[215] Wie Werbel und Schwemmel die Botschaft brachten.
Als Etzel seine Fiedler / hin zum Rheine sandte,
Da flogen diese Mären / von Lande zu Lande:
Mit schnellen Abgesandten / bat er und entbot
Zu seinem Hofgelage; / da holte mancher sich den Tod.
Die Boten ritten hinnen / aus der Heunen Land
Zu den Burgunden, / wohin man sie gesandt
Zu dreien edeln Königen / und ihrer Mannen Heer,
Daß sie zu Etzeln kämen; / da beeilten sie sich sehr.
Zu Bechlaren ritten / schon die Boten ein.
Ihnen diente man da gerne / und ließ auch das nicht sein:
Ihre Grüße sandten / Rüdger und Gotelind
Den Degen an dem Rheine / und auch des Markgrafen Kind.
Sie ließen ohne Gaben / die Boten nicht hindann,
Daß desto sanfter führen, / die Etzeln untertan.
Uten und ihren Söhnen / entbot da Rüdiger,
Ihnen so gewogen hätten / sie keinen Markgrafen mehr.
Sie entboten auch Brunhilden / alles, was lieb und gut,
Ihre stete Treue / und dienstbereiten Mut.
Da wollten nach der Rede / die Boten weiter ziehn;
Gott bat sie zu bewahren / Gotlind die edle Markgräfin.
Eh noch die Boten völlig / durchzogen Bayerland,
Werbel der schnelle / den guten Bischof fand.
Was der da seinen Freunden / hin an den Rhein entbot,
Davon hab ich nicht Kunde; / jedoch sein Gold also rot
[216] Gab er den Boten milde. / Als sie wollten ziehn,
»Sollt ich sie bei mir schauen,« / sprach Bischof Pilgerin,
»So wär mir wohl zumute, / die Schwestersöhne mein:
Ich mag leider selten / zu ihnen kommen an den Rhein.«
Was sie für Wege fuhren / zum Rhein durch das Land,
Kann ich euch nicht bescheiden. / Ihr Gold und ihr Gewand
Blieb ihnen unbenommen; / man scheute Etzels Zorn:
So gewaltig herrschte / der edle König wohlgeborn.
Binnen zwölf Tagen / kamen sie an den Rhein
Gen Worms in die Feste, / Werbel und Schwemmelein.
Da sagte mans dem König / und seinen Mannen an,
Es kämen fremde Boten; / Gunther zu fragen begann.
Da sprach der Vogt vom Rheine: / »Wer macht uns bekannt,
Von wannen diese Gäste / ritten in das Land?«
Davon wußte niemand, / bis die Boten sah
Hagen von Tronje: / der begann zu Gunthern da:
»Wir hören Neues heute, / dafür will ich euch stehn:
Etzels Fiedelspieler, / die hab ich hier gesehn;
Die hat eure Schwester / gesendet an den Rhein:
Ihrer Herren willen / sollen sie uns willkommen sein.«
Sie ritten ohne Weilen / zu dem Saal heran:
So herrlich fuhr wohl nimmer / eines Fürsten Fiedelmann.
Des Königs Ingesinde / empfing sie gleich zur Hand;
Herberge gab man ihnen / und bewahrte ihr Gewand.
Ihre Reisekleider waren / reich und so wohlgetan,
Sie mochten wohl mit Ehren / sich so dem König nahn;
Doch wollten sie nicht länger / sie dort am Hofe tragen.
»Ob jemand sie begehre?« / ließen da die Boten fragen.
[217] Da waren auch bedürftige / Leute bei der Hand,
Die sie gerne nahmen: / denen wurden sie gesandt.
Da schmückten mit Gewanden / so reich die Gäste sich,
Wie es Königsboten / herrlich stand und wonniglich.
Da ging mit Urlaube / hin, wo der König saß,
Etzels Ingesinde: / gerne sah man das.
Herr Hagen gleich den Boten / vom Sitz entgegensprang,
Sie freundlich zu begrüßen: / des sagten ihm die Knappen Dank.
