[22] Wie Siegfried mit den Sachsen stritt.
Da kamen fremde Mären / in König Gunthers Land
Durch Boten, aus der Ferne / ihnen zugesandt
Von unbekannten Recken, / die ihnen trugen Haß:
Als sie die Rede hörten, / gar sehr betrübte sie das.
Die will ich euch nennen: / es war Lüdeger
Aus der Sachsen Lande, / ein mächtger König hehr;
Dazu vom Dänenlande / der König Lüdegast:
Die gewannen zu dem Kriege / gar manchen herrlichen Gast.
Ihre Boten kamen / in König Gunthers Land,
Die seine Widersacher / hatten hingesandt.
Da frug man um die Märe / die Unbekannten gleich
Und führte bald die Boten / zu Hofe vor den König reich.
Schön grüßte sie der König / und sprach: »Seid willkommen.
Wer euch hierher gesendet, / hab ich noch nicht vernommen:
Das sollt ihr hören lassen,« / sprach der König gut.
Da bangten sie gewaltig / vor des grimmen Gunther Mut.
»Wollt ihr uns, Herr, erlauben, / daß wir euch Bericht
Von unsrer Märe sagen, / wir hehlen sie euch nicht.
Wir nennen euch die Herren, / die uns hierher gesandt:
Lüdegast und Lüdeger, / die suchen heim euer Land.
Ihren Zorn habt ihr verdienet: / wir vernahmen das
Gar wohl, die Herren tragen / euch beide großen Haß.
Sie wollen heerfahrten / gen Worms an den Rhein;
Ihnen helfen viel der Degen: / laßt euch das zur Warnung sein.
[23] Binnen zwölf Wochen / muß ihre Fahrt geschehn;
Habt ihr nun guter Freunde, / so laßt es bald ersehn,
Die euch befrieden helfen / die Burgen und das Land:
Hier werden sie verhauen / manchen Helm und Schildesrand.
Oder wollt ihr unterhandeln, / so macht es offenbar;
So reitet euch so nahe / nicht gar manche Schar
Eurer starken Feinde / zu bitterm Herzeleid,
Davon verderben müssen / viel der Ritter kühn im Streit.«
»Nun harrt eine Weile / (ich künd euch meinen Mut),
Bis ich mich recht bedachte,« / sprach der König gut.
»Hab ich noch Getreue, / denen will ichs sagen:
Diese schwere Botschaft / muß ich meinen Freunden klagen.«
Dem mächtigen Gunther / war es leid genug;
Den Botenspruch er heimlich / in seinem Herzen trug.
Er hieß berufen Hagen / und andr' in seinem Lehn
Und hieß auch geschwinde / zu Hof nach Gernoten gehn.
Da kamen ihm die Besten, / so viel man deren fand.
Er sprach: »Die Feinde wollen / heimsuchen unser Land
Mit starken Heerfahrten; / das sei euch geklagt.
Es ist gar unverschuldet, / daß sie uns haben widersagt.«
»Dem wehren wir mit Schwertern,« / sprach da Gernot,
»Da sterben nur, die müssen: / die lasset liegen tot.
Ich werde nicht vergessen / darum der Ehre mein:
Unsre Widersacher / sollen uns willkommen sein.«
Da sprach von Tronje Hagen: / »Das dünkt mich nicht gut;
Lüdegast und Lüdeger / sind voll Übermut.
Wir können uns nicht sammeln / in so kurzen Tagen,«
So sprach der kühne Recke, / »ihr sollt es Siegfrieden sagen.«
[24] Da gab man den Boten / Herbergen in der Stadt.
Wie feind sie ihnen waren, / sie gut zu pflegen bat
Gunther der reiche: / das war wohlgetan;
Bis er erprobt an Freunden, / wer ihm zu Hilfe zög heran.
Der König trug im Herzen / Sorge doch und Leid.
Da sah ihn also trauern / ein Ritter allbereit,
Der nicht wissen konnte, / was ihm war geschehn:
Da bat er König Gunthern, / ihm den Grund zu gestehn.
