Die 39. Historie sagt, wie Ulenspiegel sich verdingt zu einem Schmid und wie er ihm die Bälg in den Hoff trug.

[116] Zu Rostock in dem Landt Mecklenburg, da kam Ulenspiegel hin und verdingt sich für ein Schmidknecht. Und derselb Schmid het ein Sprichwort, wann der Knecht mit den Bälgen blasen solt, so sprach er: »Haho, folge mit den Bälgen.« Also stund Ulenspiegel uff denn Bälgen unnd bließ. Da sprach der Schmid zu Ulenspiegel mitt harten Worten: »Haho, folg mit den Bälgen nach!«, unnd er gieng mit den Worten uß in den Hoff und wolt sich seins Wassers entplössen. Also nam Ulenspiegel den einen Balck uff den Halß und[117] folgt dem Meister nach und sprach: »Meister, hie bring ich den einen Balg, wa sol ich ihn hinthun? Ich wil gon, den andern auch bringen.« Der Meister sach sich umb und sprach: »Lieber Knecht, ich meint es nit also, gang mir hin und leg den Balg wider an sein Stat.« Daz thet Ulenspiegel und trug in wider an sein Stat. Also gedacht der Meister, wie er ihm daz wider belonen möcht, und ward in ihm selber eins, wie daz er 5 Tag lang wolt alle Mitnacht uffston und den Knecht wecken und arbeiten lassen. Da weckt er die Knecht und ließ sie schmiden. Ulenspiegels Gespan begund zu sprechen: »Waz meint unser Meister damit, daz er uns so frü weckt? Des pflegt er nit zu thun.« Also sprach Ulenspiegel: »Wilt du, so wil ich ihn fragen.« Der Knecht sprach ja. Da sprach Ulenspiegel: »Lieber Meister, wie gat es zu, daz Ihr uns als frü wecken, es ist erst Mitternacht.« Der Meister sprach: »Es ist mein Weiß, daz zum ersten mein Knecht acht Tag nit länger sollen ligen, dann ein halbe Nacht.« Ulenspiegel schwig stil, und sein Companien dorfft nüt sprechen. Bis in die ander Nacht, da weckt sie der Meister aber. Da gieng Ulenspiegels Companien zum Arbeiten. Da nam Ulenspiegel das Bet und bindet es uff den Rücken. Und als daz Eisin heiß was, so kumpt er von der Büne lauffen und zum Anboß und schlächt mit zu, daz die Funcken ins Beth stoben. Der Schmid sprach: »Nun sich, waz tust du da. Bist du dol worden? Mag das Beth nit bleiben ligen, da es sol ligen?« Ulenspiegel sprach: »Meister, zürnent nit, das ist mein Weiß, zu dem ersten Wochen, daz ich ein halb Nacht wil ligen uff dem Bet und die ander halb Nacht sol daz Bet uff mir ligen.« Der Meister ward zornig und sprach zu ihm, daz er daz Bet wider hin trüg, da er daz genumen hät, und sprach fürter zu ihm in gähem Mut: »Und gang mir droben uß dem Huß, du verzweiffelter Schalck.« Er sprach ja und gieng uff die Bün und legt das[118] Bet wider, da er es genumen het. Und uberkam ein Leiter und stig in di Fürst und brach daz Dach oben uß und gieng uff dem Dach uff den Latten. Und nimpt die Leiter und zücht sie nach ihm und setzt sie von dem Dach ab uff die Straß und steig also hinab und gat hinweg.

Der Schmit hort, daz er boldert, und gat ihm nach uf die Bün mit dem andern Knecht und sicht, daz er daz Dach hatt uffgebrochen und war durch ußgestigen. Da ward er noch zorniger und sucht den Spieß und lieff ihm nach uß dem Huß. Der Knecht ergreiff den Meister und sprach zu ihm: »Meister, nit also, lond Euch sagen, er hat doch anders nit gethon, denn das Ihr ihn geheissen haben. Wann Ihr sprachen zu ihm, er solt Uch droben uß dem Huß gon. Daz het er gethon, als Ihr dan sehen.« Der Schmid ließ sich berichten, und was wolt er darzu thun. Ulenspiegel waz hinweg, und der Meister müst daz Dach wider lon pletzen und müst des zufriden sein. Der Knecht sprach: »An solich Companion ist nit vil zu gewinen. Wer Ulenspiegel nit kent, der hab nur mit ihm zu thun, der lert ihn kennent.«

Quelle:
Ein kurtzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel. Stuttgart 1978, S. 116-119.
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