes. Auch seine Schüler durften der Studien wegen die gemeinsamen geistlichen Uebungen während des Tages nicht versäumen. Dagegen wollte er auch die täglichen Andachten und Gebete nicht zu sehr vervielfältigen; viel besser sei es, weniger zu beten, und fest hiebei auszuharren. Das Studiren sollte so betrieben werden, daß seine Alumnen das Nöthige wüßten, nicht daß sie vor der Welt als Gelehrte erschienen. Eine Erweiterung seiner Thätigkeit ergab sich, als i. J. 1554 der heilige Philippus die Leitung der Florentiner Nationalkirche übernehmen mußte. Bald darauf nahm die Congregation von der Kirche und Pfarrwohnung St. Maria in Vallicella Besitz, die ihr Papst Gregor XIII. angewiesen hatte. Es wurde sogleich der Bau einer neuen prächtigen Kirche in Angriff genommen, da die alte baufällig geworden war. Am 22. November 1583 fand die eigentliche Besitznahme des Hauses statt. Das Hausgeräthe mußten auf seine Anordnung die Uebersiedelnden prozessionsweise durch die belebtesten Straßen auf den Händen und auf dem Rücken tragen, wodurch sie sich dem Gelächter der Leute aussetzten. Noch auffallender war was er selbst that, um von Lob und Tadel der Welt ganz unabhängig zu werden, und jede Regung des Stolzes in sich zu ersticken. Er ging z.B. mit halb geschorenem Barte oder in auffallender Kleidung durch die Straßen, trug große Blumensträuße in der[894] Hand, und roch beständig an denselben, trank auf öffentlichem Platze aus dem nächst besten Wasserfäßchen, tanzte öffentlich vor der Kirche St. Petrus ad vincula und forderte auch andere dazu auf, begab sich in zweideutige Gesellschaften, in Gasthäuser und Schenken, zu Spielern und Zechern. Dennoch blieb er allgemein geachtet und geliebt, denn jedermann wußte, warum er es that. Die Oratorianer wählten ihn ohne Widerspruch zu ihrem Obern. Obgleich der Diener Gottes lieber zu gehorsamen, als zu befehlen gewünscht hätte, mußte er im J. 1595 dieses Amt sogar auf Lebenszeit übernehmen. Die Mitglieder sollten keine Gelübde ablegen, sondern einzig die sittlichen Vorschriften des Evangeliums im Auge behalten, unter sich aber durch kein anderes Band, als die gegenseitige Liebe verbunden bleiben. Die Regeln, die zur Beobachtung vorgeschrieben wurden, betrafen lediglich die Aufrechthaltung der innern und äußern Disciplin und wurden später von Papst Paul XII. am 25. Februar 1612 bestätiget. Die bisherige Lebensweise der Oratorianer wurde hiedurch nicht verändert, sondern nur auch für die Zukunft festgestellt. Die Mitglieder hielten in Vallicella ihre Conferenzen, wie vordem in dem beschriebenen Oratorium von St. Hieronymus. Zu besondern Zeiten gingen große Schaaren Beter von hier aus nach den sieben Kirchen der Stadt, besonders zur Fastnachtszeit oder um in besondern Anliegen die Hilfe Gottes zu erflehen. Wochentlich zweimal führte der Heilige weltliche und geistliche Andächtige, die sein Oratorium besuchten, in die ansehnlichsten Spitäler, um in den armen Kranken dem Heilande Liebesdienste zu erweisen. Um den Theatern Einhalt zu thun, ließ er bei erhebender Musik lebende Bilder aus dem A. und N. T. zur Darstellung bringen, und in den Zwischenpausen ergreifende Gebete und Lehrvorträge, worunter einer von einem 8 bis 10jährigen Knaben gehalten wurde, zur Erhöhung der Erbauung einstreuen. An schönen Frühlings- und Sommertagen führte der Heilige die Jünglinge nach dem Nachmittagsgottesdienste an einsame, hochgelegene Orte, z.B. in den Klostergarten von St. Onufrio, (ein passenderer Ort ließ sich nicht leicht finden), wobei er dieselben mit Gesang, Gebeten, unschuldigen Spielen und katechetischen Vorträgen unterhielt. Ein anderer Ort, wo der Heilige mit den Kindern