»Mich nimmt höchlich wunder,« / sprach da Siegfried,
»Wie die frohe Weise / so völlig von euch schied,
Deren ihr so lange / mit uns mochtet pflegen.«
Zur Antwort gab ihm Gunther, / dieser zierliche Degen:
»Wohl mag ich allen Leuten / nicht von dem Leide sagen,
Das ich muß verborgen / in meinem Herzen tragen:
Steten Freunden klagen / soll man des Herzens Not.«
Siegfriedens Farbe / ward da bleich und wieder rot.
Er sprach zu dem Könige: / »Was blieb euch je versagt?
Ich will euch wenden helfen / das Leid, das ihr klagt.
Wollt ihr Freunde suchen, / so will ich einer sein
Und getrau es zu vollbringen / mit Ehren bis ans Ende mein.«
»Nun lohn euch Gott, Herr Siegfried, / die Rede dünkt mich gut;
Und kann mir auch nicht helfen / eure Kraft und hoher Mut,
So freut mich doch die Märe, / daß ihr so hold mir seid:
Leb ich noch eine Weile, / ich vergelt es mit der Zeit.
Ich will euch hören lassen, / was mich traurig macht.
Von Boten meiner Feinde / ward mir hinterbracht,
Mit Heerfahrten kämen / sie mich zu suchen hie:
Das geschah uns von Degen / in diesen Landen noch nie.«
[25] »Das laßt euch nicht betrüben,« / sprach da Siegfried,
»Sänftet eur Gemüte / und tut, wie ich euch riet:
Laßt mich euch erwerben / Ehre so wie Frommen,
Bevor eure Feinde / her zu diesen Landen kommen.
Und hätten dreißigtausend / Helfer sich ersehn
Eure starken Feinde, / doch wollt ich sie bestehn,
Hätt' ich auch selbst nur tausend: / verlaßt euch auf mich.«
Da sprach der König Gunther: / »Das verdien ich stets um dich.«
»So heißt mir eurer Leute / gewinnen tausend Mann,
Da ich von den Meinen / nicht mehr hier stellen kann
Als der Recken zwölfe; / so wehr ich euer Land.
Immer soll getreulich / euch dienen Siegfriedens Hand.
Dazu soll Hagen helfen / und auch Ortewein,
Dankwart und Sindold, / die lieben Recken dein,
Auch soll da mit uns reiten / Volker der kühne Mann;
Der soll die Fahne führen: / keinen Bessern trefft ihr an.
Und laßt die Boten reiten heim / in ihrer Herren Land;
Daß sie uns bald da sehen, / macht ihnen das bekannt,
So daß unsre Burgen / befriedet mögen sein.«
Der König hieß besenden / Freund und Mannen insgemein.
Zu Hofe gingen wieder, / die Lüdeger gesandt;
Sie freuten sich der Reise / zurück ins Heimatland.
Ihnen bot da reiche Gabe / Gunther der König gut
Und sicheres Geleit; / des waren sie wohlgemut.
»Nun sagt,« sprach da Gunther, / »meinen starken Feinden an,
Ihre Reise bliebe / besser ungetan;
Doch wollten sie mich suchen / hier in meinem Land,
Mir zerrännen denn die Freunde, / ihnen werde Not bekannt.«
[26] Den Boten reiche Gaben / man da zur Stelle trug:
Deren hatte Gunther / zu geben genug.
Das durften nicht verschmähen, / die Lüdeger gesandt.
Sie baten um Urlaub / und räumten fröhlich das Land.
Als die Boten waren / gen Dänemark gekommen,
Und der König Lüdegast / den Bericht vernommen,
Was sie am Rhein geredet, / als das ihm ward gesagt,
Seine übermütge Botschaft / ward da bereut und beklagt.
Sie sagten ihm, sie hätten / manch kühnen Mann im Lehn;
»Darunter sah man einen / vor König Gunthern stehn,
Der war geheißen Siegfried, / ein Held aus Niederland.«
Leid wars Lüdegasten, / als er die Dinge so befand.
Als die vom Dänenlande / hörten diese Mär,
Da eilten sie, der Helfer / zu gewinnen desto mehr,
Bis der König Lüdegast / zwanzigtausend Mann
Seiner kühnen Degen / zu seiner Heerfahrt gewann.
