261.

[75] Bei einer Bauernhochzeit im schwarzen und bunten Ort geht es hoch her. Den Tag vor der Hochzeit wird ein Hochzeitsbitter zu Pferde ausgeschickt, um die Gäste zu laden. Der Hut ist ganz und gar mit Blumen und seidenen Bändern umnäht, um den linken Arm trägt er seidene Bänder mit mehreren Schleifen. Vor der Brust darf ein Blumenstrauß nicht fehlen. Das Pferd trägt vor der Stirn ebenfalls einen prächtigen Blumenstrauß. Allenthalben, wo das Sielengeschirr durch Schnallen zusammengehalten wird, sind kleine seidene Bänder eingeschleift. Der Hochzeitsbitter reitet, wo er einladet, in die Stube hinein, ist die Thür zu klein, bleibt er vor derselben halten; absteigen darf er nicht eher, als bis er seinen Auftrag ausgerichtet hat. Im bunten und schwarzen Ort laden die Hochzeitsbitter auf folgende Weise ein1.


Hochzeitsbitterlied.

Gun Dag ins Haus,

Ist der Herr ein, oder ist er aus?

Wenn er aus ist, laß ihn hereinkommen.
[75]

Ich habe eine freundliche Bitte an den Herrn und an die Frau, an Jungfraun und Gesellen nebst diesem ganzen Hause2.

Ich bin ausgesandt von meinem Herrn und abgesandt von Bräutigam und Braut (hier folgt der Name des Brautpaares), daß diese beiden christlichen Personen haben sich in die priesterliche Copulation eingelassen, derowegen habe ich Sie ganz freundlich zu grüßen und zu bitten, daß Sie von Ihren vorhabenden Geschäften sich so viel Zeit entziehn lassen und morgen, als am Freitag und Hochzeitstage, im Hochzeitshause um 9 Uhr allda erscheinen, und sich alsdann eine kleine Weile da verharren, bis die Versammlung zusammenkommt; und hören dann die christliche Traupredigt mit an und thun ein christliches Gebet für den Bräutigam und seine Braut, daß der liebe Gott sein Wohlgefallen daran habe, nicht allein an diesem, sondern auch an jenem Tage, und die Engel im Himmel sich darüber zu freuen haben. Und wenn alsdann die Ringe gewechselt sind und der Segen des Herrn gesprochen und die Opfer gebracht sind, dann geben Sie den jungen Leuten das Geleite und setzen sich zur Tafel nebst andern erbetenen Gästen. Nun, gute Freunde, noch einmal zu grüßen von meinem Herrn und von Bräutigam und Braut und wollen fürlieb nehmen, was der grundgütige Gott an Essen und Trinken bescheert hat, was die Marqueure auftragen, was der Schenker einschenkt, was in Küche und Keller vermacht ist und was die jungen Brautleute zu ihrer Hochzeit haben bedacht.


Die Stiefel schwarz geschmiert,

Die Sporen blank geschürt,

Den Schilling lasset klingen,

Dann werden die jungen Gesellen mit den jungen Mädchen lustig herumspringen.


Nun habe ich noch eine freundliche Bitte an das Mädchen hier im Hause und der Herrschaften Wille muß auch mit dabei sein: daß die bunte Kuh geschätzt wird, daß sie weiße Milch gibt, damit das erste Gericht geziert und vermehrt wird. Darum laß Küch und Koch ganz freundlich grüßen3.
[76]

Ich habe nicht viel gelirt,

Und bin auch nicht studirt,

Ich bin man schlecht von Sachen,

Viele Complimente weiß ich nicht zu machen.

Diesmal ist es mir so gelungen.

Kommts ein ander Mal,

Wirds besser geschehn

Und werde ich es viel lieber sehn.

Und habe ich meine Bitte nicht recht angebracht,

So wirds der Herr im Hause am besten wissen zu verstehn,

Und mich damit bedenken,

Und mir ein Gläschen Bier oder Branntwein einschenken.

Es kann aber auch ein Gläschen Wasser sein,

Dann bleibt gewiß der Verstand rein. Amen.


Wenn die Tafel in vollem Gange ist, schicken die Köchinnen einen Teller mit Salz und mit einer brennenden Lunte darauf hinein, was soviel bedeuten soll, als ihre Schürzen seien verbrannt, und sie bäten nun um einen kleinen Ersatz. Jeder Gast steckt denn auch ein Geldstück hinein, packt aber noch Pflaumensteine, Fischgräten u. dgl. mit auf den Teller, damit die Köchin nachher was zu suchen hat.

Jeder Gast wird mit Musik empfangen. Während der Fahrt nach der Kirche werfen die Brautzeugen und Brautjungfern, wenn sie Jemand begegnen, Kuchen, Pfeffernüsse, Zwiebäcke u. dgl. vom Wagen. Auch wird still gehalten und die Punschflasche vom Wagen gereicht.

Im schwarzen Ort bestimmt die Braut die Geschenke, die sie von den einzelnen Gästen haben will.

Die Brautsachen werden unter Musik aufgeladen.

An dem Tage, wo die junge Frau aus dem Elternhause kommt, werden ihr zwei Frauen zugestellt, Brautfrauen genannt. Diese rauben im Interesse der jungen Frau im Elternhause Alles, was sie bekommen können, weil dies, wie sie sich ausdrücken, das Letzte ist, was die Braut mitbekommt. Deshalb werden an dem Tage, wo die Sachen aufgeladen werden, eigens Leute angestellt, die den Brautfrauen wehren, wo sie was nehmen wollen. Die Braut nimmt nichts. Es[77] passirt aber doch, trotz aller Wachsamkeit von Seiten der Eltern, daß die Brautfrauen Töpfe und Schalen u. dgl. ausführen.

Die Brautsachen werden unter Musik abgeladen.

Der Brautzug auf der Fahrt zur Kirche darf keine Richtwege einschlagen.

Als ein böses Vorzeichen gilt es, wenn der Brautzug einer Leiche begegnet. Eins von den Brautleuten stirbt dann in demselben Jahr.

Noch ist es Sitte, daß die junge Frau den ersten Abend früher als ihr Mann das Bett besteigt, damit er nicht sagen könne, sie sei zu ihm gekommen, sondern damit sie sagen könne, er sei zu ihr gekommen.


F. Klockmann aus Hansdorf.

1

Ob man sich in der blanken Gegend auch des nachstehenden Liedes bedient, habe ich nicht in Erfahrung bringen können.

2

Wird nur der Hausherr mit seiner Frau allein geladen, wird der Zusatz weggelassen und umgekehrt.

3

In manchen Dörfern schicken die eingeladenen Bauern Milch, Eier, Butter etc. dem Brautpaar. Darauf bezieht sich dies.

Quelle:
Karl Bartsch: Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg 1–2. Band 2, Wien 1879/80, S. 75-78.
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