Das Lied vom Gneisenau

[106] 1813.


Bei Kolberg auf der grünen Au,

Juchheididei! Juchheididei!

Geht's mit dem Leben nicht zu genau,

Juchhei! Juchhei! Juchhei!

Da donnert's aus Kanonen,

Da sät man blaue Bohnen,

Die nimmer Stengel treiben,

Bei Kolberg auf der Au.


Bei Kolber hat es flinken Tanz,

Juchheididei! Juchheididei!

Um Mauer und Graben, um Wall und Schanz',

Juchhei! Juchhei! Juchhei!

Sie tanzen also munter,

Daß mancher wird herunter

Vom Tanzplatz tot getragen,

Bei Kolberg auf der Au.


Wie heißt die Braut, die Hochzeit hält?

Juchheididei! Juchheididei!

Um die so mancher tanzend fällt?

Juchhei! Juchhei! Juchhei!

Stadt Kolberg heißt die Schöne,

Sie weckt die hellen Töne,

Wonach die Tänzer tanzen

Auf Kolbergs grüner Au.


Wie heißt ihr schöner Bräutigam?

Juchheididei! Juchheididei!

Er ist ein Held von deutschem Stamm,

Juchhei! Juchhei! Juchhei![106]

Ein Held von echten Treuen,

Daß sich die Deutschen freuen,

Und Gneisenau klingt sein Name

Auf Kolbergs grüner Au.


Bei Kolberg auf der grünen Au,

Juchheididei! Juchheididei!

Da tanzt der tapfre Gneisenau,

Juchhei! Juchhei! Juchhei!

Er tanzt so frisch und freudig,

Er tanzt so scharf und schneidig

Franzosen aus dem Atem!

Auf Kolbergs grüner Au.


So ging's auf Kolbergs grüner Au,

Juchheididei! Juchheididei!

Mit Tod und Leben nicht zu genau,

Juchhei! Juchhei! Juchhei!

Und manchen Franzen haben

Sie nach dem Tanz begraben:

Der Tanz ging ihnen zu mächtig

Auf Kolbergs grüner Au.


Doch als es still wird auf der Au,

Juchheididei! Juchheididei!

Da deucht es schlecht dem Gneisenau,

Er ruft:»Ei! Ei! Ei! Ei!«

Er hasset die Franzosen,

Die argen Ohnehosen,

Nach England muß er reisen

Von Kolbergs grüner Au.


Komm nun zurück, du frommer Held!

Juchheididei! Juchheididei!

Und zieh mit Deutschen froh ins Feld

Und rufe: »Hei! Juchhei!«

Tu einen Tanz noch wagen,

Wir wolln die Welschen jagen

Mit dir und deinem Degen

Von Deutschlands grüner Au.


Komm nun zurück aus Engelland!

Juchheididei! Juchheididei!

Das Glück hat alles umgewandt,

Juchhei! Juchhei! Juchhei![107]

Komm, laß dein Spiel erklingen,

Komm, laß die Welschen springen,

Wie du sie springen ließest

Auf Kolbergs grüner Au.

Quelle:
Ernst Moritz Arndt: Werke. Teil 1: Gedichte, Berlin u.a. 1912, S. 106-108.
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