Da hub er um die Kunde / sie zu befragen an,
Wie Etzel sich gehabe / und die ihm untertan.
Da sprach der Fiedelspieler: / »Nie besser stands im Land,
Das Volk war niemals froher: / das sei euch wahrlich bekannt.«
Er führte sie dem Wirte zu. / Der Königssaal war voll:
Da empfing man die Gäste, / wie man immer soll
Boten freundlich grüßen / in andrer Könge Land.
Werbel der Recken / viel bei König Gunthern fand.
Der König wohlgezogen / zu grüßen sie begann:
»Willkommen, beide Fiedler, / die Etzeln untertan,
Mit euern Heergesellen: / wozu hat euch gesandt
Etzel der reiche / zu der Burgunden Land?«
Sie neigten sich dem König. / Da sprach Werbelein:
»Euch entbietet seine Dienste / der liebe Herre mein
Und Kriemhild eure Schwester / hierher in dieses Land;
Sie haben uns euch Recken / auf gute Treue gesandt.«
Da sprach der reiche König: / »Der Märe bin ich froh.
Wie gehabt sich Etzel,« / der Degen fragte so,
»Und Kriemhild meine Schwester / in der Heunen Land?«
Da sprach der Fiedelspieler: / »Das mach ich gern euch bekannt.
[218] Besser wohl gehabten / sich Könge nirgend mehr
Und fröhlicher, das wisset, / als die Fürsten hehr
Und ihre Degen alle, / Freund und Untertan.
Sie freuten sich der Reise, / da wir schieden hindann.
Nun Dank ihm für die Dienste, / die er mir entbeut,
Ihm und meiner Schwester: / gern erfahr ich heut,
Daß sie in Freuden leben, / der König und sein Lehn;
Meine Frage war nach ihnen / in großen Sorgen geschehn.«
Die beiden jungen Könige / waren auch gekommen,
Die hatten diese Märe / eben erst vernommen.
Geiselher der junge / die Boten gerne sah
Aus Liebe zu der Schwester; / gar minniglich sprach er da:
»Ihr Boten sollt uns beide / hochwillkommen sein:
Kämet ihr nur öfter / geritten an den Rhein,
Ihr fändet hier der Freunde, / die ihr gerne möchtet sehn;
Euch sollte hier zulande / wenig Leides geschehn.«
»Wir versehn uns alles Guten / zu euch,« sprach Schwemmelein;
»Ich könnt euch nicht bedeuten / mit den Worten mein,
Wie minnigliche Grüße / euch Etzel hat gesandt
Und eure edle Schwester, / die da in hohen Ehren stand.
An eure Lieb und Treue / mahnt euch die Königin
Und daß ihr stets gewogen / war euer Herz und Sinn.
Zuvörderst euch, Herr König, / sind wir hierher gesandt,
Daß ihr geruht zu reiten / zu ihnen in der Heunen Land.
Auch sollen mit euch reiten / Herr Geisler und Gernot.
Etzel der reiche / euch allen das entbot,
Wenn ihr nicht kommen wolltet / eure Schwester sehn,
So möcht er doch wohl wissen, / was euch von ihm wär geschehn,
[219] Daß ihr ihn also meidet / und auch sein Reich und Land.
Wär euch auch die Königin / fremd und unbekannt,
So möcht er selbst verdienen, / ihr kämet ihn zu sehn:
Wenn ihr das leisten wolltet, / so wär ihm Liebes geschehn.«
Da sprach der König Gunther: / »Nach der siebten Nacht
Will ich euch bescheiden, / was ich mich bedacht
Hab im Rat der Freunde; / geht derweilen hin
Zu eurer Herberge / und findet gute Ruh darin.«
Da sprach wieder Werbel: / »Könnt es nicht geschehn,
Daß wir unsre Fraue, / die reiche Ute, sehn,
Eh wir müden Degen / fragten nach der Ruh?«
Da sprach wohlgezogen / der edle Geiselher dazu:
»Das soll euch niemand wehren; / wollt ihr vor sie gehn,
So ist auch meiner Mutter / Will und Wunsch geschehn:
Denn sie sieht euch gerne / um die Schwester mein,
Frau Kriemhilde: / ihr sollt ihr willkommen sein.«
Geiselher sie brachte / hin, wo er Uten fand.
