Sechster Tag.

[86] Am Morgends nach dem einer den andern erwecket, sassen wir ein weil zusammen, vns zuersprachen, [Rand: Vermuthungen / über den / Ausgang] was doch darauß werden wurde: Dann etliche hielten darfür, sie wurden alle mit einander wider lebendig. Etliche widersprachens: Denn es musten der Alten vndergang den Jungen nicht allein daß Leben, sonder auch die vermehrung widergeben. Etliche meineten, sie weren nicht ertödtet, sondern andere an jr statt enthauptet worden. Wie wir nun vns zimlich lang miteinander besprachet: Kompt der alte Mann daher, grüßt vns, vnd besihet, ob alle sachen fertig, vnd den Processen gnug beschehen: da wir vns dann dermassen verhalten, daß [Rand: der Wächter ist mit / dem Fleiß / der Gäste / zufrieden] er vnsern fleiß hatt müssen passieren lassen, rüstet deßwegen alle Gläser zusammen, vnd stellet sie in ein Futer. Bald kommen etliche Jungen, die bringen mit sich etliche Leytern, Seyler, vnd grosse Flügel, die legten sie vor [Rand: Knaben / bringen / Leiter / Seile vnd /Flügel] vns nider, vnnd giengen darvon: Der Alte fieng an: Ihr liebe Söhn, dieser dreyen stuck eines muß jeder diesen Tag bey sich stettigs tragen, so stehet es euch nun frey, wolt jhr eins erwehlen, oder soll man darumb losen: wir sprachen wir wolten wehlen, Nein antwortet der Alte, es muß durchs Loß sein. Hiemit machet er drey Brieflin, [Rand: darüber / wird geloset] auff daß ein, schrieb er Leyter, auff das ander Seyl, auff das dritt Flügel. Die legt er in ein Hut, vnnd[87] muste jeder ziehen, was jhme wurde, daß blieb jhm. Die Seyl vberkamen, meineten sie weren am besten daran, mir aber wurde ein Leyter, welches mich hefftig betrübet, dann sie war zwölff Schuch lang, vnnd zimlich schwer, die muste ich auff mich nemen, die andern kundten jhre Seyl geschmeidig vmb sich wicklen, so machte der Alte den dritten die Flügel so artlich hinan, als ob sie ihnen da gewachsen weren. Hiemit zog er einen Hanen für, da lieff der Brunn nimmer, vnnd musten wir ihn auß den mitteln hinweg raumen. Nach dem auch alles außgetragen worden, nam er das Kästlein mit den Gläsern mit sich, nam Vrlaub, vnnd beschloß die Thür hinder jhm starck zu, daß wir also nicht anderst meineten, dann [Rand: sie steigen / in ein /obers / Gemach] wir weren in diesem Thurn gefangen. Aber es stund kein viertel stund an, da wurde zu obrist ein rund Loch auffgedeckt, da ersahen wir vnsere Jungfraw, die rieff vns zu, gab vns ein guten Tag, mit begeren, wir wolten hinauffkommen. Die mit den Flügeln waren geschwind durch das Loch hinauff, so sahen wir andere auch wozu vnser Leytern gut weren, Allein die mit jhren Seylern waren vbel daran. Dann so bald vnser einer heroben war, wurd jhm befohlen die Leyter an [Rand: Das Seyl / macht / Schwierigkeit] sich zu ziehen. Endlich wurde jedem sein Seyl an einen Eysenen Hacken gehenckt, da muste jeder am Seyl selbsten herauffklettern, so gut er kundt, welches warlich ohne Blattern nit zugieng. Wie wir nun also alle heroben, wurde das Loch wider zugedeckt, vnnd wir von der Jungfrawen freundlich empfangen. Dieser Saal war so groß als der Thurn, hatte Sechs schöner Zellen, ein wenig höher als der Saal, dahin muste man durch drey [Rand: Beschreibung der / Zellen] Stafflen auffsteigen. In diese Zellen wurden wir außgetheilt, daselbsten für das Leben der König vnd Königin zu bitten. Dieweil gieng die Jungfraw in dem Thürnlin a. auß vnd ein, biß wir fertig wurden. Dann so bald wir vnsere Proceß absolvieret, wurde durch das kleine Thürlein von zwölff Personen (so zuvor vnsere[88] Musicanten waren) ein wunderlich langlecht ding in die mitten gestelt, welches meine Gesellen nur für einen Brunnen hielten: Ich aber mercket wol, daß die Leichnam darinnen lagen. Dann es war der vnder Kast ein Quartal figur, groß daß sechs Personen auffeinander wol ligen kundten. Hierauff giengen sie wieder hinauß, holeten jhre Instrumenta, vnnd begleyteten vnser Jungfraw, sampt jhren Dienerin mit lieblicher Music herein. Die Jungfraw trug ein klein Kästlin, die andere aber lauter Zweig, vnd kleine Ampelen, etliche auch angezünd Facklen: Alsbald wurden vns die Facklen in die Händ gegeben, [Rand: Ordnung / des Chors] vnd musten wir dero gestalt vmb den Brunnen herumb stehen. Erstlich stund die Jungfraw A. mit jhren Dirnen im ring herumb mit den Amplen, und Zweigen c. Darnach stunden wir mit den Fackeln b. darnach die Musicanten a. in der lenge hinab, endlich die andere Jungfrawen d. auch in der lenge.