so zu sagen wieder Kind wurde, war der Vorplatz der Kirche St. Maria in Navicella. Hatte er auf diese Weise sich körperlich und geistig wieder erfrischt, so oblag er nachher mit desto größerer Inbrunst dem Gebete und der Betrachtung. Die ganze hl. Charwoche und die Osteroctave pflegte er alle Abende im Pilgerhause den Wallfahrern die Füsse zu waschen und jede Art von Liebesdiensten zu erweisen. Die Predigtvorträge im Oratorium mußten, wie er ausdrücklich bestimmt hatte, in familiärem Tone gehalten werden. Oft hielt er sie selbst, viele Jahre hindurch wohnte er denselben regelmäßig bei. Die zu behandelnden Geg enstände schrieb er vor, aber immer hielt er darauf, daß die Zuhörer belehrt und zur Frömmigkeit angeleitet wurden, und ließ nicht selten Redner, die auf Glanz und Beifall hinzuzielen schienen, mitten in der Rede abtreten. Einer seiner gewöhnlichen Aussprüche in dieser Beziehung, wie überhaupt in Betreff der Gelehrsamkeit war: der Diener Gottes solle die Weisheit lieben, aber sie nicht zur Schau tragen, und die Geheimnisse der hl. Schrift seien viel besser durch Gebet als durch Studium zu verstehen. Auch während des Essens sollte zuerst aus einem Buche gelesen, dann aber über Fragen aus der Theologie gesprochen werden. Er selbst war in allen frommen Uebungen seinen Untergebenen Muster und Vorbild. Wo er stand und ging, war seine Seele in Gott vertieft, und von der Süssigkeit des Umganges mit Ihm durchdrungen. Die Anbetung des heil. Sacramentes erfüllte ihn oft mit so inniger Lust, daß er von Allem, was ihn umgab, Nichts mehr sah und hörte, sondern in frommer Verzückung, nicht selten vom Boden erhoben, dastand. Sein Verlangen nach der hl. Kommunion übertraf daher alles Andere, was er sonst noch hätte wünschen mögen. Täglich zu kommuniziren war ihm schon als Laie zum Bedürfniß geworden. Als Priester las er täglich die heil. Messe oder ließ sich, wenn er krank war, wenigstens die Krankenkommunion reichen. Er wollte auch, daß alle Priester es eben so halten, und die Feier der hl. Messe nur aus ganz wichtigen Ursachen unterlassen sollten. Daher sagte er öfter: »Wer einen Trost sucht [895] außer seinem Erlöser, wird ihn nicht finden; wer weise werden will ohne die ewige Weisheit und selig ohne den Seligmacher, wie muß der genannt werden?« Hiemit stand die Innigkeit, Ehrfurcht und Sammlung, mit welcher er das heil. Opfer verrichtete, und wobei ihm oft Außerordentliches zustieß, in enger Verbindung. So viel es ihm möglich war, unterdrückte er freilich jedesmal den gewaltigen Andrang der Gefühle, die ihn außer sich versetzten; dennoch riß ihn die Gewalt seiner Empfindungen öfter mit sich fort und durchzuckte so heftig seine Glieder, daß er gezwungen war, während der hl. Handlung einzuhalten, und der Meßdiener auf längere Zeit den Altar verlassen konnte, und manchmal selbst die Stufen des Altares zu zittern anfingen. In seinen spätern Jahren, in welchen diese Zustände fast jedesmal eintraten, las er deßhalb die heil. Messe regelmäßig nur in der Hauskapelle, die noch im alten Zustande zu sehen ist, und beeilte sich, so oft er es öffentlich that, vorzüglich an jenen Stellen, bei welchen thm etwas Außerordentliches begegnen konnte. Da sein Wunsch, nach Indien zu gehen, um dort für Jesus zu sterben, nicht in Erfüllung ging, wollte er wenigstens der Begierde nach Martyrer sein, und betete oft zu dem gekreuzigten Erlöser, Er möge sich würdigen, ihm die Gnade der Aehnlichkeit seiner Leiden zu schenken. Die Liebe zu Jesus machte ihn auch zu einem besonderen Verehrer seiner hochgebenedeiten Mutter. Er rief sie oft und vertrauensvoll mit dem süßen Mutternamen (mia Mamma) an. Den Seinigen empfahl er als besonders wirksames Tugendmittel die Bitte: »Jungfrau Maria, Mutter Gottes, bitte deinen Jesus für mich.