[13] Demnach nun der erste Lale ein so hoch weiser vnd verstendiger Mann gewesen / ist gut zuerachten / daß er seine kinder nicht habe lassen wie das vnuernünfftige Viehe / welchs keinen Herrn oder Meyster hat /herumb lauffen / oder der Mutter (wie jhren viel zuthun pflegen) die sorge befohlen: sonder ohne zweyfel ist er ein sträfflicher Vatter gewesen / der jhnen nichts arges nachgelassen / die sorge vber sie / dieweil er gewust / welcher massen die Müttern jhre Kinder / so jhnen die sorge befohlen vnd vbergeben / verwahrlosen vnd Mutterwillig machen / selberst getragen / vnd sie zu allem guten angewiesen / gelehret vnd geführet.
[14] Daher sie / als die von jrem getrewen Vatter vnnd Lehrmeyster vnterwiesen worden / vnnd fleyssig gelehrnet hetten: wie dann die rechte Vnterweysung vnd Lehre / zu welcher die Natur den Grund vnd das Fundament in die Hände gibt vnd selberst legt / sehr viel thut / vnnd das ein mal angefangne Werck / welches sonst vnvolnkommen bliebe / ob es schon angefangen / zur volnkommenheit führet / vnnd jhme einen Namen gibt / wann das Lehren vnnd das Lehrnen (welche vbereins beysamen sein sollen vnnd müssen /so was gutes darauß soll werden) in dem Fundament /welches die Natur anfenglich gelegt / einandern ergreiffen / vnd sich eins mit dem andern vergleichen vnd vereinbaren: daher sie / sage ich / auch mit allen Gaaben vnd Tugenden / vornemlich mit Weyßheit /auff das eusserste vnd höchste also begabet vnd gezieret / ja vberschüttet wurden / daß jhnen damaln inn der Welt / wiewol sie so groß vnd weit / daß derselben noch kein ende gefunden / ob schon vnendlicher kosten vnd Arbeit durch die vnersettliche Hispanier vnd andre darauff gewendet worden / niemandt vorzusetzen (was? vorzusetzen? zuvergleichen sage vil mehr) gewesen. Dann die weyse Leute waren zu derselbigen zeit gar dünne gesäet / vnd war umb derselbigen einen / wann sie etwann einer herfür thete vnd sehen liesse / gar ein seltzames ding. Sie waren nicht so gemein / wie sie jetzunder sind vnter vns / da jeder / vnd gemeinlich die gröste Thoren vnnd Narren / wil weyse seyn / vnd für klug gehalten werden.
Der rhum vnd das lob von solchem jhrem hohen Verstand vnd vortrefflicher Weyßheit / erschalle bald inn allen vmbligenden Stätten / ja durch alle Lande breittet sich derselbigen scheyn vnd glantz auß / vnd ward Fürsten vnd Herrn bekant. Wie dann ein so herrliches Liecht sich nicht [15] leichtlich verbergen leßt / sondern allzeit herfür leuchtet / vnd seine straln von sich wirfft. Daher dann geschehen / daß offtmaln auß ferrngelegnen orten von Keysern / Königen / Fürsten /Herrn vnd Stätten / stattliche Botschafften zu jhnen abgefertigt wurden / bey jhrer Weyßheit in zweiffeligen vnd spännigen sachen sich Rahts zuerholen. Da dann allzeit guter Raht bey jhnen vberflüssig zufinden gewesen: als die da voller Weyßheit steckten. Man befande auch nimmer / daß jhre trewe Rhatschläge /so sie gegeben / weren ohne sonderbaren nutz vnd frucht abgangen / vnd daß nicht allzeit das darauff erfolget were / was man gesucht / so man denselbigen gefolget vnd nachgesetzt: welches dann geschehen soll vnnd muß / so man begeret etwas gutes außzurichten. Solches bracht jhnen erst ein rechtes Lob bey jedermeniglichem / vnd schöpffet jhnen einen grossen Namen durch die gantze Welt.
Daher sie dann auch zu mehrmaln höchlich begabet vnd verehret wurden / mit Gold / Silber / Edelgesteyn / vnnd andern köstlichen sachen vnd Kleynoten / wie sie wol währt waren: dann die Weißheit warde damaln weit höher geschetzet als jetzunder / da die Narrn herfür gezogen / vnnd oben an / etwan auch allein an der Herrn Tafeln gesetzt / die Weysen aber ring geschetzt / wa nit gar verachtet vnd verstossen werden. Welches sie doch alles / als weise vnd verstendige Leute gering schetzen: hieltens darfür (wie auch gewiß vnd wahr) daß die Weyßheit mit keinem Gut noch Gelde zubezahlen / als welche das andre alles [16] vmb so viel vbertreffe / als die helle liechte Sonne mit jhrer Klarheit die andern Sternen / welchen sie jhren scheyn gibt / vbertreffen thut. Dann /
Der höchst nach Gott der Weyse ist /
Dem nimmer an keim Gut gebrist:
Ist reich / frey / schön / vnd wirdt geehrt.
Trutz einem König ders jhm wehrt.
