8.

Du, der Liebende zu trennen

Nur gerecht und billig nennt,

Und der Jene die ihn lieben

Grausam von sich selber trennt!

Komm mit einem süssen Trunke

Her zum durst'gen Wüstensohn,

Wenn du auf dem Pfad der Liebe

Hoffnung nähr'st auf Gottes Lohn!

Dass du mir das Herz entwendet

Will ich, Seele, dir verzeih'n:

Aber lass es mit mehr Güte

Als mich selbst behandelt sein.

Fremde Trinkgenossen leeren

Den gefüllten Becher mir:

Doch ich will es gern ertragen,

Scheint es nur erst billig dir.

Mücke! Ein Sĭmūrgh schickt nimmer

Sich zum Tummelplatz für dich:

Du verlierst dabei die Ehre,

Und belästigest auch mich;

Wegen deiner eig'nen Mängel

Schloss man dieses Thor dir zu:

Über wen hast du zu klagen,

Und worüber jammerst du?

O Hafis, man spricht von Kaisern

Würden nur für Dienste an:

Doch was hoffest du auf Gnaden

Eh' du etwas noch gethan?

Quelle:
Diwan des großen lyrischen Dichters Hafis. 3 Bände, Wien 1858, Band 3, S. 25-27.
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