Da besandte sich von Sachsen / auch König Lüdeger,
Bis sie vierzigtausend / hatten und wohl mehr,
Die mit ihnen ritten / gen Burgundenland.
Da hatt auch schon zu Hause / der König Gunther gesandt
Zu seinen nächsten Freunden / und seiner Brüder Heer,
Womit sie fahren wollten / im Kriegszug einher,
Und auch mit Hagens Recken: / das tat den Helden not.
Darum mußten Degen / bald erschauen den Tod.
Sie schickten sich zur Reise: / sie wollten nun hindann.
Die Fahne mußte führen / Volker der kühne Mann,
Da sie reiten wollten / von Worms über Rhein;
Hagen von Tronje, / der mußte Scharmeister sein.
[27] Mit ihnen ritt auch Sindold / und der kühne Hunold,
Die wohl verdienen konnten / reicher Könge Gold.
Dankwart, Hagens Bruder, / und auch Ortewein,
Die mochten wohl mit Ehren / bei dem Heerzuge sein.
»Herr König,« sprach da Siegfried, / »bleibet ihr zu Haus:
Da mir eure Degen / folgen zu dem Strauß,
So weilt bei den Frauen / und tragt hohen Mut:
Ich will euch wohl behüten / die Ehre so wie das Gut.«
»Die euch heimsuchen wollten / zu Worms an dem Rhein,
Will ich davor bewahren, / daß sie euch schädlich sei'n:
Wir wollen ihnen reiten / so nah ins eigne Land,
Daß ihnen bald in Sorge / der Übermut wird gewandt.«
Vom Rheine sie durch Hessen / mit ihren Helden ritten
Nach dem Sachsenlande; / da wurde bald gestritten.
Mit Raub und mit Brande / verheerten sie das Land,
Daß bald den Fürsten beiden / ward Not und Sorge bekannt.
Sie kamen an die Marke; / die Knechte rückten an.
Siegfried der starke / zu fragen da begann:
»Wer soll nun der Hüter / des Gesindes sein?«
Wohl konnte nie den Sachsen / ein Heerzug übler gedeihn.
Sie sprachen: »Laßt der Knappen / hüten auf den Wegen
Dankwart den kühnen, / das ist ein schneller Degen:
Wir verlieren desto minder / durch die in Lüdgers Lehn:
Laßt ihn mit Ortweinen / hie die Nachhut versehn.«
»So will ich selber reiten,« / sprach Siegfried der Degen,
»Den Feinden gegenüber / der Warte zu pflegen,
Bis ich recht erkunde, / wo die Recken sind.«
Da stand bald in den Waffen / der schönen Sieglinde Kind.
[28] Das Volk befahl er Hagen, / als er zog hindann,
Ihm und Gernoten, / diesem kühnen Mann.
So ritt er hin alleine / in der Sachsen Land,
Wo er die rechte Märe / wohl bald mit Ehren befand.
Er sah ein groß Geschwader, / das auf dem Felde zog
Und die Kraft der Seinen / gewaltig überwog:
Es waren vierzigtausend / oder wohl noch mehr.
Siegfried in hohem Mute / sah gar fröhlich das Heer.
Da hatte sich ein Recke / auch aus der Feinde Schar
Erhoben auf die Warte, / der wohl gewappnet war:
Den sah der Degen Siegfried / und ihn der kühne Mann;
Jedweder auf den andern / mit Zorn zu blicken begann.
Ich sag euch, wer der wäre, / der hier der Warte pflag;
Ein lichter Schild von Golde / ihm vor der Linken lag;
Es war der König Lüdegast, / der hütete sein Heer.
Der edle Fremdling sprengte / herrlich wider ihn einher.
Nun hat auch ihn Herr Lüdegast / sich feindlich erkoren.
Ihre Rosse reizten beide / zur Seite mit den Sporen;
Sie neigten auf die Schilde / mit aller Macht den Schaft:
Da kam der hehre König / darob in großer Sorgen Haft.
