Judas hat etliche gute Werk gethan, derenthalben er auch belohnt worden.

[158] Obschon Rupertus der gänzlichen Meinung und Aussag, als wäre Judas Iscarioth von Jugend auf allezeit ein Schelm und nichtsnutziger Böswicht, ja sogar dazumal, als er in das apostolische Kollegium aufgenommen worden, noch ein lasterhafter Gesell verblieben, und nicht aus guter Meinung ein Apstel des Herrn worden, sondern damit er nur dem Faullenzen möge abwarten, und sein tägliches Auskommen konnte desto sicherer haben; weil er gesehen, daß der Herr Jesus wegen häufiger Mirakul und Wunderwerke von dem Volk sehr hoch geschätzt, und mit vielen Schankungen begabt worden. Es wollen aber die mehristen Lehrer diese Sentenz nicht vor genehm halten, sondern mit gründlichen Ursachen behaupten, daß Judas im Anfang seines Apostel-Amts einen frommen, und gleich andern einen untadelhaften Wandel geführt, derenthalben ihn auch der Herr sehr lieb und werth gehalten; obschon seinen göttlichen Augen nicht verborgen gewest, daß dieses grüne Gras bald werde zu Heu werden. Weil aber der Herr dazumal nur nach[158] dem äußerlichen Leben und Wandel wollte urtheilen, also hat er das Wohlverhalten des Iscarioths nicht wollen unvergolten lassen, sondern ihn bald zu dem Amt eines Prokurators oder gar eines Zahlmeisters erhoben, auch nachmals ihm, da er schon ein wirklicher Dieb und untreuer Bedienter gewest, sehr viel Gutes erwiesen, damit er also die einige von Juda begangene gute Werk wenigst mit zeitlicher Belohnung möge erstatten, weil er doch hat vorgesehen, daß dieser zur ewigen Belohnung nicht werde gelangen. Es ist demnach gewiß, daß Gott sich auch das allergeringste nicht läßt umsonst thun, und erwidert solches entweder in dieser Welt, oder belohnt es in der ewigen Glorie.


Nichts umsonst.


Gleich von Anfang, da Gott der Allmächtige aus dem Nichts die Welt erschaffen, und alles in der Welt aus Nichts erschaffen, wollte er schon sich nichts umsonst thun; dann als er von dem in starken Schlaf vertieften Adam eine Rippe genommen, woraus er nachmal die Eva formirt, hat er gleich das Ort, wo die Rippe gestanden, mit Fleisch erfüllt, wollte sogar ein schlechtes Bein nicht umsonst haben, sondern Fleisch dafür geben, Replevit carnem pro ea. Das ist ja wohl bezahlt. Gott macht es weit besser als die Metzger oder Fleischhacker, diese geben für Fleisch die Beiner, aber er gibt für Beiner ein Fleisch. Der Jakob hat dem Laban 7 Jahr gedient, 7 Jahr die Schaaf gehüt, 7 Jahr treu und redlich gewest. In 7 Jahren läßt sich viel laufen, viel schnaufen, viel gehen, viel stehen, viel borgen, viel sorgen, viel schwitzen,[159] viel sitzen. 7 Winter nicht viel schlafen ist viel, 7 Sommer nicht viel ruhen ist viel, 7 Herbste nit viel feiren ist viel, 7 Frühling nicht viel liegen ist viel, auf dem Feld und zu Haus nie müßig, bei Tag und Nacht nie müßig, früh und spat nie müßig war Jakob. Wann die Schaaf reden könnten, aber sie blerren nur, wann die Wölf reden könnten, aber sie heulen nur, wann die Hund reden könnten, aber sie bellen nur, so würden sie sagen, wie emsig der Jakob gewest, so würden jene bekennen, wie fleißig Jakob gewest, so würden die ersten bezeugen, wie wachsam der Jakob gewest in seinen Diensten, und dieser Dienst hat gewährt 7 Jahr. Aber was Lohn hat Jakob davon getragen? Stattlich ist er belohnt worden, nicht besser hätte er können belohnt werden, nicht reicher hätte er können belohnt werden (scilicet), wie die Bauern die Spieß tragen, er hat um die schöne Rachel gedient, und Laban hat ihn mit der schändchen Lia bezahlt, so macht es die Welt: aber Gott weit anderst, er läßt sich gar nichts umsonst thun. Magdalena hat das Grab Christi besucht vor allen andern, in Willens, den heiligsten Leichnam nach jüdischem Brauch mit kostbaren Spezereien zu salben. Das war nicht umsonst, er hat ihrs treulich belohnt, maß er ihr vor allen andern Aposteln zum erstenmal nach seiner glorreichen Urständ erschienen, ja sie zugleich zu einer Apostlin gemacht, daß sie solle dieses große Geheimnuß allenthalben verkündigen und ausbreiten.

Petrus mit dem Zunamen Telonarius genannt, war ein solcher karger Gesell, ein solcher Geizhals, daß man ehender in einer Juden-Kuchel einen Speck[160] gefunden, als bei ihm ein Allmosen; als er auf eine Zeit neben seinem Maulthier, so mit lauter Brod beladen gewest, daher gangen, und von einem Bettler mit solcher Ungestüme um ein Allmosen ersucht worden, daß er hiedurch in größten Zorn gerathen, und damit er dieses überlästigen Gesellen nur los möchte werden, hat er ein Leibl Brod aus dem Sack gezogen, dem Bettler mit großer Gewalt auf den Buckel geworfen, daß selber kaum den Athem konnte erholen. Wann das ein großes gutes Werk ist, so weiß ich nicht! und dannoch war es nicht umsonst; Dann in Ansehung dessen hat Gott ihn zur Besserung gebracht, daß er nachmals heilig gestorben. Massen er 3 Tag hernach in eine tödtliche Krankheit gefallen, und bereits von den bösen Feinden dem göttlichen Richter vorgestellt worden, allwo auf eine Wagschaale alle seine bishero verübte Lasterthaten gelegt worden: etliche aber in weißem Aufzug gekleidete Jüngling waren dazumal gegenwärtig, konnten aber nicht ein einiges gutes Werk hervor bringen, so sie auf die andere Wagschaale legen möchten, bis endlich einer aus ihnen dasjenige Leibl Brod, welches er vor 3 Tagen aus Ungeduld dem Bettler in Buckel geworfen, hervor gezogen, und auf die Waag gelegt; weil aber selbiges gegen den häufigen Lastern viel zu gering, also hat ihm der göttliche Richter ernstlich anbefohlen, er solle mehr dergleichen auflegen, oder er wolle ihn diesen höllischen Mohren überantworten, worüber Petrus erwacht, und zu sich kommen, all sein Hab und Gut unter die Armen ausgetheilt, und sich selbst für einen leibeigenen Knecht verkauft, und das Geld den Bedürftigen geben.
[161]

Nichts umsonst.


Wie der König Pharao vermerkt, daß sich die Israeliter in seinem Egyptischen Reich so stark vermehren, zumalen nur 70 Seelen in dasselbige kommen, und doch innerhalb 200 Jahren also gewachsen, daß dero etliche hundert tausend worden; weil dazumal ihre Weiber auf einmal zwei, drei, vier, auch noch mehr Kinder geboren. Als nun der heidnische Monarch wahrgenommen, daß der Juden Anzahl zu groß werde, also hat er ein ernstliches Dekret, und starken Befehl durch das ganze Königreich ergehen lassen, daß die Hebammen in der Niederkunft der hebräischen Weiber sollen alle neugebornen Knäbel erwürgen und um das Leben bringen, die Mägdel aber leben lassen. Diesem tyrannischen Befehl seynd die egyptischen Hebammen aus angeborner Weichherzigkeit und Mitleiden nicht nachkommen, sondern die Knaben alle beim Leben erhalten. Als nun solches dem König zu Ohren kommen, und derentwegen besagte Hebammen in strenge Frag gezogen worden, haben sie sich mit frisch erdichter (sal. ven.) Lüge entschuldiget, wie daß der Hebräer Weiber selbsten Hebammen abgeben, und sie hiezu nicht berufen werden; dahero geschehe es, daß die Knäbel beim Leben bleiben. Diese Weiber, ob sie schon ihre Barmherzigkeit mit der Unwahrheit versiegelt, haben es dannoch nicht umsonst gethan, massen sie der allmächtige Gott, unangesehen sie solches Werk nicht wegen Gott gethan, auf der Welt belohnt, und ihnen ihr Hab und Gut augenscheinlich mit höchster Verwunderung der Leut also vermehret, daß sie in Reichthum allen andern überwachsen.[162]

Das heil. Evangelium Matth. am 20. Kap. registrirt von einem sehr wackern Haus-Vater, welcher neben andern guten Habschaften und Wirthschaften auch ein sehr reiches Wein-Gebirg besessen; dahero in aller Fruhe ausgangen, primo mane, hat nie geschlafen so lang, bis die Sonne dorthin geschienen, wo die Berg-Knappen das Schurzfell tragen, in aller Frühe ist er ausgangen, Arbeiter zu stellen in seinen Weingarten, ja er ist gar fünfmal in einem Tag auf den Markt gangen, und alldort die Leut, worunter freilich wohl viel faule Schliffel, die nur auf dem Markt stehen, die guldene Zeit umsonst verzehren, und diesem und jenem die Ehr abschneiden, gar freundlich angeredet, dort muß das Robathen und Scharwachen nicht im Brauch seyn gwest, wie bei der Zeit, da er arme Mann seiner Herrschaft bald alles muß umsonst verrichten; denn er, der Hausvater, hat ihnen den gebührenden Lohn versprochen. Wie nun der Abend herzukommen, und die guten Leut ihre Arbeit in dem Wein-Garten verricht, so sagt der Herr des Weingartens dem Schaffner oder Hausmeister, voca Operarios, er solle die Arbeiter rufen, und ihnen den Lohn geben; noch denselben Abend hat er sie lassen auszahlen, er ist selbst gegenwärtig gewest, wie einem jeden sein Geld ist dargezählt worden. Viel hat er dem Hofmeister, oder wer er gewest ist, nicht getrauet; dann dergleichen Leut pflegen zuweilen mit solchem Geld umzugehen, wie der ammonitische König Hanon mit den Abgesandten des Davids, denen er die Bärth halb und halb abgeschoren. Also thun zu Zeiten die Bedienten wider den Willen der Herrschaft[163] die Glaubigen halb und halb barbieren, brechen ihnen ein ziemliches ab, und dieses gehört nachmals in ihren Säckel. Darum ist der Haus-Herr selbst bei der Auszahlung gegenwärtig gewest. O! tausend und aber tausend Lob hat dieser liebste Herr verdient, daß er so gern ausgezahlt, und zwar noch denselben Tag auf den Abend. Jetzt ist leider bei vielen weit ein anderer Brauch, wann die Handwerker, Kaufleut, etc. kommen, und sich um die gebührende und höchst-nöthige Bezahlung anmelden, da heißt es morgen, übermorgen: sage ihnen, ich sey nicht zu Haus; wie es dann einem dergleichen widerfahren, der gleichwohl dazumal den Herrn hat sehen zum Fenster hinaus schauen, er solle ein andersmal sich anmelden, der Zeit sey der Herr nicht zu Haus. Das muß seltsam seyn, sagt dieser, und setzt hinzu diese Wort: mein Lagei, sagt ihr eurem Herrn, wann er ein andersmal ausgehet, so solle er seinen Kopf mit sich nehmen. Ein mancher armer Tropf lauft ein halbes Jahr mit dem Auszügel, aber fängt so viel, als Petrus, der die ganze Nacht gefischt, und nichts gefangen, ja er hat wohl Gesträuß und allerley Mist im Netz gefunden, sonst nichts. Ein mancher bekommt auch anstatt der Bezahlung etliche Prügel, wenigst drohet man ihm mit dergleichen hülzenem Konfekt: oder wann daß die Sach gar wohl ausschlägt, so muß er mit der Hälfte Vorlieb nehmen, und dieses noch in verdorbnen Treid oder Essig-seligen Wein, der auch bei dem Gebäu des babylonischen Thurms für das Malteranmachen zu schlecht gewest. Dieses heißt bei der Zeit eine Wirthschaft, bei Leib nenne es keiner einen Diebstahl. Wie viel Kaufleut gehen dessentwegen[164] in defecit, wie viel Handwerker müssen derenthalben in Nöthen und Armuth leben, sie ziehen wohl mit der musikalischen Note Soll auf: der und der soll um diese ausgenommenen Waaren geben, soll um die verfertigte Arbeit bezahlen etc. Aber man singt ihnen wieder entgegen die andere musikalische Note La, La, es ist nichts da, es ist leer, man soll Geduld tragen. Der ältere Tobias hat seinem Sohn eine andere Unterweisung gethan: Mein Sohn, sagt er, mein liebes Kind, wiederholt er, merk es wohl, und lasse dirs gesagt seyn, wann dir einer wird etwas gearbeitet haben, dem gebe gleich den Lohn etc. Gleich, nicht erst über ein Jahr, gleich, und nit erst nach dem Tod, gleich, und nicht viel in die Schuldbücher eintragen. Aber leider! es muß mancher umsonst arbeiten, so bezahlt die Welt. Aber der gütigste Gott weit anderst, der läßt sich gar nichts umsonst thun.

