Schluß

Schluß

[76] Sofort legt Bählamm sich zur Ruh.

Die Hand der Gattin deckt ihn zu.

Der Backe Schwulst verdünnert sich;

Sanft naht der Schlaf, der Schmerz entwich,

Und vor dem innern Seelenraum

Erscheint ein lockend süßer Traum. –


Ihm war als ob, ihm war als wie,

So unaussprechlich wohl wie nie. –

Hernieder durch das Dachgebälke,

Auf rosenrotem Duftgewölke,

Schwebt eine reizend wundersame

In Weiß gehüllte Flügeldame,

Die winkt und lächelt, wie zum Zeichen,

Als sollt er ihr die Hände reichen;

Und selbstverständlich wunderbar

Erwächst auch ihm ein Flügelpaar;


Schluß

[76] Und selig will er sich erheben,

Um mit der Dame fortzuschweben.
[77]

Schluß

Doch ach! Wie schaudert er zusammen!

Denn wie mit tausend Kilogrammen[78]

Hängt es sich plötzlich an die Glieder,

Hemmt das entfaltete Gefieder

Und hindert, daß er weiterfliege.

Hohnlächelnd meckert eine Ziege.

Die himmlische Gestalt verschwindet,

Und nur das eine ist begründet,

Frau Bählamm ruft, als er erwacht:


Schluß

»Heraus, mein Schatz! Es ist schon acht!«
[79]

Schluß

Um neune wandelt Bählamm so

Wie ehedem auf sein Bureau. –


So steht zum Schluß am rechten Platz

Der unumstößlich wahre Satz:

Die Schwierigkeit ist immer klein,

Man muß nur nicht verhindert sein.
[80]


Quelle:
Wilhelm Busch: Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, Bde. I-IV, Band 4, Hamburg 1959, S. 76-81.
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