Endlich kam es darzu / daß Fürsten vnd Herrn / so jhrer in kein weg entrhaten können / nicht mehr wolten jhre Bottschafften zu jhnen / sie umb Rhat anzusuchen / senden: sonder es begeret jeder der Lalen einen selberst persönlich bey sich am Hofe vnd an seiner Tafeln zuhaben / damit er sich desselbigen zu fürfallenden Geschäfften täglich brauchen / vnnd auß seinen Reden / als auß einem vnerschöpfflichen Brunnen des besten Wassers / die Weyßheit lehrnen vnd schöpffen könte. Wie dann einem Fürsten nichts zierlichers ansteht / als er auch kein grösser vnnd thewrer Kleynot haben kan / als die einige Weyßheit: vmb welche / als dz höchste Gut / so der Mensch in diesem Leben erlangen kan / der König Salomon so jnniglichen Gott gebetten: die doch nicht besser zugewinnen / vnd so vil vns Menschen müglich durch mittel zuerlangen / als so man / inn betrachtung / daß
Nach dem sich einer gsellen thut /
Er gwißlich wirdt Böß oder Gut /
solche Leute / bey welchen solche hohe Gabe leuchtet vnd scheynet / vmb sich hat / dieselbige höret / vnd jhrer weysen [17] Reden warnimmet / selbige behelt / vnd zu nutz bringet. Wer Pech anrhüret / der wirdt darvon besudelt: warumb solte dann der / so sich zu Guten vnd Weysen gesellet / nicht auch Gut vnnd Weyse werden? Aber was were es / daß ich viel solte darvon sagen?
Vmb erstgemelter vrsachen willen / wurden täglich auß der Lalen zal jetzt einer / bald wider einer / jetzt dieser / bald jener beschickt / vnd von Hauß abgefordert / in weitgelegne Lande / da man jhrer zukunfft nötig vnd wartend. Vnd demnach jhrer nicht so viel gewesen / daß einer den andern hette können an sein stat stellen: wie etwan geschiehet / wa man deren / die den Alten auff die Seel warten / vnd sie mit dem Te Deum Laudimus zum Grab geleiten / solchen vberflusse hat / daß man nicht weist / wa man einem krummen Hafen einen krummen Deckel finden vnd außerlesen solle: kam es in kurtzer zeit dahin / daß schier keiner mehr anheymsch bliebe / sonder alle von Hauß abwesend wurden. Musten also die Weyber an der Männern stat stehen / vnd für sie alles verwesen vnd versehen / den Feldbaw / das Viehe / vnd anders das sonst einem Mann zustehet. Welchs sie doch nicht so gar vngern gethan: dieweil sie / die one diß den Männern allzeit begeren nach dem Bart zugreiffen / hierdurch den gewalt in die Hände bekommen / vnd Meyster Siemann daheymen worden.
Wie es aber noch heut diß tags pflegt zugeschehen / daß Weyber Arbeit vnd Gewinn / gegen dem so die Männer arbeitten vnnd gewinnen / sehr gering ist /vnd ob sie sich schon auffs hefftigste vnd müglichste bemühen vnnd zablen [18] / dennoch wenig damit außrichten / also gieng es zu Laleburg diß orts auch. Welches zuverstehn / wann die Weyber der Männern Arbeit verrichten sollen. Sonst sind die Arbeite der Weybern vnd Männern also vnterscheiden / daß alle Männer nit könten ein eintziges Kindlin / wie klein es auch were /geberen: sie wölten es dann außbruten / wie jener die Käse / auß welchen er meinet Kälber außzuhecken: wie man dargegen viel Weyber haben müste / so man durch sie die feste Stat Wien in Oesterreich (welche Gott der Christenheit zu schutz lange zeit schirmen vnd erhalten wölle) oder die namhaffte Statt Straßburg / mit gwalt gewinnen solte. Dann auß mangel des bawens / fiengen an die Güter des Feldes abzunemmen / vnd auß dem Bawe zukommen / sintemal des Herren Fußtritt / welche allein den Acker recht tüngen / darauff nicht gespürt wurden: das Viehe /welches sonst durch des Herren Aug recht fett wirdt /ward mager / verwildet vnd vnnutz: alle Werckzeug vnd geschirre wurde zurschlissen / nichts verbessert vnnd wider gemachet: vnd welchs das ärgste / das Gesinde / Kinder / Knecht vnd Mägde / wurden vngehorsam / vnnd wolten nichts gutes mehr thun. Dann sie beredeten sich selberst / weil jhre Herrn vnd Meyster nicht anheymsch weren / vnnd man aber derselben nicht entrhaten könte / so stünde es ja jhnen zu / daß sie in dessen Meyster weren. Welches alles kein wunder gewesen. Dann / wie schon zum theil vermeldet /
Des Herren Tritt den Acker tüngt /
Des Herren Aug das Viehe verjüngt.
[19] Des Herren gegenwertigkeit
Helt in gehorsam Knecht vnd Meyd.
Wa der Herr nicht selbst kommet hin /
Da ist gewißlich schlecht der Gwinn.
Daß also / in summa zureden / weil die frommen Lalen jederman begerten zudienen / vnd alles richtig zumachen was vnrichtig war / nicht auß Geytz vnd vmb des lieben Gelds willen / sonder wegen der gemeinen wolfahrt vnd wolstandes / sie dadurch in verterblichen schaden gerhieten: vnd jhnen eben gieng /als denen / welche die balgenden begeren zuscheiden /vnd Friede zumachen. Dann:
Wer Balger gern verthediget
Am ersten wirdt beschediget.
Getrew Dienst / geben bösen Lohn:
Vndanck / sonst nichts / bringt man darvon.