Baronius schreibt, daß Leo auf eine Zeit ungefähr einen armen blinden Bettler auf der Straße angetroffen, welcher aus Mangel des Gesichts abwegs gangen und geirret, dessen hat er sich alsobald erbarmet, denselben wiederum auf die gangbare Straße gebracht, und ihn einen ziemlichen Weg bei der Hand geführt. Weil aber erstgemeldter armer Tropf den Durst sehr geklagt, so wollte auch dießfalls der Leo dem armen Mann an die Hand gehen, lauft demnach in dem nächst entlegenen Wald hin und her, und suchte einen Brun für den durstigen Bettelmann. Dieses wollte der Allerhöchste nicht lassen umsonst thun, sondern wollte es hier und dort zeitlich vergelten; massen ihm die Mutter Gottes einen Brunn gezeigt, auch anbei[165] befohlen, er solle mit dem Zetten besagten Brunnens dem Blinden die Augen berühren, worvon er die Gesundheit und das verlangte Gesicht würde erhalten, welches auch also geschehen. Leo hilft dem Blinden, Leo gibt dem Blinden einen kalten Trunk Wasser, Leo macht den Blinden sehend, Leo wird derenthalben bezahlt auch zeitlich; dann Leo dazumal die Zeitung vom Himmel bekommen, daß er soll römischer Kaiser im Orient werden.

Nichts umsonst; Petrus sagt zu unserm Herrn: Tu es Filius DEI vivi. Du bist ein Sohn des lebendigen Gottes, Matth. K. 16. Nichts umsonst. Unser Herr macht ihn derenthalben zum römischen Pabst: Et ego dico tibi etc. Und ich sag dirs, du bist Petrus, und auf diesen Fesen will ich meine Kirche bauen. Der Schächer am Kreuz, auf welches er verdienter massen als ein Mörder und Straßen-Räuber gehängt worden, sagte diese wenigen Wort: »Domine memento mei etc. Herr, gedenke doch meiner, wann du in dein Reich kommst.« Nichts umsonst: Christus gibt ihm dessenthalben eine gewisse Exspektanz.


Nichts umsonst.


Wie der Heiland Jesus den schweren Kreuzes-Baum auf den Berg Calvariä getragen, und die Juden in Furcht gestanden, er möchte unter Wegs unterliegen, und wegen vorhin erlittenen unglaubigen Peinen den Geist aufgeben, damit sie Ihn dann noch lebendig konnten auf das Kreuz nageln, als haben sie einen mit Namen Simeon, sonst von Cyrene aus Lybien gebürtig, so dazumal ungefähr von seinem Maierhof[166] und Wirthschaft gekommen, ernstlich angestrengt, daß er solle dem Jesu von Nazareth das Kreuz helfen tragen, welches er zwar nicht geweigert, aus Furcht, es möchten ihm die ohne das muthwilligen Soldaten ein größers Uebel anthun; aber dannoch war ihm nicht wohl bei der Sache, und ist wohl zu glauben, daß er diesen Dienst gar ungern verricht, auch vermuthlich, daß er zuweilen von dem Lotters-Gesind eine Peitsche über den Rucken bekommen; nichts destoweniger wollte Gott nicht, daß er solches sollte umsonst thun, ob er schon dazu gezwungen worden, dann ihn nachmals Gott der Herr überhäufig derenthalben belohnet, massen er ihn erleucht, daß er bald darauf bekehrt worden, mit dem heiligen Petro helfen das Evangelium predigen, und nachdem seine zwei Söhne Rufus und Alexander die Marter-Kron erhalten, ist er, Simeon, als ein großer Heiliger zu Jerusalem gestorben.

Gott läßt sich nichts umsonst thun. Jener Baum, von dem die hebräischen Knaben die Palm-Zweig zu dem triumphirlichen Eintritt Christi nach Jerusalem gebrochen, hat es auch nicht umsonst gehabt, zumalen wie Jerusalem von Tito gänzlich zerstört worden, und kein Stein auf dem andern blieben, und alles Gehölz in der Gegend umgehauen, so ist doch besagter Baum durch sondern göttlichen Willen zu einer Vergeltung etliche hundert Jahr unversehrt geblieben. Baron. ad An. 34. Gott läßt sich gar nichts umsonst thun: aber die Welt wohl.

Wie manchesmal wird ein armer Dienstbot wegen seiner treugeleisteten Dienste schlecht belohnt! Bei dem Herrn Vater des verlornen Sohns ist noch[167] gut zu dienen gewest; dann solches hat das saubere Bürschel, wie ihm das Wasser ins Maul geronnen, selbst bekennt mit diesen Worten: wie viele Taglöhner seynd in meines Vaters Haus, welche Brod im Ueberfluß haben, ich aber sterbe allhier vor Hunger etc. Der Herr muß seine Bedienten wohl traktirt, und sie mit einer guten Tafel versehen haben; dann unter dem Wort Brod versteht man allerlei Nahrungsmittel. Aber man gehet mehrmals mit den Dienstboten um, daß sie sagen und klagen: Ihr Haus sey bestellt wie der Himmel, wo man weder ißt noch trinkt. Ich hab mir lassen erzählen von einem sehr verschlagenen Diener, dessen Frau nach meister Weiberart sehr klug, karg, oder (recht geredt) geizig, daß solcher einmal ein Spagat um die Suppenschüssel gebunden, und solche langsam durch die Stube gezogen gegen die Kuchel. Als die Frau dessen Ursach befragt, gab er zur Antwort: Er habe sein Lebtag gehört, daß man die Blinden führen müsse; dann es war die Suppe so schlecht geschmalzen, daß man nicht ein Aug durch dreifache Brillen darauf hat sehen können. Das heißt ja freilich, die Dienste nicht belohnen. Es geschieht wohl auch oft, daß man den Liedlohn gar zurückhält, und solche in Himmel schreiende Sünd mit dem Vorwand will vermänteln, als wäre etwas im Haus verloren worden, oder sogar muß zu Zeiten ein armes Dienstmensch das geringste zerbrochene Häferl, so vorhin schon in Zügen gelegen, bezahlen, wehe, und aber wehe allen denjenigen, welche so übel belohnen!