« Ebenso die Anrufung: »O Mutter und Jungfrau!« Diese Anrufungen rieth er seinen Pönitenten nach Art des Rosenkranzes 63 Mal zu wiederholen. In seinen letzten Lebensjahren sprach er öfter: »Meine Söhne, ehret die Mutter Gottes«, »liebet Maria!« Auch in der Verehrung der Heiligen und ihrer Reliquien zeigte er sich als ächter Sohn der katholischen Kirche. Besonders zur Zeit geistiger Dürre und Trockenheit rieth er, zu den Heiligen Zuflucht zu nehmen, und zwar bald bei diesem, bald bei einem andern wie ein Bettler um ein Almosen zu bitten, bis man erhört sei. Als die Leiber der hhl. Papias und Maurus in die Kirche des Oratoriums übertragen wurden, war er von so großer Freude durchdrungen, daß er wie ein Knabe in die Höhe sprang. Die Gewohnheit, Reliquien bei sich zu tragen, billigte er aber nicht, die Verunehrung liege hier näher, als die Verehrung.. Zu festlichen Zeiten fand man ihn überhaupt aufgeräumt und heiter; wer es nicht sei, meinte er, müsse innerlich krank sein. Nie unternahm er ein wichtigeres Geschäft, ohne vorher zu beten, und darauf hielt er so viel, daß er zu sagen pflegte: »Wenn ich nur vorher beten kann, so lebe ich der sicheren Hoffnung, daß die Sache eben den Ausgang nimmt, den ich will.« Wenn man ihn aber fragte, wie man beten solle, gab er zur Antwort: »Sei demüthig und gehorsam, so wird der hl. Geist dich das Beten lehren.« Man müsse, lehrte er ferner, stets das Vollkommene anstreben, und dürfe mit einer blos gewöhnlichen Frömmigkeit sich nicht zufrieden stellen; so z.B. solle man den Wunsch in sich tragen, wenn es möglich wäre, die Heiligkeit und Liebe der hl. Apostel Petrus und Paulus zu erlangen; denn sei dieß immerhin unmöglich, so könne die Begierde Vieles ersetzen, was der Wirklichkeit mangle. Zeigte er sich auf diese Weise als guter Rathgeber in allen geistlichen Angelegenheiten, so war dieß nur ein geringer Theil seines liebevollen Wirkens für den Nächsten. Er strebte gleich dem heil. Paulus »Allen Alles zu sein, um Alle für Christus zu gewinnen«. Mit größter Liebe nahm er alle Sünder auf, und führte sie langsam von Stufe zu Stufe, mit größter Geduld nicht selten zu hohen Tugenden. Mit den Kindern hatte er besonders große Nachsicht: »Seid lustig und munter,« sprach er zu ihnen, »nur begehet keine Sünde!« Ein anderes Mal sagte er: »Wenn sie nur nichts Böses thun, so mögen sie auf meinem Rücken Holzspalten!« Melancholiker mochte er nicht leiden. Sah er Jemand traurig, fragte er augenblicklich nach der Ursache. Er war der Meinung, daß aufgeräumte Personen viel leichter zum Guten anzuleiten seien, als Melancholiker. Doch meinte er damit nicht Ausgelassenheit, die den Menschen untauglich mache, die Einsprechungen der Gnade zu vernehmen. Mit den geistlichen Almosen verband der hl. Philippus auch die leiblichen Werke der [896] Barmherzigkeit. Wenn er arme Kranke besuchte, gab er ihnen nicht bloß Geld, sondern sorgte auch für Arzneien, passende Kost, Holz, gute Betten und andere Bedürfnisse. Alles, was er nicht nothwendig selbst bedurfte, betrachtete er als Eigenthum der Armen. So wurde es ihm möglich, ganze Familien Jahre lang zu unterstützen. Dabei berücksichtigte er immer jene Armen zuerst, deren Noth leicht sittliche Verirrungen herbeiführen konnte, dann arme Studirende, Handwerker und Künstler, denen er auf allerlei Weise Arbeit und Verdienst zu verschaffen suchte. Sah er aber Bettler in der Kirche, so wies er sie ernstlich hinaus, und duldete nicht, daß die Andacht der Betenden durch sie gestört wurde. Für sich selbst liebte und suchte er