Dem Stich gehorsam trugen / die Rosse pfeilgeschwind
Die Könige zusammen, / als wehte sie der Wind;
Dann mit den Zäumen wandten / sie ritterlich zurück:
Die grimmen Zwei versuchten / da mit dem Schwerte das Glück.
Da schlug der Degen Siegfried, / das Feld erscholl umher.
Aus dem Helme stoben, / als obs von Bränden wär,
Die feuerroten Funken / von des Helden Hand;
Da stritt mit großen Kräften / der kühne Vogt von Niederland.
[29] Auch ihm schlug Herr Lüdegast / manchen grimmen Schlag;
Jedweder auf dem Schilde / mit ganzer Stärke lag.
Da hatten es wohl dreißig / erspäht aus seiner Schar:
Eh die ihm Hilfe brachten, / der Sieg schon Siegfrieden war
Mit drei starken Wunden, / die er dem König schlug
Durch einen lichten Harnisch; / der war doch fest genug.
Das Schwert mit seiner Schärfe / entlockte Wunden Blut:
Da gewann König Lüdegast / einen traurigen Mut.
Er bat ihn um sein Leben / und bot ihm all sein Land
Und sagt' ihm, er wäre / Lüdegast genannt.
Da kamen seine Recken: / die hatten wohl gesehn,
Was da von ihnen beiden / auf der Warte war geschehn.
Er führt' ihn gern von dannen: / da ward er angerannt
Von dreißig seiner Mannen; / doch wehrte seine Hand
Seinen edeln Geisel / mit ungestümen Schlägen.
Bald tat noch größern Schaden / dieser zierliche Degen.
Die Dreißig zu Tode / wehrlich er schlug;
Ihrer einen ließ er leben: / der ritt da schnell genug
Und brachte hin die Märe / von dem, was hier geschehn;
Auch konnte man die Wahrheit / an seinem roten Helme sehn.
Gar leid wars dem Recken / aus dem Dänenland,
Als ihres Herrn Gefängnis / ihnen ward bekannt.
Man sagt' es seinem Bruder: / der fing zu toben an
In ungestümem Zorne: / ihm war gar wehe getan.
Lüdegast der König / war hinweggebracht
Zu Gunthers Ingesinde / von Siegfrieds Übermacht.
Er befahl ihn Hagen: / der kühne Recke gut,
Als er vernahm die Märe, / da gewann er fröhlichen Mut.
[30] Man gebot den Burgunden: / »Die Fahne bindet an.«
»Wohlauf,« sprach da Siegfried, / »hier wird noch mehr getan
Vor Abendzeit, verlier ich / Leben nicht und Leib:
Da betrübt im Sachsenlande / noch manches weidliche Weib.«
»Ihr Helden vom Rheine, / ihr sollt mein nehmen wahr,
Ich kann euch wohl geleiten / zu Lüdegers Schar.
Da seht ihr Helme hauen / von guter Helden Hand:
Eh wir uns wieder wenden, / wird ihnen Sorge bekannt.«
Zu den Rossen sprangen Gernot / und die ihm untertan.
Die Heerfahne faßte / der kühne Spielmann,
Volker der Degen, / und ritt der Schar vorauf.
Da war auch das Gesinde / zum Streite mutig und wohlauf.
Sie führten doch der Degen / nicht mehr denn tausend Mann,
Darüber zwölf Recken. / Zu stieben da begann
Der Staub von den Straßen: / sie ritten über Land;
Man sah von ihnen scheinen / manchen schönen Schildesrand.
Nun waren auch die Sachsen / gekommen und ihr Heer,
Mit Schwertern wohlgewachsen: / die Klingen schnitten sehr,
Das hab ich wohl vernommen, / den Helden an der Hand.
Da wollten sie die Gäste / von Burgen wehren und Land.
Der Herren Scharmeister / führten das Volk heran.
Da war auch Siegfried kommen / mit den zwölf Mann,
Die er mit sich führte / aus dem Niederland.
Des Tags sah man im Sturme / manche blutige Hand.
Sindold und Hunold / und auch Gernot,
Die schlugen in dem Streite / viel der Helden tot,
Eh sie ihrer Kühnheit / noch selber mochten traun:
Das mußten bald beweinen / viel der weidlichen Fraun.