Unendlich besser bezahlt Gott, dieser gütigste Herr, ja er läßt sich gar nichts umsonst thun.[168]

Es ist sich höchst zu verwundern über dasjenige, was da schreibt Petra Sancta cap. 16. tom. 3., daß nemlich zu Stareamone in Portugal um das Jahr 1240 in dem Dominikanerkloster daselbst ein frommer Sakristan gewesen, Namens Bernhardus de Morlens, welcher zwei kleine Knaben nicht allein in aller Gottesfurcht auferzogen, sondern auch dieselbigen so weit unterrichtet, daß sie beide konnten bei dem Altar dienen. Nun hatten diese zwei unschuldige Kinder den Gebrauch, daß sie allemal zur Essenszeit ihr Weniges mit sich in eine Privatkapelle allda mitgenommen, und dasselbe verzehrt. Es war aber in erstgedachter Kapelle ein großes geschnitzletes Mariabild mit dem Kindlein Jesu auf dem Arm, welches Kindlein mehrmal herunter gestiegen, und die Kollation mit den unschuldigen zwei Büblein eingenommen. Wie sie solches einmal dem gottseligen Mann Bernardo, als ihren Oberherrn und Magister, erzählet, so sagt er ihnen, wie daß sie sollen das allernächste Mal das Kindlein, den lieben Gast, ersuchen, er soll sie und ihren Magister auch einmal regaliren, und zu seines Vaters Tafel einladen. Wie nun mehrmal das Jesuskindlein mit besagten zwei Sakristreiknäblein wollte das Mittagmahl einnehmen, da waren sie so einfältig gehorsam, daß sie ohne Scheu gesagt haben: »Du issest schon öfters mit uns, lade uns auch einmal ein mit unserm Magister zu der Tafel deines Vaters.« Worauf das Kindlein gleich mit dem Ja geantwortet, sie sollen auf die nächst herankommenden Festtage, als an Himmelfahrt des Herrn erscheinen, und ihren Magister mit sich nehmen. Wie nun erstgedachte[169] Solennität eingefallen, und der hl. Bernardus die hl. Meß celebrirt, wobei die zwei Büberl nach Gewohnheit ministrirt, da seynd nach vollbrachtem Meßopfer alle drei augenblicklich verschieden, und in ein Grab gelegt worden, welches man nachgehends An. 1277 er öffnet und alle drei Leiber unversehrt gefunden, so dann noch mit vielen Wunderwerken leuchten. Also schreibt Pueror. p. 3. c. 1. Niernberg. c. 16. und andere mehr. Das wenige Essen ist wohl bezahlt worden. Gott läßt sich gar nichts umsonst thun.


Nichts umsonst.


Wie Pilatus durch Ungestüm des Volks, welches von den Hohenpriestern stets angefrischt worden zu solcher Bosheit, sollte und wollte Jesum von Nazareth zum Tod verurtheilen, massen dann männiglich nur geschrien, man sollte Jesum kreuzigen, den Barrabam aber auf freien Fuß stellen. Wie dieser Landpfleger bereits auf dem Richterstuhl gesessen, so von den Hebräern Lithrostatos genannt war, und allgemach zum Urtheil schreiten wollen, da kommt unverhofft ein Sekretair von des Pilati seiner Frau Gemahlin, welcher im Namen ihrer dem Pilato angedeut, er soll doch in allweg dahin trachten, damit er diesen gerechten Menschen frei und los lasse, zumal sie die ganze Nacht hindurch einen seltsamen Traum von ihm gehabt. Solches gereicht doch zum ewigen Lob den Weibern; dann die ganze Zeit des Leidens hat sich kein einziger Mensch des Herrn Jesu angenommen, als diese Frau, so sie schon fruchtlos abgeloffen, hat sich Gott nicht lassen umsonst thun; dann sie nachmals[170] durch göttliche Erleuchtung zu dem wahren allein seligmachenden Glauben bekehrt worden, als eine Heilige gelebt und als eine Heilige gestorben. Ihr Name war Klaudia Prokula, welche Paulus und Timotheus in großem Werth gehalten.

O was Dienst muß mancher der Welt umsonst thun! Es sitzt bei der Kirchenthür ein armer Bettler, der hat nur einen Arm, und darum ist er doppelt arm, sein Kleid war nicht anderst beschaffen, als wie die Lämmlein des Labans, denen Jakob mit einem Vortheil lauter Fleck angehängt, das Gesicht war fast also beschaffen wie der Mundbecher des Samson, dieser ist ein dürrer Kienbacken gewesen. Der Stecken, den er in der Hand hat, ist weit anderst, als jenes Holz, welches in das Wasser geworfen; dann dieses Holz machte das bittere Wasser süß, jenes aber kommt ihm sauer genug an, weil es ein Bettelstab ist etc.

Diesen armen Tropfen fragte ich, wie er um den Arm kommen? oder, ob er also die Natur für eine Stiefmutter soll ausschreien? Pater! antwortet er, ich bin vor diesem ein wackerer und frischer Kerl gewesen, hab ein und zwanzig Jahr einen Soldaten abgeben, ich bin bei der Schlacht zu Gran in Ungarn gewest, ich hab helfen diese und jene Festung einnehmen, ich hab oft acht Tag keinen Bissen Brod gesehen. Meine beste Mahlzeit war zu Zeiten ein Gestößenes, dann ohne Stöß ist es selten abgangen, bei Ofen hab ich mich verbrennt, daß ich den Arm verloren. Der Name Soldat kommt, höre ich, vom Sold her, aber ich habe wenig gesehen, ich hab[171] mehrentheils müssen die Kapuzinerregel halten, dann ich fast allezeit ohne Geld gewesen. Wohin ist dann eine so große Summe Geldes von der kaiserlichen Kammer und Zahlamt kommen? O Pater! sagte dieser Bettler, die Hebräer und Pharisäer haben auf eine Zeit bei unserm Herrn seine Apostel anklagt, daß sie ihre Hände nicht waschen, wann sie Brod essen. Wir könnten uns wohl billiger beklagen über die Hände etlicher Offiziere, daß selbige so unsauber, ja gar voller Pech; wann ein Regimentsgeld darein kommt, so bleibt sehr viel picken. Der König Pharao hat seinen Mundbäcker henken lassen, um, weil er das Brod nicht recht gebachen, was hätte man nicht erst sollen denjenigen thun, welche uns das Brod (auf Hochdeutsch) gar abgestohlen? Das Geld, womit ein Regiment hätte sollen bezahlt werden, hat viel eine andere Natur als die Donau, dieser Fluß, je weiter er geht, je größer er wird; aber unser Geld, wann es von Oben herabkömmt wird immerzu weniger, es kommt in gar viele Hände, wie die Donau in viele Arme, und das hab ich jetzt davon, daß ich bin ein Bettler worden. Mein Pater! sollte es einem dann nicht hart gedunken, wann einer so viele Jahre dient, und allen Dienst umsonst thut?