Sechster Tag

Wa nun solche Jungfrawen herkamen, oder ob sie im [Rand: Jungfrawen, / ungewiß / woher] Thurn gewohnet, oder ob sie bey Nacht dahin geführt worden, weiß ich nicht, dann jhre Angesichter waren alle mit weissem zartem Tuch bedeckt, daß ich keine kandte. Hiemit öffnet die Jungfraw das Trüchlin, da war es ein [Rand: öffnen ein / Kästchen] rund ding in ein grün Doppeldaffet eingewicklet, diß leget sie in das obere Kesselin, vnd decket es wieder mit einem Deckel zu, so voller löchlin war, vnd doch einen Ranfft hatte, darauff goß sie etliche der Wasser hinein, so wir gestern präpariert hatten, davon der Brunn alsbald anfieng zulauffen, vnnd doch vier Röhrlein wider in das Kesselein trieben, vnderen dem vnder Kessel aber hatte es viel spitz, dahin steckten die Jungfrawen jhre Ampeln, daß also die hitz an den Kessel kam, vnnd das Wasser siedent macht. So nun daß Wasser wallet, hatte es bey a viel Löchlin, davon es hinein auff die Leichnam[89] fiele, vnnd war es so hitzig, daß es allen Leichnam solvieret vnd zum liquor machet. Was aber das obere runde eingewickelte ding sey gewesen, wissen meine Gesellen noch nit. Ich aber verstund, daß es deß Mohren Kopff were, von dem die Wasser solche große hitz empfiengen. Bey b. vmb den grossen Kessel herumb, hatte es abermal viel Löcher, darein steckten sie jhre Zweigen, ob nun solches vonnöhten, oder nur zur Ceremoni geschehen, [Rand: Lorbeerzweige] weiß ich nicht, gleichwohl sein solche Zweig jmmer von dem Brunnen besprützt worden, von dannen es hernach etwas gelblicher in den Kessel getropffnet: Diß weret nun fast auff zwo stund, daß der Brunn von jhm selber noch jmmerdar lieff, jedoch wurde er je lenger [Rand: Zeitvertreib im / Zimmer] je schwecher: Hiezwischen tratten die Musicanten ab, vnd spatzierten wir in dem Saal hin vnd wider, vnd zwar war der Saal dermassen beschaffen, daß wir gelegenheit genug hatten vns die weil zuvertreiben, da war an Bildern, Gemählen, Vhrwercken, Orgelen, Springende Brünnlein, vnnd dergleichen, nichts vergessen: Nun war es auch an dem, daß der Brunn sein end nam, vnd wolt nimmer lauffen: Deßwegen hieß die Jungfraw ein runde Guldene Kugel bringen. Zu vnderst aber deß Brunnens war ein Zapff: Durch den ließ sie alle Materi so sich durch solch hitzig tropffen solviert, in die Kugel, dessen dann etlich maß waren, sehr Roht: Daß ander Wasser so obrist noch in dem Kessel blieb, schüttet man auß. Vnd wurde also dieser Brunn (der [Rand: Schwehre / des / Wassers] nun vmb viel leichter worden) wieder hinauß getragen. Ob nun solcher daraussen eröffnet worden, oder ob etwas weiters von Leichnamen nutzlichs geblieben, darff ich nit eygendlich sagen, daß weiß ich aber, daß das Wasser, so in die Kugel empfangen worden viel schwerer gewesen, dann das sie vnser Sechs oder noch mehr hetten können ertragen: Wiewol sie der grösse nach einem Mann nicht hette sollen zu schwer sein. Wie nun auch diese Kugel mit mühe zur Thüren hinauß kommen:[90] Sassen wir abermal alleine. Weil ich nun mercket, das man ob vns gienge, sahe ich mich nach meiner [Rand: der Verf. / allein / weiß, was / vorgeht] Leyter umb, Hie hette einer wunderliche opinionen meiner Gesellen vber diesen Brunnen gesehen. Dann weil sie nicht anderst meineten, dann die Leichnam legen im Schloßgarten, wusten sie sich in solch laborieren nicht zu richten, Ich aber dancket Gott, daß ich zu so gelegener zeit gewachet, vnd gesehen, welches mir in allem der Jungfrawen thun besser zuhalffe. Nach einer [Rand: steigt mit / seinen / Mitgästen / in ein / oberes / Zimmer] viertel stund ward aber der Deckel oben abgehebt, vnd vns befohlen hinauff zukommen, das geschah wie zuvor, mit Flügeln, Leytern vnd Seylen. Vnnd verdroß mich nicht wenig, daß die Jungfrawen einen andern weg kondten hinauff kommen, wir vns so bemühen musten, kondte doch wol erachten, es were hiemit etwas besonders, vnnd musten wir dem