Die sah die Boten gerne / aus der Heunen Land
Und empfing sie freundlich / mit wohlgezognem Mut.
Da sagten ihr die Märe / die Boten höfisch und gut.
»Meine Frau läßt euch entbieten,« / sprach da Schwemmelein,
»Dienst und stete Treue, / und wenn es möchte sein,
Daß sie euch öfter sähe, / so glaubet sicherlich,
Wohl keine andre Freude / auf Erden wünschte sie sich.«
Da sprach die Königin Ute: / »Das kann nun nicht sein.
So gern ich öfter sähe / die liebe Tochter mein,
So wohnt zu fern uns leider / die edle Königin;
Nun geh ihr immer selig / die Zeit mit Etzeln dahin.
[220] Ihr sollt mich wissen lassen, / eh ihr von hinnen müßt,
Wann ihr reiten wollet; / ich sah in langer Frist
Boten nicht so gerne, / als ich euch gesehn.«
Da gelobten ihr die Knappen, / ihr Wille solle geschehn.
Zu den Herbergen gingen / die von Heunenland.
Der reiche König hatte / die Freunde nun besandt.
Gunther der edle / fragte Mann für Mann,
Was sie darüber dächten. / Wohl manche huben da an,
Er möge wohl reiten / in König Etzels Land.
Das rieten ihm die Besten, / die er darunter fand.
Hagen nur alleine, / dem war es grimmig leid.
Zum König sprach er heimlich: / »Mit euch selbst seid ihr im Streit.
Ihr habt doch nicht vergessen, / was ihr von uns geschehn:
Vor Kriemhilden müssen wir / stets in Sorge stehn.
Ich schlug ihr zu Tode / den Mann mit meiner Hand:
Wie dürften wir wohl reiten / hin in König Etzels Land?«
Da sprach der reiche König: / »Meiner Schwester Zürnen schwand:
Mit minniglichem Kusse, / eh sie verließ dies Land,
Hat sie uns verziehen, / was wir an ihr getan;
Es wäre denn, sie stände / bei euch, Herr Hagen, noch an.«
»Nun laßt euch nicht betrügen,« / sprach Hagen, »was auch sagen
Diese Heunenboten: / wollt ihrs mit Kriemhild wagen,
Da verliert ihr zu der Ehre / Leben leicht und Leib:
Sie weiß wohl nachzutragen, / dem König Etzel sein Weib!«
Da sprach vor dem Rate / der König Gernot:
»Ihr mögt aus guten Gründen / fürchten dort den Tod
In heunischen Reichen; / ständen wir drum an
Und mieden unsre Schwester, / das wär übel getan.«
[221] Da sprach zu dem Degen / der junge Geiselher:
»Da ihr euch, Freund Hagen, / schuldig wißt so sehr,
So bleibt hier im Lande / euer Heil zu wahren;
Nur laßt, die sichs getrauen, / mit uns zu den Heunen fahren.«
Darob begann zu zürnen / von Tronje der Held:
»Ich will nicht, daß euch jemand / sei bei der Fahrt gesellt,
Der an den Hof zu reiten / sich mehr getraut als ich:
Wollt ihrs nicht bleiben lassen, / ich beweis' es euch sicherlich.«
Da sprach der Küchenmeister / Rumold der Degen:
»Der Heimischen und Fremden / mögt ihr zu Hause pflegen
Nach euerm Wohlgefallen: / da habt ihr vollen Rat:
Ich wüßte nicht, daß jemand / euch dahin vergeiselt hat.
Wollt ihr nicht Hagen folgen, / so rät euch Rumold,
Der ich euch dienstlich / gewogen bin und hold,
Daß ihr im Lande bleibet / nach dem Willen mein
Und laßt den König Etzel / dort bei Kriemhilden sein.