[31] Volker und Hagen / und auch Ortwein
Löschten in dem Streite / manches Helmes Schein
Mit fließendem Blute, / die Kühnen in der Schlacht.
Von Dankwarten wurden / viel große Wunder vollbracht.
Da versuchten auch die Dänen / weidlich ihre Hand:
Von Stößen laut erschallte / mancher Schildesrand
Und von den scharfen Schwertern, / womit man Wunden schlug;
Die streitkühnen Sachsen / taten Schadens auch genug.
Als die Burgunden / drangen in den Streit,
Von ihnen ward gehauen / manche Wunde weit.
Über die Sättel fließen / sah man das Blut;
So warben um die Ehre / diese Ritter kühn und gut.
Man hörte laut erhallen / den Helden an der Hand
Ihre scharfen Waffen, / als die von Niederland
Ihrem Herrn nachdrangen / in die dichten Reihn:
Die Zwölfe kamen ritterlich / zugleich mit Siegfried hinein.
Deren vom Rheine / kam ihnen niemand nach.
Man konnte fließen sehn / den blutroten Bach
Durch die lichten Helme / von Siegfriedens Hand,
Eh er Lüdegeren / vor seinen Heergesellen fand.
Dreimal die Kehre / hat er nun genommen
Bis an des Heeres Ende; / da war auch Hagen kommen:
Der half ihm wohl vollbringen / im Kampfe seinen Mut.
Da mußte bald ersterben / vor ihnen mancher Ritter gut.
Als der starke Lüdeger / Siegfrieden fand,
Wie er so erhaben / trug in seiner Hand
Balmung den guten / und da so manchen schlug,
Darüber ward der Kühne / vor Zorn ingrimmig genug.
[32] Da gab es stark Gedränge / und lauten Schwerterklang,
Wo ihr Ingesinde / aufeinander drang.
Da versuchten desto heftiger / die beiden Recken sich;
Die Scharen wichen beide: / der Kämpen Haß ward fürchterlich.
Dem Vogt vom Sachsenlande / war es wohlbekannt,
Sein Bruder sei gefangen: / drum war er zornentbrannt;
Nicht wußt er, ders vollbrachte, / sei der Sieglindensohn,
Man zeihte des Gernoten; / doch bald befand er es schon.
Da schlug so starke Schläge / Lüdegers Schwert,
Siegfrieden unterm Sattel / niedersank das Pferd;
Doch bald erhob sichs wieder. / Der kühne Siegfried auch
Gewann jetzt im Sturme / einen furchtbaren Brauch.
Dabei half ihm Hagen / wohl und Gernot,
Dankwart und Volker: / da lagen viele tot.
Sindold und Hunold / und Ortwein der Degen,
Die konnten in dem Streite / zum Tode manchen niederlegen.
Untrennbar im Kampfe / waren die Fürsten hehr.
Über die Helme fliegen / sah man manchen Speer
Durch die lichten Schilde / von der Helden Hand;
Auch ward von Blut gerötet / mancher herrliche Rand.
In dem starken Sturme / sank da mancher Mann
Von den Rossen nieder. / Einander rannten an
Siegfried der kühne / und König Lüdeger;
Man sah da Schäfte fliegen / und manchen schneidigen Speer.
Der Schildbeschlag des Königs / zerstob vor Siegfrieds Hand:
Sieg zu erwerben dachte / der Held von Niederland
An den kühnen Sachsen; / die litten Ungemach.
Hei! was da lichte Panzer / der kühne Dankwart zerbrach!
[33] Da hatte König Lüdeger / auf einem Schild erkannt
Eine gemalte Krone / vor Siegfriedens Hand:
Da wußt er wohl, es wäre / der kraftreiche Mann.
Laut auf zu seinen Freunden / der Held zu rufen begann:
»Begebt euch des Streites, / ihr all mir untertan!
Den Sohn König Siegmunds / traf ich hier an,
Siegfried den starken / hab ich hier erkannt:
Den hat der üble Teufel / her zu den Sachsen gesandt.«
Er gebot die Fahnen / zu senken in dem Streit.
