Jesuaten

[481] Jesuaten, die Genossenschaft der, gestiftet von Johannes Colombino, einem reichen Kaufherrn von Siena, welcher 1355 aus einem Bannerherrn und zeitweiligen Oberhaupt der republikanischen Vaterstadt plötzlich zu einem Selbstpeiniger wurde u. sich in Verrichtung der niedrigsten Dienstleistungen für Arme u. Kranke gefiel. Der Name J. soll daher kommen, weil der Stifter, als er mit seinen Genossen 1367 dem aus Avignon nach Rom zurückkehrenden Papst Urban V. entgegenzog, beständig: es lebe Jesus! gelobt sei Jesus Christus! rief. Man nannte die J. auch Padri dellʼ aquavite, Väter des Lebenswassers, spottend: Branntweinväter, weil sie für ihre Kranken als Arznei auch Liköre bereiteten. Urban V. bestätigte die Genossenschaft als bettelnde Laienbrüder. u. gab ihnen als Tracht einen weißen Talar mit braunem Mantel 1367, in welchem Jahre der Stifter st. Die J. lebten anfangs nach der Regel Benedicts, später nach der Augustins, legten jedoch keine feierlichen Gelübde ab. Außerhalb Italiens breiteten sie sich nur nach Toulouse aus und wurden 1668 aufgehoben, während die von einer Base Colombinos gestifteten Jesuatinen noch fortbestanden.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1855, Band 3, S. 481.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika