Biographie

Ludwig Börne (Gemälde von Moritz Oppenheim, 1827)
Ludwig Börne (Gemälde von Moritz Oppenheim, 1827)

1786

6. Mai: Carl Ludwig Börne (eigentlich: Löb Baruch) wird als drittes von fünf Kindern eines Wechselmaklers und einflußreichen Mitglieds der jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main geboren und wächst unter den Bedingungen des Ghettos auf.

1800

Börne besucht das gerade gegründete Internat des Orientalisten Johann Wilhelm Friedrich Hezel in Gießen (bis 1802).

1802

Übersiedlung nach Berlin. Da der Beruf des Arztes zu den wenigen gehört, dessen Ausübung den Juden in Frankfurt am Main erlaubt ist, will Börne am jüdischen Krankenhaus von Dr. Marcus Herz Medizin studieren.

Er lebt im Hause des Mediziners. Dessen Ehefrau, Henriette Herz, betet er leidenschaftlich an. Zur Vorbereitung auf das Studium erhält er Privatunterricht.

1803

19. Januar: Als Marcus Herz stirbt, wird Börnes Zuneigung zu dessen Witwe immer ungestümer.

Sommer: Henriette Herz veranlaßt, daß er seine Studien in Halle fortsetzt. Da seine Kenntnisse unzureichend sind, kann das Medizinstudium noch nicht aufgenommen werden. Er nimmt weiter Privatunterricht.

1804

April: Immatrikulation an der Medizinischen Fakultät in Halle. Er hört Vorlesungen bei dem Naturphilosophen Henrik Steffens und dem Theologen Friedrich Schleiermacher.

1807

Auf Anordnung des Vaters setzt Börne sein Studium in Heidelberg fort.

Er gibt das Medizinstudium auf, schreibt sich für die Rechts- und Kameralwissenschaften ein, was veränderte politische Verhältnisse ermöglichen.

1808

Der Vater verlangt erneut einen Wechsel des Studienortes. Börne geht nach Gießen.

Promotion zum Dr. phil. der Staats- und Kameralwissenschaften.

»Freimütige Bemerkungen über die Sättigkeits- und Schutzordnung für die Judenschaft in Frankfurt am Main« (Abhandlung).

Börne wird in die Freimaurerloge »Zur aufgehenden Morgenröthe« in Frankfurt aufgenommen.

1811

Börne bekennt sich in zwei Reden enthusiastisch zu den Ideen des Freimaurertums.

28. November: Durch Vermittlung seines Vaters tritt er eine Stelle als Polizeiaktuar in der Oberpolizeidirektion von Itzstein an, die ihren Sitz in Frankfurt hat.

1813

Die Stadt Frankfurt erklärt die auf dem Wiener Kongreß errungenen Bürgerrechte für die Juden für ungültig und läßt die Bestimmungen des Judenstatus wieder in Kraft treten.

Es wird versucht, Börne aus dem Amt zu drängen.

1815

März: Börne wird endgültig aus dem Amt vertrieben. Es gelingt ihm jedoch, eine Jahrespension von 400 Gulden auszuhandeln.

1817

Bekanntschaft mit Jeanette Wohl, die fortan seinen Lebensweg prägt als engste Freundin, Kritikerin, Lektorin und Anregerin.

1818

5. Juni: Börne tritt zum Protestantismus über und nimmt den Namen Ludwig Börne an, um künftig als unabhängiger Schriftsteller wirken zu können.

Er gibt im Selbstverlag die Zeitschrift »Die Waage. Eine Zeitschrift für Bürgerleben, Wissenschaft und Kunst« heraus, die 1821 wegen ihrer Angriffe gegen Metternich verboten wird.

Beginn der journalistischen Laufbahn.

Zahlreiche Literatur- und Theaterkritiken.

1819

Januar-Juni: Börne übernimmt die Redaktion der »Zeitung der Freien Stadt Frankfurt«, die er jedoch wegen Übertretung der Zensurvorschriften aufgeben muß.

Danach redigiert er die Wochenschrift »Die Zeitschwingen«, die ebenfalls verboten wird.

September: Erste Rheinreise. Begegnung mit Josef Görres, Friedrich Daniel Schleiermacher, dem Staatsrechtler Karl Theodor Welcker, August Wilhelm Schlegel und Ernst Moritz Arndt.

Oktober: Reise nach Paris, um der beginnenden Demagogenverfolgung zu entgehen.

1820

März: Börne wird für zwei Wochen verhaftet.

Mai: Zweite Rheinreise.

Freie Mitarbeit an der liberalen »Neckarzeitung«, am »Morgenblatt für gebildete Stände« und an den »Politischen Annalen«.

1821

»Monographie der deutschen Postschnecke« (Humoreske).

Umzug nach Stuttgart.

Börne begleitet seinen Vater auf einer Reise nach München.

Die letzten vier Hefte der »Waage« erscheinen.

1822

Der humoristische Aufsatz »Der Eßkünstler« erscheint im »Morgenblatt für gebildete Stände«.

Juni: Börne reist mit Jeanette Wohl nach Paris.

Er schreibt die »Schilderungen aus Paris«, die in unregelmäßigen Abständen in Cottas »Morgenblatt« erscheinen (bis 1824).

