Vorrede.

[3] Endlich ist es uns mit Gottes Hilfe nach mehr als anderthalb Jahren seit dem Erscheinen des ersten Heftes gelungen, den ersten Band des »Heiligen-Lexikons« vollendet der Oeffentlichkeit zu übergeben. Manche Umstände verzögerten dazwischentretend den raschern Fortgang des Druckes der einzelnen Hefte, und unter diesen war nicht der unbedeutendste, daß wir auf Andringen des Verlegers früher mit dem Drucke beginnen lassen mußten, als in der Abfassung des Manuscriptes ein bedeutenderer Vorsprung gewonnen war. Uebrigens kann sich kaum Jemand eine Vorstellung machen von dem Müheseligen, welches an ein solches Heiligen-Lexikon geknüpft ist, und wir glauben bei dem immensen Stoffe, den es zu überwältigen gibt, sowie bei den verschiedenartigsten Beziehungen, die hiebei zu berücksichtigen sind, auf liebevolle Nachsicht der Titl. HH. Abnehmer rechnen zu dürfen.

Was wir bei Herausgabe dieses Werkes beabsichtigten, welche Grundsätze uns dabei leiteten, das haben wir in dem Prospecte ausgesprochen, den wir am Feste des heiligen Papstes Clemens (23. November) 1855 veröffentlichten und im Interesse der Sache hier folgen lassen:


Jene hochbegnadigten Seelen, die in vollendeter Gerechtigkeit aus diesem Leben schieden und daher von der Kirche als Heilige verehrt werden, nehmen in der christlichen. Heilsanstalt eine bedeutende Stelle ein. Denn ihre Persönlichkeit selbst ist nicht nur ein stetes Zeugniß für die Wahrheit des apostolischen Ausspruches: »Das Evangelium ist eine Kraft Gottes zum Heile für einen Jeden, der daran glaubt« (Röm. 1,16), und ein factischer Beweis für den göttlichen Ursprung der Kirche, die im Glanze ihrer Tugend und im Lichte ihrer himmlischen Verklärung so recht als Mutter der Heiligen und als Führerin zur Seligkeit dasteht; sondern es ist auch ihr erhabenes Beispiel, das uns entgegenleuchtet, den Gnadenmitteln beizuzählen, welche der erbarmungsreiche Gott dem Menschengeschlechte gegeben hat, um es aus der Gewalt des Bösen zu reißen und seiner ewigen Bestimmung entgegenzuführen.

Im Hinblicke auf diese ihre Bedeutung nun war es der Kirche nicht genug, auf die Heiligen im Himmel nur im Allgemeinen hinzuweisen, sie war vielmehr von Anfang an bedacht, nach Möglichkeit die nähern Umstände ihres Lebens zu sammeln und in geeigneter Weise den Gläubigen zur Erbauung vorzuhalten, wie z.B. schon der hl. Papst Clemens I. in Rom 7 Notare (Diakone) zu diesem Zwecke bestellt hat. Auch ließ sie in gerechter Würdigung des Segens, der an die Betrachtung des Lebens der Heiligen geknüpft ist, nicht blos eigens zu diesem Zwecke eingerichtete Bücher (Martyrologien etc.) anfertigen, sondern nahm es auch überdieß stets beifällig auf, wenn Einzelne sich in ihrem Geiste an die Bearbeitung dieses Lebens machten und in sogenannten »Legenden« auf jeden Tag die Geschichte eines oder mehrerer Heiligen als Muster vor Augen stellten.

So viele und höchst schätzbare Werke dieser Art aber in den Händen der Gläubigen sich finden mögen, so sind sie doch alle, wie sie sind, vermöge ihrer Anlage nicht im Stande, alle Interessen zu befriedigen, die mit den Heiligen in Verbindung stehen. Einmal ist [3] keines unter ihnen (selbst das von Butler, sonst das reichhaltigste, nicht ausgenommen) welches alle Heiligen und Seligen, alle Ehrwürdigen und Frommen aller Breiten und Orte, aller Völker und Nationen, sie mögen von der Kirche oder von der Liebe und Verehrung des Volkes als solche anerkannt worden seyn, in sein Bereich gezogen hätte; sie befassen sich durchaus alle nur mit dem geringsten Theile der selbst hervorragendsten Heiligen und gestatten daher keine Ueberschau über »die große Schaar aus allen Völkern und Stämmen und Nationen und Sprachen, die vor dem Throne stehen und vor dem Lamme, angethan mit weißen Kleidern und Palmen in den Händen tragend« (Offenb. 7,9), und deren Namen der Kirche in Erinnerung geblieben. Sodann behandeln alle diese Werte nebst dem historischen nur das erbauliche Moment in der Wissenschaft der Heiligen – allerdings die bedeutendsten von allen Momenten, aber nicht die einzigen, da es in derselben unbestritten noch gar Manches gibt, was unter Umständen die gleiche Wichtigkeit beansprucht. Um nur auf Einiges aufmerksam zu machen, so ist es gewiß von Interesse, zu wissen, in wiefern die historischen Daten, die von den Heiligen auf uns gekommen, ein Recht auf Echtheit und Glaubwürdigkeit haben; ferner, wie es komme, daß sie diese oder jene besondere Weise der Verehrung genießen, daß sie gerade in diesen bestimmten Fällen um ihre Fürbitte angerufen, daß sie mit diesen bestimmten Attributen und Symbolen künstlerisch dargestellt werden; zu wissen, wo ihre heil. Ueberreste aufbewahrt werden etc. Das sind aber lauter Dinge, über welche die gewöhnlichen Legenden wenig oder gar keinen Aufschluß gewähren. Daher dürfte in dieser Beziehung ein Werk wünschenswerth seyn, das, über das Streben der letztern hinausgehend, die Allgemeinheit der Momente mit der der Zahl verbindet und die fast unendliche Schaar der uns bekannten Heiligen, diese im weitern Sinne gefaßt, hagiographisch behandelt.

Hiebei muß allerdings angemerkt werden, wie unter der Masse von Behandlungen des Lebens der Heiligen ein Werk existirt, das allen Momenten in der Wissenschaft desselben die vollste Rechnung trägt und dem an Großartigkeit der Anlage wie an Fülle von Gelehrsamkeit kein zweites dieser Art an die Seite gesetzt werden kann. Wir meinen das umfangreiche hagiographische Werk der Bollandisten, im Jahre 1643 von dem gelehrten niederländischen Jesuiten Johannes Bollandus, von dem es den Namen trägt, in Antwerpen begründet, in ununterbrochener Reihe der Jahre von einer eigens hiefür eingesetzten Congregation von Jesuiten (Bollandisten) bis zum Jahre 1794 fortgesetzt, nach einer fast halbhundertjährigen Unterbrechung durch die im Jahre 1838 unter den Auspizien des belgischen Königshauses in Brüssel neuerrichtete Congregation von gelehrten Männern desselben Ordens wieder aufgenommen und in fünfundfünfzig starken Foliobänden vom 1. Jan. bis auf den 20. Oct. incl. herausgeführt. Allein abgesehen von seiner großen Kostspieligkeit und äußersten Seltenheit, die seine Anschaffung fast zur Unmöglichkeit machen, ist es seiner ganzen Anlage und Tendenz nach zu sehr Quellenwerk, als daß es für den täglichen Bedarf besondere Dienste leistete und so leicht wäre, in seinen weiten Räumen sich in schnellen Fallen zu orientiren. Als eine Art Auszug und Compendium der Bollandisten mag das im Jahre 1719 zu Cöln und Frankfurt von einem Unbekannten erschienene »Heiligen-Lexikon« gelten; allein, abgesehen von seiner veralteten Schreibart und manchen Ungenauigkeiten, die sich darin finden, gebricht es ihm an Vollständigkeit, da seinem Verfasser das Werk des Bollandus nur bis Ende Juni, Hälfte des Jahres kaum der fünfte Theil der Heiligen, die auf einen Tag treffen. aufgenommen wurde. Auch finden sich in diesem Lexikon nicht alle jene Momente in der Wissenschaft der Heiligen vertreten, die wir oben als von Wichtigkeit bezeichnet haben. Jedenfalls hat dieses sonst nützliche, gegenwärtig aber seltene Werk den ersten Gedanken zur Bearbeitung eines neuen gegeben.

