[37] Knopp begibt sich weiter fort
Bis an einen stillen Ort.
Hier auf dieser Blumenwiese,
Denn geeignet scheinet diese,
[37]
Kann, er sich gemütlich setzen,
Um die Scharte auszuwetzen
Und nach all den Angstgefühlen
Sich ein wenig abzukühlen.
Hier ist alles Fried und Ruh,
Nur ein Häslein schauet zu.
Sieh da kommt der Bauer Jochen.
Knopp hat sich nur leicht verkrochen,
[38] Doch mit Jochen seiner Frau
Nimmt er es schon mehr genau.
Kurz war dieser Aufenthalt.
Und mit Eifer alsobald
Richtet Knopp sein Augenmerk
Auf das angefangne Werk. –
[39]
Kaum hat er den Zweck erreicht,
Wird er heftig aufgescheucht,
Und es zeigt sich, ach herrje,
Jetzt sind Damen in der Näh.
Plumps! – Man kommt. – Indes von Knopp
Sieht man nur den Kopf, gottlob! –
[40] Wie erschrak die Gouvernante,
Als sie die Gefahr erkannte.
Ängstlich ruft sie: »O mon dieu!
C'est un homme, fermez les yeux!«
Knopp, auf möglichst schnelle Weise,
Schlüpfet in sein Beingehäuse.
[41] Dann verläßt er diesen Ort
Und begibt sich weiter fort.
|
Ausgewählte Ausgaben von
Abenteuer eines Junggesellen
|
Buchempfehlung
Der junge Chevalier des Grieux schlägt die vom Vater eingefädelte Karriere als Malteserritter aus und flüchtet mit Manon Lescaut, deren Eltern sie in ein Kloster verbannt hatten, kurzerhand nach Paris. Das junge Paar lebt von Luft und Liebe bis Manon Gefallen an einem anderen findet. Grieux kehrt reumütig in die Obhut seiner Eltern zurück und nimmt das Studium der Theologie auf. Bis er Manon wiedertrifft, ihr verzeiht, und erneut mit ihr durchbrennt. Geldsorgen und Manons Lebenswandel lassen Grieux zum Falschspieler werden, er wird verhaftet, Manon wieder untreu. Schließlich landen beide in Amerika und bauen sich ein neues Leben auf. Bis Manon... »Liebe! Liebe! wirst du es denn nie lernen, mit der Vernunft zusammenzugehen?« schüttelt der Polizist den Kopf, als er Grieux festnimmt und beschreibt damit das zentrale Motiv des berühmten Romans von Antoine François Prévost d'Exiles.
142 Seiten, 8.80 Euro
Buchempfehlung
Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Für den dritten Band hat Michael Holzinger neun weitere Meistererzählungen aus dem Biedermeier zusammengefasst.
444 Seiten, 19.80 Euro