Friedens er begehrte: / der ward ihm nach der Zeit;
Doch mußt er Geisel werden / in König Gunthers Land:
Das hat an ihm erzwungen / des kühnen Siegfriedes Hand.
Nach allgemeinem Rate / ließ man ab vom Streit.
Viel zerschlagner Helme / und der Schilde weit
Legten sie aus den Händen; / so viel man deren fand,
Die waren blutgerötet / von der Burgunden Hand.
Sie fingen, wen sie wollten: / sie hatten volle Macht.
Gernot und Hagen, / die schnellen, hatten acht,
Daß man die Wunden bahrte; / da führten sie hindann
Gefangen nach dem Rheine / der Kühnen fünfhundert Mann.
Die sieglosen Recken / zum Dänenlande ritten.
Da hatten auch die Sachsen / so tapfer nicht gestritten,
Daß man sie loben sollte: / das war den Helden leid.
Da beklagten ihre Freunde / die Gefallnen in dem Streit.
Sie ließen ihre Waffen / aufsäumen nach dem Rhein.
Es hatte wohl geworben / mit den Gefährten sein
Siegfried der starke / und hatt es gut vollbracht:
Das mußt ihm zugestehn / König Gunthers ganze Macht.
[34] Gen Worms sandte Boten / der König Gernot:
Daheim in seinem Lande / den Freunden er entbot,
Wie ihm gelungen wäre / und all seinem Lehn:
Es war da von den Kühnen / nach allen Ehren geschehn.
Die Botenknaben liefen; / so ward es angesagt.
Da freuten sich in Liebe, / die eben Leid geklagt,
Dieser frohen Märe, / die ihnen war gekommen.
Da ward von edlen Frauen / großes Fragen vernommen,
Wie es den Herrn gelungen / wär in des Königs Heer.
Man rief der Boten einen / zu Kriemhilden her.
Das geschah verstohlen, / sie durft es wohl nicht laut:
Denn einer war darunter, / dem sie längst ihr Herz vertraut.
Als sie in ihre Kammer / den Boten kommen sah,
Kriemhild die schöne, / gar gütlich sprach sie da:
»Nun sag mir liebe Märe, / so geb ich dir mein Gold,
Und tust dus ohne Trügen, / will ich dir immer bleiben hold.
Wie schied aus dem Streite / mein Bruder Gernot
Und meine andern Freunde? / Blieb uns nicht mancher tot?
Wer tat da das Beste? / das sollst du mir sagen.«
Da sprach der biedre Bote: / »Wir hatten nirgends einen Zagen.
Zuvörderst in dem Streite / ritt niemand so wohl,
Hehre Königstochter, / wenn ich es sagen soll,
Als der edle Fremdling / aus dem Niederland:
Da wirkte große Wunder / des kühnen Siegfriedes Hand.
Was von den Recken allen / im Streit da geschehn,
Dankwart und Hagen / und des Königs ganzem Lehn,
Wie wehrlich sie auch stritten, / das war doch wie ein Wind
Nur gegen Siegfrieden, / König Siegmundens Kind.
[35] Sie haben in dem Sturme / der Helden viel erschlagen;
Doch möcht euch dieser Wunder / ein Ende niemand sagen,
Die da Siegfried wirkte, / ritt er in den Streit;
Den Fraun an ihren Freunden / tat er mächtiges Leid.
Auch mußte vor ihm fallen / der Friedel mancher Braut.
Seine Schläge schollen / auf Helmen also laut,
Daß sie aus Wunden brachten / das fließende Blut:
Er ist in allen Dingen / ein Ritter kühn und auch gut.
Da hat auch viel begangen / von Metz Herr Ortewein:
Was er nur mocht erlangen / mit dem Schwerte sein,
Das fiel vor ihm verwundet / oder meistens tot.
Da schuf euer Bruder / die allergrößte Not,
Die jemals in Stürmen / mochte sein geschehn;
Man muß dem Auserwählten / die Wahrheit zugestehn.
Die stolzen Burgunden / bestanden so die Fahrt,
Daß sie vor allen Schanden / die Ehre haben bewahrt.