stets und in allen Dingen, besonders in Kost und Kleidung, die äußerste Armuth. Alle Ehrenbezeugungen wies er von sich, da er in seiner Demuth sich ihrer ganz und gar unwürdig erachtete. Er hätte Kanoniker, Bischof, Cardinal werden können, aber er floh diese Würden sowohl um ihrer selbst, als um der mit ihnen verbundenen reichen Einkünste willen. Einmal sagte er: »Lieber möge mich Gott plötzlich sterben oder vom Blitz erschlagen lassen, als daß ich nach so hohen Dingen strebe; nur die Tugenden und den Geist, womit die Kardinäle und die Päpste erfüllt sein sollen, wünsche ich zu haben, nach ihren Würden verlange ich nicht.« Gerade in dieser Hinsicht, wegen der Versuchungen des Ehrgeizes und der Habsucht, sagte er, sei Rom gefährlicher als irgend ein Ort der Welt, und setzte bei: »So viel Liebe solchen Dingen zugewendet wird, so viel wird Gott entzogen.« Daher legte er in seinen spätern Jahren sogar die Oberaufsicht über seine Congregationen in die Hände Cäsar Baronius. Um sich und die Seinigen in der Demuth zu üben, kam er oft auf die sonderbarsten Einfälle. Verlacht und verspottet zu werden, hielt er für keine Schande, wenn hieraus nur etwas Gutes zu erhoffen war. Als solches betrachtete er unter allen Umständen die Verdemüthigung seiner selbst. Wenn Vieles, was er in dieser Hinsicht that und anordnete, sobald eine Verallgemeinerung angestrebt würde, vielleicht gerechtem Tadel unterliegen könnte, weßhalb er auch einmal von seinen geistlichen Obern in Untersuchung gezogen wurde, so ist zu bedenken, daß er damit keine Regel für alle Fälle geben, sondern umgekehrt erlaubte und in seinen Augen heilsame Ausnahmen von der Regel machen wollte. Nicht selten allerdings hieß er sich selbst einen Phantasten, einen Narren, betrug sich wie ein solcher und sah es gern, wenn er wirklich für einen solchen gehalten wurde. Je mehr er aber sich selbst und allen sinnlichen Neigungen den Krieg ankündigte, desto besser lernte er die Kunst der Menschenkenntniß und der geistlichen Seelenführung. Seine Lebensgeschichte ist die beste praktische Anleitung für Priester, Seelsorger und Beichtväter. Ist auch nicht Alles, was er that, nachzuahmen, so ist doch Alles ungemein erbaulich, lehrreich und aufmunternd. Da es uns nicht möglich ist, hier zu sehr ins Einzelne einzugehen, verweisen wir auf die ausführliche Lebensbeschreibung von Dr. Pösl und die Legende von Alban Stolz. Nicht übergehen dürfen wir die Güte und Sanftmuth, womit er auch die Thiere behandelte und von Andern behandelt sehen wollte. War er genöthiget, durch die Stadt zu fahren, so pflegte er dem Fuhrmann jedesmal einmal einzuschärfen, das Pferd nicht ohne Noth zu schlagen. Das Schriftwort: »Der Gerechte erbarmt sich auch des Thieres«, wofür in Italien und Rom sonst gar kein Gefühl vorhanden ist, hatte er sich tief ins Herz geschrieben, um in Nachahmung unsers göttlichen Lehrmeisters »jegliche Gerechtigkeit zu erfüllen.« Wie sehr der Mensch immer des Gebetes und der Fürbitte bedürftig sei, vergaß er so wenig, daß er seinen Beichtkindern auftrug, auch für ihn etwas zu beten oder ein Bußwerk zu verrichten. Besonders bei herannahendem Tode empfahl er seinen Beichtkindern eifrige Fürbitte für ihn, und zwar den Laien durch Verrichtung des Rosenkranzes, den Priestern durch das heilige Opfer der Messe. Der Kern aller Lebensweisheit schien ihm in den Worten des hl. Bernhard zu liegen: »Die Welt verachten, Niemanden verachten, sich selbst verachten, verachten sich verachtet zu sehen.