Wo könntet ihr auf Erden / so gut als hier gedeihn?
Ihr mögt vor euern Feinden / daheim geborgen sein.
Ihr sollt mit guten Kleidern / zieren euern Leib,
Des besten Weines trinken / und minnen manches schöne Weib.
Dazu gibt man euch Speise, / so gut sie in der Welt
Ein König mag gewinnen. / Euer Land ist wohl bestellt:
Der Hochzeit Etzels mögt ihr euch / mit Ehren wohl begeben
Und hier mit euern Freunden / in guter Kurzweile leben.
Und hättet ihr nichts anderes / davon zu zehren hier,
Ich gäb euch eine Speise / die Fülle für und für:
In Öl gesottne Schnitten. / Das ist, was Rumold rät,
Da es gar so ängstlich, / ihr Herrn, dort bei den Heunen steht.
[222] Hold wird euch Frau Kriemhild / doch nimmer, glaubet mir:
Auch habt ihr und Hagen / es nicht verdient an ihr.
Und wollt ihr nicht verbleiben, / wer weiß, wie ihr's beklagt:
Ihr werdets noch erkennen, / ich hab' euch Wahrheit gesagt.
Drum rat ich euch zu bleiben. / Reich ist euer Land:
Ihr könnt hier besser lösen, / was ihr gabt zu Pfand,
Als dort bei den Heunen: / wer weiß, wie es da steht?
Verbleibt hier, ihr Herren: / das ist, was Rumold euch rät.«
»Wir wollen nun nicht bleiben,« / sprach da Gernot
»Da es meine Schwester / so freundlich uns entbot
Und Etzel der reiche, / was führen wir nicht hin?
Die nicht mit uns wollen, / mögen bleiben immerhin.«
»In Treuen,« sprach da Rumold, / »ich will der eine sein,
Der um Etzels Hofgelag / kommt nimmer überrhein.
Wie setzt' ich wohl das Beßre / aufs Spiel, das ich gewann?
Ich will mich selbst so lange / am Leben lassen als ich kann.«
»So denk' ich's auch zu halten,« / sprach Ortwein der Degen:
»Ich will der Geschäfte / zu Hause mit euch pflegen.«
Da sprachen ihrer viele, / sie wollten auch nicht fahren:
»Gott woll euch, liebe Herren, / bei den Heunen wohl bewahren.«
Der König Gunther zürnte, / als er ward gewahr,
Sie wollten dort verbleiben, / der Ruhe willen zwar:
»Wir wollens drum nicht lassen, / wir müssen an die Fahrt;
Der waltet guter Sinne, / der sich allezeit bewahrt.«
Zur Antwort gab da Hagen: / »Laßt euch zum Verdruß
Meine Rede nicht gereichen: / was auch geschehen muß,
So rat ich euch in Treuen, / wenn ihr euch gern bewahrt,
Daß ihr nur wohlgerüstet / zu dem Heunenlande fahrt.
[223] Wenn ihr's euch unterwindet, / so entbietet euer Heer,
Die Besten, die ihr findet / und irgend wißt umher.
Aus ihnen allen wähl ich dann / tausend Ritter gut:
So mag euch nicht gefährden / der argen Kriemhilde Mut.«
»Dem Rate will ich folgen,« / sprach der König gleich.
Da sandt er seine Boten / umher in seinem Reich.
Bald brachte man der Helden / dreitausend oder mehr.
Sie dachten nicht zu finden / so großes Leid und Beschwer.
Sie ritten hohes Mutes / durch König Gunthers Land.
Sie verhießen allen / Ross' und Gewand,
Die ihnen geben wollten / zum Heunenland Geleit.
Da fand viel gute Ritter / der König zu der Fahrt bereit.
Da ließ von Tronje Hagen / Dankwart den Bruder sein
Achtzig ihrer Recken / führen an den Rhein.
