Wie Fortunatus wider in Cipren kam, sich aller ding fast ratlich hielt Vnd ainen kostlichen palast pawet.

[62] Vnd als Er nun gen Venedig kam, freüwet er sich vnnd gedacht: hye seynd vil reycher leüt, hye tarffestu dich auch lassen mercken, das du gelt habest vnd fragt nach den kostlichen klainat, die ym auch alle fürbracht wurden, vnder den vil waren, welliche ym geuiellen. wie man ym die bot, so gieng er nit vnkauft daruon, dardurch die Venediger ain grosse merkliche summa bar gelt loßten vnd ward gar groß vnd hoch gehalten. Nun wißt er wol, daz er nit vil haußrat, gewand vnd anders, als er von Famagusta gefaren was vnd wie er seinen vater Theodorum vnd sein můtter Gracianam in grosser armůtt gelassen hett. Fieng an vnd ließ ym schön köstlich gewand machen vnd vil haußrat kauffet er, was man in ain hauß bedorfft, kauffet er alles zwifach vnd dinget sich vnd sein gůt auff ain gallee, für allso gen Cipren vnnd kam gen Famagusta. nun was er wol fünfftzehen iar auß gewesen. Vnnd als[62] er in die statt kam, ward ym gleich gesagt, wie seyn vatev vnd můter gestorben wären, das ym nun fast laid was. Also bestalt er ain groß hauß vmb ainen zinß, darein er ym lyeß seinen blunder füren vnd dinget mer knecht vnd mägt vnd fieng an zuhaußen gar herrlichen vnnd ward gar loblich von yederman empfangen vnd gehalten. maniklichen nam wunder, von wannen ym käm so grosser reichtum vnd doch der merer tail leüt wol wißten, das er in grosser armůt von dannen kommen was. Vnnd als er aber in Famagusta was, gieng er vnd kaufft seynes vaters hauß vnd noch mer heüsser darzu vnd lyeß die alten abbrechen, fieng an vnd bauwet da ainen kostlichen palast. Den lyeß er machen auff das aller zyerlichest. Wann er gar vil kostlicher gepew gesehen het. Vnd bey dem palast ließ er gar ain schöne kirchen bawen vnd vmb die kirchen ließ er dreüzehen heüsser bauwen vnd machen vnd stifftet da ain probstey vnnd tzwelff caplän, die da solten alle tzeitt singen vnd lesen, vnd kauffet dartzu zins, gilt vnnd rendt, das ain thümbrobst solt haben dreühundert ducaten vnd ain Caplan hundert ducaten ain iar vnd wenn ainer vnder yn sturb, so solten sy vnder ainander wölen vnd wenn der probst sturbe, so solt yn der baubst ainen andern geben. Er versach die kirchen mit allen zierden vnd kaufft zins vnd rent, das man die kirchen ewiglich meren solt vnnd lyeß in die kirchen machen zway kostliche greber, ließ seinen vatter vnd můter außgraben, da sy lagen, vnd in das ain grab legen, vnnd das ander solt ym vnd seinen erben warten. Vnd als nun der palast vnd die kirch gantz auß gemacht ward nach seinem willen, vnnd er ayn gross wolgefallen darinn het, Gedacht er ym: ainem solichen palast dem zymmet wol ain ersammes wesen vnd satzt ym für, ainen gemahel zu nemen. vnd do man innen ward, das er des willens was, ain weib zunemen, do was yederman fro. vnnd kame allso auß, das er ain eefrauwen nemen woltt. do waren vil reich vnd arm, edel vnnd vnedel, wellicher ain hübsche tochter het, der ließ sy[63] zu risten mit klaydern vnd klainat, ain yder, so er best mocht, vnnd gedacht ym ain yeder: wer waißt, got gibt meiner tochter das glück als bald als ainer annderen, wann manigklich sach, das da groß gůt vorhanden was vnd het ain yeder sein tochter geren dahin gebracht. Also wurden vil töchtern schon geklait, die sunst noch lang müßten on so gůte klayder gewesen sein. Vnd do sich souil leüte auff rusten, do was ain graff, nit weit von Famagusta, der hett drey töchtern, die für die andern töchteren schön waren. dem riedt der künig, er solt ym seine töchtern lassen antragen vnd, wo es ym geuellig wolt sein, so woltt er dartzu reden. Der graff was nitt fast mechtig, noch sprach er: herr küng, ob er meiner töchtern ain begerte, wolten ir mir es radten, er hat weder land noch leüt, hatt er dann vil bar gelt gehebt oder noch, so secht ir wol, er hat vil gelts verpauen, das kainen nutz tregt, so mag er daz ander auch onwerden vnd zu armůt kommen, wie sein vater zu armůt kommen ist, Wann es ist bald geschehen, das grosse barschafft bald verthon wirt. Der künig sprach zů dem graffen: ich hab vernommen von leüten, die es gesehen haben, das er souil kostlicher klainat hat, man kauffet ain grafschaft darumb vnd ist jm doch haines fail. so hör ich souil von jm sagen, wie er souil land vnd künigreich durchfaren hat, halt yn darfür, wißte er nit sein sachen tzu ainem gůtten end zubringen, Er hette nit so ainen kostlichen palast gebawen, noch ayn so kostliche kirchen lassen machen, Die er so eerlich begabet hatt mit gůten zinßsen in ewig zeit vnd wär noch mein rat, wil es ym gefallen, du geebest ym deiner töchtern aine vnd ist es dir geuellig, so will ich darinn meinen vleyß brauchen, in hoffnung, solichs beschech, wann Fortunatus mir wol gefeltt vnd sähe lieber, er hett ain edlen gemahel dann ain peürin vnd wurd mich verdriessen, söltte ain vngebornes weibß bild den palast besitzen vnnd darinn wonung haben. Do nun der graff hort, das dem künig Fortunatus wesen so wol geuiel, fieng er an vnd sprach: Gnädiger herr künig, Ich vernym an ewer red wol, daz ir ain gefallen darab hetten, daz ich Fortunato meiner töchtern aine gäbe. Dess alles habtt ewch vollen gewalt an leib vnd an gůtt. Do[64] der künig das verstůnde, sprach er zum graffen (hyeß graff Nimian) sende mir dein töchtern meiner frawen, der künigin, so wil ich sy lassen zurüsten, in hoffnung, ym werde aine gefallen. Doch so würd ich ym die wal geben, das er neme, weliche er wöll. so wil ich dir zu lieb den heyrat also machen, das du kain heyratgelt bedarffest geben. Müßt man aber etwas geben, so will ich es selb geben. So du mir so freyen gwalt über leib vnd gůt geben vnd beuolhen hast. Graff Nimian dancket seinen küngklichen gnaden vnd sprach, was sein künigkliche genad schaffte, wölt er thůn vnd nam vrlob von dem künig, rait haim zu seinem gemahel vnnd sagt ir all sachen, was sich zwischen ym vnnd dem künig verloffen hett. Das geuiel der gräffin alles wol, dann allain, das sy Fortunatus nicht genůg edel gedaucht vnd das er auch die wal solt haben vnder den drey töchteren, wann ir aine vnder den dreyen vast ser lieb was. der graff fragt sy, wölche es wäre. das woltt sy ym mit nichten sagen. Doch veruolgett sy seinem willen vnd ruft die töchteren tzu, gab yn ain zuchtmaisterin, knecht vnd mägt, als es dann solichem adel gezympt. kamen also an des künigs von Cipren hoff, do wurden sy all drey vnd alle, die so mit yn kommen waren, eerlich vnd woll enpfangen von dem künig vnd der künigin vnd wurden da vnderweiset hoffzucht vnd was zu adelichen sachen gehört, des sy vor auch zu gůter maß vnderricht waren, sy waren auch vast schön, noch namen sy von tag zu tag tzu vnd wurden noch schöner, vnd do es den künig zeit gedaucht, do sant er ain ersamme botschaft nach Fortunato, das er zu ym käm. ym ward och nit gesagt, warumb er nach ym gesandt het. Er wißt aber, das er ainen gnädigen herren am künig het vnd ruft sich eylentz tzu, rait frölich zu seinem herren künig vnd ward von jm gar schon entpfangen. Vnd ward der künig zu jm sprechen: Fortunate, du bist mein hindersäß vnd vermain, was ich dir radt, du söllest mir volgen, wann ich dir gůts günne. Ich hab wol verstanden, wie du so ain kostlichs gesäß vnd kirchen lassest bauwen vnd nun můtt hast, dir ainen gemahel zunemen. Hab ich sorg, du möchtest aine nemen, die mir nitt geuellig wäre vnd hab betracht dir ainen gemahel von allen eeren[65] zugeben, dardurch du vnd dein erben geeret werden sollen. Fortunatus sprach: gnädiger küng, es ist war, ich bin des willens, mir ainen gemahel zunemen. So aber ich verston, das ewer künigkliche gnad so demůtig ist vnd so gnädig vnd günstig sein will, mich zuuersehen, will ich weiter kain frag noch kain sorg nach kainer haben, dann mein glauben vnd vertrawen gantz in ewer künigklichen gnad vestenklichen setzen.

Do nun der künig die antwurt het von Fortunato vnd auch von graf Nimian vnd die töchtern in seim gwalt het, gedacht er jm: hye hab ich gůt ain ee zumachen. Vnnd sprach zu Fortunato: ich hab drey schön töchtern vnd all drey von vater vnd můter gräffin, ist die eltest achtzehen iar alt, die haißt Gemyana. die ander ist sibentzehen iar aldt vnd haißt Marsepia, vnd die dritt ist dreützehen iar altt vnd haißt Cassandra. vnder den dreyen will ich dir die wal lon vnd wil dir noch mer wal lassen, das du aine nach der andern magst sehen oder all drey auff ain mal. Fortunatus der bedacht sich nit lang vnd sprach: O gnädiger herr künig! So ir mir ain söliche wal auff geben habt, so begere ich, das ich sy all drey müg neben ainander ston sehen vnd yede hör reden. Der künig sprach zu Fortunato: das du begerest, sol dir beschehen vnd enpot der künigin, sy solt daz frawenzymmer vnd ir iunckfrawen wol zuristen, wann er wölt selber darein kommen vnd ainen gast mit jm bringen, daz thet die künigin vnd thet das mit vleiß, wann sy sich wol versach, warumb es beschähe vnd do es den künig zeit gedaucht, Nam er Fortunatum allain vnd wolt mit ym geen. Fortunatus sprach: gnediger herr künig, ist es nit wider eüch, so lassen disen alten meinen diener mitt mir geen. der künig lyeß es beschehen vnd namen Lüpoldum, den alten man, mit yn vnd kamen allso in das frawenzymer. Do stůnd die künigin auff vnd alle ir iunckfrawen vnd enpfiengen den künig gar eerlich vnd die gest auch, also satzt sich der künig nider vnd stůnd Fortunatus neben dem künig.

Quelle:
[Anonym]: Fortunatus. Halle a.d.S. 1914, S. 62-66.
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