alten Mann auch etwas zu thun lassen. Dann auch jenen jhre Flügel nichts nutzten: Dann wann sie solten durchs Loch hinauff kommen, wie wir nun auch das vberstanden, vnnd daß Loch beschlossen worden, sahe ich die Kugel mitten in dem Saal an einer starcken Ketten hangen: In diesem Saal war nichts dann lauter Fenster, vnd allweg zwischen [Rand: dessen / Beschreibung] zweyen Fenstern eine Thüre. Diese bedeckt anders nichts dann ein grossen polierten Spiegel, Vnd waren diese Fenster vnnd Spiegel so opticè gegen einander gericht, das ob wol die Sonne (so dazumal vber die maß hell schiene) nur ein Thüre traff. War doch (nach dem die [Rand: ein optisches / Kunststück] Fenster gegen der Sonnen geöffnet, vnnd die Thüren vor den Spiegeln auffgezogen worden) in dem gantzen Saal, an allen orten, nichts dann Sonnen, die traffen durch künstliche Refraction alle die Guldene Kugel, so in der mitten hieng, vnnd weil dieselbe ohne dz hell poliert war, gab sie ein solchen glantz, dz unser keiner die Augen kundt auffthun. Musten deßwegen zun Fenstern außschawen, biß die kugel wol erhitzet, vnd zu begertem effect gebracht würde. Hie darf ich wol sagen, ich hab[91] [Rand: wunderbare / Spiegel] an diesen spiegeln, dz wunderbarlichst außsehen gesehen, so jemalen die Natur ans Liecht gebracht, dann es waren in allen Orten Sonnen, so schein die Kugel in der mitten noch heller, daß wir sie so wol als die Sonn selbsten kein Augenblick erleiden kundten. Endlich hieß die Jungfraw die Spiegel wieder zubeschliessen, die Fenster fürzumachen, vnnd also die Kugel wider ein wenig erkülen zulassen, vnd diß geschah umb sieben Vhr. Dauchte vns deßwegen gut, weil wir jetzmals Vacantz haben kondten, [Rand: philosophisches / Frühstück] vns mit dem Frühstück ein wenig zuerlaben. Diese Tractation war abermal recht Philosophisch, vnnd hatten wir vns keiner nötigung zur vnmäßigkeit zubefahren, doch hatten wir keinen mangel, So machte vns die Hoffnung künfftiger Frewd (deren vns die Jungfraw stettigs vertröstet) so lustig, daß wir keiner arbeit oder vngelegenheit achteten. So kan ich auch meinen Gesellen so hohes Stands diß mit Warheit nach sagen, daß sie sich nach jhrer Küchin oder Tafel niemahlen gesinneten, sondern jhr Wolgefallen war allein solcher Abentheurlichen Physic bey zuwohnen, vnnd hier ausser deß Schöpffers Weißheit vnnd Allmacht zu bedencken. Nach eingenommenem Imbiß, rüsteten wir vns wieder zur Arbeyt, dann die Kugel war gnugsam erkület. Die musten wir mit mühe vnd arbeyt von der Kettin auff den Boden heben. Nun [Rand: Theilung / der Kugel] war die disputation, wie wir die Kugel möchten von einander bringen, dann vns war befohlen, selbige mitten von einander zuschneiden. Endlich muste ein spitziger Demant das best thun. Wie wir nun die Kugel also eröffnet, war nichts rohts mehr vorhanden, sondern ein schön grosses schneeweisses Ey: Das frewet vns zum höchsten, daß es so wol gerahten. Dann die Jungfraw besorget jmmer die Schalen wurde vielleicht noch zu [Rand: ein weisses / Ey] weich sein. Wir stunden vmb diß Ey herumber mit frewden, als ob wirs selbst gelegt hetten. Aber die Jungfraw ließ es bald hinauß tragen, wich auch selbsten wieder von vns vnnd beschloß die Thür, wie allwegen,[92] zu. Was sie aber darauß mit dem Ey gemacht, oder ob etwas heimlichs mit jhm fürgenommen worden, weiß ich nit, glaub es auch nit. Doch musten wir abermal ein viertel stund bey einander Pausieren, biß das dritte loch eröffnet wurde, vnnd wir auff den vierdten Stock [Rand: sie steigen / ins 4. /Stockwerk] oder Boden durch vnsere Adjumenten kamen. In diesem Saal funden wir ein grossen kupfferin Kessel, mit gelbem Sand gefüllet, der wurde mit einem schlechten Fewrlin erwärmet, nachmalen das Ey darein verscharret, daß es darinnen vollends maturierte: Dieser Kessel war viereckend, Auff der einen seiten stunden diese zween verß mit großen Buchstaben geschrieben.


O. BLI. TO. BIT. MI. LI.


KANT. I. VOLT. BIT. TO. GOLT.


Auff der andern Seiten waren diese drey Wörter.


SANITAS. NIX. HASTA.


Die dritte hat mehr nit als diß einig Wort.


F. I. A. T.


Aber zu hinderst stund ein gantze Inscription, Also lautend:


QUOD.


Ignis : Aër : Aqua : Terra :

SANCTIS REGUM ET REGINARUM NOSTR:


[93] Cineribus.


Eripere non potuerunt.

Fidelis Chymicorum Turba.

IN HANC URNAM


Contulit.

Aὁ.


Sechster Tag

Ob nun hierdurch der Sand, oder das Ey gemeinet, gib ich gelehrten Leuten zu disputieren. Ich thue doch das meinig, vnnd lasse nichts vnangezeigt. Nun vnser Ey war fertig, vnnd wurde außgenommen. Es bedorfft [Rand: ein junger / unbefiederter Vogel] aber keines auffbickens, dann der Vogel so darinnen war, macht sich selbsten bald ledig, vnnd erzeigt sich gantz frewdig, doch sahe er sehr blutig vnnd vngestalt: Wir setzten jhn erstlich auff den warmen Sand, so befahle die Jungfraw, daß ehe jhm zu essen geben wurde, wir jhn zuvor wol anlegten, dann sonst wurde er vns allen gnug zu schaffen geben. Diß geschahe nun auch. [Rand: wird gebunden] Alsbald bracht man jhm zuessen, daß war gewiß anders nichts, dann der enthaupten Blut, mit präparierten [Rand: bekommt / das Blut / der enthaupteten / zu trinken] Wasser wieder diluiert. Darvon wuchß der Vogel vns vnder den Augen so sehr, daß wir wol sahen, warumb vns die Jungfraw vor jhm gewarnet. Er biß vnnd kratzet so feindlich umb sich, daß da er hette können einen seines gefallens haben, wurde er bald mit jhm fertig gewesen sein. Nun war er gantz schwartz vnd wild, deßwegen wurde jhme andere Speise gebracht: vielleicht eines anderen Königlichen Personen Blut, darvon[94] fielen jhme alle seine schwartze Federn wider auß, [Rand: wird von / dem Blut / eines / andern / zam] vnd wuchsen an statt andere schneeweisse Federn, so war er auch etwas zamers, vnd ließ besser mit sich umbgehen, doch traweten wir jm noch nit. Von der dritten speise fiengen jhm an seine Federn gefarbet zu werden. so schön, dz ich mein Lebtag von farben dergleichen nichts so schönes gesehen, so war er auch vber die maß zam, vnn thet sich so freundlich bey vns zu, dz wir auß [Rand: und / los gefallen] bewilligung der Jungfrawen jhn der Gefengnuß erledigten. Nun ists billich fieng die Jungfraw an, daß weil durch ewern fleiß, vnd vnsers alten bewilligung dem Vogel sein Leben vnnd höchste perfection gegeben, daß er von uns auch in frewden eingeweyhet werde: Hiemit [Rand: der Gäste / Erholung] befahl sie, daß Mittagmal auff zutragen, vnd vns wider zu erholen, weil nunmehr das sorglichst werck vorüber vnd sich auch gebürte vnserer gehabten arbeyt anfangen zu geniessen. Wir fiengen vns an vnder einander selbsten lustig zumachen: Hatten doch noch alle vnsere Trawrkleyder an, welches vns zur Frewde etwas spöttlich bedauchte. Nun fraget die Jungfraw jmmer vnd jmmer, vielleicht zuerforschen, welchem vnder vns jhr zukünfftig vorhaben möchte dienstlich sein: Am meisten aber wars jhr vmbs schmeltzen zuthun, vnnd gefiel jhr wol, wo einer in feinen Handgriffen versiert, welche einem Künstler sonderlich wol anstehen. Diß Mittagessen werth lenger nit als drey viertel stund, daß wir doch mehrertheil mit vnserm Vogel zubrachten, dem musten wir stettigs von seiner Speiß zu essen geben. Er blieb aber jetzmahls als bey seiner grösse. Nach dem essen ließ man vns die Speiß nicht lang concoquieren, sondern nach dem die Jungfraw, sampt dem Vogel von vns geschieden, wurde vns der fünffte Saal eröffnet, [Rand: sie steigen / ins 5. / Stockwerk] dahin wir offt besagter weiß auch kommen, vnnd vnsere Dienst angebotten. In diesem Saal, war vnserem [Rand: baden den /Vogel] Vogel ein Bad zubereitet, diß wurde mit einem weissen Pulverlin also geferbet, daß es ein ansehen hatte, als[95] were es lauter Milch. Nun ward es erstlich kühl, da man den Vogel hinein setzet, dessen er wol zu frieden war, tranck darauß vnnd spielet kurtzweilig. Nach dem es aber von Ampeln so darunder gesetzt wurden, anfieng zu erwarmen, hatten wir zuschaffen, jhn im Bad zu erhalten, decketen deßwegen ein Deckel vber den Kessel. Vnd liessen jhm den Kopff durch ein Loch herauß ragen, biß er also in solchem Bad alle seine Federn verlohr, vnd so glat wurde, als ein Mensch, noch schadet jhm die hitz weiter nichts: Welches mich schier wundert, dann es wurden auch in solchem Bad die Federn gantz verzehret, vnd von jhnen das Bad blaw geferbet. Endlich [Rand: der / angelegt / wird] liessen wir dem Vogel lufft, der sprang selbsten auß dem Kessel, vnnd war so glantzend glat, daß es ein Lust zusehen was. Weil er aber etwas wilds, musten wir jhm ein Band, sampt einer Ketten vmb dm Halß legen, vnd also in dem Saal auff vnd ab führen. Hiezwischen [Rand: Vom Bad / bleibt ein / Stein / zurück] wurde ein starck Fewr vnder den Kessel gemacht, vnnd daß Bad eingesotten, biß es gantz zu einem blawen Stein wurde, den namen wir herauß, stiessen jhn erstlich, darnach musten wir jhn auff einem Stein anreiben, vnnd endlich mit solcher Farb dem Vogel sein gantze Haut vbermahlen. Da war er noch wunderbarlicher anzusehen, dann er war gantz blaw, biß an den Kopff, der blieb weiß. Hiemit war auch vnser arbeyt auff diesem Stock verrichtet, vnd wurden wir (nach dem die Jungfraw mit jhrem blawen Vogel von vns geschieden) auff den [Rand: 6. Stockwerck] sechstes Stock durchs Loch gefordert: welches auch beschehen. Da wurden wir höchlich bekümmert: Dann in die mitten wurde ein Altärlin gestellet, allerdings, wie ich es oben in deß Königs Saal beschrieben. Darauff stunden die sechs ermelte stuck, vnd er selbs der Vogel, war der Siebend: Erstlich wurde jm das kleine Brünnlein fürgestelt, darauß tranck er, ein guten trunck. Darnach bicket er in die weisse Schlange, biß sie hefftig blutet. Diß Blut musten wir in ein Guldin Schalen[96] empfangen, vnd dem Vogel, der sich hefftig wegert, in den Halß hinab schütten, darauff steckten wir der Schlangen den Kopff in das Brünnlin, darvon wurde sie wider lebendig, vnd kroch in jhren todten Kopff hinein, daß ich sie lang nimmer sahe. Vnder deß beweget sich die Sphära immer fort, biß sie die begerte Conjunction machet. Alsbald schlug das Vhrlin eins: Hierauff geschahe aber ein Conjunction, da schlug das Glöcklin zwey. Endtlich wie die dritte Conjunction von vns observiert, vnd vom Glöcklin gemeldet wurde: Leget der arme Vogel seinen Kragen selbst demütig auff das Buch dar, vnd laßt jhm den Kopff von vnsern einem, so hierzu durchs Loß erwehlet worden, gutwillig abschlagen: [Rand: dem Vogel / wird der / Kopff abgeschlagen] Doch gab er keinen tropffen Bluts, biß er an der Brust geöffnet wurde, da sprang das Blut so frisch und hell daher, als ob es ein Rubinen Brünnlein wer: Sein todt gieng vns zu hertzen, vnnd kondten doch wol gedencken, es wurde vns mit einem blossen Vogel nicht geholffen sein, liessens deßwegen geschehen: raumeten das Altärlin ab, vnd halffen der Jungfrawen den Leib auff dem Altärlein mit Fewer (daß wurde von dem Liechtlein genommen) sampt dem beygehenckten [Rand: er wird / verbrennet] Täfelin zu Aschen verbrennen. Dieselbige nachmalen zu etlich malen reinigen, vnd in ein hültzerin Cypreßin Lädlein fleißig auffbehalten. Hie kan ich nicht verschweigen, [Rand: dem Verf. / widerfährt / ein Possen] was mir sampt noch dreyen für ein Poß widerfahren, nach dem wir also die Aschen fleißig auffgehebt, fengt die Jungfraw also an zureden. Liebe Herren, wir seind hie in dem sechsten Saal, vnd haben nit mehr als noch einen vor vns, damit sich vnser mühe endet, vnd wir wider nach vnserm Schloß, zuerwecken vnserer aller Gnädigst Herren vnd Frawen heimfahren werden. Nun möchte ich gleichwol wünschen, daß jhr alle zumal, wie jhr hie beyeinander seidt, euch hetten dermassen verhalten, daß ich euch köndte bey höchstgedachten vnsern König vnd Königin ruhm nachsagen,[97] vnd gebürende vergeltung erlogen hette mögen: weil aber ich vnter euch diese vier (hiemit deutet sie auff mich vnd noch drey) als faule und träge laboranten wider meinen Willen erfunden. Vnd sie doch nach meiner liebe gegen allen vnd jeden, nit begere zu wol verdienter Straff anzugeben: wolte ich doch, damit solcher Vnfleiß nicht gar vngestrafft bleibe, diß gegen jhnen fürnemen, daß sie allein von künfftiger siebender vnd allerherrlichster Action außgeschlossen wurden, vnnd es doch nachmalen bey Königlicher Majest. weiters nichts zu entgelten hätten. Wie mir nun auff solche red zu mut gewesen, gib ich andern zubedencken, dann die Jungfraw konte sich so ernstlich stellen, daß vns bald das Wasser vber die Körb lieff, vnd wir vns für die vnseligste vnter allen Menschen schetzeten. Hierauff ließ die Jungfraw durch der Dirnen eine (deren dann jmmerdar viel zugegen warn) die Musicanten holen, die musten vns mit solchem Spott vnd hon für die Thür mit Zincken hinauß blasen, daß sie selbsten vor lachen kaum blasen konten, sonderlich aber verdroß vns sehr, daß die Jungfraw so sehr vnsers weinen, Zorns vnnd Vngedult lachete, so mügen auch wol vnter vnsern Gesellen gewesen sein, die vns solch [Rand: gute Folgen / davon] vnglück gönneten. Aber es gieng anderst auß. Dann so bald wir für die Thür hinauß kamen, hiessen vns die Musicanten frölich sein, vnnd jnen den Schnecken hinauff nachfolgen, die führeten vns vber den siebenden [Rand: das 7. / Stockwerck] Boden vnter das Dach, da funden wir den alten Mann, den wir bißher nit gesehen, ob einem kleinen runden Oeffelein stehen. Dieser empfieng vns freundtlich, gratuliert vns auch von Hertzen, daß wir hierzu von der Jungfrawen erwölt worden, Nach dem er aber von vnsern eingenommenen schrecken vernommen, wolt jhm vor lachen schier der bauch zuknellen, das wir vns ab solchem glück so vbel gehebet. So lernet nun hierauß sprach er jhr liebe Söhn: Daß der Mensch nimmer weiß, wie gut es Gott mit jhm meinet. Vnter solchem Gespräch[98] kam auch die Jungfraw mit jhrem Schächtelein daher geloffen, welche nach dem sie vnser gnug gelachet, leret sie jhr Aschen in ein ander Geschirr auß, füllet das jhrig mit anderer Materi wider, mit vermelden, sie muste jetzmals den andern Künstlern etwas blawes für die [Rand: die Jungfr. / mit der / Fackel erscheint / wieder / geht mit /einigen in / das 7. / Stockwerck] Augen machen, wir solten