Sie kamen stolz gezogen; / Harnisch und Gewand
Brachten viel die schnellen / König Gunthern in das Land.
Da kam der kühne Volker, / ein edler Spielmann,
Mit dreißig seiner Degen / zu der Fahrt heran.
Ihr Gewand war herrlich, / ein König mocht' es tragen.
Er wollte zu den Heunen, / ließ er dem Könige sagen.
Wer Volker sei gewesen, / das sei euch kund getan.
Es war ein edler Herre; / ihm waren untertan
Viel der guten Recken / im Burgundenland;
Weil er fiedeln konnte, / ward er der Spielmann genannt.
Hagen wählte tausend, / die waren ihm bekannt;
Was sie in starken Stürmen / gefrommt mit ihrer Hand
Und sonst begangen hatten, / das hatt' er oft gesehn;
Auch alle andern mußten / ihnen Ehre zugestehn.
[224] Die Boten Kriemhildens / der Aufenthalt verdroß;
Die Furcht vor ihrem Herren / war gewaltig groß;
Sie hielten alle Tage / um den Urlaub an.
Das gönnt' ihnen Hagen nicht: / das ward aus Vorsicht getan.
Er sprach zu seinem Herren: / »Wir wollen uns bewahren,
Daß wir sie reiten lassen, / bevor wir selber fahren
Sieben Tage später / in König Etzels Land;
Trägt man uns argen Willen, / das wird so besser gewandt.
So mag sich auch Frau Kriemhild / bereiten nicht dazu,
Daß uns nach ihrem Rate / jemand Schaden tu.
Will sie es doch versuchen, / so fährt sie übel an:
Wir führen zu den Heunen / manchen auserwählten Mann.«
Die Sättel und die Schilde / und all ihr Gewand,
Das sie führen wollten / in König Etzels Land,
War nun bereit und fertig / für manchen kühnen Mann.
Etzels Spielleute / rief man zu Gunthern heran.
Da die Boten kamen, / begann Herr Gernot:
»Der König will leisten, / was Etzel uns entbot.
Wir wollen gerne kommen / zu seiner Lustbarkeit
Und unsre Schwester sehen; / daß ihr des außer Zweifel seid.«
Da sprach der König Gunther: / »Wißt ihr uns zu sagen,
Wann das Gastgebot beginnt, / oder zu welchen Tagen
Wir erwartet werden?« / Da sprach Schwemmelein:
»Zur nächsten Sonnenwende, / da soll es in Wahrheit sein.«
Der König erlaubte, / das war noch nicht geschehn,
Wenn sie Frau Brunhilden / wünschten noch zu sehn,
Daß sie mit seinem Willen / sprächen bei ihr an.
Dem widerstrebte Volker: / da war ihr Liebes getan.
[225] »Es ist ja Frau Brunhild / nun nicht so wohlgemut,
Daß ihr sie schauen möchtet,« / sprach der Ritter gut.
»Wartet bis morgen, / so läßt man sie euch sehn.«
Sie wähnten sie zu schauen, / da konnt es doch nicht geschehn.
Da ließ der reiche König, / er war den Boten hold,
Aus eigner hoher Milde / daher von seinem Gold
Auf breiten Schilden bringen; / wohl war er reich daran.
Ihnen ward auch reiche Schenkung / von seinen Freunden getan.
Geiselher und Gernot, / Gere und Ortewein,
Wie sie auch milde waren, / das leuchtete wohl ein:
So reiche Gaben boten / sie den Boten an,
Daß sie's vor ihrem Herren / nicht getrauten zu empfahn.
Da sprach zu dem König / der Bote Werbelein:
»Herr König, laßt die Gaben / nur hier im Lande sein.
Wir könnens nicht verführen, / weil uns der Herr verbot,
Daß wir Geschenke nähmen: / auch tut es uns wenig not.«
Da ward der Vogt vom Rheine / darüber ungemut,
Daß sie verschmähen wollten / so reichen Königs Gut.
Da mußten sie empfahen / sein Gold und sein Gewand,
Daß sie es mit sich führten / heim in König Etzels Land.