O mein allmächtiger Gott! Deine unendliche Güte ist weit anderst beschaffen, massen dieselbe sich gar nichts läßt umsonst thun, nicht einen Schritt umsonst, wie es der hl. Job selbst bekennt, tu quidem gressus meos dinumerasti. Es ist auf eine Zeit ein sehr schöner und prächtiger Tempel aufgebaut worden, und wie selbiger in völliger Vollkommenheit[172] gestanden, da wurden alle nothwendigen Anstalten gemacht, diese neue Kirche mit sonderer Solennität und herrlicher Pracht zu weihen. Als nun das gesamte häufige Volk sich eingefunden, und bereits die vorgenommene Sache den Anfang nehmen sollte, da erscheint ob der größern Porte der Kirche eine unsichtbare Hand, welche mit guldenen Buchstaben diese kurzen Worte geschrieben: »Sophia me fecit, Die Sophia hat mich gebaut.« Solches hat männiglich zur billigen Verwunderung gezogen, forderist aber die vornehmen Herren, welche die meisten Mittel zu diesem so stattlichen Gebäu dargeschossen, doch konnte man auch nicht finden den Namen Sophia unter allen Gutthätern, welche einige Beisteuer und Geldhilf zu dieser Kirche beigeruckt, massen solches alles genau aufgeschrieben worden. Endlich nach vielem Umfragen hat man in Erfahrnuß gebracht, daß ein armes Weib mit Namen Sophia vorhanden, welche dann alsobald ganz umständig befragt worden, ob sie dann auch etwas zu diesem schönen Gebäu gespendirt habe? Diese wendete vor ihre Unmöglichkeit, wie leicht zu glauben wäre, und daß sie selbst den Abgang der genugsamen Lebensmittel leide, allein sie wisse sich zu erinnern, daß sie mehrmals den Rossen und Ochsen, so zu dem Kirchengebäu alle Nothwendigkeiten geführt, ein Büschel Heu habe dargereicht, damit das arme Vieh desto besser ziehen möchte, und folgsam das Gebäu einen schleunigen Fortgang nehme. Woraus unschwer ein jeder hat schließen können, daß Gott dem Herrn der gute Wille dieses armen Weibes so wohlgefällig gewest, daß er das schlechte und wenige Heu nicht hat[173] wollen umsonst lassen ausgeben, sondern sie derenthalben als eine Fundaterin des ganzen Tempels geoffenbaret.


Nichts umsonst.


Petrus hat die ganze Nacht gefischt, hat gearbeitet von 8 bis auf 9, aber umsonst. Von 9 hat er sich bemühet bis auf 10, aber umsonst. Von 10 bis auf 11 hat er sich beflissen, aber umsonst. Von 11 bis auf 12 hat er das Netz gezogen, daß ihm die Arme wehe gethan, aber umsonst. Von 12 bis auf 1 hat er geschwitzt, daß kein trockner Faden an ihm verblieben, aber umsonst. Von 1 bis auf 2 hat er die Hände nie in den Sack geschoben, aber umsonst. Von 2 bis auf 3 hat er nicht einen Augenblick gefeiert, aber umsonst. Von 3 bis auf 4 ist er immerzu im Handel gewest, aber umsonst. Von 4 bis auf 5 hat er gar keine Mühe gespart, aber umsonst. Wie der Tag angebrochen, da hat Petrus gesehen, daß er die ganze Nacht gefischt, aber nichts gefangen, und also umsonst gearbeitet, das möchte einen recht verdrießen.

Es suchte auf eine Zeit ein wohlverständiger Geistlicher einen reichen Gesellen in seiner gefährlichen und zwar tödtlichen Krankheit heim, zeigt ein herzliches Mitleiden, daß er denselben in so schlechtem Stand muß sehen, sagt anbei, daß er bei solcher Lebensgefahr wollte meistens sich das Seelenheil lassen angelegen seyn, forderist aber denjenigen dasselbige Geld wiederum erstatten, welches er ihnen durch Wucher und mit höchstem Unfug abgedruckt; das nicht, antwortet der Kranke, das kann ich gar nicht thun; dann es würde solchergestalten meinen Kindern wenig[174] überbleiben, massen ich mich etlich und dreißig Jahr Tag und Nacht geplagt, bis ich das Wenige habe zusammen gebracht, womit die Kinder standesmäßig leben können. So wollt ihr dann, setzt hinwieder der Geistliche, wegen der Kinder ewig brennen, ewig im Feuer sitzen wegen der Kinder, die doch alle euere ausgestandene Arbeit und Fleiß im wenigsten werden vergelten? Nach vielen andern Reden sagt der Geistliche, weil der Kranke an einem Brustapostem gelitten, habe er von einem sehr berühmten Mediko vernommen, wie daß zur Erledigung nichts bessers sey für diesen Zustand, als eine ganz frische Menschenfeiste, und so es auch nur drei Tropfen wären. War demnach sein Rath, er wollte seine Kinder dahin bereden, daß eines oder das andere den Finger so lang über das Licht möchte halten, bis etwan dergleichen Tropfen möchte herunter schwitzen.

Der Kranke, aus Begier einer längern Lebensfrist, ruft den größern Sohn, und bittet den lieben Hans Karl, er wollte ihm doch dieses nicht abschlagen. Der aber schüttelte den Kopf, und nimmt Urlaub. Es soll der Franz Antoni kommen, das wird auch von ihm begehrt, aber solcher entschuldiget sich, er könne dergleichen Hitz nicht ausstehen. Was gilt es, die Mariandel wird mir es nicht abschlagen; die buckt sich höflich, es sey ihr nicht möglich, der Herr Vater soll in andern mit ihr schaffen, was er wollte. Nachdem die Kinder alle abgetreten, da zeigt ihm der Geistliche, was er für einen saubern Lohn um alle seine so lange häufige Arbeit von der Welt habe, ja nicht allein umsonst so viele Jahre sich bemühet, sondern[175] noch dafür die Hölle zu gewarten habe; dann keines aus allen den Kindern wolle seinetwegen nur Eine halbe Stund den Finger in das Licht halten, und er wolle ihretwegen ewig brennen, brennen ewig. Mit diesem hat er den elenden Tropfen wiederum auf den rechten Weg gebracht. O! wie oft und manchesmal muß man der Welt Etwas umsonst thun, aber Gott dem Herrn nicht das Geringste, ja so man seinetwegen nur einen Strohhalm von der Erde aufhebt, so läßt er solches nicht umsonst geschehen.

Die Kinder Israel mußten unter dem hartnäckigen König Pharao, indem Egypten wegen des wahren Gott, massen der Pharao ein Heid war, sehr viel leiden und ausstehen. Unter andern haben sie müssen fast alleweil mit großer Arbeit den Leim graben, Ziegel machen und Ziegel brennen, das war keine geringe Sache an sich selbst. Aber Gott wollte sie nicht lassen solches umsonst thun. Einstmals ging Moses auf eine Höhe, mit ihm Aaron, Nadab, Abiu und siebenzig Aelteste von Israel, und diese sahen den Gott Israel. Aber wie? Sie sahen unter ihm ein Steinwerk von lauter Saphir. Baradius verdollmetschet, daß sie eine unglaubliche Menge der Ziegelsteine unter den Füßen Gottes gesehen, so aber alle in lauter Saphir, in dieses kostbare Edelgestein verwandelt worden, wodurch ihnen Gott wollte andeuten, daß sie seinetwegen in Egypten nicht umsonst die Ziegelsteine gemacht, sondern solche seynd anjetzo in lauter Edelgestein verkehrt worden, und werde er ihre ausgestandene Arbeit tausend und tausendfältig belohnen.[176]

Zu Orleans lebte einer, der sich mit schlechtem Kram, den er meistens auf dem Arm in einem Korb herumgetragen, kümmerlich erhalten. Gleichwohl seynd ihm öfters die Gedanken kommen, daß er auch gern ein Weib hätte, zumal er den ganzen Tag mußte hausiren, und doch zu Haus niemand war, der ihm eine Suppe kochte. Weil ihm aber das Heirathen keine schlechte Sache dünkte, also hat er solches Werk ohne Gott auf keine Weise wollen anfangen, sondern dieses sein Vorhaben dem allerhöchsten befohlen, auch zugleich Gott dem Herrn versprochen, daß er ihm zu Ehren alles Geld, was er den ersten Tag nach der Hochzeit werde lösen, unter die armen Leute wolle austheilen. Es geschieht, daß gleich den ersten Tag nach der Hochzeit einer sich angemeldt, welcher den ganzen Kram zu kaufen Willens gewest. Der nagelneue Ehemann kratzte derenthalben hinter den Ohren; dann gedachte er, wann er alle seine Waaren, die doch nicht gar viel gewest, auf einmal hinweg gibt, so bleibe ihm gar nichts, massen das gelöste Geld, vermög seines Versprechens, den armen Leuten gehörig; gibt ers aber nicht, so handelt er nicht rechtlich mit seinem Gott. Endlich verläßt er sich auf Gott, in Erwägung, daß er sich gar nichts umsonst lasse thun, verkauft die Waaren, theilt die Lösung unter die Armen aus, ihm und dem Weib blieb nichts. Aber der Allerhöchste wollte nicht den Namen haben, daß ihm einmal einer hätte etwas umsonst gethan, belohnt alle Merces mit Mercede, fängt mit etlichen Gulden, die er zu leihen genommen, wiederum zu handeln an, und ist durch den Segen Gottes also beglückt[177] worden, daß er aus einem armen Krämerl, der sein ganzes Handelsgewölb auf dem Buckel getragen, nachmals ein Mann bei viel tausend und tausend gestorben.

Gott läßt sich gar nichts umsonst thun, er belohnt nicht allein das häufige Silber und Gold, welches der hl. Nikolaus den drei armen heirathsmäßigen Töchtern eingelegt, sondern auch den geringsten Pfenning, den man seinetwegen den armen Leuten gibt. Er belohnt nicht allein das strenge Fasten des hl. Joannis Baptistä, der sich nur mit Kräutern, Wurzeln und wildem Honig erhalten, sondern auch den allergeringsten Bissen, von dem sich jemand seinetwegen enthaltet. Er belohnt nicht allein das so langwierige eifrige Gebet des hl. Antonii, der alle Nacht in dem Gebet verharrt bis die Sonne ist aufgangen, sondern sogar auch das geringste Vater Unser, so zuweilen auch unaufmerksam verrichtet wird. Er belohnt nicht allein die große Geduld des Jobs, so er auf dem Misthaufen ausgestanden, sondern auch den allergeringsten Mückenstich, den jemand seinetwegen leidet. Er belohnt nicht allein die immerwährende Betrachtung des Leidens Christi in der heiligen Clara de Monte Falso, in deren Herzen nach dem Tod alle Instrumente des Leidens Christi angetroffen, sondern auch so jemand nur den Hut ruckt vor einem Kruzifix. Er belohnt nicht allein die häufigen Zäher Magdalenä, mit denen sie auch den Füßen des Heilandes ein Bad zugericht, sondern er belohnt auch den allergeringsten andächtigen Seufzer.


[178] Nichts umsonst.


Rar und selten ist der Recompens auf der Welt; wenig seynd zu zählen, welche sich also dankbar einstellen, wie der Kardinal Bessarius. Als diesem einst bei Fastnachtzeit der vermaskerte Antonius Jampanus mit dem Lautenschlag etliche Lobverse seiner Eminenz zugesellt, da hat der besagte Kardinal dem Reimdichter so viele Dukaten gespendirt, wie viele Verse er gesungen. Wie nachmals dieser Poet die Faschingskleider abgelegt, und in seinen gewöhnlichen Kleidern sich bei dem Kardinal wiederum eingefunden, sagt dieser dem Kampano: »Mein lieber guter Freund, wo seynd die Finger, mit denen du so viel Lügen von mir geschrieben?« nimmt ihn zugleich bei der Hand, und steckt ihm einen guldenen Ring an, so wegen des kostbaren Diamantsteins auf siebenzig Dukaten geschätzt worden. Wenig seynd wie die Bertha, Kaisers Henrici IV. Frau Gemahlin, welche eine Tagreise von der Stadt Padua von einem armen Bauernweib ein Kneil Garn zu schenken bekommen, so der Kaiserin dergestalten wohlgefallen, daß sie ihr zu einem Recompens so viel Grund erlaubt und geschenkt, wie viel sie mit diesem Faden kann umfangen, wovon dann das adeliche Haus Montagnona seinen Ursprung genommen und noch in großem Flor. Wenig seynd, die also die kleinen Gutthaten oder Gaben so reichlich bezahlen, massen der Dank dir Gott bei der Welt noch das erste Kleid anhat, und dieses noch nagelneu, denn es gar wenig strapazirt wird; Gott aber läßt sich gar nichts, gänzlich nichts umsonst thun.[179] Sogar vergilt ers auch den größten Sündern als seinen Feinden.

