Neunte Scene.

[40] Vorige. Trauungszug aus der Kirche. Die Hochzeitsgäste gehen paarweise voran. Zuletzt Faust, Hugo und Kunigunde, letztere von Faust geführt, der sich angelegentlich mit ihr beschäftigt. – Röschen will zu Faust eilen, Franz hält sie zurück.


FRANZ.

Was wollt Ihr thun? So bleibet doch!

Ihr störet ja den Trauungszug!

Mit dem Schluß der Orgelmusik sind die Hochzeitsgäste abgegangen. Hugo und Kunigunde, von zwei Pagen gefolgt, sind mit Faust im Vordergrunde zurück geblieben.


HUGO zu Faust.

Es wird die Freude dieses schönen Tages

Durch Eure unverhoffte Gegenwart,

O edler Mann, um Vieles noch erhöht.

KUNIGUNDE zu Faust.

Ich weiß, daß Eurer Mitwirkung

Ich meine Freiheit danke;

So nehmt denn meinen wärmsten Dank!


Faust verneigt sich.


HUGO zu Faust.

Erfreut uns diesen Abend

Bei unserm Hochzeitfeste

Mit Eurer Gegenwart.

Bald sehen wir uns wieder!


Geht mit Kunigunden und den Pagen ab.


FAUST ohne die andern Anwesenden zu bemerken.

Ha, welch' ein Weib!

Und ich sollt' ihr entsagen?

Der Hölle hätt' ich mich verpflichtet,

Damit ein Andrer glücklich sei?

Nein, sie sei mein! Ich geh' zum Fest! –


Überlegend.


Die Nacht, – der wilde Taumel, –

Gelegenheit und List, –

Was diese nicht vermögen,

Vollende dann der Zauber!


Indem er sich umkehrt. um abzugehen, erblickt er seine Freunde.


Auf, meine Freunde, schmücket euch

Zum frohen Hochzeitfeste.


Will abgehen.
[40]

WAGNER hält ihn zurück, auf Röschen deutend.

Verweile noch!

Es haben sich Bekannte eingefunden.

FAUST.

(Wie, sie ist hier? und g'rade jetzt?

Ha, ich erkenne deine List,

Du schadenfroher Teufel!)

WOHLHALDT zu Röschen.

Blick' hin, sieh' sein Erblassen,

Und nenne mich Verleumder!

RÖSCHEN.

Es kann nicht sein. –


Schüchtern sich Faust nähernd.


Mein theurer Freund!

FAUST verlegen.

Dich find' ich hier so unverhofft!

Du konntest dich entschließen?

RÖSCHEN mit holder Scham.

Bei dir nur kann ich leben.

WOHLHALDT.

(Er ist verwirrt und kalt,

Das muß sie überzeugen.)

RÖSCHEN.

Du bist so fremd, das tödtet mich.

FAUST ergriffen.

Nein nein! Nur überrascht!

Sei herzlich mir willkommen!

Doch nun – auf kurze Zeit verlaß mich!


Zu Wagner.


Begleite sie in uns're Wohnung!

RÖSCHEN im Abgehen.

Folg' bald und laß mich nicht

In Angst vergehen!

Alle außer Faust ab.


Quelle:
Louis Spohr: Faust. Leipzig [o. J.], S. 40-41.
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