Man sah von ihren Händen / der Sättel viel geleert,
Als so laut das Feld erhallte / von manchem lichten Schwert.
Die Recken vom Rheine, / die ritten allezeit,
Daß ihre Feinde besser / vermieden hätten den Streit.
Auch die kühnen Tronjer / schufen großes Leid,
Als mit Volkskräften / das Heer sich traf im Streit.
Da schlug so manchen nieder / des kühnen Hagen Hand,
Es wäre viel zu sagen / davon in der Burgunden Land.
Sindold und Hunold / in Gernotens Heer
Und Rumold der kühne / schufen so viel Beschwer,
König Lüdger mag es / beklagen allezeit,
Daß er meine Herren / am Rhein berief in den Streit.
[36] Kampf, den allerhöchsten, / der irgend da geschah,
Vom ersten bis zum letzten, / den jemand nur sah,
Hat Siegfried gefochten / mit wehrlicher Hand:
Er bringt reiche Geisel / her in König Gunthers Land.
Die zwang mit seinen Kräften / der streitbare Held,
Wovon der König Lüdegast / den Schaden nun behält
Und vom Sachsenlande / sein Bruder Lüdeger.
Nun hört meine Märe, / viel edle Königin hehr!
Gefangen hat sie beide / Siegfriedens Hand:
Nie so mancher Geisel / kam in dieses Land,
Als nun seine Kühnheit / bringt an den Rhein.«
Ihr konnten diese Mären / nicht willkommener sein.
»Man führt der Gesunden / fünfhundert oder mehr
Und der zum Sterben Wunden, / wißt, Königin hehr,
Wohl achtzig blutge Bahren / her in unser Land:
Die hat zumeist verhauen / des kühnen Siegfriedes Hand.
Die uns im Übermute / widersagten hier am Rhein,
Die müssen nun Gefangene / König Gunthers sein;
Die bringt man mit Freuden / her in dieses Land.«
Ihre lichte Farb erblühte, / als ihr die Märe ward bekannt.
Ihr schönes Antlitz wurde / vor Freuden rosenrot,
Da lebend war geschieden / aus so großer Not
Der weidliche Recke, / Siegfried der junge Mann.
Sie war auch froh der Freunde / und tat wohlweislich daran.
Die Schöne sprach: »Du machtest / mir frohe Mär bekannt:
Ich lasse dir zum Lohne / geben reich Gewand,
Und zehn Mark von Golde / heiß ich dir tragen.«
Drum mag man solche Botschaft / reichen Frauen gerne sagen.
[37] Man gab ihm zum Lohne / das Geld und auch das Kleid.
Da trat an die Fenster / manche schöne Maid
Und schaute nach der Straße, / wo man reiten fand
Viel hochherzge Degen / in der Burgunden Land.
Da kamen die Gesunden, / der Wunden Schar auch kam:
Die mochten grüßen hören / von Freunden ohne Scham.
Der Wirt ritt seinen Gästen / entgegen hocherfreut;
Mit Freuden war beendet / all sein mächtiges Leid.
Da empfing er wohl die Seinen, / die Fremden auch zugleich,
Wie es nicht anders ziemte / dem Könige reich,
Als denen gütlich danken, / die da waren kommen,
Daß sie den Sieg mit Ehren / im Sturme hatten genommen.
Herr Gunther ließ sich Kunde / von seinen Freunden sagen,
Wer ihm auf der Reise / zu Tode wär erschlagen.
Da hat er nicht verloren / mehr als sechzig Mann;
Die mußte man verschmerzen, / wie man noch manchen getan.
Da brachten die Gesunden / zerhauen manchen Rand
Und viel zerschlagner Helme / in König Gunthers Land.
Das Volk sprang von den Rossen / vor des Königs Saal;
Zu liebem Empfange / vernahm man fröhlichen Schall.
Da gab man Herbergen / den Recken in der Stadt.
Der König seine Gäste / wohl zu verpflegen bat;
Die Wunden ließ er hüten / und warten fleißiglich.
Wohl zeigte seine Milde / auch an seinen Feinden sich.
Er sprach zu Lüdegasten: / »Nun seid mir willkommen!