Lukas am 16. Kap. hat einen sehr üblen und lasterhaften Gesellen mit guten Farben entworfen, dieser war ein reicher Vogel und banquetirte die ganze Zeit, sein ganzer Wandel bestund in der Kandel, sein ganzes Leben war bei den Reben, als hätte ihm Essen und Trinken und anders gutes Leben sein Herr Vater zum Heirathgut geben, quotidie; und das war alle Tag. Am Montag war er rauschig, am Dienstag war er nicht nüchtern, am Mittwoch war er bezecht, am Donnerstag wohl zudeckt, am Freitag überschweint, am Samstag sternvoll, am Sonntag hat er gar nicht gewußt, was er thut. Solches schlemmerische Leben führte er etliche Jahre, bei ihm war nie kein Abgang, er war allezeit frisch und gesund, beim Adel in großem Ansehen, bei Kaufleuten lieb und werth, dann er verzehrte ein ehrliches Geld, bei Weibern nicht übel angesehen, dann vermuthlich er ohne dergleichen wildes Geflügelwerk nicht wird gewesen seyn; dann Lukas, der ehrbare Evangelist, nur schriftlich verfaßt, daß er Tag und Tacht in Prassen gelebt, das andere sey leicht in eine Konsequenz zu ziehen, zumal der Syllogismus in Frisisomorum mit dem in Barbara ziemlich kann vertragen. Bei der Nacht aber, da er zuvor dem Baccho ziemlich geopfert, befällt ihn ein gählinger Steckkatharr und dabei ein Accidens von einem Schlag, das hat ihm geschwind den Garaus gemacht, und ist er den geraden Weg zum Teufel gefahren. Der Kerl hat vorher nichts als Glück über[180] Glück gehabt, und hat wohl geheißen, je größer der Schelm, je besser das Glück.

Lazarus entgegen ein armer und elender Bettler hat vor der Thür des besagten reichen Prassers die äußerste Noth gelitten, sogar nicht können theilhaftig werden der Brößlein Brod, so von der Tafel dieses reichen Gesellen gefallen, er war von Männiglich verlassen, bis er endlich, Zweifelsohne vor großer Hungersnoth, gestorben, aber von den lieben Engeln gleich in den Schoos Abrahams getragen worden. Diesen hat der verdammte Gesell aus der Tiefe der Hölle erblickt, und demnach geschwind seine Stimm ganz flehentlich zu dem Vater Abraham erhebt, er wollte doch zulassen, daß Lazarus nur ihm einen einzigen Tropfen Wasser möchte spendiren. Abraham schlägt ihms rund ab, es kann nicht seyn, es wird nicht seyn, es soll auch nicht seyn: Fili recordate, sagt ihm die Ursache, daß er das Gute schon in der Welt empfangen: Recepisti.

Hugo Kardinalis legt diese Worte aus, als habe der reiche Mann seinen Lohn schon auf der Welt empfangen und eingenommen, dann ob er schon einen sehr lasterhaften und gottlosen Wandel geführt, so hat er doch etwan eines oder das andere gute Werk gethan, und solches das ewige Leben nicht verdient, so hat Gott ihm es mit zeitlichen Gütern und andern Wohlergehen belohnt. Dann Gott läßt sich von keinem etwas umsonst thun; auch Türken und Heiden belohnt wenigst auf dieser Welt, wann sie nur etwas gutes thun.

David hat sich selbst nicht ein wenig verwundert[181] über das Glück und Wohlergehen der bösen und gottlosen Leute, und beklagt sich schier dessen bei dem Allmächtigen, daß, je größer der Schelm, je besser das Glück. Quia celavi super iniquos, pacem peccatorum videns, in labore hominum non sunt etc. Ps. 72. Mit dem David thut manche nicht psalliren, sondern gar lamentiren, ich weiß nicht, sagt sie, wie doch Gott so seltsam, diese und diese hat nichts als gute Tage, bei ihr hängt der Himmel alle Tage voller Geigen, sie ist auf allen Seiten glückselig, daß ihr nicht gar die Ochsen kälbern, sonst wüßte ich nicht, was ihr möchte abgehen, sie hat was in ihr Herz verlangt, ich glaub, St. Felicitas sey ihr verwandt. Ich vermein, wann sie auch die Hausthür sollte verriegeln, so thät ihr das Glück beim Fenster einsteigen; unser eins aber ist so unglückselig, ich schaue ins Stübel oder Kübel, so finde ich nichts als Uebel. Es thät mich nicht wundern, wann ich erst ein leichtfertiges Leben thät führen, wie diese. Es ist halt noch wahr: »Je größer der Schelm, je besser das Glück.« O! halts Maul, da dich etc. Höre mich auch an.

Der große Patriarch Abraham, als er in das hohe Alter kommen, und bereits wahrgenommen, daß sein zeitliches Lebensende allgemach herzu nahe, hat wegen seiner zeitlichen Habschaft eine richtige Disposition gemacht, und zwar dergestalten, den Isaak als seinen rechten leiblichen Sohn hat er für einen Universalerben eingestellt, den andern Kindern aber, die er von den Kebsweibern erzogen, gab er Schenkungen.

Auf solchen Schlag und auf eben solche Weise[182] macht es der allmächtige Gott mit den Menschen, welche alle Kinder Gottes können benamset werden, massen er alle erschaffen, aber die gottlosen seynd unehrliche Kinder und gleichsam Bastarden. Nun aber macht der allerhöchste Gott alle frommen Christen als liebste Kinder zu Erben seines himmlischen Reiches, den gottlosen aber gibt er andere Schenkungen, weil sie keinen Theil an dieser Erbschaft haben, und diese Schenkungen bestehen in einer zeitlichen Glückseligkeit, daher kommt, daß mehrentheils die bösen und lasterhaften Leute im bessern Wohlstande leben als die frommen. Daher kommts, daß Türken und Heiden in weit größern Reichthümern sitzen, ein längeres und gesünderes Leben haben, als die wahren frommen und rechtgläubigen Christen. Daher kommts, daß mancher König und Monarch, der sonst eines unlöblichen Wandels, mit viel Glück, Segen, Viktori und Sieg von Gott begnadet wird, weil nemlich Gott der Herr ihm einige guten Werke mit zeitlicher Belohnung vergelten thut, zumal er vorsieht, daß er die ewige nicht zu gewarten hat. Wann du also wahrnimmst, daß je schlimmer der Mensch, je besser das Glück, so haben mehrere ein Mitleiden mit ihm, als daß du ihn derenthalben sollest beneiden, zumal er einen gar zergänglichen Recompens hat; wann du aber beinebens erfahrst, daß die frommen mit einer und andern Trübsal und Drangsal beladen werden, so thue dich auch dessenthalben nicht befremden, massen kein Mensch so fromm, daß er nicht einige kleine Unvollkommenheiten an sich hat, wessenthalben ihn Gott der Herr hier zeitlich straft, damit er ihn dort ewig verschone.