«60 Diese innere Abtödtung zog er daher allen, selbst den schwersten Bußwerken vor. Von der Vorsehung [897] geschickte Leiden waren ihm die liebsten. Es könne, sagte er, dem Christen nichts Ruhmwürdigeres begegnen, als für Christus zu leiden, keine Gelegenheit hiezu zu haben, sei selbst ein großes Leiden. Als einst Jemand über die Trübsal, die ihn getroffen, bitter klagte, gab er zur Antwort: »Mein Sohn, die Größe der göttlichen Liebe erkennt man aus der Größe des Verlangens, in welchem der Mensch brennt, daß er aus Liebe zu Gott Vieles leiden dürfe.« Er setzte wohl auch bei, der Mensch, welcher vor einem Kreuz ungeduldig fliehe, werde dafür ein anderes, noch schwereres finden; man müsse aus der Noth eine Tugend machen; die Leiden dieser Welt seien die beste Schule der Weltverachtung; wer in diese Schule nicht zugelassen werde, sei als ein Unglücklicher zu bedauern. Ein anderer Grundsatz, den er befolgte, war, in Allem, in den geistlichen Uebungen nicht minder wie in der Führung Anderer, Maß und Ordnung zu halten. Man könne nicht in vier Tagen heilig werden und nicht Alles auf einmal thun, und aus diesem Grunde sei es viel schwerer, solche zu leiten, die zu viel anfangen, als jene, die wenig thun, anzuspornen. Alles aber hielt er auf die Beharrlichkeit in dem von Gott gesetzten Berufe. Als er einmal erkannt hatte, daß ihn Gott für Rom bestimmt habe, war er nicht zu bewegen, von da aus irgend einem Grunde wegzugehen. Aus eben dieser Ursache mißrieth er den Religiosen, ihr Haus wegen laxer Disciplin zu verlassen; vielmehr sollten sie durch ihr Beispiel und heilsame Rathertheilung dieselbe zu verbessern suchen. Selbst die unter besondern Umständen gebilligte Wahl eines strengern Ordens hielt er für nicht rathsam, weil der Geist des Hochmuths nicht selten unter der Gestalt größern Eifers sich verstecke. Seiner liebenswürdigen Sanftmuth, die mit Ernst und Entschiedenheit verbunden war, verdankt Frankreich seine Erhaltung im katholischen Glauben. Milder und einsichtsvoller als der Papst und seine Rathgeber befahl er dessen Beichtvater, seinem geistlichen Sohne Cäsar Baronius, er solle dem Papste sagen: »Der Vater Philipp hat mir aufgetragen, Ew. Heiligkeit weder die Absolution zu ertheilen, noch fortzufahren, ihr Beichtvater zu sein, wenn Sie den König von Frankreich nicht lossprechen.« Auf dieses hin wurde im Jahre 1593 Heinrich IV. vom Papste Clemens VIII. wiederum feierlich in den Schoos der Kirche aufgenommen. (Näheres bei W. W. K.-L. VII. 511.) Er besaß nach dem Urtheile der Kirche auch den Geist der Weissagung und der Wunder. Als besondere und jedem Versuche der Nachahmung sich entziehende Eigenthümlichkeit erzählen seine Lebensbeschreiber und nach ihnen die Canonisations-Bulle, daß er die Sünde der Unreinigkeit an dem üblen Geruche, den er empfand, so er mit Unkeuschen in Berührung kam, oder solche ihm begegneten, erkannt habe, ohne sich zu täuschen oder durch falsches Urtheil Andern Unrecht zu thun. Hiemit steht im Zusammenhange, daß er auch äußern Schmutz, z.B. an Kleidern, nicht leiden konnte. Als er einmal, im letzten Jahre seines Lebens, wieder heftig erkrankte, und schreckliche Nierenschmerzen auszustehen hatte, wurde er fast sprachlos. Nur hie und da hörte man ihn noch seufzen: »Herr, mehre den Schmerz, aber mehre auch die Geduld!« In dieser Krankheit erschien ihm die heil. Jungfrau, und heilte ihn vollständig, so daß er von jetzt an nicht mehr krank wurde, sondern an Altersschwäche starb. Als er im Vorgefühle seines Todes zum letzten Male die hl. Wegzehrung empfing, rief er mit inniger Freude aus: »Jetzt ist der rechte Arzt zu mir gekommen. Alles Andere ist Eitelkeit! Wer Anderes verlangt, als Jesum, weiß nicht, was er verlangt.« Er starb in der Nacht des Frohnleichnamsfestes d.J. 1595, zu der von ihm vorausgesagten Zeit, eines ruhigen und sanften Todes. Tags vorher hatte er noch die heil. Messe gelesen und das Gloria in excelsis gegen seine sonstige Gewohnheit laut gesungen, Beicht gehört und von verschiedenen Personen Besuche empfangen. Seine Leiche wurde drei Tage lang zu St. Maria in Vallicella ausgesetzt und dann in einem hölzernen Sarge ebendaselbst begraben. Vocher hatte er noch befohlen, alle seine Schriften, Briefe, Gedichte u. s. f. zu verbrennen. Er führt den Ehrennamen: Apostel der Stadt Rom. Sein Leib ruht in einer Seitenkapelle der Kirche des Oratoriums und wird am 26. Mai der Verehrung der Gläubigen ausgesetzt. Sein Wohnzimmer wurde durch einen Brand so beschädigt, daß nur noch eine Wand davon übrig ist. Jenes in St. Hieronymus und [898] bei St. Johannes de Fiorentini ist noch erhalten. Dem Heiligen selbst wurde auf dem Monte Citorio vor, der Porta Pinciana am Salarischem Wege, wo auch die umliegenden Häuser, nach ihm genannt sind, im Borgo u. a. Kirchen erbaut. Seine Vaterstadt Florenz weihte ihm die Anstalt casa pia zu einem Zufluchtsort für verlassene, auf den Straßen herumschweifende Kinder. Die Stadt Neapel erkor den Heiligen gleichfalls zum Patron und erhielt i. J. 1638 einige seiner Reliquien. Von Paul V. wurde er schon fünf Jahre nach seinem Tode beatisicirt. Seine Heiligsprechung, welche er öfter vorausgesagt hat, ohne hiedurch die Tugend der Demuth zu verleugnen, erfolgte nach mehreren, auf seine Fürbitte geschehenen Wundern, durch Papst Gregor XV. i. J. 1622. Ueber sein Institut findet sich Näheres bei W. W. a. a. O. Der Heilige wird meistens nach Porträt abgebildet als Oratorianer-Priester mit flammendem Herzen, vor der Mutter Gottes kniend. Die Lebensgeschichte des Heiligen von seinem Schüler Anton Gallonius ist oft herausgegeben worden. Ebenso eine andere von dem Oratorianer Hieronymus Barnabäus. Noch viel bekannter ist: Bacci, vita di S. Filippo Neri Fiorentino in verschiedenen Ausgaben. Ein sehr erbaulicher, hier öfter benutzter Auszug aus diesem Buche erschien i. J. 1730 in Zug unter dem Titel: Dicta, reflexiones ac documenta moralia et spiritualia S. Philippi Nerii. Außerdem vgl. man noch den betr. Artikel in W. W. Kirchen-Lerikon, verfaßt von Augustin Theiner, dann Buchfelner's Geist des Lebens und der Lehre des hl. Philippus Nerius, ferner: Leben des heil. Philippus Neri, Apostels von Rom, von Wiseman (deutsch von Reiching), sowie die schon genannten Lebensbeschreibungen von Pösl und Stolz. Der in gegenwärtiger Skizze öfter erwähnte berühmte Schüler des Heiligen, Cäsar Baronius, faßte bald nach seinem seligen Hinscheiden in folgende Note zum Mart. Rom. (zum 23. Aug.) sein Leben kurz zusammen: »Unser Stifter und Vater, der Gründer der Congregation des Oratoriums, überaus berühmt durch Heiligkeit und Reinheit des Lebens und durch eine Alles überragende Liebe zu Gott und dem Nächsten, von welchem zahlreiche Wunder bestätigen, daß er die Gemeinschaft der Heiligen im Himmel genieße.«


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 4. Augsburg 1875, S. 892-899.
Lizenz:
Faksimiles:
892 | 893 | 894 | 895 | 896 | 897 | 898 | 899
Kategorien:

Buchempfehlung

Strindberg, August Johan

Gespenstersonate

Gespenstersonate

Kammerspiel in drei Akten. Der Student Arkenholz und der Greis Hummel nehmen an den Gespenstersoirees eines Oberst teil und werden Zeuge und Protagonist brisanter Enthüllungen. Strindberg setzt die verzerrten Traumdimensionen seiner Figuren in steten Konflikt mit szenisch realen Bildern. Fließende Übergänge vom alltäglich Trivialem in absurde Traumebenen entlarven Fiktionen des bürgerlich-aristokratischen Milieus.

40 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon