[230] »Und wenn er sich auch ärgern sollte,
Was schert mich dieser Onkel Nolte!«
So denkte Helene leider Gotts!
Und schreibt dem Onkel grad zum Trotz:
[230] »Geliebter Franz!
Du weißt es ja, dein bin ich ganz!
Wie reizend schön war doch die Zeit,
Wie himmlisch war das Herz erfreut,
[231] Als in den Schnabelbohnen drin
Der Jemand eine Jemandin,
Ich darf wohl sagen: herzlich küßte. –
Ach Gott, wenn das die Tante wüßte!
Und ach! wie ist es hierzuland
Doch jetzt so schrecklich anigant!
[232] Der Onkel ist, gottlob! recht dumm,
Die Tante nöckert so herum,
Und beide sind so furchtbar fromm;
Wenn's irgend möglich, Franz, so komm
Und trockne meiner Sehnsucht Träne!
10000 Küsse von
Helene.«
[233] Jetzt Siegellack! – Doch weh! Alsbald
Ruft Onkel Nolte donnernd: halt!
[234] Und an Helenens Nase stracks
Klebt das erhitzte Siegelwachs.
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Die Fromme Helene
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