Indem daher Unterzeichnete an die Abfassung eines solchen neuen, vollständigen »Heiligen - Lexikons« gehen, haben sie zwar an dem großartigen Werke der Bollandisten – und, wo diese (besonders in Bezug auf die bei ihnen fehlenden letzten Monate) nicht ausreichen, an Mabillon, Bucelin, Butler und anderen bedeutenden Bearbeitungen dieser Art – eine reiche unerschöpfliche Fundgrube für ihre [4] Zwecke; allein sie verhehlen sich keineswegs das Schwierige ihres Geschäftes, soll den Anforderungen, die man an ein derartiges Unternehmen zu machen berechtigt ist, einigermaßen entsprochen werden. Doch im Vertrauen auf den Beistand des Herrn und die Fürbitte der Heiligen, deren Ehre sie nur im Auge haben, unterziehen sie sich demselben, und geben, unter Zugrundelegung der oben entwickelten Idee einer Hagiographie, ihrem Werke folgende innere Einrichtung: 1) Sollen in demselben alle Heiligen, Seligen, Ehrwürdigen und als Fromme Verehrten, des alten und des neuen Bundes, aller Zeiten und Völker, aller Orten und Orden etc., sie mögen von der ganzen Kirche als solche verehrt werden oder nur von einem Theile derselben, so weit ihre Namen bekannt sind, in alphabetischer Ordnung Aufnahme finden, wobei jedoch unter gewissenhafter Beobachtung der hieher bezüglichen Constitutionen Urban's VIII. vom Jahre 1625 und 1634 nur jene den betreffenden Titel »heilig«, »selig« u.s.w. erhalten sollen, die entweder von der Kirche förmlich dafür erklärt oder seit unfürdenklichen Zeiten in derselben als »heilig« etc. verehrt worden sind, und die Unterzeichneten erklären hiemit ausdrücklich, daß sie sich in dieser wie in jeder andern Beziehung vollkommen dem Urtheile der hl. römisch-katholischen Kirche unterwerfen; 2) sollen nebst dem Tage der Verehrung, der in der Regel der Todestag ist, von jedem Heiligen etc., soweit es die vorhandenen Acten gestatten, in Kürze die Hauptmomente seines Lebens hervorgehoben werden, wobei möglichst auf jene Tugenden besondere Rücksicht genommen werden soll, durch welche er sich vor Andern ausgezeichnet hat; 3) soll, soweit es mit Sicherheit geschehen kann, wenigstens von jenen Heiligen etc., die in den Kalendern vorzukommen pflegen und im Leben bekannt sind, eine Verdeutschung ihrer Namen gegeben werden; 4) da eine ausführliche Angabe der bestehenden Literatur über einen Heiligen etc. und eine einläßliche Kritik über den historischen Werth der betreffenden Acten zu weit führen und das Werk zu umfangreich machen würde, so soll der Kürze halber nur bei großen Heiligen auf jene reflectirt und in Bezug auf letztere etwa blos vorkommenden Falls von der Verschiedenheit der Meinungen in streitigen Puneten das Betreffende bündig angemerkt werden; 5) da ferner in einer Hagiographie das Sagen- und eigentliche Legendenhafte, das sich an irgend einen Heiligen knüpft, nicht umgangen werden kann, so soll dasselbe, wenn es vorkommt, um der mannigfachen Interessen willen, die es hat, in entsprechender Kürze mitgetheilt werden, mit Beifügen der Anliegen und Nöthen, in denen ein Heiliger besonders angerufen oder für deren Abhilfe er als Patron betrachtet wird; 6) sollen zur Vollendung des Ganzen nicht nur die Feste der Heiligen, und die Orte, wo ihre Reliquien sich befinden, sowie welche von diesen noch vorhanden sind, soviel als möglich angemerkt werden, sondern auch die Attribute und Symbole, mit denen sie gewöhnlich zur künstlerischen Darstellung kommen, und dieses Letztere unter jedesmaliger Hinweisung auf den Grund dieser Gewohnheit, so weit dieses möglich ist. Uebrigens sollen auch die Feste des Herrn und der seligsten Jungfrau Maria geeignete Berücksichtigung finden; 7) endlich bilden zwei Beilagen den Schluß, von denen die erste die alphabetische Aufführung der Attribute enthält, wie sie im Laufe des Werkes bei den einzelnen Heiligen vorkommen, mit Angabe der Heiligen, denen sie angehören, und die zweite die Heiligen nach dem Tage ihrer Verehrung ordnet und daher den allgemeinen Heiligen-Kalender bildet.

Zur Ausführung dieses allerdings großen Planes schreitend, können wir einen doppelten Umstand nicht verschweigen, der uns dabei zu nicht geringer Freude gereicht. Da uns nämlich Alles darum zu thun seyn mußte, vom 21. October incl. ab bis zum 31. December, die in den bisher erschienenen Bänden der Bollandisten nicht vertreten sind, ein möglichst vollständiges Verzeichniß der in diesen Zeitraum fallenden Heiligen zu besitzen; so wendeten wir uns zu diesem Zwecke brieflich an den Vorstand der oben erwähnten Bollandisten-Congregation Jos. Van Hecke in Brüssel, und zu unserer Freude ward uns von dieser Seite nicht nur der vollständige Katalog der Heiligen, die wir nöthig hatten, sondern auch die freundliche Zusicherung zu Theil, in vorkommenden Fällen auf Verlangen sachdienliche Aufschlüsse gewähren zu wollen. Andererseits wurden wir zur Verfolgung unseres Planes nicht wenig durch den Umstand ermuthigt, daß Se. Gnaden [5] der Hochwürdigste Herr Bisthumsverweser, Dr. Jos. Fr. von Allioli, bei Gelegenheit der Mittheilung davon unserm Vorhaben nicht nur seinen vollen Beifall schenkte, sondern auch die Approbation der geistlichen Behörde für das Werk auf's Freundliche zusagte, sich bereit erklärend, die Sache auf eine Weise einleiten zu wollen, welche dem regelmäßigen Erscheinen der Hefte allen nur möglichen Vorschub zu leisten fähig ist.

So möge denn der barmherzige, gütige Gott dieses unser Unternehmen segnen und es zu Seinem allerhöchsten Lobe und zur Ehre der Heiligen, in denen Er sich so wunderbar erweist, gereichen lassen!


Augsburg, am Feste des hl. Papst und Mart. Clemens I. (23. Nov.) 1855.


Dr. Joh. Evang. Stadler,

Fr. Joseph Heim,


Domkapitular und geistl. Rath.

Domprediger.


Wir haben dem nichts beizusetzen, als daß wir nach Kräften bestrebt waren, dieses Programm in allen seinen Theilen zur That werden zu lassen. Dabei haben wir keine Mühe gescheut, bei unserer Arbeit, bei der wir uns möglichster Kürze befleißen mußten, doch so gründlich als möglich zu verfahren. Namentlich haben wir dahin gestrebt, Wissenschaftlichkeit mit Popularität zu vereinigen, so daß nicht blos Geistliche, sondern auch Laien, denen die Kirche mit ihren Heiligen am Herzen liegt, großen Nutzen aus unserm Werke schöpfen können, welches gleichsam die Quintessenz der von allen Gelehrten und vielen Päpsten anerkannten Bollandistischen Forschungen enthält, die doch sonst nur Wenigen zugänglich sind und deren Schätze Gefahr laufen würden, im Staube der Bibliotheken zu vermodern. Dabei haben wir nicht ermangelt, die neueren Untersuchungen, die uns zu Gebote standen, geeignet zu berücksichtigen, und wir bedauern nur, daß wir aus Mangel an den neuesten Quellen nicht immer in der Lage waren, diese Berücksichtigung überall eintreten zu lassen.

Bei diesem schwierigen Unternehmen war es uns übrigens nicht wenig erfreulich, dieses unser redliches Streben auch anerkannt zu sehen. Nicht nur haben uns Se. Bischöfliche Gnaden unser gegenwärtiger Herr Ordinarius Michael von Deinlein, sowie andere ehrenwerthe Gönner von Nah und Fern ihren Beifall in unzweideutigster Weise zu erkennen gegeben, sondern es haben auch die öffentlichen Beurtheilungen, die wir zu Gesicht bekommen, uns alle Gerechtigkeit widerfahren lassen. Wie sie Alle das Schwierige und Mühsame der Arbeit vollkommen anerkannten, so haben sie Alle auch für das Zweck- und Zeitgemäße des Unternehmens sich ausgesprochen. »Gibt es nun einmal,« heißt es in einer dieser Beurtheilungen sehr treffend, »Lexika für alle möglichen Dinge, so darf es wohl auch für die Heiligen eines geben; und werden, wie etwa in der Literatur, wo möglich alle profanen Namen der Vergessenheit entrissen, so ist es um so mehr für den Katholiken billig, seine Heiligen und Vorkämpfer zu kennen. Darum ist das Erscheinen vorliegenden Werkes gerechtfertigt« etc.

Da wir selbst nur zu sehr fühlen, wie unserem Werke noch gar Manches fehlt, was zur Vollkommenheit gehört; so nehmen wir auch mit Dank die Winke hin, die hinsichtlich mancher Puncte sowohl in der trefflichen »Tübinger Quartalschrift«, als in der Wiener »kathol. Literatur-Zeitung«, sowie in den »kathol. Literaturblättern zur Sion« und in der Wirzburger Zeitschrift »Philothea« uns gegeben wurden, und wir werden diese Winke auch geeignet zur Anwendung bringen, wenn wir auch nicht alle berücksichtigen können, theils weil sie schon wirklich berücksichtigt sind,1 theils [6] weil ihre Berücksichtigung unsern vorgesetzten Zweck beeinträchtigen würde.2 Uebrigens haben diese öffentlichen Beurtheilungen neuerdings dargethan, wie schwierig es ist, den Anforderungen Aller zu genügen; denn während eine Recension das erbauliche Moment (namentlich zu Gunsten der Prediger) mehr berücksichtigt wünscht, meint eine andere, wir hätten demselben zuviel Platz eingeräumt. Diese Verschiedenheit der Ansicht möchte uns in dem Glauben bestärken, daß wir die richtige Mitte, die wir zu erreichen strebten, auch wirklich erreicht haben.

Doch nicht blos Anerkennung, auch thatsächliche Unterstützung haben wir von mehreren Seiten erhalten, und wir fühlen uns verpflichtet, den innigsten Dank dafür öffentlich hier auszusprechen. Nicht nur war der gelehrte Abt Herr Th. Gangauf von St. Stephan dahier auf's Liebevollste bereit, uns die höchst seltene Original-Ausgabe der Bollandistischen Acta Sanctorum bis zum 3. Bande des Monats October zur freien Verfügung zu stellen und auf die Dauer der Herausgabe zur Benützung zu überlassen, während Herr Professor Greiff, Bibliothekar an der hiesigen Kreis- und Stadt-Bibliothek, die noch fehlenden Bände IV. und V. des Octobers3 nebst anderen nothwendigen Quellen uns freundlich zukommen ließ, sondern auch das Hochwürdigste Bischöfliche Ordinariat hat uns, als wir um die bei demselben befindlichen Original-Acten der Seligsprechung der ehrwürdigen Crescentia von Kaufbeuren baten, dieselben bereitwilligst zur Benützung anvertraut. Selbst von Außen ist uns freundliche Unterstützung zu Theil geworden. So hat der Hochwürdigste Herr Benedict von Riccabona, Bischof von Verona, der den Aelteren von uns schon seit vielen Jahren mit seiner besonderen Freundschaft erfreute, uns mehrere Proprien huldvollst zugesendet; so hat der Herr Provincial der Redemptoristen v. Bruchmann in Altötting die bei uns höchst seltene »Correspondance de Rome«, welche bezüglich der neuesten Heiligen allseitig sehr werthvoll ist, uns zur Benützung überlassen; so haben mehrere Andere mit Beiträgen zu unserm Werke uns erfreut, namentlich die HH. Professor Sutner in Eichstädt, Bibliothekar P. Ignaz Odermatt im Stifte Engelberg im Canton Unterwalden, Capitular C. Motschi im Kloster Maria Stein bei Basel u.A.

Indem wir diesen und allen andern Gönnern und Freunden für ihre Theilnahme, welche sie unserm »Heiligen-Lexikon« bisher zuwendeten, herzlich danken, bitten wir dieselben, diese ihre Theilnahme demselben auch ferner zu bewahren. Unsere ausgesprochene Absicht ist, so viel möglich alle Heilige, Selige etc. etc. in unser Lexikon aufzunehmen, und da wäre es uns denn ebenso erfreulich, besondere Ortsheilige, von denen sich anderswo wenig oder nichts findet, unserm Lexikon einzuverleiben, als es den Beressenden erwünschlich seyn muß, ein Organ zu wissen, durch welches die in ihrer Gegend verehrten Heiligen etc. zur Ehre Gottes und Seiner heil. Kirche auch an andern Orten bekannt werden und die ihnen gebührende Verehrung erlangen. Wir ersuchen daher alle diejenigen, welche sich für die Sache interessiren, hiemit freundlichst, uns etwaige Notizen über solche Heilige etc., die nicht schon anderswo bezeichnet sind, zur Vervollständigung des Ganzen gefälligst mittheilen zu wollen.

Leider haben wir auch einen schweren Verlust zu beklagen. Eine Haupt-Triebfeder zur Herausgabe des »Heiligen-Lexikons« war der vormalige Besitzer der B. Schmid'schen Verlagsbuchhandlung dahier, Hr. F. C. Kremer. Mit großer Liebe zur Sache, mit großer Begeisterung hat derselbe das Unternehmen angefangen und fortgesetzt. Man sah es ihm wohl an, daß er eine höhere Tendenz dabei hatte, als bloßen [7] Geldgewinn, indem er keine Kosten scheute und uns selbst noch aufmunterte, die Lebensnicht vollendet, als ein unerwartet schneller Tod ihn dahinraffte – am 11. Mai 1856 in seinem 49. Lebensjahre. Wir wollen zu Gott hoffen, daß er bereits eingegangen sei in die ewige Herrlichkeit und sich dort mit allen Heiligen seines Gottes freue. –

Es möchte auffallend seyn, daß in diesem ersten Bande nur die ersten vier Buchstaben enthalten sind, und man möchte fürchten, daß das Werk zu weitläufig werde; allein hier müssen wir bemerken, daß der Buchstabe A bei weitem die meisten Heiligen enthält, daß dagegen die folgenden Bände immer je 6–8 Buchstaben enthalten werden. Vielseitig ist uns der Wunsch zugekommen, daß die Hefte schneller nacheinander erscheinen möchten. Wir können nicht bergen, daß auch wir keinen sehnlicheren Wunsch hegen als diesen; allein die obwaltenden Verhältnisse gestatten eben keine größere Beschleunigung, und da eine solche nur auf Kosten der Gründlichkeit und Gediegenheit stattfinden könnte, so wird gewiß jeder billig Denkende Geduld und Nachsicht mit uns haben. Um diese bitten wir besonders bezüglich der Erscheinung des nächsten Heftes (des ersten im zweiten Bande), welches aus besonderen Gründen, die zum Theil aus Nachstehendem zu entnehmen sind, vor drei Monaten wohl kaum wird ausgegeben werden können. Jedenfalls können und wollen wir die Versicherung geben, daß unser Werk mit Gottes Hilfe ganz gewiß, und zwar sobald als möglich, seine Vollendung erreichen wird.

Indem wir zur Beruhigung unserer Leser diese bestimmte Versicherung geben wollten, finden wir uns veranlaßt, denselben die Anzeige zu erstatten, daß der Jüngere von uns sich leider in der Lage sieht, aus der Redaction des Heiligen-Lexikons auszuscheiden. So lange ihm das Predigtamt allein zu versehen oblag, hatte er Muße genug, ganz dem Zwecke derselben zu leben; allein seitdem er durch die Gnade seines Hochwürdigsten Herrn Bischofs zum Geistlichen Rathe und in der neuesten Zeit auch noch zum Regens des bischöflichen Klerikal-Seminars in Dillingen befördert wurde, sieht er sich um der vielen andern und zwar ganz neuen Geschäfte willen außer Stand, noch weiter etwas für das Lexikon zu thun, so freudig er seit beinahe drei Jahren alle Zeit, die ihm sein Amt übrig ließ, ausschließlich darauf verwendete, und so schwer es ihn auch ankommt, sich jetzt von der ihm liebgewordenen Arbeit zu trennen. Er will daher lieber ganz aus der Redaction ausscheiden und die Fortführung einer andern Kraft überlassen, als den raschern Gang derselben durch sein Verbleiben nur hemmen und aufhalten. Diese andere Kraft ist auch bereits gefunden, und der Ausscheidende wie der Bleibende glauben versichern zu dürfen, das »Heiligen-Lexikon« werde keinen Entgang haben, da die wissenschaftliche Befähigung des neuen Mitherausgebers zu den besten Hoffnungen berechtigt.

Schließlich wollen wir unsere bereits im Prospecte gegebene Erklärung hier allen Ernstes wiederholen, daß wir uns in Allem und Jedem dem Urtheile der heiligen römisch-katholischen Kirche, und namentlich den hieher bezüglichen Constitutionen und Decreten des Papstes Urban VIII. vom 25. März 1625 und beziehungsweise vom 5. Juli 1634, sowie vom 5. Juni 1631, vollkommen unterwerfen, und fügen, diesen entsprechend, die feierliche Protestation hier an:

Wir Priester der heil. römisch-katholischen Kirche, in der wir leben und sterben wollen, erklären hiemit feierlichst, daß wir Alles, was wir immer in diesem Werke in Bezug auf den Titel und die Geschichte der Heiligen etc. angeführt haben, in keinem andern Sinne genommen haben und genommen wissen wollen, als in dem, in welchem Alles genommen werden muß, was sich nur auf menschliche Autorität stützt, und der göttlichen Autorität der kathol. Kirche oder des römischen Stuhles entbehrt; mit Ausnahme jedoch jener Personen, welche derselbe apostolische Stuhl in den Katalog der »Heiligen« und »Seligen« der Kirche aufgenommen hat.

Augsburg, am Feste des hl. Erzengels Michael (29. Sept.) 1857.

Die Herausgeber.

Fußnoten

1 Hieher gehört z.B. der in zwei dieser Beurtheilungen geäußerte Wunsch, es möchte »die Behandlung der Attribute nicht separat gehalten, sondern mit der Lebensgeschichte des treffenden Heiligen, an deren Schluß, verbunden werden.« Dieses haben wir denn, so viel möglich, vom Anfange an auch bereits wirklich gethan, wie aus unserem Werke selbst leicht zu ersehen ist. Wenn auf dem Titel die Bemerkung steht, daß die Attribute der Heiligen sammt dem Kalender in zwei Beilagen gegeben werden sollen, so ist dieses in dem Prospecte schon näher, nämlich dahin erklärt, daß am Schlusse die Attribute, wie sie im Laufe des Werkes bei den einzelnen Heiligen vorkommen, alphabetisch aufgeführt werden sollen, was nur zur Erleichterung des Gebrauches dient, indem man, wie bei den Heiligen die treffenden Attribute, so dann am Ende bei den alphabetisch geordneten Attributen die betreffenden Heiligen finden kann.


2 Hieher gehört namentlich der in einer Beurtheilung geäußerte Wunsch, resp. die Ansicht, »die Anordnung hätte mehr rubrikartig nach einem durchgängig zu beachtenden Schema durchgeführt werden können.« Doch da der Herr Beurtheiler gleich selbst be merkt, daß man hiebei »über Einförmigkeit klagen könnte,« so brauchen wir dieses nicht zu entgegnen. Unsers Wissens ist in Wien wirklich einmal vor Jahren ein in ähnlicher Weise eingerichtetes Werk begonnen worden; dasselbe scheint aber (wahrscheinlich eben wegen dieser Einförmigkeit) keinen Anklang gefunden zu haben; weil es nach ein Paar erschienenen Heften wieder aufgegeben wurde.


3 Den VI. Band des Octobers konnten wir bisher leider nirgends erhalten zur selbsteigenen Benützung; wir haben aber in der k. Hofbibliothek zu München das Geeignete für unsern Zweck aus demselben extrahiren lassen.


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 1. Augsburg 1858.
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