dieweil dem alten Herren folgen, was er vns befehlen wurde, vnd an vorigem vnserm fleiß nit nachlassen. Hiemit scheidet sie von vns in den siebenden Saal, dahin sie vnsere Gesellen erfordert, was sie nun damit jhnen erstlich gemacht, kan ich nit wissen, dann es war jhnen nit allein zum höchsten auß zusagen verbotten, sondern auch wir dörfften geschäfften halben jhnen nit durch die Büne zusehen: Vnser Arbeit war diese: Die Aschen musten mir durch vnser [Rand: Neue / Arbeit des / Verf.] zuvor präpariert Wasser anfeuchten, daß sie gantz wie ein dünner Teig wurde. Darnach setzten wir die Materi vber das Fewr, biß sie wol heiß wurde. Von dannen [Rand: und der / übrigen im / 7. Stockwerck] gossen wir sie also heiß in zwey kleine Förmlin vnd Mödelin, vnnd liessens also ein wenig erkülen. (Hie hatten wir raum vnsern Gesellen ein weil durch etliche gemachte Spält zuzusehen, die waren nun auch ob einem Offen geflissen, vnd muste jeder mit einem Rohr selbsten das Fewr auffblasen, stunden also herumb blasend, das jhnen der Athem möchte außgangen sein, noch meineten sie wunder, wiewol sie für vns daran wären: Vnd diß blasen wäret so lang, biß vns vnser Alter wieder zur arbeit auffmahnet, daß ich also nit sagen kan, was hernacher beschehen.) Wir eröffneten die Förmlin, da waren es zwey schöne helle vnnd schier durch scheinende Bildlin, dergleichen Menschen Augen niemalen gesehen, ein Knäblin [Rand: zwey / 4 Zoll lange / Menschen] vnd Meydlein, Jedes nur vier zol lang, vnd daß mich am höchsten wundert, waren sie nit hart, sondern weich vnd Fleischin, wie ein anderer Mensch, doch hatten sie kein Leben, daß ich also gäntzlich glaub Fraw Venus Bilde werde auch auff solche Art gemachet worden sein. Diese Engelschöne Kindlein legeten wir erstlich auff zwey[99] Atlasin Küßelein, vnnd besahens ein gute weil, daß wir schier vber solchem zierlichen spectacul zu Lappen wurden. [Rand: trinken das / Blut des / Vogels] Der Alte Herr wehret vns ab, vnnd befahl jmmer ein Tröpfflein nach dem andern, von des Vogels Blut, so in das Guldin Schälein auffgefangen worden in der Bildlin Mund fallen zulassen, davon namen sie augenscheinlich zu, vnnd da sie zuvor schon klein gewesen waren sie jetzt der Proportz nach noch schöner, das billich alle Mahler hie hätten sollen sein, vnnd sich jhrer Kunst gegen diesem Geschöpff der Natur geschämbt haben. Nun fiengen sie an so groß zu werden, daß wir sie ab dem Küsselein heben, vnd auff einen langen Tisch, [Rand: sie sind / wunderschön] welcher mit weissem Samet bedecket worden, legen musten, so befahl vns auch der Alte, einen weissen zarten Doppeldaffet vber sie biß an die Brust zu decken, welches vns vmb vnaußsprechlicher schöne willen schier zu wider war, damit ichs aber kürtze, ehe wir daß Blut gar also verbraucht, waren sie schon in rechter erwachsener grösse, hatten Goldgelbe krause Haar. Vnd war das obgemeldte Venus Bild nichts gegen jhnen: Aber da war noch kein natürliche Wärme, oder Empfindligkeit, sonder Todte Bilder, doch Leblicher vnd Natürlicher Farb: vnd weil zubesorgen, sie wurden zu groß, wolte jhnen der Alte nichts mehr geben lassen, sonder decket jhnen mit dem Tuch vollends dz Gesicht, vnd ließ den Tisch rings umbher mit Fackeln bestecken (Hie muß ich den Leser warnen dz er diese Liechter nit für notwendig achte, dann es war deß Alten Intent allein dahin, daß wir nit mercken solten, wann die Seel in sie fuhre, wie wirs dann auch nit gemerckt hetten, wa ich die Flammen nit zuvor zweymalen gesehen hätte, doch ließ ich die andere Drey auff dem Glauben bleiben, so wuste der Alte auch nit, daß ich etwas mehrers gesehen). Hiemit hieß er vns auff [Rand: sie bekommen / Kleyder] einen Banck gegen den Tisch nider sitzen. Bald kommet auch die Jungfraw mit der Music, vnnd allem Apparat. Vnd trug zwey schöne weisse Kleyder, dergleichen[100] ich im Schloß niemalen gesehen, auch nit beschreiben kan, dann ich meinet nit anders, denn es were lauter Christall, Aber es war weich vnnd nit durchscheinig. Daß ich also darvon nit reden kan. Die leget sie auff einen Tisch nider, vnd nach dem sie jhre Jungf. auff den Banck herumb geordnet, fangen sie vnd der Alte umb den Tisch herumb viel gauckelwercks an, welches vns nur zur blendung geschehen, diß geschahe [Rand: die Zuschauer / werden getäuscht] wie gesagt, vnter dem Dach, daß war so wunderlich formieret. Dann es gab inwendig sieben halber gewölbter Kuglen, deren die mitten etwas höhers war, [Rand: sonderbares Dach] vnd hatte zu obrist ein klein rund loch, welches doch beschlossen gewesen, vnd von der andern keinem observiert worden. Nach vielen Ceremonien tretten sechs Jungfrawen hinein, deren jede trug ein grosse Possaun, die war mit grüner Liechtbrennender Materi als ein Krantz vmbwicklet. Deren eine empfieng der Alte, vnnd nach dem er zu obrist etliche Liechter weg geraumbt, jhnen auch die Gesichter auffgedeckt, setzet er der Posaunen eine dem Leichnam an den Mund, Also das daß ober [Rand: Gebrauch / der Posaunen] vnd weite theil gerade vber das erstgemelte Loch kam. Hie sahen meine Gesellen immer auff die Bilder, Ich aber hätt andere gedancken. Dann