CCXX.

[291] 1. Ich weis mir ein stoltze müllerin,

die daucht sich hübsch und klug,

Vom Oberlandt bis auff den Rhein,

wo find man jres fugs,[291]

in einem dorff sie saß,

Gen marck da thet sie lauffen,

thet hüner und genß verkauffen,

als jr gewohnheit was.


2. Sie hat viel hüner, genß und schwein,

der enten also viel,

Es trug jhr viel der pfenning ein,

sie nehrts alls aus der mühl

mit weitzen und mit korn,

Die müllerin wust den reimen,

die seck kund sie wol scheumen,

als jr gewonheit was.


3. Sie saß nit weit von einer stadt,

da sie daheime was,

Darinnen sie viel zu schaffen hett,

es war ein reicher thumm,

von herrn und edelleut,

Von mönchen und von pfaffen,

sie hett viel zu schaffen,

es war ein heilige zeit.


4. Sie trat wol für das münster,

jhr hünlein hat sie feil,

Ein thumherr war jhr günstig,

er daucht sie frisch und geyl,

und trat fürs münster raus,

Schön red die lies er lauffen,

fraw wolt jr die hüner verkauffen,

tragt mir sie heim ins haus.


5. Das geld wil ich euch geben,

was ewer hertz begert,

Das frewlein besah jn eben,

biß sie den herren gewehrt,

sie trug jhm die hüner heim,

Er redt mit jhr von sachen,

das frewlein begund zu lachen,

sie war bey jhm allein.[292]


6. Er gab jhrs geld und griff sie an,

und bult umb jren leib.

Sie sprach, jhr seid ein geistlos man,

bin ich ein weltlich weib,

die sach die hat kein sinn,

Ich hab meim man verheissen,

ich wöll jm freundschafft leisten,

geht heim und bittet jn.


7. Ja wil er mirs erlauben,

so wil ichs gerne thun,

Ich sag euch zu bey glauben,

ich mus itzt eilends gan,

zu schaffen hab ich viel,

Ich hab meim volck versprochen,

ich wöll jhn rüben kochen,

daheim in meiner mühl.


8. Er sprach ich werd bald gastung han,

eitel köstlich leut,

So wil ich euch beruffen lan,

drümb kompt zu rechter zeit.

sie sprach ich wils nicht thun,

Ich kom nit in das münster,

es sey denn nacht und finster,

und sey bey euch allein.


9. Und sol ich euch gehorsam sein,

so bald jr mich berufft,

So schreibet meinen namen ein

heimlich in einen brieff,

er sprach so zeigt mirn an,

Sie sprach mit stoltzem sinne

ich heis fraw eselinne,

also heist mich mein man.


10. Das ist ein ungefügter nam

von einem schönen weib,

Da ich erst in die mühle kam,

hett ich ein geraden leib,[293]

mein man hett noch kein knecht,

Die seck die must ich tragen,

vom karren auff den wagen,

darumb heist er mich recht.


11. Es stund nit lange zeit darnach,

dem herren kamen gest,

Es waren eitel köstlich leut,

er gab jhms allerbest,

er sprach zum knecht gar geschwind,

Thu in die mühle treten,

thu mir den müller beten

umb sein fraw eselin.


12. Der knecht der thets mit willen,

und gieng in die mühl hinaus,

Er sucht denselben müller,

und fand jn in dem haus,

er end die botschafft geschwind,

Nach adelichen sitten,

mein herr der lest euch bitten,

umb ewer fraw eselin.


13. Es nam den müller wunder,

was meint er mit meim thier,

In dem stall dort unten,

da stehn der esel vier,

gang nim welchen du wilt.

Der knecht nam den alten,

der hinden was zerspalten,

darauff er heime reit.


14. Er reit wol durch das münster,

der esel trabt so hart,

Denn es war nacht und finster,

der herr hört das geferd,

er war ein frölich man,

Und dacht in seinem sinne,

es wer fraw eselinne,

und sie hett zwen holtzschuh an.[294]


15. Er schickt gar bald ein boten

hinab zu seinem knecht,

Das ers jhm versehen thete,

das wolt er haben schlecht,

mit guter speis und wein,

Darnach solt ers jhm führen,

wenn er wolt schlaffen schire,

in sein schlaffkemmerlein.


16. Der knecht der holet wein und brot,

darzu viel guter speis,

Es hungert jhn und thet jhm not,

daran war er gar weis,

man gab jhm die fleschen voll,

Der knecht der aß das gute,

und gab dem esels futter,

er dacht es thut jms wol,


17. Darnach führt er jn die trepp hinauff,

ins herren kämmerlein,

Es hört jn niemandt in dem haus,

sie waren all voll wein,

der knecht thet als er seht,

Er nam dasselbig thiere,

und band jhm alle viere,

und legts ins herrn beth.


18. Der knecht gedacht im sinne,

was meint mein herr damit,

Wil er mit dem esel sünden,

die sach gefelt mir nicht,

er find viel schöner weib,

Ja wird mans von jm jnnen,

so wird man jn verbrennen,

rewt mich sein stoltzer leib.


19. Er lies den esel liegen,

und schlug das kemmerlein ein,

Der knecht der was verschwiegen,

er gieng zum herren hinein,[295]

der herr fragt jn geschwind,

Hast mir die sach versehen,

ja herr es ist schon geschehen,

wie jr michs geheissen hand.


20. Der herr frewt sich von hertzen,

das er solt schlaffen gan,

Er wolt gar freundlich schertzen

mit seiner wolgethan,

da er kam für das beth,

Er thet sie freundlich grüssen,

und dacht sie schlefft so süsse,

das sie nit mit mir redt.


21. Er zog sich mutter nacket aus,

und stund mit blossem leib,

Er dacht da sie so freundlich schnaufft,

es wer des müllers weib,

und war ein frölich man,

Er griff zu jhr hinunder,

Ach fraw es nimpt mich wunder,

habt jr den beltz noch an.


22. Er griff hinunder bis an den bauch,

der herr war wol gerüst,

Ach frewlein wie seid jr so rauch,

ich weis nicht wie euch ist,

als er sie zu jm zog,

Fraw wolt jr nicht erwachen,

der knecht stund draus und lachet,

wie ist mein herr ein narr.


23. Da griff er also leise,

er het im beth kein ruh,

Er griff dem esel an die eisen,

erst fiels dem herren zu,

da rieff er seinen knecht,

Thue mir den esel dennen,

man möcht mich sonst verbrennen,

so gescheh mir eben recht.[296]


24. Die fraw hat mich betrogen,

und bracht in grosse not,

Sie hat schendlich gelogen.

er stach den esel zu todt

in einem grossen zorn,

Ich wil dich lieber lassen schwinden,

denn solt ich mit dir sünden,

hört zu wie gings bis morn.


25. Man sagts dem müller als eben,

er lud jhn für das gericht,

Dem müller must er geben,

(Gott geb dem esel die gicht,)

ja zwentzig gülden bar,

Wol für des esels leben,

hett lieber hundert geben,

das niemands wer gewar.


26. Also geschicht den narren,

die buler wollen sein,

Sie ziehen am eselskarren,

und setzen sich selber drein,

düncken sich frisch und geil,

Ja mit den frommen weiben,

wöllen sie bulschafft treiben,

und ziehen am narrenseyl.

Quelle:
[Anonym]: Das Ambraser Liederbuch vom Jahre 1582. Stuttgart 1845, S. 291-297.
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