Sie wollten Ute schauen / vor ihrer Wiederkehr.
Die Spielleute brachte / der junge Geiselher
Zu Hof vor seine Mutier: / sie entbot der Königin,
Wenn man ihr Ehre biete, / so bedünk es sie Gewinn.
Da ließ die Königswitwe / ihre Borten und ihr Gold
Verteilen um Kriemhildens, / denn der war sie hold,
Und König Etzels willen / an das Botenpaar.
Sie mochtens wohl empfahen: / getreulich bot sie es dar.
[226] Urlaub genommen hatten / nun von Weib und Mann
Die Boten Kriemhildens; / sie fuhren froh hindann
Bis zum Schwabenlande: / dahin ließ Gernot
Seine Helden sie begleiten, / daß sie nirgend litten Not.
Als die von ihnen schieden, / die sie sollten pflegen,
Gab ihnen Etzels Herrschaft / Frieden auf den Wegen,
Daß ihnen niemand raubte / ihr Roß noch ihr Gewand.
Sie ritten sehr in Eile / wieder in der Heunen Land.
Wo sie Freunde wußten, / da machten sie es kund,
In wenig Tagen kämen / die Helden von Burgund
Vom Rheine hergezogen / in der Heunen Land.
Pilgerin, dem Bischof, / ward auch die Märe bekannt.
Als sie vor Bechlaren / die Straße niederzogen,
Da ward um die Märe / Rüdger nicht betrogen,
Noch Frau Gotelinde, / die Markgräfin hehr.
Daß sie sie schauen sollten, / des freuten beide sich sehr.
Die Spielleute spornten / die Rosse mächtig an.
Sie fanden König Etzeln / in seiner Stadt zu Gran.
Gruß über Grüße, / die man ihm her entbot,
Brachten sie dem Könige: / vor Liebe ward er freudenrot.
Als Kriemhild der Königin / die Märe ward bekannt,
Ihre Brüder wollten / kommen in ihr Land,
Da ward ihr wohl zumute: / sie gab den Boten Lohn
Mit reichlichen Geschenken; / sie hatte Ehre davon.
Sie sprach: »Nun sagt mir beide, / Werbel und Schwemmelein,
Wer will von meinen Freunden / beim Hofgelage sein,
Von den höchsten, die wir luden / hierher in dieses Land?
Sagt an, was sprach wohl Hagen, / als ihm die Märe ward bekannt?«
[227] »Er kam zu ihrem Rate / an einem Morgen fruh;
Wenig gute Sprüche / redet' er dazu,
Als sie die Fahrt gelobten / nach dem Heunenland:
Die hat der grimme Hagen / die Todesreise genannt.
Es kommen eure Brüder, / die Könge alle drei
In herrlichem Mute. / Wer mehr mit ihnen sei,
Darüber ich des weitern / euch nicht bescheiden kann.
Es will mit ihnen reiten / Volker der kühne Fiedelmann.«
»Des mag ich leicht entbehren,« / sprach die Königin,
»Daß ich auch Volkern sähe / her zu Hofe ziehn!
Hagen bin ich gewogen, / der ist ein Degen gut:
Daß wir ihn schauen sollen, / des hab ich fröhlichen Mut.«
Hin ging die Königstochter, / wo sie den König sah.
Wie minnigliche Worte / sprach Frau Kriemhild da:
»Wie gefallen euch die Mären, / viel lieber Herre mein?
Wes mich je verlangte, / des soll nun bald vollendet sein.«
»Dein Will' ist meine Freude,« / der König sprach da so:
»Ich wär der eignen Freunde / nicht so von Herzen froh,
Wenn sie kommen sollten / hieher in unser Land.
Durch deiner Freunde Liebe / viel meiner Sorge verschwand.«
Des Königs Amtleute / befahlen überall
Mit Gestühl zu schmücken / Pallas und Saal
Für die lieben Gäste, / die da sollten kommen.
Durch die ward bald dem König / viel hoher Freude benommen.