so bald das Laubwerck oder Krantz, am Rohr angezündet wurde, sahe ich zu obrist das Loch eröffnen vnd ein hellen Fewrstriemen, [Rand: (der eben / vom /Himmel / fuhr] durch das Rohr hinab schießen, vnd in den Leichnam fahren: Darauff wurde das Loch wider verdecket, vnnd die Posaun weggeraumbt, durch solchen bossen wurden meine Gesellen betrogen, daß sie meineten, daß Leben [Rand: die zwey / kleine / Menschen / werden / lebendig] wer dem Bilde, durch das Fewr deß Laubwercks herkommen) dann so bald er die Seel empfangen, that er die Augen auff vnd zu, doch beweget er sich nit fast: deß andern mals stellet er ein ander Rohr auff jhren Mund, zündet es aber an, vnnd wurde die Seel durchs Rohr herab gelassen, diß geschah, bey jedem dreymal, darauff wurden alle Liechter außgelescht, vnd hinweggenommen.[101] Die Sametin Decken deß Tischs vber jhnen zusammengeschlagen, auch alsbald ein Reyßbettlein auff geschlossen vnd zugerüst, darin also eingewicklet getragen, vnnd also nach dem sie auß der Decken genommen worden, [Rand: was im 7. / Stockwerck / vorgeht] fein neben einander geleget. Da sie mit fürgezogenen Vmbhängen ein gute weil geschlaffen, Nun war es auch zeit, daß die Jungfraw sehe, wie sich vnsere andere Künstler hielten: Die waren wolzumuht, dann wie mich die Jungfraw nachmahlen berichtet, musten sie in Gold laborieren: Welches wol auch ein stuck dieser Kunst, aber nit das fürnembst, nöttigst vnnd beste ist. Zwar hatten sie auch ein theil dieser Aschen, daß sie also anderst nit meineten, dann der gantze Vogel wäre umbs Golds willen angesehen, vnd muste also den entleibten daß Leben hierdurch wider gebracht werden) Daß belangend, fassen wir also in stillem da zuerwarten, wenn vnser Eheleuthe wurden erwachen, diß verzog sich etwann [Rand: die eingeschlafenen / Kleinen / werden / vom / Cupido / aufgeweckt] ein halbe stund. Dann jetztmals stellet sich der mutwillige Cupido wider ein, vnd nachdem er vns nacheinander salutiert, flog er zu jhnen vnter den Vmbhang, vexiert sie auch so lang, biß sie erwachen. Diß beschah bey jhnen mit grosser verwunderung, meineten auch anderst nit als ob sie von der stund an, da sie Enthauptet [Rand: es sind die / zuvor Enthaupteten] worden, biß anhero geschlaffen hätten, Cupido nachdem er sie erwecket, vnd sie beyde einander wider zu er kennen geben, machet sich ein wenig beseits, vnd ließ sie bede sich noch ein wenig besser erholen, trieb hiezwischen sein fatzwerck mit vns, vnd muste man jhm [Rand: sie werden / prächtig / angezogen] entlich die Music holen, vnd etwas frölichers seyn. Nicht lang hernach kommet die Jungfraw selber. Vnd nach dem sie den jungen Künig vnd Königin (so sich etwas mats befunden) vnderthänig salutiert, vnd die Hand geküst, bracht sie die bemelte zwey schöne Kleyder herbey, welche sie angezogen, vnd also herfürgetretten. Nun waren schon allbereit zwen schöner sessel, zubereitet: Darein setzten sie sich, vnnd wurden also von vns mit vnderthänigster[102] Reverentz gegrüst, dessen sich der König in eygener Person, [Rand: sie gehen / zu Schiff] auff das aller gnädigst bedancket, vnd hinwiderumb alle Gnad anerbotten: Nun war es allbereit vmb fünff Vhren, konten sich deßwegen nit lenger saumen, sonder so bald jmmer die fürnembste Sachen haben auffgeladen werden können: musten wir die Jungen Königlichen Personen den Schnecken hinab durch alle Thor vnnd Wacht hinauß biß zu dem Schiff geleiten. Darein setzten sie sich sampt etlichen Jungfrawen vnd der Cupidine, vnnd fuhren so schnell darvon, daß wir sie bald auß dem Gesicht verlohren, doch war man jhnen, wie ich berichtet worden, mit etlichen stattlichen Schiffen entgegen gezogen, daß sie also in vier stunden, etlich viel Meil Meers vberfahren: Nach fünff Vhren wurde den [Rand: Die Musicanten / folgen] Musicanten befohlen alle Sachen wider hinab auff die Schiff zutragen, vnd sich zur wegfart fertig machen. Weil aber solches etwas langsamer zugieng: Ließ der [Rand: Der Alte / läßt durch / seine Soldaten / helffen] Alte Herr erst seine verborgene Soldaten ein theil auß, die waren bißher im Wahl versteckt gewesen, daß wir keines war genommen, dabey ich vermerckt, daß solcher Thurn zum widerstandt wol versehen wäre. Nun diese Soldate waren mit vnserm plunder bald fertig, daß also weiter nichts mehr zu thun was, als zu nacht essen. Wie [Rand: Letzte / Mahlzeit] nun die Tisch allerdings zubereitet worden: Bringet vns die Jungfraw wider zu vnsern Gesellen da musten wir vns Warlich kläglich stellen, vnd das lachen verheben. Sie aber schmolleten jmmer zusammen, wiewol auch etliche mit vns mitleyden hätten, vber solchem Nachtessen [Rand: der Alte / läßt die / Gäste / nicht aufkommen] war der alte Herr auch bey vns, der war vns ein scharpffer Inspector. Dann keiner kundte nichts so weißlich fürbringen, er wuste es jhm entweder vmbzustossen, oder zu verbessern, oder auffs wenigst ein gute Lehr hierüber zugeben. Bey diesem Herren hab ich am meisten [Rand: sein Lob] gelernet, vnd wäre wol gut, daß sich jederman bey jhm zuthet, vnnd seiner Sachen warnemme, so würde es manchmal nicht so vngleich außschlagen.[103]

Nach eingenommenem nacht Imbiß führet vns der [Rand: er führt / die Gäste / in die / Kunstkammer] Alte Herr erst in seine Kunstkammern, so hin vnd wider auff den Pasteyen waren herumb, da sahen wir solch wunderbarliche Geschöpff der Natur, auch andere sachen, so Menschliche Vernunfft der Natur nachgethan, daß wir noch wol ein Jahr hätten gnug zusehen gehabt. Diß trieben wir dennoch beym Liecht lang in die Nacht hinein. Entlich weil wir auch schier mehr zu schlaffen dann viel frembds zusehen geneigt waren, wurden wir in Kammern eingelosiert, vnd hatten da in dem Wahl nit allein köstliche gutte Bett, sondern noch darzu vber die maß zierliche Kammern. Welches vns desto mehr wundert, warumb wir vns gestern hätten so leiden müssen. In solcher Kammer hätte ich gute ruh. Vnd weil ich mehrertheils sorgen ab war, wie auch von stettigem Arbeiten mich mühd befand, halff [Rand: Schlaff und / Traum / des Verf.] mir deß Meers stilles rauschen zu einem starcken vnnd sanfften Schlaff, denn ich an einem Traum von eylf Vhren an biß Morgens vmb acht Vhren Continuiert.

Quelle:
Johann Valentin Andreae: Chymnische Hochzeit: Christiani Rosenkreutz. Berlin 1913, S. 86-104.
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