[183] Nichts umsonst.


Den Adam hat Gott der Herr mit lauter Obst und Kräutern traktirt, zumalen er ihm und den Seinigen keine andere Speis verordnet. Wie aber nach dem Sündfluß der Noe, dieser gerechte Alt-Vater, Gott dem Herrn einen Altar hat aufgericht, und ihm einige Opfer demüthigst abgelegt, so wollte ihm der Allerhöchste diesen Dienst gar nicht lassen umsonst thun, sondern er hat dem Noe alsobald völlige Gewalt geben, daß er hinfüro nicht allein Obst und Kräuter für seine tägliche Nahrung und Unterhaltung haben sollte, sondern ihm alles Fleisch, alles Feder-Wildpret, sogar auch alle Fisch zur Speis erlaubt. Also bezeugt es selbst die göttliche Schrift. Und also verdolmetscht es der heil. Chrysost. hom. 26.

Daß Herodes eine schlechte Sach theurer bezahlt und um einen Tanz eines üppigen Mägdleins ein halbes Königreich anerboten, wundert mich so fast nicht, weil er damals einen starken Dampf im Kopf gehabt, und vor dem Wein nicht recht gewußt, was er thut. Wann es endlich geschehen wäre, und die saubere Tänzerin die Hälfte des anerbotenen Reichs hätte angenommen, glaube ich wohl, er hätte des andern Tags hinter den Ohren gekratzt; dann der Menschen Freigebigkeit sich so weit nicht einläßt: aber Gott läßt sich nichts umsonst thun, ja um ein Pferd hat er gar ein Kaiserthum gespendirt, welches schon über 400 Jahr florirt.

Rudolphus, Graf von Habsburg, ritt einst von der Jagd nach Haus, und traf einen Priester an, der mit dem höchsten Gut bei sehr unlustigem Wetter,[184] und schlüpfrigem Weg zu einem Kranken eilte in das nächst-gelegene Dorf, da ist er alsobald von dem Pferd herunter gestiegen, und den Priester (nachdem er das heilige Sakrament verehrt) mit diesen Worten angeredt: Es ist nicht recht, daß ich reite, und der Diener und Träger meines Herrn zu Fuß gehe. Gibt ihm, dem Priester, hierauf das Pferd, ja schenkt ihm solches gänzlich, und anbei ein Stück Geld zu dessen Unterhalt. Wie des andern Tags gedachter Graf Rudolph in dem Kloster Farre, zwischen Zürich und Baden gelegen, eine alt-erlebte Kloster-Frau, so seine Baas gewesen, heimgesucht, hat solche ihn aus einem prophetischen Geist mit diesen Worten bewillkommt: Ich verkündige euch, daß euch wegen dessen, was ihr gestern gethan, Gott und Heilige wohl wollen: und verspreche euch für eure Frömmigkeit und freiwilligen Gottes-Dienst, euch, sage ich, und euren Nachkömmlingen die höchste Ehr und Würde der Welt, und großen Reichthum. Guillimannus Habs. l. 6. c. 4. Der Ausgang dieser Prophezeiung ist bald darauf erfolgt, massen Rudolphus römischer Kaiser worden, und den Anfang gemacht der unsterblichen österreichischen Glori. Um ein Pferd ein Kaiserthum geben, das heißt ja nichts umsonst.


Nichts, gar nicht umsonst.


Zachäus ein Erz-Patiten-Macher, ein Ober-Haupt der Wucherer, ein offner Sünder, einer, der den Stylum reich zu werden, vor allem gelernet (verstehe stihl um), hat weiters nichts Guts gethan in seinem ganzen Leben, als daß er den Herrn Jesum in sein Haus, hat willfährig aufgenommen, und selben nach Möglichkeit[185] traktirt: Aber der gütige Herr und Heiland wollte die Zech von Zachäo nicht umsonst haben, sondern hat ihm solche übermäßig bezahlt, massen Er ihn samt dem ganzen Haus-Gesind zum wahren Glauben bekehrt, auch nach dem heiligen Jakob der vierte Bischof zu Jerusalem worden, und wird von ihm als einem Heiligen den 23. Tag August-Monat in dem Römischen Martyrologio Meldung gethan. Der Baum, auf welchen er gestiegen, damit er den Heiland wegen Menge des Volks desto bequemer konnte sehen, soll noch auf heutigen Tag stehen, wie es Mantegazza beschreibt. Gott läßt sich halt gar nichts umsonst thun.

Die selige Theresia de la Cerda pflegte diejenige Altar-Leinwath, worauf die allerheiligsten Hostien gelegt, und insgemein das Korporal genennt wird, mit sonderm Fleiß zu waschen. Wann sie nun dieselben an der Sonne, oder sonst auf eine andere Weis trocknete, so wich sie niemal davon, sondern thäte auf das genaueste verhüten, damit weder Fliegen noch Mucken dasselbe möchten besudlen. Soll dann dieses auch belohnt werden von Gott? Massen es gar eine geringe Arbeit, eine halbe Elle Leinwath zu waschen.


Nichts umsonst.


Es erschiene ihr der liebreichste Jesus in Gestalt eines kleinen holdseligsten Kinds, setzt sich auf das Korporal, ja wicklet sich endlich ganz darein. P. Joan. Mar. in Histor. ad St. Domini. Das heißt belohnt, das heißt freilich belohnt. Ei! so will ich füran Gott allein zu dienen, ihm mit Franzisko Seraphiko den Schweiß aufopfern, Er belohnet einen[186] derenthalben tausend und tausendmal, Er läßt sich gar nichts umsonst thun. Aber die Welt pflegt meistens die ihr oft und lang treu-geleisteten Dienst mit des Teufels Dank zu bezahlen.

Quelle:
Abraham a Sancta Clara: Judas der Erzschelm für ehrliche Leutߣ. Sämmtliche Werke, Passau 1834–1836, Band 6, S. 158-187.
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