An den Wind

[113] Er, pleno Titulo, Regent

Von uns'rer Atmosphäre,

Macht wahrlich seinem Regiment

Am Himmel wenig Ehre.

D'rum, Herr Spavento! hör' er mich:

Frisch von der Leber weg will ich

Ihm für sein tolles Wesen

Jetzt die Leviten lesen.


Er ist ein wahrer Erztyrann:

Es bückt in seinem Reiche

Vor ihm sich jeder Unterthan,

Sei's Gräschen oder Eiche:

Ja, wenn's ihm einfällt, müssen gar

Mit augenscheinlicher Gefahr,

Trotz ihrem steifen Rücken,

Sich Thurm und Schornstein bücken.


Und ziehet er als Feind heran

In einem Donnerwetter,

So kündigt er den Krieg uns an,

Wie uns're Erdengötter;

Da nimmt er beide Backen voll,

Und streut, als wär' er noch so toll,

Von Rechten, die nichts taugen,

Brav Staub uns in die Augen.
[113]

Er pflegt hienieden weit und breit

In alles sich zu mischen,

Und sucht, wie seine Heiligkeit,

Im Trüben nur zu fischen;

Und ist dann die Konfusion

Recht groß, so macht er sich davon,

Und läßt die Welt in Kriegen,

Die er erst anblies, liegen.


Es soll nach seinem Eigensinn

Hienieden alles gehen;

Wir Menschen sollen nur, wohin

Es ihm beliebt, uns drehen;

Allein wir kehren seinem Grimm

Den Rücken zu, und zeigen ihm,

(Mag er auch noch so rasen)

Wohin er uns soll blasen.


Er handhabt die Gerechtigkeit

Just so, wie manche Richter:

Statt daß er Wolken oft zerstreut,

Macht er sie nur noch dichter:

Die kleinen Lichter bläst er aus,

Die grossen aber, die uns Haus

Und Hof verheeren können,

Macht er noch stärker brennen.


Von seiner Raubsucht hat man auch

Manch' gräuliches Exempel:

Er fegt oft Nachts mit seinem Hauch

Rein Kirchen aus und Tempel;

D'rum haben auch die Menschen ihn

Verdammt, daß er muß Schiffe zieh'n,

Ja, Mores ihn zu lehren,

Läßt man ihn Gassen kehren.


An Sitten und Manier ist er

Ein wahrer Engelländer:[114]

Denn, wenn's ihm einfällt, geht er her,

Zerreißt uns die Gewänder,

Wirft uns mit Schlossen, pfeift uns aus,

Als wenn die Welt, dies Narrenhaus,

Nur ein Theater wäre,

Und wir für ihn Acteure.


Und wird nicht gleich ihm aufgethan

So macht er ein Getümmel,

Schlägt uns an Thür und Fenster an

Und poltert wie ein Lümmel,

Läßt keine Fahne ungetrillt,

Und machet jeden Aushängschild,

Sei's Kaiser oder Engel,

Zu einem Galgenschwengel.


Auch wollen ihn, er geiler Bock,

Die Mädchen gar nicht loben:

Es ist ja fast kein Unterrock,

Den er nicht aufgehoben:

Geht das nicht an, so legt er sich

Auf sie, und weiß, dann meisterlich,

Trotz allem Protestiren,

Sie abzumodelliren.


Nichts ist ihm, wenn er saust und braust,

Auf Erden zu vergleichen:

Allein am allerärgsten haust

Er noch in unsern Bäuchen:

Da brummt und keift und zwickt und quält

Er uns, so lang es ihm gefällt,

Und neckt dann durch sein Blasen

Sogar noch uns're Nasen.


Allein, da sing ich armer Narr

Mich athemlos und müde:

Und er bläst fort, und brummt wohl gar

Den Baß zu meinem Liede,[115]

D'rum Punktum! und kein Wörtchen mehr:

Denn alle die Moral, mit der

Man ihm kommt angestochen,

Ist in den Wind gesprochen.

Quelle:
Aloys Blumauer: Sämmtliche Gedichte. München 1830, S. 113-116.
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