Ich bin zu großen Schaden / durch eure Schuld gekommen:
Der wird mir nun vergolten, / wenn ich das schaffen kann.
Gott lohne meinen Freunden: / sie haben wohl an mir getan.«
[38] »Wohl mögt ihr ihnen danken,« / sprach da Lüdeger,
»Solche hohe Geisel / gewann kein König mehr.
Um ritterlich Gewahrsam / bieten wir großes Gut
Und bitten, daß ihr gnädiglich / an euern Widersachern tut.«
»Ich will euch,« sprach er, »beide / ledig lassen gehn;
Nur daß meine Feinde / hier bei mir bestehn,
Dafür verlang ich Bürgschaft, / damit sie nicht mein Land
Räumen ohne Frieden.« / Darauf boten sie die Hand.
Man brachte sie zur Ruhe, / wo man sie wohl verpflag,
Und bald auf guten Betten / mancher Wunde lag.
Man schenkte den Gesunden / Met und guten Wein;
Da konnte das Gesinde / nicht wohl fröhlicher sein.
Die zerhaunen Schilde / man zum Verschlusse trug;
Blutgefärbter Sättel / sah man da genug;
Die ließ man verbergen, / so weinten nicht die Fraun.
Da waren reisemüde / viel gute Ritter zu schaun.
Seiner Gäste pflegen / hieß der König wohl;
Von Heimischen und Fremden / lag das Land ihm voll.
Er ließ die Fährlichwunden / gütlich verpflegen;
Wie hart war danieder / nun ihr Übermut gelegen!
Die Arzneikunst wußten, / denen bot man reichen Sold,
Silber ungewogen, / dazu das lichte Gold,
Wenn sie die Helden heilten / nach des Streites Not.
Dazu viel große Gaben / der König seinen Gästen bot.
Wer wieder heimzureisen / sann in seinem Mut,
Den bat man noch zu bleiben, / wie man mit Freunden tut.
Der König ging zu Rate, / wie er lohne seinem Lehn:
Durch sie war sein Wille / nach allen Ehren geschehn.
[39] Da sprach der König Gernot: / »Laßt sie jetzt hindann:
Über sechs Wochen, / das kündigt ihnen an,
Sollten sie wiederkehren / zu einem Hofgelag:
Heil ist dann wohl mancher, / der jetzt schwer verwundet lag.«
Da bat auch um Urlaub / Siegfried von Niederland.
Als dem König Gunther / sein Wille ward bekannt,
Bat er ihn gar minniglich, / noch bei ihm zu bestehn;
Wenn nicht um seine Schwester, / so wär es nimmer geschehn.
Dazu war er zu mächtig, / daß man ihm böte Sold,
So sehr er es verdiente. / Der König war ihm hold
Und all seine Freunde, / die das mit angesehn,
Was da von seinen Händen / war im Streite geschehn.
Er dachte noch zu bleiben / um die schöne Maid,
Vielleicht, daß er sie sähe. / Das geschah auch nach der Zeit:
Wohl nach seinem Wunsche / ward sie ihm bekannt.
Dann ritt er reich an Freuden / heim in seines Vaters Land.
Der Wirt bat, alle Tage / des Ritterspiels zu pflegen;
Das tat mit gutem Willen / mancher junge Degen.
Auch ließ er Sitz' errichten / vor Worms an dem Strand
Für die kommen sollten / in der Burgunden Land.
Nun hatt auch in den Tagen, / als sie sollten kommen,
Kriemhild die schöne / die Märe wohl vernommen,
Er stell ein Hofgelage / mit lieben Freunden an.
Da dachten schöne Fraun / mit großem Fleiße daran,
Gewand und Band zu suchen, / das sie da wollten tragen.
Ute die reiche / vernahm die Märe sagen
Von den stolzen Recken, / die da sollten kommen:
Da wurden aus dem Einschlag / viele reiche Kleider genommen.
[40] Ihrer Kinder halb bereiten / ließ sie Rock und Kleid,
Womit sich da zierten / viel Fraun und manche Maid
Und viel der jungen Recken / aus Burgundenland.
Sie ließ auch manchem Fremden / bereiten herrlich Gewand.