1824

Zweiter längerer Aufenthalt in Paris.

1825

Eine pathetische »Denkrede auf den verstorbenen Jean Paul« erscheint im »Morgenblatt für gebildete Stände« und in der »Iris. Unterhaltungsblatt für Freunde des Schönen und Nützlichen«.

1827

Börne lebt größtenteils in Frankfurt am Main.

»Bemerkungen über Sprache und Stil« (Aufsatz).

Erste freundschaftliche Begegnung mit Heinrich Heine in Frankfurt, der ihn auf seinen Verleger Julius Campe aufmerksam macht.

1828

Zweimonatiger Besuch in Berlin. Begegnungen im Umkreis von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Rahel Varnhagen, Alexander von Humboldt.

»Über den Charakter des Wilhelm Tell in Schillers Drama« (Aufsatz).

1829

Börnes »Gesammelte Schriften« (8 Bände bis 1834) erscheinen bei Campe.

Fortschreitende Krankheit. Kuraufenthalte in Ems und Soden.

1830

Herbst: Börne siedelt, von der französischen Julirevolution angezogen, endgültig nach Paris über, wo er zum Wortführer der kleinbürgerlich-revolutionären Demokraten wird.

Er arbeitet an seinem Hauptwerk, den »Briefen aus Paris«, deren Basis der Briefwechsel mit der Freundin Jeanette Wohl ist.

1831

Aufenthalt in Baden-Baden und in Paris.

Wiederbegegnung mit Heine in Paris. Unterschiedliche Einschätzungen der französischen Julirevolution und ihrer Folgerungen für Deutschland führen jedoch zu einer Entfremdung zwischen ihnen.

1832

Der erste Teil der »Briefe aus Paris« (bis 1833) erscheint und findet stürmischen Absatz, wird wenig später beschlagnahmt und verboten.

Jeanette Wohl heiratet Salomon Strauss unter der Bedingung, ihre enge Freundschaft zu Börne fortsetzen zu können.

Mai: Auf dem »Hambacher Fest« wird Börne spontan als einer der Hauptvertreter der freiheitlich-oppositionellen Bewegung in Deutschland, als Freiheitskämpfer und Patriot gefeiert.

Aufenthalt in der Schweiz.

1833

Der dritte und vierte Teil der »Briefe aus Paris« erscheinen zur Tarnung unter dem Titel »Mitteilungen aus dem Gebiete der Länder- und Völkerkunde«.

Jeanette Strauss-Wohl siedelt mit ihrem Mann nach Paris über, um mit Börne einen gemeinsamen Haushalt zu führen.

1834

Börne übersezt »Paroles d'un croyant« des Sozialrevolutionärs Abbé de Lamennais. Die Bände V und VI der »Briefe aus Paris« erscheinen.

1836

Börne gibt die Zeitschrift »La Balance – revue allemande et française« heraus, die sich dem Vergleich zwischen deutscher und französischer Literatur widmet, jedoch bereits nach kurzer Zeit wieder eingestellt werden muß.

1837

Die Streitschrift »Menzel, der Franzosenfresser« wendet sich gegen den Wortführer der Pressehetze gegen das »Junge Deutschland«, den Stuttgarter »Literaturpapst« Wolfgang Menzel.

12. Februar: Ludwig Börne stirbt in Paris an einem Lungenleiden. Jeanette Strauss-Wohl erbt seinen gesamten Nachlaß und gibt von 1844 bis 1850 zusammen mit ihrem Mann Börnes »Nachgelassene Schriften« heraus (6 Bände).

Buchempfehlung

Hoffmann, E. T. A.

Die Serapionsbrüder

Die Serapionsbrüder

Als Hoffmanns Verleger Reimer ihn 1818 zu einem dritten Erzählzyklus - nach den Fantasie- und den Nachtstücken - animiert, entscheidet sich der Autor, die Sammlung in eine Rahmenhandlung zu kleiden, die seiner Lebenswelt entlehnt ist. In den Jahren von 1814 bis 1818 traf sich E.T.A. Hoffmann regelmäßig mit literarischen Freunden, zu denen u.a. Fouqué und Chamisso gehörten, zu sogenannten Seraphinen-Abenden. Daraus entwickelt er die Serapionsbrüder, die sich gegenseitig als vermeintliche Autoren ihre Erzählungen vortragen und dabei dem serapiontischen Prinzip folgen, jede Form von Nachahmungspoetik und jeden sogenannten Realismus zu unterlassen, sondern allein das im Inneren des Künstlers geschaute Bild durch die Kunst der Poesie der Außenwelt zu zeigen. Der Zyklus enthält unter anderen diese Erzählungen: Rat Krespel, Die Fermate, Der Dichter und der Komponist, Ein Fragment aus dem Leben dreier Freunde, Der Artushof, Die Bergwerke zu Falun, Nußknacker und Mausekönig, Der Kampf der Sänger, Die Automate, Doge und Dogaresse, Meister Martin der Küfner und seine Gesellen, Das fremde Kind, Der unheimliche Gast, Das Fräulein von Scuderi, Spieler-Glück, Der Baron von B., Signor Formica

746 Seiten, 24.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon